Ist alles eitel?

Ja, der Prediger Salomo ist der große Skeptiker unter den Schreibern der Bibel. Aber gegenüber was ist er eigentlich skeptisch? Wer genau nachliest, wird feststellen: Der Prediger zweifelt nicht etwa an Gott, aber er zweifelt am Menschen.
Kein Glaube an den Menschen
Seinen ersten Buchteil (1,3-3,9) stellt der Prediger unter die Frage: Was hat der Mensch als „Gewinn“ von seinem Leben? Was kommt bei einem Menschenleben „unterm Strich“ heraus? Der Prediger sucht in drei Richtungen:
Kann ich durch Arbeit meinem Leben bleiben den Sinn verleihen (1,13-15)? Ist es Bildung und Weisheit, die mich über den Tod hinaus begleiten (1,16-18)? Oder soll ich am besten so viel wie möglich genießen (2,1-2)?
Ein Superstar des Alten Orients …
Der Prediger probiert es aus und führt ein Experiment durch. Es wird das Experiment seines Lebens. Er vollbringt große Taten und häuft Reichtümer an. Er bildet sich und wird zum weisesten aller Menschen. Und er genießt. Als König Salomo, als „Superstar“ des Alten Vorderen Orients, hat er die Mittel dazu.
Er kann alles tun, von dem andere nur träumen. Sein Fazit jedoch fällt bitter aus: Alles ist eitel. Nichts bleibt. Es gibt, auf lange Sicht, keinen Gewinn (2,11). In der anschließenden Auswertung (2,12-26) erklärt er dann auch, warum: Was der eine an Reichtum angehäuft hat, gibt der andere wieder aus. Was der eine in Weisheit erbaut hat, richtet der andere durch Torheit wieder zugrunde. Ob reich oder arm, ob Weise oder Tor: Jeder muss sterben, und am Ende bleibt von ihm – nichts. … und sein Ende
Zwei Gedichte rahmen das Experiment des Predigers. Das erste handelt von der immerwährenden Wiederkehr des Gleichen: Es gibt nichts wirklich Neues unter der Sonne (1,4-11). Das zweite Gedicht, „Alles hat seine Zeit“, stellt paarweise entgegengesetzte Handlungen zusammen und zeigt auf diese Weise, dass sich am Ende alles aufhebt. Etwas salopp ausgedrückt:
geboren werden + sterben = 0; pflanzen + ausreißen = 0; lieben + hassen = 0 usw. – Was auch immer den Menschen im Laufe seines Lebens bewegt, unter dem Strich ist die Summe aller Ereignisse Null (3,1-8).
Lieben + Hassen = 0
Der Prediger spricht in seinen Ausführungen immer wieder vom Leben „unter der Sonne“. Spätere Philosophen verwenden dafür den Begriff „Immanenz“: der Mensch, eingeschlossen im Hier und Jetzt der erfahrbaren Welt um ihn herum. So betrachtet ist ein Menschenleben wirklich nicht mehr als ein Sandkorn am Strand des Universums. Und der Prediger schont seine Leser in dieser Sache nicht. Unbarmherzig lässt er unsere Illusionen zerplatzen, zwingt uns, dem Tod ins Gesicht zu sehen, der uns alle erwartet.
Mein Anteil am Leben
Zum Glück bleibt der Prediger dabei aber nicht stehen. Er bricht die Immanenz auf, öffnet die Perspektive hin zu Gott, zur Transzendenz.
Denn von Gott her betrachtet macht mein Leben dennoch Sinn. Nicht deshalb, weil ich etwas Bleibendes schaffen könnte. Aber deshalb, weil er es mir geschenkt hat, weil ich es in seiner Gegenwart genießen und gestalten darf (2,24-25).
Wer geliebt wird, dessen Leben ist erfüllt. An mehreren Stellen spricht der Prediger auch vom „Anteil“ am Leben und verwendet dabei einen wichtigen alttestamentlichen Begriff: So wie das Gesetz des Mose regelt, dass jede israelitische Bauernfamilie ihren Anteil am Ackerland bekommt, so möcbte der Herr der Ewigkeit einem jeden Menschen seinen Anteil an der großen Geschichte des Lebens schenken. – Was fangen Sie mit Ihrem Anteil an

Diebesgut, das völlig sinnlos ist, wenn es keinen Gott gibt!

„[Frau Torheit] sitzt vor der Tür ihres Hauses in einem Sessel an der Stadtmauer, um alle einzuladen, die vorübergehen und bisher einen geraden Weg verfolgten: „Wer einfältig und unerfahren ist, soll herkommen!“ Den Unverständigen lockt sie: „Gestohlenes Wasser schmeckt süß, und heimlich gegessenes Brot ist köstlich!“ (Sprüche 9,14-17) 
Die Torheit bietet nur Diebesgut. Wie die Weisheit bietet auch die Frau Torheit Essen und Trinken an – aber es ist gestohlen. „Torheit und Sünde sind immer Parasiten des Guten, das Gott in seiner Weisheit erschaffen hat. Die Torheit nimmt die guten Dinge und verdirbt sie, indem sie sie aus ihrem angestammten Ort in der Ordnung der Dinge herausreißt … Die Torheit hat ihr Haus nicht erbaut, sondern gestohlen.“48
Viele junge Erwachsene heute sind unreligiös und relativistisch; für sie hat jeder das gute Recht, sich seine eigenen Werte zu schaffen, und sie lassen sich von niemandem Vorschriften machen. Doch dieselben Leute haben tiefe „antirassistische“ und „antisexistische“ Überzeugungen, die sie für allgemeingültig halten.49 Diese „absoluten“ moralischen Werte sind Diebesgut; sie sind völlig sinnlos, wenn es keinen Gott gibt und alle Moral kulturell relativ ist. Das Festmahl der Weisheit bietet uns alle Güter, die ein Mensch braucht – Sinn, Erfüllung, Freiheit, Identität und Hoffnung. Und sie sind nicht gestohlen, sondern das natürliche Ergebnis einer lebendigen Beziehung zu Gott.
Haben Sie Freunde, die ein relativistisches Weltbild mit gestohlenen absoluten Werten anreichern? Wie können Sie mit ihnen darüber ins Gespräch kommen?
Gebet: Herr, ich habe viele Freunde, die nicht an dich glauben, dafür aber an die „Menschenrechte“ und die „Solidarität“ mit den „Unterdrückten“. Sie merken nicht, dass diese Werte Diebesgut sind. Hilf mir, ihnen das zu zeigen, ohne beleidigend zu werden. Öffne ihre Herzen, damit sie einsehen, dass sie dich brauchen. Amen.
Tim Keller
48 Van Leeuwen, „Book of Proverbs“, S. 104.
49 Christian Smith, Lost in Transition: The Dark Side of Emerging Adulthood (Oxford, UK: Oxford University Press, 2011)

Tim Kathy Keller (Hauptautor) Gottes Weisheit entdecken Ein Jahr mit dem Buch der Sprüche

