GOTT OFFENBART SEINE HERR-LICHKEIT IN DER UNMÜNDIGKEIT VON KINDERN

(V. 3):„Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet.“
Ist das nicht wunderbar? Gott hat durch den Mund von Kindern gesprochen. Das heißt es geht nicht einfach nur um das bloße Dasein. Ja, Kinder sind ganz nett und süß, besonders wenn sie klein sind. Aber der Psalm sagt mehr: durch den „Mund“ der Kinder und Säuglinge, also irgendwie durch eine lautliche Äußerung offenbart sich Gott. Bei Säuglingen ist das erst einmal ein Schreien, ein irgendwie bemerkbar Machen. Aber die Begriffe hier in dem Psalm sind relativ breit. Also wahrscheinlich geht es nicht nur um die Null- bis Einjährigen, sondern auch um etwas ältere Kinder, aber in jedem Falle um Unmündige, nicht um reife Erwachsene. Gott nimmt sich als Beispiel des Menschen erstmal die Kleinsten, die, die am wenigsten zu sagen haben, die Unbedeutendsten, die Unmündigen. Was macht Er mit ihnen? Gott „gründet eine Macht“ (ELB), Er „errichtet ein Bollwerk“ (ZÜR), Er „bereitet ein Lob“ (SCH). Macht, Stärke und Lob scheinen da irgendwie zusammenzuhängen. Warum? „… um deiner Feinde willen“. Von den Feinden Gottes ist hier die Rede. Man mag sich fragen, wie das gehen soll? Wie kann man sich das vorstellen? Kleine Kinder sollen gegen Gottes Feinde auftreten? Nach menschlichem Ermessen ist das ein völliges Unding. Gott sei Dank hat es nicht viele Situationen in dieser Welt gegeben, wo Menschen versucht haben, Kinder buchstäblich in einen Kampf zu schicken. Und dort, wo es das gegeben hat, war es eine absolute Katastrophe. Kindersoldaten in Afrika sind in den letzten Jahren durch Gerichts-prozesse vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag immer wieder ein Thema gewesen. Das ist nicht das, was hier gemeint ist! Auch im Mittelalter gab es einen Kreuzzug mit Kindern. Unglaublich! Das ist schwerste Sünde gegen Kinder. Das ist überhaupt nicht das, was in Psalm 8 gemeint ist. Gott hat ganz andere Wege. Aber Gott gebraucht Kinder. Er benutzt Unmündige. Gott möchte uns hier sagen: Es kommt nicht auf die rhetorisch geschliffene Rede von Erwachsenen an, auf supertolle, intellektuelle Überzeugungsarbeit – so gut und recht das alles zur richtigen Zeit ist. Es geht auch nicht darum, ein Plädoyer für Dummheit oder Laschheit abzugeben, nein. Aber Gott ist nicht wirklich darauf angewiesen. Er benutzt die Kleinsten und die Unbedeutendsten, um zu Seinem Ziel zu kommen. Dieser Psalm ist ein Plädoyer für eine richtige Selbsteinschätzung im Angesicht Gottes, also ein Plädoyer gegen Selbstüberschätzung, Hochmut und Stolz. Wir sollen uns erkennen als das, was wir sind: Geschöpfe Gottes. Und zunächst einmal sind wir ganz winzig klein und eigentlich ganz unbedeutend. Jesus sagt uns: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Matthäus 18,3; EIN). Irgendwie kennen wir den Text, lesen ihn regelmäßig. Er ist uns präsent. Aber leben wir ihn auch? Haben wir verstanden, worum es geht? Kinder haben ein natürliches Urvertrauen zu ihren Eltern. Gott hat das so in sie hineingegeben – und das ist auch das Beste, was im Normalfall passieren kann, wenn Eltern ihre Verantwortung wahrnehmen. Das ist ein Aspekt, nur ein Aspekt, aber es ist ein Gedanke, der Gott wichtig ist: Wir sollen Ihm so vertrauen, wie Kinder ihren Eltern vertrauen: Das, was der Vater im Himmel sagt, ist das Beste für mich. Wenn ich das lebe, kann es nur gut sein. Dann kann Leben wirklich gelingen. Aber der Vers sagt: „… eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgst den Feind und den Rachgierigen“ (LUT). Die Elberfelder übersetzt etwas zurückhaltender: „dass die Feinde zum Schweigen gebracht werden“. Im Hebräischen steht hier das Verb, von dem „Sabbat“ kommt. Der Sabbat ist zunächst einmal der Ruhetag. Es hat also irgendetwas mit „ausruhen“ oder „zur Ruhe bringen“ zu tun. Wenn jemand vertilgt ist, ist er auch ruhig. Aber er muss nicht vertilgt sein, um zur Ruhe zu kommen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dass Feinde am Ende nicht mehr Feinde sind, sei es, weil sie wirklich nicht mehr da sind, sei es, weil sich vielleicht auch bekehrt haben. Paulus reflektiert das einmal im Römerbrief: Jesus starb für uns, „als wir noch Feinde waren“ (Römer 5,10). Wenn wir unsere Sünde erkennen und zu Gott umkehren, verwandelt Gott uns – und aus Feinden werden Freunde Gottes. Der Psalm redet davon, dass die Unmündigen für Gott wichtig sind. Wir haben dazu im Neuen Testament einige Beispiele, die das illustrieren. Schauen wir zunächst in 1. Korinther 1, wo Paulus über die Weisheit der Welt schreibt, die in den Augen Gottes nicht taugt. Gegen Ende des Kapitels schreibt er: „Was töricht ist vor der Welt“, „was schwach ist vor der Welt“, „das Geringe“ und „das Verachtete“ – Was ist damit? – „das hat Gott erwählt“ (Vers 27-28). Das ist Gott wichtig. Das, was für die Welt nichts ist, gerade das nimmt Gott. Auch da geht der Text weiter: „… um zuschanden und zunichte zu machen, was vor der Welt etwas gilt“. Nämlich die, die sich selber für weise halten, die sich selber für klug halten, die macht Gott „zunichte“ oder die bringt Er zurecht, wenn es positiv läuft. Warum? In Vers 29 heißt es dann: „damit sich kein Mensch vor Gott rühme.“ Das ist das Ziel: Menschliche Weisheit, menschliche Klugheit ist nicht der Weg, um brillant vor Gott dazustehen. Das Evangelium ist anders. Es ist ein Anerkennen dessen, dass ich nichts bin. Und wer sieht, dass er „töricht“, „schwach“, „gering“ und „verachtet ist vor der Welt“, der kann schlecht auf sich selber schauen und sagen: „Schau mal, wie toll ich bin – super gemacht.“ Das funktioniert nicht, das ist nicht überzeugend. Ja, Gott nimmt gerade diese Menschen, die vor der Welt nichts gelten. Gott sei Dank – in Klammern gesagt – nimmt Er nicht nur diese. Es heißt nicht: Wer besonders klug ist, hat keine Chance vor Gott. Aber der Fokus ist hier: Gott nimmt im Besonderen das Geringe und das Schwache an. Unser Psalm wird auch in Matthäus 21 zitiert: Einzug in Jerusalem. Die Menge jubelt Jesus zu. Er geht in den Tempel. Er sieht dort die Händler. Er ist erbost und erzürnt. „Gottes Haus soll ein Bethaus sein. Ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus“ (Matthäus 21,13), sagt Jesus. Dann kommen die Hohenpriester und Schriftgelehrten zu Jesus und meckern. Sie sagen: „Hast du gehört? Da gibt es doch Kinder, die rufen: ‚Hosianna dem Sohn Davids.‘ Mach etwas! Schreite ein! Was sollen die Kinder da? Wir sind doch hier anständige Erwachsene“ (nach Matthäus 21,15). Als Jesus das hört, zitiert Er diesen Vers aus Psalm 8 und sagt: „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet.“ Die Feinde, auf die Psalm 8,3 Bezug nimmt, sind hier ganz offensichtlich die Hohen-priester und Schriftgelehrten – und Jesus dreht sich herum und geht. Gehen wir zeitlich noch ein klein wenig zurück, direkt zum Einzug von Jerusalem. Die Menge kommt mit Jesus nach Jerusalem. Sie breiten ihre Kleider aus, legen Palmwedel auf den Weg. Jesus reitet auf dem Esel in Jerusalem ein. Und die Menge ruft: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn“ (Lukas 19,38). Aber dann kommen Pharisäer und sagen zu Je-sus: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht“ (Lukas 19,39). Gut, die Jünger waren sicher schon Erwachsene, und doch waren es in einem Sinn Schüler gewesen. Im Verhältnis zum Meister waren sie die, die am Lernen waren, die ein Stück weit Unmündige waren. Insofern ist das in einem indirekten Sinn auch ein Beispiel für die Wahrheit von Psalm 8,3. Was sagt Jesus? „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien“ (Lukas 19,40). Gott benutzt das, was nichts ist vor der Welt. Jeder weiß, Steine im buchstäblichen Sinn können nicht schreien. Es ist ein dramatischer Ausdruck, den Jesus hier wählt, um deutlich zu machen: Nein, die Unmündigen, die Kleinen, die Unbedeutenden, die sind mir wichtig. Jesus geht sogar einen Schritt weiter. In Matthäus 10,29 lesen wir: „Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen?“ Für ein paar Cent? „Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater.“ Das, was in dieser Welt völlig unbedeutend scheint, ist Gott wichtig. Noch ein alttestamentliches Beispiel: David und Goliat. Bevor David gegen Goliath kämpft, steht eine andere Geschichte. 1. Samuel 16. Samuel kommt zu Isai, dem Vater von David und seinen Brüdern. Samuel hatte von Gott den Auftrag, einen neuen König zu salben, weil Gott Saul von seinem Königtum verworfen hatte. Isai bringt alle seine Söhne, einen nach dem anderen, und stellt sie vor Samuel hin. Samuel muss im Auftrag Gottes immer sagen: „Nein, der ist es nicht. Und der auch nicht.“ Gott sagt dann: „Schau nicht auf das Äußere, auf den äußeren Wuchs, die Größe und Schönheit. Das ist nicht das, was vor Gott zählt. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an“ (1. Samuel 16,7). Dann sind alle Söhne durch, aber Samuel hat immer noch keinen gewählt. Er fragt: „Sind das alle? Oder hast du nicht doch noch irgendwo einen Sohn?“ Na ja, und dann erklärt Isai: „Ja, da ist noch der Jüngste, der David. Der ist da draußen irgendwo auf dem Feld. Er hütet die Tiere.“ Und Samuel sagt: „Ja, lass ihn holen. Vielleicht ist er es.“ Und tatsächlich, Gott sagt: „Der ist es.“ Der Kleinste, der Jüngste, der Unbedeutendste, den greift sich Gott und erwählt ihn. So salbt ihn Samuel. Nur ein Kapitel später, in 1. Samuel 17, kommt dann die Geschichte, dass Israel angegriffen wird und in großer militärischer Not ist. Plötzlich wird David geholt, einer, der militärisch gesehen eigentlich nichts ausrichten kann. Die Rüstung ist ihm zu schwer. Er sagt: „Vergesst es. Ich kann ja keinen Schritt laufen.“ Er nimmt nur seine kleine Schleuder – und besiegt damit Goliat und mit ihm das ganze feindliche Heer. Es ist wieder dieses Prinzip Gottes: Er greift das Unbedeutende heraus. Er macht aus fast nichts einen dramatischen Sieg. Er benutzt Kinder, Unmündige, junge Leute, die nichts vor der Welt sind und erweist dadurch Seine Macht und Herrlichkeit. Wenn wir heute in unserer Zeit zum Teil sogar in unserer Gesellschaft Kleines und Geringes wertschätzen, ist das keinesfalls selbstverständlich. Es gibt viele Kulturen und Religionen in dieser Welt, wo das nicht im Ansatz Teil des Denkens ist. Lasst uns dankbar sein, wenn das in unserer Kultur ein Stück weit so ist. Es ist ein Erbe der Bibel. Es ist eine christliche Prägung. Das ist nicht selbstverständlich. Viele haben uns das einfach als Schwachheit ausgelegt. Es gab Zeiten, wo das genau so gepredigt wurde. Friedrich Nietzsche (1845-1900), ein einflussreicher Philosoph, ist bekannt für seine „Gott ist tot“-Theologie. Die Ethik der Bibel bezeichnete er als „Sklavenmoral“. Er sagte: „Wir Deutschen, wir sind die Herrenmenschen. Biblisches Denken: Liebe deine Feinde zum Beispiel, liebe, die dich hassen, das ist Sklavenmoral!“ Es hat nicht lange gedauert, dass das Politiker aufgegriffen haben – und wir kennen die Folgen. Sie waren katastrophal für Deutschland und für viele Länder ringsherum. Millionen Menschen sind gestorben wegen dieser wahnsinnigen Ideologie. Lasst uns deshalb dankbar sein für einen Gott, der das Geringe wertschätzt, und auch dankbar sein für eine Gesellschaft, wo das immer noch oder wieder ein Stück weit erkannt und anerkannt wird.
Titus Vogt © https://www.arche-gemeinde.de/fileadmin/Media/Print/Kanzeldienst/2012/07/P120729M.pdf

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