II. DIE NEUE IDENTITÄT IST NACH GOTT GESCHAFFEN

In Vers 20 setzt Paulus den Kontrapunkt: „Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt“(Epheser 4,20). Hier kommt das Evangelium von Jesus Christus. Hier spricht er von der Veränderung des Wesens, von der neuen Identität. Ihr seid anders geprägt worden! Ihr ward einmal in diesem verfinsterten Zustand, nun aber ist jemand gekommen, der euch von
– der Nichtigkeit und Eitelkeit des Sinnes,
-der Verfinsterung des Verstandes,
-der Entfremdung vom Leben Gottes und
-der Verhärtung des Herzens befreit hat.
Ihr habt Christus kennengelernt! Christus kennenzulernen heißt nicht, ausschließlich etwas über Ihn zu lernen. Man kann ein Experte im Wissen über Martin Luther sein und unheimlich viele Fakten über ihn angesammelt haben. Das alles kann geschehen, ohne daß man ihn persönlich kennengelernt hat. Bei den Ephe-sern ist das anders. Sie sind nicht nur über Christus gelehrt worden, und sie haben nicht nur in dem Leben derer, die sie gelehrt haben, beobachtet, was Christus bewirken kann, sondern sie selbst haben durch den Akt des Geist gewirkten Glaubens Jesus in ihr Herz aufgenommen. Freudig haben sie sich taufen lassen. Durch stetiges Verharren in der Gnade, durch Gebet und durch Antworten auf Gebet, durch tägliches Leben gemäß den Prinzipien der Wahrheiten des Evangeliums haben sie Christus kennengelernt, ja, Christus selbst. Ihr habt Ihn „kennengelernt“ ist das Ergebnis eines Lernprozesses – ein Lehnsprozess mit Herz und Verstand. Gläubige werden nicht auf einen Schlag in allen Bereichen total verändert. Sie lernen. Bei der Wiedergeburt erfolgt durch die Kraft Gottes eine grundlegende Veränderung in dem Gläubigen. Die Gerechtigkeit Christi wird ihm zugerechnet. Gott sieht nicht mehr seine Unzulänglichkeit, sondern Er sieht Christus. Das ist eine unveränderliche Zusage und Tatsache. Ab diesem Augenblick gibt es „jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Römer 8,1). Dieser durch das Blut Jesu gesicherten Veränderung folgt ein stetiges Wachstum in der Heiligung. Hier kommt uns unser Text zur Seite und hilft uns, daran zu denken, daß die alte Identität Vergangenheit ist. Warum nach altem Muster leben, wenn eine neue Natur in dir ist? Was die Epheser gelernt haben, ist, daß sie den alten Menschen abgelegt haben, erneuert werden im Geist ihrer Gesinnung und den neuen Menschen angezogen haben. In einem gewissen Sinn haben wir den alten Menschen abgelegt und den neuen angezogen, als wir unser Herz Jesus gaben. Aber diese grundlegende Bekehrung (ihr habt abgelegt) muß von täglichen Bekehrungen gefolgt werden (erneuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung). Obwohl der Gläubige eine neue Schöpfung geworden ist, bleibt er ein Sünder, bis er stirbt. Dies läßt uns demütig sein. Wir haben nichts erreicht. Außerhalb von Jesus bleibt uns nichts zum Rühmen. Es ist nicht einfach, das alte Wesen, mit dem die Epheser für Jahre vertraut waren, auszuziehen. Das alte Wesen loszulassen, ist hart und schmerzhaft. Es bedarf in der Tat einer Kreuzigung.6Es geht hier nicht nur um die „großen“ Sünden wie Mord und Totschlag, sondern es geht um die „anerkannten“ Sünden, Sünden, die wir täglich tun, über die wir uns aber nicht bewußt sind oder nicht bewußt sein wollen. Wie sieht es zum Beispiel mit der Angst aus? Angst ist eine Sünde. Angst ist ein Ausdruck, Gott nicht zu vertrauen. Jesus sagt: „Fürchtet euch nicht“ (Matthäus 10,31; Lukas 12,7). Paulus schreibt:„Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kund werden“ (Philipper 4,6). Angst ist Unglaube. Wenn ich Angst habe, glaube ich nicht, daß Gott mein