Apologetik Kurz und bündig

Wir können niemanden ins Reich Gottes reinreden. Jeder muss von neuem geboren werden. Dennoch wollen wir klare und hilfreiche Antworten auf die Fragen unserer Freunde und Verwandte und Kollegen haben. Hier sind einige…
„16 kurze Antworten auf einige apologetische Fragen:
1. „Atheismus ist kein Glaube, es ist die Abwesenheit von Glauben“: Echt? Und Anarchismus wäre also die Abwesenheit von politischen Überzeugungen?
2. „Wenn Gott die Welt gemacht hat, wer hat Gott gemacht?“: Das ist wie die Frage, „wenn die Sonne die Erde beleuchtet, was beleuchtet die Sonne?“
3. „Ich glaube nicht an Gott.“: An den Gott deiner Vorstellung glaube ich wahrscheinlich auch nicht. Lass uns über Jesus reden.
4. „Ich könnte nie religiös werden.“: Viele sagen, „ich könnte nie heiraten“ und dann lernen sie Den Einen kennen. Ähnlich läuft’s mit Jesus…
5. „Wie kannst du an die Jungfrauengeburt Christi glauben?“: Wie kannst du an die Jungfrauengeburt des Kosmos glauben? Ist ja auch ein Wunder…
6. „Wir brauchen keinen Gott. Die Wissenschaft erklärt alles.“: Ich kann diesen Satz erklären. Braucht dich keiner mehr?
7. „Wenn du in 12 Jahrhundert in Nepal geboren wärst, wärst du kein Christ.“: Und wenn du dort geboren wärst, wärst du kein Skeptiker.
8. Du glaubst, wir sind krank geboren, und Gott befiehlt uns besser zu werden.“: Nein, wir sind hungrig geboren und Gott bietet uns Brot an. Wie im physischen so auch im geistlichen Sinne.
9. „Leiden schließt die Existenz Gottes aus.“: Welchen Gott? Viele „Götter“ sind inkompatibel mit Leiden, aber wie ist’s mit dem gekreuzigten Gott?
10. „Zu sagen, dass Jesus der einzige Weg ist, ist sehr engstirnig.“: Aber du bestehst drauf, dass es nur EINE Sichtweise gibt, Religionen zu verstehen. Das ist engstirnig, der kosmische Christus aber nicht.
11. „Zu sagen, dass Sex und Ehe nur für einen Mann und eine Frau ist, ist homophob.“: Denk an einen Buddhisten. Ist ihr Vegetarismus fleischesserfeindlich?
12. „Religion verursacht alle Kriege.“: Nein, etwa 7% LINK.(https://carm.org/atheism/the-myth-that-religion-is-the-1-cause-of-war/) Gott ist nicht die Erklärung für Krieg. Die Menschheit steht dahinter.
13. „Wieso kann Gott nicht bloß vergeben?“: Hast du das je versucht? Es schmerzt! Vergebung bedeutet Selbstaufopferung, denn die Vergebung einer Schuld bedeutet, selbst dafür zu bezahlen.
14. „Christen sind Heuchler.“: Christen sind Sünder. Daher weg mit allen Masken, auch die schlimmste Maske, die „Ich-bin-kein-Heuchler“ Maske.
15: „Ich wünsche mir, ich hätte deinen Glauben.“: Wenn ich meinen Arzt empfehle, brauchst du nicht meinen Glauben an ihn. Du brauchst IHN. Du brauchst nicht Glauben, sondern Jesus.
16. „Wenn Gott wusste, dass es Leiden geben würde, wieso hat Er die Welt geschaffen?“: Alle Eltern wissen, dass ihre Kinder leiden werden. Sie schenken trotzdem Leben.“
Von Glen Scrivener – Er bloggt hier: Christ The Truth. https://mehrerekanonen.blogspot.com/search?q=Gott&updated-max=2011-05-08T15:51:00%2B02:00&max-results=20&start=10&by-date=false

Esther und die stille Souveränität Gottes (II)

