Das Schweigen der Bischöfe zu Corona

Bemerkenswerter „Fremde-Feder“-Artikel von Hartmut Löwe, ehemaliger Militärbischof der Bundeswehr, heute in der FAZ (13.05.2020 ( „Das Schweigen der Bischöfe zu Corona“).
Ein Abschnitt daraus:
„Man kann doch nicht ganze Bereiche des Lebens dem Walten Gottes entziehen und ausschließlich natürlich erklären wollen. In, mit und unter allem, was geschieht, will Gott gefunden werden, auch wenn wir nur mühsam oder gar nicht verstehen, was er uns sagen will. Wer jedoch nicht vom Zorn Gottes zu sprechen vermag, verdirbt auch die Rede von Gottes Liebe. Sie wird dann zu einer diffusen Gefühlsduselei, einer nicht belastbaren Allerweltsweisheit ohne konkreten Anhalt in der Lebenserfahrung. Der Lauf der Welt ist auch im Blick auf das, was Gott tut, konkret.
Andere Religionen kennen Götter des Segens und Götter des Fluchs. Sie verteilen, was auf der Welt geschieht, auf verschiedene Prinzipien. Jüdischer und christlicher Glaube haben das aufgrund ihrer Gotteserkenntnis von der Einzigkeit und Einzigartigkeit ihres Gottes nicht vermocht. Sie haben vielmehr die Allkausalität ihres Gottes behauptet, zum Beispiel in dem grandiosen und zugleich unheimlichen Spruch des Propheten Amos: ‚Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut?‘ (3,6). Ohne den Glaubenssatz von der Allwirksarnkeit Gottes gäbe es das Buch Hiob nicht, in unserer gegenwärtigen Lage besonderer Beachtung und Betrachtung wert. Gefühlsduselei, auch theologische, verliert das wirkliehe Geschehen aus dem Blick. Im Kreuz Jesu Christi, dem Fundament christlichen Glaubens, zeigen sich die Liebe und der Zorn Gottes als zwei Seiten eines Handelns. Man kann nicht die eine ohne die andere haben.“

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