Weisheit: Die wahre Furcht des Herrn kennen

Eine Wahrheit, die in der Schrift deutlich gelehrt wird und sich in der persönlichen Erfahrung zahlloser heiliger Männer und Frauen aller Jahrhunderte bestätigt findet, kann man in dem folgenden religiösen Axiom zusammenfassen: »Niemand kann die wahre Gnade Gottes kennen, der nicht zuvor die Furcht vor Gott erfahren hat!« Das erste Mal verkündet Gott seine Erlösungsabsichten einem Mann und einer Frau, die sich in tödlichem Schrecken vor der Gegenwart des Herrn verbergen. Das Gesetz Gottes wurde einem Mann gegeben, der mitten in Feuer und Rauch vor Furcht bebte und vor der Stimme des Donners und der göttlichen Posaunen zitterte. Sogar die berühmte Ankündigung: »Friede auf Erden in den Menschen des Wohlgefallens«, wurde Hirten zuteil, die sich »fürchteten mit großer Furcht«, wegen der überwältigenden Gegenwart der himmlischen Heerscharen. Die Gegenwart des Göttlichen brachte immer Furcht über die Herzen sündiger Menschen – einen Schrecken, der nichts mit der Furcht vor körperlichem Schaden zu tun hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendetwas bleibend Gutes von religiösen Aktivitäten kommen kann, die nicht in dieser kreatürlichen Furcht gewurzelt sind. Das Tier in uns ist sehr stark und überaus selbstsicher. Bevor es sich nicht geschlagen gibt, wird Gott sich dem Auge des Glaubens nicht zu erkennen geben. Es ist traurig, aber wahr: Die Liebe Gottes berührt ein fleischliches Herz überhaupt nicht – wenn aber doch, dann reagiert es feindlich. Das Wissen um Gottes Liebe allein bestätigt uns nur in unserer Selbstgerechtigkeit!
Autor: Aiden Wilson Tozer

Zwei Lebenswege & ihr Reiseziel (Psalm 1)

Psalm 1 beschreibt zwei Lebenswege und ihr Reiseziel:

Glücklich zu preisen ist, wer nicht dem Rat gottloser Menschen folgt,
wer nicht denselben Weg geht wie jene, die Gott ablehnen,
wer keinen Umgang mit den Spöttern pflegt.

Glücklich zu preisen ist, wer Verlangen hat nach dem Gesetz des HERRN
und darüber nachdenkt Tag und Nacht.

Er gleicht einem Baum, der zwischen Wasserläufen gepflanzt wurde:
zur Erntezeit trägt er Früchte,
und seine Blätter verwelken nicht.
Was ein solcher Mensch unternimmt, das gelingt.

Ganz anders ist es bei den Gottlosen:
Sie gleichen der Spreu, die der Wind wegweht.
Darum können sie auch nicht bestehen, wenn Gott Gericht hält.
Wer Gott ablehnt, hat keinen Platz in der Gemeinde derer, die nach seinem Willen leben!

Der HERR wacht schützend über dem Weg der Menschen, die seinen Willen tun.
Der Weg aber, den die Gottlosen gehen, führt ins Verderben.

Psalm 1 nach der Neuen Genfer Übersetzung

1. Kurze Erklärung

In Psalm 1 werden verschiedenste Lebensweisen auf zwei mögliche Wege heruntergebrochen und gegenübergestellt (1,1-2):

  1. Die Lebensweise der Menschen, die Freude an Gottes Wort haben und darüber nachdenken, ist zu beglückwünschen. Sie werden als Gerechte bezeichnet. Sie leben in Beziehung zu Gott und tun seinen Willen!
  2. Die andere Lebensweise wird beschrieben als Hören auf den Rat gottloser Menschen, Beispiel nehmen an Sündern und als Umgang mit Spöttern. Diese Gruppe von Menschen wird deshalb auch „Gottlose“ und „Sünder“ genannt.