Versorger ist, daß Er Seine schützende Hand über mich hält und alles tut zu meinem Besten. Ich höre nicht auf Ihn und schenke etwas in meinem Leben mehr Glauben als Seinem Wort. Hast du Angst um dein Kind in der Schule? Ob es gesund nach Hause kommt? Oder Angst um deinen Ehepartner, wenn er wieder mit dem Auto unterwegs ist? Vielleicht hast du Angst vor der Zukunft aufgrund der Krankheitsdiagnose, die dich ereilt hat. Ich kenne Angst und Sorge und rufe mir selbst wie auch dir zu: Unsere Identität ist in Christus! Daher laßt uns gemäß dieser Identität leben und Ihm vertrauen, der die Welt überwunden hat! Wie sieht es mit der Frustration aus?Frustriert zu sein heißt, ärgerlich und böse auf den oder das zu sein, was unsere Pläne durchkreuzt. Der Frust kommt in uns hoch, wenn zum Beispiel das Auto nicht anspringt, obwohl ein wichtiger Termin anliegt. Im Augenblick der Frustration glauben wir nicht an Gottes Regierung über jeden Tag und damit auch jedem Detail unseres Lebens. Der Psalmist bringt Gottes Kenntnis und aktive Gegenwart an jedem unserer Lebenstage auf den Punkt, wenn er schreibt: „Meine Urform sahen deine Augen. Und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die gebildet wurden, als noch keiner von ihnen da war“ (Psalm 139,16).Jerry Bridges schreibt dazu in seinem Buch „Respectable Sins“: „Tage, die angeordnet (gebil-det) wurden“ bezieht sich nicht nur auf die Län-ge meines Lebens, sondern auch auf alle Vorkommnisse und Umstände an jedem Tag in meinem Leben. … Wenn etwas geschieht, daß mich zur Frustration verleitet, zitiere ich Psalm 139, 16 und sage zu Gott: „Dieser Umstand ist heute Teil deines Planes für mein Leben. Hilf mir, im Glauben darauf zu antworten und deinen Willen für mein Leben anzuerkennen. Und gib mir Weisheit, der Situation zu begegnen, die in mir Frustration bewirkt.“ Ein solches Gebet drückt einen Lebenswandel gemäß der neuen Identität aus. Es gibt eine lange, lange Liste von Sünden, die uns verleiten wollen, nach den Regeln des alten Menschen zu leben wie zum Beispiel Unzufriedenheit, Undankbarkeit, Stolz, Selbstsucht, mangelnde Selbstkontrolle, Ungeduld, Zorn, Neid, Sünde der Sprache, Weltlichkeit, Lust, Ehebruch. Gott ruft uns heute zu einem unserer Berufung würdigen Leben! Ich möchte nicht schließen, ohne unseren Blick auf unseren Retter zu lenken. Ja, deine Schuld ist groß. Sie ist schwarz. Aber es ist Einer gekommen, zu sterben für dich. Sie, die Sünden, sind dort an dem Kreuz, sie sind fort durch das Kreuz! Preis Gott für die neue Identität! Er starb für dich. John Newton, der die bekannte Hymne „Ama-zing Grace“ schrieb, war früh in seinem Leben ein Sklavenhändler und sogar Kapitän eines Schiffes, das gefangene Afrikaner nach Amerika transportierte. Aus medizinischen Gründen verließ er die Seefahrt, wurde ein Zollbeamter, studierte Theologie und wurde schließlich ein Diener am Wort des Herrn. Aber sogar als Geistlicher vergaß er niemals die schreckliche Natur seiner Sünde als ein Sklavenhändler. Am Ende seines Lebens sagte Newton zu einem Freund: Meine Erinnerung sind nahezu verschwunden, aber ich weiß zwei Dinge: Ich bin ein großer Sünder, und Christus ist ein großer Retter.Der Apostel Paulus schreibt in 1. Timotheus 1, 15: „Das Wort ist gewiß und aller Annahme wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu erretten, von welchen ich der erste bin.“ Paulus erkannte, daß er immer noch ein Sünder war. Aus diesem Grund erinnert er die Epheser, sich mit Christus zu vereinigen und durch Seine Kraft ein Leben gemäß der neuen Identität zu leben. Dies wünsche ich uns allen, auf daß Gottes Ehre groß werde. Amen!

