„Hoffentlich hast Du keinen Dreck am Stecken.“

Wer „Dreck am Stecken hat“, muss sich nicht gerade waschen, vielmehr sollte er seine dunkle Vergangenheit aufräumen. Zumeist spricht man nicht von sich selbst sondern über einen anderen, der „Dreck am Stecken hat“, weil er irgendetwas Unschönes vor seiner Umgebung zu verbergen sucht. Obwohl die Angelegenheit nicht öffentlich bekannt ist, ahnt man aufgrund von Gerüchten oder aufgrund des auffälligen Verhaltens oder Redens einer Person, dass sie irgendeine Untat hinter einer schönen Fassade verbergen will.
Vor Jahrhunderten, zu der Zeit, als die Redewendung „Dreck am Stecken haben“ entstanden ist, konnte man noch nicht so sicher, bequem und sauber reisen wie heute. Wo gegenwärtig die Straßen in Mitteleuropa sauber und gepflegt sind, waren es im ausgehenden Mittelalter zumeist staubige und steinige Pfade, die sich bei Regen in regelrechte Schlammpisten verwandelten. Wer hier unterwegs war kam fast unweigerlich mit Schmutz und Staub an Schuhen, Kleidern und Mantel an sein Ziel. Deshalb ist es stellenweise bis heute üblich, beim Betreten eines Hauses oder einer Wohnung die Schuhe abzuputzen, selbst wenn diese verhältnismäßig sauber sind. Gelegentlich wird man sogar aufgefordert, die Straßenschuhe auszuziehen und Hausschuhe anzulegen. Diese Sitte dient nur teilweise der Bequemlichkeit des Gastes. Vor allem sollte sie früher die Wohnung vor dem Schmutz der Straße schützen, der in großen Teilen an Schuhen und Straßenkleidung klebte. Andernorts konnte man seine Schuhe anbehalten, musste sie aber vor dem Betreten des Hauses reinigen, manchmal mit dem Ärmel des Mantels, zumeist aber mit den obligatorischen Wanderstock – dem Stecken. Nach der Prozedur waren Schuhe und der ausgeschüttelte Mantel verhältnismäßig sauber, nicht natürlich der Stecken. Trat nun jemand im Laufe des Tages mit der Behauptung auf, er sei die ganze Zeit zuhause gewesen, verriet der „Dreck am Stecken“ ob die Person log oder die Wahrheit sagte. Hielt ein Mensch daran fest, das Haus nicht verlassen zu haben, hatte aber „Dreck am Stecken“, konnte man zu Recht vermuten, dass der Betreffende etwas zu verbergen hatte, irgendein dunkles Geheimnis.
In späterer Zeit wurden Dreck und Schmutz zu Symbolen für Schuld, Betrug und Unmoral. Unschuldige Menschen hingegen wurden als „sauber“ und „rein“ umschrieben. Natürlich wollen auch heute noch die meisten Menschen gut, also ethisch „rein“ und „sauber“ vor ihrer Umgebung dastehen. Manchmal aber lässt ihr Verhalten oder Reden etwas von ihrer „schmutzigen“ Vergangenheit oder ihrem „unsauberen“ Charakter erahnen – man vermutet, dass sie „Dreck am Stecken haben“. Diese Menschen haben sich gut „gereinigt“ und meinen, niemand könne mehr erkennen, was sie wirklich gemacht haben. Doch winzige Details haben sie vergessen, wie den „Dreck am Stecken“, der von aufmerksamen Beobachtern trotz aller Bemühungen wahrgenommen wird. Wer „Dreck am Stecken hat“ ist nicht echt, er spielt etwas vor, um die Menschen seiner Umgebung zu täuschen, um einen besseren Eindruck zu erwecken als es der Realität entspricht.
Auch wenn sicher nicht jeder ein verkappter Verbrecher ist, so haben die meisten doch ihre „dunklen“, „schmutzigen“ Geheimnisse, die sie sicher hüten, verbergen oder am liebsten ungeschehen machen würden. Gelegentlich aber kommen diese „Geheimnisse“ doch heraus und stellen den Betreffenden bloß, zeigen einen Teil seines Lebens, den er lieber geheim gehalten hätte. Jeder, der „Dreck am Stecken hat“, sollte sich nun nicht endlos bemühen, sein Handeln zu verstecken, sondern den angerichteten Schaden wieder gutzumachen oder um Entschuldigung zu bitten. Wer das macht, kann kaum noch durch unverhofft auftauchende Informationen aus der Vergangenheit beschämt oder bloßgestellt werden. Sich verstellen und anderen „heile Welt“ vorzuspielen hilft tatsächlich häufig – zumeist aber nur kurzzeitig. Irgendwann fällt auf, dass man „Dreck am Stecken hat“. Allemal weiß Gott um den „Dreck am Stecken“ jedes Menschen – und auf ihn kommt es letztendlich an. Wer nun „Dreck am Stecken hat“ sollte zuallererst seine Fehler vor Gott offenlegen und ihn um Vergebung und um Hilfe bei Veränderung bitten.
https://www.facebook.com/michael.kotsch.9/posts/190591017747351

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