Digitale Geheimnisse?

Schon wieder sind sensible Informationen aus den Weiten des Cyberspace an die Öffentlichkeit gelangt. Die sogenannten „Panama Papers“ lassen jetzt alle nervös werden, die anonyme Briefkastenfirmen in exotischen Steuerparadiesen besitzen und darüber undurchsichtige Geschäfte abgewickelt haben. Ich jedenfalls gehöre nicht zu den rund 1000 Deutschen die in der Vergangenheit die Dienste der Kanzlei „Mossack Fonseca“ in Anspruch genommen haben, um ihre Geldflüsse zu verschleiern. Der Besitz einer solchen Offshore-Firma ist zumeist nicht strafbar. Die meisten der von Politikern, Geschäftsleuten, Sportlern und anderen Prominenten betriebenen Briefkastenfirmen aber wickeln keine wirklichen Geschäfte ab.
Zuallererst dienen die Scheinfirmen dazu, Gelder zu anonymisieren, Steuerbehörden oder anderen Ermittlungseinrichtungen den Durchblick bei den eigenen Finanzen zu erschweren. Man überweist Gelder hin und her, bevorzugt in Länder, die keine Auskunft über den Kontoinhaber erteilen. Am Ende, so hofft man, weiß niemand mehr wem welches Geld gehört und woher es stammt. So kann man zweifelhafte Geldgeber ebenso verschleiern wie steuerfreie Zusatzeinkommen. Wer zu seinen Zahlungen steht, benutzt nur selten die Dienste teurer Briefkastenfirmen im Nirgendwo. Bei aller Empörung über diejenigen, die solche Offshore-Firmen betrieben haben, sollte man aber auch nie vergessen, dass diese Informationen durch Datendiebstahl an die Öffentlichkeit gelangt sind. Und das ist eigentlich auch ein Verbrechen. Würden auf dieselbe Weise beispielsweise private Kontodaten geklaut, würden sich auch viele Normalverdienende zurecht aufregen.
Jedem Internetnutzer sollte wieder einmal klar geworden sein, dass es absolute Sicherheit oder Anonymität nicht gibt. Wahrscheinlich noch weit mehr als zu Stasi- Zeiten ist heute jeder Mensch überprüfbar und überwachbar. Da fast alles über den Computer läuft, kann ziemlich schnell jedes Geheimnis an die Öffentlichkeit gelangen. Da manche Information aber ohne den entsprechenden Hintergrund schnell missverstanden oder missbraucht werden kann, und da manche Informationen eben aus gutem Grund nur für wenige Augen und Ohren gedacht sind, wird das Leben zukünftig immer unsicherer. Immer leichter wird es, unliebsame Personen unter Druck zu setzen – mit echten oder falschen Enthüllungen.
Wirklich gefährlich wird es da, wo auf dieselbe Weise wie jetzt Informationen abgeschöpft werden auch Desinformation produziert und auf anderen Rechnern deponiert werden kann. Ohne unüberwindliche Hürden könnten Strafvergehen auf Polizeidatenbanken erfunden werden oder fiktive Emails auf privaten Computern, um diese Personen später öffentlich bloßzustellen.
In jedem Fall ermutigt der jetzt erst beginnende Skandal um die „Panama- Papers“ Christen, ehrlich und authentisch zu leben. Ein wie auch immer geartetes Doppelleben kann, wie hier deutlich wird, sehr schnell auffliegen. Und eigentlich werden Christen von Jesus ja auch aufgefordert: „Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein! Alles, was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.“ (Matthäus 5, 37) Wer danach strebt kann ruhiger schlafen, auch in Zeiten offengelegter Scheinfirmen und Steuermogelleien.
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