Bist du Teil einer religiösen Minderheit, die unter Vorherrschaft einer anderen Kultur lebt? Deren Sichtweise sich in fast allen Belangen von deinen unterscheidet? Wie sähe deine Beziehung zu dieser Kultur unter diesen Umständen aus? Würdest du dich zurückziehen, anpassen, protestieren oder kritisieren?
Das sind Fragen, die Tim Keller in seiner vierteiligen Predigtreihe „Esther and the Hiddenness of God“1 (dt. etwa „Esther und der verborgene Gott“) stellt. Und das sind Fragen, die sich auch heute viele von uns stellen.
Gott wird mit keiner Silbe erwähnt
Im Buch Esther sind die Juden in Gefahr. Sie sind eine religiöse Minderheit, die in Persien lebt, einer Gesellschaft die durch geistliche und moralische Werte beherrscht wird, die sich sehr stark von ihren eigenen Werten unterscheiden. Sie haben keinen König, keine Armee, und kein Land. Und mächtige Akteure wollen sie vernichten.
In der Vergangenheit sandte Gott, wenn sein Volk in Schwierigkeiten war, wundersame Zeichen und Wunder. Hier jedoch scheint er komplett abwesend zu sein. Gott wir mit überhaupt keiner Silbe erwähnt – keine Vision, kein Traum, keine Prophezeiung, kein Gebet.
Ist das Zufall? Oder könnte genau das die Aussage sein?
Eine Verkettung von „Zufällen“
Die Geschichte von Esther ist eine der realistischsten biblischen Berichte über die Vorsehung Gottes, und zwar genau deswegen, weil Gott abwesend scheint. Sie zeigt uns, wie der unsichtbare Gott oft durch die menschliche Geschichte wirkt – „nicht indem er durch Wunder eingreift“, wie Karen Jobes beobachtet, „sondern durch ganz gewöhnliche Ereignisse“.2
„In der Geschichte von Esther ist es Gott nicht so wichtig, äußerlich und sichtbar in Erscheinung zu treten, sondern seine Souveränität zu zeigen.“
Im Buch Esther wird eine Verkettung von „Zufällen“ geschildert, die dazu führen, dass die Juden gerettet werden: ein betrunkener und prahlerischer König, eine Königin mit Selbstachtung, ein Schönheitswettbewerb, ein wunderschönes Mädchen, ein belauschter Anschlagsplan, und eine rechtzeitige Schlaflosigkeit. Gott gebraucht sogar moralisch fragwürdige Entscheidungen, um für sein Volk alle Dinge zum Besten dienen zu lassen.
Und durch diese undurchsichtigen und scheinbar unbedeutenden Mittel bringt er seine Absichten voran. In der Geschichte von Esther ist es Gott nicht so wichtig, äußerlich und sichtbar in Erscheinung zu treten, sondern seine Souveränität zu zeigen.
Besessen von Äußerlichkeiten
Gott ist es nicht wichtig, in Erscheinung zu treten. Uns schon. Das ist die bittere Ironie.
Das Buch Esther beginnt mit einem Fest, das der König im Palast veranstaltet. Es ist ein solch opulenter Palast, dass seine Beschreibung nur mit dem Tempel und der Stiftshütte verglichen werden kann. (Die ursprünglichen Zuhörer hätten diese Anspielung wahrgenommen.) Sechs Monate lang stellt der König seine Macht, seinen Reichtum, seine Majestät und seine Großzügigkeit vor seinen Beamten und Dienern zur Schau, in der Hoffnung, ihre Unterstützung und Loyalität für den Feldzug zu gewinnen, den er gegen Griechenland führen würde.
Am letzten Tag, als die ganze Stadt versammelt ist, befiehlt er der Königin, vor ihm zu erscheinen, um ihre Schönheit zur Schau zu stellen. Von Feministinnen gefeiert für ihre Selbstachtung und von Fundamentalisten gerügt für ihren Ungehorsam, weigert sie sich, vor diesem betrunkenen Publikum zu erscheinen und wird deswegen ihrer Stellung enthoben. Die Botschaft ist klar: Die Dreistigkeit des Königs sollte man fürchten.
Der König richtet einen internationalen Schönheitswettbewerb aus, um die Königin zu ersetzen und zwingt „schöne, unberührte junge Mädchen“ (Est 2,4; NeÜ) in seinen Harem, um sich einer einjährigen „Schönheitspflege“ zu unterziehen. Die „Siegerin“ ist am Ende ein jüdisches Mädchen namens Esther. Sie ist jung, fügsam, und hat Angst – ein vorausgreifender Gegensatz zu der Esther, wie sie später auftritt.
Es hat sich nicht viel verändert
Diese ganze Szene – vom Fest bis hin zum Schönheitswettbewerb – ist ein Spektakel. Es wurde aufgeschrieben, um zu zeigen, wie sehr die persische Kultur Äußerlichkeiten liebt. Männer werden an Reichtum und Macht gemessen, Frauen an Schönheit und Sexualität – oder wie Keller es ausdrückt: Ein Mann an der Größe seines Geldbeutels, eine Frau an der Größe ihres Kleides.
Es hat sich nicht viel verändert, oder? Die Welt sagt uns, Dinge und Menschen anhand äußerlicher Maßstäbe zu messen. Sie sagt uns, dass das, was wir haben – Geld, Schönheit, Talent, Macht – wichtiger ist als das, wer wir sind. Sie verlangt „Schönheitspflege“, um mehr Anerkennung und attraktivere Körper zu bekommen.
Wenn wir jedoch diese von Äußerlichkeiten getriebene Herangehensweise übernehmen, dann verpassen wir Gottes tägliche Treue, weil wir nur nach außergewöhnlichen Wundern Ausschau halten, und nicht nach der alltäglichen Vorsehung. Keller merkt dazu an:
„Wenn man eine der zehn Plagen sieht, dann weiß man: Das ist Gott! Wenn man jedoch sieht, wie König Xerxes sich betrinkt und sich großkotzig benimmt, dann sagt niemand: ‚Wow. Hier ist Gott am Wirken!‘ Aber das Buch Esther möchte euch sagen: ‚Lasst euch nicht irreführen. Gott ist am Wirken‘“.
Wenn wir in politischen Entscheidungen, in der Medizinethik im Bereich Gesundheitsfürsorge oder in alltäglichen Ereignissen Gott heute nicht am Wirken sehen, dann dürfen wir nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass er nicht am Wirken ist. Keller sagt dazu:
„Seine Stille ist nicht gleichbedeutend mit Abwesenheit, seine Verborgenheit nicht mit ‚im-Stich-lassen‘“.
Denn das Buch Esther lehrt, dass er in seiner Vorsehung die Rettung seines Volkes bewirkt.
Lache angesichts der Tage, die da kommen
Die Geschichte von Esther verkehrt die Erwartungen ins Gegenteil. Dinge scheinen unausweichlich, sind es aber nicht. Menschen scheinen mächtig, sind es aber nicht. Äußerlichkeiten sind nicht das, was sie zu sein scheinen.
„Das Buch Esther lehrt, dass Gott in seiner Vorsehung die Rettung seines Volkes bewirkt.“
Das Buch Esther wird einige Zeit nach den Ereignissen niedergeschrieben. Die ursprünglichen Zuhörer wissen, dass König Xerxes als besiegter Herrscher von seinem Feldzug nach Griechenland zurückkehrt. Sie wissen, dass Gott Esther gebraucht, um sie zu retten. Sie wissen, wie derjenige, der versucht sie zu vernichten, selbst vernichtet wird. Natürlich wissen sie auch, dass die Geschichte voller Ironie, Satire und Humor ist. Ein Kommentator schreibt dazu:
„Der Autor lehrt uns, uns über genau die Mächte lustig zu machen, die einst unsere Existenz bedrohten – und wieder bedrohen werden – und lässt uns dabei ihre Trivialität wie auch ihre Macht erkennen. ‚Wenn ich überhaupt über vergängliche Dinge lache‘, sagte Byron, ‚dann ist es deswegen, damit ich nicht weine.‘ Juden haben diese Art von Lachen gelernt.“
Esther weist zudem auf Jesus hin. Er ist kein Retter, wie ihn die Menschen erwarteten. Er ist aus Nazareth, nicht aus Jerusalem. Er wird als Sohn eines Zimmermanns gesehen, nicht als König. Auf Äußerlichkeiten basierend wird er nicht geschätzt, sondern verspottet werden. Dann sehen sie ihn am Kreuz eines Verbrechers und begraben ihn in einem ausgeborgten Grab.
Was für ein Witz.
Aber das ist nicht das Ende der Geschichte. Äußerlichkeiten sind nicht das, was sie scheinen. Die Geschichte des Evangeliums macht wie die Geschichte von Esther eine der grundlegendsten Prinzipien biblischer Hermeneutik klar, was Jobes wie folgt ausdrückt:
„Ohne göttliche Offenbarung ist das menschliche Erleben naturgemäß vieldeutig und kann nicht auf rechte Weise verstanden werden.“
Diese göttliche Offenbarung ist die Auferstehung. Die Mächte, die danach strebten, Jesus zu vernichten, werden selbst durch ihn vernichtet – eine Umkehrung, die uns lehrt, selbst den größten Feind (1Kor 15,50–58) zu verspotten. Gegen jede menschliche Erwartung nimmt Jesus den Tod auf sich, den wir verdient haben, damit wir das Leben in Anspruch nehmen können, das er verdient hat.
Das Heute ist ebenfalls nicht das Ende der Geschichte. Die Mächte, die am Ruder scheinen, sind nicht am Ruder. Die unausweichliche Flugbahn ist nicht unausweichlich. Jobes schreibt:
„Verborgen unter der Oberfläche selbst scheinbar unbedeutender menschlicher Entscheidungen und Ereignisse ist eine unsichtbare und unkontrollierbare Macht am Werk, die weder erklärt noch aufgehalten werden kann“.
Bethany L. Jenkins ist stellvertretende Leiterin im Bereich Medien bei The Veritas Forum, schreibt Beiträge bei The Gospel Coalition, und ist Senior Fellow am The King’s College. Bevor sie begann, mit gemeinnützigen Organisationen zusammenzuarbeiten, arbeitete sie im Kongress, im Außenministerium, an der Wall Street und in einer großen Kanzlei. Sie erwarb ihren Bachelor an der Baylor University und ihren Jura-Abschluss an der Columbia Law School. Sie ist aktives Mitglied der Redeemer Presbyterian Church.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von The Gospel Coalition.

1 Tim Keller, Esther and the Hiddenness of God, URL: https://gospelinlife.com/downloads/esther-and-the-hiddenness-of-god/ (Stand: 23.11.2020).
2 Karen Jobes. The NIV Application Commentary: Esther, Grand Rapids, MI: Zondervan, 1999. Weitere Zitate von Jobes stammen ebenfalls aus diesem Kommentar und wurden für diesen Artikel aus dem Englischen übersetzt.
https://www.evangelium21.net/media/2415/esther-und-die-stille-souveraenitaet-gottes

Brauchen wir das Alte Testament?

Die Bezeichnung ‚Altes Testament‘ erweckt gelegentlich den Eindruck, dass es inzwischen überholt oder gar minderwertig ist. Manche Texte aus dem Alten Testament irritieren und es scheint heute leichter zu sein, Worte aus dem Neuen Testament zu verstehen. Brauchen wir heutzutage noch das Alte Testament? Hier einige Aspekte: Ein Blick ins Neue Testament zeigt, dass es hier zahlreiche Anspielungen auf alttestamentliche Texte gibt. Schon die Weihnachtsgeschichte wirft die Frage auf, wer eigentlich David ist und warum es erwähnenswert scheint, dass Josef zu dem Haus und der Nachkommenschaft Davids gehörte. Nur mit der entsprechenden alttestamentlichen Hintergrundinformation wird wirklich deutlich, was es mit dem Retter Jesus auf sich hat. Zudem wird das Alte Testament häufig im Neuen zitiert. Der Apostel Paulus benutzt alttestamentliche Texte als Werkzeug und autoritative Quelle, anhand derer er seine Aussagen begründet oder unterstreicht. Und auch Jesus selbst verwendet beim Sterben einen alttestamentlichen Leidenspsalm, indem er am Kreuz die Frage stellt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Das Alte Testament war die Bibel in neutestamentlichen Zeiten. Neben inhaltlichen Anspielungen und Zitaten setzt das Neue Testament kulturelle Elemente und theologische Themen als bekannt voraus und erklärt sie nicht von Neuem. Was hat es mit der Schöpfung auf sich? Wie wertvoll ist das menschliche Leben? Was zeichnet Gottes Wesen aus? Fragen wie diese werden im Alten Testament beantwortet. Hier beginnt Gottes Geschichte mit der Menschheit, in die sich das Neue Testament einordnet. Hier stellt sich Gott zum ersten Mal als der fürsorgliche, treue Vater vor. Hier werden erste Erfahrungen von Gottes Liebe gemacht, die am Kreuz ihren Höhepunkt findet. Das Evangelium ist nur auf dem Hintergrund des Alten Testaments in seiner Fülle und Tiefe zu verstehen. Deswegen brauchen wir das Alte Testament! Es ist alles andere als überholt und minderwertig – vielmehr bietet es den notwendigen Verstehenshintergrund des Neuen, das große Ganze. 