Die Auswirkungen der beiden Lebenswege werden mit einem fruchtbaren Baum an einer Wasserquelle und der verschwindenden Spreu veranschaulicht (1,3-4). Zuletzt hat die eine Gruppe ihren Platz in Gottes Gemeinschaft und die andere wird verurteilt und muss zugrunde gehen (1,5-6).

2. Hintergründe und Lehren zu den zwei Lebenswegen

Elementare biblische Lehren, auf denen der Psalm gründet und die durch diesen Psalm unterstützt werden, sind:

  1. Zur Bewertung unseres Lebens gibt es unabhängig von Faktoren, die für uns Menschen entscheidend scheinen (wie z. B. Familie, Erfolg & Wohlstand), in Gottes Perspektive nur zwei Lebenswege: Den Weg der Gottlosen und Sünder und den Weg der Gerechten und zu Gott Gehörenden. Vergleiche Matthäus 7,13-14; Offenbarung 20,11-15.
  2. Welchen Lebensweg wir gehen, hängt letztlich von unserer Gottesbeziehung ab, die sich an unserem Umgang mit Gottes Wort zeigt. Vergleiche Josua 1,7-8; Psalm 19,7; Jesaja 55; Römer 10,14-17
  3. Kein Mensch kann unabhängig von Gottes Gnade den Weg der Gerechten gehen bzw. im Gericht Gottes bestehen. Von Natur aus hören wir eher auf den Rat von Gottlosen, gehen den Weg der Sünder und haben Gemeinschaft mit Spöttern. Vergleiche Psalm 15; Römer 2,1-3,20.
  4. Es gibt ein letztes Gericht Gottes, das so manchen „Erfolg“ entlarven wird und in dem Gott sich zu den Seinen stellen wird. Vergleiche Matthäus 7,21-23

Jesus hat seine Jünger gelehrt, die Psalme auf ihn zu beziehen und Ihn in ihnen zu suchen (Lukas 24,27+44):

Jesus ist der einzige, der den in Psalm 1 beschriebenen Weg der Gerechten vollkommen gegangen ist. Sein Leben war das eines fruchtbaren Baumes an der Quelle, das im Gericht Gottes Bestand hatte. Deshalb ist Jesus auch der Einzige, der uns durch seine Gerechtigkeit auf diesen richtigen Weg bringen kann. Die Erkenntnis seiner Liebe führt zur Liebe zu Gott und seinem Wort. Jesus ist dieser Weg zu Gott (Johannes 14,6; Hebräer 10,20) und deshalb unsere einzige Hoffnung!

3. Anwendungsfragen

Hilfreiche Fragen, die wir uns selbstkritisch stellen sollten, sind:

  1. Woran messe und bewerte ich mein Leben? Was ist mir das Wichtigste? Weiß ich um Gottes Perspektive, woran er mein Leben beurteilt? Wie halte ich mir vor Augen, worauf es im Leben wirklich ankommt?
  2. Worauf höre ich und woran orientiere ich mich? An Gottes Wort, seiner Weisheit und seinem Willen, oder an Menschen, ihrer Weisheit und meinem oder ihrem Willen? Welche Rolle spielen das Bibellesen, Auswendiglernen und darüber Nachdenken in deinem Leben? Wer sind die 5 einflussreichsten Personen in meinem Leben und wie beeinflussen sie mich?
  3. Wie sieht ein fruchtbares Leben und im Gegensatz dazu ein sinnloses Leben aus? Kenne und fühle ich die Konsequenzen und Endstationen der unterschiedlichen Lebenswege? Was bleibt von meinem Leben übrig?
  4. Wer oder was bringt uns von dem einen auf den anderen Lebensweg? Was verändert unser Leben tatsächlich so ausschlaggebend? Ist Jesus unser Leben und Weg, derjenige dem wir vertrauen und nachfolgen?

4. Nur zwei Lebenswege? Eure Gedanken und Fragen

So ein Blog wie dieser, bietet weiter unten die Möglichkeit eigene Gedanken und Fragen zum Artikelthema zu schreiben. Ich freue mich auf eure Kommentare!

