Gott stellt sich vor

Predigt über 2. Mose 3

Mose sagt sich: „Das kriegste in dein‘ Kopp nicht rein, das kiekste dir mal aus der Nähe an:“ Aus purer Neugier geht er näher. Er leistet sich einen Abstecher vom geplanten Weg, kraxelt zu dem Busch und dan passiert es: Ihm begegnet Gott. Soviel verstand der Schafhirt Mose auch von der Wissenschaft, dass ein Busch, der brennt, eigentlich verbrennen müsste. Als er aber sieht, dass der Busch nicht verbrennt, da folgert er nicht messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, sondern er geht an die Sache wissenschaftlich ran. Er prüft sie nach. Er klopft auf den Busch, und wer steckt dahinter? Gott. Wäre Mose stur seinen ausgetretenen Trampelpfad weiter getrottet, wäre er glatt an Gott vorbeigelaufen. Aber er schert aus. Er verlässt den vorschriftsmäßigen Weg. Er überwindet sein Vorurteil. Der Mose wäre auf seinem Abstellgleis weiter gefahren, wenn er nicht mal den Abstecher zum Dornbusch gemacht hätte.
Denn die Begegnung am Dornbusch ist die Station, wo Gott den Mose vom Abstellgleis runter holt. Jetzt setzt er ihn wieder auf die Hauptstrecke, die in die Welthauptstadt zum Pharao führt. Dort wird Mose jetzt mit Volldampf hingeschickt. Jetzt beginnt für ihn ein neues Leben, jetzt bekommt er seine eigentliche Lebensaufgabe. Gott hat den Mose nicht vergessen.
Im Gegenteil – er hat mit ihm noch viel vor und hat ihn darauf vorbereitet. Dich hat Gott auch nicht vergessen. Auch mit dir hat er noch etwas vor. Auch wenn du dir vorkommst, als wärst du auf dem Abstellgleis. Vielleicht hat Gott dich tatsächlich aufs Abstellgleis geschoben. Vielleicht hast du auch, wie Mose, in Gottes Plänen rumgepfuscht und musst erst mal, wie Mose, lernen, ruhig zu werden und nach Gottes Plan zu fragen. Denn Gott hat auch für dein Leben einen Plan.
Vielleicht ist dieser Artikel die Station deines Lebens, wo du vom Abstellgleis wieder auf die Hauptstrecke kommst? Wieder zur Hauptsache kommst, nämlich zum Glauben an Gott? Ich kann dir nur sagen: Jesus hat die Weiche für dich gestellt. Folge ihm nach, und du erfährst, dass es für dich ein neues Leben gibt.
Mose hatte mit dem Leben praktisch schon abgeschlossen. Den Hitzkopf, der darauf brannte, Unterdrücker kaltzumachen, hatte Gott auf Eis gelegt. Jetzt, nachdem er ihn 40 Jahre lang zum Abkühlen kaltgestellt hatte, taut Gott ihn wieder auf und tritt ihm als Feuer entgegen. Mose sieht den brennenden Dornbusch. Das Unheimliche und Unbegreifliche des Feuers wird zum Symbol für die Erscheinung Gottes: „Da rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose!“ (2. Mose 3,4).
Stopp den Flop
Mose bleibt wie angewurzelt stehen. Er ist weit weg von zu Hause, in der grenzenlosen Einsamkeit am Berg Sinai. Um ihn herum nichts als die Wüste, Sand und die Tiere. Da ruft ihn einer mit seinem Namen. Mose erschrickt: Hier ist einer, der mich kennt! „Da rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose! Er antwortete: Hier bin ich.“ Das ist die Antwort, die Gott auch von dir erwartet. Es ist egal, wie dein Leben aussieht. Es ist egal, ob du wie Mose einen Mord (z.B. eine Abtreibung) auf dem Gewissen hast. Es ist egal, ob du 40 Jahre lang ohne ihn gelebt hast, weil sie dich als Atheisten erzogen haben. Es ist egal, in welche Wüste, in welches wüste Leben du abgesackt bist. Heute ruft er dich. Ich weiß nicht, zum wievielten Mal er dich heute zum letzten Mal ruft. Ich weiß nur: Er ruft dich. Komm raus aus deinem wüsten, unordentlichen, ungeordneten Leben! Möchtest du ihm nicht antworten: “Hier bin ich“? Du kannst dein Versteckspielen aufgeben. Du kannst deine Vorurteile aufgeben. Du kannst dein bisheriges Leben aufgeben. Du kannst deine Schuld abgeben. Du kannst ihm dein Leben geben. Wirf dich ihm einfach in die Arme: „Da hast du mich! Verfüge über mich! Hier bin ich!“
So fängt Glaube an. Glaube heißt nicht, alles, was, mit Gott zusammenhängt, schon verstanden zu haben. Glauben heißt gehorchen. Mose hat keine Ahnung, was ihm bevorsteht. Er weiß auch nicht, wo‘s lang geht. Er weiß nur: Hier geht’s um mich. Ich bin gemeint. Mich ruft Gott. Und da meldet er sich: „Hier bin ich.“ „Da sprach Gott: Tritt nicht näher, zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land“ (2. Mose 3,5).
