Hass- Gesellschaft

Obwohl es der Bevölkerung in Deutschland materiell gesehen so gut geht wie kaum jemandem weltweit, sind immer mehr Menschen zutiefst unzufrieden. Vielen ist der Lebenssinn abhandengekommen. Andere sind durch die ständige Berieselung mit Negativnachrichten in eine Art Dauerdepression gerutscht. Die einen werden dadurch still und mürrisch, die anderen aggressiv. Immer mehr Menschen sind innerlich von Hass zerfressen und zunehmend gewaltbereit. Wer keinen konkreten Grund zum Hass hat, sucht sich halt einen Sündenbock, auf den er einschlagen kann, um sich wieder besser zu fühlen. Die einen haben Angst vor Tierquälerei und hassen alle Fleischkonsumenten. Andere haben Angst vor der Klimakatastrophe und hassen Autofahrer. Einige haben Angst vor Gott und hassen deshalb Christen. Wieder andere fürchten sich vor ihrer eigenen Irrelevanz und hassen alles Fremde.
Zwei Menschen starben jetzt in Halle an der Saale (10.10.2019), weil ein von Angst und Hass zerfressener Mann am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, möglichst viele Juden ermorden wollte. Schwerbewaffnet wollte er eine vollbesetzte Synagoge stürmen. Eigenen Aussagen zufolge befürchtete er die „Zerstörung der deutschen Kultur“ durch Juden. Die von ihm benutzten Formulierungen und Argumente entstammen der Klamottenkiste des politischen Antisemitismus. Ganz ähnliche Konstrukte konnte man schon bei den Nationalsozialisten hören oder bis in der Gegenwart bei extremistischen Muslimen überall auf der Welt.
Wirklich nachvollziehbare Argumente braucht es für diesen Judenhass offensichtlich nicht. Auch wenn in Deutschland nur etwa 200 000 Juden leben, die meisten von ihnen nicht religiös, wird eine politische Gefahr konstruiert, die es nie gegeben hat. Eher eigneten sich Juden schon immer als bequeme Sündenböcke, manchmal auch für eigenes Versagen. Mit bloßen Argumenten kommt man kaum gegen solch verquere Weltsichten jüdischer Weltverschwörungen an. Immer mehr Menschen ziehen sich momentan in ihr eigenes Welterklärungsmodell zurück, das sie kontinuierlich durch eigene Internetzirkel bestätigen. Alle, die nicht zum eigenen „Stamm“ gehören, werden als Feinde betrachtet und bekämpfen. Extreme Linke, ebenso wie extreme Rechte, Tierschützer und Klimaaktivisten oder Islamisten halten beinahe jedes Mittel für gerechtfertigt, um ihre Weltsicht durchzudrücken, bzw. die Welt vor einer vermeintlichen Katastrophe zu schützen.
Eher durch ein Wunder Gottes kam es bei diesem misslungenen Anschlag auf die Synagoge von Halle / Saale „nur“ zu zwei Toten und nicht zu hundert. Christen protestieren gegen den immer stärker werdenden Antisemitismus in Deutschland und beten für Aussöhnung. Im Alltag setzen Christen sich für Frieden und gegen Hass ein, wie schon Jesus fordert: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5, 9) Christen können Wahrheit sagen, auch wenn sie unangenehm und unzeitgemäß scheint; aber sie verzichten dabei auf Hass und Gewalt. Michael Kotsch

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