Wenn unsere Väter eine Chronik schrieben, dann setzten sie vor die Jahreszahl ein „Anno Domini”.

Wenn unsere Väter eine Chronik schrieben, dann setzten sie vor die Jahreszahl ein „Anno Domini”. Das heißt auf Deutsch: „Im Jahre des Herrn.” Sie nannten ihre Jahre „Gottesjahre”.

Nun bricht das neue Gottesjahr an. Lasst uns dafür sorgen, dass es wirklich ein Gottesjahr wird. Das Psalmwort spricht von unseren Augen. Ja, wohin sind unsere Augen gerichtet beim Beginn des neuen Jahres?

Der Weltmensch schaut ängstlich oder trotzig in das Dunkel, das seinen Weg verhüllt. Da sind die Augen nach vorwärts gerichtet. Und dann sind da die Alten. Deren Augen schauen zurück. Sie kramen in Erinnerungen. Und sie sind sehr einsam darin.

Was tun unsere Augen? „Ich hebe meine Augen auf.”  Die Christen schauen aufwärts, zu ewigen Höhen. Sie richten ihren Blick auf den, der in Jesus ihr lieber, gnädiger Vater ist.

In diesem Psalmwort ist alles gesagt, was über das neue Jahr zu sagen ist. Da kommt das Wörtlein „Hilfe” vor. O gewiss, so wird es sein, dass wir Hilfe brauchen. Es wird gehen „durch Angst und Plagen”, durch Anfechtung, Not und Versuchung. Aber das andere ist eben auch da, dass wir unsere Augen aufheben dürfen zu dem Herrn. Und ob wir das tun, davon hängt es ab, ob das neue Jahr für uns ein „Gottesjahr” wird. Amen.

Pastor Wilhelm Busch

„Weltrettung für Fortgeschrittene“

– Weltrettung ist eine ernste Angelegenheit!
– Eine Aufgabe für mutige, verwegene Männer
– Und zu allem entschlossene Frauen.
– Eine Aufgabe für Superhelden
– Und für Esel!
– Ja, ihr habt richtig gelesen!
– Gott braucht für seine Weltrettung vor allem Esel.
– Genau solche Esel, über die Sie und ich täglich stöhnen, denen wir lieber aus dem Weg gehen, mit denen kein Staat zu machen ist.
– Auf dem Rücken dieser Esel und vor ihren Augen entfaltet Gott das ganz große Szenario von Katastrophe, Untergang und Weltrettung.
– Beim ersten Auftritt eines Esels in Gottes Rettungsplan sind Katastrophe und Untergang in den Köpfen der Menschen allgegenwärtig. Die Zerstörung Jerusalems ist ein Trauma in der Erinnerung und in den Herzen der Menschen. Zwar leben sie nun wieder in Jerusalem und auch der Tempel ist wieder aufgebaut, aber nun werden sie von anderen Fremdherrschern regiert, sind nicht frei, fühlen sich gedemütigt und erniedrigt.
– Noch immer ist für sie die Katastrophe Jerusalems damals nicht begreifbar. War sie eine Strafe Gottes, oder sogar eine Niederlage Gottes?
– In diese Zweifel hinein schreibt Sacharja:
– Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.
– Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

»Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann noch Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.« Galater 3,28

Bei einem Vers wie diesem ist es ungeheuer wichtig, genau zu wissen, was damit gemeint und was nicht damit gemeint ist. Sonst werden wir unversehens ganz eigenartige Meinungen vertreten, die dem Rest der Heiligen Schrift Gewalt antun und ebenso den Tatsachen dieses Lebens.

Das Schlüsselwort in diesem Vers finden wir in den Worten »in Christus Jesus«. Hier wird unsere Stellung beschrieben, das heißt das, was wir in der Sicht Gottes sind. Hier geht es nicht um unser alltägliches Leben, um das, was wir selbst sind oder was wir in der Gesellschaft darstellen, in der wir leben.

