Gott nur als Chiffre

Der Systematiker Ulrich Körtner (Wien, Österreich) hat der EKD für ihr Zukunftspapier „Kirche auf gutem Grund – Elf Leitsätze für eine aufgeschlossene Kirche“ kräftig die Leviten gelesen. Kurz: Wenn die Kirche so weitermacht, ist sie weder systemrelevant noch existenzrelevant (Wolfgang Huber). Körtner knackig:

Kein Wort […] von Tod und Auferstehung Jesu, seiner Heilsbedeutung für den Einzelnen wie die Welt im Ganzen. Kein Wort von Sünde und Vergebung, es sei denn nur von Schuld in einem moralischen Sinne, aber nicht als Synonym für eine zerrüttete Gottesbeziehung. Kein Wort von Gottesferne oder davon, dass Gott in irgendeiner Weise fehlen könnte.

Dafür findet man in dem Papier Transformationstheologie ohne Ende, die Umdeutung des Missionsbegriffs inklusive:

Zwar liest man irgendetwas von authentischer Frömmigkeit und Glaubenswissen, das weiterzugeben sei, doch wie kann es sein, dass ein Papier mit dem Titel „Kirche auf gutem Grund“ von diesem so wenig zu sagen weiß? Als Bibelleser würde man doch zumindest einen Hinweis auf den Apostel Paulus erwarten, der im 1. Korintherbrief, Kapitel 3, schreibt: „Einen anderen Grund kann niemand legen, als der, welcher gelegt ist in Jesus Christus.“ Zwar will auch die EKD weiter „öffentlich relevant auf Christus verweisen“. Aber das geschieht bloß im Sinne einer Urbild- und Vorbildchristologie – oder sollte man besser sagen: Jesulogie. Christus, so lässt uns das Zukunfts-Team der EKD wissen, sei Urbild und Vorbild dessen, was die Kirche „für die Vielen“ tue. Die Kirche folge ihm und seinem Geist, wenn sie sich für die Schwachen, Ausgegrenzten, Verletzten und Bedrohten sowie für Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetze. In dieser moralisierenden Auslegung des Evangeliums treffen sich kulturprotestantischer Liberalismus und eine linksliberale politische Theologie, die sich heute gern „Öffentliche Theologie“ nennt. Wenn es im EKD-Papier heißt, die Kirche der Zukunft müsse missionarisch sein, so ist doch nicht an Verkündigung und Seelsorge, sondern in erster Linie an ein sozialpolitisches Handeln gedacht, das „zeichenhaft und exemplarisch“ sein soll.
Hier: www.zeit.de.
https://theoblog.de/gott-nur-als-chiffre/35409/

„Ich stehe vor der Tür und klopfe an.“

„Ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ Das ist die Botschaft in dem Sendschreiben an die christliche Gemeinde in Laodicea, in dem siebten und letzten Sendschreiben, das die Offenbarung des Johannes enthält. Eine schneidende Bußpredigt ist dieser Brief, eine Abfuhr sondergleichen: „Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.“ An wen richtet sich dieses vernichtende Urteil? Wer ist diese Gemeinde, an die so geschrieben wird, gegen Ende des ersten christlichen Jahrhunderts? Weiterlesen

Apg 5,29 …

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/10/Grace_Community_Church_Worship.jpg
Public Domain
File:Grace Community Church Worship.jpg (Created: 5 January 2007)

Sie führten sie aber herbei und stellten sie vor den Hohen Rat; und der Hohepriester befragte sie 28 und sprach: Wir haben euch streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren, und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen. 29 Petrus und die Apostel aber antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.

32 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ermordet habt, indem ihr ihn ans Holz hängtet. 31 Diesen hat Gott durch seine Rechte zum Führer und Retter erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben. 32 Und wir sind Zeugen von diesen Dingen und der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen. 33 Sie aber ergrimmten, als sie es hörten, und ratschlagten, sie umzubringen.

https://www.bibleserver.com/ELB/Apostelgeschichte5%2C27-33

Mitte Juli wurden in USA / Californien neue Corona-Restriktionen verordnet. John MacArthur und Grace Community Church haben dagegen ein „strammes statement“ herausgegeben, dass nach einer grundsätzlichen Exegese zur Zuordnung von Staat und Kirche zu dem Schluß kommt, dass sie sich der behördlichen Anordnung höflich aber bestimmt widersetzen werden …

Ein FB-Freund Andreas Schnebel schrieb dazu am 27.07.2020:

