Sag die ganze Wahrheit

Es ist in der Tat traurig, dass unter uns christliche Leiter sind, die sich scheuen, den Menschen die ganze Wahrheit zu sagen. Sie fordern von Männern und Frauen nur, dass sie Gott das geben, was nicht mit Kosten verbunden ist. Die moralische Lage heute begünstigt nicht gerade einen Glauben, der so robust und zäh ist wie der, den unser Herr und Seine Apostel gelehrt haben.
Christus ruft Menschen auf, Sein Kreuz auf sich zu nehmen – wir rufen sie auf, in Seinem Namen Spaß zu haben! Er ruft sie auf, mit Ihm zu leiden – wir rufen sie dazu auf, gut bürgerlich all das zu genießen, was unsere moderne Lebenswelt bietet.
Er ruft sie zu heiligem Leben – wir rufen sie zu einer billigen, geschmacklosen Fröhlichkeit, die selbst die unbedeutendsten stoischen Philosophen verächtlich abgelehnt hätten.
Wann werden Gläubige lernen, dass man, wenn man Gerechtigkeit liebt, Sünde hassen muss, dass man, wenn man Christus annimmt, sich selbst verwerfen muss, dass, wer die Welt liebt, ein Feind Gottes ist? Wir sollten uns nicht schockieren lassen durch den Gedanken, dass das Leben in Christus Nachteile mit sich bringt. Aiden Wilson Tozer

Menschliche Urteile über Gott

„Alle menschlichen Urteile über Gott sind immer töricht und verkehrt, wie es die Geschichte aller Zeiten und aller Völker bezeugt. Der eine hat sich Ihn so gedacht und beschrieben, der andere ganz anders. Der eine hat geglaubt, Ihm mit diesem zu gefallen, der andere mit jenem, so daß es erbärmlich ist, zu sehen, wie sie geirrt haben und im Finstern gelaufen sind. Das geschieht auch uns, sobald wir das Wort aus den Augen verlieren.“ (Carl Olof Rosenius)

Im Titusbrief werden Frauen ermutigt, sich aktiv um die nächste Generation zu kümmern

9 Dinge, die wir von „Titus 2 – Frauen“ lernen können

„… dass sich die alten Frauen gleicherweise so verhalten sollen, wie es Heiligen geziemt, dass sie nicht verleumderisch sein sollen, nicht vielem Weingenuss ergeben, sondern solche, die das Gute lehren, damit sie die jungen Frauen dazu anleiten, ihre Männer und ihre Kinder zu lieben, besonnen zu sein, keusch, häuslich, gütig, und sich ihren Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert wird.“
Titus 2,3-5

Im Titusbrief werden Frauen ermutigt, sich aktiv um die nächste Generation zu kümmern, sie zu lehren und ihnen vorzuleben, wie man eine Frau nach dem Herzen Gottes wird. Ich habe das Privileg, dass ich ohne viel Nachdenken gleich mehrere Frauen nennen kann, die auf unterschiedliche Art und Weise in meinem Leben solche „Titus 2 – Frauen“ waren. Dies sind die Frauen, die ich nachzuahmen versuche, in meinem Dienst als Frau nach Gottes Herzen.

Unabhängig davon, wie groß der Altersunterschied oder wie verschieden die Lebensumstände sind, bei näherer Betrachtung konnte ich einige Eigenschaften entdecken, die bei allen von ihnen zu finden sind:

  1. Sie sind bereit, ihr ganzes Leben mit uns zu teilen. Als Mütter lassen sie uns daran teilhaben, wie es ist, Mutter zu sein, und welche Schwierigkeiten ihnen mit ihren Kindern und in der Ehe begegnen. Wenn sie berufstätig sind, erzählen sie uns davon, was dort gerade ansteht. Sie berichten von dem Druck von Abgabedaten, den Forderungen ihrer Vorgesetzten oder ihren Erfahrungen am Arbeitsplatz. Ob sie große oder kleine Familien haben, welchen Hobbies sie nachgehen – alles darf angesprochen werden.
  2. Sie laden uns in ihr Leben ein. Sie erzählen uns nicht nur von ihrem Leben, sondern laden uns in ihren Alltag ein. Wir dürfen sehen, wie sie wirklich sind – wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen und schnell noch etwas für’s Abendessen ‚zusammenschmeißen’ und genauso, wenn sie die Füße hochlegen. Sie lassen uns dabei helfen, ihre Kinder zu baden und ins Bett zu bringen; wir dürfen sie bei Besorgungen begleiten (das scheint langweilig, ist es aber keineswegs). Jeder Moment, den sie mit uns teilen, ist eine Möglichkeit für uns, Zeugen ihres gottesfürchtigen Wandels zu werden – wie sie sorgsam ihre Einkaufsliste schreiben (damit man noch kurzfristig eine Mahlzeit für jemanden kochen kann) oder wie sie ihre Kinder erziehen.
  3. Sie sind ehrlich und offen uns gegenüber. Diese Frauen sind großartig, weil sie authentisch sind. Sie zögern nicht, uns von ihren Fehlern zu berichten und sie verstecken nicht, dass sie nicht perfekt sind.
  4. Sie halten uns das Wort Gottes vor Augen. Sie haben Freude daran, uns von dem zu erzählen, was sie in der Gemeinde gelernt und welche Unterhaltungen sie über die Bibel gehabt haben; oder sie erzählen davon, wie sie Gottes Handeln in ihrem Leben erkennen. Manchmal teilen sie mit uns einen Bibelvers, den sie lieben, und erzählen uns davon, wie die Schrift ihnen in einer schwierigen Zeit geholfen hat auszuharren.
  5. Sie weisen uns zurecht. Sie kennen uns so gut, dass sie erkennen, wo wir vom richtigen Weg abkommen; und sie führen uns in Liebe und Sanftmut zurück zum Wort Gottes.
  6. Sie sind unsere Vorbilder. Weil wir ihr Leben beobachten dürfen, können wir von ihrem Leben lernen.
  7. Sie ermutigen uns. Sie spornen uns an zu Liebe und zum Dienst, denn wir sehen, wie sie treu lieben und dienen. Durch ihre Freundschaft, ihr Reden und ihr Handeln werden wir ermutigt.
  8. Sie sorgen für uns. Sie haben ein offenes Ohr, gottesfürchtige Weisheit und Rat; sie geben uns eine Mitfahrgelegenheit, sie halten eine Mahlzeit oder eine Tasse Tee für uns bereit. Diese Frauen zeigen uns Fürsorge – und sie lehren uns, Fürsorgerinnen zu sein.
  9. Sie beten für uns. Sie beten mit uns, wenn wir zusammen sind und wenn wir nicht mit ihnen zusammen sind, beten sie auch. Sie wissen, dass letztendlich allein Gott das Wachstum in uns bewirkt, und deshalb beten sie, dass er uns wachsen lässt.

So sind ältere Frauen gottesfürchtige Vorbilder, indem sie Gottes Wort an die erste Stelle stellen und indem sie danach streben, Ihn mehr und mehr zu erkennen. Ebenso hat Gott jüngere Frauen in unser Leben gestellt, die uns beobachten und von unserem Leben lernen möchten. Wir müssen deshalb nicht alle Antworten haben, wir müssen einfach nur Jesus lieben und andere teilhaben lassen an dem, wie wir Ihm dienen.

Ihr jüngeren Frauen, schaut auf die älteren gläubigen Frauen in euren Gemeinden und lernt von ihnen. Scheut euch nicht davor, ihnen Fragen zu stellen. Forscht nach, warum sie die Dinge tun, die sie tun – auch wenn ihr nicht immer der gleichen Meinung seid. Beobachtet ihren Wandel und ahmt sie nach, wie sie Christus nachahmen. Darum geht es in Titus 2.

Übersetzung von „Nine things Titus 2 women do“ von Tara Sing
https://ecg.berlin/9-dinge-die-wir-von-titus-2-frauen-lernen-koennen/

TOLERANZ: EINFACH SCHWER

Bestseller kommentiert von Peter Strauch

Wer bei dem neuen Buch von Joachim Gauck ein reines Sachbuch zum Thema „Toleranz“ erwartet, wird enttäuscht. Enttäuscht wird aber auch, wer sich so etwas wie die Fortsetzung Gaucks lesenswerter Autobiografie erhofft. Eigentlich ist es ein Mix aus beidem, eine gute und kluge Sachinformation, verknüpft mit persönlichen Lebenserfahrungen des Autors.

