Warum ich kein Atheist bin

Thesenpapier von Prof. Dr. Helmut Brückner
Objektive Gründe
(1) Frage nach dem Ursprung und dem Funktionieren unserer Welt
Ursprung des Universums
Warum ist etwas und nicht vielmehr nichts? Die Frage nach dem Ursprung des Universums führt letztendlich auf die Frage nach dem Uratom bzw. der ersten Singularität. Sie ist im Grunde nur axiomatisch beantwortbar. Von den Alternativen — (a) es gibt einen Schöpfer; (b) die Materie ist ewig; (c) wir können es nicht wissen — ist die des Schöpfers die beste (gegen b: es gibt Anti-Materie; gegen c: unbefriedigend).
Mathematische Beschreibbarkeit unserer Welt
Warum gibt es Naturgesetze? Warum gilt E = mc2? „Wer bläst den Gleichungen Odem ein und erschafft ihnen ein Universum, das sie beschreiben?” (Stephen Hawking).
Ursprung der Information
Jede Information braucht eine Quelle, einen Sender. Der genetische Code verweist auf einen Codierer (Programmierer). Es ist sinnvoll, Gott als Quelle der Urinformation anzunehmen.
Anthropisches Prinzip
Die Feinabstimmung des Universums mit der Gültigkeit der sog. Naturkonstanten und der physikalischen Gesetze ist ein Hinweis auf Planung.
(2) Frage nach der Wirklichkeit
Rationalismus kann nicht das oberste Prinzip sein
Der Rationalismus reduziert die Wirklichkeit unzulässig auf nur einen Teilbereich. Mit Ratio als alleinigem Werkzeug sind die Bereiche (Dimensionen, Sphären) der Liebe, Schönheit, Ästhetik und Kunst nur ungenügend erfassbar.
Transzendenz
„Wirklichkeit ist, was wirkt“ (Heidegger). Man kann die Wirklichkeit in all ihren Erscheinungsformen, Ausprägungen, Facetten besser verstehen, wenn man einbezieht, dass es Transzendenz (Bereichejenseits des Erkenntnishorizontes) gibt. So sind z.B. auch Wunder und parapsychologische Phänomene integrierbar.
Wahrheit vs. Wahrscheinlichkeit
Die Naturwissenschaften arbeiten experimentell nach dem Prinzip der Induktion. Daher sind ihre Aussagen mehr oder weniger wahrscheinlich. Bei Wahrheit handelt es sich um eine andere Kategorie, die damit nicht erfassbar ist. Die Geschichte der Naturwissenschaften lehrt Bescheidenheit. „Der nächste Einstein kommt bestimmt.“
(3) Frage nach der Ethik
Wertemaßstab
„Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt“ (Dostojewski). Die Notwendigkeit der friedlichen Koexistenz aller Menschen auf dieser Erde erfordert ein Wertesystem, einen ethischen Kodex [? Dekalog (10 Gebote)].
Faszination Jesus von Nazareth
Jesus lebte in der Gewissheit, dass Gott sein Vater war. In ihm wird das, was wir als 4D-begrenzte Menschen von Gott wissen können, am umfassendsten offenbar [„In ihm hat die ganze Fülle der Wirklichkeit Gottes körperliche Gestalt angenommen und wohnt in ihm.“ (Kolosserbrief 2,9; Bibelübersetzung: Das Buch)]. Er verkörpert sozusagen die Spitze der Erkenntnispyramide. Das von ihm geforderte und selbst gelebte Gebot der Feindesliebe markiert das ethisch-moralisch höchste Niveau (vgl. Bergpredigt: Matthausevangelium, Kap. 5-7).
(4) Suche nach den Spuren Gottes in unserer Welt
Spuren in der Ethnologie
Die meisten Völker dieser Welt haben ein Wissen um einen (Schöpfer-) Gott.
Spuren in der Archäologie
Viele Funde und Befunde belegen die historische Glaubwürdigkeit der Bibel (Existenz der Hethiter, Hiskia-Tunnel, Qumran-Funde etc.).
Subjektive Gründe
(1) Vorbilder
Jeder Mensch braucht Vorbilder. Die Vorbilder, die den christlichen Glauben lebten und leben, laden zur Nachfolge Jesu Christi ein: Mutter Teresa, Elisabeth von Thüringen, Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, August Hermann Francke, Hildegard von Bingen, Albert Schweizer, Edith Stein, Dietrich Bonhoeffer…
(2) Erfahrung
Persönliche Erfahrung von Gottes Existenz im Wort Gottes, im existenziellen Angesprochensein von einzelnen Bibelstellen, in der Begegnung mit anderen Menschen, in bestimmten Lebenssituationen, im Leid, im Gottesdienst, im Alltag…
(3) Christsein als umfassendes Lebenskonzept
Orientierung an Jesus Christus als Gott und Herrn des Lebens; tragfähiges Fundament für Zeit und Ewigkeit; Geist Gottes als Quelle der Offenbarung und Inspiration; Zugehörigkeit zur weltweiten Gemeinschaft der Christen…
Denkzettel:
„Wir alle müssen uns für Grundannahmen entscheiden, von denen wir ausgehen. Dafür stehen nicht viele Optionen zur Verfügung — eigentlich nur zwei. Entweder verdankt die menschliche Intelligenz ihren Ursprung geistloser Materie, oder es gibt einen Schöpfer. Es befremdet, wenn einige behaupten, dass ihre Intelligenz sie dazu bringt, Ersteres dem Zweiten vorzuziehen“ (Lennox, 2009: S. 295).
Literaturhinweise
Institut für Glaube und Wissenschaft: www.iguw.de
Lennox, J. (2009): Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen. — 327 S., SCM R. Brockhaus, Witten.
Lütz, M. (2007): Gott – eine kleine Geschichte des Größten. — 320 S., Pattloch Sachbuch.
McGrath, A. (2007): Der Atheismus-Wahn. Eine Antwort auf Richard Dawkins und den atheistischen Fundamentalismus. — 149 S., Gerth Medien, Asslar.
Werner, R. (2005) Christ werden – Mensch sein. — 64 S., Francke-Buchhandlung, Marburg. Werner, R. (2006): Zehn gute Gründe, Christ zu sein. — 96 S., 8. Auflage, Aussaat Verlag.
Werner, R. (2006): Zehn gute Gründe, Christ zu sein. – 96 S., 8. Auflage, Aussaat Verlag.

https://www.charisma-magazin.eu/helmut_bruckner_-_warum_ich_kein_atheist_bin.html

Was Ex-Christen Nicht Sagen

„Wenn Menschen weg vom christlichem Glauben wandern, werden einige Gründe dafür häufig zitiert. Sie kommen oft von der fehlenden Bereitschaft sich an der Autorität der Bibel trotz lauter Kritik von der zunehmend säkularen Welt zu halten. In manchen Fällen fehlt diese Bereitschaft wegen Fragen der Moralität, in anderen wegen Fragen der Naturwissenschaft, oder in anderen wegen dem Widerstand von institutioneller Autorität.  