Ich bin sehr froh, dass es Pastoren gibt, die in dieser Frage eindeutig auf dem Boden der Schrift argumentieren und handeln. Auch wenn ich in vielen nachgeordneten Fragen nicht einer Meinung mit Pastor John MacArthur bin, hier jedoch zu 100%. Die Thematik ist letztlich aus reformatorischer Sicht schon lange und eindeutig beantwortet: die Zuständigkeiten der Obrigkeiten sind klar und ohne Zweifel unterschieden. Dass heißt, Regierungen könnten von den Kirchen Konzile/Synoden einberufen lassen, damit diese selbst darüber entscheiden wie diese mit einer solchen Situation in ihrem Verantwortungsbereich umgehen, keinesfalls jedoch, dass weltliche Obrigkeiten das Recht haben in die Zuständigkeit der kirchlichen Obrigkeit hineinzuregieren bzw. anzuordnen, ob oder wie man einen Gottesdienst feiern darf.

Facebook

Meine kurze Antwort darauf am 28.07.2020 lautete:

Ich habe es auch gesehen und für falsch befunden: denn das „Man muss Gott mehr gehorchen“ hat einen anderen Hintergrund:

In dieser Pandemie werden nicht Gemeinde-Gottesdienste verboten, weil sie Christen sind, sondern um die Pandemie zu verhindern. Aus gleichem Grund werden Discos geschlossen und Fußballstadien, Sport- und Kultuveranstaltungen, von denen viele gerade nicht sonderlich christlich sind.

Von daher: nicht alles was mutig ist, ist nach m.E. auch biblisch: ich halte das für einen falschen Weg.

Facebook (Fehler korrigiert)

Andreas‘ prompte Antwort bringt nachfolgende Argumente, die er vor allem gegen die Argumentationslinie von Jonathan Leeman (Editorial Director of 9Marks) richtete, der die Frage stellte,


Jonathan Leeman sei grundsätzlich im Irrtum, wenn er die Frage nach der staatlichen Autorität über kirchliche Angelegenheiten bzw die Kirche und den Gottesdienst an sich als eine Ermessensentscheidung auf Grundlage von Gewissensgründen (Röm14:14) einordnet. Schnebel fragt nach dem „Wesen der Gemeinde an sich“, bzw. wer Autorität über diese hat und antwortet auf Leemanns vier Thesen wie folgt:

zu 1. Es steht dem Staat grundsätzlich nicht zu, über das ob, den Ort, die Zeit oder die Form eines Gottesdienstes zu entscheiden oder Einfluss darauf zu nehmen.

zu 2.Der angeführte Vergleich mit der Verdunklungsanordnung im 2.WK, dem die Kirchen gefolgt seien, passt nicht. Der GD wurde durch die Verdunkelungsanforderungen in keiner Weise eingeschränkt.

zu 3. Es geht in keiner Weise darum „Muskeln zu trainieren“ bzw. für zukünftige Auseinandersetzungen mit einer übergriffigen weltlichen Obrigkeit auszutesten wie weit man gehen kann oder mutig zu sein. Es geht um biblische Grundsätze, die nicht erst seit den Tagen der Reformatoren bekannt sind, sondern bereits seit den Tagen Konstantins.
zu 4. Auch hier irrt Jonathan Leeman bzw. Mark Dever, insofern er ihm zustimmt. Die Autorität einer Obrigkeit, egal welcher, steht und fällt mit der (zumindest praktischen) Anerkenntnis der Obrigkeit Gottes und seiner Gebote. Ja, das Konzept aller Obrigkeit, jeder menschlichen Ordnung kommt von Gott, dies lehrt die Schrift von Anfang an. In Römer 13 spricht Paulus, wenn er von Obrigkeit spricht, zunächst einmal nicht von dem modernen, totalen, machiavellistischen Staate, sondern erst einmal von jeder Obrigkeit.

Zu Recht verweist A. Schnebel weiter unten dann auf das deutsche GG:
„Das Konzept biblischer Obrigkeit steht und fällt also mit der Anerkenntnis des Rechts Gottes und einer sinngemäßen Umsetzung, sprich einer Verfassung welche sich ein Volk gibt (z.B. Präambel des GG: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“…“hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“).“ – Erst dem nachgeordnet stünde menschliche Autorität und Amt.

