Achte darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist (Lukas 11,35)

Der Satz ist Bestandteil von dem Bildwort vom Auge als Licht des Körpers (Lk. 11,33-36). So, wie eine Lampe ein Haus hell macht und ermöglicht, dass man sich im Haus zurecht findet, so ist auch das Auge Licht für den Körper und zeigt anderen meinen Zustand. So die Aussage der Verse 33-34.
„Warum schaust du so nachdenklich?“; „Du schaust drein wie 8 Tage Regenwetter“; „Die sieht aber traurig aus“; „Schau nicht so muffig!“ u.ä. – all das sind Redewendungen, die zeigen, dass wir selbstverständlich in den Augen der Menschen „lesen“ können. Das Auge ist wie der Spiegel der Seele. Unsere Seelenzustände „spiegeln“ sich in den Augen. Man kann Augen vor Zorn blitzen sehen und erkennt Traurigkeiten im trüben Blick. Aber auch Fröhlichkeit, Mitleid und Liebe „sehen“ wir in den Augen unseres Gegenübers. Das, was unser Auge „sagt“ lässt sich nicht steuern, höchstens streiten wir den diagnostizierten Gemütszustand ab. „Nein, ich bin nicht ärgerlich.“
Der böse Blick ist im Islam ein bekanntes und gefürchtetes Phänomen. „Er ist wie ein Pfeil aus der Seele des Neiders“, der den anderen schädigen möchte, heißt es in einer Erklärung. Auch wir kennen das Sprichwort „Wenn Blicke töten könnten“.
Jesus geht in seinem Vergleich über den organischen Bereich hinaus. Er stellt das aufrichtige, das gute Auge dem bösen Auge gegenüber. Jesus verbindet also ethische Qualitäten mit dem Auge und zieht weitreichende Folgerungen daraus: Wenn dein Auge gut/aufrichtig/lauter ist, dann ist der ganze Mensch „erleuchtet“. Wenn das Auge böse ist, dann ist der ganze Mensch „verfinstert“.
In dem Vers, „Achte darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist“, fordert Jesus auf, er warnt davor, das innere Licht zu verlieren. Wie kann man Halleluja singen und unmittelbar danach den Bruder zur Minna machen? Wie das Licht die Finsternis vertreibt, so gilt auch das Gegenteil: Die Finsternis kann das Licht zurückdrängen!
Achte darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist, ist ein ernster Hinweis, dass unser Verhalten (unser Blick) und unser Inneres (unser Herz) in Einklang sein sollten. Aus der Bibel wissen wir, dass es das Herz ist, aus dem aller mögliche Unrat kommt, z.B. schlechte Gedanken, Verleumdungen usw. (vgl. Mt. 15,18-19). Darum ist die Ursache für das böse Auge immer dort zu suchen und nur dort zu beheben.
Wenn wir von Aggression, Hass, schlechten Gedanken bestimmt werden, ist es nicht ausreichend, eine symptomatische Behandlung -zusammenreissen, keep smiling etc.- einzuleiten. Da braucht es einen tieferen Blick, den uns der Heilige Geist ermöglicht. Wenn wir die „Sünde hinter der Sünde“ erkennen, können wir sie bearbeiten. D.h. bewusst machen, uns von Jesus vergeben lassen, bei Mitbeteiligten das Gespräch suchen und ggf. um Vergebung bitten und mit der Hilfe des Heiligen Geistes neue, gute Wege und Verhaltensweisen einüben.
Was Jesus uns hier ans Herz legt, wenn er sagt: „Achte darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist“ ist also keine Kleinigkeit. Leicht schleichen sich negative Dinge in unser Herz ein. Und die sollen wir erkennen und bekämpfen, damit sie nicht Jesus, das Licht das in mir lebt, „überwuchern“. Damit nicht das Licht in mir Finsternis wird. Das ist eine ernste Gefahr. Jesus möchte durch seinen Geist alles in uns erhellen. Er gibt sich nicht damit zufrieden, im Halbdunkel zu leben. Er will nicht auf einem Müllhaufen aus bitteren Wurzeln und anderem finsteren Unrat leben und sein Dasein im Halbdunkel fristen. Jesus ist sehr daran gelegen, dass auch du dich nicht mit weniger als dem vollen Licht zufrieden gibst. Darum ermutigt er uns und fordert uns auf: „Achte darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist!“

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