Am 21 September 1522 wurde das neue Testament veröffentlicht

Am 21. September 1522 erscheint in Wittenberg die deutsche Fassung des Neuen Testaments in Martin Luthers Übersetzung. Die 3000 Exemplare sind schnell vergriffen, die Wirkung des Bands zeigt sich jedoch erst über die Jahrhunderte hinweg. 

Im Mai 1521, auf dem Rückweg vom Wormser Reichstag, wurde Martin Luther entführt. Zu seinem Glück handelte es sich bei den Entführern aber um Gefolgsleute seines Landesherrn, Kurfürst Friedrich der Weise. Die brachten ihn auf der Wartburg über Eisenach unter, wo der inzwischen vogelfreie Reformator in Sicherheit war. Neben ritterlicher Freizeitgestaltung mit Fechten, Reiten und Jagen soll auch die Kost reichlich bemessen gewesen sein, so dass der bisher eher mönchischer Askese zugeneigte Luther ordentlich zugenommen habe. 

Zuerst Traktate verfasst, dann das Neue Testament übersetzt 

Allerdings befasste sich Luther auf der Wartburg nicht nur mit solcherlei Ablenkungen, sondern auch mit einem Projekt, das eines seiner nachhaltigsten und einflussreichsten Vermächtnisse werden sollte. Hatte Luther bis Dezember 1521 hauptsächlich Traktate zu Beichte, Mönchswesen und heiliger Messe verfasst, wandte er sich dann einer umfangreicheren Aufgabe zu: Der Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche. 

Luther war beileibe nicht der erste, der eine deutsche Übersetzung der Bibel anging. Bis 1521 waren schon fast zwanzig deutsche Fassungen erschienen. Sie richteten sich jedoch in der Hauptsache an Geistliche, beruhten auf der lateinischen Bibelübersetzung, der Vulgata, waren häufig in einem regionalen Dialekt verfasst und sollen auch sprachlich eher gestelzt gewesen sein. Luther wählte als Grundlage dagegen die griechischen und hebräischen Urtexte und übersetzte sie in die sächsische Kanzleisprache. Die wurde praktisch überall in Deutschland verstanden. 

Dazu wählte Luther einen Sprachduktus, der auf breite Verständlichkeit setzte, wie er in seinem Sendbrief vom Dolmetschen andeutet: „Den man mus nicht die buchstaben inn der lateinischen sprachen fragen, wie man sol Deutsch reden, wie diese esel thun, sondern, man mus die mutter jhm hause, die kinder auff der gassen, den gemeinen man auff dem marckt drumb fragen, und den selbigen auff das maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetzschen, so verstehen sie es den und mercken, das man Deutsch mit jn redet“, heißt es dort. 

220 Seiten in 11 Wochen übersetzt

Luther vollendet die Übersetzung – auch mit Hilfe seiner Universitätskollegen in Wittenberg – nach nur elf Wochen. Als er die Wartburg verlässt, nimmt er das Manuskript mit. Am 21. September 1521 ist es dann soweit. Luthers Übersetzung des Neuen Testaments, weiter be- und überarbeitet, erscheint als Druckwerk in der unerhört hohen Auflage von 3000 Exemplaren. Die „Septemberbibel“ ist so schnell ausverkauft, dass bereits drei Monate später die nächste Auflage folgt. 

Bis zur vollständigen Übersetzung der Bibel vergehen jedoch noch zwölf weitere Jahre. Sie erscheint im Oktober 1534. Schätzungen zufolge lag Luthers Bibel bald in jedem fünften deutschen Haushalt, auch wenn längst nicht jeder des Lesens kundig war. Übrigens gab es zur Lutherbibel auch Übersetzungshefte. Denn wenn Luther sich auch bemüht hatte, allgemeinverständliches Deutsch zu verwenden, waren einzelne Begriffe doch nicht in jedem Sprachraum geläufig. Bis sich – auch angeregt von der Lutherübersetzung – ein mehr oder weniger einheitlicher deutscher Sprachraum bildete, sollte es noch einige hundert Jahre dauern.

Bibellesen

„Ich habe mir angewöhnt, die beim Lesen des Bibeltextes schnell gewonnenen Erkenntnisse nicht für die Predigt zu berücksichtigen. Was ich zuerst sehe, steht meist nicht im Text, sondern befindet sich als Vorurteil im eigenen Kopf. Wenn ich mich dem Bibelwort länger aussetze, dringe ich tiefer ein. Das Wort Gottes setzt sich gegen meine vorgefasste Meinung durch. Oft kommen unbequeme Wahrheiten zutage, häufig überrascht mich das Bibelwort. Mal sind befreiende und erfreuende, mal herausfordernde Überraschungen, auch Zumutungen.“ Ulrich Parzany, Dazu stehe ich, s. 121.