(6)Römer 6,6: „Da wir dies erkennen, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, daß wir der Sünde nicht mehr dienen.“

https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2020/12/15/die-neue-identitat-in-christus/ https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2020/12/16/i-die-alte-identitat-richtet-sich-zugrunde/


https://www.arche-gemeinde.de/fileadmin/Media/Print/Kanzeldienst/2008/06/P080629M.pdf

I. DIE ALTE IDENTITÄT RICHTET SICH ZUGRUNDE

Als erstes heißt es, sich bewußt zu werden, was die alte Identität ausmacht.
Bevor Paulus inhaltlich darauf eingeht, erläutert er, daß das, was er an Ermahnung für die Epheser hat, nicht aus ihm, sondern aus der Sphäre, dem Einflussbereich des Herrn entspringt. Die Autorität, mit der er spricht, ist ihm von Gott gegeben. Er ist der von Gott gerufene Apostel, der das Mandat hat, den Ephesern zu schreiben und sie zu erinnern. Er sagt: „Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn“(Epheser 4,17). John Stott schreibt dazu: Der Ausdruck „im Herrn“ bedeutet „im Namen des Herrn“. Er (Paulus) erhebt den ernsthaften Anspruch, daß er ihnen mit der Autorität des Herrn Jesus schreibt. 1Im Herrn werden auch wir auch heute ermahnt. Der Herr selbst ist es, der uns an unsere neue Identität erinnert. Daher laß dein Herz weich werden. Es ist Gott selbst, der durch Sein heiliges Wort spricht. Deshalb laßt uns hören, was Er uns sagen will. Paulus spricht dann von dem Leben der Gottlosen, das den gläubigen Ephesern täglich durch den Lebenswandel ihrer Zeitgenossen vor Augen geführt wurde. Ephesus war Hauptstadt der Römischen Provinz Asien mit einem sehr geschäftigen Hafen. Die Stadt war Hauptsitz des Kultes um die Göttin Diana bzw. auch Artemis genannt. Der Tempel der Diana war nach einer Zerstörung wieder aufgebaut und gehörte zu den 7 Weltwundern. Die Missionierung durch den Apostel Paulus zuvor hatte solch einen Erfolg, daß der Umsatz mit Figuren zurückging und es zum öffentlichen Aufstand gegen Paulus kam.2Die Epheser lebten also immer noch in einer Umgebung, die buchstäblich heidnisch war. Stadt und Menschen waren geprägt vom religiösen Kult. Vor ihrer Bekehrung waren die Gläubigen inmitten dieses Kultes und Teil davon. Sie hatten eine Identität, die nicht in Christus, sondern auf falscher Religion und Gottesferne gegründet war.
Ich denke, daß wir an dieser Stelle eine Parallele zu uns heute ziehen können. Wir leben auch in einer „heidnischen“ Gesellschaft, die sich zwar christlich nennt, aber gottesfern lebt. Und wir sind genauso wie die Epheser versucht, unsere Ziele, unser Verhalten, unsere Gedanken, unsere Motivationen und unser Handeln von diesem ungöttlichen Einfluß bestimmen zu lassen. Einige neigen dazu, diesen Einfluß zu verharmlosen, und vergessen, daß sich die alte Identität zugrunde richtet. Daher erklärt Paulus, was wirklich hinter dem alten Menschen steckt. Er sagt, daß die alte Identität bestimmt wird durch:
-Die Nichtigkeit des Sinnes (Vers 17)
-Verfinsterung des Verstandes (Vers 18)
-Entfremdung dem Leben Gottes (Vers 18)
-Verhärtung des Herzens (Vers 18)
Die Gottlosen wandeln in der Nichtigkeit – oder wie Schlachter übersetzt Eitelkeit – des Sinnes. Eitelkeit ist übermäßiger Stolz, Einbildung und Arroganz. Der Apostel betont einen sehr wichtigen Punkt, nämlich daß alle Bemühungen, die die Heiden hervorbringen, um Glück zu erlangen, in der Enttäuschung enden. William Hendrikson schreibt dazu: Ihr Leben ist ein Nachjagen und nicht erreichen, ein Blühen, ohne Frucht zu bringen. Alle Flüsse fließen in das Meer, aber das Meer wird niemals voll. Das Auge ist niemals befriedigt mit dem, was es sieht, noch das Ohr mit dem, was es hört. All das Jagen nach Reichtum, Ehre, Frohsinn, usw. ist nichts als ein „Haschen nach Wind“ 3 (Prediger 1,14) 4. Dann spricht Paulus von der Verfinsterung des Verstandes. Der Verstand der Gottlosen ist beherrscht von der Sünde. Er wird hier verglichen mit einem Auge, das erblindet ist. Die geistliche Verfinsterung ist aber weitaus tragischer als physische Blindheit, denn der körperlich Blinde weiß und gibt zu, daß er blind ist. Die Person aber, die geistlich blind und moralisch verfinstert ist, ist sogar blind der Tatsache gegenüber, daß sie blind ist5. Nicht nur, daß diese Menschen sich in der Dunkelheit befinden, nein, die Dunkelheit ist in sie eingedrungen. Sie sind nicht nur in der Finsternis, sondern die Finsternis hat Einzug in ihr Herz und ihren Verstand gehalten. Paulus erklärt weiter, daß die Heiden in der Entfremdung vom Leben Gottes wandeln. Sie haben nicht Teil am Leben Gottes, das die Quelle des ewigen Lebens ist. Und ihre Herzen sind verhärtet. Das wahre Zentrum ihres Wesens ist durch ihre Taten verhärtet. Hier schließt sich die Frage an, ob du dich noch, ob Sie sich noch mit diesen Wesenszügen identifizieren. Ist dein/Ihr Leben von dieser Art geprägt? Und die, die von sich sagen können, daß Gott ihnen in Seiner Güte eine neue Identität in Christus verschafft hat, dürfen bei dem Reflektieren dieser Gedanken Gott von Herzen danken, daß Er Sünder wie dich und mich auserwählt und in Seiner Gnade berufen hat. Darum wollen wir und haben wir das herzliche Verlangen, gemäß der Berufung würdig zu wandeln, mit der wir berufen worden sind. Dies führt uns nun zu der Frage nach der neuen Identität. Hier sagt uns der Text, daß die neue Identität nach Gott geschaffen ist.
1 Stott, John R. W. “The Message of Ephesians”
2 Apostelgeschichte 19, 23 ff.
3 William Hendriksen, „New Testament Commentary, Exposition of Ephesians“, BakerAcademic, Seite 209 4 Prediger 1, 14: „Ich betrachtete alle Werke, die unter der Sonne gemacht werden, und siehe, es war alles eitel und ein Haschen nach Wind!“5 Johannes 9, 40-41:„Das hörten einige der Pharisä-er, die bei ihm waren, und fragten ihn: Sind wir denn auch blind? Jesus sprach zu ihnen: Wärt ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; weil ihr aber sagt: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde“
https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2020/12/15/die-neue-identitat-in-christus/

