Judas Iskariot – Teil 8: Warum beging Judas Selbstmord? Von Viktor Janke

Judas Iskariot bereute seinen Verrat. Und doch reichte das irgendwie nicht aus. In diesem Artikel kannst du nachlesen wieso nicht und warum Judas Selbstmord beging.

1. Warum reichte Judas Reue nicht?

Im Matthäusevangelium erfahren wir, das ähnlich wie Petrus, auch Judas seine Tat bereute:

Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, daß er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück  und sprach: Ich habe Unrecht getan, daß ich unschuldiges Blut verraten habe. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu!  Und er warf die Silberlinge in den Tempel, ging fort und erhängte sich. 

Matthäus 27,3-5

Judas hat offenbar nicht damit gerechnet, dass Jesus zum Tod verurteilt wird. Vielleicht dachte er sich, dass er etwas Geld verdienen könnte, ohne dass es schlimmere Konsequenzen für Jesus gibt. Wer konnte schon ahnen, dass Jesus, der die Liebe in Person war und der nichts Unrechtes tat, für solch eine große Schuld verurteilt wird, dass er sterben muss. Judas wusste, dass Jesus vollkommen unschuldig war und er ihn zu Unrecht verraten hat.

Nun wurde Judas bewusst, dass er wesentlich dazu beigetragen hatte, dass ein unschuldiger Mensch sterben muss. Er erkannte die Wirklichkeit. Judas hat Blutschuld an seinen Händen. Das Geld brennt in seinem Gewissen. Er bereut seinen Verrat. Das ist das Wesen von Sünde – sie sieht attraktiv aus – aber letztendlich betrügt sie und hält nicht ein, was sie verspricht. Sie verklagt uns und brennt in unserem Gewissen (wenn es noch intakt ist).

Judas tut zunächst genau das Richtige, indem er das Geld zurückbringt. Er wollte es wieder in Ordnung bringen. Doch es ist zu spät und natürlich nicht rückgängig zu machen. Wieder lernen wir etwas über Sünde: Einmal geschehen ist sie nicht rückgängig zu machen. Vielleicht kann man Judas Wurf des Geldes in den Tempel als Wiedergutmach-Versuch werten. Aber selbst wenn wir unser Vergehen irgendwie wieder gut machen können, bleibt die Schuld.

An erster Stelle versagen hier die geistlichen Seelsorger der damaligen Zeit – die Hohepriester und Ältesten. War es nicht ihre Aufgabe sich um die Wahrheit, und deshalb auch um dieses Zeugnis zu kümmern? Sie zeigen der verwundeten Seele keinen Ausweg. Vielleicht kannten sie auch keinen. Judas flieht in seiner Verzweiflung und sicher getrieben vom Widersacher aufgrund seiner nicht vergebenen Schuld in den Tod.

2. Warum gibt es keine Vergebung für Judas?

Gibt es keine Vergebung für Judas? Warum findet er keinen Frieden? Ganz einfach: Reue in Form von Gewissensbissen reicht allein nicht aus, um Vergebung oder Versöhnung zu erleben! Es gibt viele Menschen, die Dinge in ihrem Leben bereuen. Aber sie bitten nicht um Vergebung und bringen sie nicht in Ordnung. So erleben sie keine Vergebung und Versöhnung, sondern werden von ihrem schlechten Gewissen zu guten und schlechten Taten getrieben!

Reue ist eine Form der wahren Selbsterkenntnis und der erste Schritt in die richtige Richtung. Doch dazu muss noch das Bekenntnis der Sünden und die Hinwendung zu Gott kommen!

Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

1. Johannes 1,9

Vielleicht ist es ganz selbstverständlich für uns, aber das ist es nicht: Frieden findet man nur bei Jesus! Auch Judas hätte Vergebung und Frieden bei Jesus finden können.

Ganz persönlich: Wie gehen wir mit erkannter Schuld um? Bereuen wir nur oder sind wir auch bereit Sünde zuzugeben und um Vergebung zu bitten? Suchen wir Gottes Vergebung und Nähe?