Aber eins höre ich niemanden sagen, der vom Glauben abfällt. Und das soll uns aufmerksam machen. Sie sagen recht wenig über Jesus.  

Wir hören nicht, dass diese Menschen sagen:
– Jesus ist unehrenhaft gewesen
– Jesus ist untreu gewesen
– Jesus hat uns betrogen
– Jesus ist nicht gut gewesen
– Jesus hat nicht selbstaufopfernd gedient
– Jesus hat’s nicht gegeben
– Jesus hat unsere Vorstellungskraft nicht gefesselt
– Jesus hat uns im Stich gelassen
– Jesus ist nicht das gewesen, wonach wir uns zutiefst gesehnt haben.  

Um ehrlich zu sein, Menschen, die vom Glauben abwandern, sprechen danach selten über Jesus. Er wird weder angeklagt, noch als Enttäuschung enthüllt. Vielleicht reden sie über die Kirche. Oder sie zucken bei der Lehre der Bibel zusammen. Oder vielleicht sprechen sie über ihre persönliche Reise. Aber Jesus? 

Jesus bleibt so wie Er vor Pilatus gewesen ist. Obwohl Jesus zentral zu der ganzen Diskussion ist, schauen die Menschen anscheinend an ihn vorbei. Wie Pilatus waschen sie sich die Hände, und durch ihr Schweigen über ihn, fügen hinzu, „Ich finde keine Schuld an diesem Menschen!“ (Luk 23:4). 

Diese Bemerkungen sind gar nicht übel gemeint. Ich empfinde tiefes Mitgefühl für die, die abgewandert sind. Christ zu sein ist ja schwer genug. Das Christsein vorzutäuschen muss unerträglich qualvoll sein. Sondern ich schreibe das hier als Warnung für bekennende Christen, dass wir „Jesus betrachten“ (Heb 3:1). 

Nach mehreren geistlichen Autopsien von Menschen, die von Christus weggegangen sind, ist mir eine Gemeinsamkeit aufgefallen. Der Weg zum Glaubensabfall ist mit Gleichgültigkeit gegenüber Christi Herrlichkeit gepflastert. Alle Christen sollen sich gegen diesen Abfall wehren, indem sie Christi Herrlichkeit sorgfältig studieren…“  Erik Raymond
http://mehrerekanonen.blogspot.com/2019/09/was-ex-christen-nicht-sagen.html

Atheismus: 5 Gründe, warum ich kein Atheist bin

Gibt’s das? Man stelle sich vor: Ein Atheist, ein Philosoph und ein Theologe sind zusammen in einen dunklen Raum gesperrt. Sie sollen eine schwarze Katze finden. Der Atheist sucht erst gar nicht. Für ihn steht fest: Es gibt keine schwarze Katze in diesem Raum. Der Philosoph tappt unsicher im Dunkeln herum, um die Katze zu suchen, die durchaus da sein könnte. Der Theologe schreit: „Ich hab sie!“ Es ist aber nur eine Behauptung. – Die Frage ist, ob sich die schwarze Katze tatsächlich im Raum befindet. Gibt es die Katze und kann man sie wirklich finden?

Ganz schön konsequent!

Eigentlich sind Atheisten konsequente Menschen. Sie schlussfolgern aus dem, wie sie die Wirklichkeit erleben, dass es keinen Gott geben kann. Schließlich kann man Gott nicht sehen, ja, man kann sich ihn nicht einmal vorstellen. Wenn man wirklich mal einen Gott braucht, so hilft er nicht. Man spürt ihn nicht. Man kann ihn nicht beweisen. Alle philosophischen Gottesbeweise gelten als widerlegt. Die vernünftige Konsequenz lautet: Es gibt ihn nicht. Basta! Von daher finde ich Atheisten sympathisch. Nur was man sehen, messen, beweisen kann, ist real. „Und was ein Realist ist, der weiß, dass das, was ist, ist“, dichtet der Dichter. Das heißt umgekehrt, der Realist weiß auch, was nicht ist. Gott nämlich!

Und wie ist die Idee von Gott entstanden? Der Mensch hat einfach all seine Sehnsüchte, Hoffnungen und Fragen auf eine Fiktion projiziert, die er verehrt und von der er sich Hilfe und Sinnfindung erhofft. Das Christentum gibt dem Atheist recht – zumindest in der Problemanalyse, nicht in der Konsequenz. Gott kann man sich nicht vorstellen, weil er uns unendlich überlegen ist. Ein Gott, der in unseren Kopf passen würde, wäre kein Gott, sondern nur eine menschliche Idee von Gott. Wie kann der Ozean in eine Tasse passen? In der Bibel wird geschildert, wie Menschen die Erfahrung machen, dass kein Gott hört und hilft. Der Grund besteht aber nicht darin, dass es Gott nicht gibt, sondern darin, dass eine unüberwindliche Mauer der Entfremdung zwischen Gott und dem Menschen steht. Der Prophet Jesaja beschreibt das so: „Ihr meint wohl, der Herr sei zu schwach, um euch zu helfen, und dazu noch taub, sodass er eure Hilferufe gar nicht hört. O nein! Eure Schuld steht wie eine Mauer zwischen euch und eurem Gott.“

Eigentlich entstand der Atheismus aus der konsequenten Reflexion dieser Wirklichkeit. Das Christentum bleibt nicht bei dieser Wirklichkeit stehen. Es lädt den Menschen ein zu einem Weg, der ihm hilft, aus der Entfremdung des Menschen von sich selbst und von seinem Schöpfer zu Gott zu finden. Das Zentrum des christlichen Glaubens besteht darin, dass ein Mensch durch Jesus zur Erfahrung der Liebe Gottes finden kann. Wenn man heute in einer deutschen Großstadt Menschen auf der Straße fragen würde, was das Wichtigste am christlichen Glauben wäre, so wäre eine Antwort sicher der Spitzenreiter: „Nächstenliebe.“ Nächstenliebe ist gewiss sehr wichtig. Aber im Kern geht es darum, dass Menschen zu einer Vertrauensbeziehung mit ihrem Schöpfer finden.

