Man kann Briefe an christliche Gemeinden schlichter eröffnen, als der Epheserbrief es tut

Epheser 1,3 Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Gepriesen sei er für die Fülle des geistlichen Segens, an der wir in der himmlischen Welt durch Christus Anteil bekommen haben. (4) Denn in Christus hat er uns schon vor der Erschaffung der Welt erwählt mit dem Ziel, dass wir ein geheiligtes und untadeliges Leben führen, ein Leben in seiner Gegenwart und erfüllt von seiner Liebe.
Man kann Briefe an christliche Gemeinden schlichter eröffnen, als der Epheserbrief es tut, wie z.B. Paulus in seinem ersten und ältesten Brief: Dort genügen der Dank für die Gemeinde und die Zusicherung, dass er immer an sie denkt und dass ihn dabei ihr Glaube, ihre Liebe und ihre Hoffnung besonders beeindrucken und vor Augen stehen (1. Thess 1,2–4). Man kann andererseits Briefe auch gleich mit Kritik eröffnen, wie im Galaterbrief, in dem Paulus nach seiner Selbstvorstellung und nach kurzem Friedensgruß (Gal 1,3) gleich mit seiner Gemeinde-Kritik ins Haus fällt und ohne höfliche Verpackung feststellt: „Mich irritiert, dass ihr euch so schnell abbringen lasst, weg von dem, der auch in die Gnade berufen hat, hin zu einem anderen Evangelium“ (Gal 1,6). Man kann schließlich einen Brief auch viel herzlicher und persönlicher beginnen, wie Paulus im 2. Korintherbrief zeigt: Zwar steht auch dort das Lob Gottes am Anfang, aber als „Gott allen Trostes“. Dort stellt Paulus gleich zu Anfang fest: Trost können wir gebrauchen in unserer augenblicklichen miesen Lage – und euch geht es ja auch nicht viel besser! Von all diesen Varianten nimmt der Epheserbrief keine für seine Eröffnung, sondern beginnt mit überschwänglichem Lob und hängt an das grundsätzliche Lob Gottes eine ganze Liste von Segnungen an, ein Kompendium der Gnade. Er beschreibt die Fundamente des Christseins und des Gemeindelebens und kommt dabei auf so grundlegende Verankerungen wie Erwählung und Erlösung, Weisheit und Erbanspruch, Versiegelung mit dem Heiligen Geist zu sprechen. Solche hohen Bewertungen des Christseins sind Paulus auch sonst nicht fremd (vgl. Röm 8,28– 30), aber in dieser positiven Häufung bei ihm selten. Vom Gnadenstand und vom Segen der Gemeinde wird hier den höchsten Tönen, geradezu „hymnisch“ gesprochen. Die christlichen Gemeinden in Ephesus und Umgebung sollen also gleich von Anfang an wissen, worauf sie gebaut sind, was ihnen mitgegeben ist und wozu sie auf der Welt sind, nämlich „zum Lob seiner herrlichen Gnade“ (1,5), zum „Lob der göttlichen Herrlichkeit“ (1,12.14). Stehen sie glänzend da, so scheint der Glanz auf Gott zurück. Gott soll groß werden dadurch, dass es den Gemeinden geistlich gut geht – egal wie ihre materielle und emotionale Lage im Römischen Reich auch ist, in dem andere Mächte, Gestalten und Gewalten glänzend dastanden und sich selbst mit Superlativen schmückten, Ehre und Ruhm auf ihr Konto schrieben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s