„Ich hatte nie einen Gott. Und ich brauche ihn auch nicht“

„Ich hatte nie einen Gott. Und ich brauche ihn auch nicht“, schreibt Markus Laskus in der „Zeit“. 1989 im soeben wieder vereinten Deutschland geboren, wuchs Laskus in Erfurt auf, studierte in Dresden und besuchte die Journalistenschule in München. Ja, Laskus wuchs dort auf, wo Martin Luther ab 1501 Jura studierte und wo ihn am 2. Juli 1505 ein Donnerwetter derart erschütterte, dass er ins Augustinerkloster eintrat, um Mönch zu werden. Dort, wo sich mit der Reformation der grösste und folgenreichste Wandel der Kirchengeschichte vollzog. Stille Zeugen sind Gebäude wie das Augustinerkloster, die Michaeliskirche und der Mariendom. Hier wurde Luther zum Priester geweiht. Dieser Dom ist das Wahrzeichen Erfurts. „Aber“, so schreibt Markus Laskus, „in diesen Dom gehe ich nur, wenn Leute, die mich besuchen, ihn unbedingt sehen wollen. Meist betrachte ich dann still ihre staunenden Gesichter, stecke meine Hände in die Hosentaschen und friere ein bisschen.“
Zwar starb die DDR, als Laskus zur Welt kam. Doch das Regime hatte während vierzig Jahren den Glauben an Gott systematisch bekämpft, die standhaften Christen gegängelt, bespitzelt und diskriminiert. In Deutschlands Osten glaubt heute nur noch einer von zehn Menschen an einen persönlichen Gott. Der Atheismus ist ein nachhaltiges Erbe der realsozialistischen DDR-Politik. Er sei freiwillig das, was ihm sein Umfeld vorgelebt habe, sagt Atheist Laskus. „Ich habe nie gebetet, wurde nie zu einer Taufe eingeladen. Ich hatte nie einen Gott. Und ich brauche ihn auch nicht.“ Wie kann ein Mensch wie Markus Laskus, den es in einer Kirche fröstelt, den Faden zu Gott aufnehmen?
Die Adventstage erinnern an das Kommen Gottes. Wie findet Gott zu uns? Wo lässt sich Gottes Präsenz in der Welt entdecken? Gott existiert. Also braucht unsere Wahrnehmung ein Update. Die Sehnsucht nach dem Unsichtbaren, die Ahnung von Gott, muss uns aus der Sackgasse der Projektionen, religiösen Vorstellungen und persönlichen Erlebnisse hinausführen. Erfüllung und Freiheit liegen in Christus. Er ist Weg, Wahrheit und Leben. Als Gottsucher habe ich mich Christus an die Fersen geheftet. Sich auf ihn, statt auf mich zu verlassen, befreit vom Druck, mich selber begründen zu müssen. In Jesus wird Gott zugänglich. Johannes schreibt: „Niemand hat Gott jemals gesehen. Nur der Eine und Einzige seiner Art, der an der Seite des Vaters selbst Gott ist, hat ihn uns bekannt gemacht“ (Joh. 1, 18 NeÜ). Rolf Hoeneisen
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Man kann viel lernen von der Klarheit, mit der die französischen Existenzialisten die ‚condition humaine‘ beschreiben, die auf der von Nietzsche festgestellten Tatsache beruht, dass Gott tot ist:

„Es ist sehr unangenehm, dass Gott nicht existiert, denn mit ihm verschwindet jede Möglichkeit, Werte in einem intelligiblen Himmel zu finden; es kann kein a priori Gutes mehr geben, da es kein unendliches und vollkommenes Bewusstsein gibt, es zu denken; nirgends steht geschrieben, dass das Gute existiert, dass man ehrlich sein soll, nicht lügen darf, denn wir befinden uns ja auf einer Ebene, wo es nichts gibt außer den Menschen. Dostojewski schrieb: „Wenn Gott nicht existiert, ist alles erlaubt.“ Das ist der Ausgangspunkt des Existenzialismus. In der Tat ist alles erlaubt, wenn Gott nicht existiert, und folglich ist der Mensch verlassen, denn er findet weder in sich noch außer sich einen Halt.“
Jean-Paul Sartre: „Der Existenzialismus ist ein Humanismus“, a. d. Frz. v. Vincent von Wroblewsky

Nietzsche hat es eindrücklicher ausgedruckt:
„Wohin ist Gott?“ rief er, „ich will es euch sagen!
Wir haben ihn getötet – ihr und ich!
Wir sind seine Mörder! Aber wie haben wir das gemacht?
Wie vermochten wir das Meer auszutrinken?
Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen?
Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun?

Wohin bewegen wir uns?
Fort von allen Sonnen?
Stürzen wir nicht fortwährend?
Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten?
Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts?
Haucht uns nicht der leere Raum an?
Ist es nicht kälter geworden?
Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?