Grundwort Gnade

Grundwort Gnade

Zur Einführung: Einige Vorbemerkungen zu dem Wort „Gnade“
In dem Wort „Gnade“ wird die ganze Geschichte des Heils Gottes in Jesus Christus zusammengefasst.
Gnade ist eines der häufigsten Worte in der Bibel (siehe Konkordanz), besonders in den Psalmen und bei Paulus. Zugleich ist es in unserer heutigen alltäglichen Umgangssprache ein relativ seltenes Wort (z.B. Gnadengesuch, begnadigt, ein begnadeter Künstler).
Martin Luther übersetzt die Worte „chen“ und „chäsed“ aus der hebräischen und „charis“ aus der griechischen Sprache mit „Gnade“, oft auch mit „Güte“. Sehr oft sind diese Worte in der hebräischen Sprache mit „emet“ oder „emuna“, in der griechischen Sprache mit „aletheia“ verbunden, d.h. mit dem Wort „Treue“. So begegnet uns immer wieder die Zusammenstellung von „Gnade und Treue“.
Das deutsche Wort „Gnade“ kann inhaltlich nicht die ganze Füllung dieses biblischen Wortes wiedergeben. Christoph Oetinger sagt in seinem Wörterbuch (1776): „Gnade heißt eigentlich … Freiwilligkeit, Gutherzigkeit, freie Neigung zu schenken und zu geben, ohne dass einem jemand etwas zuvor gegeben“. In dem Wort Gnade schwingt der Gedanke des Herabneigens, des Herunterbeugens mit. In Spr 16,15 begegnet uns eine solche Umschreibung der Gnade: „Wenn des Königs Angesicht freundlich ist, das ist Leben, und seine Gnade ist wie ein Spätregen“. Ähnlich auch Ps 40,1: „Er neigte sich zu mir“. Gnade meint eigentlich: Gott kommt mir nahe.
Was die Gnade, die uns in Jesus Christus begegnet, bedeutet, könnten wir in der Gemeinschaftsstunde etwa an Eph 2,4-10 besprechen (siehe Teil I). Dort begegnet uns zur Beschreibung der Gnade das Wort Gabe, Geschenk.
In der lateinischen Übersetzung der Bibel wird Gnade mit „gratia“ übersetzt. Daher kommt das deutsche Fremdwort „gratis“ – etwas umsonst bekommen.
Gnade ist die Bereitschaft, für einen anderen da zu sein. So hat sich Gott schon Mose vorgestellt (2Mo 3,12.14): „Ich werde sein, der ich sein werde“ im Sinn von: „Ich werde mit dir sein“. Paulus hat dies in der ihm eigenen größtmöglichen Kürze in Röm 8,31 so ausgedrückt: „Ist Gott für uns“. Dieses göttliche „Für-uns-Sein“ aus ewiger, unbegreiflicher Liebe ist der Inbegriff der Gnade.
Paulus fasst in dem Wort „Gnade“ das ganze Heilsgeschehen Gottes in Jesus Christus zusammen. Von dort her ist Martin Luther geprägt mit seinem „Allein aus Gnade“ (sola gratia). Gnade ist in der Bibel verbunden mit der Treue, der Barmherzigkeit und dem Bund Gottes. Diese Treue Gottes in der Verbindung mit Gnade meint vor allem die Zuverlässigkeit, Beständigkeit Gottes bis hin zu 2Tim 2,13: „So bleibt er doch treu.“
Es erfordert viel Weisheit, Geduld, Gebet, Nachdenken, Hineinhören in das heutige Leben, um dem modernen Menschen das Wort „Gnade“ inhaltlich nahe zu bringen. Er hält sich wie einst die Pharisäer und Schriftgelehrten vor Gott für gerecht. In seinem emanzipierten, selbständigen, vom Humanismus und Idealismus geprägten Denken geht er davon aus, dass der Mensch gut ist und deswegen keine Gnade braucht. Viele haben überhaupt kein Verhältnis mehr zu Gott. So ist es nicht leicht, deutlich zu machen, dass wir wirklich vor Gott Gnade brauchen, dass wir in seinem jüngsten Gericht ohne Gnade nicht bestehen können, dass wir ohne Gnade verlorene Menschen sind. Die lutherische Frage: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ ist heute nicht mehr jedem verständlich. Dies alles müssen wir bedenken, wenn wir heute von „Gnade“ sprechen.
Trotzdem wollen wir durch die Behandlung dieses Grundwortes „Gnade“ zu dem frohmachenden reformatorischen „Allein aus Gnaden“ helfen.