INTOLERANZ NICHT TOLERIEREN

Über Toleranz nachzudenken, sei für ihn in jungen Jahren kein Thema gewesen, schreibt Gauck. „Sie kam wie von selbst in mich hinein, denn sie gehörte zur gebotenen Lebensform eines Christenmenschen.“ Aufgewachsen in der DDR sei für ihn aber auch schon früh klar gewesen, die Intoleranz des kommunistischen Systems nicht tolerieren zu dürfen. Wer eine andere Meinung, als die herrschende Partei vertrat, durfte in der Regel nicht studieren, ja nicht einmal Abitur machen, konnte unter Umständen sogar im Gefängnis landen. Was ihn aber noch mehr geschmerzt habe, sei die Intoleranz vieler Mitbürger gewesen: des Nachbarn, der argwöhnisch verfolgte und meldete, ob die Studentin im Parterre Westbesuch bekam, oder des Arbeitskollegen, der ohne jemals dazu beauftragt worden zu sein, weitergab, dass der Lehrling im Wohnheim eine Bibel auf dem Regal stehen hatte.

Joachim Gauck war 10 Jahre Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen (Gauck-Behörde) und weiß, wovon er schreibt. Er hat sich die schmerzhaften Beispiele von Intoleranz nicht ausgedacht. Über 100 000 IM („Inoffizielle Mitarbeiter“ der Stasi) soll es in der DDR gegeben haben. Manche schätzen ihre Zahl weitaus höher ein.

TOLERANZ MUSS GELERNT WERDEN

Aber dieses Buch spricht vor allem von der Gegenwart. Neben einer kurzen Geschichte der Toleranz, angefangen im 16. und 17. Jahrhundert, schreibt der Autor über die inzwischen selbstverständliche Trennung von Religion und Staat, von privaten Lebensentwürfen und dem, was in einem Rechtsstaat für alle zu gelten hat. In diesem Spannungsfeld sieht er die aktuelle Herausforderung zur Toleranz. Er wirbt in seinem Buch, das es in wenigen Wochen auf die Spiegel-Bestseller-Liste brachte (Rang 4), um Verständnis für jene, denen es schwerfällt, fremdartige Ansichten und Entwicklungen auf Anhieb zu to- lerieren. Gauck ist überzeugt: Toleranzfähigkeit fällt uns nicht einfach zu, sie muss gelernt werden.

Auch in diesem Zusammenhang erzählt er von sich, von seiner Begegnung mit Kulturen und Lebensstilen, mit denen er anfangs gefremdelt habe, weil es zwar auch in der DDR Ausländer gegeben hat, die aber abgeschottet in ihren Wohnheimen lebten. Als er 1990 nach Berlin gekommen sei,  habe  sich  die  Situation für ihn schlagartig geändert: „Der Imbiss an der Ecke wurde von einem Türkeistämmigen betrieben, die Restaurants von Menschen aus Kroatien, Italien und China. Die Apothekerin stammte aus dem Iran …“ Auch der öffentliche Auftritt von Schwulen und Lesben war für ihn ungewohnt. „Nie hatte ich in der DDR gesehen, dass Homosexuelle sich auf der Straße ihre Zuneigung zeigen.“ Konfrontiert mit dieser ethnischen, kulturellen und auch religiösen Vielfalt habe für ihn ein Lernprozess begonnen, der den Menschen nach wie vor zugestanden werden muss. Unverkennbar, dass Gaucks Herz hier besonders für solche schlägt, die, wie er, in der DDR aufgewachsen sind.

