Nachfolge Christi

Der Ausdruck stammt aus dem Leben der Rabbinenschüler

Das Verhältnis des Jüngers zu seinem Rabbi war zur Zeit Jesu kein so loses wie heute das eines Schülers zu seinem Lehrer. Der Jünger kam mit seinem Meister nicht nur für bestimmte Stunden zusammen. Es bestand vollständige Lebensgemeinschaft zwischen ihnen; und da die Schriftgelehrten oft ein Wanderleben führten, kam diese Lebensgemeinschaft nur dadurch zustande, dass der Jünger seinem Lehrer nachfolgte.

Nachfolge heisst: sich mobil machen, sich führen lassen, das Schicksal teilen

Um ein Jünger zu werden, also mit der Nachfolge zu beginnen, musste man zuerst einmal sich lösen aus den bisherigen Bindungen. Nachfolgen heisst: sich mobil machen, alles hinter sich lassen, was aufhält.

Wie unbedingtes Mobilsein Jesus von seinen Jüngern fordert, sehen wir daraus, dass er unter Umständen den Verzicht auf die Teilnahme am Begräbnis des eigenen Vaters fordert (Luk. 9,59.60) oder die völlige Veräusserung allen Besitzes (Mark. 10,21).

Nachfolgen heisst: sich beweglich machen, sich auch nicht mehr festhalten lassen im Rahmen bestimmter Sitten und Traditionen. Es bedeutet aber auch: in steter Bewegung sein. Immer dort sein, wo der Meister ist, da mittun, wo er eine Sache anfasst. Petrus will gern in Kapernaum bleiben, weil aber Christus weitergeht, folgt er ihm (Mark. 1,38).

Nachfolgen heisst: einen anderen vorangehen lassen, auf alle eigene Wahl verzichten. Das meint Jesus, wenn er sagt: »Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst.«

Selbstverleugnung ist nicht das, was man oft darunter versteht: Selbstquälerei. Sie besteht nicht darin, dass man sich selbst möglichst viel Entbehrungen, Arbeit und Schweres zumutet, wobei man oft doch ganz selbstherrlich bleibt. Sich selbst verleugnen heisst: darauf verzichten, sein eigener Herr zu sein, sich selbst zu führen und statt dessen eben unweigerlich der Führung eines Höheren folgen.

Sich selbst verleugnen, heisst: die selbstgewählten Werke, und wären es hochasketische oder anerkannt fromme, aufgeben und sich jeden Dienst weisen lassen.

Endlich, nachfolgen heisst: das Schicksal teilen. Wo man Christus kreuzigt, darf der Jünger sich des Kreuzes nicht weigern (Matth. 16,24).

Nachfolge heisst: unter der persönlichen Leitung Christi stehen

Zu beachten ist: Die Glieder der Gemeinde heissen auch nach Pfingsten Jünger. Auch sie sind Lernende und Nachfolgende. Das ist nicht bloss so zu verstehen, als ob nun die Christen durch Studium und andächtige Betrachtung dessen, was Christus einst gesagt oder getan hat, versuchen, es ihm nachzutun.

Das bedeutet vielmehr, dass der auferstandene Christus unter ihnen gegenwärtig ist als der, der sie lehrt und ihnen vorangeht. Es ist eine Unterstellung, ein grosses Als-ob, von Nachfolge Christi zu sprechen, wenn man gar nicht davon überzeugt ist, unter der persönlichen Leitung Christi zu stehen, sich statt dessen das, was der Weg Christi sein könnte oder müsste, selbst konstruiert.

Nachfolgen bedeutet gewiss auch zu Zeiten: suchen und fragen und hangen und bangen nach Klarheit. Aber zuletzt bedeutet nachfolgen immer: eine klare Führung haben. Jede andere Erklärung dieses Wortes ist Sinnentleerung.