Wenn du Gott begegnest, kannst du nicht weiterlaufen wie bisher. Da hebt es dich aus deinen Latschen. Da stehst du auf einem neuen Standpunkt. Als Mose so die Gegenwart Gottes erfährt, „verhüllte er sein Angesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen“ (2. Mose 3,6). Die Respektlosigkeit und Kumpelhaftigkeit, mit der manche Leute mit Gott umspringen, zeigt nur, dass die gar nicht wissen, wer Gott ist. Schon die Rede vom „lieben Gott“ ist verdächtig. Als Mose zum ersten Mal im Leben Gott wirklich erlebt, erschrickt er. Wenn wir Gott erleben, finden wir das meistens nicht zum Erschrecken, sondern wie Zuckerlecken, wir finden es „schön“: Das war eine schöne Predigt. Das war eine schöne Abendmahlsfeier. Das war ein schöner Gottesdienst.
Freunde, solange eine Predigt weiter nichts als schön ist, ist sie auch weiter nichts wert. Ich möchte hier jedenfalls keine „schöne“ Predigt abliefern. Ich möchte ganz was anderes. Ich möchte, dass ihr euer Leben Gott ausliefert. Dass ihr vor der Majestät Gottes erschreckt. Dass ihr Gottesfurcht empfindet. Dass ihr eure Sünde erkennt, euch dafür schämt und in euch eine Sehnsucht nach Vergebung entsteht. Dass ihr mit eurem oberflächlichen Christsein und Jesusgetändel, mit eurem Wochenend-Wohlfühl-Christentum aufhört. Dass ihr euch bekehrt. Dass ihr euch Gott in die Arme werft: „Hier bin ich.“ Ich leide darunter, dass manche Gottesdienste immer mehr zum großen Happening werden. Alle sind high, aber keiner sagt: „Herr, hier hin ich.“ Alle tun so, als wären sie schon bekehrt, und wenn ich zur Bekehrung aufrufe, kommt keiner. Wenn ich dazu aufrufe, hinterher zu helfen die Kirche zu kehren und die Bekehrten eigentlich strömen müssten, kommt wieder keiner. Hier stimmt doch was nicht. Du missverstehst die ganze Sache, wenn du nicht verstehst, dass Gott hier etwas von dir will. Er will deine Entscheidung. Deine Mitarbeit. Er will dich. Er will von dir hören: „Hier bin ich.“
Gott stellt sich dem Mose vor mit folgenden Worten: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ (2. Mose 3,6).
Wir alle kennen Gott zunächst nur als Gott der Väter. Bevor wir selber glauben, lernen wir erst mal andere kennen, die an ihn glauben. Aber dieses Wissen vom Glauben anderer ist eben noch kein persönlicher Glaube, auch wenn wir diesen Glauben als Kinder von unseren Eltern übernehmen. Deshalb muss irgendwann im Leben für jeden von uns der Moment kommen, wo wir begreifen: Dieser Gott ist auch mein Gott. Irgendwann muss es sozusagen mal schnappen, wenn aus dem Wissen, das es Gott gibt, die Erkenntnis wird, dass der sich mit mir abgibt. Mich liebt. Mich fordert. Mich verlangt. Dass er mein Gott ist. Mose war kein unbeschriebenes Blatt. Der stammte schließlich von frommen Vorfahren, hatte gläubige Eltern, hatte viel von Gott gehört. Es ist aber ein enormer Unterschied, ob einer was von Gott gehört hat oder ob er ihm gehört, ob er ihm gehorcht. Es ist ein enormer Unterschied, ob du sagst: „Ich weiß, dass es einen Gott gibt“ (das wissen die Teufel auch), oder ob du sagst: „Mein Herr und mein Gott.