Fünf Konsequenzen des Atheismus

Im Winter besuche ich immer ein Fitnessstudio. Während Gewichte gestemmt werden, kann man interessante Gespräche führen. Über die Boxen an der Decke läuft irgendein Berliner Popmusiksender. Eine kurze Nachricht über irgendetwas Kirchliches wird vermeldet. Ein älterer Herr in der Muckibude, der offensichtlich nicht wusste, dass ich Pfarrer bin, echauffierte sich über die Dummheit von Menschen, die sich auf Religion einlassen. Ich fragte ihn: „Sind Sie Atheist?“ Er bejahte diese Frage, nicht ohne einen gewissen Stolz. „Wie konnte Ihnen das passieren? Das ist ja furchtbar“, antwortete ich fröhlich besorgt. „Wissen Sie eigentlich, was Sie da sagen, wenn Sie sich als Atheist bezeichnen?“, wollte ich wissen. Er sah mich verdutzt an. Dann versuchte ich, ihm die Konsequenzen des Atheismus aufzuzeigen.

  1. Wenn es keinen Gott gibt, dann weiß der Mensch nicht, wer er wirklich ist, dass er geliebt und geschaffen ist. Er hält sich für einen Zufall.
  2. Der Mensch hätte kein letztes großes Ziel. Sein Leben wäre eine Reise ohne Ankunft. Wir glichen Kindern, die den Weg nach Hause nicht kennen. All unsere Hoffnungen und Erwartungen würden wir allein auf dieses Leben konzentrieren. Wir müssten aus ihm alles herausholen. Wir würden versuchen mitzunehmen, was sich uns bietet, und unsere Moral dem Lebensgenuss unterordnen. Eine unersättliche Lebensgier mit schrecklichen Folgen wäre das Ergebnis.
  3. Es gäbe keinen verlässlichen, absoluten Maßstab für Gut und Böse. Der Mensch wäre beliebig manipulierbar.
  4. Es gäbe keine letzte Rechenschaft, die der Mensch für die Früchte seines Lebens vor einem gerechten Gott ablegen müsste. Die Ausbeuter und Herrscher dieser Welt würden am Ende recht behalten und triumphieren. Menschen wie Martin Luther King oder Dietrich Bonhoeffer, die für das Gute gestorben sind, wären die großen Dummköpfe und Verlierer.
  5. Es gäbe keinen Gott, der die Herzensschreie von uns Menschen erhören würde. Der Mensch wäre in einem kalten und sinnlosen Universum völlig auf sich selbst gestellt. „Das finde ich alles so schrecklich“, fuhr ich fort, »dass ich mich aufgemacht habe, um die Wahrheit zu finden: ob es einen Gott gibt, ob er an mir interessiert ist und ob ich zu ihm finden kann.« Der Jünger des Unglaubens sah mich nur verdutzt an und meinte: „Sie sind wohl ein Profigläubiger?“ Ich hätte es toll gefunden, wenn wir ernsthaft ins Gespräch gekommen wären.

„Ein Atheist ist einer, der sich ein Bild macht und es verneint.“
Peter Horton (österreichischer Musiker und Autor)

Das Elend des Atheisten

Vor einigen Monaten: Vor mir saß ein verzweifelter, gebrochener Mann. Seine Frau war vor Kurzem gestorben. Von heute auf morgen. Eine strahlende Christin. Zwei Kinder im Schulalter hatten ihre Mutter verloren, ein Mann seine geliebte Frau. Wir weinten gemeinsam und verstanden Gott nicht. Warum lässt er so etwas zu? Was soll das? Ist Gott vertrauenswürdig? Und dann spielten wir die Frage durch: Wie könnte es weitergehen, wenn der so von Gott Enttäuschte seinen Glauben verliert und den Weg nun ohne geht, ohne Gott, ohne die Gemeinschaft der Kirche? Wie könnte ein Leben ohne Glauben aussehen? Was wäre, wenn es Gott nicht gäbe? Kann man nach so einem Schicksalsschlag überhaupt ein gläubiger Mensch bleiben? Was ist die Alternative zu Jesus? Wir entwarfen Szenarien eines künftigen Lebens ohne Glauben.

Das Fazit unserer atheistischen Fantasiereise war einfach nur deprimierend. Ich hörte die Worte des jungen Witwers: „Es gibt keine Alternative. Egal, was passiert ist, ohne Jesus ist alles noch viel schlimmer. Ohne Glaube gibt es für mich überhaupt keinen Sinn und kein Ziel.“ Der Entertainer, Journalist und TV-Moderator Robert Lembke (1913 – 1989) bemerkte treffend: „Atheist? Ein Mensch, der ohne unsichtbare Unterstützung auskommen muss.“


Alexander Garth ist evangelischer Theologe, Gründer der Jungen Kirche Berlin und seit 2017 Pfarrer an der Stadtkirche in Wittenberg.
Der Text oben ist ein gekürzter Abschnitt aus seinem Buch: Warum ich kein Atheist bin: Glaube für Skeptiker

Drei Arten von Atheisten

Ein deutscher Dichter unserer Tage berichtet, wie er einmal mit einigen jungen Leuten am gleichen Tisch saß, die sich über Gott und andere religiöse Fragen unterhielten. Sie bezeichneten sich selbst als Gottesleugner.

Als er eine Zeit lang ruhig zugehört hatte, sagte er endlich: „Meine Herren, es gibt drei Arten von Atheisten: Die einen sind tiefe Denker, die beim Studium der philosophischen Systeme alter und neuer Zeit auf Abwege geraten und endlich an Gott irre geworden sind. Ich weiß nicht, ob solche Studien Sie dahin gebracht haben.“ Sie verneinten schüchtern.

„Nun, die zweite Art bilden die, welche ohne jedes eigene Urteil, wie die Papageien, die Worte, die sie am meisten hören, nachplappern. Ich hoffe, dass Sie nicht zu diesen gehören.“ Sie verneinten mit lebhafter Entrüstung.

„Nun denn, die dritte Art besteht aus solchen, die kein gutes Gewissen haben, in deren Leben etwas faul ist, sodass sie wünschen müssen, dass es keinen Gott der Heiligkeit und Gerechtigkeit gibt. Darum trösten sie sich mit der Behauptung: ‚Nein, es gibt keinen Gott; sündige nur weiter nach Herzenslust!’ Meine Herren, eine vierte Art gibt es nicht…“ Und damit erhob er sich und ließ die Gottesleugner mit langen Gesichtern sitzen.