„Die Bibel ist Gottes Wort“

„Die Bibel ist Gottes Wort“ und insofern in gewisser Weise natürlich auch unfehlbar (weil Gott eben unfehlbar ist), entspricht (vorbehaltlich textkritischer Fragen) erst einmal ihrem Selbstzeugnis. Wir lesen in der Bibel, dass Jesus und die Apostel genau so mit der Schrift umgegangen sind: Die Schriften sind Gottes Wort. „Gott sagt“ und „die Schrift sagt“ war für sie oft austauschbar. Nur dieses Axiom kann somit die das reformatorische Prinzip ernst nehmen, dass die Bibel sich selbst auslegen muss und somit letzte und höchste Autorität hat – und sie damit auch vor Eisegese schützen. Wenn Jesus und die Apostel damit recht hatten, dann ist dieses Axiom letztlich auch das einzige, das dem Forschungsgegenstand Bibel gerecht wird. Offene Wissenschaft würde nun untersuchen: Bewährt sich dieses Axiom in der Praxis im Vergleich mit anderen Axiomen? Führt es zu schlüssigeren Ergebnissen im Vergleich zu anderen Axiomen? Dabei muss sie sich ihrer Begrenztheit bewusst sein. Wissenschaft kann bestmöglich versuchen, die Aussageabsicht zu klären. Aber es wird dabei immer Restunsicherheiten geben, z.B. bezüglich der literarischen Gattung (historisch oder symbolisch gemeint?). Bei den historischen Fragen kann redliche Wissenschaft ohnehin nur Wahrscheinlichkeitsurteile fällen, z.B. zur Chronologie der alten Welt. Den lauten Rufe von „keine Posaunen vor Jericho“ stehen längst schon wieder gut begründete Gegenmodelle gegenüber, die eine historische Zuverlässigkeit biblischer Geschichtsschreibung nahelegen. Scheinbare innere Widersprüche haben sich allzuoft schon als ergänzende 2 Seiten der gleichen Medaille herausgestellt. Eine „Widerlegung“ der Bibel wird also mit wissenschaftlichen Mitteln schwierig. Das gilt noch mehr, wenn die Wissenschaft sich ehrlich den Fakten stellt, die für ihren Offenbarungscharakter sprechen wie z.B. die zahlreichen erfüllten Prophetien, die zahllosen buchübergreifenden Querbezüge, die erstaunlich durchgängigen roten Fäden trotz der enormen Buntheit der Autoren, ihre durchgängige Ehrlichkeit, das vielfach bestätigte Welt- und Menschenbild, das absolut einzigartige Gottesbild, die herausragende Ethik und nicht zuletzt die hervorragenden historischen Belege für die Tatsächlichkeit des Ostergeschehens – alles in Verbindung mit dem Selbstanpruch, echte Gottesoffenbarung zu sein. Ich habe bislang keine schlüssige wissenschaftliche Widerlegung dieser Argumente für den Offenbarungscharakter der Bibel und insgesamt für dieses absolut einzigartige „Phänomen Bibel“ gelesen. Ich halte es deshalb für eine wissenschaftlich absolut haltbare, vernünftige, intellektuell befriedigende Position, dem Bibelverständnis von Jesus und den Aposteln zu folgen. Umgekehrt nehme ich wahr, dass ein bibelwissenschaftlicher Ansatz, der die Bibel für einen antiken Text wie jeden anderen hält, eine unendliche Fülle von sich widersprechenden Thesen hervorgebracht hat. Die ganzen Versuche, einen historischen Jesus an der Bibel vorbei zu konstruieren, sind hoffnungslos gescheitert. Viele Theorien zur Entstehung der biblischen Texte haben mit der Zeit in ein übersehbares Theoriengewirr gemündet. Ich staune z.B., was aus der Urkundenhypothese geworden ist, die mir im Reliunterricht noch als großartige wissenschaftliche Tatsache verkauft worden war. Wenn aber Heerscharen von Forschern auf Dauer keine Theorien hervorbringen können, die sich mit der Zeit stabilisieren und die korrekte Vorhersagen machen können, die sich später bestätigen, dann spricht das normalerweise dafür, dass ein Ansatz sich nicht als fruchtbar erweist. Markus Till

Wie man die Bibel lesen soll – lutherische Anmerkungen

tief anbetend gehe ihren Fußstapfen nach.

(Luthers letzte Aufzeichnungen, WA 48, 241)

Die Bibel, die Heilige Schrift ist für das Christentum das wichtigste Buch, wie schon die Begriffe Bibel (das Buch schlechthin) und Heilige Schrift selber erahnen lassen. Es ist Offenbarung und Zeugnis von Gott und seinem Handeln für uns (Lk 24,27; Gal 3,8; 2. Tim 3,16) – in Schöpfung und Erlösung gleichermaßen. Der Charakter der Bibel als die Quelle für die Bezeugung und Mitteilung dessen, was wir vom dreieinigen Gott wissen können, wird schon in den altkirchlichen Bekenntnissen benannt: “auferstanden nach der Schrift” (Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel). Dennoch ist in den altkirchlichen Bekenntnissen nirgendwo ein Satz zu finden, der lautete, “wir glauben an die Schrift”. Denn wir glauben nicht an die Schrift, sondern an den dreieinigen Gott. Wer aber der dreieinige Gott ist, das teilt uns die Schrift mit: Alles (was den Glauben betrifft) soll nach der Heiligen Schrift beurteilt werden (Traktat von der Gewalt und Macht des Papstes). Und insofern können wir doch sagen, dass wir an die Schrift glauben (Großer Katechismus, 5. Vom Sakrament des Altars) als dem Evangelium, welches Christus selber ist, weil es uns eben nicht nur Geschichten erzählt, sondern Christus bezeugt.