Der Wolf in Schafskleidern als eigentliche Aufgabe

Dort, wo das Böse sich in seiner Gottlosigkeit zeigt, dort ist es ganz machtlos, dort ist es ein Kinderschrecken, dort brauchen wir es nicht zu fürchten, ja dort konzentriert es dann auch gar nicht seine Gewalt, sondern dort lenkt es meist nur ab von dem anderen Ort, an dem es durchbrechen will. Der Wolf in Schafskleidern, der Satan in der Lichtgestalt des Engels – das ist das angemessene Bild des Bösen.
Dietrich Bonhoeffer Schöpfung und Fall (München, 1955, S. 83)

Die neue Identität in Christus

Im Hamburger Abendblatt vom 26.06.2008 war ein Artikel mit der Überschrift „So schwer ist der Alltag ohne Lug und Betrug“ abgedruckt. Untertitel: „Neuerscheinung – Amerikanischer Autor versuchte ein Jahr nach der Bibel zu leben.“ Folgender Text hier auszugsweise: NEW YORK – Die Idee war simpel: Der New Yorker Arnold Jacobs (40) beschloss, die Bibel ein Jahr lang so buchstäblich wie möglich zu befolgen. Doch das ist nahezu unmöglich. Inzwischen hat sich Jacobs wieder den Normen des Lebens des 21. Jahrhunderts angepaßt. 18 Monate ist es her, seit der jüdische Agnostiker und „Esquire“-Journalist ein einjähriges Experiment beendet hat. Er versuchte, so wörtlich wie möglich nach der Bibel zu leben. „Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich eingelassen hatte“, sagt Jacobs. „Ich wußte, daß es jeden Aspekt meines Lebens beeinflussen würde – wie ich redete, aß, dachte, wie ich meine Frau Julie berühren würde. Es war überwältigend.“ Nach der Lektüre des Alten und des Neuen Testaments stellte Jacobs eine Liste von über 700 Regeln zusammen. Sein Entschluß, alle zu befolgen, stellte sich schnell als unmöglich heraus, also fielen einige dem Rotstift zum Opfer. „Die erste Herausforderung war, die kleinen Sünden anzupacken, die wir täglich begehen – lügen, begehren, klatschen.“… „In New York tun wir das 60 Prozent des Tages.“ … Besonders schockiert war er darüber, wie oft er schlecht über andere redete. „Ob es einen Gott gibt oder nicht, ich glaube nun, daß an der Idee einer Heiligkeit etwas dran ist.“ Nicht zuletzt schätzt Jacobs, daß er sein Lügen, Begehren und Klatschen auf 40 Prozent reduziert hat. Das Problem ist, daß eine Reduzierung der Lügen auf 40 Prozent nicht ausreicht. Es ist ein perfekter, tadelloser Gehorsam dem Gesetz gegenüber erforderlich, um vor Gott bestehen zu können. Der Journalist hat versucht, die Gebote zu halten, ohne daß zuvor ein Identitätswechsel in ihm stattgefunden hat. Er lebte gemäß dem Wesen seiner unerlösten, unveränderten Natur mit dem Versuch, Gutes auf der Basis von Schlechtem aufzusatteln. Das Fundament war marode, der Kern, sein Herz, war unverändert. Dies zeigt uns erneut, daß niemand den Anforderungen des Gesetzes gerecht werden kann, es sei denn, er hat eine neue Identität in Christus, der das Gesetz erfüllt hat. In seinem Brief an die Epheser erinnert Paulus sie an das neue Leben, das sie empfangen haben. Er erklärt ihnen, daß bei ihnen ein Identitätswechsel stattgefunden hat, weil sie von Gott gerufen wurden. Einst, so schreibt er, wart ihr „tot durch eure Übertretungen und Sünden“(Epheser 2,1), nun aber habt ihr neues Leben empfangen (Epheser 2,5). Einst wart ihr ferne, nun aber seid ihr „nahe geworden durch das Blut Christi“ (Epheser 2,13). Ihr seid von Gott berufen, von Ihm auserwählt und vorherbestimmt zur Sohnschaft durch Jesus Christus (Epheser 1,5). Mit anderen Worten: Ihr habt eine neue Identität! Ihr seid nicht mehr dieselben. Und deshalb lebt auch so!
„Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, daß ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes; sie sind verfinstert am Verstand, fremd dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens; sie, die abge-stumpft sind, haben sich selbst der Ausschweifung hingegeben, zum Ausüben jeder Unreinheit mit Gier. Ihr aber habt den Christus nicht so kennengelernt. Ihr habt ihn doch gehört und seid in ihm ge-lehrt worden, wie es Wahrheit in Jesus ist: daß ihr, was den früheren Lebenswandel angeht, den alten Menschen abgelegt habt, der sich durch die betrügerischen Begierden zugrunde richtet, dagegen er-neuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung und den neuen Menschen angezogen habt, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit.“ (Epheser 4,17-24)
Sonntag, den 29.06.2008 / 09.30 Uhr Die neue Identität in Christus Von Christian Wegert ©

