Soviel ich weiß, gibt es keine Christen, die Gebäude in die Luft sprengen.Richard Dawkins: Das Christentum als „Bollwerk gegen Schlimmeres“

Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins lehrte an der Universität von Oxford und ist der wichtigste Vordenker des „Neuen Atheismus“. Vor einigen Tagen warnte er vor den Folgen der Krise des Christentums in Europa, da das Christentum im Vergleich zu anderen Religionen einen „gutartigen“ Charakter besitze. Bereits 2016 hatte er das Christentum als „Bollwerk gegen Schlimmeres“ bezeichnet.
Dawkins bekräftigte dabei seine Kritik an den Atheisten, welche die Krise des Christentums begrüßten. Er zitierte in diesem Zusammenhang einen Ausspruch des katholischen Historikers Hilaire Belloc, in dem dieser eines der Prinzipien konservativer politischer Philosophie ausgedrückt hatte. Demnach führe die bloße Zerstörung eines unvollkommenen Zustands nicht zur Herstellung eines besseren Zustandes („Always keep a-hold of nurse/For fear of finding something worse“).
Zuvor hatte Dawkins atheistische Religionskritiker zur Differenzierung aufgerufen. Atheisten müssten anerkennen, dass es gravierende Unterschiede zwischen Religionen wie dem Christentum und dem Islam gebe. Das Christentum stelle möglicherweise ein „Bollwerk gegen etwas Schlimmeres“ dar:
Soviel ich weiß, gibt es keine Christen, die Gebäude in die Luft sprengen. Mir ist nichts davon bekannt, dass es christliche Selbstmordattentäter gibt. Mit ist nichts davon bekannt, dass eine grössere christliche Konfession den Abfall vom Glauben mit dem Tod bestrafen will. Ich habe gemischte Gefühle, was den Niedergang des Christentums angeht, weil das Christentum ein Bollwerk gegen etwas Schlimmeres sein könnte.
Auch wenn man davon ausgehe, dass Gott nicht existiere, könne man Religionen dennoch danach bewerten, welche Folgen ihr Wirken in der Welt habe und diese Bewertung falle je nach Religion sehr unterschiedlich aus. Man müsse zudem anerkennen, dass das Christentum die wesentliche Grundlage der Kultur und Geschichte Europas darstelle.
Hintergrund und Bewertung
Dawkins war ursprünglich durch seine Werke über Evolutionsbiologie bekannt geworden, die wegen ihrer hohen Qualität auch von Kritikern seiner Ideen positiv gewürdigt worden waren. Später trat er vor allem durch religionskritische Schriften in Erscheinung, die anders als seine früheren Werke von einem polemischen Stil geprägt waren.

  • In diesen Schriften setzte Dawkins vor allem Strohmann-Argumente ein und stellte zentrale Konzepte christlicher Theologie unzutreffend oder stark verzerrt dar. Er rechtfertigte dies damit, dass religiöse Positionen so abwegig seien, dass man sich nicht näher mit ihnen auseinandersetzen müsse, um sie entschieden ablehnen zu können.
  • Dawkins differenzierte jedoch zuletzt stärker zwischen unterschiedlichen Religionen. Er äußerte sich vor allem deutlich positiver über das Christentum, während er seine Religionskritik auf die im Islam vorherrschenden Strömungen konzentrierte.

Seine aktuellen Darstellungen geben Aufschluss über die Argumente, denen atheistische und agnostische Gegner des Christentums im Dialog mit Christen potenziell zugänglich sind. Diese Argumente umfassen vor allem Verweise auf die kulturellen Leistungen des Christentums und die mögliche Rolle des Christentums bei der Bewältigung islambezogener Herausforderungen für Europa.
Offenbar beeindruckte es Dawkins auch, dass christliche Theologen und Philosophen auf seine Polemiken sachlich antworteten und die Debatte mit ihm suchten. Aus islamischen Kreisen sei ihm hingegen mit Drohungen begegnet worden und aus dem multikulturalistischen Milieu mit Aufrufen, dass ihm wegen „Islamophobie“ keine Plattform geboten werden dürfe.
Die Bewegung des „Neuen Atheismus“ war in den Jahren nach den Anschlägen des 11. September 2001 entstanden. Der katholische Publizist William Kilpatrick hatte in diesem Zusammenhang die These aufgestellt, dass allgemeine religionsfeindliche Tendenzen in westlichen Gesellschaften durch die Betonung von Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam durch Teile der Kirche gefördert würden.
Dies führe dazu, dass islamspezifische Probleme von Menschen verbreitet auf das Christentum übertragen würden. Um pauschaler Religionskritik entgegenzuwirken, sei daher eine stärkere Betonung der Unterschiede zwischen Christentum und Islam erforderlich. Der im Denken von Dawkins zu beobachtende Wandel, der anscheinend durch sein besseres Verständnis der Unterschiede zwischen den Religionen ausgelöst wurde, stützt Kilpatricks These. (ts) https://bundsanktmichael.org/2018/03/28/richard-dawkins-das-christentum-als-bollwerk-gegen-schlimmeres/