Hier bin ich.“ Das ist der Unterschied zwischen einem Christen und einem Nichtchristen. Der Unterschied zwischen bekehrt und nicht bekehrt. Zwischen einem toten und einem wiedergeborenen Christen. Auch wenn du dich einen Christen nennst, bist du erst dann einer, wenn du Gott bewusst dein Leben auslieferst und sagst: „Hier bin ich.“ Als Mose diesen Satz sagt, eröffnet ihm Gott seinen Plan. „Weil denn das Geschrei der Kinder Israel vor mich gekommen ist, und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so gehen nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Kinder Israel, aus Ägypten führst.“ (2. Mose 3,9).
40 Jahre früher hätte Mose in diesem Moment die Nase hochgehoben und gesagt: „Ich gratuliere dir, lieber Gott, dass du auf den Richtigen getippt hast. Ich bin der geborene Retter des Volkes. Das geht seinen Gang. „Und auch jetzt hätte er ja sagen können. „Na endlich greifst du auf mich zurück. Das hättest du wirklich früher haben können. Ich war ja schon vor 40 Jahren so weit.“ Genau das sagt er aber nicht. Die 40 Jahre Lehrzeit in Gottes Schule waren nicht umsonst. Er ist nicht mehr der forsche Revoluzzer, der sich zutraut, mit roher Gewalt die Freiheit erkämpfen zu können. Er ist nicht mehr der überhebliche Politiker, der sich einbildet, er könne Weltpolitik machen, ohne nach Gottes Willen zu fragen. Er ist in den 40 Jahren ganz bescheiden und ruhig geworden. Deshalb trompetet er jetzt nicht: „Ich bin der Mann, der den Freiheitsmarsch anführen kann. Man reiche mir eine Fahne und eine Kalaschnikow“, sondern er antwortet. „Wer bin denn ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Kinder Israel aus Ägypten?“ (2.Mose 3,11) Nein, ich bin der Falsche.
Diese Antwort beweist, dass er der Richtige ist. Nur mit denen, die Wissen, dass sie mit eigener Kraft nichts tun können, kann Gott Großes tun. Deshalb gibt Gott ihm auf die Frage „Wer bin denn ich, dass ich zum Pharao gehe und führe Israel aus Ägypten?“ die kurze Antwort: „Ich will mit dir sein“ (2. Mose 3.12).
Das heißt: „Du mit deinen Kräften schaffst das nicht. Aber ich werde dir Kräfte geben und unter die Arme greifen. Dann schaffst du’s. Ich will mit dir sein.“
Mehr als diese grundsätzliche Zusage kann man eigentlich nicht verlangen. Mose verlangt mehr. Denn, so fragt er sich, wer ist denn nun eigentlich Gott? Er will es ganz genau wissen. Da fragt er ihn nach seinem Namen. Die Antwort, die Gott ihm gibt, ist ein Rätsel geblieben bis zum heutigen Tage. Gott sagt: „Ich bin Jahwe“, das ist hebräisch und bedeutet: „Ich bin, der ich bin“. Es könnte aber auch heißen: „lch werde sein, der ich sein werde“. Noch kein Theologe hat es geschafft, diese merkwürdige Aussage eindeutig zu deuten, und ich will es gar nicht erst versuchen. Mir reicht schon, dass Gott überhaupt einen Namen hat. Der Name „Ich bin. der ich bin“ ist keine Definition vom Wesen Gottes, das ist keine philosophische Seinaussage. Wenn Gott für dich eine philosophische Frage ist, wirst du sowieso nie dahinter kommen, wer hinter diesem Namen steckt. Gott hat uns seinen Namen nicht gegeben, damit wir darüber philosophische oder theologische Spekulationen anstellen. Er hat uns seinen Namen nicht gegeben, damit wir über ihn reden, sondern damit wir mit ihm reden,. ihn anreden. Und da wir nicht mehr zur Zeit des Alten Testaments leben, brauchen wir Gott auch nicht mehr mit seinem hebräischen Namen anzureden. Inzwischen hat Gott uns einen anderen Namen gegeben, den Namen Jesus, von dem es in der Bibel heißt: „In keinem andern ist das Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen gerettet werden“ (Apostelgeschichte 4.12). Und beim Propheten Joel steht: „Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden“ (Joel 3,5). Wenn du also sagst: „Jesus, hier bin ich“, bist du gerettet.
