Das Gewissen

Ein Gewissen, das nicht in Gottes Wort gefangen ist, bildet ein gefährliches Irrlicht und eine unerschöpfliche Fundgrube der Selbstgerechtigkeit. Es ist ein allzu schmeichlerischer und schönfarberischer Anwalt unser selbst. Und darum gilt eines mit aller Bestimmtheit: Im Kampf zwischen der Anklage des Teufels und der Verteidigung des Gewissens siegt immer der Teufel – einfach deshalb, weil er schärfer sieht als unser Gewissen und weil er uns weniger Freund ist. Unsere Feinde sehen unsere Schwächen ja immer schärfer als unsere Freunde. Darum sollen wir an dieser Stelle ruhig einmal auf den Teufel hören und uns fragen, was er wohl als Ankläger des Jüngsten Gerichtes gegen uns vorzubringen hätte. Und in der Tat: Der teuflische Verkläger hat uns einige Wahrheiten zu verraten, die nicht nur bitter, sondern eben auch wahr sind.
Helmut Thielicke – Das Leben kann noch einmal beginnen – Ein Gang durch die Bergpredigt. S.87