Die Ketuvim: Ihr Aufbau und ihre Botschaft

Die „Ketuvim“, das sind die folgenden Bücher der Hebräischen Bibel bzw. des Alten Testaments: Ruth, Psalmen, Hiob, Sprüche, Prediger, Hoheslied, Klagelieder, Daniel, Esther, Esra-Nehemia, 1.+2. Chronik.

Die Arbeit verwendet einen literaturwissenschaftlichen und kanonischen Ansatz (strukturell-kanonischer Ansatz).

Ketuvim

Zum einen wird jedes der elf biblischen Bücher untersucht. Im Vordergrund steht jeweils die literarische Gesamtanlage und deren Effekt auf die Übermittlung der Botschaft.

Zum andern wird auch der Kanonteil „Ketuvim“ als Ganzes in den Blick genommen. Dabei wird die Frage nach der Anordnung der Bücher und deren Einfluss auf das Verständnis der Buchgruppe untersucht. Auch historische Fragen, die Kanonordnungen und den Kanonabschluss betreffen, werden behandelt.

Ausführliche Zusammenfassung

Ausgangspunkt und Problemstellung (Kap. 1.1)

Den Ausgangspunkt für die vorliegende Untersuchung bildet die Frage nach der theologischen Einheit des AT: Inwieweit fügt sich die Vielzahl der im AT redenden Stimmen zu einem organischen Ganzen zusammen? Auf welche Weise können in einer theologischen Gesamtdarstellung des AT, einer „AT-Theo­lo­gie“, die verschie­denen Themen so voneinander abgegrenzt und zu einem Ganzen zusammengeordnet werden, dass jeder Einzelaspekt den ihm gebührenden Ort erhält?

Forschungsüberblick (Kap. 1.2)

Zur Strukturierung des Forschungsüberblicks stelle ich die Frage, mit welchen Methoden oder mit welchem Raster die verschiedenen Entwürfe zur AT-Theologie die Gesamtheit des alttestamentlichen Stoffes zu erfassen und wiederzugeben versuchen und inwieweit dies jeweils gelingt.

Es zeigt sich, dass grundsätzlich drei Dimensionen der Stoffstrukturierung zur Ver­fügung stehen, nämlich die systematische, die historische und die literarische. AT-Theologien können danach unterschieden werden, welche der Dimensionen als Grundachse des „theologischen Koordinatensystems“ verwendet wird. Nicht selten kommen allerdings auch zwei oder sogar alle drei Dimensionen zur Anwendung.

  1. Systematisch strukturierte Entwürfe stehen vor dem Problem, nicht gleichzeitig eine logische Abgeschlossenheit und eine vollständige Durchdringung des alttestamentlichen Materials erreichen zu können. Immer wieder problematisch ist vor allem die theologische Integration der Weisheit und des Kultes. Dies gilt sowohl für Ansätze, die ein Raster von außen vorgeben, wie z.B. Theologie – Anthropologie – Soteriologie, als auch für Ansätze, die ihr Raster aus dem AT selbst erheben wollen, etwa in der Form einer „Mitte“. Wird die Theologie in einer losen Folge von Themen präsentiert, entsteht dieses Problem nicht. Allerdings mangelt es dann oft an einer methodischen Rechtfertigung für die Wahl der Themen.
  2. Historisch strukturierte Entwürfe können entweder an der biblischen Geschichts­dar­stel­lung entlang entwickelt werden oder an einer mit Mitteln der historisch-kri­ti­schen Methode rekonstruierten Fassung. Wird der zweite Weg gegangen, ergeben sich komplexe hermeneutische Fragestellungen zum Verhältnis von Glaube und Geschichte. Dahinter steht als Grundproblem, dass die historisch-kritische Methode mit dem Handeln Gottes in der Geschichte nicht angemessen umzugehen vermag. Für Entwürfe, die sich an der biblischen Selbstdarstellung der Geschichte orientieren, stellen vor allem die nicht-historiographischen Bücher ein Problem dar. Diese müssen um der Erfüllung des Rasters willen historisch eingeordnet werden, ohne dass sich daraus substantielle hermeneutische Implikationen ergäben.
  3. Mit der literarischen Dimension zu arbeiten bedeutet grundsätzlich, literarische Einheiten des Alten Testaments zum Gegenstand der Untersuchung zu machen und diese mit angemessenen literaturwissenschaftlichen Methoden zu interpretieren.

Nach M. Sternberg werden in den biblischen Texten drei verschiedene Interessen verfolgt und auf kunstvolle Weise miteinander verwoben, nämlich ein ideologisches, ein historiographisches und ein ästhetisches Interesse. So formen z.B. viele Texte Geschichte zu einer Erzählung, aus der sich eine Botschaft für den Glauben ergibt. Dies bedeutet, dass für die Erforschung alttestamentlicher Texte prinzipiell alle drei der eingangs genannten Dimensionen zu berücksichtigen sind und für die Frage nach der Botschaft speziell das Verhältnis von Inhalt und literarischer Form der einzelnen Bücher.

Wie können aber die Botschaften der einzelnen Bücher in eine Gesamtdarstellung vereinigt werden? Hinweise dafür, dass das AT nicht nur eine Sammlung von literarischen Einheiten ist, sondern auch insgesamt als literarische Einheit betrachtet werden kann, liefern neuere Erkenntnisse im Bereich der kanonischen Schriftauslegung: Verschiedene Ausleger beobachten im Kanon, speziell in der Form, wie er in der Hebräischen Bibel vorliegt (TNK-Struktur), makrostrukturelle Merkmale, etwa kanonische Abschlussphänomene oder die literarisch-theo­lo­gi­sche Zusammengehörigkeit von Buchgruppen und Kanonteilen.

Methode (Kap. 1.3.1, 1.3.3, 1.3.6)

In der Fluchtlinie der oben beschriebenen aktuellen Entwicklungen aus den Bereichen „AT-Theologie“ und „kanonische Schriftauslegung“ steht der von mir vertretene und mit H. Koorevaar als strukturell-kanonisch bezeichnete Ansatz. Er geht davon aus, dass der Aufbau der Hebräischen Bibel hermeneutisch signifikant ist. Dies bedeutet, dass der theologische Ort eines jeden Buches aus seinem literarischen Ort im Kanon abgeleitet werden kann; die Struktur des Kanons wird zum Schlüssel für die Entwicklung eines organischen Gesamtgefüges der alttestamentlichen Botschaft. Damit bietet der strukturell-kanonische Ansatz eine neue Perspektive für die Aufgabe einer theologischen Gesamtdarstellung des AT.

