Als ein Angeklagter vor Gericht seine Unschuld damit begründet, daß er so geboren sei und nicht anders können, daher nicht haftbar zu machen sei,

Der Mensch ist grundsätzlich mehr, als er von sich wissen kann. Unserer Freiheit sind wir uns bewußt, wenn wir Ansprüche an uns erkennen. Es liegt an uns, ob wir sie erfüllen oder ihnen ausweichen. Wir können im Ernst du nicht bestreiten, daß wir etwas entscheiden und damit über uns selbst entscheiden, und daß wir verantwortlich sind. Wer etwa versucht, das abzulehnen, kann konsequenterweise auch an andere Menschen keine Forderungen stellen. Als ein Angeklagter vor Gericht seine Unschuld damit begründet, daß er so geboren sei und nicht anders können, daher nicht haftbar zu machen sei, antwortete der gut gelaunte Richter: das sei eben so richtig wie die Auffassung vom Handeln des ihn strafenden Richters: nämlich auch dieser können nicht anders, da er nun einmal so sei und notwendig nach den gegebenen Gesetzen so handeln müsse. [Karl Jaspers. Was ist Philosophie?, Ein Lesebuch]

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