Wie ich das mit den Covid-Maßnamen so sehe…

Hallo ihr Lieben,
Ich möchte dieses Virus nicht bekommen und ich möchte auch nicht, dass jemand sich an irgendetwas ansteckt.
Ich möchte aber auch nicht Krebs bekommen, einen Autounfall haben oder an einem Stück Apfel ersticken.
Ich möchte genauso wenig vom Blitz erschlagen werden, unter einer Lawine begraben sein oder beim Schwimmen im See ertrinken.
Ich möchte auch bitte keinen Schlag- oder Herzanfall haben oder beim nächtlichen Klogang die Treppe herunterfallen und mir das Genick brechen.
Ich möchte nicht dement werden, keine eitrigen Zähne bekommen und keine Lebensmittelvergiftung.
Ich möchte nicht, dass jemand glaubt, mich vor all dem schützen zu können und mich dafür wie Rapunzel in einen Turm sperrt.
Ich möchte von der Politik nicht entmündigt werden, möchte mir nicht von einigen Wenigen die Welt erklären lassen und mir sagen lassen, was ich glauben darf und was nicht.
Ich möchte nicht, dass jemandem unter Androhung von Berufsverbot oder Einweisung in die Psychiatrie verboten wird, seine persönliche Meinung öffentlich zu äußern.
Ich möchte nicht, dass Menschen dazu verpflichtet werden, Nachbarn zu denunzieren und auf ihre sozialen Kontakte zu verzichten.
Ich möchte keiner Zwangsimpfung unterzogen werden mit Mitteln, über die zu wenig bekannt ist hinsichtlich Nebenwirkungen und Spätfolgen.
Ich möchte nicht wie ein Kindergarten-Kind behandelt werden, weil ich nämlich schon viele Jahre gewohnt bin, selbständig zu denken & zu handeln.
Ich möchte wieder tanzen & lachen, unbeschwert ohne darüber nachzudenken, wem es alles schlechter geht als mir.
Ich vermisse meine Freunde, zwischenmenschliche Kontakte und das Miteinander. Diese Welt ist mir so fremd und kalt geworden!
ICH MÖCHTE eigenverantwortlich sein dürfen, selber denken dürfen, über meinen Körper selbst bestimmen dürfen & NIEMANDEM, ABER AUCH WIRKLICH NIEMANDEM, das Recht geben, mich permanent kontrollieren zu dürfen.
Ich möchte meine Meinung lautstark sagen können, frei von Angst. Ich möchte küssen & umarmen dürfen.
& ich möchte auf keinen Fall das Denken & die Entscheidungen denen überlassen, die an der Macht sind..…
& dass dann zwar die Körper der Menschen am Ende noch lebendig sind, aber ihr Geist & Ihre Seele gebrochen. Alois Böck

Wie soll eine Predigt NICHT sein?