3. Warum beging Judas Selbstmord?

Ganz offensichtlich ist die erkannte Größe der Schuld so klar für Judas, dass er keinen anderen Ausweg mehr sieht. Aber die große Frage ist warum? Kannte er Jesus Liebe und Gnade nicht? Sah er nicht, dass die größten Sünder Vergebung und Frieden bei Jesus fanden?

Man kann über die Gründe spekulieren: Vielleicht hat der eigene Stolz damit zu tun? War er so enttäuscht von sich selbst, dass er keine Rettung für sich sah?

Aus dem biblischen Text heraus erkennt man meines Erachtens, dass er die Vergebung an der falschen Stelle suchte. Leider tun wir das Menschen manchmal. Judas wird abgewiesen: „Was geht uns das an? Da sieh du zu!„. Von DEM HOHENPRIESTER und den Ältesten erhält er keine Vergebung. Wie soll er dann überhaupt Vergebung bei Gott finden, wenn der Mittler ihm jegliche Hoffnung zerstört?

Wenn wir keine Annahme und Vergebung von Menschen erhalten, können wir auf einen falsch Weg kommen. Ich befürchte, dass schon mancher deswegen eine Gemeinde verlassen hat. Einfach weil er keine Annahme fand. Wichtig ist zu lernen: Es liegt in unserer Verantwortung unsere Anliegen zunächst mit Gott persönlich zu klären!

Es gibt nur durch Jesus Christus Vergebung für Versagen und Sünde. Er ist die einzige richtige Adresse. Er sollte die erste Adresse sein! Zu ihm hätte er hinlaufen müssen… Bei Jesus gibt es Vergebung für die größte Sünde und die größte Schuld! Vorausgesetzt man beugt sich vor ihm und bittet ihn um Vergebung.

Ich kann mir vorstellen, dass es bei diesem Thema noch Fragen oder andere Meinungen gibt. Die Kommentarfunktion steht jedem frei.
https://viktorjanke.de/warum-beging-judas-selbstmord/

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Judas Iskariot – Teil 7: Welchen Wert & Bedeutung haben 30 Silberlinge? von Viktor Janke

Viele Details in der Bibel haben eine Bedeutung. Hier geht es um die Frage: Welchen Wert & welche Bedeutung haben die 30 Silberlinge bzw. Silberstücke – der Judaslohn?

Laut Matthäusevangelium war Judas bereit Jesus für 30 Silberstücke zu verraten (was „verraten“ genau heißt, kannst du hier nachlesen):

und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm dreißig Silberlinge. (Mt 26,15)

1. Was sind 30 Silberstücke wert?

Interessanterweise kommt das Wort „argurion“, was hier mit „Silberstücke“ bzw. „Silberlinge“ übersetzt wird, sonst nicht mehr als Währung im Neuen Testament vor (es werden andere Währungen genannt). Dasselbe Wort wird sonst häufig verwendet, aber immer in der allgemeinen Bedeutung von „Geld“ oder „Silber“. Allein aufgrund der Verwendung des Wortes in der Bibel ist es also schwierig den Wert von 30 Silberstücken zu errechnen.

Nach Meinung vieler Ausleger und Kommentatoren sind dreißig Silberlinge in etwa der Monatslohn eines Tagelöhners. Das heißt, man nimmt an, dass ein Tagelöhner etwa ein Silbergroschen pro Tag bekam. Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20) ist das zum Beispiel der Fall. Doch das dort verwendete Wort ist „denarion“!

Andere Ausleger (wie John MacArthur oder Fritz Rienecker) sind der Meinung, dass es 80 DM oder 25-40 € entspricht. Das ist meines Erachtens eindeutig zu wenig und unwahrscheinlich.

Dreißig Silberstücke waren damals auf jeden Fall ausreichend, um sich davon ein Grundstück zu kaufen (Apg 1,18):

Von der Belohnung, die er [Judas] für seine Untat bekam, wurde dann in seinem Namen ein Acker gekauft.