Allerdings läuft seine Argumentation zu Römer 13 ins Leere, wenn er zitiert, was da so nicht steht …

  • Schnebel: (…), „auch Paulus und Petrus lehren die Aufgabe der Könige und Statthalter für Recht zu sorgen. Einziger Sinn und Zweck, die Daseinsberechtigung jeder Obrigkeit besteht also darin den Menschen, also uns „zugut“ zu sein, das Recht umzusetzen, welches von Gott kommt und die Bösen straft (Römer 13).

Römer 13,1-5:
Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten staatlichen Mächten! Denn es ist keine staatliche Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet. 2 Wer sich daher der staatlichen Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil empfangen. 3 Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der staatlichen Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben; 4 denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut. 5 Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen.

  • Merke: das „dir zum Guten“ in Vers 4 steht nicht so libertär, wie es A. Schnebel und seine Art von Geschichtsphilosophie es gerne hätten. Es wird vielmehr vorausgesetzt, dass die Regierung „dir zum Guten“ ist (auch wenn sie z.B. Steuern fordert, was Andreas (und ich) auch nicht so gerne haben …)
  • In Rom herrschte Kaiser Claudius bzw. Nero

Schnebel: (…), „Deshalb – und nur deshalb- sollen wir uns jeder menschlichen Ordnung um des Herrn willen unterordnen: wenn diese die Übeltäter bestraft und die Guten lobt (1.Petrus2). Wenn sich eine Regierung jedoch anmaßt das Gute böse und das Böse gut zu nennen, das Recht Gottes pervertiert (Jesaja 5,20), das Recht ignoriert, aussetzt und verdreht wie die unsere, besteht die Pflicht und Aufgabe der Kirche dagegen aufzustehen!

1Petrus 2,11-17:

Geliebte, ich ermahne euch als Beisassen und Fremdlinge, dass ihr euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, enthaltet, 12 und führt euren Wandel unter den Nationen gut, damit sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tage der Heimsuchung! 13 Ordnet euch aller menschlichen Einrichtung unter um des Herrn willen; sei es dem König als Oberherrn 14 oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt werden zur Bestrafung der Übeltäter, aber zum Lob derer, die Gutes tun! 15 Denn so ist es der Wille Gottes, dass ihr durch Gutestun die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringt – 16 als Freie und nicht als solche, die die Freiheit als Deckmantel der Bosheit haben, sondern als Sklaven Gottes. 17 Erweist allen Ehre; liebt die Bruderschaft; fürchtet Gott; ehrt den König!

  • Merke: das von A. Schnebel so epathisch betonte „wenn“ gibt es in 1Petrus 2 gar nicht: es wird postuliert, dass die Regierung – von Gott gesandt – Lob gebe für Gutes tun. Was passiert wenn sie es nicht tut, steht da nicht. Ob man dagegen aufstehen muss, wie es Andreas postuliert, bezweifel ich tatsächlich!
  • Die Atmosphäre des Textes ist in Summe vielmehr, dass Unterordnung auch dann geboten ist, wenn die Regierung sich nicht korrekt verhält zu der von A. Schnebel vorausgesetzten / angenommenen Ordnung …
  • … die er z.T. ziemlich direkt aus dem Alten Testament herleitet (Theokratie Israels …): vgl. „Gott setzte also zunächst Richter und Vorsteher über Israel ein (5Mo16:18) um Unrecht aller Art zu begegnen, auch die Aufgabe des Königs, welchen Israel gegen Gottes Willen begehrte, war es von Beginn an Recht zu sprechen (1Sam8) …“; sowie Verweis auf Jesaja 5,20

Der viel kritisiert Leemann dagegen betont, dass die 3 Kreise (Familie, Kirche, Staat) nicht völlog getrennt sind sondern sich bisweilen überlappen:

Fourth, and this is my most wonky point, MacArthur draws a strict line between the jurisdictions of state, church, and family. I, too, affirm the separation of these jurisdictions and have written amply on the topic. Yet here’s what we need to keep in mind. Those jurisdictional circles, to some extent, overlap whenever it’s the same people who are bound by those distinct jurisdictions. After all, each of those authorities can possess a claim on a person, no matter what building the person is standing in.

