„Die Bibel ist Gottes Wort“

„Die Bibel ist Gottes Wort“ und insofern in gewisser Weise natürlich auch unfehlbar (weil Gott eben unfehlbar ist), entspricht (vorbehaltlich textkritischer Fragen) erst einmal ihrem Selbstzeugnis. Wir lesen in der Bibel, dass Jesus und die Apostel genau so mit der Schrift umgegangen sind: Die Schriften sind Gottes Wort. „Gott sagt“ und „die Schrift sagt“ war für sie oft austauschbar. Nur dieses Axiom kann somit die das reformatorische Prinzip ernst nehmen, dass die Bibel sich selbst auslegen muss und somit letzte und höchste Autorität hat – und sie damit auch vor Eisegese schützen. Wenn Jesus und die Apostel damit recht hatten, dann ist dieses Axiom letztlich auch das einzige, das dem Forschungsgegenstand Bibel gerecht wird. Offene Wissenschaft würde nun untersuchen: Bewährt sich dieses Axiom in der Praxis im Vergleich mit anderen Axiomen? Führt es zu schlüssigeren Ergebnissen im Vergleich zu anderen Axiomen? Dabei muss sie sich ihrer Begrenztheit bewusst sein. Wissenschaft kann bestmöglich versuchen, die Aussageabsicht zu klären. Aber es wird dabei immer Restunsicherheiten geben, z.B. bezüglich der literarischen Gattung (historisch oder symbolisch gemeint?). Bei den historischen Fragen kann redliche Wissenschaft ohnehin nur Wahrscheinlichkeitsurteile fällen, z.B. zur Chronologie der alten Welt. Den lauten Rufe von „keine Posaunen vor Jericho“ stehen längst schon wieder gut begründete Gegenmodelle gegenüber, die eine historische Zuverlässigkeit biblischer Geschichtsschreibung nahelegen. Scheinbare innere Widersprüche haben sich allzuoft schon als ergänzende 2 Seiten der gleichen Medaille herausgestellt. Eine „Widerlegung“ der Bibel wird also mit wissenschaftlichen Mitteln schwierig. Das gilt noch mehr, wenn die Wissenschaft sich ehrlich den Fakten stellt, die für ihren Offenbarungscharakter sprechen wie z.B. die zahlreichen erfüllten Prophetien, die zahllosen buchübergreifenden Querbezüge, die erstaunlich durchgängigen roten Fäden trotz der enormen Buntheit der Autoren, ihre durchgängige Ehrlichkeit, das vielfach bestätigte Welt- und Menschenbild, das absolut einzigartige Gottesbild, die herausragende Ethik und nicht zuletzt die hervorragenden historischen Belege für die Tatsächlichkeit des Ostergeschehens – alles in Verbindung mit dem Selbstanpruch, echte Gottesoffenbarung zu sein. Ich habe bislang keine schlüssige wissenschaftliche Widerlegung dieser Argumente für den Offenbarungscharakter der Bibel und insgesamt für dieses absolut einzigartige „Phänomen Bibel“ gelesen. Ich halte es deshalb für eine wissenschaftlich absolut haltbare, vernünftige, intellektuell befriedigende Position, dem Bibelverständnis von Jesus und den Aposteln zu folgen. Umgekehrt nehme ich wahr, dass ein bibelwissenschaftlicher Ansatz, der die Bibel für einen antiken Text wie jeden anderen hält, eine unendliche Fülle von sich widersprechenden Thesen hervorgebracht hat. Die ganzen Versuche, einen historischen Jesus an der Bibel vorbei zu konstruieren, sind hoffnungslos gescheitert. Viele Theorien zur Entstehung der biblischen Texte haben mit der Zeit in ein übersehbares Theoriengewirr gemündet. Ich staune z.B., was aus der Urkundenhypothese geworden ist, die mir im Reliunterricht noch als großartige wissenschaftliche Tatsache verkauft worden war. Wenn aber Heerscharen von Forschern auf Dauer keine Theorien hervorbringen können, die sich mit der Zeit stabilisieren und die korrekte Vorhersagen machen können, die sich später bestätigen, dann spricht das normalerweise dafür, dass ein Ansatz sich nicht als fruchtbar erweist. Markus Till

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