Nachfolgen heisst: einen gewissen Weg gehen; Nachfolgen heisst seines Weges so gewiss sein, dass man einer ganzen widersprechenden Welt ihre Lüge in den Hals zurückschleudern kann.
Autor: Ralf Luther
Quelle: Neutestamentliches Wörterbuch

Warum sollten wir Jesus nachfolgen?

In der heutigen Kultur sind wir eher pragmatisch als nachdenklich. Besessen davon, zu erkennen, was funktioniert und wie es funktioniert, streben wir danach, die Glücksformel zu kopieren. Uns geht es weniger darum, warum die Dinge funktionieren. Jüngerschaft ist da keine Ausnahme. Viele haben das Warum für das Wie eingetauscht, die Motivation für die beste Methode. Das ist verstörend. Der Grund dafür ist, dass Methoden uns nur ein Stück weit bringen können. Wenn Schwierigkeiten auftauchen, brauchen Methoden Motivation, um fortgeführt zu werden.
Was motiviert dich, Jesus nachzufolgen? Wenn diese Frage nicht zu denen gehört, über die du beständig nachdenkst und die du beantworten willst, wirst du von Jesus wegwandern, statt ihm nachzufolgen.
Der pragmatische Jünger
Aufgrund der pragmatischen Neigung unserer Kultur ist das moderne Jüngerschaftsmantra: „Mache Jünger, die andere zu Jüngern machen“. Dieses Mantra ist pragmatisch und reproduzierend. Ist jedoch die pragmatische Reproduktion das Hauptanliegen von Jesus? Als er kam und das Evangelium vom Reich Gottes verkündigte, gab er da einen inspirierenden Vortrag mit drei Anwendungspunkten darüber, wie man Jünger macht? Natürlich war er ein Vorbild, lehrte und sandte seine Jünger aus (Lukas 9–10). Das Reich Gottes ist eingebettet in eine reproduzierende DNA (was sich in manchen landwirtschaftlichen Gleichnissen von Jesus widerspiegelt). Aber das Reich Gottes ist auch langsam und tief. Es erstreckt sich über beschwerliche Lebensspannen und in die Tiefen des menschlichen Herzens. Die Herrschaft Christi durchdringt unsere DNA und treibt uns beständig an.
Statt sein Training auf das Wie zu konzentrieren, kam Jesus immer wieder auf das Warum zu sprechen. Deshalb sind so viele seiner Aussprüche aufrüttelnd. Als meisterhafter Lehrer provozierte er zum Nachdenken, nicht nur zum Handeln:
Es geschah aber, als sie ihre Reise fortsetzten, da sprach einer auf dem Weg zu ihm: Herr, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst! Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann. (Lk 9,57–58)
Es sprach aber auch ein anderer: Herr, ich will dir nachfolgen; zuvor aber erlaube mir, von denen, die in meinem Haus sind, Abschied zu nehmen! Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes! (Lk 9,61–62)
Jesus zwingt uns dazu, über unsere Motive für die Nachfolge nachzudenken. Wenn wir für Komfort und Bequemlichkeit leben, werden wir unsere Betten, unser Geld und unsere Unterhaltung nicht aufgeben, um ihm nachzufolgen. Wenn idyllische Gemeinschaft das ist, was uns in unseren Entscheidungen motiviert, werden wir nicht enge Freunde und Familienmitglieder aufgeben. Jesus spricht deutlich. Wenn wir seine Jünger sein wollen, müssen wir durch etwas Größeres motiviert sein als Komfort und Gemeinschaft. Sein Reich muss uns motivieren und dieses Reich kommt mit Kosten.