[Aus dem Buch „Anders als gedacht“. Dieses evangelitische Taschenbuch erschien beim CSV, Hückeswagen.] Friedhelm König

Wenn Gott existieren würde

Während ich Hitchens und Dawkins lese, frage ich mich manchmal, ob sie tatsächlich lieber Gott existieren würden. Ihre wilde Wut und ihre Litanei der Beschwerden würden sich dann gegen ein echtes Wesen richten, das vor seinen Anklagern geschleppt und zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Wenn die Ferocity einiger New-Atheist-Schriftsteller und Blogger irgendetwas zum Vorschein bringt, würde Gott wahrscheinlich gelyncht werden. (Wenn ich darüber nachdenke, gab es das nicht einmal? )Alister McGrath

Metaphysische Obdachlosigkeit, Lisa Eckhart über Atheismus:

„Ich habe mir vom Atheismus sehr viel erhofft: Lebensfreude, Humor, Orgien. Letztlich aber ist man dann in dieser oft zitierten metaphysischen Obdachlosigkeit gelandet. Und jetzt ist die säkularisierte Welt fast noch lust- und lebensfeindlicher als die, gegen die man angehen wollte. Weswegen ich ganz bei Nietzsche bin, der sinngemäß sagt: ‚Gott ist tot. Wir haben ihn getötet, aber war diese Tat nicht etwas zu groß für uns?‘

Apologetik

QUESTION: I recall you once lectured on “apologetics as love”. A lot of people that I know, when they think about apologetics, don’t necessarily think about love or they reframe the word “love” as “tough love”. How can we genuinely talk about our faith and express love at the same time?

ANSWER: I’m not fond of the word “apologetics”. I use the word “kategorics” instead. Apologetics means defense, and the great commission is not, “Go into all the world and defend yourselves.” The defense can turn into attack, and the function of apologetics is sometimes to win and to defeat. I find that a bit counterproductive. Kategoria as apposed to apologia is to give the categories of reality, as in the ancient Greek court system. The prosecutor gave the categories of crime – the dead body, the motive, the knife, the witnesses. The apologia might claim that, “the witnesses were drunk, and they’re liars”, and “That’s not my knife, and I didn’t even know this guy”. The mantra of Christian apologetics is 1 Peter 3:15: “Always be prepared to give and answer to those who question the faith that is in you” (and do this with gentleness and respect). I believe that instruction is from the Holy Spirit, and that we should take it seriously. The difficulty is that no one is asking. I should be prepared to give an answer, but no one is questioning the faith that is in me, because nobody cares. The kategoria are pre-apologetics, involving giving the categories that stimulate the useful questions that people can ask about the faith that is in me. Serving the people with the questions that will be useful to them is love.Von „Atemberaubend zusammen mit Gott“ Pg. 142 Uhr.

FRAGE: Ich erinnere mich daran, dass du einst über “ Apologetik als Liebe “ belehrt hast. Viele Leute, die ich kenne, wenn sie an Apologetik denken, denken nicht unbedingt an Liebe oder sie das Wort “ Liebe “ als “ umrahmen. Wie können wir wirklich über unseren Glauben sprechen und gleichzeitig Liebe ausdrücken?

ANTWORT: Ich mag das Wort “ Apologetik “ nicht, sondern ich benutze stattdessen das Wort “ kategorik „. Apologetik bedeutet Verteidigung, und die große Kommission ist nicht: “ Gehe in die ganze Welt und wehrt euch.“ Die Verteidigung kann sich in Angriff verwandeln, und die Funktion der Apologetik ist manchmal zu gewinnen und zu besiegen. Das finde ich etwas kontraproduktiv. Kategoria als Entschuldigung ist es, die Kategorien der Realität zu geben, wie im antiken griechischen Gerichtssystem. Die Staatsanwaltschaft gab die Kategorien der Kriminalität – die Leiche, das Motiv, das Messer, die Zeugen. Die Entschuldigung könnte behaupten, “ die Zeugen waren betrunken und sie sind Lügner „, und “ Das ist nicht mein Messer, und ich kannte diesen Kerl nicht einmal „. Das Mantra der christlichen Apotheker ist 1 Peter 3:15 : „Sei stets bereit, denen zu geben und zu antworten, die den Glauben, der in dir ist“ (und tue dies mit Sanftmut und Respekt). Ich glaube, dass die Anweisung vom Heiligen Geist stammt, und dass wir sie ernst nehmen sollten. Die Schwierigkeit ist, dass niemand fragt. Ich sollte bereit sein, eine Antwort zu geben, aber niemand hinterfragt den Glauben, der in mir ist, weil es niemanden interessiert. Die Kategoria sind Vorapologetik, die die Kategorien geben, die die nützlichen Fragen anregen, die Menschen über den Glauben stellen können, der in mir ist. Den Menschen mit den Fragen zu dienen, die ihnen nützlich sein werden, ist Liebe. Ellis H.Potter

Soviel ich weiß, gibt es keine Christen, die Gebäude in die Luft sprengen.Richard Dawkins: Das Christentum als „Bollwerk gegen Schlimmeres“

Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins lehrte an der Universität von Oxford und ist der wichtigste Vordenker des „Neuen Atheismus“. Vor einigen Tagen warnte er vor den Folgen der Krise des Christentums in Europa, da das Christentum im Vergleich zu anderen Religionen einen „gutartigen“ Charakter besitze. Bereits 2016 hatte er das Christentum als „Bollwerk gegen Schlimmeres“ bezeichnet.
Dawkins bekräftigte dabei seine Kritik an den Atheisten, welche die Krise des Christentums begrüßten. Er zitierte in diesem Zusammenhang einen Ausspruch des katholischen Historikers Hilaire Belloc, in dem dieser eines der Prinzipien konservativer politischer Philosophie ausgedrückt hatte. Demnach führe die bloße Zerstörung eines unvollkommenen Zustands nicht zur Herstellung eines besseren Zustandes („Always keep a-hold of nurse/For fear of finding something worse“).
Zuvor hatte Dawkins atheistische Religionskritiker zur Differenzierung aufgerufen. Atheisten müssten anerkennen, dass es gravierende Unterschiede zwischen Religionen wie dem Christentum und dem Islam gebe. Das Christentum stelle möglicherweise ein „Bollwerk gegen etwas Schlimmeres“ dar:
Soviel ich weiß, gibt es keine Christen, die Gebäude in die Luft sprengen. Mir ist nichts davon bekannt, dass es christliche Selbstmordattentäter gibt. Mit ist nichts davon bekannt, dass eine grössere christliche Konfession den Abfall vom Glauben mit dem Tod bestrafen will. Ich habe gemischte Gefühle, was den Niedergang des Christentums angeht, weil das Christentum ein Bollwerk gegen etwas Schlimmeres sein könnte.
Auch wenn man davon ausgehe, dass Gott nicht existiere, könne man Religionen dennoch danach bewerten, welche Folgen ihr Wirken in der Welt habe und diese Bewertung falle je nach Religion sehr unterschiedlich aus. Man müsse zudem anerkennen, dass das Christentum die wesentliche Grundlage der Kultur und Geschichte Europas darstelle.
Hintergrund und Bewertung
Dawkins war ursprünglich durch seine Werke über Evolutionsbiologie bekannt geworden, die wegen ihrer hohen Qualität auch von Kritikern seiner Ideen positiv gewürdigt worden waren. Später trat er vor allem durch religionskritische Schriften in Erscheinung, die anders als seine früheren Werke von einem polemischen Stil geprägt waren.