Wie aber sollen wir in der Heiligen Schrift lesen? Dass das nicht immer einfach ist, weiß schon die Bibel selbst (Apg 8,30). Im Laufe der Kirchengeschichte hat es dazu unzählige Bücher, Ratschläge und Anweisungen gegeben. Wir wollen ein paar einseitig ausgewählte Notizen dazu geben. Wie in Apg 8,30 dargestellt, ist für das Verständnis der Heiligen Schrift ein Gesprächspartner, Ausleger, Ratgeber oft sehr hilfreich. Das sind zunächst die Glaubensgeschwister, ferner die Predigt. Beide können jedoch höchst subjektiv sein. In der lutherischen Kirche sind deshalb vor allem anderen die Bekenntnisschriften Zeugnis und Erklärung des Glaubens, wie er von der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments vermittelt wird.

Wenn es nicht um das Verstehen als solches, sondern die Haltung geht, mit der die Heilige Schrift gelesen werden soll, so finden wir gute Hinweise z. B. bei Martin Luther:

Vater Unser, so handle ich mit den Zehn Geboten auch also und hole ein stück nach dem andern, damit ich ja gantz ledig werde (So viel es möglich ist) zum gebet, Und mache aus einem jglichen Gebot ein gevierteltes oder ein vierfaches gedrehetes kräntzlein. Also Jch nehme ein jedes Gebot an zum ersten als eine lehre, wie es denn mit sich selber ist, Und dencke, was unser Herr Gott darinn so ernstlich von mir fordert, Zum andern mache ich eine dancksagung draus, Zum dritten eine beicht, Zum vierden ein gebet […].

Luther, Wie man Beten soll (WA 38, 364f.; sprachlich angepasst)

Weil man Briefe von Königen und Fürsten zwei- oder dreimal, ja oftmals lesen soll, und man sie fleissig anhören [Ps. 1, 2] muss, viel mehr soll man Gottes Wort Tag und Nacht handeln, wie der Erste Psalm saget. Denn es ist eine solche göttliche Weisheit drinnen, die nichtauszugründen ist, noch gar verstanden werden kann, es ist eine unendlicheund unergründliche Weisheit, daran wir alle genung zu studieren haben.

Luther, Reihenpredigt über Johannes 3 (WA 47, 1a; sprachlich angepasst)

Und ist nie keine kunst noch buch auf erden gekommen, das jedermann so bald ausgelernet hat wie die heilige schrift. Und es sind doch ja nicht leseworte, wie sie meinen, Sondern eitel lebeworte darinn, die nicht zum spekulieren und hoch zu dichten, sondern zum leben und tun dargesetzt sind.

(Luther, WA 31 I, 67; sprachlich angepasst)

Die Bibel ist also nicht wie jedes andere Buch zu lesen. Ihrem Charakter entsprechend ist sie mit einer besonderen Haltung zu lesen, als Lebewort, als Wort Gottes. Das bedeutet nicht, dass man die innerhalb der Bibel vorkommenden verschiedenen Genre (Gedicht, historischer Bericht, prophetische Vision) nicht ihrem Charakter  – ihrem sensus naturalis – gemäß lesen darf. Oder, dass man die am Anfang der Christenheit umstrittenen Bücher – die Antilegomena – nicht anders gewichten darf, als die Homologoumena, die von allen stets als Teil des Kanon annerkannt wurden. Und zugleich muss ihr Anspruch, Aufzeichnung der Selbstoffenbarung Gottes und damit selbst heiliges und höchstes Offenbarungsmittel zu sein – der sensus supernaturalis – der alles bestimmende bleiben.
https://lutherischeslaermen.de/2016/12/06/wie-man-die-bibel-lesen-soll-lutherische-anmerkungen/

