Ohne absoluten moralischen Massstab…

    …lässt sich nicht endgültig sagen, ob etwas gut oder böse ist. Mit absolut meinen wir hier etwas, das immer gilt, das immer einen endgültigen Massstab liefert, ein ‚Allgemeines’. Es muss ein Allgemeines geben, wenn es Moral geben soll, und es muss ein Allgemeines geben, wenn es wirkliche Werte geben soll. Wenn es jenseits der menschlichen Gedanken kein Allgemeines gibt, dann gibt es keine letzte Instanz, an die man sich wenden könnte, wenn die moralischen Entscheidungen verschiedener Einzelner und Gruppenmiteinander in Konflikt geraten. Es bleiben lediglich widersprüchliche Meinungen, von denen eine so gut wie die andere ist.
Wenn die Absoluta verschwunden sind und wir weder das hedonistische Chaos noch die bestimmende Mehrheit der ‚einundfünfzig Prozent’ wollen, bleibt nur noch eine Alternative: Ein einzelner oder eine Elite muss autoritäre, willkürliche Absoluta setzen. Hier gilt eine einfache, aber inhaltsschwere Regel: Wenn keine Absoluta vorhanden sind, nach denen die Gesellschaft zu beurteilen ist, dann ist die Gesellschaft absolut.
Der moderne Mensch hat keine wirklichen Maßstäbe dafür, was er tun sollte; er weiss nur, was er tun kann. Moralische Pflichten und das im Augenblick soziologisch Akzeptierte werden gleichgesetzt. Aus: Francis Schaeffer. Wie können wir denn leben? Hänssler: Holzgerlingen 2000.

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