  • In diesen Schriften setzte Dawkins vor allem Strohmann-Argumente ein und stellte zentrale Konzepte christlicher Theologie unzutreffend oder stark verzerrt dar. Er rechtfertigte dies damit, dass religiöse Positionen so abwegig seien, dass man sich nicht näher mit ihnen auseinandersetzen müsse, um sie entschieden ablehnen zu können.
  • Dawkins differenzierte jedoch zuletzt stärker zwischen unterschiedlichen Religionen. Er äußerte sich vor allem deutlich positiver über das Christentum, während er seine Religionskritik auf die im Islam vorherrschenden Strömungen konzentrierte.

Seine aktuellen Darstellungen geben Aufschluss über die Argumente, denen atheistische und agnostische Gegner des Christentums im Dialog mit Christen potenziell zugänglich sind. Diese Argumente umfassen vor allem Verweise auf die kulturellen Leistungen des Christentums und die mögliche Rolle des Christentums bei der Bewältigung islambezogener Herausforderungen für Europa.
Offenbar beeindruckte es Dawkins auch, dass christliche Theologen und Philosophen auf seine Polemiken sachlich antworteten und die Debatte mit ihm suchten. Aus islamischen Kreisen sei ihm hingegen mit Drohungen begegnet worden und aus dem multikulturalistischen Milieu mit Aufrufen, dass ihm wegen „Islamophobie“ keine Plattform geboten werden dürfe.
Die Bewegung des „Neuen Atheismus“ war in den Jahren nach den Anschlägen des 11. September 2001 entstanden. Der katholische Publizist William Kilpatrick hatte in diesem Zusammenhang die These aufgestellt, dass allgemeine religionsfeindliche Tendenzen in westlichen Gesellschaften durch die Betonung von Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam durch Teile der Kirche gefördert würden.
Dies führe dazu, dass islamspezifische Probleme von Menschen verbreitet auf das Christentum übertragen würden. Um pauschaler Religionskritik entgegenzuwirken, sei daher eine stärkere Betonung der Unterschiede zwischen Christentum und Islam erforderlich. Der im Denken von Dawkins zu beobachtende Wandel, der anscheinend durch sein besseres Verständnis der Unterschiede zwischen den Religionen ausgelöst wurde, stützt Kilpatricks These. (ts) https://bundsanktmichael.org/2018/03/28/richard-dawkins-das-christentum-als-bollwerk-gegen-schlimmeres/

 

Tragischer Irrtum

„Eine Menge unbedeutender Menschen halten sich für große Geister und starke Seelen, nur weil sie den christlichen Glauben verachten.”
Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues (Französischer Philosoph, 1715-1747)