  1. Der Ansatz ist insofern kanonisch, als er den biblischen Text im Sinne seines Trägerkreises auslegt, nämlich der nachexilischen bzw. frühjüdischen community of faith als realer bzw. intendierter Leserschaft. Nicht historisch-genetische Rekonstruktionen, sondern die aus der kanonischen Endgestalt der einzelnen Bücher in synchroner Leseweise erhobenen Botschaften bilden die Bausteine der Theologie.
  2. Strukturell bedeutet, dass die biblischen Bücher nicht als Materialsammlungen anzusehen sind, die auf mögliche Glaubenssätze hin zu durchforsten wären, sondern als literarische Ganze mit bestimmten theologischen Aussageabsichten, die durch ein sorgsames Nachvollziehen des textlichen Gesamtverlaufs erkannt werden können. Mit anderen Worten: Um die Gesamtbotschaft eines Buches erfassen zu können, ist es wichtig, seinen Aufbau zu verstehen. Eine Struktur zu erkennen bedeutet nachzuvollziehen, wie sich die einzelnen Aspekte eines Textes zu einem gedanklichen Ganzen zusammenfügen.
  3. Die Kombination strukturell-kanonisch weist zusätzlich auf die Bedeutung der kanonischen Makrostruktur als hermeneutischem Schlüssel zur Integration der buchweise erarbeiteten Botschaften in eine Gesamtstruktur alttestamentlicher Botschaft.

Die strukturell-kanonische Untersuchung kann um Studien ergänzt werden, bei denen Einzelthemen longitudinal durch die einzelnen Bücher und Buchgruppen verfolgt werden.

Zur Frage der zu Grunde gelegten Buchreihenfolge (Kap. 1.3.2)

Dass der Reihenfolge von Büchern im Kanon Bedeutung zugemessen wird, ist schon vom Standpunkt der Rezeptionsseite her gerechtfertigt: Es ist davon auszugehen, dass Kontext, gleich welcher Art, die Rezeption eines Textes mitbestimmt. Ein literarischer Kontext weckt bestimmte Erwartungen, er kanalisiert die Wahrnehmung; bestimmte Gedankengänge werden vorgebahnt.

Vom Standpunkt der Produktionsseite her ist zudem unstrittig, dass in der Bibel über die einzelnen Bücher hinausgehende größere intendierte literarische und thematische Zusammenhänge vorhanden sind, etwa in der Buchgruppe von Gen-Kö. Auch in anderen Bereichen legt sich dies nahe, nämlich bei den Prophetenbüchern, bei den Weisheitsbüchern oder bei der Chronik als „kanonischem Abschlussphänomen“. Dies gibt zu der berechtigten Erwartung Anlass, makrostrukturelle Zusammenhänge auch an den übrigen Stellen zu finden.

Die strukturell-kanonische Methode benötigt eine feste Buchreihenfolge zum Ausgangspunkt. Es muss darüber reflektiert werden, welche der historisch belegten Kanonanordnungen für die Aufgabenstellung geeignet ist. Ich entscheide mich für die Anordnung der Ketuvim nach dem babylonischen Talmud (Traktat bab. Baba Bathra 14b). Damit wird nicht beansprucht, die einzig mögliche Entscheidung getroffen zu haben. Eine Legitimation ergibt sich vielmehr auf drei unterschiedlichen Ebenen: Die Reihenfolge nach bBB 14b ist es wert, auf ihre hermeneutischen Implikationen hin zu untersucht werden, …

  1. … weil sie wie jede Reihenfolge als eine spezielle Art von Kontext die Rezeption des Textes mitbestimmt;
  2. … weil sie durch die jüdischen Rabbanan autorisiert und von hohem Alter ist, weil sie mit frühen Belegen zur Kanongestalt kompatibel ist (Sirachprolog; Megillot noch nicht gruppiert) und weil sie in Einklang mit dem steht, was die interne Evidenz der Hebräischen Bibel erwarten lässt (z.B. Endstellung der Chronik);
  3. … weil sie einer der besten Kandidaten für eine ursprüngliche intendierte Anordnung des Hebräischen Bibelkanons ist – falls es eine solche je gegeben hat.

Methodische Überlegungen zur Arbeit mit Strukturen (Kap. 1.3.4)

Weil die Arbeit mit literarischen Strukturen und deren konturierender Wirkung auf die Textfläche für den strukturell-kanonischen Ansatz besondere Bedeutung hat, gleichzeitig aber in der Forschung Strukturanalysen nicht immer in befriedigender Weise gehandhabt werden, bespreche ich diesbezügliche methodische Überlegungen in einem eigenen Abschnitt. Ich gehe davon aus, dass ein Autor, wenn er sich seinen Lesern verständlich machen will, einen Text nicht völlig beliebig ge­stal­ten kann, sondern zu einem bestimmten Grad an literarische und kulturelle Konventionen sowie an gewisse Grundsätze menschlicher Rationalität gebunden ist. Auf dieser Grundlage lassen sich Kriterien entwickeln, mit denen es möglich ist, Strukturvorschläge, die von Rezipienten zu einem Text gemacht werden, auf ihre Plausibilität hin zu überprüfen. Ich formuliere sechs „Prüfsteine gegen strukturellen Wildwuchs“:

  1. Die angenommene Struktur soll hermeneutisch signifikant sein.
  2. Kriterien zur Strukturbildung sollen nachvollziehbar, relevant im Sinne des Textes, konsistent und schlüssig sein.
  3. Innerhalb eines Buches sollen Strukturen von oben nach unten entwickelt werden, d.h. von den übergeordneten zu den untergeordneten Gliederungsebenen.
  4. Der Text soll flächendeckend in die Interpretation einbezogen sein.
  5. Die angenommene Struktur soll den Erwartungen und Möglichkeiten des „intendierten Lesers“ entsprechen.
  6. Die angenommene Struktur soll den Text besser und einfacher erklären als mögliche Alternativen.

Die Buchreihenfolge der Ketuvim nach bab. Baba Bathra 14b: ihre Bedeutung im Vergleich mit anderen Reihenfolgen (Kap. 2)

In Kap. 2 trage ich verschiedene Argumente zusammen, die die Bedeutung der Buchreihenfolge von Baba Bathra 14b untermauern. So ergibt der Vergleich zwischen der „hebräischen“ und der „griechischen“ Kanonstruktur, dass von internen Kriterien her der ersteren der Vorzug zu geben ist. Innerhalb der jüdischen Tradition ist außerdem – trotz der Tatsache, dass für die Anordnung der Ketuvim viele Varianten vorliegen – der Beleg von Baba Bathra 14b von übergeordneter Bedeutung. Von ihm aus lässt sich auch das Verständnis der verschiedenen Varianten erhellen. Außerdem wird der These eines noch bis in christliche Zeit hinein offenen alttestamentlichen Kanons widersprochen, und ein möglicher Kanonabschluss in der Makkabäerzeit oder in der persischen Zeit wird diskutiert. Die Ausführungen zeigen: Wenn es eine ursprüngliche intendierte Anordnung der Ketuvim gab, dann ist Baba Bathra 14b auf jeden Fall einer der Kandidaten mit den größten Erfolgschancen.

