Jesus – der alleinige Weg zu Gott?

Christen sind es gewohnt, Antworten auf Fragen zu geben, die keiner stellt. Das ist nicht unser Fehler! Nur weil niemand die Frage stellt, heißt das nicht, dass die Frage nicht wichtig wäre Mal ehrlich: Wollen die Leute überhaupt wissen, ob es einen Weg zu Gott gibt? „Wir haben vergessen, dass wir Gott vergessen haben“. Was zunächst im Blick auf die neuen Bundesländer so festgehalten wurde, gilt zunehmend auch für den Westen der Republik. Für die meisten Menschen ist Gott überhaupt kein Thema mehr. Die atheistische Erziehung und der Machbarkeitswahn der Wohlstandsgesellschaft haben Gott weitestgehend aus dem gesellschaftlichen Diskurs, der Gedankenwelt des Einzelnen und den Herzen der Menschen ausgegrenzt. Christen wissen, was Jesus – der für sie fleischgewordene Sohn Gottes, Erlöser der in der Sünde verlorenen Menschheit und Herr der Geschichte ist – von sich gesagt hat: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Johannes 14,6). Dieser Absolutheitsanspruch ist vermutlich der Grund, warum wir uns überhaupt Christen nennen. Wir vertrauen darauf, dass nur Jesus Christus uns vor dem ewigen Tod retten und Jesus Christus allein uns als Erlöste in die ewige Gemeinschaft mit Gott bringen kann. Das ist auch der Grund, warum wir als Christen in Konkurrenz zu den Religionen stehen. Wir haben den Weg, den Christus uns geboten hat, als zielführend und richtig angenommen. Aus dieser Einsicht können wir nur folgern, dass andere Wege andere Ziele haben. „Wir haben doch alle den gleichen Gott!“ wird immer wieder beteuert. Ziel dieser Aussage ist, dass die Religionsgemeinschaften sich gegenseitig nach dem Motto „alle Wege führen nach Rom“ als gleichwertige „Wege zu Gott“ anerkennen. Darum geht es aber nicht! Einerseits ist logisch nachvollziehbar, dass, wenn es nur einen Gott gibt, wir nicht verschiedene Götter haben können. Das ist aber auch nicht das eigentliche Thema. Gott können wir nämlich gar nicht „haben“. Folglich können wir nicht den „gleichen Gott haben“. Der Mensch meint zwar, durch die Religion „Gott in den Griff zu bekommen“, aber das ist ein Trugschluss. Wir können nicht Gott haben – wir können nicht einmal von uns aus zu ihm kommen! In keiner Religion dieser Welt gelingt es, den Weg zu Gott zu finden und zu ihm zu kommen. Wenn es also nicht darum geht, den gleichen Gott zu haben, worum geht es dann? Im vierten Kapitel der Apostelgeschichte wird uns berichtet, wie Petrus während seines Verhörs vor den Mitgliedern des Hohen Rates bezeugt: „Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“ (Apg 4,12). Es geht zunächst nicht darum, einen wie auch immer gearteten Gott zu „haben“ oder einen Weg zu ihm zu finden, sondern es geht um unser Heil, um unsere Errettung vor dem ewigen Tod, um unserer Seelen Seligkeit. Wir tun so, als ob wir über Gott verfügen könnten, sind aber dazu nicht in der Lage. Die Frage Martin Luthers „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ zielt nicht auf Gott, sondern auf den verlorenen und verdammten Mönch Martinus. Letztendlich geht es nicht um einen gnädigen Gott, sondern um einen Sünder, der für sich die Gnade braucht.