Unser unsinniger Glaube

„Sie treffen sich jeden Freitag um zehn Uhr. Dann feiern die Angehörigen der ‘Kirche des fliegenden Spaghettimonsters’ im brandenburgischen Templin ihren Gottesdienst, natürlich nach angemessenem Zeremoniell: Piratenkappen als Kopfbedeckung sind die Regel, alternativ akzeptieren die Gläubigen auch Nudelsiebe.“
So hieß es vor einer guten Woche auf „Spiegel Online“ unter der Überschrift „Ausgenudelt“. Doch an den vier Ortseingängen des Ortes in der Uckermark dürfen die selbsternannten Pastafaris laut Gerichtsbeschluss nun doch nicht ihre Hinweisschilder auf die „Nudelmesse“ anbringen. Auch mit dieser Aktion wollten die Anhänger der satirischen Religionsgemeinschaft gegen die Bevorzugung der großen Kirchen protestieren.
Die Pastafaris geben vor, an die Existenz eines Fliegenden Spaghettimonsters (FSM), eines Ungetüms mit Nudel-Tentakeln und Frikadellen-Augen, zu glauben. Die Kirche um den Kult dieses Phantasiewesens wurde 2005 vom US-Physiker Bobby Henderson gegründet, der damit vor allem den angeblich zunehmenden Einfluss des Kreationismus auf den Schulunterricht kritisieren will. 2006 erschien sein The Gospel of the Flying Spaghetti Monster.
Inzwischen sind die Pastafari eine weltweite Bewegung. In Neuseeland ist die Pseudokirche seit vergangenem Dezember sogar als Religionsgemeinschaft anerkannt und darf daher kirchliche Trauungen durchführen. In Wellington hat jüngst das erste Paar der Pastafaris im Piraten-Outfit legal geheiratet (s. hier). Für die Hochzeit hat die „Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters“ auch noch alle möglichen Traditionen erfunden.
Von Einhörnern und Teekannen
Das fliegende Spaghettimonster ist nicht die erste Religionspersiflage dieser Art. Schon vor Jahrzehnten dachten sich Kritiker des Christentums das „unsichtbare rosafarbene Einhorn“ aus. Dazu heißt es: „Der Sinn dieser Albernheit besteht darin, den Theisten vor Augen zu führen, dass ihre Predigten den Atheisten wahrscheinlich ebenso glaubwürdig und ernsthaft erscheinen wie ihnen selbst das Predigen des unsichtbaren rosafarbenen Einhorns durch die Atheisten […].“
Als Vater dieses Denkmusters gilt der Philosoph Bertrand Russell (1872–1970). Der kämpferische Atheist sprach in seinem Essay „Is there a God?“ vom Glauben an eine fliegende Teekanne im Kosmos:
2000px-Russell’s_teapot.svg„Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gäbe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so würde niemand meine Behauptung widerlegen können, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können. Aber wenn ich nun zudem auf dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen, ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in antiken Büchern die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde, dies jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von Exzentrik werden. Es würde dem Zweifler in einem aufgeklärten Zeitalter die Aufmerksamkeit eines Psychiaters einbringen oder die eines Inquisitors in früherer Zeit.“
Russells Teekanne wurde in Anlehnung an den ICHTHYS-Fisch der Christen als Aufkleber und Anstecker gestaltet: „RUSSELL“ statt „JESUS“.
Richard Dawkins dazu im Gotteswahn: „Russells Teekanne steht natürlich für eine unendlich große Zahl von Dingen, deren Existenz man sich ausmalen und nicht widerlegen kann. […] Russells entscheidende Aussage lautet: Die Beweislast liegt nicht bei den Ungläubigen, sondern bei den Gläubigen.“ Im Klartext: der Christengott ist so real wie Russells Teepott im All.
Dawkins geht aber natürlich noch einen Schritt darüber hinaus. Dass Christen Gründe für ihren Glauben vorlegen sollen, ist nachvollziehbar. Er spricht jedoch von Beweislast und gibt zu verstehen, dass für den christlichen Glauben keinerlei Beweise vorliegen. Daher sei dieser so vernünftig wie der Glaube an die kosmische Teekanne.
Der recht primitive Positivismus und Naturalismus des Briten hält aber selbst keiner genauen Prüfung stand. Die Existenz Gottes und der Glaube an ihn sind im strengen Sinn nicht beweisbar, woraus aber gerade nicht folgt, dass das Christentum Unsinn ist. Zahlreiche Dinge können wir nicht beweisen, ja alles außerhalb der Mathematik und Logik entzieht sich der Beweisbarkeit; auch in den Naturwissenschaften gibt es keine Beweise im eigentlichen Sinn. Unwiderlegbarkeit als solche besagt ebenfalls nicht viel. Dass nur das existiert, was man mit den Sinnen wahrnehmen kann, lässt sich ebenfalls nicht völlig widerlegen.
Gewiss müssen Gläubige Argumente für die Wahrheit ihrer Überzeugungen auf den Tisch legen, aber dies gilt genauso für Atheisten. Beide Seite stehen vor der gleichen Herausforderung: Welches Glaubenssystem erklärt die Phänomene unserer Welt besser? Und beide Seiten müssen Offenheit für kritische Anfragen zeigen und falsche Immunisierung, d.h. Verschließen vor Kritik, meiden.
Der Glaube an Jesus ist Quatsch
Wie verlassen hier die philosophische Diskussion und gestehen mit den Fans des fliegenden Spaghettimonsters ein: Ja, ihr habt schon recht; es war schon immer so, dass der Glaube an den Christengott in den Augen vieler als Blödsinn erscheint.
Jede Zeit lässt dabei jeweils andere Lehren des Christentums ins Visier geraten. In der Aufklärung war es neben den Wundern die Dreieinigkeit. Immanuel Kant stellte im Streit der Facultäten (1798) dar, dass es Aufgabe der Philosophen ist, den Ursprung und Wahrheitsgehalt der christlichen Lehren „mit kalter Vernunft öffentlich zu prüfen und zu würdigen, ungeschreckt durch die Heiligkeit des Gegenstandes […].“ Der Königsberger Philosoph war sich sicher: „Aus der Dreieinigkeit… läßt sich schlechterdings nichts fürs Praktische machen […].“ Man könne daher getrost auf sie verzichten. Damals sprach Thomas Jefferson (3. US-Präsident) spöttisch vom „unverständlichen Kauderwelsch trinitarischer Rechenkunst“; dieses „künstliche Gerüst“ müsse nur abgerissen werden, und dann würden die „reinen und einfachen Lehren Jesu“ wieder zu Tage treten. Schon 1764 geizte Voltaire im Dictionnaire Philosophique nicht mit Spott über die Trinität.
Im römischen Reich zur Zeit der Apostel hatte man mit der Todesart Jesu große Probleme, und das ist noch gelinde ausgedrückt. Paulus gestand in 1 Kor 1,18 ein, dass das „Wort vom Kreuz“ keinen Sinn macht – „in den Augen derer, die verloren gehen“. Das gr. moria hier und z.B. in 1 Kor 1,23 wird meist mit „Torheit“ widergegeben; die NGÜ übersetzt heute angemessener mit „völliger Unsinn“.
Diese Wahrnehmung der christlichen Botschaft im 1. Jahrhundert ist tatsächlich nachzuvollziehen. Der jüdische Monotheismus, der Glaube an einen einzigen Gott, fand damals durchaus Anklang in der intellektuellen Elite des römischen Reiches. In den Spuren Platos lösten sich viele Nachdenkende von einer eher primitiven Art des Heidentums. Bernhard Kaiser schreibt hier:
