Newtons erfolglose Börsenspekulation

Auch Genies können sich irren! Ob das beruhigend ist oder nicht sei dahingestellt. Eindeutig fest steht allerdings, dass Verstand allein nicht vor Irrtümern schützen kann. Der massiv werbende Zeitgeist wirkt offensichtlich weit stärker als die nüchterne Analyse. Das sollte jeden Menschen mahnen wirklich skeptisch zu werden; ganz besonders bei Fragen, die zu einer gewissen Zeit „ganz unzweifelhaft sicher“ zu sein scheinen.

„Ich kann zwar die Bewegung der Himmelskörper berechnen, aber nicht wohin die verrückte Menge von Menschen einen Börsenkurs hintreiben kann“, schrieb Newton 1720 verzweifelt. Gut 20 000 Pfund hatte das Physik- Genie Newton beim sogenannten „Südsee-Schwindel“ verloren; eine für damalige Zeiten ganz erhebliche Summe.
Es lief wie so häufig in der Wirtschaftsgeschichte. Zu Beginn des 18.Jahrhunderts war die „South Sea Company“ der absolute Überflieger am britischen Börsenhimmel. Durch den geplanten Handel mit Sklaven und landwirtschaftlichen Gütern aus Südamerika versprach man renditeorientierten Anlegern unvorstellbare Gewinne.
1711 hatte die Gesellschaft zehn Millionen Pfund britischer Staatsschulden übernommen. Dafür erhielt sie sechs Prozent jährlich und das Monopol für Handelsgeschäfte mit den spanischen Kolonien in Südamerika. Einige Jahre später übernahm die „South Sea Company“ weitere 32 Millionen Pfund Staatsschulden, die sich durch den Krieg zwischen England und Spanien angehäuft hatten (1718-1720). Den Aktionären stellte man beachtliche Handelsvergünstigungen mit den spanischen Kolonien in Aussicht. Außerdem versprach man eine jährliche Rendite von unglaublichen 10%. Die Anleger waren begeistert. Der Wert der Aktien verzehnfachte sich innerhalb weniger Monate. Niemand schien es jetzt noch zu interessieren, dass die „South Sea Company“ bisher keinerlei realen Handel betrieben hatte. Durch den Erfolg des spekulativen Unternehmens motiviert gingen damals weitere seltsame Firmen an die Börse: Eine wollte Sonnenschein aus Gemüse gewinnen. Eine andere plante London mit Kohle aus dem Meer zu versorgen. Nur noch auf den prognostizierten Gewinn achtend waren die Anleger, bereit fast alles zu glauben.
Nachdem von erheblichen Zahlungsproblemen zu hören war begannen die Panikverkäufe. Im August 1720 platzte die Spekulationsblase schließlich ganz. Innerhalb kürzester Zeit verlor die Aktie 90% ihres Wertes. Einige wenige Spekulanten kassierten dabei groß ab. Der Großteil der gutgläubigen Anleger aber verlor alles investierte Kapital; unter ihnen auch Sir Isaac Newton. Viele Privatpersonen und Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. England schlitterte in eine mehrjährige Wirtschaftskrise. Dass man einige Verantwortliche des South- Sea- Desasters ins Gefängnis sperrte, drei Minister die Bestechungsgelder angenommen hatten, absetze und neue Aktienemissionen verbot, half in dieser Situation nur wenig.
Isaak Newtons schmerzliche Erfahrung mit dem Hype um die „South Sea Company“ fordert bis heute heraus, nicht jedem Mainstream nachzulaufen; nicht alles zu glauben, nur weil scheinbar alle „Spezialisten“ einer Meinung sind. Diese Erkenntnis gilt natürlich nicht nur für Wirtschaftsfragen, sondern ebenso für politische, ethische oder ganz alltägliche Überzeugungen des Zeitgeistes. Außerdem offenbart der Skandal um die „South Sea Company“ die großen Gefahren von Geldgier und Materialismus. Die Sucht nach mehr Besitz kann leicht den Blick für die Realität vernebeln und die wirklich wichtigen Fragen des Lebens vergessen machen.
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“
(Matthäus 16, 26) Michael Kotsch

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