Aufbau und Botschaft der einzelnen Bücher der Ketuvim (Kap. 3.3)

Im Hauptteil der Arbeit analysiere ich zunächst die Ketuvim Buch für Buch, indem ich jeweils die Botschaft aus einer Zusammenschau von Formen und Inhalten erarbeite. Dies hier jeweils zusammenzufassend darzustellen ist aus Platzgründen nicht möglich. Stattdessen folgen einige thesenartig formulierte Sätze zu jedem der elf Bücher:

  • Dass Gottes Güte im Handeln von Menschen Gestalt gewinnt, zeigt im Buch Rutha. die Gegenüberstellung der Zentralverse der beiden inneren Struktureinheiten (2 12 und 3 9, Verbindungswort @n“K‘ Flügel). Anfang und Ende des Buches, die oft literarkritisch ausgeschieden werden, stellen Richterzeit und Davidszeit einander gegenüber und deuten damit an, dass sich die Erlösungsthematik von der familiären auf die nationale Ebene ausweitet.
  • Der Psalter ist nicht eine bloße Sammlung von Liedern, sondern vielmehr ein in sich strukturiertes Buch göttlicher Weisung, mit dem der betende Leser die Geschichte des Königreiches Gottes von der Einsetzung Davids bis hin zu Gottes endzeitlicher Weltherrschaft nachvollziehen und auf sein eigenes Leben übertragen kann.
  • Die Antwort auf die Problemstellung des Hiobbuches ist in der Gottesrede zu suchen und zu finden (nicht etwa in der Himmelsszene des Prologs).
  • Im Sprüchebuch bildet der rhetorisch durchformulierte Abschnitt Kap. 1-9 die theologische Grundlage, auf der die anderen sechs Hauptteile des Buches zu verstehen sind.
  • Das Predigerbuch ist keine Sentenzensammlung, sondern ein literarisches Ganzes, das aus drei in sich konzentrisch aufgebauten Einheiten 1 3 – 3 9,
    3 10 – 8 17 und 9 1 – 12 7
  • Das Hohelied ist ebenfalls kein „Liederstrauß“, sondern eine durchdachte Komposition von fünf zueinander parallel aufgebauten Zyklen, nach dem Muster „sie verlangt nach ihm – sie sieht ihn kommen und preist ihn – er preist ihre Schönheit und verlangt nach ihr – sie lädt ihn ein“.
  • Das zentral stehende dritte Kapitel der Klagelieder öffnet das Buch dahingehend, dass es auch über die Erinnerung an die historische Zerstörung Jerusalems hinaus für die Glaubensgemeinschaft von Relevanz ist.
  • Im Danielbuch sind die Kapitel 2 bis 7 und 7 bis 12 jeweils konzentrisch angeordnet, wobei Kap. 7 eine Scharnierfunktion zwischen den beiden Teilen zukommt.
  • Das Thema des Estherbuches „Das Los wendet sich“ wird durch einen kon­zentrischen Aufbau des mittleren Hauptteils mit einer konsequent antithetischen Gegenüberstellung der Abschnitte unterstrichen. Dies gilt mit Ausnahme des Dialogs Esther – Mor­de­chai in 4 1-17, der in sich eine Umkehrung beschreibt (und der die theologische Kernstelle 4 14 enthält), von der Umkehrung der Verhältnisse in der persischen Welt aber nicht betroffen ist.
  • In Esra-Nehemia werden die Missionen unter Serubbabel (Esr 1-6), Esra (Esr 7‑10) und Nehemia (Neh 1-6) zunächst für sich dargestellt, während in Neh 7-12 Elemente aller drei Missionen zu einer konzentrisch aufgebauten Gesamtschau vereint sind mit dem Ziel, hinter den einzelnen historisch-par­ti­ku­la­ren Restaurationsbemühungen das größere Ganze der von Gott veranlassten Wiederherstellung Judas sichtbar zu machen.
  • Die Chronik stellt die davidisch-sa­lo­mo­ni­sche Zeit mit den beiden Schwerpunkten „Haus Davids“ und „Haus Gottes“ (Gottesherrschaft und Gottesgemeinschaft) als normative Epoche dar, an der sich die auf das Kyrusedikt hin Heimgekehrten orientieren sollen.

Aufbau und Botschaft des Kanonteils Ketuvim nach der Buchreihenfolge von bab. Baba Bathra 14b (Kap. 3.4)

Die Reihenfolge der Ketuvim nach Baba Bathra 14b ist:

Ruth – Psalmen – Hiob – Sprüche – Prediger – Hoheslied – Klagelieder – Daniel – Esther – Esra-Nehemia – Chronik

Um den Gesamtaufbau des Kanonteils zu erarbeiten, suche ich nach Beziehungen zwischen den für die einzelnen Bücher erarbeiteten zentralen Botschaften. Es ergibt sich eine weisheitliche Reihe Hi–Spr–Pred–Hld, bei der Hi als Vorbereitung, Spr als Grundlegung, Pred als Erweiterung und das Hld als Schluss- und Höhepunkt angesehen werden kann, sowie eine national-his­to­ri­sche Reihe Klg–Dan–Est–EsrNeh, die einen Bogen vom Beginn des Exils über das Leben unter der Fremdherrschaft bis hin zur Restauration spannt. Beide Reihen beginnen mit Leid und enden mit Freude. Einen Rahmen um die Reihen bilden die Bücher Ps und Chr, die beiden historisch und theologisch umfassenden Werke der Ketuvim, die in ihren zentralen Themen eng beieinander liegen. Vor diesem Rahmen steht das Buch Ruth, das sich u.a. wegen seiner Hinführung auf David gut als Einleitung in die Gruppe eignet.

  • Hinführung: Ruth
  • Hauptbotschaft I: Ps
  • Weisheitliche Reihe von Leid zu Freude: Hi – Spr – Pred – Hld
  • National-historische Reihe von Leid zu Freude: Klg – Dan – Est – EsrNeh
  • Hauptbotschaft II: Chr

Die Gesamtbotschaft der Ketuvim kann von Ps und Chr her kurz auf „zwei Häuser“ und „zwei Wege“ zugespitzt werden:

Gottes Handeln symbolisiert in zwei Häusern:

  • das Haus der Herrschaft Gottes: Haus Davids (Königtum) – Gottes Herrschaftsanspruch
  • das Haus der Gemeinschaft mit Gott: Haus Gottes (Tempel) – Gottes Gemeinschaftszuspruch

Die Antwort des Menschen symbolisiert in zwei Wegen:

  • der Weg des Frommen zu Gott hin
  • der Weg des Gottlosen von Gott weg

Die weisheitliche Reihe beschreibt den Weg des Einzelnen mit Gott, in einer Entwicklung von Leid zu Freude, die national-historische Reihe den Weg des Volkes, ebenfalls in einer Entwicklung von Leid zu Freude.

Die Ketuvim und die weisheitlich-schriftgelehrte Sichtweise (Kap. 4.3)

Zur Charakterisierung der drei Kanonteile werden in der Forschung gelegentlich die drei Personengruppen Priester, Propheten und Weise angeführt. Ich argumentiere dafür, dass für die Ketuvim tatsächlich eine weisheitlich-schriftgelehrte Sicht­weise charakteristisch ist, die vor allem an ihrem indirekten Zugang zur Gotteserkenntnis (durch Beobachtung von Natur und Gesellschaft, durch Schriftbezug) erkannt werden kann, an dem sie sich deutlich von den beiden anderen Kanonteilen unterscheidet. Auch andere Aspekte des Phänomens „Weisheit“ treten in den Ketuvim gehäuft auf.

Die Ketuvim: ihr Aufbau und ihre Botschaft

Exodus 2.Mose

Die grosse Flucht

Im 2. Buch Mose erleben wir, wie Gott sein Volk rettet und ihm die Zehn Gebote gibt.

Die frühen griechischen Übersetzer des AT gaben dem 2. Buch Mose den beschreibenden Titel Exodus. Im Griechischen bedeutet der Ausdruck Exodus einfach »hinausgehen«. Angesichts des gewaltigen Erlösungswerkes Gottes hinsichtlich seines Volkes kann man das wohl schlicht Untertreibung nennen.

Autor und Abfassungszeit

Geschrieben von Mose ca. 1445 bis 1405 v. Chr.

Dass Mose der Autor von 2. Mose ist, steht ausser Frage. Mose befolgte Gottes Anweisungen und »schrieb alle Worte des HERRN nieder« (24,4). Ähnliche Aussagen über Moses Autorschaft finden sich auch an anderen Stellen in der Schrift.