RESPEKT GEGENÜBER ANDEREN MEINUNGEN

Der frühere Bundespräsident mahnt seine Leserinnen und Leser, zwischen „rechts“ und „rechtsextrem“ zu unterscheiden. Inakzeptabel „rechts“ würden in unserer Gesellschaft oft schon jene genannt, die nichts anderes wollten, als an dem festhalten, was ihnen vertraut ist; z. B. Konservative, die Gesetze über Abtreibung und die „Ehe für alle“ am liebsten rückgängig machten und das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ablehnen. „Ja, es stimmt,“ schreibt Gauck, „diese Leute stehen rechts von der Mitte, aber sie sind damit nicht rechtsradikal, rassistisch, Nazis.“ Und persönlich setzt er hinzu: „Mögen sie für mich manchmal auch zu konservativ sein – sie bleiben ein zu respektieren- der Teil des Meinungsspektrums in einer Demokratie.“

Gauck nennt aktuelle Spannungsfelder: Migration und die Auseinandersetzung mit dem Islam, das Erstarken po- pulistischer Parteien, die drohende Klimakatastrophe, Digi- talisierung und vieles andere mehr. Für ihn steht fest: Diese Themen fördern geradezu den Extremismus und machen eine ernsthafte Debatte über Toleranz umso notwendiger.

POLITISCHE KORREKTHEIT AUF DEM PRÜFSTAND

Einen besonderen Raum nimmt in seinem Buch auch das Thema „political correctness“ ein. Geht es dabei um eine neue Aufklärung oder Gesinnungskontrolle? Mit einer gewissen Ironie äußert er sich über die politisch korrekte Sprache. Er sei gemahnt worden, nicht mehr von „Flüchtlingen“ zu reden, da die Endung „ling“ entmenschlichend und abwertend sei. Hinzu käme, dass der Begriff „Flüchtling“ sich nicht gendern lasse. Dem gegenüber seien die Bezeichnungen „Geflüchteter“ bzw. „Geflüchtete“ korrekt. Gauck hatte Gegenargumente, konnte aber seine Kritiker nicht überzeugen. „Ich fand mich einem konservativen, altmodischen Lager zugeordnet, das der weiteren Gleichberechtigung von Frauen und überhaupt aller sexuellen Minderheiten angeblich entgegensteht.“ Ihn stört dieser „vormundschaftliche Gestus“, den einige politisch Korrekte an den Tag legen, und sieht darin ein Beispiel aktueller Intoleranz.

Nach meiner Erfahrung können auch Christen ein Lied davon singen, vor allem, wenn sie im evangelikal-pietistischen Raum beheimatet sind. Auch sie haben oft die „Korrekten“ gegen sich, die sich trotz aller Unterschiede darin einig sind: Evangelikale und wohl auch Freikirchen sind extrem gefährlich – vor allem, wenn sie ihren Lebensstil mit der Bibel begründen. Für sie findet sich im politisch korrekten Verhalten kein Platz.

GEMEINSAME GRUNDWERTE ENTDECKEN

Selbstverständlich müssen aber auch sie sich (wir uns) fragen lassen: Wie sieht es mit dem Respekt vor der religiösen Meinung anderer aus? Gauck schreibt dazu: „Sich an den gewaltfreien Rahmen zu halten, setzt voraus, dass die An- hänger nicht nur in Konkurrenz zueinander stehen, sondern dass sie auch etwas eint: etwas Drittes, eine tiefere sittliche Einsicht, auf die sie sich gemeinsam beziehen.“ Und weiter: „Im konkreten Fall respektieren sie den Rechtsstaat, indem sie ihn zur Klärung ihres Problems anrufen. Sie respektieren ferner ein gemeinsames Humanum, das ihnen Gewaltanwendung verbietet. So entsteht eine Konstellation, in der jeder Gläubige an seinem Wahrheitsanspruch festhalten kann, aber darauf verzichtet, ihn um jeden Preis gegenüber dem anderen durchzusetzen.“

Es gibt in dem Buch noch weitere Textpassagen, die uns als Christen besonders betreffen, beispielsweise Gaucks Äußerung zum Thema „Mission“. Er schreibt: „Ich halte es für falsch, wenn man Menschen dafür tadelt, wenn sie das, was sie erfüllt und was sie für sich selbst als segensreich empfunden haben, weitergeben wollen, egal, ob man dies Mission nennt oder Werbung oder Einladung zu einer Suche, nach der besten Weise zu leben … Ein Problem taucht allerdings auf, wenn aus dem Werben für eine Religion oder eine neue, gute Idee Druck, Zwang oder Diskriminierung Andersdenkender hervorgehen.“ Auch darin ist Gauck rechtzugeben. Druck und Zwang bewirken oft das Gegenteil. Vor allem sind sie nicht Evangeliums gemäß.