Ein Beispiel für eine Sprungbrettpredigt:
„Liebe Gemeinde!
Den Text für unsere heutige Predigt finden wir in unserem Volksliederbuch:
»Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein. Stock und Hut steh’n ihm gut, ist gar wohlgemut. Aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr: Da besinnt sich das Kind, läuft nach Haus geschwind.«
Soweit unser Text!
Wie wir sehen, geht es hier um einen Menschen wie du und ich. Es geht um »Hänschen«. Dieses Wort »Hänschen« kommt von »Hans«, und »Hans« kommt von »Johannes« – und wenn wir noch etwas weiter graben, merken wir, dass »Johannes« vom hebräischen Grundtext her »Jochanan« heißt – und das bedeutet: »Gott ist gnädig«! Dies eine steht also von Anfang an über dem Leben unseres »Hänschen«: Gott ist gnädig. Und genauso steht die Verheißung über dem Leben eines jeden Menschen, der auf diese Welt kommt, und damit auch über uns: Gott ist gnädig!
Dieses Hänschen ist noch »klein«. Vielleicht weiß er noch gar nichts von der Gnade, die über seinem Leben waltet. Aber er hat diese Gnade bereits nötig. Denn wir wissen: So klein ein Mensch auch sein mag, so sündig ist er doch schon. Das wird in unserem Text auch unübersehbar klar. Hier heißt es: Er »ging allein«. Genau das ist das Problem. Hänschen geht seinen Lebensweg »allein«, ohne Gott – meint, sein Leben noch selbst in die Hände nehmen und gestalten zu können. Und solch ein eigener Weg hat immer nur ein Ziel: »In die weite Welt hinein«! Der Weg »allein«, ohne Gott, führt immer schnurstracks »in die Welt«.
Was für ein Leben ist das dort in der »Welt«! Es ist das nichtige Gegenstück zu einem Leben mit Gott. Zwei Merkmale prägen dieses weltliche Leben. 1.) Da ist zunächst einmal die Eitelkeit: »Stock und Hut steh’n ihm gut […]«, so steht es hier. Diese äußeren Dinge wie »Stock« und »Hut« treten plötzlich in den Vordergrund, ganz so, als ob solche Eitelkeiten ins Zentrum unseres Lebens gehörten. 2.) Und zweitens ist das Leben in der Welt gekennzeichnet durch vergängliche Freude: »[…] ist gar wohlgemut«, so lesen wir. Wir müssen ja nicht glauben, den Menschen in der Welt ginge es immer schlecht! Ganz im Gegenteil. Wir wissen doch schon aus den Psalmen, dass es dem Gottlosen oft sehr gut geht. Er genießt die Welt und ist »gar wohlgemut«. Dass diese Freude vergänglich ist, steht auf einem anderen Blatt.
Und nun kommt die große Wende. »Aber«, so heißt es: »Aber Mutter […]«! Was haben doch gläubige Mütter nicht schon alles für ihre verlorenen Söhne getan, die draußen in der »Welt« waren! So ist es auch hier. Da ist von Tränen die Rede: Mutter »weinet sehr«. Der Grund ist jener tief empfundene Verlust, den jeder Gläubige spürt, wenn liebe Menschen eine ganz andere, weltliche Lebensrichtung einschlagen: »hat ja nun kein Hänschen mehr«. Doch da geschieht das Wunder. Es kommt zur Umkehr: »Da besinnt sich das Kind.« Es kommt zu einer Wende um 180 Grad, zu einem radikalen Umdenken, einer Neubesinnung! Ging bisher der Weg immer tiefer in »die Welt hinein«, so wird jetzt genau die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen. Hänschen besinnt sich auf das Vaterhaus. Es »läuft nach Haus geschwind«.
Liebe Gemeinde, wenn heute jemand hier ist, der noch nicht daheim ist beim himmlischen Vater, den möchte ich doch dringend bitten: Komm zurück S 57 »nach Haus«. Schiebe die Entscheidung nicht auf! Ich möchte Sie einladen: Machen Sie es wie Hänschen, kommen Sie noch heute – »geschwind«! Amen.“
Quelle: Helge Stadelmann, Kommunikativ Predigen: Plädoyer und Anleitung für die Auslegungspredigt (2. Auflage.; Holzgerlingen, Gießen; Brunnen, Gießen: SCM R. Brockhaus, 2018), 55–57.