I. Die Gnade hat einen Anfang
Mitten in der Geschichte der von Gott geschaffenen, aber dann von Gott abfallenden Menschheit beginnt die Geschichte der unbegreiflichen Gnade Gottes.
In 1Mo 6,3.5-8 steht: „Als aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden …, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden …, und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde … Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn.“ Hier begegnet uns zum ersten Mal in der Bibel das Wort Gnade. Hier begegnet uns auch zum ersten Mal das Geheimnis der göttlichen Erwählung, dass Gott aus der großen Schar der dem Gericht verfallenen Menschheit sich einem zuneigt und mit ihm seine Geschichte der rettenden und weiterführenden Gnade beginnt.
Hier begegnet uns aber auch das die ganze Bibel und Geschichte Gottes mit der Menschheit durchziehende Gegenüber von Sünde und Gnade. Paulus hat dies in dem Satz aus Röm 5,20 so zusammengefasst: „Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden.“
Mitten in der Zeit maßloser Unterdrückung des Volkes Gottes in Ägypten setzte Gott mit der Berufung des Mose neu mit seiner Geschichte der Gnade ein. Zu ihm sagt dieser Herr auf dem langen Zug durch die Wüste: „Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden“ (2Mo 33,17). Zugleich offenbart er ihm seinen Namen, der ewig mit der Gnade verbunden ist: „Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue“ (2Mo 34,6, mit allen Parallelen). Durch diese Gnade bekam Mose die Kraft, trotz aller Wirrnisse das Volk Israel bis an die Tore des verheißenen Landes Kanaan zu führen.
Dann geht Gottes Weg der Gnade weiter mit seinem Volk und seiner Menschheit in einer Zeit der harten Unterdrückung des Volkes Israel durch die Römer.
Der Engelfürst Gabriel wird in Nazareth zu der Jungfrau Maria gesandt und grüßt sie: „Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden“ (Lk 1,30). Dann spricht der Engel von Jesus.
Zur Geschichte der Gnade Gottes gehört Jesus, der Sohn Gottes, der König des kommenden Reiches Gottes. Das Wort Gnade taucht im irdischen Leben, Reden und Wirken Jesu, wie es uns die Evangelien berichten, kaum auf. Aber in seinem Dasein, Leben, Wirken und Leiden ist Jesus die Gnade Gottes in Person.
Was das Wort „Gnade“ meint, sehen wir anschaulich in dem, wie Jesus auf Menschen zugegangen ist: wie er Kranken, Sündern, Besessenen, Kindern, Frauen, Hungernden, seinen Jüngern, seinen Gegnern, dem römischen Statthalter begegnet ist.
In Jesus ist Gottes Gnade mitten unter uns Menschen da. Johannes hat das in Joh 1 so zusammengefasst: „Im Anfang war das Wort …, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit (Treue). Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit (Treue) ist durch Jesus Christus geworden.“ Jesus ist hier das Gegenüber von Mose, und die Gnade ist das Gegenüber zum Gesetz. Das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen, die Jesus aufnehmen und dadurch Gottes Kinder werden, ist nicht mehr durchs Gesetz, sondern durch die Gnade bestimmt (Joh 1,12). Der Apostel Paulus ist von seiner eigenen Lebensgeschichte her, mit der ihn Jesus als ehemaligen Feind angenommen und in den Dienst des Evangeliums gestellt hat, in besonderer Weise der „Prediger der Gnade“ geworden, des „Wortes seiner Gnade“ (Apg 20,32).
Er sieht sein neues Leben seit Damaskus als Geschenk der Gnade. So schreibt er es in seinem Brief an die Epheser (2,4-10): „Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden“. Hier stellt er die Barmherzigkeit, die Liebe und die Gnade zusammen, die uns zu einem neuen Leben mit Christus helfen. In den folgenden Versen macht Paulus deutlich, dass uns seine Gnade mit Christus hineinstellt in ein von der Auferstehung, von der himmlischen Welt und kommenden Herrlichkeit bestimmtes Leben. Die Gnade gibt die Perspektive nach vorne und gehört mit der Hoffnung zusammen. Gnade ist nicht nur ein augenblicklicher juristischer Rechtsakt, sondern bedeutet die jetzt im Glauben beginnende und einst im Schauen sich vollendende Seligkeit. Gnade meint Rettung durch Jesus Christus.
Noch einmal schreibt Paulus davon ganz persönlich in 1Tim 1,12-17. Gnade zielt auf eine ganz persönliche Geschichte Gottes mit uns, die zum Dank und zur Anbetung führt (das griechische Wort für Gnade „charis“ bedeutet auch „Dank“). Der Anfang dieser Gnadengeschichte liegt weit vor der Zeit unseres Lebens. Das fasst Paulus in 2Tim 1,9 so zusammen: „Er hat uns selig gemacht und berufen … nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Jesus Christus vor der Zeit der Welt.“
Immer neu betont er, dass wir nicht Werke, gute Werke, fromme Werke tun müssen, damit uns Gott gnädig wird. Es ist umgekehrt. Das schreibt er in Eph 2,10: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ Die Gnade führt zu einem Leben in guten Werken, in der Liebe, im Dienen, in Werken, die Gott für unser Leben im Voraus geplant, „zuvor bereitet“ hat.
In der Zeit der Geschichte des Alten Bundes wird diese Gnade Gottes im Glauben oft erfahren in den geschichtlichen Führungen Gottes. So sagt Elieser, der vertraute Knecht des Abraham, bei der Erfüllung seines nicht ganz einfachen Auftrags, nach einer Braut für Isaak zu suchen, die er in Rebekka findet: „Der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben“ (1Mo 24,56).
Manfred Siebald hat das in einem seiner Lieder so gefasst: „Geh unter der Gnade“.
„Aus Gnade seid ihr selig geworden“ ist das eigentliche Thema des Neuen Bundes. Und diese Gnade geht von Gott aus und hat in Gott ihren Anfang.