VERSTEHEN VOR BEURTEILEN

Kritiker werfen Joachim Gauck vor, in seinem Buch zu nachsichtig mit den „Intoleranten“ zu sein. Nach sorgfältigem Lesen komme ich zu einem anderen Schluss. Gauck wirbt für das, was für jede erfolgreiche Debatte gilt: Ich muss mich in die Situation des anderen versetzen, wenn ich seine Argumente verstehen will. Erst dann bin ich in der Lage, mich ihm gegenüber klar zu positionieren. Genau diesen Weg geht Gauck. Sein Fazit: „Ich bin überzeugt, dass es kein Laisserfaire geben darf gegenüber jenen, die Plurali- tät und Toleranz mit Füßen treten. Toleranz, die Nachsicht und Duldsamkeit gegenüber den Verächtern der Toleranz preist, hilft den Tätern und nicht den Opfern.“

PETER STRAUCH | FeG-Altpräses und Mitglied der FeG Witten | feg-witten.de

Angaben zum Buch

  • Joachim Gauck | Toleranz: einfach schwer
  • Verlag Herder Gebunden | 224 Seiten | 22 €
  • ISBN: 978-3451383243

Wir leben mühelos mit tausenderlei ungelösten Rätseln

Wir leben mühelos mit tausenderlei ungelösten Rätseln „Die Leute wollen nicht mehr wissen, warum irgendwas passiert ist, nur, dass es passierte und dass die Welt voller Leichtsinn, Gefahr, Bedrohung und Unglück ist, die unsereins nur streifen, dagegen die unachtsamen, vielleicht nicht auserwählten Mitmenschen ereilen und umbringen. Wir leben mühelos mit tausenderlei ungelösten Rätseln, die uns morgens zehn Minuten beschäftigen und dann vergessen werden, ohne Unbehagen, ohne die geringste Spur zu hinterlassen. Wir spüren die Notwendigkeit, uns in nichts mehr zu vertiefen, uns mit keinem Vorfall, keiner Geschichte länger aufzuhalten, unsere Aufmerksamkeit soll immer weiterhüpfen, sie will immer neues fremdes Unglück, als dächten wir bei jedem Einzelnen: ‚Natürlich, wie grauenvoll. Weiter. Welchen Schrecken sind wir noch entkommen? Wir müssen uns täglich als Überlebende, als Unsterbliche fühlen, den anderen zum Trotz, also her mit neuen Gräueln, die gestrigen haben wir schon verbraucht.'“[Javier Marias im Roman „Die sterblich Verliebten“, aus dem Spanischen übersetzt von Susanne Lange, Frankfurt/Main, 2012, S. 46]

Die Ehe ist kein Selbstläufer

Ein Zitat von Tom Eisenman aus dem Kapitel Eine gute Ehe kostet Mühe:
Ist das Glas eurer Ehe halb leer oder halb voll? Die Zeit, die ihr in eurer gegenwärtigen Beziehung verbringt, muss als eine wertvolle Investition betrachtet werden. Eure Ehe ist wie ein guter Sparplan: Solange die Einzahlungen fließen, wächst das Konto. Die Ehe wächst wie der Zinseszins. Schon eine kleine Investition an Liebe und Pflege bringt auf Dauer eine große Gewinnausschüttung für das gemeinsame Glück. Niemand, der bei klarem Verstand ist, wird ein solides Konto, das über die Jahre gewachsen ist, auflösen, um in ein unsicheres und spekulatives Projekt zu investieren. Das macht keinen Sinn. Wenn der Rasen deines Nachbarn grüner ist als deiner, solltest du ihn vielleicht wässern und düngen. Es gibt keinen einfachen Weg zu einer authentischen Beziehung. Es braucht harte Arbeit.
(Aus: Wayne A. Mack, Lieblinge auf Lebenszeit, S.136f., 2013, CMV)

Wie kann Gott Gottlose rechtfertigen?