(…)

Likewise, churches should observe state-established fire codes, building codes, zoning restrictions, historical-preservation-society codes (if you’re on Capitol Hill), and more, all of which impinge on and limit our gatherings. Yet most of us have not stopped and said, “This is hindering our worship” or “This is the state exercising authority over church practice.” Rather, we understand the state is doing its job even there. We understand that we are not ancient Israel. And though in one sense all space is sacred for a Christian because all space is under Christ’s lordship, in another sense no space is sacred, at least in a Temple-like way; and the government’s authority also extends everywhere inside its borders.

https://www.9marks.org/article/a-time-for-civil-disobedience-a-response-to-john-macarthur/

Das macht für mich mehr Sinn…

Bei all‘ dem gehen wir fehl, wenn wir nicht sehen, dass a) Christen (als Christen / Kirchen) keinen politischen Auftrag haben, b) Apg 5 hier nicht greift, weil der Kontext ein anderer ist:

  • dort Verbot im Namen Jesu zu predigen
  • hier Verbot Veranstaltungen, auch Gottesdienste, mit großen Menschenansammlung abzuhalten, um eine Pandemie zu verhindern

Ja, man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Aber bitte dann, wenn es die Schrift fordert: wenn die Verkündigung des Evangeliums und der bibl. Lehre untersagt würde. Das ist nicht untersagt, hier geht es nicht um Diskriminierung von Christen als Christen, sondern um Loyalität in einer Pandemie und um temporäre andere Formen des „Zusammenkommens“.

Das man sich als Bürger beschweren kann (ich habe zweimal an die bayr. Gesundheitsministerien geschrieben) und es nicht über Jahre so weitergehen kann, ist klar. Geben wir den Regierenden aber Zeit, beten wir für sie und seien wir als Christen ein Vorbild für die Gesellschaft:

Fazit

Ich bin froh, dass wir als Christen verschiedener Meinung über Corona und den Umgang damit haben können :

  • wir sollten es weiterhin mit Respekt und Fairness tun, wie es Andreas Schnebel (dessen Meinung ich nicht teile) in seiner Befürwortung für John MacArthur (dessen Meinung er sonst meistens nicht teilt … ) tut,
  • als auch Jonathan Leeman es in seiner kritischen Antwort (dessen Meinung ich in diesem Fall zumindest teile …) getan hat

Auch wenn wir über Römer 13 streiten: Römer 14 ist „klar“ …

Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. 11 Denn es steht geschrieben: „So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir wird sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird Gott bekennen.“ 12 Also wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. 13 Lasst uns nun nicht mehr einander richten, sondern haltet vielmehr das für recht, dem Bruder keinen Anstoß oder kein Ärgernis[3] zu geben!

https://www.bibleserver.com/ELB/R%C3%B6mer14


Weitere Quellen:

Corona auf brink4u:

Apg 5,29 …

Die Liebe, um die es im Evangelium im Unterschied zu aller Philosophie geht,

„Die Liebe, um die es im Evangelium im Unterschied zu aller Philosophie geht, ist nicht eine Methode des Umgangs mit Menschen, sondern ein Hineingezogenwerden und Hineinziehen in ein Ereignis, nämlich in die in Jesus Christus vollzogene Gemeinschaft Gottes mit der Welt, ‚Liebe‘ gibt es nicht als abstrakte Eigenschaft Gottes, sondern als reales von Gott Geliebtsein des Menschen und der Welt. Jeder Versuch, ein von weltlichen ‚Verunreinigungen‘ destilliertes Christentum der ‚reinen‘ Liebe darzustellen, ist falscher Purismus und Perfektionismus, der die Menschwerdung Gottes verachtet und dem Schicksal jeder Ideologie verfällt“ (Bonhoeffer, Ethik, 240f.).

Religion ist der Wissenschaft ähnlicher als Einige dies wahrhaben möchten.

Religion ist der Wissenschaft ähnlicher als Einige dies wahrhaben möchten. Während Religion zwar für gewöhnlich Regeln und Anweisungen enthält, ist sie auch eine Methode um die Welt zu verstehen, und zwar in eine viel umfassendere Methode als die Wissenschaft. Viele Religionen möchten uns nicht nur ein Verständnis der physischen Welt geben, sondern auch der nicht-physischen Welt. Und viele Religionen, wie auch das Christentum, beziehen die Wissenschaft als ein Mittel ein, den natürlichen Teil zu verstehen, während Philosophie, Theologie und andere Mittel verwendet werden, um den nicht-physischen Teil der Realität zu erforschen. Abdu Murray Saving Truth