Wie lesen Christen die Bibel

1. Christen lesen und nehmen die Bibel pauschal geurteilt NICHT wörtlich!
2. Der Begriff, der besser und angemessener ist, lautet „Literalsinn“. Christen lesen und verstehen die Bibel im Literalsinn (sensus literalis – einfacher Schriftsinn).
3. Die unterschiedlichen literarischen Textarten in der Bibel weisen den Weg, wie etwas zu verstehen und auszulegen und dann auch anzuwenden ist. Manches ist in der Bibel im Literalsinn ausdrücklich „wörtlich“ zu nehmen, anderes „vom Prinzip des Ausgesagten her“, (Bilder, Gleichnisse, apokalyptische Visionen usw.), wieder anderes als „Gedankenimpuls“ (z.B. Lieder, Poesie, Weisheit usw.), wieder anderes als „geistliche Information“, von der aus schriftgemässe Ableitungen gezogen werden (z. B. Geschichten, heilsgeschichtliche Epochen und Ereignisse, das Wirken Jesu in den Evangelien usw.).
4. Die hermeneutische Herausforderung ist für alle Bibelleser, den Umgang und Gebrauch mit den unterschiedlichen literarischen Textarten zu üben und entsprechend auslegen und anwenden zu lernen.
5. Aber „Nein“, Christen nehmen die Bibel beim Auslegen und Anwenden nicht pauschal „wörtlich“. Das wäre fatal und würde zu großen Missdeutungen in der Gemeinde führen.
Jedoch ist die ganze Schrift Offenbarung Gottes, mit Autorität und Gültigkeit. Doch das ist etwas anderes im Vergleich mit der Debatte um „Wörtlichkeit“.
Eventuell verwechselt man „Wörtlichkeit“ auch mit der Frage, ob Ereignisse stattgefunden haben, die geschrieben stehen usw. Doch hängt das tw. auch von der literarischen Form ab. Den barmherzigen Samariter oder die Familie des verlorenen Sohnes beispielsweise hat es historisch nie gegeben, die Ereignisse haben nie stattgefunden. Die literarische Form ist ein Gleichnis. Und das Geschilderte im Gleichnis ist nicht wirklich-wörtlich geschehen. Vom Gleichnis als Ganzem ist vielmehr eine „Lehre“ abzuleiten usw.
Ob etwas wie geschehen ist, hängt teilweise auch davon ab, wie Gottes inspirierender Geist die menschlichen Verfasser geführt hat, ihre jeweilige Verschriftlichung zu „komponieren“ oder in literarischer Form darzustellen, Mal als „Bericht“, Mal als „Predigt“, Mal als „Gleichnis oder Lied“, Mal als „Erinnerung in Form von Ermahnung oder Ermutigung“ usw. Usw.
Die Bibelauslegung ist eine wunderbare Aufgabe. Machen wir uns gegenseitig Mut, sie schriftgemäss und richtig gemäß dem Literalsinn zu deuten und anzuwenden.
In der theologischen Hermeneutik und der Schriftlehre wird unterschieden zwischen „wörtlich“ und „Literalsinn“.
Beispiel – Jes. 55,12:
(a) … „wörtlich“ (ohne Beachtung der Textgattung) könnte man den Wortlaut so missverstehen, dass Bäume im eschatologischen Zustand tatsächlich so etwas, wie Hände zum Klatschen/ zum Applaudieren haben könnten oder dass der verlorene Sohn eine wörtlich-historische Person gewesen wäre (… und 1001 ähnliche Bibelstellen aus Poesie, Weisheit, Liedern, Gebeten usw.). Diese „Wörtlichkeit“ an der Bedeutung der Textgattungen vorbei führt bei der Bibelauslegung in die Irre.
(b) … im Literalsinn wird die Textgattung ausgelegt (… = der einfache Textsinn). Und da ist dann das „Bildwort“ des Jubels und des Applaudierens in Jes. 55,12 Ausdruck der eschatologischen Freude und die Gleichnisrede des verlorenen Sohnes ist vollständig nicht „wörtlich“ auszulegen, sondern als Texteinheit mit bestimmten „Lehrziel“ (tertius comperationis usw. Usw.).
(c) Alle 66 kanonischen Bücher sind im Literalsinn daraufhin zu prüfen, welche Textgattungen jeweils Kapitel für Kapitel usw. vom Geist Gottes inspiriert wurden. Das Ergebnis leitet dann die Literarsinn-Textauslegung.
Darunter kann es dann Bibelaussagen geben, die „wörtlich“ 1:1 so verstanden werden sollen, wie sie geschrieben stehen, und dann auch so angewendet werden sollen. Andere Stellen jedoch unterliegen anderen Kriterien literarischer Gattungen und Texteinheiten.
Allein Gen. 1-11 besteht aus etlichen literarischen Gattungen mit ihrer je zu bezeichnenden literarischen Besonderheit. Diese nicht anzuerkennen oder nicht unterscheiden zu wollen, führt bei der Auslegung und Anwendung der jeweiligen Textpassagen zwangsläufig in die Irre. Die Historizitätsfrage ist dabei gar nicht unmittelbar adressiert.
Wenn z. B. Gen. 1 ein auf Hebräisch kunstvoll komponiertes Schöpfungslied ist, will das bei der Auslegung berücksichtigt sein. Was dann die Historizität einzelner Aussagen betrifft, das wird durchaus von der Gattung „Lied“ mitbestimmt, aber es wird keineswegs infrage gestellt. Wieso auch?
Wie dem auch sei: Es ist zu erklären, wie die Bibel entstanden ist. Diese Frage des „Wie“ darf man sich bewusst stellen. Insbesondere das AT hat eine Entstehungsgeschichte. Vieles bleibt im Dunkeln, weil wir es nicht wissen und die Bibel selbst es uns nicht mitteilt.
Mit Mose wird eine besondere Offenbarungszeit Gottes eingeläutet (Ex. 3). Was zeitlich davor lag und überliefert wurde, ist im Entstehungsprozess der AT-Schriften kaum sicher rekonstruierbar.
Also: Wie soll denn nun das AT entstanden sein, wenn meine groben Skizzen nicht überzeugen? Wie? Und wie das NT (… das ist leichter zu beantworten)?
Ich mache mir seit Jahrzehnten darüber ernsthaft Gedanken. Und eine Sache scheint mir klar:
Gott hat das AT sowie das NT „menschlich“ auf normal plausibilisierbarem Weg damaliger Zeiten entstehen lassen, auch wenn wir das heute schwerlich oder kaum noch rekonstruieren können. Doch war es ohne Zweifel ganz normal menschlich-kulturell, wie Gott seine Offenbarung an Menschen inspirierte und dann verschriftlichen ließ.
Das Diktat jedenfalls scheidet aus. Auf diese Weise (vgl. Koran) ist weder das AT, noch das NT entstanden.
Von Gott gegebene, mündliche Überlieferungen über Generationen hinweg seit Adam und Eva? Das klingt mir sehr fantastisch und unrealistisch. Es überzeugt mich nicht. Es steht auch nichts davon in der Bibel, dass ich oder andere Christen das glauben müssten.
Wie auch immer, in der Bibel steht davon nichts, dass die Bibel am menschlichen Entstehungsweg vorbei wunderhaft-einmalig, an menschlichen Verfahren vorbei, entstanden sei. Das AT ist vielmehr normal auf menschlichem Weg der Überlieferungen entstanden, wie ganz ähnlich auch das NT, die Gottes Geist bewusst lenkte und gestaltete. Das ist Grund zum Staunen und Loben Gottes!
Und daher ist die Einbettung in altorientalisch-kulturelle Kontexte völlig plausibel und auch gut nachvollziehbar und sehr natürlich verständlich und auch zugleich sehr gut aktiv göttlich gestaltbar. Was sollte denn da das Problem sein? Mir leuchtet das völlig ein. Und es freut mich, Gottes Wort im Menschenwort so wunderbar inspiriert als Offenbarung vorfinden zu können. Einfach genial!
Das wollte ich skizzenhaft als Bestandteile einer theologischen Hermeneutik zum Nachdenken anregen. BSFB

