Anti- CDU Video

Mit seinem viel beachteten Video macht der YouTuber Rezo kurz vor der Europawahl 2019 leicht durchschaubare Wahlwerbung für die Partei der Grünen. Das pauschalisierende Fazit seiner einstündigen Polemik gegen die Politik der Bundesregierung lautet: die CDU zerstöre „unser Leben und unsere Zukunft“. Deshalb könne man keinesfalls die CDU / CSU, aber auch nicht die SPD oder die AfD wählen. Wenn man dann noch die Linken mit ihrer historischen Hypothek der DDR- Diktatur abzieht, bleiben demnach nur noch die Grünen.
Bei einem Wahlvideo zur Europawahl würde man aber erwarten, dass auch Themen der Europapolitik aufgegriffen werden, denn um diese politische Entscheidung geht es doch momentan. Davon spricht der YouTuber Rezo aber kaum. Stattdessen lässt er sich beispielsweise über die deutsche Bildungspolitik aus, wobei diese nicht einmal Bundes- sondern Landesangelegenheit ist und dabei gerade die CDU / CSU- geführten Länder außergewöhnlich gut abschneiden. Überhaupt geht Rezo mit Fakten und Statistiken sehr eigenwillig um. Häufig lässt er wichtige Informationen einfach weg, fälscht ganz offensichtlich oder verschweigt absolut notwenige Bezugspunkte, wie beispielsweise der Bevölkerungsanteil junger Menschen im Vergleich zu den jeweiligen Bildungsausgaben. Offensichtlich geht es ihm nicht darum Fakten darzustellen, sondern Stimmungen zu wecken. Dazu passt auch sein beharrliches Verschweigen offensichtlicher Regierungserfolge: Die niedrige Arbeitslosenrate, das vergleichsweise gute Gesundheitssystem, die große politische Stabilität, den stetig steigenden Anteil regenerativer Energien oder die Spitzenposition deutscher Umwelttechnik, die massiv mit Steuergelder gefördert wird, die Abschaffung der Kernkraftwerke usw.
Rezos Video macht vor allem eines, es schürt Angst und Unzufriedenheit bei den Zuschauern. Bei einer seit längerem regierenden Partei ist so etwas natürlich leicht und entspricht durchaus den üblichen Methoden des Wahlkampfs. Schließlich macht jeder Fehler, der in Verantwortung steht und Entscheidungen treffen muss. Die Opposition muss nur die Fehler der Regierenden benennen und kann dann vollkommen utopische Alternativen einfordern. Diese Ideen wirklich umsetzen oder auch nur deren reale Umsetzbarkeit nachweisen muss sie nicht. Fast nie macht eine daraufhin neu gewählte Regierungspartei wirklich das, was sie vorher angekündigt hatte. Ganz plötzlich ist sie dann in der Realität angekommen und wird mit all den Sachzwänge, Kosten und demokratisch zu erringenden Kompromissen konfrontiert.
Rezos YouTube- Video erzeugt gerade bei vielen jungen Menschen Angst, bei einigen sogar Panik: Die Welt steht demnach kurz vor dem absoluten Kollaps. Deshalb müssen unverzüglich radikale Maßnahmen ergriffen werden. Mit seiner Ansprache verstärkt Rezo lediglich die durch führende Medien seit Jahren geschürten Emotionen. Allerdings sind solch radikalen Veränderungen auf demokratischem Weg kaum machbar, selbst wenn man sie wirklich wollte, weil dem eben nicht alle Bürger so zustimmen. Wirbt Rezo also indirekt für eine Art Diktatur, die ihre Interessen durchsetzt, weil sie sie heute eben für die einzig möglichen hält. Wer aus welchen Gründen nicht mitgehen will, oder die Notwendigkeit der geforderten Veränderungen nicht einsieht, muss quasi gezwungen werden, so scheint es.
In der Vergangenheit fuhren die Deutschen durchaus gut damit, nicht jeder gesellschaftlichen Panik gleich mit drastischen Mitteln zu begegnen: In den 1960er Jahren war man auf den Kampf gegen die „böse Macht“ der Sowjetunion eingestimmt, sodass viele schon mit dem Gedanken eines prophylaktischen Atomschlags spielten. In den 70er Jahren war der einhellige Mainstream, Atomkraft löst alle unsere Energieprobleme. In den 1980er Jahren wurden alle möglichen drastischen Eingriffe gegen den unmittelbar bevorstehenden „Tod der Wälder“ gefordert. In den 1990er Jahren grassierte die Angst vor der Gentechnik und dem Zusammenbruch aller Computersysteme zum Jahrtausendwechsel. – Nur gut dass man auch damals erst genau analysiert und nicht gleich jeder Panik nachgegangen ist. Ganz sicher, aktuelle gesellschaftliche Probleme müssen gelöst werden. Bestimmt geschieht das aber nicht mit einer weiter zugespitzten Polemik und politischen Radikalisierung, die sich am Ende nur noch die Daten heraussucht, die dann auch zu der längst festgelegten Meinung passen.
Der eher CDU- kritische und politisch links ausgerichtete SPIEGEL nennt einige Manipulationen Rezos, Beispiele für grobe Falschinformation und Manipulation; offensichtlich nicht mit dem Ziel zu informieren, sondern die CDU- Regierung möglichst schlecht dastehen zu lassen: spiegel.de
Rezo-Video: Die YouTube-Angriffe auf die CDU im SPIEGEL-Faktencheck46
Michael Kotsch FB

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