Wahre Jünger werden über diese Kosten immer wieder reflektieren und sie annehmen. Sie werden ausharren, denn indem sie das Reich gefunden haben, haben sie einen König gefunden, der ihres Opfers wert ist. Indem sie nach dem Warum ihrer Existenz suchen, entdecken sie eine kostbare Perle. Jünger, die von Pragmatismus allein angetrieben sind, werden über die Kosten nachdenken und es sich zum Ziel setzen, Jünger zu machen, die andere zu Jüngern machen, aber wenn es hart auf hart kommt, werden sie von Jesus weggehen und ihm nicht nachfolgen. Wir brauchen mehr als nur pragmatische Ansätze, wie wir den großen Missionsbefehl erfüllen können, um uns durch die Bedrängnis zu bringen, die dadurch entsteht, dass wir zuerst nach dem Reich Gottes trachten.
Der Jünger Jesu
Als Jesus seinen großen Missionsbefehl gab, hat er ihn mit der Motivation für das Reich Gottes gefüllt. Der Hauptauftrag, Jünger zu machen, folgt auf ein Bild des auferstandenen, strahlenden Königs, der ausgestattet ist mit Macht und Autorität sowohl im Himmel als auch auf Erden (Dan 7,9-14; Mt 28,17). Er ist stark genug, die Nationen zu lenken und herrlich genug, ihre Anbetung zu gebieten. Wir sind ausgesandt unter seiner Oberherrschaft. Wir sind nicht ausgesandt in der Autorität unserer eigenen Erfahrung, sondern in der Autorität seiner Herrschaft. Unsere Geschichte ist nicht groß genug, einen „Jünger zu machen“, sondern Jesu Geschichte. Wieso gehen wir hin? Um auf seinen Namen zu taufen, nicht auf unseren. Alle Völker zu Jüngern zu machen ist keine persönliche Angelegenheit; es ist eine Erlösungsmission von Gott selbst. Unsere Motivation fließt folglich daraus, dass wir in die Gnade Gottes eingetaucht sind, nicht dass sich andere an die Art und Weise anpassen, wie wir leben.
Wie machen wir andere zu Jüngern, wenn wir selbst mit Sünde zu kämpfen haben? Wir müssen uns daran erinnern, dass der Erfolg unserer Mission nicht nur der Autorität unseres Königs bedarf, sondern auch der Barmherzigkeit des Messias. Er ist der Jünger, der da Erfolg hat, wo wir in dem vollkommenen Gehorsam gegenüber Gott versagen. Wir geben Barmherzigkeit weiter von seinen Gnadenbeweisen, die jeden Morgen neu sind.
Aber was ist, wenn das Missionsfeld zu schwierig ist? Siehe, er ist bei uns alle Tage bis an das Ende der Weltzeit. Wir sind nicht nur von dem vergangenen Gehorsam des treuen Jüngers abhängig, sondern auch von der momentanen Gegenwart des auferstandenen Herrn. Wir machen Jünger in der Autorität Jesu, eingetaucht in die Gnade Jesu, ausharrend in der Barmherzigkeit Jesu, mit der ewigen Verheißung der Gegenwart von König Jesus. Jünger müssen eine einzigartige Motivation wiedererlangen, die sie dazu befähigt, alle Kosten zu tragen. Diese Motivation kommt aus der unendlichen Genugsamkeit und Pracht unseres Herrn.
Warum folgen wir Jesus? Wegen dem, wer er ist. Wenn wir Jesus haben, haben wir mehr als genug, um Jünger zu machen. Jonathan Dodson
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von Ligonier Ministries.
https://www.evangelium21.net/media/1247/warum-sollten-wir-jesus-nachfolgen