Apostelgeschichte 1,18 (NEÜ)

Nun müsste man die Grundstückspreise kennen :-). Ich gehe davon aus, dass es mindestens 10.000€ sind. Zu diesem Ergebnis kommen nämlich die wissenschaftlichen Nachforschungen von Ulli Kulke in der Welt online.

Auch der Kaufpreis eines Sklaven spricht für eine höhere Summe. Diesen als bekannt anzunehmende Bezug zu 2. Mose 21,32, einen festgelegten alttestamentlichen Gesetzes-Preis eines Sklaven, werden die ursprünglich jüdischen Leser sicher selbst gemacht haben:

Stößt es aber einen Sklaven oder eine Sklavin, so soll der Besitzer ihrem Herrn dreißig Lot Silber geben, und das Rind soll man steinigen.

Der Durchschnittspreis für einen Sklaven variierte je nach Zeit und Ort, aber war mit Sicherheit höher als ein Monatsgehalt.

Zuletzt sollte man bedenken, wie wertvoll der Verrat von Jesus für den Hohen Rat und für Judas gewesen sein muss. Der Hohe Rat wollte Jesus unter allen Umständen beseitigen und fand keine Möglichkeit dazu. Und Judas war ein Jünger von Jesus und dazu geldgierig. Es musste schon eine lukrative Summe gewesen sein.

Bedeutender als der materialistische Wert, ist die geistliche Bedeutung der 30 Silberlinge:

2. Welche Bedeutung haben die 30 Silberlinge?

Einige Verse nach der Verhandlung um den Lohn für den Verrat schreibt Matthäus selbst, dass durch den Verrat für 30 Silberlinge eine Prophetie in Erfüllung ging:

So erfüllte sich die Voraussage des Propheten Jeremia: „Sie nahmen die dreißig Silberstücke – die Summe, die er den Israeliten wert war – und kauften davon den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hatte.“

Matthäus 27,9-10

Zu den 30 Silberstücken finden wir bei Jeremia nichts. Die nächste Parallele ist wohl in Jeremia 32,6-15 zu finden. Dort geht es um einen Kauf eines Ackers für 17 Silberlinge (eine Zeichenhandlung dafür, dass Gottes Volk aus dem Exil ins eigene Land zurückkehren wird).

Andere Ausleger vermuten, dass Jeremia als Autor genannt wird, weil dieser Prophet als erster in der von ihm benutzten und zitierten Buchrolle stand. Gemeint sei jedoch Sacharja 11,12-13. Dieses Zitat von Matthäus könnte auch aus Jeremia und Sacharja zusammengesetzt sein.

Und ich sprach zu ihnen: Gefällt’s euch, so gebt her meinen Lohn; wenn nicht, so laßt’s bleiben. Und sie wogen mir den Lohn dar, dreißig Silberstücke. 13 Und der HERR sprach zu mir: Wirf’s hin dem Schmelzer! Ei, eine treffliche Summe, deren ich wert geachtet bin von ihnen! Und ich nahm die dreißig Silberstücke und warf sie ins Haus des HERRN, dem Schmelzer hin. (Sacharja 11,12-13)

Laut Sacharja war dieser Kaufpreis von 30 Silberstücken ein verachtender Kaufpreis. Soviel wollen die auf den Bruch mit Samaria zusteuernden Oberen Israels dem im Dienst ihres Gottes stehenden Hirten zahlen, als dieser seinen Dienst quittieren will. Das war eine messianische Prophetie – die sich nun erfüllte.

30 Silberlinge war laut dieser Prophetie ein Kaufpreis, der Verachtung ausdrückte – ganz so, wie wir heute vom „Judaslohn“ sprechen. Fruchtenbaum schreibt sehr interessant in „Das Leben des Messias“, S. 101-102:

Im Laufe der Geschichte wurde diese Summe ein symbolischer Preis für Verachtung. Wenn man jemand seine Missachtung zeigen wollte, konnte man ihm 30 Silberstücke geben und damit aussagen: Du bist mir so viel wert, wie ein toter Sklave. Wenn man einen Kaufpreis aushandelte und zu diesem Wert kam, nahm man in der Regel dann 29 oder 31 Silberstücke, nur um dieses Stigma zu vermeiden.