Der Vers sagt dann also, daß es, was die Stellung vor Gott angeht, weder Jude noch Grieche gibt. Sowohl der gläubige Jude als auch der gläubige Nichtjude sind in Christus Jesus, und daher stehen sie beide vor Gott in einer Position der absoluten Gnade. Keiner hat einen Vorteil vor dem anderen. Das heißt aber nicht, daß körperliche Unterschiede oder Verschiedenheiten im Temperament einfach abgeschafft wären.

In Christus gibt es weder Sklaven noch Freie. Der Sklave ist durch die Person und das Werk Jesu genauso bei Gott angenommen wie der freie Mann. Und doch bleiben im täglichen Leben die sozialen Unterschiede bestehen.

Es gibt auch weder Mann noch Frau in Christus Jesus. Eine gläubige Frau ist vollkommen in Christi Augen, angenommen bei dem Geliebten, gerechtfertigt aus freier Gnade – ganz genauso wie ein gläubiger Mann. Sie hat genauso wie er den freien Zugang zur Gegenwart Gottes.

Doch dieser Vers darf nicht gewaltsam auch auf das tägliche Leben bezogen werden. Die sexuelle Unterscheidung bleibt – es gibt Männer und Frauen. Die sich daraus ergebenden Rollen bleiben bestehen – Vater und Mutter. Die von Gott bestimmten Stellungen der Autorität und der Unterordnung bleiben – der Mann hat den Platz des Hauptes in der Familie zugewiesen bekommen und die Frau den der Unterordnung unter die Autorität des Mannes. Das Neue Testament unterscheidet auch besondere Dienste des Mannes und der Frau in der Gemeinde (s. 1. Timotheus 2,8-12, 1. Korinther 14,34.35). Diejenigen, die argumentieren, daß es doch in der Gemeinde keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen geben dürfe, sind gezwungen, die eben genannten Bibelverse umzudeuten, Paulus unwürdige Motive zu unterschieben oder sogar seine Inspiration durch den Heiligen Geist an dieser Stelle in Frage zu stellen.

Man muß hier folgendes verstehen: Was die Stellung vor Gott anbetrifft, sind die rassischen, sozialen und sexuellen Unterschiede abgeschafft; aber im täglichen Leben sind sie nicht aufgehoben. Man sollte auch einsehen, daß diese Unterscheidungen nichts mit Minderwertigkeit zu tun haben. Der Heide, der Sklave, die Frau sind nicht weniger wert als der Jude, der Freie oder der Mann. In vieler Hinsicht können sie ihnen sogar überlegen sein. Anstatt zu versuchen, die Ordnung Gottes in seiner Schöpfung und Vorhersehung umzuschreiben, sollte man diese Ordnung vielmehr annehmen und sich daran freuen.
W.MacDonald https://clv.de/andachten/v05986.htm

„Buße tun“?

„Buße tun“? Buße tun bedeutet, dass ich mein Denken ändere über Sünde, über mich selbst, über Gott und über Christus. Das ändert meine ganze Einstellung und damit auch meine Handlungen. Buße betrifft nicht nur den Verstand, sondern auch das Gewissen. Es ist das Eingeständnis des Sünders, dass er gottlos, verloren, hilflos und hoffnungslos ist und Gottes Gnade nötig hat. Es ist eine Umkehr von 180 Grad. Es bedeutet, dass ich mich auf Gottes Seite stelle, Gott Recht gebe und mich selbst verurteile. Es beinhaltet auch Reue, das heißt, Schmerz darüber, dass ich gesündigt habe. Aber es ist mehr als nur das. Denn manchmal tut es einem leid, dass man gesündigt hat, aber man hört nicht auf.William MacDonald

„Im Canyon – Fünf Tage und Nächte bis zur schwierigsten Entscheidung meines Lebens“ von Aron Ralston.

„Im Canyon – Fünf Tage und Nächte bis zur schwierigsten Entscheidung meines Lebens“ von Aron Ralston.