Die Liebe zur Theologie

Kein Priester, kein Theologe stand an der Krippe von Bethlehem. Und doch hat alle christliche Theologie ihren Ursprung in dem Wunder aller Wunder, daß Gott Mensch wurde. Die heilige Theologie – sie entsteht im anbetenden Knieen vor dem Geheimnis des göttlichen Kindes im Stall. Ohne die heilige Nacht gibt es keine Theologie. »Gott geoffenbart im Fleisch«, der Gottmensch Jesus Christus, das ist das heilige Geheimnis, das zu behüten und zu wahren die Theologie eingesetzt ist. Welcher Unverstand, als sei es die Aufgabe der Theologie, Gottes Geheimnis zu enträtseln, es auf die platten, geheimnislosen menschlichen Erfahrungs- und Vernunftweisheiten herabzuziehen! Während doch allein dies ihr Amt ist, Gottes Wunder als Wunder zu bewahren, Gottes Geheimnis gerade als Geheimnis zu begreifen, zu verteidigen, zu verherrlichen. So und niemals anders hat die alte Kirche es gemeint, wenn sie sich in nicht ermüdendem Eifer um das Mysterium der Trinität und der Person Jesu Christi bemühte. …Wenn es die Weihnachtszeit nicht vermag, in uns wieder so etwas wie eine Liebe zur heiligen Theologie zu entzünden, daß wir, gefangen und bezwungen von dem Wunder der Krippe des Gottessohnes, den Geheimnissen Gottes andächtig nachdenken müssen, – dann wird es wohl so sein, daß die Glut der göttlichen Geheimnisse auch für unser Herz schon erloschen und erstorben ist. Dietrich Bonhoeffer
Quelle: Illegale Theologenausbildung: Sammelvikariate 1937-1940, DBW Band 15, Seite 537ff

https://www.dietrich-bonhoeffer.net/zitat/714-kein-priester-kein-theolog/

Biblische Theologie

Da der christliche Glaube kein zeitloser Mythos ist, sondern unmittelbar in Gottes geschichtlichem Handeln in der Person Jesu von Nazareth gründet, sind wir auch heute noch auf die frühesten Zeugnisse der ersten Christen angewiesen, wenn wir nach der Quelle und Norm des Glaubens fragen. Gleichzeitig betont die Bibel aber auch, dass in Jesus Christus niemand anders als der Gott Israels gehandelt habe, so dass neben dem Neuen Testament auch das sog. Alte Testament für Christen von bleibender Bedeutung ist. Diese biblischen Schriften in einer wissenschaftlich verantworteten Exegese immer wieder neu zu erschließen, zu verstehen und auszulegen, ist die Aufgabe der Biblischen Theologie. Beschränkte sich der reflektierte Umgang mit der Bibel lange Zeit auf die Erhellung der historischen, kulturellen, überlieferungs- und sozialgeschichtlichen Hintergründe der Texte, so traten in den letzten Jahren vermehrt die sprachwissenschaftlichen und hermeneutischen Textauslegungsmethoden in den Vordergrund. Verstehen der biblischen Texte möchte dabei nicht nur einen bereits in den Texten liegenden Sinn zum Vorschein bringen, sondern muss als Lebenswelthermeneutik begriffen werden, die zugleich die Wert- und Sinnvorstellungen des/ der Lesenden selbst zur Disposition stellt. Um es mit den Worten einer afrikanischen Theologin zu sagen: Lesen kann ich viele Texte. Das Besondere an den biblischen Texten aber ist: Sie lesen auch mich!
https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/theologie/lehre/biblische_theologie/


Was ist biblische Theologie?

Biblische Theologie ist die Lehre der Doktrin der Bibel, arrangiert nach ihrer Chronologie und historischem Hintergrund. Im Gegensatz zur systematischen Theologie, die die Doktrin gemäß spezieller Themengebiete kategorisiert, zeigt die biblische Theologie die Entfaltung von Gottes Offenbarung in der fortlaufenden Historie. Die biblische Theologie versucht, theologische Lehren eines speziellen Teils der Schrift zu isolieren und auszudrücken, so wie die Theologie des Pentateuchs (die ersten fünf Bücher des Alten Testaments) oder die Theologie, die sich in den Schriften von Johannes wiederfinden usw. Oder sie konzentriert sich auf eine bestimmte Zeitspanne, wie die Theologie der Periode des vereinten Reichs. Ein weiterer Zweig der biblischen Theologie ist das Studium bestimmter Motive oder Themengebiete in der Bibel: ein Studium über den „Rest“ (die Übrigbleibenden) zum Beispiel mag prüfen, wie dieses Motiv in der Heiligen Schrift vorgestellt wurde und sich entwickelt.