In Sacharja 11,4-14 sagte Gott dem Propheten Sacharja, dass er eine messianische Rolle spielen sollte: die Rolle des guten Hirten, der eine Herde füttert, die später geschlachtet wird. Nach einer gewissen Zeit sollte Sacharja zu den jüdischen Führer gehen und zu ihnen sagen: Wir haben vorher keinen Lohn vereinbart. Gebt mir, was ich euch wert bin. Wenn meine Arbeit dir etwas wert ist, bezahle mich entsprechend. Wenn sie dir nichts wert ist, zahle mir nichts. Es wäre weniger schlimm gewesen, wenn sie ihm gar nichts gezahlt hätten.

Aber sie wählten genau 30 Silberlinge, um somit zu sagen: Deine Arbeit ist uns soviel wert, wie ein toter Sklave. Gott gebot Sacharja daraufhin die 30 Silberlinge zu nehmen und in den Tempelbezirk zu werfen – genau wie Judas es Jahrhunderte später tun würde. Und dann sagte Gott zu Sacharja: ‚Dies ist der Preis, für den ich geschätzt wurde.‘ Was er hier sagte, meinte, dass Gott selbst eines Tages für den Preis eines toten Sklaven verkauft werden würde. Und als sie Judas 30 Silberstücke gaben, erfüllten sie diese Prophetie und verkauften den Gott Israels für den Preis eines toten Sklaven. Sie hatten ganz bewusst diesen Preis von 30 Silberlingen ausgewählt, um Jesus gegenüber ihre Verachtung zu zeigen.

Eine letzte Bemerkung zu diesen 30 Silberlingen: Sie kamen vom Hohepriester. Wenn sie von ihm kamen, stammten sie auch aus dem Tempelschatz. Ein Hauptzweck des Tempelschatzes war es, Opfer zu kaufen. Dies wollten sie nicht, als sie Judas das Geld gaben, aber es war genau das, was sie taten. Sie kauften ein Opfer. Genauer, sie kauften das eine Opferlamm, das die Sünder der Welt wegtragen würde.

3. Wie viel ist uns Jesus wert?

Für Judas war Jesus weniger als 30 Silberlinge wert. Für Maria von Magdala war er kostbarer als 300 Denare (Johannes 12,5). Und für dich?

Wir können uns selbst und anderen viel vormachen. Was Jesus uns wirklich wert ist, sehen wir auf unseren Bankkontoauszügen, in unserer Wochenplanung und in unseren Gesprächsinhalten. Ich hoffe, dass wir eine Sehnsucht haben Jesus immer mehr zu lieben und wertzuschätzen!

Heiliger Geist …

Der Heilige Geist ist Gott. (2.Kor 3, 17)
Der Heilige Geist hat Jesus gezeugt. (Mt 1, 18)
Der Heilige Geist gehört zu Jesus. (Lk 4, 1)
Der Heilige Geist kommt von Jesus. (Joh 20, 22)
Den Heiligen Geist zu lästern ist nicht vergebbar. (Mt 12, 31)
Christen dürfen um den Empfang des Heiligen Geistes bitten. (Apg 8, 15)
Gott gibt gerne Heiligen Geist an jeden der darum bittet. (Lk 11, 13)
Der Heilige Geist vertritt Jesus bei den Gläubigen. (Joh 14, 26)
Der Heilige Geist versiegelt den Christen als Eigentum Gottes. (Eph 1, 13)
Alle Christen sind mit Heiligem Geist getauft. (Mt 3, 11)
Der Heilige Geist deckt Sünde auf. (Joh 16, 8)
Der Heilige Geist erinnert an die Worte Jesu. (Joh 14, 26)
Der Heilige Geist offenbart und klärt das Wort Gottes. (Mk 12, 36)
Der Heilige Geist macht den Willen Gottes klar. (Lk 1, 67)
Der Heilige Geist führt in wichtigen Lebensentscheidungen. (Apg 3, 4)
Der Heilige Geist setzt Christen zum Dienst ein. (Apg 20, 28)
Der Heilige Geist tröstet. (Joh 14, 26)
Der Heilige Geist gibt Freude. (Röm 14, 17)
Der Heilige Geist vermittelt die Liebe Gottes. (Röm 5, 5)
Der Heilige Geist verändert Charakter und Wesen. (Gal 5, 22f.)
Der Heilige Geist befähigt für ein Leben im Glauben. (Apg 1, 8)
Der Heilige Geist leitet in Glaubensgesprächen. (Mk 13, 11)
Der Christ ist Tempel des Heiligen Geistes. (1 Kor 6, 19)
All das ist Pfingsten.
Wirklich schön, dass Christen den Heiligen Geist Gottes haben!
Michael Kotsch FB