Ein paar Prozente weniger fernsehen und dafür die ganze Bibel lesen

Tim Challies schreibt im lesenswerten Bibelkunde-Buch “Visual Bibel Guide” (S. 85):
Um die Bibel kennenzulernen, musst du sie fleißig studieren. Und um die Bibel fleißig zu studieren, musst du sie sorgfältig lesen. Auf viele wirkt es wie eine beängstigende Aufgabe, die Bibel ganz zu lesen. Der durchschnittliche Amerikaner liest nur fünf Bücher im Jahr. Da scheint es für Christen eine Strapaze zu sein, die sechsundsechzig Bücher der Bibel jedes Jahr zu lesen. Wenn wir es aber ins rechte Licht rücken, stellt das jährliche Lesen der gesamten Bibel eine sehr kleine Verpflichtung dar im Vergleich dazu, womit wir sonst typischerweise unsere Zeit verbringen. Der durchschnittliche Leser benötigt etwa fünfzehn Minuten am Tag, um in einem Jahr die gesamte Bibel zu lesen. Im Vergleich dazu verbringt der durchschnittliche, erwachsene Amerikaner pro Tag fünf Stunden und vier Minuten vor dem Fernseher. Wenn der durchschnittliche Amerikaner sich also nur fünf Prozent der Zeit nähme, in der er oder sie fernsieht, und sie dem Bibellesen widmete, würde er oder sie die gesamte Bibel in einem Jahr durchlesen. Es macht also Mühe, die Bibel zu lesen, nicht hauptsächlich, weil sie verwirrend oder schwierig zu lesen ist, sondern weil wir ihr keine Priorität einräumen. R. C. Sproul stimmt dem zu: „Hierin liegt also das wahre Problem unserer Nachlässigkeit. Wir versagen in unserer Pflicht, Gottes Wort zu studieren, nicht so sehr, weil es schwer zu verstehen ist, nicht so sehr, weil es fade oder langweilig ist, sondern weil es uns Mühe macht. Unser Problem besteht nicht in einem Mangel an Intelligenz oder Leidenschaft. Unser Problem besteht darin, dass wir faul sind.”

„Das Licht auf dem Leuchter“ – die reformierte Tradition über die Bibel

Menschen irren, machen Fehler, und selbst die Schlausten können nur sehr begrenzt in die Zukunft blicken. Wir sind fehlbar, müssen lernen und tasten öfter im Nebel herum als es uns lieb ist. Selbst die Spitzenforschung tut sich oft schwer damit, Antworten auf große Herausforderungen zu finden. So gibt es bis heute keinen Impfstoff gegen HIV, das AIDS-Virus. Und was die heiß ersehnten Impfstoffe gegen das neue Coronavirus wirklich leisten werden, bleibt abzuwarten.

Gott als der Schöpfer und Herr der Welt kann nicht irren. Er braucht nichts zu lernen, weiß die Zukunft und kennt sämtliche Antworten auf alle großen und kleinen Fragen. Gott ist Licht, sein Wesen ist frei von allem Dunklen und Bösen, von aller Falschheit und Lüge. Daher ist auch seine Rede vollkommen. Gottes Wort ist klar, führt keineswegs in die Irre und ist daher „Licht auf meinem Wege“ (Ps 119,105).

Das helle Licht der Bibel, des geschriebenen Wortes Gottes, öffnete um 1520 den Reformatoren die Augen. Sie erkannten in Bibeltexten den hellen Charakter Gottes und die strahlenden Wahrheit des Evangeliums. In Zürich trat Ulrich Zwingli 1519 seinen Dienst am Großmünster an. Er begann programmatisch mit einer Predigtreihe durch das ganze Matthäus-Evangelium. Über viele Monate hinweg legte der Pfarrer jeden Vers aus und ließ den Menschen das Licht der göttlichen Botschaft aufleuchten. Den Startschuss zur Reformation in der Schweiz gab also die konsequent biblische Predigt.