Viele rechnen die Anfänge der biblischen Theologie J.P. Gabler zu, einem deutschen Theologen. Als er 1787 zum Doktor der Theologie promovierte, sprach sich Gabler für eine scharfe Trennung zwischen dogmatischer (systematischer) Theologie und der biblischen Theologie aus. Für Gabler muss die biblische Theologie ein streng historisches Studium darüber sein, was in den verschiedenen Perioden der biblischen Historie geglaubt und gelehrt wurde, unabhängig von moderner konfessioneller, dogmatischen, philosophischen oder kulturellen Betrachtungsweise. Im Allgemeinen waren die Prinzipien korrekt, die Gabler unterstützte, und er beeinflusste die Entwicklung der biblischen Theologie für viele Jahre.

Jedoch sollte angemerkt werden, dass es kein Studium der Bibel in vollkommener Objektivität geben kann. Jeder Deuter bringt bestimmte Voraussetzungen für die Aufgabe mit. Diese Tendenzen und Vorurteile haben beträchtlichen Einfluss auf den Prozess der Interpretation der Schriften. Als Resultat schillert das Gebiet der biblischen Theologie in jeder vorstellbaren Meinung und Variation über das, was die Bibel lehrt. Die biblische Theologie ist gänzlich von der Hermeneutik der Theologen abhängig. Die angewandten Methoden in der Interpretation der Schriften sind von höchster Bedeutung für die biblische Theologie. Die eigene biblische Theologie kann nicht besser sein als die Methoden, die man zur Auslegung der Heiligen Schrift anwendet.

Hierin liegt ein klassischer Unterschied zwischen systematischer und biblischer Theologie: Systematische Theologie fragt: „Was sagt die Bibel insgesamt über Engel?“ und überprüft dann jede Passage, die engelhafte Wesen betreffen, zieht daraus Schlüsse und formt aus all diesen Informationen eine Sammlung der Wahrheit, die „Angelologie / Engelslehre“ genannt wird. Das Endprodukt ist von 1. Mose bis Offenbarung die Gesamtheit von Gottes offenbarter Wahrheit zu diesem Thema.

Biblische Theologie fragt: „Wie hat sich unser Verständnis über Engel über die biblische Geschichte hinweg entwickelt?“ und beginnt dann mit den Pentateuch-Lehren über Engel und verfolgt Gottes schrittweise Offenbarung über diese Wesen durch die Schriften hinweg. Auf dem Weg dorthin zieht der biblische Theologe Schlussfolgerungen darüber, wie sich das Denken der Menschen über Engel verändert haben könnte, als mehr und mehr Wahrheit offenbart wurde. Die Zusammenfassung dieser Studie ist natürlich ein Verständnis darüber, was die Bibel über Engel zu sagen hat, aber setzt dieses Wissen auch in Verbindung zu dem Gesamtbild über Gottes ganze Offenbarung. Biblische Theologie hilft uns, die Bibel als einheitliches Ganzes statt als Sammlung von nicht zusammenhängenden Lehraussagen zu sehen.
https://www.gotquestions.org/Deutsch/biblische-theologie.html

Evangelikale Theologie

„Evangelikale Theologie möchte auf der Grundlage der Bibel, in der Verantwortung vor den Grundentscheidungen reformatorischer Theologie und im Kontext eines erwecklich-missionarischen Lebens in Kirchen und Gemeinden dazu beitragen, dass der in Jesus Christus geoffenbarte dreieinige Gott und sein Weg mit dieser Welt die Mitte aller Theologie und das Herzstück christlicher Verkündigung bleibt.“ Prof. Dr. Christoph Raedel, Vorsitzender des AfeT 👏🏻

Jesus hat sein Ende kommen sehen.

