Jesus ist anders

Jesus hatte keinen anderen Nachweis seiner Legitimation als sich selbst. Er schrieb nie ein Buch, befehligte keine Armeen, hatte kein politisches Amt inne und besaß kein Eigentum. Er zog umher in einem Umkreis von mehr oder weniger hundertfünfzig Kilometern von seinem Dorf und versammelte Massen um sich, die über seine provokativen Reden und Wundertaten nur staunen konnten.
Jesus war absolut demütig und doch strahlte sein Wesen eine unbezwingbare Autorität aus. Viele Gelehrte versuchten ihn durch kluge Fangfragen zu Fall zu bringen, doch seine einfachen Antworten und Gleichnisse sprechen von einer umfassenden Lebensweisheit und Weisheit, die alle seine Zeitgenossen überzeugte.
Ihm stand aller Reichtum der Welt zur Verfügung und er verzichtete darauf. Allen Korruptionsversuchen widerstand er fest. Auch durch Ehrungen und Schmeicheleien ließ er sich nicht verführen. Als Schöpfer des Universums lebte er demütig wie ein Diener seiner Geschöpfe.
Jesus selbst gründete keine Partei oder Organisation und och bilden seine Ideen die Grundlage für unzählige Orden, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Kirchen. Er weigerte sich strickt, Gewalt anzuwenden oder jemanden zu bedrängen und doch eroberte er die Herzen von Millionen Menschen.
Er hinterließ keine philosophischen Lehrbücher oder autobiographische Schriften und doch gibt es keine Person der Weltgeschichte über deren Leben mehr Menschen Bescheid wissen als von Jesus Christus. Seine Lebensgeschichte, die Evangelien, ist der häufigste geduckte Text der Weltgeschichte. Über keinen Menschen wurden mehr Abhandlungen verfasst als über ihn.
Jesus Christus malte keine Bilder und schuf keine neue Stilrichtung und doch inspirierte er wie kein anderer zahllose Künstler, Musiker, Maler, Architekten und Bildhauer in ihrem Schaffen. Wie keine Person vor ihm motivierte er Wissenschaftler für ihre Forschungen und Entdeckungen.
Seine ethischen Werte und Maßstäbe bilden bis heute die Grundlage der Erziehung und der Rechtsprechung in den meisten Ländern der Welt. Niemand veränderte das Leben von so vielen Menschen so grundlegend, wie Jesus. Aus Terroristen machte er friedvolle Menschen, aus Süchtigen machte er stabile Persönlichkeiten, Verzweifelten gab er Hoffnung und mit Versagern baute er sein unsichtbares Reich auf der Erde.
Die Genialität von Jesus Christus war allen offensichtlich, die ihn sahen und hörten, Die meisten bedeutenden Persönlichkeiten verblassten mit der Zeit in den Geschichtsbüchern, Jesus hingegen ist noch immer Gegenstand Tausender von Büchern und unvergleichlicher Medienkontroversen. Ein Großteil dieser Meinungsverschiedenheiten hat mit den radikalen Behauptungen zu tun, die Jesus von sich selbst aufstellte – Behauptungen, die sowohl seine Anhänger wie auch seine Feinde in Erstaunen versetzten. Er behauptete Gottes Sohn zu sein, über die Natur und die übernatürliche Welt zu herrschen, sowie Krankheit beseitigen und Sünde vergeben zu können. Und all das konnte er praktisch und vor Zeugen belegen.
Und genau diese einzigartigen Behauptungen von Jesus waren die Ursache dafür, dass ihn sowohl die römischen Behörden als auch die jüdische Hierarchie als Bedrohung empfanden. Trotz seiner Stellung als Außenseiter ohne jegliche Legitimation oder politische Basis veränderte Jesus in nur drei Jahren die Welt für die nächsten 20 Jahrhunderte. Michael Kotsch