Gott liebt dich, Darling!

Am 10. Februar 2005, starb der amerikanische Schriftsteller Arthur Miller im Alter von 89 Jahren. Miller wurde besonders bekannt durch seine sozialkritischen Dramen wie Tod eines Handlungsreisendenund Hexenjagd – und durch seine Ehe mit der Filmschauspielerin Marilyn Monroe. Die Ehe scheiterte nach fünf Jahren an Marilyns zunehmen-den Depressionen und Wahnvorstellungen, die sie zu immer höheren Dosen von Schlaftabletten und Beruhigungsmitteln greifen ließen. In seiner Autobiografie Zeitkurven (1987) beschreibt Miller, wie Marilyn wieder einmal ein Beruhigungsmittel injiziert wurde und er an ihrem Bett wachte:„Ich versuchte, mir Wunder vorzustellen. Wenn sie aufwachte, und ich könnte sagen: ‚Gott liebt dich, Darling‘, und sie könnte daran glauben! Wie sehr wünschte ich, ich hätte noch meine Religion und sie ihre. Plötzlich war alles ganz einfach: Wir hatten Gott erfunden, um nicht an der Wirklichkeit zu sterben, und doch war Liebe die wirklichste Wirklichkeit. […] Marilyn schlief weiter, und ich wünschte wieder, beten zu können, um für sie das Bild zu beschwören, das nur Liebe kennt. Aber auch dazu war es zu spät.“*Eine erschütternde Szene: Da weiß jemand, dass der Glaube an Gott, das Bewusstsein, von ihm geliebt zu werden, die Lösung für seine Probleme sein könnte, und er wünscht sich auch, diesen Glauben zu haben, aber er kann sich doch nicht dazu durchringen; das Einzige, was er noch hat, ist die Liebe zu seiner Frau, aber sie trägt als Stütze für ihr gemeinsames Leben ebenfalls nicht mehr. Es ist geradezu tragisch, wie hier ein Mensch so nahe daran ist zu erkennen, was seinem Leben wirklich Halt und Sinn verleihen könnte, und doch nicht in der Lage ist zuzugreifen, sondern nur resigniert feststellt: „Es war zu spät.“Zu spät? Marilyn Monroe starb neun Monate nach ihrer Scheidung an einer Überdosis Schlaftabletten; Arthur Miller lebte noch weitere 42 Jahre, blieb aber leider bis zuletzt „ohne Christus“, „ohne Hoffnung“ und „ohne Gott in der Welt“ (Eph 2,12).Michael Schneider * Arthur Miller: Zeit-kurven. Ein Leben.Frankfurt am Main (S. Fischer) 1987. S. 635, 636.

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