Vom griechischen Philosophen Sokrates erzählt Platon: „Seine Freunde besuchten ihn im Gefängnis von Athen und bedauerten, dass er von religiösen und staatlichen Behörden zum Tode verurteilt wurde, weil er die Nichtigkeit des griechischen Götterhimmels gelehrt hatte. Die Freunde hatten schon einen fertigen Fluchtplan organisiert. Von Tränen gerührt weinten sie, dass Sokrates zu Unrecht hingerichtet werden sollte. Der Weise aber sagte seinen Jüngern: „Ihr Wunderlichen, wäre es euch lieber, dass ich zu Recht hingerichtet würde?
In jenen Tagen begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen. Mt 16,21-27

Müssen Frauen in der Kirche still sein?

Im ersten Korintherbrief 14,33-35 heißt es: „Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht einer Frau schlecht an, in der Gemeindeversammlung zu reden.“ Auf den ersten Blick scheint dies ein allgemeiner Befehl zu sein, dass Frauen in der Kirche überhaupt niemals sprechen dürfen. Doch früher, im gleichen Brief (1. Korinther 11,5), erwähnt Paulus Situationen, in denen Frauen in der versammelten Gemeinde beten und prophezeien dürfen. Korinther 14,33-35 darf daher kein absolutes Gebot für Frauen sein, in allen Diensten jederzeit zu schweigen. Das Verbot muss durch den Kontext in irgendeiner Weise eingeschränkt werden.

Das Anliegen des 1. Korinther 14 ist die geordnete Versammlung der Gemeinde. Die Kirche von Korinth war für das Chaos und den Mangel an Ordnung in dieser Versammlung bekannt (Vers 33). Alle im Gottesdienst nahmen mit jedem Ausdruck teil, den sie wollten, wann immer sie wollten, so laut wie sie wollten. Diejenigen mit der Gabe von Zungenrede sprachen gleichzeitig, und niemand kümmerte sich darum, das Gesagte zu interpretieren oder zu dolmetschen. Diejenigen mit einer Offenbarung Gottes schrien willkürlich, auch wenn das Gesagte nicht den Lärm übertönen konnte, und anscheinend bewertete niemand, was als Prophezeiung angeboten wurde. Die Treffen waren von Chaos geprägt, und niemand wurde erbaut oder angewiesen (siehe Verse 5, 12 und 19). Um dieses Problem zu beheben, weist Paulus eine Reihe von Personen/Gruppen an, zu bestimmten Zeiten und unter bestimmten Bedingungen „still zu sein“:

• Verse 27-28: „Wenn jemand in Zungen redet, so seien es zwei oder höchstens drei und einer nach dem andern; und einer lege es aus. Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde und rede für sich selber und für Gott.“

• Verse 29-31a: „Auch von den Propheten lasst zwei oder drei reden, und die andern lasst darüber urteilen. Wenn aber einem andern, der dabeisitzt, eine Offenbarung zuteilwird, so schweige der Erste. Ihr könnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern“.

• Verse 34-35: „…sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht einer Frau schlecht an, in der Gemeindeversammlung zu reden.“

Wie wir bereits bemerkt haben, dürfen Frauen in 1. Korinther 11,5 in der Gemeinde beten und prophezeien, so dass 1. Korinther 14,34-35 kein absolutes Verbot gegen alle Arten von Reden durch alle Frauen zu jeder Zeit darstellt. Wie aus den Befehlen an die Zungenredner und Propheten hervorgeht, ist es auch bestimmten anderen Menschen verboten, zu bestimmten Zeiten und aus bestimmten Gründen zu sprechen. Der Kontext gibt uns einige Hinweise darauf, was vor sich geht.

