Paulus, Knecht Gottes und Apostel Jesu Christi, nach dem Glauben der Auserwählten Gottes und der Erkenntnis der Wahrheit, die der Frömmigkeit gemäß ist, (Titus 1,Vers 1 Luther 2017)

Paulus ist Gott verpflichtet. Er weiß um seine Schuldigkeit als Gottes Leibeigener. Er ist sein Sklave. „Knecht“ alleine ist ein zu schwacher Begriff. Es handelt sich um einen starken Ausdruck der Zugehörigkeit.
Es konnte früher vorkommen, dass der Herr seinem Sklaven nicht unbedingt direkte Befehle gab. Der Sklave, bzw. der Leibeigene, war auf Gebärden seines Herrn angewiesen, musste ihn also ständig beobachten, um aus Haltung und Bewegungen schließen zu können, was er zu tun hatte. Paulus hält seine Augen auf den Herrn gerichtet und dient ihm wie ein Sklave, ein Leibeigener. Er ist mit allen seinen Nerven auf seinen Herrn ausgerichtet.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass er sich als Sklave bezeichnet. Er war stets bis ins Tiefste davon überzeugt, dass er als ein durch den Tod Jesu Christi Erkaufter nicht sich selbst gehörte. Es ist jedoch das einzige Mal, dass er sich „Sklave Gottes“ nennt. Warum, ist nicht ganz klar.

Denkt man an die Leser des Briefes aus dem Judentum, so könnte diese Selbstbezeichnung als ein Ehrentitel aufzufassen sein, denn im AT wurden solche wie Abraham, Mose, David und das erwählte Volk Gottes so bezeichnet. Vielleicht hat Paulus sich so genannt, um sich vor seinen Volksgenossen bewusst als Apostel auf dieselbe Stufe wie alttestamentliche Erwählte Gottes zu stellen, um seine von Gott gegebene Vollmacht herauszustellen.
Denkt man auf der anderen Seite an seine Leser aus dem Heidentum, so müssten sie diese Bezeichnung unwillkürlich mit Niedrigkeit und Schmach in Verbindung bringen. Da er gleich seine Apostelbezeichnung mit einem „aber“ seinem Sklavesein gegenüberstellt, dürfte der zweite Beweggrund der wahrscheinlichere sein.
Als leibeigener Knecht Gottes ist er für die noch schwachen Christen auf Kreta ein Vorbild. Er findet es für dringend notwendig, dass sie aufgerufen werden zu einem Ernstmachen in ihrem Leben nach dem Evangelium. Dementsprechend teilt er ihnen über Titus gleich eingangs mit, dass er keinerlei Freiraum für sich selbst in Anspruch nimmt und somit kein Selbstleben duldet: Er ist ganz und vollzeitlich Sklave dessen, der sein Leben für ihn gab.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s