Im KZ-Buchenwald rettete Jack Werber und andere Gefangene ca. 700 Kinder vor dem Tod. Seine Geschichte:

Im September 1939 marschierten die Deutschen nach Radom in Polen ein, der Geburtsstadt von Jack Werber. Jack wurde in das Lager Buchenwald deportiert, wo er fünfeinhalb Jahre gefangen war.
Vor dem Krieg, war ich mit meinem Leben sehr zufrieden. Ich war glücklich verheiratet, ich hatte eine Tochter, die ich anbetete. Als ich verhaftet wurnde, war unser Baby 14 Monate alt. Natürlich konnte ich nicht ahnen, dass meine ganze Familie grausam ermordet werden würde. Die furchbare Wahrheit über ihr Schicksal habe ich während der Haft in Buchenwald erfahren. Ich wurde zu einem anderen Menschen. Meine Freunde nahmen meine Veränderung wahr und wollten mich trösten und aufmuntern. Aber es half nicht. Nichts half. Und dann kamen die Kinder nach Buchenwald.
Die meisten Kinder kamen im August 1944. Etwa 700 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren. Als ich sie sah, dache ich sofort an meine Tochter. Ich beschloss mich einzubringen, zu versuchen, ihnen zu helfen, damit ihnen nicht das passiert, was meiner geliebten Tochter Emma passierte. Wie war es überhaupt möglich, Kinder zu retten? Es ist schwer, sich vorzustellen wie es in einer kleinen Gruppe erschöpfter Gefangener gelang, die Tyrannen in die Irre zu führen, wie wir direkt vor der Nase der Nazis annähernd 700 Kindern Unterschlupf gewähren, sie ernähren und schützen konnten. Doch genau das haben wir getan. Wir organisierten Nahrung für die Kinder, durch Personen, die außerhalb des Lagers arbeiteten. Es gelang uns, Nahrungsmittel auch aus dem Krankenblock zu erhalten. Doch vor allem versuchte ich, den Kindern Liebe und Mitgefühl zu geben, Dinge die sehr wichtig waren, weil die meisten der Kinder keine Eltern mehr hatten. Diese jungen Leute wurden im Lager über Nacht erwachsen, im wahrsten Sinne des Wortes. In Buchenwald sahen zehnjährige Kinder den Tod auf täglicher Basis. Wir beschlossen, eine Schule für die Kinder einzurichten. Wir bestimmten auch, wen wir bitten konnten, die Kinder zu unterrichten. Es reichte nicht, dass sie talentiert und mutig sind. Sie müssen bereit sein, bei dieser Aktivität ihr Leben zu riskieren. Wir hatten natürlich keine Bücher, der Unterricht erfolgte aus dem Gedächtnis. Stringler und Gottlieb trugen aus dem Gedächtnis Gedichte von Bialik, Gebirtig und Peretz vor. Handelsmann und ich erzälten den Kindern Geschichten, die ihnen Hoffnung geben sollten. „Nach dem Krieg“, sagten wir ihnen, „fahren wir alle nach Eretz Israel und bauen Orangen im jüdischen Land an“. Wir hatten eine schwarzbemalte Holztafel und „Schreibpapier“ aus leeren Zementsäcken, die wir an die Kinder verteilten. Wenn sich Deutsche näherten, riefen unsere Wachleute „18“ und die Kinder zerrissen das Papier und versteckten die Bleistifte. Wir behielten die Kinder fast durchgehend in den Baracken. Mit der Zeit wurde es immer schwieriger, die Kinder vor den Augen der SS-Leute zu schützen. Wir beschlossen alle, zu kämpfen, wenn sie versuchen würden, das Lager zu räumen. Wir wussten, dass wir nicht gewinnen konnten, weil wir in Deutschland waren. Aber wir wollten nicht sterben ohne Widerstand und ohne die Kinder zu schützen. Unter keinen Umständen waren wir bereit auf die Kinder zu verzichten. Am 11. April 1945 begann der Tag mit einem hellen klaren Morgengrauen. Es herrschte eine merkwürdige Stille. Keine Appelle mehr, keine Deportationen mehr, nur Stille. Ich spürte, dass etwas passieren würde, und ich musste nicht lange warten. Wir sahen, wie sich die amerikanischen Panzer näherten. Endlich wurden die 21.000 verbliebenen Häftlinge in Buchenwald befreit. Keine Exekutionen, keine Schläge und andere Foltermethoden mehr. Es war uns gelungen, annähernd 700 Kinder zu retten. Mit den Jahren habe ich viele der Kinder dieser Gruppe getroffen. Einmal ging ich durch die Straßen von Paris, als ein großer junger Mann auf mich zukam und mir um den Hals fiel. Er kannte mich aus Buchenwald. Ein anderes Mal erkannte mich jemand auf der Rolltreppe in einem Kaufhaus in Tel Aviv. Er war ein Kind aus Block #23 und hatte überlebt. In der Regel erkannte ich sie nicht, weil sie am Tag der Befreiung noch junge Kinder waren. Ich hingegen war ein erwachstener Mensch, und trotz einiger Falten hat sich mein Gesicht nicht so sehr verändert und sie erkannten mich noch. Heute sind sie Großeltern. Nach Kriegsende heiratete Jack noch einmal: Milly, auch sie eine Überlebende der Shoah. Sie gründeten eine neue Familie, durften Kinder, Enkel und Urenkel erleben. Die vielen Kinder, die Jack und seine Genossen des Untergrunds retteten, haben ebenfalls Familien gegründet und durften ein volles Leben genießen. (Broadcast der Yad Vashem Gedenkzeremonie, Minuten 50:47 bis 56:21, Link zur Sendung: Eine Sendung des Yad Vashem zum Gedenken an die Opfer des Holocaust. yadvashem.org www.yadvashem.org

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