Trump for president!?

„Jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient“, heißt es. Was bedeutet das wohl jetzt für die USA? Nun haben die Amerikaner einen weitgehend unberechenbaren Selbstdarsteller als Regierungschef am Hals. Wie bei den meisten Wahlen wurde Trump vor allem von den zahlreichen Unzufriedenen ins Amt gebracht, denjenigen, denen die USA militärisch zu zurückhaltend auftritt, denjenigen, die in den vergangenen Jahren ihren Job verloren haben, denjenigen, die gerne alle Ausländer loswerden und nur noch amerikanische Produkte kaufen wollen, denjenigen, die allem was aus anderen Ländern kommt grundsätzlich misstrauen usw.
In Demokratien ist es häufig so, dass nach einer längeren Regierungszeit einer politischen Partei zur Abwechslung eine andere gewählt wird. Man hat eben genug von immer demselben. Und man lastet alles was einem nicht gefällt den gerade Regierenden an.
Auch wenn niemand wirklich weiß, was von einer Regierung Trump zu erwarten ist, höchstwahrscheinlich wird die Welt auch jetzt nicht untergehen. Denn selbst der politische Spielraum eines amerikanischen Regierungschefs ist begrenzt. Im Augenblick aber ist nicht absehbar, wie Trump die USA voranbringen will und wie sich Amerika unter der neuen Führung international verhalten wird.
Äußerst bedenklich ist die fast zwanghafte Festlegung amerikanischer Evangelikaler auf den republikanischen Kandidaten. Umfragen zufolge sollen 81% der Evangelikalen für Trump gestimmt haben. Viele evangelikale Prediger haben sogar auf der Kanzel Wahlwerbung für den Republikaner gemacht. Klug taktierend hatte er sich in einigen sexualethischen Fragen, wie Homosexualität, Gender und Abtreibung, in ihrem Sinne geäußert. Dabei machen diese Fragen m politischen Alltagsgeschäft nur etwa 5% der Entscheidungen aus. Leider lassen sich evangelikale Amerikaner so einfach berechnen. Politiker brauchen nur zwei oder drei Schlüsselbegriffe fallenlassen und schon haben sie die Sympathie der Christen.
Das sehr einseitige Abonnement der meisten amerikanischen Evangelikalen auf die Republikaner ist durchaus problematisch. Auf diese Weise verliert auch ihre christliche Botschaft mit jeder falschen Entscheidung der Regierung massiv an Glaubwürdigkeit. Viele Junge und Gebildete verlassen deshalb jedes Jahr in den USA die Gemeinden. Für die amerikanischen und auch die deutschen Evangelikalen wäre es weit besser, mehr zu beten und mutiger vom Evangelium zu reden, als sich an unsauberen, politischen Intrigen zu beteiligen. In einzelnen Sachfragen sollten sie dann durchaus auch öffentlich ihre Stimme erheben, aber nicht immer im Interesse einer politischen Partei.
Die deutschen Medien reagieren bei jeder US-Wahl sehr voraussehbar: Immer sind sie für den Kandidaten der Demokraten, ganz gleich wer es ist. Immer malen die die Katastrophe für den Fall an die Wand, wenn der Republikaner gewinnen sollte. Das ist zwar eine durchaus effektive Wahlhilfe, wird mit der Zeit aber langweilig und zeigt eine beängstigende Unfähigkeit, objektiv und ausgewogen zu berichten.
Frau Clinton war aus meiner Sicht auch keine gute Alternative. Wahrscheinlich hätte ich als amerikanischer Christ intensiv gebetet und einen ungültigen Wahlschein angegeben. – Im Nachhinein können Gläubige natürlich für eine echte Bekehrung Trumps beten, dann würde aus einem konservativen Präsidenten vielleicht noch ein an christlichen Werten orientierter.
Wahrscheinlich werden wir uns auch in Europa auf Jahre einrichten, in denen die politischen „Klartext-Redner“ den Ton angeben, Leute, die heftig vom Leder ziehen können, die starke Feindbilder haben, einfache Lösungen propagieren, die den Nationalismus fördern und grundsätzliche Skepsis allem ausländischen gegenüber.
Doch wie schon in den vergangenen 2000 Jahren gilt auch heute für Christen: „So ermahne ich euch nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1Tim 2, 1-4) Michael Kotsch https://www.facebook.com/michael.kotsch.9/posts/852794174860362