II. Die Gnade hat einen Höhepunkt
Gottes Gnade und Liebe ist nicht nur eine Gesinnung Gottes uns Menschen gegenüber geblieben, sondern sie ist Realität, Tat geworden in der Sendung seines Sohnes in diese Welt und Menschheit hinein (vgl. Joh 3,16).
Paulus hat das zusammengefasst in Röm 8,32: „Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (hier steht das Zeitwort von Gnade). Der lebendige Gott, der uns liebt, will uns in seinem Mensch gewordenen Sohn seine Gnade persönlich offenbaren.
Die Gnade Gottes kann uns auch in seiner Schöpfung in der Natur begegnen, auch in der Geschichte. Aber heilbringend (Tit 2,11) begegnet sie uns in der Person Jesu Christi, dem Sohn Gottes. In Jesus Christus erscheint Gottes Gnade in ihrer ganzen Fülle (Joh 1,16). Jesus Christus ist ganz voll von Gnade. In einem Lied heißt es: „Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden“ (GL 1,7).
Nun ist es das Erstaunliche, dass wir Menschen, auch wenn wir von Hause aus alle Sünder sind, zu Jesus kommen dürfen, ihn suchen, uns ihm zuwenden, ihm unsere Sünden bekennen dürfen. Das wird alles in dem Wort „Buße“ zusammengefasst. Rechte Buße ist kein trauriges Geschäft, sondern sie führt uns zu der Freude, die uns teilgibt an der Gnade Gottes in Jesus Christus.
Damit sind wir am Höhepunkt der Gnade Gottes. Die Gnade Gottes begegnet uns in Jesu Kreuz, in dem Gekreuzigten auf Golgatha. Johannes der Täufer hat von ihm gesagt: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ (Joh 1,29). Jesus Christus trug als der Sohn Gottes am Kreuz unsere verdiente Sündenstrafe. Wie schwer dieses Leiden war, wird uns deutlich an den sieben Worten Jesu am Kreuz.
Gott und seinen Sohn Jesus Christus hat dieser Weg mit dem Höhepunkt am Kreuz alles gekostet. Dieses Hingeben seines Sohnes in die Hände der Menschen ist der heißglühende Punkt der Liebe und Gnade Gottes. Hier begegnet uns, wie man heute auch sagen kann, „Gnade pur“. Darum geht uns Menschen unter dem Kreuz am stärksten auf, was Gottes Gnade ist und will.
Hier unter dem Kreuz und dem Aufsehen zu Jesus, dem Gekreuzigten und dann Erhöhten, entsteht in uns durch Gottes Wort und Gottes Geist der rettende Glaube an diesen Jesus Christus. Da können wir die Gnade Gottes fassen und zur Gewissheit unseres Heils kommen.
In der Vergebung, die wir durch Christi Tod und Auferstehung erlangen können, besteht der wesentliche Inhalt der Gnade Gottes. Ohne Kreuz Jesu und abseits vom Kreuz Jesu gibt es für uns Menschen keine rettende Gnade. Das Kreuz Jesu Christi ist im ganzen Neuen Testament die grundlegende und unerlässliche Voraussetzung, um an der Gnade Gottes teilzuhaben.
Mit der Gnade sind die Gnadengaben Gottes (charismata) für die Gemeinde und den einzelnen Jünger gegeben. Die größte Gnadengabe ist die Liebe (1.Kor 13,13).
Die Gnade führt zum Dienst der Liebe an unseren Mitmenschen. Aus der Gnade wächst ein Leben im Dienst heraus. Gnade führt zum Dienst und Dienst ist Gnade. So hat Paulus im Auferstehungskapitel 1Kor 15 (V. 10) von sich selbst geschrieben: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“.
Zu diesem „Höhepunkt“ der Gnade gehört „buchstäblich“ auch das Wort „Gnadenthron“. Das war in der Zeit des Alten Bundes in der Stiftshütte und im Allerheiligsten des Tempels der Deckel auf der Bundeslade, von den Seraphim umgeben. Es war der Ort der heiligen Gegenwart Gottes. In Röm 3,21-25 stehen bei Paulus die entscheidenden Sätze über die Rechtfertigung des Sünders vor Gott durch die Gnade und durch den Glauben. Er schreibt dort (V. 23): „Sie sind allesamt Sünder … und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne“ (in der früheren Lutherübersetzung steht hier wörtlich übersetzt: zu einem Gnadenstuhl).
In 3Mo 16,12-15 ist von diesem Gnadenthron die Rede. Der Priester soll etwas vom Blut des Stieres nehmen und es mit seinem Finger gegen den Gnadenthron sprengen. Solches soll geschehen am jährlichen großen Versöhnungstag (vgl. auch 2Mo 25,17-22).
Nun ist im Neuen Bund Jesus Christus der Gekreuzigte, Auferstandene und Erhöhte für seine Gemeinde und sein Volk dieser Thron der Gnade (Hebr 4,16). In Jesus haben wir Gemeinschaft mit Gott. Beides wird an diesem Gnadenthron in Jesus, dem Gekreuzigten und Erhöhten, deutlich: Gott nimmt die Sünde ernst. Sie kann nur durch das Blut des Lammes getilgt werden. Er ist aber nicht nur der richtende Gott, sondern auch der vergebende in seiner rettenden Liebe für den, der an Jesus aufgrund des Evangeliums glaubt.
In Hebr 4,12 wird von Jesus, dem großen Hohenpriester, gesagt, dass er mit uns sündig Werdenden mitleiden kann, weil er selbst versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum werden wir eingeladen: „Lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.“ Jesus als dieser Gnadenthron ist in der himmlischen Welt immer für uns da, und wir dürfen uns ihm in Demut (vgl 1Petr 5,5; Spr 3,34) und Ehrfurcht, aber auch in Zuversicht im Gebet nahen.

III. Die Gnade hat ein Ziel
Die Gnade Gottes zielt nicht nur auf Einzelne oder auf ein auserwähltes Volk, sondern zu dieser Gnade gehört eine unerhörte Weite, die Weite des Schöpfers und des Allmächtigen. Die Gnade Gottes hat nichts Enges an sich. Schon in Ps 108 begegnet uns die Aussage (V. 5): „Denn deine Gnade reicht, so weit der Himmel ist, und deine Treue, so weit die Wolken gehen“ (vgl. auch Ps 103,11). Zur Gnade gehört auch die Ewigkeit. In Ps 89,2 lesen wir: „Für ewig steht die Gnade fest; du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.“ Jes 54,8: „… mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser“ (vgl. auch Ps 103,17; 100,5).
Gottes Gnade hat alle seine Menschen, auch heidnische Menschen, auch Menschen ohne Gott im Auge. In Tit 2,11 lesen wir: „Es ist erschienen die heilbringende Gnade Gottes allen Menschen.“ Freilich: Es gilt auch, diese Gnade anzunehmen und an sich wirken zu lassen. Der Schächer am Kreuz, der wusste, dass er mit Recht den Tod verdient hat, wendet sich an Jesus: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,41-43).
Weil Jesus zur Rechten Gottes thront und der in Herrlichkeit wiederkommende Herr ist, ist uns mit der Gnade auch eine große Hoffnung und ein ewiges Ziel gegeben.
Paulus schreibt darum in Röm 5,2: „Durch Jesus Christus haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen (der „Gnadenstand“ ist unser Lebensbereich), und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.“
Die Gnade macht uns zu Erben des ewigen Lebens (Pfarrer Fritz Rienecker „Das Schönste kommt noch“). In Tit 3,7 lesen wir: „Damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unserer Hoffnung“. Als Begnadigte gehen wir „aus Gnaden“ der ewigen Herrlichkeit entgegen, die mit der Auferstehung verbunden ist. Das Ziel der Gnade ist auch, dass wir einmal Jesu gleich werden und er der Erstgeborene unter vielen Brüdern ist (Röm 8,29 u.a.).
Das letzte Ziel der Gnade begegnet uns immer neu in den Lobgesängen der Offenbarung. Das Ziel der Gnade Gottes ist die Ehre Gottes, das Lob Gottes und die Anbetung Gottes. „…Siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm …, und alle Engel standen rings um den Thron … und beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ (Offb 7,11f). Auf diesem Weg der Anbetung kehrt die Gnade zu Gott zurück und kommt damit an ihr Ziel.