Der Geist überführt von Sünden

Das Wirken des Heiligen Geistes ist – wie alles Handeln der Personen der Dreieinigkeit –sehr vielfältig. Dabei wird Gott, dem Vater, traditionell die Schöpfung zugeordnet, dem Sohn die Erlösung und dem Geist die Heiligung.
Die Heiligung des Christen ist tatsächlich so etwas wie die Hauptarbeit des Geistes. Vor allem hilft er den Gläubigen in der Jüngerschaft die Ausrichtung auf Jesus Christus festzuhalten. James I. Packer formuliert treffend: „Der Heilige Geist verherrlicht Jesus für uns, indem er uns überzeugt, dass alles, was Jesus in seiner Herrlichkeit ist und besitzt, wirklich und wahrhaftig für uns ist…“ Ziel des Wirken des Geistes ist, „dass der Sohn erkannt, geliebt, geehrt und gepriesen wird und Vorrang hat in allen Dingen“ (Keep in Step With the Spirit).
Das gesamte christliche Leben ist aus Gnade, und daraus folgt, dass das vorrangige Ergebnis des Wirkens des Geistes in der Heiligung die Dankbarkeit für die durch Christus erworbene Erlösung ist. Das Gesamtziel der Heiligung ist somit durch und durch positiv: dem Erlöser immer ähnlicher werden, immer größere Dankbarkeit für die Rettung.
Gott ist Licht, weshalb Christen ebenfalls zum Leben im Licht berufen sind (J Joh 1,7). Daher wird auch das Wirken des Geistes in der Heiligung gut mit dem Erleuchten umschrieben. Er erleuchtet das Wort, so dass wir seine Bedeutung verstehen; er nimmt den Schleier von den Augen, so dass wir Christus sehen und erkennen. Er offenbart Wahrheit und die Herrlichkeit Christi. Darüber hinaus deckt der Geist aber auch Sünde auf, offenbart sie.
Dieses Aufdecken steht natürlich am Beginn des christlichen Lebens. Alle Menschen erfahren Sünde. Die Frage ist nur, wie wir über sie denken. Erfahrung von Sünde kann das Herz verhärten; eine gewisse Sündenerkenntnis ist auch Ungläubigen möglich (Ex 9,27; Mt 27,3). Die volle und tiefe Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit ist ein übernatürliches Wirken des Geistes.
In der Rede an die Jünger vor seinem Tod im Johannes-Evangelium dreht sich viel um die Beziehung der Personen der Trinität untereinander und ihr Wirken. An fünf Stellen geht es auch um den Heiligen Geist (Joh 14,16–17.26; 15,26–27; 16,4b–11.12–15). Jesus in 16,8–11:
„Und wenn er [der Geist] kommt, wird er der Welt zeigen, dass sie im Unrecht ist; er wird den Menschen die Augen öffnen für die Sünde, für die Gerechtigkeit und für das Gericht. Er wird ihnen zeigen, worin ihre Sünde besteht: darin, dass sie nicht an mich glauben. Er wird ihnen zeigen, worin sich Gottes Gerechtigkeit erweist: darin, dass ich zum Vater gehe, wenn ich euch verlasse und ihr mich nicht mehr seht. Und was das Gericht betrifft, wird er ihnen zeigen, dass der Herrscher dieser Welt verurteilt ist.“ (NGÜ)