Die biblische Sicht der Sexualität

Biblische Moral drückt eine hohe Sicht auf die Würde und Bedeutung des Körpers aus. Die biblische Sicht der Sexualität basiert nicht auf einigen wenigen verstreuten Bibelversen. Es basiert auf einem teleologischen Weltbild, das uns ermutigt, mit der physischen Gestaltung unseres Körpers zu leben.
Mit dem Respekt des Körpers überwindet die biblische Ethik die Dichotomie, die Körper von Person trennt. Es heilt Selbstentfremdung und schafft Integrität und Ganzheit. Die Wurzel des Wortes Integrität bedeutet ganz, integriert, vereint – unser Geist und unsere Emotionen stimmen mit unserem physischen Körper überein. Die biblische Sicht führt zu einer ganzheitlichen Integration der Persönlichkeit. Es passt, wer wir wirklich sind.
– Nancy Pearcey in ′′ Liebe deinen Körper ′′

Nicht die Zahl

Die Jünger sind wenige und werden immer wenige sein. Dies Wort Jesu schneidet ihnen jede falsche Hoffnung auf ihre Wirksamkeit ab. Niemals setze ein Nachfolger Jesu sein Vertrauen auf die Zahl. „Wenige sind ihrer …“, der Anderen aber sind viel und werden immer viel sein. Dietrich Bonhoeffer (Nachfolge, 2013, S. 184)

Die Geschichte des Esels, der Gott dienen wollte

Vor langer Zeit erblickte ein Esel das Licht der Welt. Dieser Esel wuchs schnell heran und wurde stark. Seit der Esel denken konnte, wusste er: “Ich will mit meinem Leben Gott dienen.” Der Esel wurde erwachsen und er musste beginnen, auf eigenen Füssen zu stehen, seine Eltern zu verlassen und seine eigenen Wege zu gehen. Da der Esel Gott dienen wollte, fragte er Gott: “Herr, wie kann ich dir dienen?” Und Gott sagte zum Esel: “Esel, ich weiss dass du mir dienen möchtest, doch habe Geduld! Du wirst deinen Dienst für mein Reich noch beitragen.”

So ging der Esel dahin und suchte sich einen Meister, bei dem er arbeiten konnte. Und siehe da, sein Meister hatte auch eine hübsche Eselin, mit der sich der Esel prächtig verstand. Und so hatte der Meister bald nicht mehr nur zwei Esel, sondern drei, vier, fünf, sechs und sogar noch mehr. Der Esel hatte alle Füsse voll zu tun. Arbeit, Eselin und Nachwuchs nahm ihn voll in Anspruch. So zogen die Jahre ins Land. Doch eines Tages erinnerte sich der Esel an seinen Lebenswunsch Gott zu dienen. So sprach er erneut zu Gott: “Herr, jeden Tag zerrinnen mir die Stunden nur so zwischen den Hufen, doch ich habe mir gesagt, dass ich dir dienen möchte. Nimm mich und brauche mich für dein Reich!” Gott sagte zum Esel: “Esel, ich weiss dass du mir dienen möchtest, doch habe Geduld! Sorge für deine Familie und arbeite für deinen Meister. Du wirst deinen Dienst für mein Reich noch beitragen.”

So ging der Esel dahin, er sorgte für seine Familie und arbeitete für seinen Meister. Und die Jahre zogen ins Land. Die Eselkinder waren längst keine Kinder mehr und der Esel war nicht nur Vater sondern schon Grossvater vieler junger Esel. Und er wurde alt. Und in seinem Alter dachte er über sein Leben nach und erneut sprach er zu Gott: “Herr, seit meiner Jugend an wollte ich dir dienen. Doch nun bin ich alt und schwach. Und nichts habe ich für dich getan. Ich schäme mich dafür.” Und Gott sprach zum Esel: “Lieber Esel, ich weiss, dass du seit deiner Jugend an mir dienen wolltest und ich sage dir habe Geduld! Du wirst deinen Dienst für mein Reich noch beitragen.”

So ging der Esel etwas traurig dahin. Er lebte seine letzten Jahre auf Erden und hoffte stets, dass der Herr eines Tages seinen Dienst in Anspruch nehmen würde. Dann, eines Tages, fiel der Esel um und starb. Viele Esel und auch sein Meister trauerten um ihn, denn er hatte ein gutes und treues Leben gelebt. Sie nahmen Abschied vom Esel und sein Meister begrub ihn abseits seines Grundstücks. Die Überreste des Esels wurden wieder zu Erde und gefressen von allerlei Getier, bis nur noch die Knochen des Esels übrigblieben. Doch dann kam eines Tages ein Israelit an der Stelle vorbei, wo die Knochen des Esels lagen.