Zum Schluss einige seelsorgerliche Anmerkungen:
Gnade ist der Lebensbereich, in dem der täglich lebt, der an Jesus Christus glaubt. In Ps 109,21 bekennt der Beter: „Deine Gnade ist mein Trost“ (vgl. Ps 119,76). Über unserem Leben steht als feste Tatsache und tägliche Realität:
Eph 2,8: „Aus Gnaden seid ihr selig geworden“ oder Röm 5,1: Nachdem wir durch den Glauben Frieden mit Gott haben durch Jesus Christus, „haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen“ (vgl. auch Kla 3,23ff). In der Glaubensgemeinschaft mit Jesus, dem gekreuzigten und erhöhten Herrn, dürfen wir täglich aus seiner Fülle und in jeder Lage auch bei jedem Versagen „Gnade um Gnade nehmen“ (Joh 1,16) und uns in den schwersten Führungen an Ps 13,6 halten:
“Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist.“ In allen Anfechtungen dürfen wir uns an das Wort Jesu an den Apostel Paulus halten: „Lass dir an meiner Gnade genügen“ (2Kor 12,9).
Es gibt auch einen Missbrauch der Gnade. Bonhoeffer spricht in seine Kirche hinein mit großem Ernst von der „billigen Gnade“.
Hebr 12,15 ermahnt: „Sehet darauf, dass nicht jemand Gottes Gnade versäume.“ Und dieser Brief warnt in Kap. 10,29: „Eine wie viel härtere Strafe wird der verdienen …, der den Geist der Gnade schmäht.“ Das gilt auch für den, der die Zeit der Gnade (2Kor 6,2) nicht nützt (vgl. auch Röm 6,1; Jud 4).
Deswegen ermahnt Paulus die Christen in Antiochien: „dass sie bleiben sollen in der Gnade Gottes“ (Apg 13,43).
Die Bibel kennt auch immer wieder das Bitten um Gnade (Ps 119, 41 u.a.) und das Wachstum in der Gnade (2Petr 3,18).
Über allem, was in dieser Welt und in unserem Leben geschieht, auch über allen schweren und unbegreiflichen Wegen dürfen wir uns an die Zusage Gottes halten in Jes 54,10: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“
Gnade und Treue ist bei Gott eins. Es ist eigenartig, dass gerade Petrus, der den tiefen Fall der Verleugnung erlebt hat, seine Briefe mit dem Gruß beginnt: „Gott gebe euch viel Gnade“ (1Petr 1,2; 2Petr 1,2) und dass gerade er ermahnt: „Setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade“ (1Petr 1,13). Auch Paulus beginnt und schließt seine Briefe immer mit dem Wunsch der Gnade.
Von daher verstehen wir die alte Sitte in unseren Gemeinschaften, dass wir zum Beschluss singen: „Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen“ (2Kor 13,13).
Es gibt gibt in unseren Gesangbüchern und Liederbüchern viele Lieder über die Gnade. So können wir auch am Schluss dieser Stunde singen: „Die Gottesgnad alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit“ (GL 248,4). Pfarrer i.R. Walter Schaal, S-Degerloch
https://www.die-apis.de/bibel-und-medien/bibel-und-arbeitsmaterial/auslegungen-und-biblische-themen/stichworte-des-glaubens/a-g/g/gnade/

Hast du mich lieb?

Johannes-Evangelium 21, 15-17

Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als irgendein anderer hier?« Petrus gab ihm zur Antwort: »Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.« Darauf sagte Jesus zu ihm: »Sorge für meine Lämmer!« (Johannes 21, 15)

Jesus fragte ihn ein zweites Mal: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?« Petrus antwortete: »Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.« Da sagte Jesus zu ihm: »Hüte meine Schafe!« (Johannes 21, 16)

Jesus fragte ihn ein drittes Mal: »Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?« Petrus wurde traurig, weil Jesus ihn nun schon zum dritten Mal fragte: »Hast du mich lieb?« »Herr, du weißt alles«, erwiderte er. »Du weißt, dass ich dich lieb habe.« Darauf sagte Jesus zu ihm: »Sorge für meine Schafe! (Johannes 21, 17)

Als kleiner Junge habe ich oft mit den Nachbarkindern auf unserem Bauernhof Cowboy und Indianer gespielt. Wir haben alles Mögliche benutzt, um Gewehre und Pistolen dazustellen, sei es ein Axtstiel oder einfach ein Stück Holz. Die Bögen haben wir aus Weidenstöcken gebaut und Pfeile aus Strohhalmen, wo wir vorne ein Stück von einem Fliederbast drauf setzten, der ist in der Mitte weich und somit lässt er sich einfach auf den Strohhalm drücken und er diente als Schutz vor den sonst recht sitzen Strohhalmpfeilen. Ohne diesem Aststück flogen die Pfeile aber viel weiter und besser und so hab ich sie auch einfach mal weg gelassen, dadurch kam es leider dazu, dass ich einem Nachbarsmädchen mal fast mit einem unkontrollierten Schutz ins Auge getroffen hätte, zum Glück traf sie der Pfeil ein paar Millimeter neben dem Auge, aber Ärger mit den Eltern gab es dennoch.

Vielleicht kennt ihr das auch, ab und zu wenn ihr einen Streifzug durch eurer Leben macht, wünscht ihr euch noch mal zurück, um anders zu reagieren, etwas anderes zu sagen oder, um es anders zu machen, als so wie ihr es gemacht habt.