Das Kreuz zeigt nicht nur die Liebe Gottes herrlicher als alles andere, es zeigt seine Rechtschaffenheit, seine Gerechtigkeit, seine Heiligkeit und die ganze Herrlichkeit seiner ewigen Eigenschaften. Sie alle sind dort zusammen hell leuchtend zu sehen. Wenn man sie nicht alle sieht, hat man das Kreuz nicht gesehen. Deshalb müssen wir die so genannte „Moralisches Beispiel“-Theorie des Sühneopfers, die besagt, dass alles, was das Kreuz tun muss, ist, unsere Herzen zu zerreißen und uns dazu zu bringen, die Liebe Gottes zu sehen, strikt ablehnen.
Paulus geht darüber hinaus, indem er sagt: „Er verkündigt seine Gerechtigkeit zur Vergebung der vergangenen Sünden“. Warum das, wenn es nur eine Erklärung seiner Liebe ist? Nein, sagt Paulus, es ist mehr als das. Wenn es nur seine Vergebung verkünden würde, hätten wir das Recht zu fragen, ob wir uns auf Gottes Wort verlassen können, und ob er gerecht und fair ist. Es wäre eine berechtigte Frage, denn Gott hat im Alten Testament wiederholt erklärt, dass er die Sünde hasst und dass er die Sünde bestrafen wird, und dass der Lohn der Sünde der Tod ist.
Es geht um den Charakter Gottes. Gott ist nicht wie wir Menschen. Wir denken manchmal, dass es wunderbar ist, wenn Menschen eine Sache sagen und dann etwas anderes tun. Die Eltern sagen zu ihrem Kind: „Wenn du das tust, bekommst du den Euro nicht, um deine Süßigkeiten zu kaufen. Dann tut der Junge diese Sache, aber der Vater sagt: „Nun, es ist in Ordnung“, und gibt ihm den Euro. Das, so denken wir, ist Liebe und wahre Vergebung. Aber Gott verhält sich nicht auf diese Weise. Gott, wenn ich es so ausdrücken darf, ist ewig mit sich selbst im Einklang. Es gibt niemals einen Widerspruch in ihm. Er ist „der Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist und kein Schatten der Veränderung“. All diese herrlichen Attribute sind in seinem ewigen Charakter wie Diamanten, die leuchten, zu sehen. Und sie müssen alle offenbart werden. Im Kreuz sind sie alle manifestiert.
Wie kann Gott gerecht sein und zugleich die Gottlosen rechtfertigen? Die Antwort ist, dass er es kann, weil er die Sünden der gottlosen Sünder in seinem eigenen Sohn bestraft hat. Er hat seinen Zorn über ihn ausgegossen. „Er trug unsere Strafe. Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Gott hat getan, was er angekündigt hat: Er hat die Sünde bestraft. Er hat dies durch das Alte Testament überall verkündet; und er hat getan, was er sagte, dass er es tun würde. Er hat gezeigt, dass er rechtschaffen ist. Er hat eine öffentliche Erklärung darüber abgelegt. Er ist gerecht und kann rechtfertigen, denn nachdem er einen anderen an unserer Stelle bestraft hat, kann er uns frei vergeben. Und das tut er auch. Das ist die Botschaft von Vers 24: „Und werden ohne Verdienst gerechtfertigt (als gerecht angesehen, erklärt, für gerecht erklärt) aus seiner Gnade durch die Erlösung (das Lösegeld), die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut.“

Martyn Lloyd-Jones predigte in seiner Reihe zum Römerbrief über das Kreuz (Römer 3,20-4,25 , 1970)