“Und er fand einen frischen Eselskinnbacken. Da streckte er seine Hand aus und nahm ihn und erschlug damit tausend Mann. Und Simson sprach: Mit eines Esels Kinnbacken hab ich sie geschunden; mit eines Esels Kinnbacken hab ich tausend Mann erschlagen. Und als er das gesagt hatte, warf er den Kinnbacken aus seiner Hand, und man nannte die Stätte Ramat — Lehi (Kinnbackenhöhe).” Richter 15,15-17
Quelle: unbekannt

Das Seltsame Schweigen Der Bibel In Der Kirche

Der Verlust der historischen Überzeugung, dass Gott das sagt, was die Schrift sagt, ist die Ursache, dessen, was James D. Smart in einem bezeichnenden Buchtitel so ausdrückte, ‚Das seltsame Schweigen der Bibel in der Kirche‘. Es hat das Leben der protestantischen Kirchen in diesem Jahrhundert in mehreren Bereichen geschwächt:

  1. Es hat die Predigt untergraben: Der entscheidende Gedanke beim Predigen ist der, dass der Prediger ein Sprachrohr seines Textes wird, indem er ihn erschließt und ihn als Wort Gottes an seine Hörer anwendet; er redet nur, damit das Wort selbst spricht und gehört wird. […]
  2. Es hat die Lehre unterhöhlt: […] Es herrscht Gleichgültigkeit bezüglich der Lehre, ein Gefühl, dass es nicht groß drauf ankomme, ob man eine Meinung zu bestimmten Fragen habe oder nicht, weil es ja angeblich der Mutmaßung eines jeden einzelnen überlassen bleibe, was wahr oder falsch ist. […]
  3. Es hat den Glauben geschwächt: […] Wenn die Gewissheit drüber fehlt, was das Wort Gottes ist, dann herrscht Aberglaube vor, und anstelle des Glaubens gibt es nur Nebel. Bekennende Christen werden dann – wie ernst und entschieden sie auch sein mögen – wie die Juden, die „eifern für Gott, aber mit Unverstand“ (Röm 10:2).

Viel der Frömmigkeit in den Kirchen ist heute verschwommen, ängstlich und freudlos, nur weil die Menschen nicht gelehrt wurden, oder es nicht wagen, ihr Vertrauen in die Heilige Schrift zu setzen und ihr Leben an den ‚teuren und allergrößten Verheißungen‘ (2 Petr 1:4). Zweifel und Ungewißheit pber gOtt und unser Verhältnis zu ihm sind amselige Begleiter für das Leben und Sterben; aber viele leben heute so, weil sie keine Gewissheit über Gott haben, auf der ihr Glaube ruhen könnte.  […]

  1. Es hat die Laien entmutigt, die Bibel zu lesen. […] Selbst wenn man die Bedeutung einer [biblischen] Aussage herausgefunden habe, könne man dieser nicht unbedingt vertrauen, und außerdem sei die Bibel ein Buch, das für den gewöhnlichen Christen zu schwierig ist, als dass er es mit Gewinn studieren könnte. […]
  2. Es hat Christus aus dem Mittelpunkt gerückt und dem Blick entzogen. […] So ist der Jesus des Neuen Testaments nicht länger der Christus; der historische Jesus ist uns nicht mehr zugänglich. […]

J I Packer, Wie Gott Vorzeiten Geredet Hat, s.32-34

 

 

Seine Stimme Hören Wir Immer Noch

„Es ist auch heute noch so, wie einst auf der Straße nach Emmaus, das nichts einen so tröstet und solch eine Glut in das traurige Herz bringt wie die Erkenntnis, dass irgendein Teil der Schrift, obwohl Jahrhunderte vorher geschrieben, genau von dem eigenen Problem handelt, und dass die Lösung dieses Problems die beständige Wirklichkeit der Person, der Bedeutung, des Wirkens und der Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesus Christ ist (siehe Lk 24,13-35).
Immer noch hören wir in den Berichten über sein irdisches Wirken die lebendig machende Stimme von Christus selbst. Immer noch spricht Er durch das geschriebene Wort; die Toten erhalten ewiges Leben, indem sie auf seine Stimme hören, die traurigen und gebrochenen Herzen werden wieder froh, und die Demütigen glauben.
Es ist darum klar, dass jeder, der Gott kennen will, so viel wie nur möglich von dem wissen möchte, was in der Bibel steht…“
J I Packer, Wie Gott Vorzeiten Geredet Hat, s.14-15