Mir fallen da einige Sachen ein, die ich ganz sicher so nicht noch mal machen würde.

Einer davon ist das ich den Pfeil nicht auf meine Nachbarin geschossen hätte.

Ich kann mir vorstellen, wenn Petrus, der Jünger Jesu, über sein Leben nachgedacht hat, dann fällt ihm auch eine Sache ein, die er sehr gerne ändern würde.

Ich meine, er hat so viele tolle, außergewöhnliche Sachen mit Jesus erlebt: Petrus erlebte, wie Lahme wieder gehen konnten, Blinde wieder sehen, Taube wieder hören, wie 5000 Menschen nur mit 2 Fischen und 5 Broten satt wurden, er hörte Worte von Jesus, die voller Weisheit und Liebe steckten und er konnte mit der Hilfe Jesu auf dem Wasser stehen. Was für Hammer Erlebnisse, was für ein spannendes Leben.

Und doch gab es die eine Situation, für die er sich zutiefst geschämt hat.

Wenn man mit einen Menschen so viel erlebt, dann möchte man nicht dass es aufhört. Doch dann sprach Jesus plötzlich davon, dass man ihn verhaften und töten wird. Das konnte Petrus nicht akzeptieren, das wollte er nicht zulassen und so gab er Jesus sein Versprechen. „Herr und wenn alle sich von dir abwenden, ich niemals, ich würde mit dir ins Gefängnis, ja sogar in den Tod gehen.“

Wir kennen die Geschichte und was dann kommt. Jesus sagt Petrus, dass er ihn verleugnen wird und genau so passiert es dann ein paar Stunden später, dass Petrus dreimal behauptet: Ich kennen diesen Jesus nicht, ich hab nichts mit dem zu tun! Als der Hahn dann kräht weiß Petrus genau, was er getan hat und nicht nur das, er sieht, dass Jesus es auch weiß.

Sicherlich ist es leicht zu sagen. Dreimal hat Petrus, Jesus verleugnet, dreimal hat Jesus, Petrus seine Liebe zu ihm bestätigen lassen. Ich denke aber, dass Jesus, Petrus da berühren wollte, wo sein Tiefpunkt festsaß: in seinem Herzen! Und das hat Jesus geschafft, wie wir an der dritten Antwort sehen konnten.

Jesus hat sich um Petrus gekümmert. Petrus hatte Jesus verleugnet, wohl der Tiefpunkt seines Lebens, aber Jesus hat ihm verziehen und nicht nur das, er hat ihn gebraucht – und wie! Das können wir alles in der Apostelgeschichte nachlesen. Petrus hat den Auftrag angenommen und eine super Arbeit geleistet unter den ersten Christen.

Die Bibel ist immer auslegungsbedürftig.

„Die Bibel ist immer auslegungsbedürftig. Und bei der Auslegung ist niemand von uns objektiv. Wir bringen alle unsere Prägungen und Vorerwartungen mit. Deshalb werden sich unsere Auslegungsergebnisse nie vollständig decken. Wer das leugnet, macht die Bibel zum Spaltpilz statt zur Einheitsstütze. Aber heißt das, dass die Bibel zur Einheit der Kirche gar nichts beitragen kann, weil sie keine klaren und objektiv für alle geltenden Aussagen macht? Martin Luther war da anderer Meinung. Er sprach davon, dass die Bibel in ihren zentralen, heilsentscheidenden Aussagen so klar ist, dass auch einfache Leser ihre Botschaft verstehen können. Auch der Theologe Heinzpeter Hempelmann schreibt: „Christlicher Glaube und christliche Kirche haben seit nunmehr fast 2000 Jahren sehr genau gewusst, wovon im Neuen und Alten Testament die Rede ist, und genau dies hat diese religionsgeschichtlich einzigartige Bewegung zur Bewegung gemacht und bis heute in Bewegung gehalten.“ Wenn wir dies heute mit unseren Methoden nicht mehr einzuholen wissen, bedeutet dies „nicht die Profillosigkeit der biblischen Schriften, sondern weist im Gegenteil hin auf die methodische Insuffizienz einer alt- und neutestamentlichen Exegese, die dringend einer Revision ihrer wissenschaftstheoretischen und methodologischen Grundlagen bedarf.“ Es liegt also nicht nur an der Bibel, sondern auch an unserem Umgang mit der Bibel, wenn sie ihre Klarheit und damit auch ihre einende Kraft verliert.“ Zeitschrift AUFATMEN Thema Brückenbau Teil 2 Markus Till FB 260221

„Seid heilig, denn ich bin heilig.“

Oft machen wir den Standard für unser Verhalten an falschen Maßstäben fest. Wir denken: „Solang ich mehr in der Gemeinde mache als der Durchschnitt, reicht es.“ „Wenn ich in Gesprächen merke, dass ich mein Christenleben besser im Griff habe als mein Gegenüber, habe ich alles erreicht was ich brauche.“ „Schau mal auf ihn/sie. Zum Glück bin ich da doch ein wenig christlicher.“
Gott gibt uns unsere Geschwister nicht, damit wir uns mit oder an ihnen messen. Wenn er auf unser Leben schaut, dann wird er unsere Taten auch nicht mit dem Durchschnitt der Christenheit vergleichen. Er wird seinen eigenen Maßstab an unser Verhalten legen. Und wer kann dann von sich behaupten, ein wirklich guter Christ zu sein?
Gott sagt: „Seid heilig, denn ich bin heilig.“ (1. Petr 1,16). Die Hürde, die wir dafür überspringen müssten, ist zu hoch für uns. Niemand ist völlig heilig. Völlig perfekt. Niemand liebt Gott zu jeder Zeit mit allem was er hat und seinen Mitmenschen wie sich selbst. Und weil wir das merken, suchen wir uns eine niedrigere Hürde: Die Mit-Sünderinnen und Sünder dieser gefallenen Welt. Solang wir da im Mittelfeld mithalten, fühlen wir uns gut genug.
Lasst uns neu darauf ausrichten, Gottes Maßstab an unser Leben zu legen und uns in seinem Licht zu sehen. Er will uns heiligen, nicht nur „ein bisschen besser“ als den Durchschnitts-Christen machen. Sind wir dazu bereit?
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Die Auslegungs-Predigt vermeidet diese Einfluss der Zeit