Im Jahr 1522 – auf der Wartburg hatte Luther gerade das Neue Testament übersetzt – erschein Zwinglis Die Klarheit und Gewissheit des Wortes Gottes. Der Reformator warnt davor, sich die Heilige Schrift „zurechtzubiegen“: „Das ist der Hauptfehler, wenn man seine Meinung nach der Schrift bekräftigen will und sein eigenes Vorurteil zur Schrift bringt.“ Das eigene „Verstandeslicht“ könne sicher nicht „die göttliche Klarheit überbieten“.

Heinrich Bullinger begann seine Dekaden, eine Reihe von insgesamt 50 Lehrpredigten, ebenfalls mit dem Wort Gottes. Der Nachfolger Zwinglis in Zürich betont: „Alles, was uns von Gott, von seinen Werken, von seinen Urteilen, von seinem Willen und seinen Geboten, von Christus und vom Glauben an Christus und vom Führen eines heiligen Lebens zu wissen Not tut, ist uns vollständig im Wort Gottes gegeben.“

Nicht zufällig beginnt auch das Zweite Helvetische Bekenntnis (1566) mit dieser Feststellung zum Wesen des geschriebenen Wortes: „Wir glauben und bekennen, dass die kanonischen Schriften der heiligen Propheten und Apostel beider Testamente das wahre Wort Gottes sind…“ Im 2. Kapitel hält der Autor Bullinger fest: „Darum anerkennen wir in Sachen des Glaubens keinen anderen Richter als Gott selbst, der durch die heiligen Schriften verkündigt, was wahr und falsch sei, was man befolgen und was man fliehen müsse…“ Auch er gebraucht die biblische Metapher des Lichts: „Gottes Wort ist gewiss und keinem Irrtum unterworfen. Es ist klar, lässt niemanden im Dunkeln tappen, es legt sich selbst aus und öffnet selbst das Verständnis. Es erhellt die menschliche Seele mit allem Heil und allen Gnaden, füllt sie mit Gottvertrauen, demütigt sie…“

Die Hochschätzung der Bibel zeigt sich auch im Hugenottenbekenntnis aus Frankreich von 1559, das weitgehend aus der Feder von Johannes Calvin stammt: „Wir glauben, dass das in diesen Büchern enthaltene Wort von Gott ausgegangen ist, von dem allein es seine Autorität empfängt, und nicht von Menschen.“ Die Bibel ist Menschenwort und Gotteswort, was einzig von dieser Schriftensammlung gesagt werden kann. Deshalb, so Calvin, müssen „Gewohnheiten“ oder Traditionen, „Menschenweisheit“, Beschlüsse der Kirche und sogar „Visionen“ und „Wunder“ unbedingt an ihrem Maßstab „geprüft, geordnet und verbessert werden“.

Die reformierten Bekenntnisse beginnen meist mit Artikeln über das Wesen Gottes und Gotteserkenntnis oder über seine Offenbarung, Wort Gottes und Heilige Schrift. Beide Lehrpunkte hängen ja zusammen. Da um 1600 die rationalistische Bibelkritik einsetzte, widmete das englische Westminster-Glaubensbekenntnis von 1647 den Kennzeichen der Bibel ein langes erstes Kapitel. Ihre Autorität beruht „völlig auf Gott, der die Wahrheit selbst ist, als ihrem Autor“. Die Heilige Schrift ist „der oberste Richter, vor dem alle Religionsstreitigkeiten zu entscheiden sind und alle… Lehren der Menschen… zu prüfen sind“. In dieser Tradition hält übrigens auch das Glaubensbekenntnis der deutschen Baptisten genau zweihundert Jahre später fest, dass die Bibel „alleinige Regel und Richtschnur des Glaubens und Lebenswandels“ sein muss.

dd-3

Schließlich ist noch das Belgische oder Niederländische Bekenntnis (1561) zu nennen, das dem genannten Bekenntnis Calvins in vielen Abschnitten ähnelt. Autor Guido de Brès stammte aus der Wallonie, dem französischsprachigen Teil des heutigen Belgiens. Nach intensivem Bibelstudium wandte er sich dem evangelischen Glauben zu, der in der damals von Spanien beherrschten Region aber massiv unterdrückt wurde. De Brès  musste ein unstetes Leben führen, kehrte 1559 in die belgische Heimat nach Tournai zurück, wo er heirate und als Pastor arbeitete. In dieser Zeit entstand auch seine Bekenntnisschrift. 1566 wirkte de Brès in Valenciennes (heute Nordfrankreich). Der Ort wurde von den spanischen Truppen erobert. Diese setzten den Pastor mit einem Kollegen gefangen. Am 31. Mai 1567 starb de Brès am Galgen den Märtyrertod.