 

Tragischer Irrtum

„Eine Menge unbedeutender Menschen halten sich für große Geister und starke Seelen, nur weil sie den christlichen Glauben verachten.”
Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues (Französischer Philosoph, 1715-1747)

„Warum brauchen Sie dann noch Jesus?“

Auch der Atheist muss vertrauen können

Auch der Atheist muss vertrauen können, einen doppelten Boden hat er dafür nicht. Er muss auf seine Sinne vertrauen und kann das Wahrgenommene nicht andauernd infrage stellen. Darum geht es letztlich jedem Menschen, ob Atheist, Esoteriker, Christ, ob Maschinenbauer, Chemiker, Webdesigner oder Bäcker: um die Hoffnung auf die für ihn ideale Ordnung. Um die Geborgenheit im Diesseits. Um das Heil in Gemeinschaft. Um den Rausch der spirituellen Erfahrung. Im Vertrauen versichert sich das Individuum seiner selbst. Wer glaubt, hofft. Wer hofft, vertraut. Und wer vertrauen kann – lebt der nicht glücklicher?
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/01/Glaube-Religion-Psychologie/seite-2

„Tun Sie nicht so, als wären Sie Gott, Professor Dawkins!“

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„Er (Gott) ist ein „psychotischer Krimineller“, den verrückte und verwirrte Leute erfunden haben.“ Das ist eine von Richard Dawkins milderen Feststellungen. Dawkins, Professor an der Universität von Oxford, ist auf einem Kreuzzug. Ziel dieses Kreuzzuges ist es, die Welt von einem ihrer größten Übel zu befreien: Religion. „Wenn dieses Buch („Der Gotteswahn“) wirkt, wie ich es mir vorgestellt habe“, meint er, „dann werden religiöse Leser dieses Buch aufschlagen und es als Atheisten wieder bei Seite legen.“ Aber er gibt auch zu, dass dieses Ergebnis sehr unwahrscheinlich ist. „In der Wolle gefärbte Fromme sind immun gegen Argumente“, meint Dawkins. Weiterlesen

Die Widersprüchlichkeit einer militanten Toleranz

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Wieviel Respekt darf man im 21.Jh. religiösen Überzeugungen entgegenbringen, die keiner „aufklärerischen Perspeltive“ entspringen? Der Philosoph, Schriftsteller und bekannte Religionskritiker Michal Schmidt Salomon versucht in seinem kürzlich erschienen Zeit Artikel dieser Frage nachzugehen:
„Respekt“ (von lateinisch „respectus“: Zurückschauen, Rücksicht) bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person, ihren Handlungen oder Überzeugungen. Keine Frage: Für aufgeklärte Zeitgenossen ist es eine pure Selbstverständlichkeit, Menschen als Menschen wertzuschätzen. Doch gilt dies auch für alle Überzeugungen, die Menschen an den Tag legen? Ganz gewiss nicht.
Wie etwa könnten wir aus einer aufklärerischen Perspektive heraus Glaubensüberzeugungen respektieren, die noch immer – im 21. Jahrhundert! – gegen Schwule und Ehebrecherinnen agitieren?
Nein, hinter solchem Respekt verbirgt sich meist bloß Ignoranz beziehungsweise Feigheit, die sprichwörtlich geworden ist: Der Klügere gibt nach – was der Dummheit schon häufig zum Sieg verholfen hat.
(Der ganze Artikel findet sich hier:
Zeit.de  http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-09/religion-ideologie-respekt )
Schmidt-Salomos Artikel birgt einen unverkennbaren Widerspruch: Seine Forderung der Respektlosigkeit gegenüber der religiösen Meinung derjenigen, die nicht sein aufklärerisches Weltbild teilen, legitimiert Schmidt-Salomo durch die (angebliche) Respektlosigkeit religiöser Menschen gegen Andersdenkende. Die Inkonsequenz ist offensichtlich: Schmidt-Salomo verurteilt die Meinung religiöser Menschen, da diese nicht seinem Weltbild entspricht und begeht damit genau den Fehler, den er den Gläubigen vorwirft. Gleichzeitig verfehlt er es zu erkennen, wie sehr seine persönliche Hoffnung in die „aufklärerische Perspektive“ zutiefst von dogmatischen Überzeugungen geprägt ist.
Nicht zuletzt zeugt seine Verallgemeinerung der Religionen, welche das Christentum auf eine Ebene mit den Überzeugungen islamistischer Gruppen stellt, von entweder seiner eigenen Unkenntnis oder seiner geschickten Verwendung der gesellschaftlichen Unkenntnis zur Polemisierung gegenüber den Gruppen, die andere Vorstellungen als er selbst haben.
Schmidt-Salomon predigt Wasser und trinkt Wein. Er fordert Toleranz, schafft es aber nicht selbst tolerant zu sein. Und genau in seiner Kritik der Werte religiöser Gruppen verbirgt sich seine als Toleranz getarnte Intoleranz. Warum auch nicht? Im blinden Glauben an eine Weltsicht, die vor allem von dem Dogma lebt alles Dogmatische zu dämonisieren, kann Schmidt-Salomon auch zu keinem anderen Schluss kommen als „Toleranz für alle, die genauso denken wie ich“ zu fordern.
Natürlich müssen auch religiöse Menschen Kritik vertragen können. Aber ebenso muss es Herr Schmidt-Salomo, genauso wie Homosexuelle und Ehebrecher, deren Unantastbarkeit das Dogma einer anti-dogmatischen Gesellschaft geworden ist.
Kritikfähigkeit ja! Dann aber Bitte für alle gleich!
http://gesellschaftsfaehig.blogspot.de/2012/09/die-widerspruchlichkeit-einer.html