„Der denkerische Aufstieg zur Ideenwelt und der Entschluß, den jenseitigen ethischen Idealen zu folgen, konnte die Griechen begeistern. Mit dieser Anschauung mußten sie nicht mehr zu den Tempeln laufen und vor stummen Götzen irgendwelche religiösen Übungen verrichten. Weise wollten sie sein, aufgeklärter als das primitive Volk mit seinen Tempeln und Opfern. Klüger auch als die Juden mit ihrem Tempel in Jerusalem und ihren Synagogen und ihrem für nichtjüdische Augen seltsamen Kultus mit seinen Reinheitsvorschriften, seinem Zeremoniell und seiner Gesetzlichkeit.“
Den Platonikern und Stoikern predigten die Christen aber keine ferne Ideenwelt und auch keinen „unbewegten Beweger“ (Aristoteles), sondern einen in der fernen Provinz gekreuzigten Juden, der dann auch noch von den Toten auferstanden sein soll. Eine absurdere Kombination konnten sich die damaligen Denker wohl kaum vorstellen. Schließlich war das Kreuz so verachtet, dass das Wort den Menschen damals noch nicht einmal über die Lippen kam. Und wozu soll eine leibliche Auferstehung gut sein? Ist doch der Körper das Gefängnis der Seele, das es hinter sich zu lassen gilt. Mit einem „denkerischen Aufstieg zur Ideenwelt“ hatte all das nichts, aber auch gar nichts gemein.
Kern der Guten Nachricht ist außerdem die Überzeugung, dass Jesus der einzige Weg zur Erlösung ist. Auch diese Botschaft von der Vermittlung des Heils durch einen einzigen Erlöser war schon damals äußerst anstößig. Keiner der Götter oder der halbgöttlichen Helden oder der vergöttlichten Imperatoren verlangte exklusive Anbetung, Verehrung und Loyalität. Damals wie heute müssen sich die Christen deshalb den Vorwurf der Intoleranz gefallen lassen.
„Alexamenos betet seinen Gott an“
Die Christen verkündeten dennoch unerschrocken das Wort vom Kreuz. Die Kreuzesbalken als Symbol ihres Glaubens setzten sich aber erst Jahrhunderte später durch. Selbst Kreuzesdarstellungen finden sich in der frühen Christenheit nicht. Jesus wird bevorzugt als Guter Hirte und Wundertäter dargestellt.
Die älteste bekannte Kreuzesdarstellung wurde im Jahr 1856 auf dem römischen Palatin entdeckt: eine Kritzelei an der Wand einer Kaserne aus dem Jahre 125. Auf dem Kreuz hängt eine menschliche Gestalt mit einem Eselskopf, darunter kniend ein Soldat und der Spruch „Alexamenos betet seinen Gott an“ (Alexamenos sebete theon). Ein römisches Graffito, ein Spottkreuz. Bei den Römern war ein Esel die hämische Darstellung eines Juden (vergleichbar mit der „Judensau“ des Mittelalters). Gott am Kreuz? Dieser Gott ist ein Esel, und wer ihn anbetet, ist es auch!
Menschen werden Menschen
Unsinn ist aber nicht gleich Unsinn. Mit manchen Vorwürfen oder Anwürfen ringen Christen bis heute wie die genannte Exklusivität. Vieles andere ist dem Wandel der Zeit unterworfen. Dass ihr Erlöser ein Jude war, stellte in den ersten Jahrhunderten ein großes Problem dar; später blendete man die Nationalität Jesu weitgehend aus. Die Wundertätigkeit Jesu wurde erst in der Neuzeit ein Anstoß, war es in der Antike aber ganz und gar nicht. Den Christen warf man in Antike sogar Atheismus vor, weil sie sich am Kult der Staatsgötter nicht beteiligten, existieren diese doch nicht. Die Religionskritik der Juden und Christen, die ersten ‘Atheisten’, wurde ab dem 19. Jahrhundert gegen sie selbst gerichtet.
Auch in der Sozialethik erschien der christliche Glaube in den ersten Jahrhunderten als purer Unsinn, brach er doch mit den Konventionen der Zeit. Drei Beispiele zum Abschluss.
Die heidnischen antiken Religionen entwickelten keine Sozialethik im eigentlichen Sinne, weil ihnen die Liebe zu Gottheiten und damit auch Nächstenliebe fremd war. Ganz anders im Christentum. In Antike Kultur und Neues Testament schreiben U. Victor, C.P. Thiede und U. Stingelin: „Die antike Religion ist im Wesentlichen ein Regelwerk, wie die Götter zu verehren sind. Außerdem ist sie der Weg, wie man sich ihres Wohlwollens versichert, wenn man Hilfe in den Wechselfällen des Lebens braucht. […] Den Göttern liegt daran, dass die Menschen sich ihnen gegenüber korrekt verhalten. Es ist ihnen nur ausnahmsweise wichtig, wie die Menschen sich untereinander verhalten. […] Ein Mensch konnte also fromm sein, aber gleichzeitig in seinem Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen vieles zu wünschen übrig lassen.“
Dagegen gehören im Judentum und Christentum Gottesverehrung, Gottesdienst, Herzensglaube und ethisches Verhalten zusammen. Der Soziologe Rodney Stark in The Rise of Christianity: Im Denken der Heiden „wurde die Einstellung, dass es die Götter kümmert, wie wir miteinander umgehen, als völlig absurd angesehen.” Selbst der französische Philosoph und Atheist Luc Ferry muss zugeben: „In moralischer Hinsicht hat das Christentum eine echte Revolution ausgelöst.“ (Apprendre à vivre)
Von dieser Revolution profitierten die Schwächsten in der Gesellschaft. So kannten Griechen und Römer die Vorstellung von unbedingt zu schützendem Menschenleben vor oder nach der Geburt nicht. Der Begriff der Menschenwürde war der Antike unbekannt, Abtreibungen daher an der Tagesordnung. In der Vision seines Idealstaates sah Platon auch das Verbergen von „irgendwie missgestalteten“ Kindern, ja die Beseitigung von Nachwuch vor (Der Staat, 460c). Der Philosoph nennt auch konkret Abtreibung und Sterbenlassen: „Wenn aber Frauen und Männer das Zeugungsalter überschritten haben, dann lassen wir die Männer ungehindert verkehren, mit wem sie wollen […]. Und dies alles erst, nachdem wir ihnen befohlen haben, eine Frucht womöglich überhaupt nicht austragen zu wollen, wenn sie empfangen ist; wird sie aber trotz allem geboren, dann ist sie so zu behandeln, als ob für ein solches Kind keine Pflege vorhanden wäre.“ (461b/c)
Das Aussetzen von unerwünschten Kleinkindern (ekthesis, expositio) war in der Zeit der frühen Christen nicht nur bekannt, sondern wohl auch recht weit verbreitet und in jedem Fall sozial akzeptiert. Das Haupt der Sippe, der paterfamilias, entschied letztlich über die Aufnahme der Neugeborenen in die Familie, und zwar in den ersten acht bis neun Tagen. Erst in diesem Alter fand die soziale Geburt statt, also etwas eine gute Woche nach der biologischen. Gründe für die Ablehnung von Säuglingen waren vielfältig und reichten von Armut über Illegitimität bis natürlich zur Behinderungen. Wie in so vielen Kulturen bis heute (man denke an China) führen solche Praktiken zu einem Überschuss an Jungen, so dass es auch zu Jesu Zeiten im Imperium deutlich mehr Männer gab.
Dank der Jesus-Bewegung wurden Kinder zu Menschen (s. dazu ausführlicher O.M. Bakke, When Children Became People: The Birth of Childhood in Early Christianity), ja alle Menschen erst zu vollgültigen Menschen. Doch man beachte: alle Menschen auch als Menschen anzusehen und zu behandeln, war vor zweitausend Jahren außerhalb des Judentums und Christentums ein wahrlich unsinniger Gedanken. (Natürlich löste die Kirche nicht sofort alle Missstände auf und sorgte z.B. nicht umgehend für eine allgemeine Sklavenbefreiung; dass aber Sklaven eindeutig und in jeder Hinsicht als Menschen anzusehen sind, war bald unstrittig.)