Schlüsselpersonen im 2. Buch Mose

Mose – Autor des Pentateuch und Befreier Israels aus der ägyptischen Sklaverei (2–40)

Miriam – Prophetin und ältere Schwester von Mose (2,7; 15,20-21)

Die Tochter des Pharao – Die Prinzessin rettete Mose, als er noch ein Baby war, aus dem Fluss und adoptierte ihn (2,5-10)

Jethro – Ein Schafhirte aus Midian, er wurde Moses Schwiegervater (3,1; 4,18; 18,1-12)

Aaron – Moses Bruder und der erste Hohepriester Israels (4,14–40,31)

Pharao – Ein nicht namentlich bekannter Führer Ägyptens zur Zeit des Exodus (5,1–14,31)

Josua – Ein Mitarbeiter Moses und militärischer Führer, der Israel in das verheissene Land führte

Hintergrund und Umfeld

Die 18. Dynastie Ägyptens, während der Israels dramatischer Auszug stattfand, war eine politisch und wirtschaftlich starke Periode der ägyptischen Geschichte. Obwohl Mose als Sklave geboren wurde, fand er sich bald in einer schnell wachsenden und expansiven Gesellschaft wieder. Was militärische, wirtschaftliche und politische Stärke betraf, war Ägypten eine sog. Supermacht. Gott benutzte sowohl das Erziehungs- und Regierungssystem Ägyptens, als auch die Zeit in der Wildnis im Exil in Midian, um Mose zuzurüsten. Als Mose dann so weit war, vertrat er sein Volk vor dem mächtigen Pharao Amenothep II und führte sein Volk während der Zeit der Wüstenwanderung.

Exodus beschreibt die jungen Jahre Moses und Details hinsichtlich des Auszugs Israels aus Ägypten. 2. Mose schliesst damit ab, dass Gott dem Volk die Zehn Gebote gibt und es die Stiftshütte am Fusse des Berges Sinai baut. Trotz des schrecklichen Götzendienstes, den Israel beging, als Mose auf dem Berg war, fuhr Gott zu diesem Zeitpunkt fort, das Volk in das verheissene Land zu führen.

Schlüssellehren im 2. Buch Mose

Bündnisverheissungen – Gott verspricht Abraham, sein Erbe für immer zu bewahren (12,1-3.7.31-42; 1Mo 17,19; 3Mo 26,45; Ri 2,20; Ps 105,38; Apg 3,25)

Das Wesen Gottes – Menschen werden Gott zwar nie völlig verstehen und begreifen, sie können ihn aber persönlich kennen lernen (3,7; 8,15; 34,6-7; 2Sam 22,31; Hi 36,26; Mt 5,48; Lk 1,49-50)

Die Zehn Gebote – Grundwahrheiten in Bezug auf Gott (20,1-17; 23,12; 3Mo 19,4.12; 5Mo 6,14; 7,8-9; Neh 13,16-19; Jes 44,15; Mt 5,27; 19,18; Mk 10,19; Lk 13,14; Röm 13,9; Eph 5,3.5)

Gottes Wesen im 2. Buch Mose

Gott ist zugänglich – 24,2; 34,4-7

Gott ist herrlich – 15,1.6.11; 33,18-23; 34,5-7

Gott ist gut – 34,6

Gott ist gnädig – 34,6

Gott ist heilig – 15,11

Gott ist langmütig – 34,6

Gott ist barmherzig – 34,6.7

Gott ist mächtig – 6,3; 8,15; 9,3.16; 15,6.11-12

Gott ist vorhersehend – 15,9-19

Gott ist treu – 34,6

Gott ist einzigartig – 9,14

Gott ist weise – 3,7

Gott ist zornig – 7,20; 8,2.12.20; 9,3.9.23; 10,13.22; 12,29; 14,24.27; 32,11.35

Christus im 2. Buch Mose

Als Gott das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei befreite, legte er ein neues Fundament, indem er ihm das Gesetz gab. Im 2. Buch Mose finden wir zwei Schwerpunkte: 1) einen Bericht der Erlösung des Volkes Gottes; 2) die Bildung der erwählten Nation, durch welche Christus in die Welt kommen würde. Das Gesetz bereitete Israel darauf vor, Christus zu empfangen, seinen verheissenen Messias und König.

Schlüsselworte im 2. Buch Mose

Erlöst: Hebräisch natsal – 3,8; 5,18; 21,13; 22,6.9.25; 23,31 – dieses Verb bedeutet entweder »abkratzen, plündern« oder »entreissen, befreien«. Das Wort wird oft benutzt, um zu beschreiben, wie Gott Israel aus der Sklaverei befreit (3,8) oder rettet (6,6). Manchmal beschreibt es auch, wie Gottes Volk von Sünde und Schuld befreit wird (Ps 51,16). Die Verse in Kap. 18,8-10 verdeutlichen hingegen Gottes Überlegenheit und Triumph über die ägyptischen Götter.

Weihen: Hebräisch qadash – 28,3.41; 29,9.33.35; 30,30; 32,29 – dieses Verb bedeutet »heilig machen«, »etwas als abgesondert erklären« oder »zur Seite stellen«. Das Wort beschreibt, wie etwas oder jemand dem Herrn hingegeben oder für ihn ausgesondert wird. Indem Gott Israel aus der ägyptischen Sklaverei befreite, sonderte er es ab. Durch sein gewaltiges Befreiungswerk demonstrierte er, dass Israel sein Volk, und er sein Gott war (6,7). Die von Gott veranlasste Waschung am Berg Sinai veranschaulicht, dass Gott und das Volk in einer speziellen Beziehung zueinander standen (19,10).

Waschung: Hebräisch rachats – 2,5; 19,10; 29,4.17; 30,18.21; 40,12.30 – Waschung oder Bad. Dieser Begriff wurde sowohl im religiösen wie auch im kulturellen Bereich benutzt. Einem Gast die Füsse zu waschen war ein sehr alter Brauch und ein Zeichen von Gastfreundschaft, das wir auch im NT noch vorfinden (1Mo 18,4; Joh 13,5). Rituelle Waschungen zählten zu den wichtigen Bestandteilen, um die Priester für ihren Dienst in der Stiftshütte vorzubereiten (40,12). Das Waschen mit Wasser symbolisierte auch geistliche Reinigung, welche nötig war, um in die Gegenwart Gottes treten zu können (Ps 26,6; 73,13). Die atl. Propheten versinnbildlichten damit auch Busse (Jes 1,16; Hes 16,4). Im NT beschreibt Paulus die Erlösung in Christus mit den Worten »Bad der Wiedergeburt« (Tit 3,5).

Gliederung

Israel in Ägypten (1,1 – 12,36)

  • Die Bevölkerungsexplosion (1,1-7)
  • Die Unterdrückung unter den Pharaonen (1,8-22)
  • Die Heranbildung eines Befreiers (2,1 – 4,31)
  • Die Konfrontation mit dem Pharao (5,1 – 11,10)
  • Die Vorbereitung auf den Auszug (12,1-36)

Israel auf dem Weg zum Sinai (12,37 – 18,27)

  • Der Auszug aus Ägypten und die Angst (12,37 – 14,14)
  • Die Überquerung des Roten Meeres und die Freude (14,15 – 15,21)
  • Die Reise zum Sinai und das Murren (15,22 – 17,16)
  • Die Begegnung mit Jethro und das Lernen (18,1-27)

Israel lagert am Sinai (19,1 – 40,38)

  • Das Gesetz Gottes wird erteilt (19,1 – 24,18)
  • Das Heiligtum Gottes wird beschrieben (25,1 – 31,18)
  • Die Anbetung Gottes wird befleckt (32,1-35)
  • Die Gegenwart Gottes wird bestätigt (33,1 – 34,35)
  • Das Heiligtum Gottes wird gebaut (35,1 – 40,38)

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

Das Eisenzeitalter beginnt in Syrien und Palästina. Die mediterranen und skandinavischen Völker perfektionieren die Kunst des Schiffsbaus.