Ich habe schon viele kennengelernt, die sich als gewaltige Revolutionäre gebärdeten. Mit Vollbart im Gesicht und voller Zuversicht entwarfen die weltverändernde Programme – solange sie jung waren. Als ich sie später wieder traf, war der Bart ab. Gesichter meist glatt und feist, wie ein Kinderpopo. Audi im Stall, Baby im Ställchen, Schrankwand. Man traut seinen Augen kaum. Der Revoluzzer von einst hängt im Sessel vorm Fernseher, frisst Salzstangen und hört den Musikantenstadl für das größte kulturelle Ereignis des Monats.
Auch Mose ist bürgerlich geworden. Der Revolutionär, der politische Gegner totschlug, widmet sich der friedlichen Schafzucht. Mose war vom todgeweihten Findelkind zum ägyptischen Prinzen aufgestiegen, hatte einen Ägypter erschlagen, und von da an ging’s bergab. Gott hatte ihm die rote Karte gezeigt, und ab ging’s in die Wüste. Hinter den Bergen musste er als Flüchtling untertauchen. Inzwischen sind 40 Jahre vergangen. Aus dem zornigen jungen Mann, der leidenschaftlich für die Freiheit kämpfen wollte, ist ein sesshafter Bürger geworden, der seine Ruhe haben wollte. Er hat auch in der Wüste sein privates Glück, sein Frauchen gefunden. Mose hat geheiratet.
Ich hab mal von einem der sich in der Wüste verlobt hat, eine Verlobungsanzeige bekommen. Da stand drauf: „Wenn mancher an der Küste wüßte, wie gut sich’s in der Wüste küsste…“ Als ich dann mit meinem Mitarbeiter Wolfgang im Stau stand und wir uns irgendwie beschäftigten mussten, haben wir an diesem Zweizeiler weitergebastelt, und das Ergebnis klang so:
Wenn mancher an der Küste wüsste,
wie gut sich‘s in der Wüste küsste,
dann küsste er nicht an der Küste,
als ob er nichts von Wüsten wüsste.
Dann wär’n bei Wüstenküsserei
die Küstenküsser auch dabei.
Bei Mose waren die wilden Kusszeiten schon lange vorbei. Er hat einen Sohn aufgezogen, er hat seine Filzpantoffeln angezogen und bereitet sich auf einen geruhsamen Lebensabend vor. Mit der großen politischen Karriere war’s Essig, da hat er sich ins Privatleben zurückgezogen. Außer einer Runde Skat mit Schwiegervater und Sohn spielt sich bei ihm nichts mehr ab. Mose steht auf dem Abstellgleis. Dort hatte Gott ihn abgestellt. Zum Dampfablassen. Damit der Hitzkopf, der anderen Leuten den Kopf abhaut, sich abkühlt. Damit er ruhig wird. 40 Jahre Abstellgleis – man muss sich mal vorstellen, was das für einen Typ wie Mose heißt! Einer der bedeutendsten und begabtesten Männer der Weltgeschichte, für den in Ägypten soviel für die Befreiung seines Volkes zu tun wäre, versauert bei Hammelkotelett und Ziegenkäse. Vergeudet seine besten Mannesjahre als Schafhirt. Die weite Wüste hat einen engen Horizont. Wer dort 40 Jahre lang Schafe gehütet hat, erwartet nicht mehr viel vom Leben. Und gerade da, als er es nicht erwartet, holt Gott ihn aus der Versenkung. Eines Tages zerrt er ihn wieder ans Licht der Weltgeschichte. Der Tag geht los wie jeder andere auch. Aufstehen, Frühstück, zur Gattin ein routiniertes Winkewinke, und dann marschiert Papa Mose los. Vor sich einen langen Arbeitstag, hinter sich Schwiegervaters Schafherde, unterm Arm den Frühstückbeutel Hammelkotelett mit Ziegenkäse. Immer nur Ziegenkäse. Öde eintönig, langweilig. So geht das nun schon seit 40 Jahren, jeden Tag dasselbe. Und da passiert nun doch mal was Neues. Etwas ganz Außergewöhnliches, Verrücktes, Sensationelles, was Mose noch nie gesehen hat: Als er an den Berg Sinai kommt, sieht er einen Dornbusch. Der brennt lichterloh, und jetzt kommt’s! der brennt, ohne zu verbrennen. Pfarrer Dr. Theo Lehmann im Jugendgottesdienst
https://www.predigtpreis.de/predigtdatenbank/predigt/article/predigt-ueber-2-mose-3-2.html

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