Ohne die Autorität des Wortes wird die Predigt zu einer endlosen Suche nach Themen, Therapien und Techniken, nach Bestätigung, die Akzeptanz zu fördern, eine Sache voran zu treiben oder die Sorgen zu beruhigen.
Menschliche Vernunft, soziale Agenda, populärer Konsens und persönliche moralische Überzeugungen werden die Ressourcen der Predigt. Es fehlt dabei „die historische Überzeugung: was die Schrift sagt, sagt Gott“. Die Meinungen und Emotionen, die den Inhalt der Predigt formulieren, denen die biblische Autorität fehlt, sind die gleichen Kräfte, die die Gültigkeit dieser Konzepte in einer veränderten Kultur, einer nachfolgenden Generation oder einem rebellischen Herzen verleugnen können.
Die Auslegungs-Predigt vermeidet diese Einfluss der Zeit, indem sie den Prediger an die Grundlage, das Wortes Gottes, bindet. Klan Ed (FB)

Was ist das Evangelium?

Das Wort Evangelium bedeutet “gute Neuigkeit, die erzählt wird”. Das unterscheidet es von Religionen, die eher einem “gutem Rat, der befolgt werden sollte” ähneln.
Die gute Neuigkeit ist, dass wir so selbstzentriert und beziehungsunfähig sind, dass wir von uns aus Gott nicht finden können, und dass Gott zu uns gekommen ist, um uns zu finden und bedingungslos abzusichern. Dazu wurde er Mensch, Jesus von Nazareth. Er führte ein normales Leben, das nur in einer Hinsicht ungewöhnlich war: er beging nie einen Fehler. Er hielt sich an alle Gesetze Gottes, und übertrug das summa cum laude für diese Leistung allen, die ihn lieben und ihm vertrauen.
Zusätzlich dazu, dass er uns den Lohn für sein Leben schenkte, ertrug Jesus die Auswirkungen unseres selbstzentrierten Daseins selbst. Als er am Kreuz starb vergab er denen, die ihn töteten. Jesus blieb nicht tot, er lebt auch jetzt noch. Sterben konnte ihm nichts anhaben. Das Gleiche gilt für alle, die das auch möchten und ihm ihr Leben anvertrauen.
Unsere Wiedervereinigung mit Gott hängt deshalb nicht von unseren Bemühungen ab, auch nicht von der Stärke unseres Glaubens. Es ist nicht die Qualität unseres Glaubens, die uns absichert, sondern Jesus.
Die Kraft dieses Geschenks und Aufnahme in die Familie Gottes hat einen aha-Effekt im Leben jedes Christens. Dadurch, dass wir uns nicht mehr das ‘bestanden’ vor Gott erarbeiten müssen, sind wir frei ihn in Dankbarkeit und Freude zu lieben. Unser Gehorsam und unsere ‘guten Taten’ werden zum ersten Mal tatsächlich gut, weil sie aus Dank motiviert sind, nicht um richtig-gemacht-Punkte bei Gott oder Menschen zu sammeln.
Allmählich ähneln wir unserem Meister, der uns von allen einschränkenden Abhängigkeiten und Zwängen befreit hat. Jesus setzte sich restlos für die Welt ein. So sind auch wir dazu aufgerufen, aus Dankbarkeit Gutes für unsere Mitmenschen zu tun. Egal was sie glauben: Jesus bezeichnete sich als Diener für alle und sagte, dass wir uns aufopfernd für alle einsetzen sollten, wenn wir uns ihm zugehörig fühlen.
Was mache ich jetzt?
Eine Faszination für Jesus erfüllt noch nicht komplett, und reicht nicht aus, um sein lebensveränderndes Vermächtnis zur Geltung zu bringen. Neugierigkeit ist gut. Darüber hinaus darfst du intensiver nachforschen, etwa indem du Texte in der Bibel liest. Du kannst auch darüber nachdenken, dich einer christlichen Gruppe anzuschließen, in der Menschen persönlich an dir interessiert sind und dir helfen möchten, weiter zu kommen.
Timothy Keller: https://www.redeemer.com/skeptics_welcome/who_is_jesus/

Das Drama der evangelischen Kirche

Prof. Gerhard Maier fasste schon 1974 das Drama der evangelischen Kirche treffend zusammen. Leider wurde er nicht gehört – im Gegenteil: Inzwischen begegnet mir genau diese Sichtweise immer öfter auch im freikirchlichen Bereich:
„Die Exegeten können das NT nicht mehr als Einheit begreifen, sondern nur noch als Sammlung verschiedener Zeugnisse, die unter sich widersprüchlich sind … Es steht für sie fest, dass der formale Kanon nicht gleichzusetzen ist mit dem Wort Gottes. Bis heute hat die Semlersche Scheidung von Schrift und Wort Gottes unumstrittene Bedeutung. … Das feine Gewebe der historisch-kritischen Methode ergab eine neue babylonische Gefangenschaft der Kirche. Sie wurde mehr und mehr abgesperrt von dem lebendigen Strom der biblischen Verkündigung und deshalb immer unsicherer und blinder, sowohl was ihren eigenen Gang betrifft, wie auch in Beziehung auf das Wirken nach außen. … Die Vertreter der historisch-kritischen Methode sind in einen scharfen Gegensatz zu den orthodoxen Gedanken von der Klarheit und der Genügsamkeit der Schrift getreten. Sie haben die Klarheit durch den von ihnen geführten Nachweis der Widersprüchlichkeit beseitigt und die Unklarheit durch die vergebliche Suche nach einem Kanon im Kanon festgehalten und vertieft. Sie haben die Genügsamkeit der Schrift aufgehoben, indem die historisch-kritische Arbeit nötig wurde, um die Schrift zu begreifen. Soweit ihre Anschauungen sich durchsetzten, kam es zu einer Trennung von Schrift und Gemeinde. Da es bei der Schrift jedoch nicht sein Bewenden hat, sondern die Schrift uns Gott begegnen und kennenlernen lässt, ist durch die Aufhebung der Klarheit und Genügsamkeit der Schrift auch die Gewissheit des Glaubens zerstört. Ist unsicher, WO der lebendige Gott redet, dann weiß ich auch nicht mehr, WER da redet. Damit ist Vertrauen unmöglich geworden. … Es wäre ein großer Fehler, die Schuld an solcher Entwicklung der Dinge etwa im Unvermögen der METHODIKER zu suchen. Vielmehr ist es die Schuld der METHODE, die man gewählt hat. Die Methode musste scheitern, weil sie ihrem Gegenstand nicht entsprach.“ (Prof. Gerhard Maier 1974 „Das Ende der historisch-kritischen Methode“ S. 44/45)

Wer ist Jesus Christus?