Josef und seine Brüder

Reisen, lieben, Geld verdienen
„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben.“ So schrieb es der deutsche Dichter Matthias Claudius 1796. Auf der Hitliste von Jugendlichen und Erwachsenen stehen oft drei Wünsche. Man will etwas von der weiten Welt sehen und erotische Abenteuer erleben. Dazu braucht man eine ansprechende Stellung. Befriedigung in der Welt der Freizeit wechselt sich mit Befriedigung in der Welt der Arbeit ab.
Josef erlebte alle drei Dinge: Er unternahm eine weite Reise, er bekleidete anspruchsvolle Positionen und er bekam das Angebot einer attraktiven Frau zu einem Liebesabenteuer. In diesem Beitrag stelle ich euch Josef vor.
Josef: Ein Portrait
Zuerst interessiert uns, wann der Mann Josef gelebt hat.
Wo befinden wir uns? Der Anfang der Geschichte spielt sich in Palästina ab. Damals war dieses Land von verschiedenen Volksstämmen besiedelt.
Josef lebte nicht als Einzelkind mit einem eigenen Fernseher in einem eigenen Zimmer im Dachgeschoß wie wir städtisch geprägten Menschen im Europa des 21. Jahrhunderts. Sein Leben spielte sich mitten in einer Großfamilie mit zahlreichem Gesinde ab.
Josef war der elfte von zwölf Söhnen (1Mose 30,23f). Zudem war er der erste Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel und der „Sohn des Alters“ von Jakob (1. Mose 37,3). Das heißt, seine Brüder waren wohl wesentlich älter als er. Seine Mutter starb bei der Geburt des jüngsten Bruders Benjamin (1. Mose 35,16-21).
Josef lebte das harte Leben eines Kleinviehhirten in einer halb­noma­dischen Sippe. Obwohl er von seinem Vater bevorzugt wurde, war er sicher nicht der verwöhnte Liebling eines alternden, reichen Daddys.
Mit der Brille der modernen Psychologie auf der Nase ist man schnell geneigt, in Josef einen verwöhnten, unerzogenen und tratschsüchtigen Liebling eines alternden, reichen Daddys zu sehen. Werfen wir nochmals einen Blick in die Geschichte der Sippe. Jakob war die Führung seines Clans anscheinend weitgehend entglitten. Josef wuchs bei den beiden Nebenfrauen auf.
Die Familien­chronik von Josefs Sippe ent­hielt einige dunkle Taten, sei es die Unzucht von Ruben, die Rache für Dina, den Versuch, Josef endgültig loszuwerden und die Lügengebäude in diesem Zusammenhang.
Jetzt können wir uns besser vorstellen, was Josef mit 17 Jahren schon alles erlebt haben musste. Er war in einer angenehm-unangenehmen Position des bevorzugten Sohnes.
Zudem bekam er zwei Träume, in denen ihm von Gott offenbart wurde, dass sich einmal alle Brüder wie auch Vater und Mutter vor ihm verbeugen würden. Im streng hierarchischen Gefüge der Sippe war dieser Anspruch unerhört, so dass selbst Vater Jakob seinen Sohn öffentlich rügen musste. Es wird aber auch vermerkt, dass er sich diesen Traum merkte (1. Mose 37,11).
Für die Brüder war die Situation jedoch so unerträglich geworden, dass sie ihn töten wollten. Brudermord war bei seinen Vorfahren nichts Unbekanntes. Nach dem Bundesbruch Adams und Evas im Garten Eden brachte die Sünde Verderben in die Familie. Aus demselben Motiv wie Josefs Brüder, nämlich Eifersucht, hatte Kain seinen jüngeren Bruder Abel erschlagen (1. Mose 4).
Als die Brüder Josef alleine bei sich auftauchen sahen, schmiedeten sie Pläne um den verhassten Bruder aus der Welt zu schaffen (1. Mose 37,18).
Die Brüder Josefs wollten um keinen Preis, dass ihr jüngerer Bruder über sie herrschen sollte. Das entsprach jedoch genau Gottes Bestimmung für ihn; er hatte ihm dies in seinen beiden Träumen angekündigt. Einige Jahre später würden sich alle Brüder vor Josef verneigen – in einem ganz anderen Umfeld, mit völlig vertauschten Karten (1. Mose 42,6).
Josef wurde aus Neid den Ismaeliten überliefert, die ihn als Sklaven mit nach Ägypten nahmen.
Josefs Brüder mussten seine Gefangennahme und Entführung vertuschen.
Wie geht es weiter mit Josef?
Josef ist dann Prototyp des Tellerwäschers, der sich zum Millionär hocharbeitete. Er wird zum Inbegriff des Ausländers, der an die Schaltstellen der Macht gelangt. Der Häftling, der sich mit Tapferkeit und Hartnäckigkeit die Aufmerksamkeit des Gefängnisdirektors erarbeitete. Doch halt: So einfach war es ja nicht. Es wird mehrmals vermerkt: Gott war mit ihm (1. Mose 39,3 etc.). Hier schlage ich die Brücke zu uns: Es geht wie bei Josef nicht um das Drehbuch eines einzelnen Lebens. Die Weltgeschichte dreht sich nicht um mich.
Eine unfreiwillige Reise, eine abgewiesene Frau und ein Gefängnisaufenthalt
Der 17-jährigen Josef klickte sich durch die Angebote im Netz, Last Minute. Nach Ägypten soll der Urlaub gehen, tauchen und schnorcheln am Meer. Nein, bei weitem gefehlt. Er unternahm zuerst eine weite Reise zu seinen Brüdern, ein gefährliches Unternehmen. Die Brüder werfen Josef in eine leere Zisterne.
