14. Nov.1946 – Hermann Hesse wird der Nobelpreis für Literatur zuerkannt.

Oft gescheitert, innerlich zerrissen

Hesse überdauert mühelos jede Epoche der Schreibkunst des letzten und des jetzigen Jahrhunderts. Er ist eine Kultfigur für begeisterte Leser jeder Generation. Mit seinen Romanen, Erzählungen und Novellen wurde er zum Sprachrohr der Jugend seiner Zeit. Seine Worte treffen das Herz der Hoffnungslosen – und zielsicher trifft er das Lebensgefühl vieler Menschen unserer Tage. Hesse ist der Kommentator des isolierten Ich, ein Kamerad der Vereinsamten im Zeitgeist, er ist die Stimme aus dem Off. Seine Bücher waren ihm gleichsam Therapie, die Couch, auf der er seinen Gedanken freien Lauf lassen konnte. Hier flüchtete er vor der bürgerlichen Welt. Sein Therapeut konnte ihm kaum helfen.

Hermann Hesse wird am 2. Juli 1877 als Sohn wiedergeborener Christen in Calw geboren. Seine Erziehung wird von christlichen Grundsätzen bestimmt, die Eltern vertrauen ihm das Evangelium frühzeitig an, sie erzählen ihm von dem, der ihnen das Leben gerettet hat – von Jesus.

Hesse ist ein unruhiger, wissbegieriger Mensch – er muss alle Dinge erfahren. Er macht sich mit sämtlichen Glaubensrichtungen vertraut und verliert sich später an die Erkenntnisse indischer Religionen. Seine autodidaktisch erworbene Bildung auf den unterschiedlichsten Gebieten ist sehr umfassend.

Mit dreizehn ist ihm klar: Entweder werde ich Dichter, oder gar nichts. Er ist unstet, lange hält es ihn nirgends. Oft beendet er nicht, was er beginnt. Er läuft von Zuhause fort, bricht Ausbildungen ab, unternimmt einen Selbstmordversuch. Ärztliche Untersuchungen ergeben eine Veranlagung zur Depression. Es sind schwere Jahre für ihn. Er lässt sich treiben, macht Schulden und verbringt zuviel Zeit in Kneipen. Er kann nicht schlafen, so liest er und leidet. Seine Ehe scheitert daran, er lässt die Frau mit dem Kind allein und geht mit einem Freund nach Indien. Dort verarbeitet er die Scheidung schriftlich. Das Buch wird ein Erfolg. Leider taucht nirgendwo eine poetische Stellungnahme zu der Tatsache auf, dass er die Verantwortung als Vater von sich gewiesen hat.

Der Mann Hermann Hesse baut sich seine Burg. Ihre Mauern bestehen aus Papier, der Wandschmuck aus Versen. Darin sitzt er und schreibt. Schwankend zwischen extremer Heiterkeit und abgrundtiefem Weltschmerz grübelt er und schreibt. Und wo immer er sich befindet – die Burg ist mit ihm. Keine Verantwortung für die eigene Familie übernehmen zu wollen, ist ein Problem der Menschen unserer Zeit. Es ist ein weitverbreitetes Problem. Und auch dies gehört zu Hesses vielgepriesener Moderne. Wie viele von uns, war er ein einsamer Gestalter seiner „Ich AG“. Manche wählen seine Schriften zu ihrer Bibel.

Der Schmerz exzessiv betriebener Egozentrik, die Folgen absoluter Ichbezogenheit graben sich tief in eines seiner bekanntesten Gedichte, “Wanderungen im Nebel”:

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein.
Kein Baum sieht den andern, jeder ist allein.
[…]
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist einsam sein.
Kein Mensch sieht den andern, jeder ist allein.

Ein einsamer Mensch schreibt Verse an seine Wand. Diese Trauer verlangt nach Hilfe und Nähe. Gott ist ein Gott der Nähe.

Seine Worte: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.“ (Matthäus 11,28)

Menschen, die Seine Liebe erfahren, sind fähig sich selbst etwas weniger wichtig zu nehmen und dadurch die Einsamkeit anderer zu lindern. Und niemand, der sich selbst vertrauensvoll und konsequent in die Hände Gottes legt, wird jemals so einsam und schmerzerfüllt sein wie Hermann Hesse (durchaus aber ähnlich begabt).

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