Frage: „Wer ist Jesus Christus?“

Antwort:
Im Unterschied zu der Frage “Existiert Gott?”, stellen nur sehr wenige Leute in Frage, ob Jesus Christus wirklich gelebt hat. Man nimmt allgemein an, dass Jesus ein Mensch war, der vor fast 2.000 Jahren auf dieser Erde lebte. Die Auseinandersetzung beginnt, wenn es um das Thema der Identität Jesu geht. Fast jede Religion lehrt, dass Jesus ein Prophet, ein guter Lehrer oder ein gottesfürchtiger Mann war. Das Problem besteht darin, dass wir aus der Bibel erfahren, dass Jesus unendlich viel mehr war als ein Prophet, ein guter Lehrer oder ein gottesfürchtiger Mann.

In seinem Buch Mere Christianity (früherer deutscher Titel: Christentum schlechthin, jetzt: Pardon, ich bin Christ) schreibt C. S. Lewis: “Hier versuche ich, die Leute daran zu hindern, diese wirklich törichte Sache zu sagen, die Aussage die viele über Ihn [Jesus Christus] machen: ‘Ich bin bereit, Jesus als einen großen Morallehrer anzuerkennen, aber seine Behauptung Gott zu sein kann ich nicht hinnehmen.’ Das ist genau das was wir nicht sagen dürfen. Ein Mann, der ein bloßer Mensch war, und Dinge sagte wie Jesus, wäre kein großartiger Morallehrer. Er wäre entweder ein Wahnsinniger – auf gleicher Höhe mit jemandem, der sagt, er sei ein verlorenes Ei – oder er wäre der Teufel aus der Hölle. Sie müssen wählen. Entweder war und ist dieser Mann der Sohn Gottes, oder er war ein Verrückter oder noch Schlimmeres. Sie können ihm als einem Narren den Mund stopfen, Sie können ihn anspucken und ihn als einen Dämon töten oder Sie können zu seinen Füssen niederfallen und Ihn Herrn und Gott nennen. Aber lassen Sie uns nicht irgendeinen herrablassenden Unsinn darüber aus dem Ärmel schütteln, dass Er ein großer menschlicher Lehrer war. Diese Alternative hat Er uns nicht gelassen. Das hat Er nicht beabsichtigt.“

Wer nun behauptete Jesus, zu sein? Was sagt die Bibel über Ihn? Lassen Sie uns zuerst Jesu Worte in Johannes 10,30 betrachten: “Ich und der Vater sind eins.” Auf den ersten Blick scheint dies kein Anspruch auf Gottheit zu sein. Aber beachten wir die Reaktion der Juden auf seine Aussage: “Die Juden antworteten ihm und sprachen: Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen, denn du bist ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.” (Johannes 10,33). Die Juden verstanden die Aussage Jesu als die Behauptung, Gott zu sein. In den folgenden Versen korrigiert Jesus die Juden keineswegs mit dem Hinweis: “Ich habe nie behauptet, Gott zu sein.” Das weißt darauf hin, dass Jesus wirklich behauptete, Gott zu sein, indem Er aussagte: “Ich und der Vater sind eins.” (Johannes 10,30). Johannes 8,58 ist ein weiteres Beispiel. “Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich.” Die Juden hoben wieder Steine als Antwort auf und versuchten, Jesus zu steinigen (Johannes 8,59). Jesu’ Bekanntmachung Seinder Identität als “Ich bin” ist eine direkte Verwendung des Namen Gottes im Alten Testamentes (2.Mose 3,14). Warum sollten die Juden Jesus wieder steinigen wollen, wenn Er nicht etwas gesagt hätte, wovon sie glaubten es sei gotteslästerlich, und zwar die Behauptung, Gott zu sein.

Johannes 1,1 sagt: “Gott war das Wort” Johannes 1,14 sagt: “Das Wort ward Fleisch”. Dies weißt deutlich darauf hin, dass Jesus Gott im Fleisch ist. Der Jünger Thomas bekannte vor Jesus: “Mein Herr und mein Gott!” (Johannes 20,28). Jesus berichtigte ihn nicht. Der Apostel Paulus beschreibt Ihn als “die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus” (Titus 2,13). Der Apostel Petrus sagt dasselbe: „unser Gott und der Heiland Jesus Christus” (2.Petrus 1,1). Gott der Vater bezeugt die volle Identität Jesu ebenso: “aber von dem Sohn: »Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter deines Reiches.” (Hebräer 1,8). Alttestamentliche Prophezeiungen über Jesus Christus kündigen Seine Gottheit an: “Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst” (Jesaja 9,5).

Also, so wie C. S. Lewis schon argumentierte, ist die Ansicht, dass Jesus nur ein guter Lehrer sei, keine Alternative. Jesus behauptete klar und unbestreitbar, Gott zu sein. Wenn Er nicht Gott ist, dann ist Er ein Lügner und deshalb kein Prophet, guter Lehrer oder gottesfürchtiger Mensch. In der Bestrebung Jesu’ Worte weg zu erklären, behaupten moderne “Theologen” der “wahre historische Jesus” hätte viele der Dinge nie gesagt, die die Bibel Ihm zuschreibt. Wer sind wir, dass wir Gottes Wort hinsichtlich dessen was Jesus gesagt oder nicht gesagt hat, bestreiten könnten? Wie kann ein “Theologe” zweitausend Jahre nach Jesus eine bessere Einsicht darüber haben, was Er gesagt oder nicht gesagt hat, als diejenigen, die mit Ihm lebten, dienten und von Jesus selbst gelehrt wurden (Johannes 14,26)?