Eine Karawane nahte, aus der ersten spontanen Aktion wurde ein definitiver Plan. Verkaufen würde man den Bruder. Dann hätte man ihn eindeutig los. Juda, der Vierte, meinte: „Also, so schlecht können wir mit ihm auch nicht umgehen. Er ist schließlich unser Fleisch und Blut.“ So geschieht es, dass er nach Ägypten verkauft wurde. Die Ereignisse scheinen sehr ungünstig mitgespielt zu haben. Der Mann wusste noch nichts von seiner zukünftigen Aufgabe in Ägypten. Er hatte von Gottes großem Rettungsplan für die Linie der Verheißung keine Ahnung. Vorerst zog er durch die Steppe hinunter nach Ägypten. Keine First Class, wahrscheinlich zu Fuß, womöglich noch schlecht ernährt und erniedrigend behandelt. Auf dem Sklavenmarkt wurde er vom Chef der Palastwache Pharaos gekauft.
Blenden wir in unser Leben. Vielleicht hast du große Pläne. Du siehst dich im Sportwagen umherfahren, den Arm lässig im geöffneten Fenster, die trendige Frisur im Fahrtwind, im Kofferraum den Golfschläger. Neben dir sitzt eine schlanke, gut aussehende Frau, die dir zu Diensten steht; die dich bewundert. Das eigene Geschäft hat die Anfangsphase überstanden. Nicht nur das, du hast es gar zu einem guten Preis verkaufen können. Privatier willst du nicht sein, du beschäftigst dich jetzt mit dem Bau von Mehrfamilien­häusern. Das Geld will schließlich angelegt sein. Die Jacht steht in Südfrankreich im Hafen. Vielleicht ist das alles viel zu abgehoben. Du planst in kleineren Einheiten. Vielleicht ist es das Eigenheim, die nächste Beförderung. Oder für Kinder und Jugendliche: Das neue elektronische Gerät, die Wunsch-Lehrstelle, die hübsche Freundin, der lange Asienaufenthalt mit dem ersten ersparten Geld.
Bei Josef kam alles ganz anders als erträumt. Das tolle Gewand das Geschenk seines Vaters war schnell vom Leib gerissen. Fertig war es mit der Aussicht auf das väterliche Erbe, auf das Hauptzelt und die großen Herden. Erst einmal lag er im trockenen Loch, vielleicht mit Schürfungen. Dann wurde er herausgeholt und unter hämischem Lachen der Brüder an die Händler verkauft. Ein tage- bzw. wochenlanger Gewaltmarsch nach Ägypten. Dann die Präsentation auf dem Sklavenmarkt, ein neuer Herr. Dienen, nicht herrschen. Hungern, nicht satt sein. Fern von der Heimat. Fern vom Vater. In einer komplett anderen Kultur, einer anderen Sprache, mit anderen Gepflogenheiten, einer anderen Religion. Jetzt würde es klar werden, wie Josef sich verhalten würde.
Es kam noch viel dicker. Josef bewies sich als tüchtiger Arbeitnehmer. Er arbeitete sich bis zum Hausvorsteher seines Herrn hoch. Damit war er über Dutzende, wenn nicht Hunderte anderer Sklaven gesetzt. Sein Herr kümmerte sich um gar nichts mehr. „Gott war mit ihm.“ Das war alles. Das genügte. Josef bewährte sich im neuen Umfeld. So hätte es weitergehen können. Dann kommt der zweite Schlag: Die Frau des Herrn begehrt den jungen, gut aussehenden Fremden. Er soll ihr gefügig werden. Nicht nur ein toller Job, auch noch ein heißes Liebesabenteuer folgte auf dem Fuß. Josef reagiert konsequent. In der Versuchung wird seine Gesinnung offenbar. Er weist die Frau ab. Weshalb? Weil er sonst gegen Gott gesündigt hätte. Das sagt alles. Er lebte vor Gott. Was zählte, war sein Gesetz.
Die Frau lässt das nicht auf sich sitzen. Sie ergreift die nächste Gelegenheit, als die beiden alleine im Haus waren. Jetzt oder nie! Bis jetzt war sie noch immer an ihr Ziel gekommen. Josef flüchtet, die einzige Möglichkeit, die ihm übrigbleibt. Wieder ließ er sein Gewand fahren. Wieder wendet sich sein Geschick. Die Frau verklagt ihn. Die Täterin stellt sich geschickt als Opfer hin. Josef fliegt hochkant aus dem Haus – direkt in den Hochsicherheitstrakt des Pharaos. Dunkles Verlies, enge Zellen, Ungeziefer, Feuchtigkeit, Hunger, schreiende Häftlinge, Exkremente, wohl auch Sterbende. Im Psalm steht: Der Herr presste seine Füße in einen Stock und seinen Hals in ein Eisen. Weshalb tat er das? Er läuterte ihn. Er testete seinen Glauben. Er bereitete ihn für seine Aufgabe zu.
Es gibt Etappen unseres Lebens, in denen wir ratlos dastehen. Josef wurde aus der Familie, aus seinem Besitz, aus seinem Land und auch aus seiner neuen Stelle herausgerissen und ins Gefängnis geworfen. Es kann noch ärger werden. Es muss nicht, aber es kann.
Steht deine Treue auf dem Prüfstand?
So wie Gott Josef läuterte, so stellt er auch unseren Glauben auf die Probe. Stehst du in der Versuchung aufzugeben? Lebst du in zwei Welten: Die fromme ab und zu am Sonntag und die andere in der restlichen Zeit? Er sieht deine Gedanken, deine geheimen Blicke, deine versteckten Projekte. Er schafft Situationen, um dein Herz zum Vorschein kommen zu lassen. Vielleicht entdeckst du auf diese Weise, dass du einen Erlöser brauchst. Bringe dein Gewissen nicht zum Schweigen!
Bitte, gehe nicht vorschnell an Josefs Geschichte vorüber. Ohne Erhalter des Lebens wirst du für immer am Hungertuch nagen! Du entbehrst des Wichtigsten. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Was möchtest du am Ende deines Lebens einmal erzählen können?
Aus Bibel und Gemeinde 3/2020, Seite 19-26 Der Original Artikel ist von Hanniel Strebel