Eingangs erläutert de Brès das Wesen und die Erkenntnis Gottes, es folgen gleich fünf Artikel zur Bibel. Mehrfach bezeichnet er sie als „heiliges und göttliches Wort“. Er skizziert die klassische Inspirationslehre, nennt die Bücher des protestantischen Kanons und betont, „dass auf ihnen unser Glaube beruhen und begründet und festgestellt werden kann“. Schließlich folgt mit Artikel 7 eine sehr gute zusammenfassende Darstellung der Genügsamkeit und Vollkommenheit der Bibel: „Wir glauben auch, dass diese Heilige Schrift vollkommen den ganzen Willen Gottes umfasst und dass in ihr all das in vollem Maße gelehrt wird, was von den Menschen geglaubt werden muss, damit sie die Seligkeit erlangen.“

Da die „heilige Lehre“ in der Heiligen Schrift „in allen ihren Beziehungen und Teilen vollendet und abgeschlossen ist“, muss sich jeder „sorgfältig hüten, dass er ihr nicht etwas hinzufügt oder wegnimmt, wodurch menschliche Weisheit mit göttlicher Weisheit vermischt werden könnte. Deshalb sind mit diesen göttlichen Schriften und dieser Wahrheit Gottes keine anderen Schriften der Menschen, von welcher Heiligkeit sie auch seien, keine Gewohnheit, nicht irgendeine Menge noch das Alter, noch Vorschrift der Zeiten oder die Nachfolge von Personen, noch irgendwelche Konzile, keine Beschlüsse und Satzungen der Menschen endlich zusammenzustellen oder zu vergleichen, da ja die Wahrheit Gottes vorzüglicher ist als alle Dinge.“

Licht nach der Dunkelheit  – lateinisch „post tenebras lux“ – wurde zu einem beliebten Motto der reformierten Christen. Die Reformatoren lutherischer und reformierter Prägung betonten einhellig, dass das Ziel ihrer Reformen war, den Leuchter wieder auf den Tisch zu stellen (s. ganz o. die Darstellung der Reformatoren aus dem 17. Jhdt. mit Luther und Calvin der Mitte). Damals wie heute muss der helle Schein Gottes, des Evangeliums und der Bibel vor dem Ausblasen bewahrt werden. Im 16. Jhdt. untersagte die römische Kirche Laien das Bibelstudium, heute leugnen viele evangelische Theologen, die Bibel habe irgendwelchen Anteil an Gottes Absolutheit und Vollkommenheit – „göttlich ist nur Gott“, so z.B. Siegfried Zimmer. Nein, auch das Reden Gottes, in welcher Form auch immer, ist göttlich. Gott ist Licht, und sein Wort ist eine Leuchte. Evangelische berauben sich ihres Wesenskerns, wenn sie daran nicht festhalten. Holger Lahayne
http://lahayne.lt/2020/12/02/das-licht-auf-dem-leuchter-die-reformierte-tradition-uber-die-bibel/

Die Bibel ist immer auslegungsbedürftig.

„Die Bibel ist immer auslegungsbedürftig. Und bei der Auslegung ist niemand von uns objektiv. Wir bringen alle unsere Prägungen und Vorerwartungen mit. Deshalb werden sich unsere Auslegungsergebnisse nie vollständig decken. Wer das leugnet, macht die Bibel zum Spaltpilz statt zur Einheitsstütze. Aber heißt das, dass die Bibel zur Einheit der Kirche gar nichts beitragen kann, weil sie keine klaren und objektiv für alle geltenden Aussagen macht? Martin Luther war da anderer Meinung. Er sprach davon, dass die Bibel in ihren zentralen, heilsentscheidenden Aussagen so klar ist, dass auch einfache Leser ihre Botschaft verstehen können. Auch der Theologe Heinzpeter Hempelmann schreibt: „Christlicher Glaube und christliche Kirche haben seit nunmehr fast 2000 Jahren sehr genau gewusst, wovon im Neuen und Alten Testament die Rede ist, und genau dies hat diese religionsgeschichtlich einzigartige Bewegung zur Bewegung gemacht und bis heute in Bewegung gehalten.“ Wenn wir dies heute mit unseren Methoden nicht mehr einzuholen wissen, bedeutet dies „nicht die Profillosigkeit der biblischen Schriften, sondern weist im Gegenteil hin auf die methodische Insuffizienz einer alt- und neutestamentlichen Exegese, die dringend einer Revision ihrer wissenschaftstheoretischen und methodologischen Grundlagen bedarf.“ Es liegt also nicht nur an der Bibel, sondern auch an unserem Umgang mit der Bibel, wenn sie ihre Klarheit und damit auch ihre einende Kraft verliert.“ Zeitschrift AUFATMEN Thema Brückenbau Teil 2 Markus Till FB 260221

Trinität

Die christliche Trinitätslehre ist nicht einfach; sie ist Schwerarbeit für unsere grauen Zellen. Sie besagt ja, dass Gott ein Gott ist, der jedoch von Ewigkeit an in drei Personen existiert. Dies ist kein Tritheismus, bei dem drei separate Götter harmonisch zusammenwirken. Es ist auch kein Unipersonalismus, also die Vorstellung, dass Gott mal die eine, mal die andere Gestalt annimmt, die dabei immer Manifestationen des einen Gottes sind. Nein, die Trinitätslehre besagt, dass es einen Gott gibt, der gleichzeitig in drei Personen existiert, die einander kennen und lieben. Gott ist nicht prinzipiell mehr Einer als Drei, und er ist nicht prinzipiell mehr Drei als Einer. Das ist ein Mysterium und eine Herausforderung für unseren Verstand. Doch so „schwierig“ sie auch ist, die Trinitätslehre ist eine wahre Schatzkammer des Lebens. Keller, Timothy. Jesus: Seine Geschichte – unsere Geschichte Seite 21

https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2012/05/07/trinitatslehre-1113-oder/