Paul Gerhardt

Paul Gerhardt (1607-76) wurde am 12. März vor 414Jahren in der kleinen Stadt Gräfenhainichen in Sachsen geboren. Seine Geburtsstadt liegt unweit der Lutherstadt Wittenberg. Sein Vater war Bürgermeister und Gastwirt, seine Vorfahren mütterlicherseits waren Pfarrer. Paul Gerhardt gilt neben Martin Luther als einer der bedeutendsten deutschen Dichter von Kirchenliedern. Seine Lieder werden auch in der katholischen Kirche und in Kirchen des Auslands gesungen. Aus seinen Versen spricht heiteres Gottvertrauen, doch erzählen sie auch viel von Angst und Bedrückung während der schrecklichen Zeit des Dreißigjährigen Krieges.Paul Gerhardt ist durch viel Not gegangen. So hatte er schon mit 14 Jahren beide Eltern verloren. Und fast während der Hälfte seines Lebens tobte[1] der furchtbare Dreißigjährige Krieg in Deutschland (1618-48). Viele Städte und Dörfer wurden damals zerstört, auch Paul Gerhardts Heimatstadt Gräfenhainichen.Nach nur 13 Jahren glücklicher Ehe starb Paul Gerhardts Frau mit 45 Jahren. Dies war für ihn ein tiefes Leid. Von seinen fünf Kindern starben vier sehr früh, nur ein Sohn blieb am Leben.Am 27. Mai 1676 starb Paul Gerhardt, fast siebzig Jahre alt. In seinen Liedern lebt er bis heute fort. Paul Gerhardts Lieder haben sich über die ganze Welt verbreitet, sie wurden in viele Sprachen übersetzt. Unzählige Menschen haben daraus Kraft, Trost und Gottvertrauen geschöpft. Hans Misdorf

Gott bewahre uns vor einer falschen Toleranz

Gott bewahre uns also vor dieser „Toleranz“, von der wir so viel hören: Gott erlöse uns von der Sünde, mit denen gemeinsame Sache zu machen, die das gesegnete Evangelium Jesu Christi leugnen oder ignorieren!
Wenn Sie sich dafür entscheiden, für Christus zu einzustehen, werden Sie kein leichtes Leben haben. Natürlich können Sie versuchen, sich dem Konflikt zu entziehen. Alle Menschen werden gut von Ihnen sprechen, wenn Sie, nachdem Sie am Sonntag ein noch so unpopuläres Evangelium gepredigt haben, am nächsten Tag in den Kirchenräten nur gegen dieses Evangelium stimmen; man wird Ihnen gnädigerweise erlauben, an das übernatürliche Christentum zu glauben, so viel Sie wollen, wenn Sie nur so tun, als würden Sie nicht daran glauben, wenn Sie nur mit seinen Gegnern gemeinsame Sache machen. Das ist das Programm, das die Gunst der Kirche gewinnen wird. Ein Mensch mag glauben, was er will, solange er nicht stark genug glaubt, um sein Leben dafür zu riskieren und dafür zu kämpfen.
Aber um Toleranz zu beten, abgesehen von den eben genannten Formen, insbesondere um Toleranz zu beten ohne sorgfältig definieren, in welchem Sinne man tolerant sein soll, heißt nur, den Zusammenbruch der christlichen Religion herbeizubeten; denn die christliche Religion ist [im Blick auf die Lehre] durch und durch intolerant. Darin liegt das ganze Ärgernis des Kreuzes – und auch die ganze Kraft des Kreuzes. Immer wäre das Evangelium von der Welt mit Wohlwollen aufgenommen worden, wenn es nur als ein Weg der Erlösung dargestellt worden wäre; der Anstoß kam, weil es als der einzige Weg dargestellt wurde und weil es allen anderen Wegen unerbittlich den Kampf angesagt hat. Gott bewahre uns also vor dieser „Toleranz“, von der wir so viel hören: Gott erlöse uns von der Sünde, mit denen gemeinsame Sache zu machen, die das gesegnete Evangelium Jesu Christi leugnen oder ignorieren! Gott bewahre uns vor der tödlichen Schuld, die Anwesenheit derer als unsere Vertreter in der Kirche zuzulassen, die Jesu Kinder in die Irre führen; Gott mache uns, was immer wir sonst sind, zu rechten und treuen Boten, die ohne Furcht und Gunst nicht unser Wort, sondern das Wort Gottes verkündigen.
Christentum und Liberalismus: Wie die liberale Theologie den Glauben zerstört von Machen, J. Gresham (Autor)