Neben dem Schutz von Leben war die Hilfe im Leid und die Krankenpflege ein wichtiger Aspekt der gelebten Barmherzigkeit. Gott zeigte seine Liebe, indem er um des Heils der Menschen willen seinen Sohn gab; daher sollen auch die Christen ihren Glauben in praktizierter Geschwister- und Nächstenliebe zeigen. Außerdem beteten die Christen einen leidenden Messias an, der seine Anhänger an die Unvermeidlichkeit des Leidens im Glaubensleben erinnerte. Das impliziert, dass Leiden kein Zeichen von Gottverlassenheit oder Versagen ist. Leiden wurde nicht mehr verdrängt, sondern in Theologie und Praxis integriert.
Rodney Stark schildert in The Rise of Christianity, dass selbst der berühmte Arzt Galen während einer Pestepidemie im 2. Jahrhundert so schnell wie er konnte aus Rom floh. „Galen fehlte der Glaube an ein Leben nach dem Tod“, so der Soziologe. „Es fehlten [den Römern] die lehrmäßigen Grundlagen und traditionellen Praktiken“ für ein System der Krankenfürsorge. Natürlich, so Stark, kannten auch die Römer Wohltätigkeit, aber dies hatte mit dem Dienst für die Götter nichts zu tun, d.h. Religion und Ethik waren, wie wir sahen, nicht verbunden. „Die heidnischen Götter straften kein unmoralisches Verhalten, weil sie selbst keine ethischen Forderungen stellten. Menschen verletzten die Götter nur durch Vernachlässigung oder Bruch der rituellen Standards.“
Ob nun Cyprian in Karthago oder Dionysius in Alexandrien – die Kirchenväter betonten unisono, dass die Epidemien keine Zeit der Verzweiflung sind, sondern der Freude, da Christen Hoffnung auf ewiges Leben haben und in dieser Hoffnung den Menschen dienen können. Daher flohen die Christen während der Pest nicht, sondern kümmerten sich um die Kranken. Berühmt wurden die Wortes des heidnischen römischen Kaisers Julian aus dem 4. Jahrhundert über die „verruchten Galiläer“, d.h. die Christen, „die nicht nur ihre eigenen Armen unterstützen, sondern auch unsere [also Nichtchristen]; jeder kann sehen, dass unseren Leute Hilfe von uns fehlt“. Christen wurden so zu Gründern der ersten Krankenhäuser.
Leidenden und Kranken helfen, die nicht zu meiner Sippe, zu meiner Klasse, zu meinem Volk, zu meiner Religion gehören – warum sollte man dies tun? Ist dies nicht völlig unsinnig?
Kein Ansehen der Person
Das Christentum schenkte der Welt die Idee des Individuums mit einer von Gott gegebenen Würde. Es ist jedoch keine individualistische Religion. Eine dritte revolutionierende sozialethische Idee war die über alle Standesgrenzen hinweg reichende Gemeinde.
Im ersten Jahrhundert gab es im römischen Imperium zahlreiche Vereinigungen (collegia) wie Zusammenschlüsse von Berufsgruppen oder die sehr populären Bestattungsvereine. Daneben wirkten auch nicht wenige kultische Gemeinschaften. Es ist aber zu beachten, dass diese Kultvereine, die sich um jeweils eine Gottheit scharten, nicht im Mittelpunkt des religiösen Lebens standen. Wie jüngst Larry Siedentop in Inventing the Individual zeigte, waren religiöse Kulthandlungen vor allem in der Familie und im Staat bzw. öffentlichen Leben angesiedelt. Frömmigkeit in den Kultvereinen trat hier nur als Ergänzung hinzu.
Im Christentum erhielt die Religion zum ersten Mal einen ganz eigenständigen sozialen Bereich – die Kirche als die Gemeinde der Gläubigen. Die Glaubensgemeinschaft als unabhängige Einheit neben Familie und Staat und gleichrangig mit ihnen war ein neues Phänomen. Wie im Heidentum gab es auch in den Gemeinden Rituale, aber das Verbindende waren nicht die Kulthandlungen im eigentlichen Sinne, sondern der gemeinsame Glaube an den Erlöser.
Die Christen versammelten sich frei und aus einem Geist der Liebe heraus, und das Allerwichtigste: in ihren Gemeinden wirkten Status, Herkunft, Nationalität, Geschlecht und alles, was der antiken Gesellschaft Struktur gegeben hat, nicht mehr als Mauer.
Heute ist nur noch schwer nachzuvollziehen, in welch hohem Maße die Gesellschaft im antiken Rom hierarchisch aufgebaut war. Alle Menschen waren streng nach Rang und Stellung bestimmten Schichten zugeordnet. Zu den wenigen honestiores ganz zuoberst zählten die Angesehensten, Mächtigsten und Reichsten, die natürlich selbst keine körperliche Arbeit verrichteten. Schon eine größere Gruppe machte den populus integer aus, die gehobene Mittelklasse, die (wir der Name schon sagt) schon etwas Integrität und Ehre beanspruchen konnten. Die große Masse der Bevölkerung wurden den humiliores zugerechnet: Arme, Bauern, einfache Handwerker, Sklaven; sie hatten keinerlei Ehre verdient. Die oberen Schichten verachteten die unteren und wollten mit ihnen natürlich möglichst wenig zu tun haben.
Das Christentum änderte dies radikal. In den örtlichen Gemeinden trafen Glaubenden aus verschiedenen Schichten aufeinander (wobei wohl nicht aus allen). Wenn in Apg 4,32 sogar betont wird, dass alle „ein Herz und eine Seele“ waren, dann war dies in der damaligen Kultur unerhört, ja nie dagewesen. Die christlichen Sakramente wurden zu echten Symbolen der Einheit, denn sie wurden allen, ob reich oder arm, Mann oder Frau, Sklave oder freier Bürger, gereicht. Und nicht zufällig wenden sich die meisten Briefe des Neuen Testaments ebenfalls an alle in den Gemeinden, denn alle unterstehen den Forderungen des Glaubens und der Ethik; alle sind zum Wachstum im Glauben berufen.
In 1 Kor 11 wird deutlich, dass es in den Gemeinden ernste Probleme durch die Spannungen zwischen Armen und Reichen gab. Auf dem Hintergrund der damaligen Gesellschaftsordnung überrascht dies überhaupt nicht. So sind auch die Warnungen im Jakobusbrief zu erklären, dass „Rang und Ansehen“ kein Kriterium für den Umgang der Christen sein dürfen (Jak 2, 1f). Man erinnere sich daran, dass dies in einer Zeit gefordert wurde, als die offene Verachtung der Armen sozial voll anerkannt war. Den Reichen mehr Ehre erweisen war das A und O der römischen Gesellschaft! Die ersten Christen schwammen gerade auch hier gegen den Strom.
Gemeinsame Grundüberzeugungen und Lehren, eine allen geltende Moral, gegenseitige Hilfe und Aufopferung; eine äußerst flache Hierarchie von die Gemeinde leitenden Ältesten als Diener aller Gläubigen, und daneben nur noch die Diakone, die sich um die Schwachen. Alten und Armen kümmern – es gab Vorbilder wie die Synagogengemeinden der Juden, aber dennoch war die christliche Gemeinde ein collegium ganz neuen Stils.
So bekam schließlich nicht zuletzt durch christlichen Einfluss der lateinische Begriff socius eine neue Bedeutung. Er verlor seinen rein politischen Sinn (die socii waren die militärischen Bundesgenossen Roms) und wurde dann in der Neuzeit zu unserem „sozial“ – das gemeinsame Leben und das Kümmern um den Anderen betreffende Dinge.
Menschenwürde für alle, Barmherzigkeit als Tugend und die Standesgrenzen überschreitende Gemeinde – was uns heute attraktiv und ganz unanstößig erscheint, war einst eine Torheit. Der Spott über das Christentum sollte sich daher in Grenzen halten, trifft man damit doch auch den Ast, auf dem man sitzt. Der christliche Glaube ist in allen Zeiten auf verschiedene Weisen provozierend und hinterfragt viele geltende Maßstäbe. Beweisen lässt er sich nicht, aber man kann gut zeigen, dass dieser Unsinn die Geschichte zum Positiven geprägt hat. Die Kirche des Spaghettimonsters muss diesen Beleg erst noch antreten – wenn sie denn will.
http://lahayne.lt/2016/04/22/unser-unsinniger-glaube/