Erstens scheint das Gebot, dass Frauen schweigen sollen, zwei wichtige Themen zu behandeln: die richtige Ordnung in der Kirche und die richtige Demonstration oder Anerkennung von Autorität. Anscheinend sprachen einige Frauen auf eine Weise, die die geistliche Autorität ihrer Ehemänner oder Kirchenführer nicht anerkannte. Dieses Thema wird auch in 1. Korinther 11 behandelt. Frauen dürfen beten und prophezeien, solange sie ihre Köpfe bedeckt haben, um der geistlichen Autorität Respekt zu bezeugen. (Im ersten Jahrhundert war die Kopfbedeckung das Zeichen einer keuschen, respektvollen Frau, so dass Frauen in der Kirche sie nicht ablegen durften; es doch zu tun wäre entsprechend der damaligen Kultur eine Anmaßung oder Unanständigkeit gewesen. Heute vermitteln Kopfbedeckungen nicht die gleiche Botschaft, so dass die meisten evangelischen Deuter betonen, dass die Haltung des Respekts, die durch kulturell bedeutsame Symbole dargestellt wird, wichtig ist, nicht eine spezifische Kopfbedeckung.) Wir könnten uns Paulus vorstellen: „Wenn eine Frau in der Gemeinde beten oder prophezeien will, dann soll sie das tun, während sie die Autorität der Gemeinde respektiert; andernfalls soll sie schweigen.“

Das griechische Wort gunaikes in 1. Korinther 14,34 kann je nach Kontext entweder „Frau“ oder „Ehefrau“ bedeuten. Die Erwähnung von Ehemännern in Vers 35 könnte darauf hinweisen, dass „Ehefrau“ beabsichtigt ist und dass nur verheiratete Frauen in der Kirche schweigen sollen. Die Aufforderung des Paulus auf verheiratete Frauen zu beschränken löst das Problem jedoch nicht wirklich: In damaligen Zeit wurde die Ehe meist als eine Erhöhung des Status angesehen. Wenn verheiratete Frauen angewiesen werden, zu schweigen, wie viel mehr würde von alleinstehenden Frauen erwartet, dass sie in Stille sitzen bleiben?

Die verschiedenen möglichen Interpretationen von 1. Korinther 14,34-35 sind zu zahlreich, um sie hier zu erzählen. Die beste Erklärung berücksichtigt den Kontext und löst die Spannung zwischen 1. Korinther 11 und 14. Der unmittelbare Kontext hat mit der Übermittlung der Prophezeiung und der Beratung über die Prophezeiung zu tun. Wenn jemand der Gemeinde in der öffentlichen Versammlung eine Prophezeiung anbietet, soll die Gemeinde darüber richten (1. Korinther 14,29). Das heißt, die Kirche soll sie abwägen und bewerten, um zu sehen, ob sie wirklich von Gott kommt und wenn ja, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten. Es scheint, dass das beste kontextuelle Verständnis darin besteht, dass Frauen in diesem Beratungsprozess schweigen sollen, da die Bewertung der Prophezeiung eine Ausübung geistlicher Autorität ist. Weitere Komplikationen können ebenfalls auftreten: Was wäre, wenn eine Frau die Prophezeiung ihres Mannes in Frage stellt oder mit der Bewertung einer Prophezeiung durch ihren Mann nicht einverstanden ist? In diesem Fall wäre es angebracht, dass sie in der Versammlung schweigt und ihn zu Hause nicht öffentlich danach fragt (Vers 35). Dies würde Respekt vor der geistlichen Autorität ihres Mannes zeigen und die Möglichkeit einer Störung in der Kirche minimieren. (Obwohl in der Passage nicht erwähnt, könnte es für einen Ehemann klug gewesen sein, sich selbst als voreingenommen zu „entschuldigen“, wenn die Prophezeiung seiner Frau auf den Prüfstand kam!)