Was bedeutet das, wenn es uns um „den Weg zu Gott“ geht? „Religiöse“ Menschen gehen so selbstverständlich davon aus, dass Gott als Ziel des Lebensweges erreichbar wäre. Es geht nur um das „wie“ oder um die Frage, „auf welcher Route“ wir das Ziel erreichen könnten. Jesus wird nur als einer von vielen möglichen Wegen wahrgenommen. Der postmoderne Mensch neigt dazu, zu denken, dass der Weg dorthin beliebig sei. Dabei fragt er nicht, ob der Mensch überhaupt im Stande sei, einen solchen Weg zu gehen. Das ist der fundamentale Fehler in einer Gleichung, die nicht aufgehen kann. Für den Menschen gibt es keinen Weg, der zu Gott führt! Christen geben nicht nur Antworten auf Fragen, die niemand stellt, wir sind auch oft ungenau in dem, was wir über den Glauben aussagen. Was meinen wir damit, wenn wir sagen, dass Jesus der alleinige Weg zu Gott ist? Jesus hat das nämlich so nicht gesagt! Was hat er genau gesagt? Er hat gesagt: „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“. Es mag wie Haarspalterei klingen, aber die Unterscheidung ist wichtig! Es kann nämlich niemand zu Gott kommen, außer als sein Kind. Als Menschen können wir nicht zu Gott kommen. Wir können nur zum himmlischen Vater als seine Kinder kommen. Das ist die einzige Art und Weise, in der wir von uns aus Gott begegnen können. Wenn Jesus sagt, dass er der Weg zum Vater ist, dann bedeutet das gleichzeitig, dass er der Weg zur Gotteskindschaft ist. Die Gotteskindschaft ist das eigentliche Ziel. Darin liegt das Heil, unsere Errettung. Nur durch Jesus Christus, durch den Glauben an sein Erlösungswerk, durch sein stellvertretendes Leiden und Sterben können wir das neue Leben als Kinder Gottes haben. Das ist der Unterschied zwischen Christen und Gott-Suchenden in den Religionen. Es ist nicht nur eine fahrlässige Ungenauigkeit in der Rede vieler Theologen, es ist auch eine gefährliche Lüge, wenn behauptet wird, dass wir Menschen alle Kinder Gottes wären. Wir sind als sündige Menschen von unserer Geschöpflichkeit her eben nicht Kinder Gottes. Wir sind Gottes Geschöpfe. Wir sind in seinem Ebenbild geschaffen, haben aber durch die Sünde sowohl den direkten Kontakt, die direkte Beziehung zu Gott verloren. Nein, wir sind nicht von Haus aus Kinder Gottes. Aber wir können es werden! Dazu ist Gott in Jesus selbst Mensch geworden, um uns als Kinder Gottes zum Vater zu führen. So ist Jesus „der Weg, die Wahrheit und das Leben“. So und nicht anders! Im christlichen Glauben geht es – im Gegensatz zu allen Religionen – gar nicht darum geht, den Weg zu Gott zu finden. Während die Religionen dieser Welt sich darum bemühen, durch rituelle Handlungen, durch Meditation, durch das Einhalten von Geboten und Verboten und anderem mehr einen Weg zu finden, auf dem sie Gott nahe kommen könnten. Der christliche Glauben ist „das Ende der Religion“, weil wir im christlichen Glauben nicht die „Rückbindung“ (lateinisch religio) an Gott von uns aus suchen. Vielmehr geht es im christlichen Glauben darum, dass Gott selbst die Verlorenheit der Menschen nicht hingenommen, sondern die Erlösung des Menschen vorgenommen, den Weg zum Menschen auf sich genommen, Menschengestalt angenommen, am Kreuz die Sünde der Welt weggenommen und uns so an Kindes statt angenommen hat. Es kann also in keinem Falle darum gehen, dass wir als Christen „unseren Weg“ für den „richtigen“, „einzigen“, „wahren“ Weg halten. Es geht nicht um unseren Weg. Es geht um Gottes Weg. Es geht um den Weg, den Gott selbst gegangen ist. Gott hat sich in Jesus Christus auf den Weg gemacht, nicht wir haben uns auf den Weg gemacht. Wir vergleichen uns nicht mit den Religionen und halten uns nicht für besser als die anderen. Gott ist der Handelnde, nicht wir. Das macht uns demütig. Wir bilden uns nicht ein, auf irgendeinem Weg, auf irgendeine Weise zu Gott kommen zu können. Aber weil er zu uns gekommen ist, als Kind in der Krippe, als Lehrer der Barmherzigkeit, als leidender Gottesknecht, als an unserer Stelle Verfluchter am Kreuz und als Erstling der neuen Schöpfung durch die Auferstehung von den Toten, können wir Kinder Gottes sein und haben den Zugang zum himmlischen Vater. Es gibt jetzt einen Zugang zu Gott, der durch das für uns vergossene Blut Jesu freigemacht wurde. Nur als Kinder des himmlischen Vaters haben wir Zugang zu ihm und Eingang in das Leben. Dr. Paul Murdoch
Der gesamte Text ist zu finden auf folgender Internetseit: http://www.bengelhaus.de/index.htm http://www.bengelhaus.de/upload/to181.pdf