Der Arm des Abenteurers Ralston wird von einem Felsen in einer engen Schlucht getroffen, er steckt fest. Weit und breit keine Menschenseele die im helfen könnte. Nach fünf Tagen Ausharren muss er eine Entscheidung treffen: Sterben mit Arm oder den Arm amputieren um eine geringe Überlebenschance zu wahren. Die Geschichte erinnert unmittelbar an folgenden  Vers:„Wenn aber deine Hand oder dein Fuß für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Es ist besser für dich, daß du lahm oder verstümmelt in das Leben eingehst, als daß du zwei Hände oder zwei Füße hast und in das ewige Feuer geworfen wirst.“ (Mt 18,8) Für Ralston stand das irdische Leben auf dem Spiel und er hat sich seinen Arm bei vollen Bewusstsein (mit einem stumpfen Messer) abgetrennt. Wie weit gehen wir, wenn es um unser ewiges Heil geht?

„Das Kreuz: Zentrum des christlichen Glaubens“

Wir müssen an der biblischen Offenbarung des lebendigen Gottes festhalten, der das Böse hasst, von ihm angewidert und erzürnt ist und sich weigert, sich jemals damit abzufinden.
Doch dem modernen Menschen sind diese Gedanken fremd. Die Art von Gott, die den meisten Menschen heute genehm wäre, würde unsere Übertretungen gelassen tolerieren. Er wäre sanft, freundlich, entgegenkommend und hätte keinerlei heftige Reaktion. Unglücklicherweise scheinen wir selbst in der Kirche die Vision der Majestät Gottes verloren zu haben. Es gibt viel Seichtigkeit und Leichtfertigkeit unter uns. Propheten und Psalmisten würden wahrscheinlich sagen: „Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.“ In den öffentlichen Gottesdiensten haben wir uns angewöhnt, uns auf unseren Stühlen zu lümmeln oder zu kauern; wir knien heutzutage nicht mehr nieder, geschweige denn, dass wir uns in Demut vor Gott niederwerfen. Es ist eher typisch für uns, dass wir vor Freude in die Hände klatschen, als dass wir vor Scham oder Tränen rot werden. Wir schlendern zu Gott hin und nehmen seine Gunst und Freundschaft in Anspruch; dass er uns fortschicken könnte, kommt uns gar nicht in den Sinn.
Wir haben es nötig, wieder auf die ernüchternden Worte des Apostels Petrus zu hören: „Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person nach eines jeden Werk richtet, so wandelt die Zeit … in Furcht!“ (1.Petr.1,17) Mit anderen Worten, wenn wir es wagen, unseren Richter „Vater“ zu nennen, müssen wir uns davor hüten, ihm anmaßend entgegenzutreten. Es muss sogar gesagt werden, dass unser evangelikales Schwergewicht auf der Sühne gefährlich ist, wenn wir zu schnell dorthin kommen. Erst, nachdem wir Gottes Unnahbarkeit für Sünder erkannt haben, lernen wir den Zugang zu Gott zu schätzen, den Christus uns eröffnet hat. „Halleluja“ können wir aufrichtig erst dann rufen, wenn wir zuerst „Wehe mir, denn ich bin verloren“ gerufen haben.
„Nur wer die Größe des Zornes kennt, [wird] von der Größe des Erbarmens überwältigt.“
Aus John Stott: „Das Kreuz – Zentrum des christlichen Glaubens“

«Früher war alles besser»

Sprüche 7,10: Frage nicht: „Warum war früher alles besser als heute?“ Damit verrätst du nur, dass du das Leben noch nicht kennst.

War früher alles besser? Schauen wir uns einige Fakten an:

  • Oft höre ich die Klage: Alles wird teurer! In Bezug auf Nahrungsmittel stimmt diese Aussage nicht. Heute geben wir etwa 11% unseres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Vor 100 Jahren waren das über 50%.
  • Manche schimpfen über faule, freche und undisziplinierte Jugendliche. Auf einer Keilschrift aus Ur vor über 4000 Jahren steht: „Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“ Hört sich das irgendwie vertraut an?
  • ‚Abzockerei‘ ein Thema, das in der vergangenen nationalen Abstimmung die Gemüter erregte. Wir empören uns über Manager, die 500 Mal mehr verdienen als einfache Angestellte. Ich bin keinesfalls für solche Missstände, aber es ist kein neues Phänomen. Pilatus, der römische Stadthalter zur Zeit von Jesus erhielt ein Jahresgehalt von 75‘000 Denaren. Das ist das 300-fache eines Legionärs. Cicero, ein römischer Anwalt und Politiker, brachte es auf 150‘000 Denare.
  • Wir beschweren uns über unsere Gesellschaft, deren Religion Sex, Geld und Macht sein soll. Waren die Umstände vor 2000 Jahren wirklich besser, als Jesus Christus seinen Fuss auf die Erde setzte? War die Situation der ersten Christen wirklich besser? Sie verkündeten die Gute Nachricht von Jesus Christus in einer heidnischen Bevölkerung. Sie mussten mit Verleumdung, Verfolgung, Gefängnis, Folter und Tod rechnen. In der Bibel können wir sehen, dass die Gesellschaft von damals keineswegs moralischer war als heute und auch die Gemeinde in Korinth damit zu kämpfen hatte. Auch sie waren Kinder ihrer Zeit.

Unsere Voraussetzungen und Zustände mögen um und in uns wirklich bedenklich sein. Sie sind aber nicht besser oder schlechter als zu anderen Zeiten. Der Mensch ändert sich nicht wesentlich. Er kämpft mit seinen Bedürfnissen und Lebensumständen. Die Frage ist wohl die, wie wir uns in der Situation, in der wir stehen, verhalten.

Klagen wir und wünschen uns das Früher zurück, in dem nur scheinbar alles besser war? Ich glaube, das hilft für die Gegenwart nicht wirklich weiter.

In der „Stillen Zeit“ eröffnete Gott eine neue Blickrichtung, die mir Mut und Hoffnung gibt für den Alltag. Eine Blickrichtung, die aus dem Klagen und Verharren in der Ohnmacht reisst. Eine Blickrichtung, die glauben lässt, dass Veränderung möglich ist. Wer möchte es wissen, was eine neue Sicht verschafft?
1. Mose 18,14: Ist für den Herrn irgendetwas unmöglich? Nächstes Jahr um die verabredete Zeit komme ich wieder, dann hat Sara einen Sohn.
Eine fast 100-jährige Frau, die ihr ganzes Leben unfruchtbar war, bekommt einen Sohn! Gott, für den nichts unmöglich ist, den möchte ich ins Visier nehmen und nicht vergangenen Zeiten nachtrauern.
Mit Gott ist auch heute nichts unmöglich! Es gibt Hoffnung für die Gegenwart!

Von der Wirksamkeit von Gebeten

Von der Wirksamkeit von Gebeten

Beten heisst bitten. Es gehört zum Wesen einer Bitte, dass sie erfüllt werden kann oder auch nicht. … Ausnahmsloser “Erfolg” der Gebete bewiese die christliche Lehre keineswegs. Er bewiese viel eher etwas wie Magie – eine Macht gewisser Menschen, den Lauf der Natur zu beeinflussen und in eine Richtung zu zwingen.

Das Gebet im Sinne einer Bitte um etwas bildet nur einen kleinen Teil des Gebetes überhaupt; Bekenntnis und Busse sind seine Schwelle, Anbetung sein Heiligtum, Gegenwart, Schau und Genuss Gottes sein Brot und Wein. In ihm zeigt sich uns Gott. Dass er Gebete erhört, ist eine Folge – und nicht unbedingt die wichtigste – dieser Offenbarung. Was er tut, erfährt man aus dem, was er ist.

Das Gebet ist keine Maschine. Es ist keine Magie, es ist kein Rat, der Gott gegeben würde. Wenn wir beten, darf unser Tun – sowenig wie all unser übriges Handeln – nie aus der anhaltenden Tat Gottes selbst herausgelöst werden; alle endlichen Ursachen wirken einzig in ihr.

Aus: C. S. Lewis. Die letzte Nacht der Welt. Brunnen Verlag: Giessen 1995.