Die Einzigartigkeit der Bibel und ihre Einheit

Dieser Punkt entspringt direkt der Einzigartigkeit der Entstehung der Bibel. Wie konnten so viele Verfasser aus so vielen Generationen von solch total verschiedenen Hintergründen und Umgebungen ohne jede Absprache ein Werk schreiben, das so vollkommen in seiner Einheit ist? Betrachten wir es von einer anderen Seite: Stellen wir uns vor, dass zehn der berühmtesten Schriftsteller der Erde, die dieselbe Lebensweise haben, derselben Generation angehören, dieselbe Kultur haben, dieselben Auffassungen vertreten, am selben Ort wohnen, sich in der gleichen Gemütsverfassung befinden und dieselbe Sprache sprechen, dass diese also etwas schreiben wollen über ein umstrittenes Thema – würde das Geschriebene dann miteinander übereinstimmen? Das ist unmöglich. Aber wie kommt es dann, dass das in der Bibel wohl der Fall ist?

Beachten wir, dass die Bibel über Hunderte von umstrittenen Themen spricht (Themen, über die sehr unterschiedliche Meinungen bestehen). Die Autoren der Bibel schreiben über Geschichte, Theologie, Philosophie, über den Kosmos, die Natur und über den Menschen; sie schreiben „gewagte“ Prophezeiungen, Lebens- und Reisebeschreibungen. Sie scheuen sich nicht, die schwierigsten und tiefsinnigsten Themen anzuschneiden. Darüber konnten sie unmöglich miteinander beraten. Aber woher kommt dann diese Harmonie und Einheit in der Bibel? Oft haben Menschen gemeint, Unterschiede und Widersprüche gefunden zu haben (wir werden noch einigen begegnen). Aber es scheint, dass sie dann nicht gewissenhaft genug gelesen oder den Kontext (d.h. den Textzusammenhang) und den Hintergrund des Geschriebenen außer Acht gelassen haben. Wo sie (oft sehr naiv) Widersprüche zu sehen glaubten, stellten sich diese oft nur als verschiedene Aspekte ein und desselben Themas heraus, die einander wunderbar ergänzen. Alle Streitigkeiten über die Bibel haben nur dazu geführt, dass ihre perfekte Harmonie sich noch deutlicher abzeichnete.

Natürlich behaupten wir hier Dinge, die im Grunde noch bewiesen werden müssen. Aber wir müssen einmal irgendwo anfangen, und die Harmonie der Bibel kann sich erst als echt erweisen nach ihrem gründlichen Studium. Der Leser muss hier selbst auf Entdeckungsreise gehen. Er wird dabei feststellen, was Millionen vor ihm entdeckten: Die Bibel ist eine wunderbare Einheit. Sie besteht nicht aus wahllos zusammengewürfelten verschiedenen Werken, sondern da ist eine Einheit, die das Ganze miteinander verbindet. Das ist auch wichtig für die Bibelauslegung. Genau wie jeder Teil des menschlichen Körpers nur richtig erklärt werden kann im Zusammenhang mit dem Rest des Körpers, so kann auch der einzelne Teil der Bibel nur im Zusammenhang mit dem Rest der Bibel richtig ausgelegt werden. Es gibt wohl kaum eine Regel in der Exegese (Bibelauslegung), die so oft übertreten wird wie diese (und das völlig achtlos).

Der „rote Faden“, der sich durch die ganze Bibel zieht, verdeutlicht ihre Einheit. Von der Genesis bis zur Offenbarung geht es um die großen Fragen „Wer ist Gott?“ und „Wer ist der Mensch?“. Darauf folgt die wichtige Frage: „Gibt es die Möglichkeit einer Verbindung zwischen Gott und dem Menschen, und wenn ja, wie?“ Die Einzigartigkeit der Bibel besteht darin, dass sie in der Beantwortung dieser Fragen nicht auf ein liturgisches Programm oder eine Reihe religiöser Verpflichtungen hinweist – ein Mensch kann den Forderungen Gottes sowieso nie ganz gerecht werden –, sondern auf eine Person: Jesus Christus; Er ist der einzig wahre Weg für den Menschen zu Gott. Das ganze Alte Testament weist im Grunde, sei es durch Bilder, sei es durch direkte Verheißungen, auf diese Person hin, und das Neue Testament zeigt uns die Erfüllung der Verheißungen und die Bedeutung und Folgen des Kommens Christi. In dieser Einheit ihrer Thematik ist die Bibel einzigartig. Nur dadurch ist es auch möglich geworden, aus der Bibel eine zusammenhängende und konsequente christliche Lehre aufzubauen.

Aus So entstand die Bibel, CLV, 1992, von Prof. Dr. W.J. Ouweneel und W.J.J. Glashouwer http://www.clv.de

https://www.fbibel.de/die-einzigartigkeit-ihrer-entstehung-a10902.html

https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2021/02/14/die-einzigartigkeit-der-bibel/