Warum ist die Frage nach der wahren Identität Jesu so wichtig? Warum spielt es eine Rolle, ob Jesus Gott ist oder nicht? Der Hauptgrund für die Notwendigkeit dafür, dass Jesus Gott ist, ist der Umstand, dass Sein Tod nicht genügt hätte, die Strafe für die Sünden der ganzen Welt zu zahlen, wenn Er nicht Gott wäre (1.Johannes 2,2). Nur Gott konnte eine so unendliche Strafe begleichen (Römer 5,8; 2.Korinther 5,21). Jesus musste Gott sein, damit Er unsere Schuld bezahlen konnte. Jesus musste Mensch sein, damit Er sterben konnte. Errettung ist nur durch den Glauben an Jesus Christus möglich. Jesu Gottheit ist der Grund dafür, dass Er der einzige Weg der Errettung ist. Weil Er Gott ist verkündete Jesus: “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.” (Johannes 14,6).
https://www.gotquestions.org/Deutsch/Wer-Jesus-Christus.html

Trinität

Die christliche Trinitätslehre ist nicht einfach; sie ist Schwerarbeit für unsere grauen Zellen. Sie besagt ja, dass Gott ein Gott ist, der jedoch von Ewigkeit an in drei Personen existiert. Dies ist kein Tritheismus, bei dem drei separate Götter harmonisch zusammenwirken. Es ist auch kein Unipersonalismus, also die Vorstellung, dass Gott mal die eine, mal die andere Gestalt annimmt, die dabei immer Manifestationen des einen Gottes sind. Nein, die Trinitätslehre besagt, dass es einen Gott gibt, der gleichzeitig in drei Personen existiert, die einander kennen und lieben. Gott ist nicht prinzipiell mehr Einer als Drei, und er ist nicht prinzipiell mehr Drei als Einer. Das ist ein Mysterium und eine Herausforderung für unseren Verstand. Doch so „schwierig“ sie auch ist, die Trinitätslehre ist eine wahre Schatzkammer des Lebens. Keller, Timothy. Jesus: Seine Geschichte – unsere Geschichte Seite 21

https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2012/05/07/trinitatslehre-1113-oder/

Kommt mein Kuscheltier in den Himmel?

Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ 2.Petrus 3,13
Wie stellst du dir die Ewigkeit vor? Ist der Himmel eine große, goldene Stadt? Schweben die Menschen dort auf Wolken? Oder wird es im Himmel einfach unvorstellbar, sodass wir uns kein Bild davon machen können? Und ist das alles eh nur Spekulation oder gibt es in manchen Dingen auch Gewissheit?
Einer unserer Dozenten erzählte uns einmal, wie er seinem kleinen Sohn den Himmel erklärte. Dieser fragte daraufhin seinen Papa, ob sein Kuscheltier dann auch im Himmel sei. Die Antwort, die unser Dozent gab, war beeindruckend. Anstatt seinem Sohn eine Ausarbeitung vorzulegen („Mein Sohn, das wissen wir nicht, doch es ist unwahrscheinlich, denn wir haben nur folgende fünf Indizien über die Begebenheiten im Himmel…“), sagte er einfach „Ja!“. Nun, wie kann ein gelehrter Theologie-Dozent so etwas sagen? Nirgends in der Bibel steht, dass Kuscheltiere im Himmel sein werden, oder? Nein, hierbei sollte uns eins wichtig werden: Der Himmel, also die Ewigkeit, wird uns in der Bibel immer wieder mit wunderschönen Begriffen vor Augen gemalt. In Jesaja wird dafür ein ultimatives Friedensreich als Bild gebraucht, in dem sogar wilde Tiere Gras fressen. In der Offenbarung gebraucht Johannes das Bild einer wertvollen Stadt, die die Gemeinde in perfekter Harmonie zu Gott zeigt, er benutzt das Bild einer Hochzeit, es muss also etwas Wunderschönes sein.
Auch Petrus zeigt auf, wie es im Himmel sein wird: Dort wohnt Gerechtigkeit. Im Himmel wohnt Gerechtigkeit, das bedeutet, Gott ist in seiner vollen Präsenz dort. Er regiert, sodass Sünde keinen Platz mehr hat. Alle Menschen dort sind sündlos und sie feiern das Lamm, das ihre Gerechtigkeit vor Gott wurde. Und genau deshalb kann unser Dozent seinem kleinen Sohn sagen, dass auch sein Kuscheltier dort anwesend sein wird: Dort wird Freude, Jubel und Friede sein. Das, was wir hier auf der Erde mit größter Geborgenheit und Liebe verbinden (wie ein Kuscheltier), wird im Himmel in viel besserer Weise existieren und uns umgeben. Gott hat versprochen, die Erde neu zu machen. Wie sie dann aussehen wird, können wir uns nicht genau vorstellen. Aber eins, das wir sicher wissen, ist dass Gott dort wohnt. Und das gibt uns die absolute Sicherheit, dass es in seiner Gegenwart keine Sünden, Schmerzen und Versuchungen mehr geben wird. Dort wird vollkommene Gerechtigkeit herrschen.
Stell dir einmal einen wunderschönen Moment deines Lebens vor. Dieser Moment war, wie alle anderen auch, mit Sünde behaftet, weil er auf dieser Welt stattfand. Im Himmel wird dieser Moment noch einmal unendlich viel schöner sein und darauf freue ich mich sehr! Auch wenn es im Himmel keine Kuscheltiere mehr gibt, wird die Liebe und Geborgenheit Gottes uns so groß werden, dass wir nicht einmal das beste Plüschtier der Welt vermissen werden. Das wird einfach schön!
https://flowwaters.wordpress.com/2020/05/14/kommt-mein-kuscheltier-in-den-himmel/