Es gibt zwischen Glauben und Wissenschaft mehr Parallelen, als man denken könnte

Das erste Bild eines schwarzen Lochs aus einer fernen Galaxie versetzt die Wissenschaft in Partystimmung. 8 Radioteleskope auf 4 Kontinenten und ein 200-köpfiges Team haben es geschafft. Ein Algorithmus hat die Unmengen von Daten zu einem Bild zusammengesetzt. Der Blick ins Nichts am Ende von Raum und Zeit schürt die Hoffnung auf tiefere Einblicke in die Geheimnisse des Universums.
Einer der Initiatoren hinter dem Verbund der Observatorien ist der Astrophysiker Heino Falcke. Über schwarze Löcher sagt er: „Wir wissen nicht, was in ihnen vor sich geht. Darin kann alles passieren. Man kann hinein, aber nicht mehr heraus. Das macht manchen Menschen Angst. Und hat etwas Mystisches, fast wie der Eingang zur Hölle.“
Falcke bekennt sich zu seinem Glauben an Gott. Dem „Spiegel“ sagte er: „Es gibt zwischen Glauben und Wissenschaft mehr Parallelen, als man denken könnte. Beide suchen nach dem Grund von allem. Nur traut sich die Physik nicht, einen Schritt weiterzugehen und die Frage nach Gott zu stellen. Ich glaube aber, dass der Mensch nicht nur aus Naturgesetzen besteht. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass da noch mehr ist. Wir haben Geist, Gefühl und Seele. Und diesem Bauchgefühl folge ich auch in der Wissenschaft oft.“
Schwarze Löcher sind extreme Phänomene. Diese Monster der Schwerkraft verschlucken alles Licht. Um sie herum brodelt es, rast alles. Gas wird enorm heiss. Die Energien sind gewaltig, während die Zeit beinahe stillzustehen scheint.
Ein anderes Loch, wo die Zeit für einen Augenblick stillstand, ist ein Felsengrab in Jerusalem. Die Energie, die dort herrschte und den toten Jesus verwandelt wieder ins Leben setzte, muss grösser gewesen sein als in jedem lichtschluckenden Monsterloch im Universum.
Am Kreuz wurde es dunkel; im Grab herrschte Licht. Es ging um alles: um Sünde und Tod besiegen. Raum und Zeit durchbrechen. Ins Leben auferstehen. Den Weg in die Ewigkeit bahnen. Solches vermag nur eine Kraft, die ausserhalb des Sichtbaren existiert.
Das Grab war leer, ein schwarzes Loch. Und doch der Eingang zum Himmel. „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!“ Der Blick ins leere Grab weckt die unbändige, begründete Hoffnung auf neues, ewiges Leben. Der Glaube sieht weiter und tiefer als ein Radioteleskop. Frohe Ostern! Rolf Hoeneisen