Häufig auftauchende Fragen

1. Warum finden wir in den historischen Überlieferungen Ägyptens keine Hinweise auf die vernichtenden Plagen, die Niederlage der Armee und den Auszug der Israeliten?

Das Fehlen dieser Berichte in den ägyptischen Überlieferungen sollte uns nicht erstaunen. Die meisten dieser Berichte existieren in Form offizieller Inschriften auf Gräbern oder Denkmälern antiker Herrscher. Öffentliche Gedenkstätten dieser Art wurden selten dazu benutzt, um an demütigende Niederlagen und Katastrophen zu erinnern. Interessanterweise stellt die Art und Weise, wie die Bibel sowohl über die Erfolge wie auch über die Niederlagen des Volkes Gottes berichtet, einen aussagekräftigen Beweis für ihre Echtheit dar. Die Bibel präsentiert uns einerseits etliche Beispiele von Versagen, andererseits aber auch zahlreiche Beispiele von echten Glaubenstaten.

2. Was sollen wir im 21. Jhdt. von den uns berichteten Wundern im 2. Buch Mose halten? Tatsachenberichte wie z.B. der brennende Dornbusch, die Plagen, Gottes Gegenwart in der Wolken- bzw. Feuersäule, die Teilung des Roten Meeres oder das Manna, um nur einige zu nennen.

Der wissenschaftliche Materialismus, in dem viele Menschen des 21. Jhdts. stecken, erschwert ihnen den Zugang zu sog. Wundern. Werden die Naturgesetze als höchste Instanz angesehen, dann übersteigt der Gedanke an ein über alles erhabenes Wesen, das auch die Naturgesetze ausser Kraft setzen kann, die Vorstellungskraft der Leute bei weitem. Beispiele von Wundern üben wenig Überzeugungskraft aus, wenn jemand bereits der festen Meinung ist, dass es keine Wunder geben kann.

Wunder können Gottes Existenz veranschaulichen, aber nicht beweisen. Die Menschen verfügen über einen ausgesprochenen Einfallsreichtum, wenn es darum geht, Gottes Wirken in der Vergangenheit wegzudiskutieren. Es ist nicht so, dass Menschen im 21. Jhdt. nicht an Wunder glauben könnten, sondern vielmehr so, dass sie schlicht und einfach nicht daran glauben.

Für uns Christen klärt sich alles anhand des Glaubens. Als wir Christen wurden, mussten wir ein ganz zentrales Wunder im Glauben annehmen: Gott kam im Fleisch auf diese Welt, Jesus Christus lebte, starb und ist von den Toten auferstanden, um in Ewigkeit als Herr und Heiland zu regieren. Im Lichte dieses Wunders geben die Wunder aus Exodus keinen Anlass zu Spekulationen, sondern bewirken bei uns Anbetung und Staunen. Sie verdeutlichen, wie sehr es Gott am Herzen liegt, mit Menschen zu kommunizieren. Sogar die Christen des 21. Jhdts. werden durch Gottes überwältigende Macht gedemütigt und von Ehrfurcht ergriffen.

3. Stellen die Zehn Gebote Erwartungen und Forderungen von gestern dar, oder repräsentieren sie Gottes ewiggültigen Standard?

Die Leute erliegen einem schwerwiegenden Irrtum, wenn sie darüber reden, »die Zehn Gebote zu brechen«. Die Geschichte verdeutlicht auf eindrückliche Art und Weise, dass es die Leute waren, die an den Zehn Geboten »zerbrachen«. Egal, welche Streitfragen hinsichtlich der Auslegung und Anwendung der Zehn Gebote im Raum stehen mögen; sie repräsentieren Gottes absoluten und unveränderlichen Standard.

Der Titel »Zehn Gebote« rührt von Mose her (34,28). Es wird klar betont, dass Gott selbst gesprochen und die Zehn Gebote geschrieben hat. Deshalb sind auch alle Theorien, dass Israel sich Rechtsgrundlagen und -bestimmungen von Nachbarvölkern ausgeliehen haben soll, zu verwerfen.

Man kann die Zehn Gebote in zwei Hauptkategorien unterteilen: die Vertikale – die Beziehung zwischen den Menschen und Gott (20,2-11); und die Horizontale – die zwischenmenschlichen Beziehungen (20,12-17). Die Zehn Gebote gewähren echte und saubere Theologie, aufrichtige Anbetung und bieten idealen Schutz für den Namen Gottes, den Sabbat, die Familienehre, das Leben selbst, die Ehe, Eigentum, die Wahrheit und jede Form von Tugend.

Kurzstudium zum 2. Buch Mose/einige Fragen

  • Welches sind die Höhepunkte in Moses jungen Jahren?
  • Welche verschiedenen Mittel setzte Gott im 2. Buch Mose ein, um sich selbst zu offenbaren?
  • Welche zehn Plagen haben Ägypten heimgesucht?
  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Plagen und den Göttern Ägyptens?
  • Wie können wir anhand des Gesetzes, das in den Zehn Geboten zusammengefasst ist, erkennen, dass wir Gottes Hilfe nötig haben?
  • Welche der Zehn Gebote bestimmen unsere Beziehung zu Gott, und welche unsere Beziehung zu den Mitmenschen?

Fortsetzung: 3. Mose (Levitikus)

Autor: John MacArthur
Quelle: Basisinformationen zur Bibel

Die göttliche Autorität des Alten Testaments

Was zunächst das Alte Testament betrifft, so ist zunächst noch einmal daran zu erinnern, daß dessen Zeugnis in der Urkirche nicht nur in fester Schriftform vorlag (»es steht geschrieben«; Mose oder einer der Propheten »haben geschrieben«), sondern daß es eigentlich der »heilige« Gott selbst ist, der in dem von Menschen »Geschriebenen« zu Wort kommt. Weil Gott heilig ist, gelten die Schriften als »heilig« (Röm 1,2). Was sie »lehren«, gilt uns, »damit wir durch die Geduld und durch die Tröstung (die Gott uns in ihnen zuspricht) an der Hoffnung festhalten« (Röm 15,4). Daß alle Schriften prophetisch auf Christus verweisen (Lk 24,27), dient »uns« Christen zur Bekräftigung unseres Glaubens an den Messias Jesus als Gottes Sohn, in dem Gott das seinem Volk zugedachte Heil vollendet hat. Jede zitierte Schriftstelle ist insofern als Christuszeugnis immer auch Zeugnis des heilsgeschichtlichen Handelns Gottes in der Geschichte Israels, seines wirkkräftigen »Redens« einst zu den Vätern und jetzt zu uns (Hebr 1,1f.). Darum ist die Schrift von göttlicher Autorität, so daß Paulus im Streit um die jeweils höchste Autorität von Menschen in der Gemeinde von Korinth die Grundregel aktuell zur Geltung bringt: »nicht über das hinaus, was geschrieben steht!« 1Kor 4,6).
Ulrich Wilckens Die Autorität des Alten Testaments (Theologie des Neuen Testaments, 2014, Bd. 2, S. 61)

„Es ist vollbracht.“

tetelestai – das letzte Wort Jesu nach Joh. 19,30. Auf Deutsch nach Luther: „Es ist vollbracht.“ Aber es ist viel mehr als das. Im griech. Wort steckt „telos“, das Ziel, das Ende. tetelestai: etwas ist zu seinem Ziel gekommen, etwas ist vollendet. Zum Ziel gekommen und vollendet ist der große Heilsplan, der in Gen 3,15 zum ersten Mal angekündigt wurde: „er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen“. Irgendwann würde dieser Plan vollendet und zu seinem Ziel gekommen, irgendwann würde der Tod, der Teufel und die Sünde besiegt werden. Mit dem letzten Atemzug des Sohnes Gottes am Kreuz auf Golgatha kam dieser Plan zu seinem Ziel. Es ist vollbracht.