Die ursprüngliche Absicht von Paulus in 1. Korinther 14,33-35 scheint zu sein, dass eine Frau nicht am Beratungsprozess der Bewertung von Prophezeiungen teilnehmen soll. Die Frage bleibt, wie dieser Befehl heute angewendet werden soll.

Sowohl in 1. Korinther 11 als auch in 14 ist Paulus bestrebt, die männliche geistliche Leitung im Haus und in der Gemeinde als universelles Prinzip zu erhalten (siehe auch 1. Timotheus 2,12). Pastoren und Älteste sind Männer, und Frauen unterliegen mit dem Rest der Gemeinde dieser Autorität. Wie diese Unterordnung unter die Autorität anerkannt und angewendet wird, kann sich je nach den aktuellen kulturellen Praktiken unterscheiden. Wenn eine Kopfbedeckung (wie in Kapitel 11) das kulturell angemessene Symbol für die Keuschheit und Unterwürfigkeit einer Frau ist, dann sollte eine Kopfbedeckung getragen werden. Wenn dieses Symbol nicht mehr gebräuchlich ist, kann es zugunsten anderer kulturell relevanter Symbole verworfen werden. In der modernen westlichen Kultur wäre bescheidene Kleidung sicherlich ein relevantes Symbol. Andere Symbole, wie z. B. eine Frau, die den Nachnamen ihres Mannes trägt, mögen in der amerikanischen und anderen Kulturen einst eine große Bedeutung gehabt haben, können aber jetzt weniger wichtig sein.

Es kann noch einen anderen in der Kultur verwurzelten Grund für das Gebot an die Frauen, in der Kirche zu schweigen, geben. Für eine Frau des ersten Jahrhunderts, die an einem Beratungsprozess in jeder Versammlung teilnimmt, wäre dies als Missbrauch der Autorität angesehen worden. Vielleicht ist in der heutigen Kultur, in der Frauen zur Teilnahme eingeladen werden, ihr Schweigen in der Kirche nicht erforderlich, um ihren Ehemännern oder der Kirchenleitung den gebührenden Respekt zu erweisen. Die hier angebotene Interpretation behauptet, dass der Geist der Passage erfüllt wird, solange die männliche Führung in Haus und Kirche geehrt wird und die weibliche Akzeptanz dieser Führung auf kulturell relevante Weise zum Ausdruck kommt.
https://www.gotquestions.org/Deutsch/frauen-still-kirche.html

Die Probleme des heutigen Predigers

Die heutigen Predigten sind weder tiefgründig noch erhaben.Sie gehen weder in die Tiefe noch reichen sie in die Höhe. Ihr einziges Ziel ist Unterhaltung.
Wir Prediger können keine Menschen retten. Wir können Menschen nicht durch unsere Erkenntnis oder Schlauheit verändern, auch nicht dadurch, dass wir sie unterhalten oder auf ihre menschlichen Launen, Wünsche und Ziele eingehen. Es gibt nur einen, der Sünder verändern kann, und das ist Gott. Und er tut es durch seinen Heiligen Geist durch das Wort. Pastoren müssen also das Wort predigen. Nur so kann ihr Dienst echte Frucht hervorbringen. Gottes Wort kommt niemals leer zurück. John MacArthur

Unterricht im christlichen Glauben

Unsere älteren Theologen hatten noch den Mut, die Dogmen oder die Glaubenslehre selbständig aus der heiligen Schrift zu schöpfen, und sie getrösteten sich der Hilfe des heiligen Geistes, der sie nicht verlassen werde (Joh 16,13). Calvin nennt seine Dogmatik institutio, d.h. Unterricht. Diesen Mut haben die neueren Theologen schon seit einem Jahrhundert verloren. Es ist ihnen ergangen wie dem Elymas (Apg 13,11). Sie suchen andere Führer, nachdem sie durch göttliches Verhängnis blind geworden, oder mit anderen Worten, nachdem die Erleuchtung von oben ausblieb. Eduard Böhl (1836-1903)