«Ich bin die Wahrheit». ( Joh 14,6)

Wenn wir heute davon sprechen, dass Jesus die Wahrheit ist, dann stimmen wir als Christen gerne zu. Es regt uns nicht auf. Es klingt fast banal.
Vertreten wir das aber z.B. in der Bundesversammlung in Bern oder im Europaparlament in Strassburg, dann kann es gut sein, dass wir ausgebuht werden und uns des Hausfriedensbruchs schuldig machen. Das Mindeste ist, dass man uns nicht für ganz voll zurechnungsfähig hält: Wahrheit, das heisst doch, da müssen alle Menschen guten Willens zustimmen, ob Christen oder Atheisten, religiöse Menschen und auch solche, deren Lebenssinn vor allem darin besteht, Profit zu optimieren und maximale materielle Erfolge zu erzielen. Der Wahrheit müssen sich alle Knie beugen. Genau das ist der Anspruch des Evangeliums.
Können wir diese Wahrheit begründen? Natürlich gibt es so etwas wie eine Vorteilsargumentation für den Glauben. In letzter Zeit gab es einige empirische Studien: wer glaubt, lebt länger; wer in der Ehe treu ist, lebt gesünder; wer betet, braucht seltener einen Psychiater …
Natürlich ist der, der glaubt, besser dran. Aber begründet das einen Wahrheitsanspruch? In unserer Kultur denken viele, Glaube und Religion sei etwas, das von Menschen ausgeht, auch Gottesvorstellungen. Und deshalb wirkt es derart naiv oder anmassend oder bestürzend oder verblendet, wenn jemand Wahrheit allgemeingültig beansprucht.
Der Glaube weiss: Jesus ist die Wahrheit der Welt. Wenn das stimmt, dann hat alles, was passiert, direkt mit Gott zu tun. Dann ist die Existenz der Welt mit ihren Konflikten und Kriegen, mit den Sorgen und Hoffnungen der Menschen nicht ohne Gott. Auch wir mit unserer Arbeit nicht. Das tröstet. Das gibt Hoffnung.
Die Wahrheit hat ein Gesicht, nimmt Gestalt an. Gottes Wahrheit «begegnet» als Mensch: Sie spricht an, beansprucht ihr Gegenüber, verspricht, fragt, wartet; sie konfrontiert, mutet zu, wirkt manchmal geradezu bedrängend; sie lädt ein, zieht an, weckt Vertrauen, stiftet Gemeinschaft.
Man kann sie für eine Weile ignorieren, sie bekämpfen, sie abweisen … Ausschalten, überwinden, vernichten lässt sie sich nicht.
Prof. Dr. Herbert H. Klement STH Perspektive Juni 2014

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