Vom Respekt in einer Demokratie

Der für seine atheistischen und humanischen Streitschriften bekannte Philosoph Michael Schmidt-Salomon hat sich in der derzeitigen Diskussion um Religion und Toleranz ebenfalls zu Wort gemeldet. Die Frage danach ob es sinnvoll sei, Gläubigen aller Religionen mehr Respekt entgegenzubringen, beantwortet er nicht überraschend mit einem klaren Nein. Vielmehr geht er sogar so weit Gläubigen gar keinen Respekt zu zollen, da ihnen grundsätzlich der Respekt vor Andersdenkenden fehlt. Um dies zu untermauern, hat er einige Zitate aus Koran und Bibel aus dem Kontext gerissen, und als eine Art Essenz der jeweiligen Grundaussagen der Religionen präsentiert. Dazu muss man sagen, dass man eine solch schlampige Arbeit Studenten der Theologie wahrscheinlich schon im ersten Semester um die Ohren gehauen hätte. Im weiteren Verlauf schert der Autor Gläubige und fanatische Fundamentalisten einfach mal über einen Kamm, fordert dazu auf sie mit möglichst viel Kritik und Satire zu versorgen und warnt vor einem falschen, also schädlichen Respekt. Im Abschluss gemahnt er noch, hätten die Aufklärer mehr Toleranz gegenüber religiösen Gefühlen geübt, würden noch heute die Scheiterhaufen in Europa brennen.
An sich könnte man ein derartiges Sammelsurium von Fehlern einfach lesen und dann vergessen. Schmidt-Salomon reißt Zitate aus Zusammenhang und geschichtlichen Hintergrund, setzt Fanatiker die Gewalt einsetzen mit Gläubigen, die ihre demokratischen Rechte wahrnehmen gleich, verschweigt dass auch Anhänger der großen Religionen einen nicht geringen Anteil an der Aufklärung hatten und vergisst dass beileibe nicht alle Opfer der Hexenverfolgung auf das Konto von Katholiken und Protestanten gehen. So gesehen wäre es am einfachsten diese Ansammlung von Plattitüden schnell zu übergehen, wenn sie nicht gefährliche Grundgedanken aufweisen würde. Ich bin der Ansicht dass Respekt vor seinen Mitmenschen ein sehr wichtiger Standpfeiler in einer Demokratie ist. Durch Respekt lerne ich Menschen zu tolerieren und sie als mir gleichwertig anzusehen. Dazu braucht es keine Religion oder Weltanschauung, es ist ein ganz normaler Vorgang, den auch die allermeisten Menschen praktizieren. Im besonderen Fall Religion bedeutet das nicht, dass keine Kritik mehr geübt werden soll, aber ich kann Kritik so formulieren dass ich niemanden beleidige.
Gefährlich an Schmidt-Salomon ist, dass er sich zum Herren darüber macht, wem Respekt gebührt und wem nicht. Das Gegenteil von Respekt ist Respektlosigkeit und im schlimmsten Fall Verachtung. Er propagiert die grundsätzliche Respektlosigkeit gegenüber gläubigen Menschen, was genaugenommen schon eine Verletzung einiger der Grundrechte darstellen kann. Zudem halte ich Anschauungen die manchen Menschen mehr und anderen weniger Wert zusprechen grundsätzlich für gefährlich. Dabei ist es mir egal ob sich jemand auf einen heiligen Text oder den Humanismus beruft, denn der Tenor bleibt letztlich gleich: Ich bin etwas besseres als du. Wohin solches Gedankengut auf die Spitze getrieben führen kann, haben wir im letzten Jahrhundert in vielen Varianten erlebt. Insofern kann man einer Demokratie nur wünschen, dass vermeintlich aufgeklärte Menschen wie Schmidt-Salomon weiterhin Philosophen bleiben und keine Macht in die Finger bekommen.
http://www.sanktleibowitz.org/vom-respekt-in-einer-demokratie.html