Natürlich ist das Kommen des Geistes im Neuen Bund grundsätzlich eine positive Sache (deswegen ja auch der durch und durch positive Name parakletos – Tröster, Helfer, Beistand). Hier wird aber auch deutlich, dass sein Wirken sowohl ganz zu Beginn des Weges zum persönlichen Glauben als auch in der Jüngerschaft in gewisser Weise negativ ist, nämlich aufdeckend, entblößend. In dreifacher Weise überführt er, überzeugt von Sünden:
„für die Sünde“: Unglaube ist der Kern der Sünde; Jesus wird nicht anerkannt als der, der er ist. Auch wenn der Christ einmal mit dem Glauben begonnen hat, ringt der Gläubige im ganzen Leben mit zu kleinem oder mangelndem Glauben.
„für die Gerechtigkeit“: der Mensch hält sich selbst für gerecht, doch „alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid“ (Jes 64,5). Gott ist dagegen völlig gerecht und gut. Dass Jesus zum Vater gehen wird, beweist seine Einheit mit ihm und seine Gerechtigkeit.
„für das Gericht“: das Gericht über Jesus stand unmittelbar bevor; doch durch seinen Tod am Kreuz siegte Satan nicht, sondern dieser wurde besiegt. Der von den Menschen Gerichtete ist nun der Richter der Welt (Joh 5,22.27). Der Heilige Geist wirkt im Menschen so, dass er seine Schuld vor dem Richter erkennt (s. vor allem Röm 2,1–10).
Der Geist öffnet also die Augen. Er lässt den Menschen erkennen, dass er vor Gott gesündigt hat. Dies steht am Beginn des christlichen Lebens und setzt sich in der gesamten Jüngerschaft, im Prozess der Heiligung, fort. David, der ja ein Gläubiger war, nach seinem Mord an Uriah: „An dir allein habe ich gesündigt“ (Ps 51,6). Diese Erkenntnis ist natürlich nicht angenehm. Und nach der von Gott nicht gewollten Volkszählung: „Dann aber schlug David das Gewissen,… und er sagte zum Herrn: Ich habe schwer gesündigt, weil ich das getan habe. Doch vergib deinem Knecht seine Schuld.“ (2 Sam 24,10) Es war der Heilige Geist, der in beiden Fällen das Gewissen des Königs anschlagen ließ.
Es gibt eine selbstmitleidige Traurigkeit, aber auch „gottgewollte Traurigkeit“ (2 Kor 7,10). Die vom Geist gewirkte innere Unruhe oder Verunsicherung ist auch Ergebnis der Pfingstpredigt der Apostel: „Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?“ (Apg 2,37)
Bei diesem Wirken nutzt der Geist vor allem das Gesetz der Hl. Schrift (z.B. Röm 3,20). So auch der Heidelberger Katechismus, Fr. 3: „Woher erkennst du dein Elend? Aus dem Gesetz Gottes.“ Autor Zacharias Ursinus zeigt auch in Fr. 115 gut, dass der Geist auch weiterhin in der Jüngerschaft das Gesetz und dessen Predigt benutzt. „Warum lässt uns Gott denn die zehn Gebote so eindringlich predigen, wenn sie doch in diesem Leben niemand halten kann?“ Der Katechismus antwortet:
„Erstens sollen wir unser ganzes Leben lang unsere sündige Art je länger, je mehr erkennen und umso begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christus suchen. Zweitens sollen wir unaufhörlich uns bemühen und Gott um die Gnade des Heiligen Geistes bitten, dass wir je länger, je mehr zum Ebenbild Gottes erneuert werden, bis wir nach diesem Leben das Ziel der Vollkommenheit erreichen.“
Das zweimalige „je länger, je mehr“ zeigt, dass es hier um die Heiligung des Christen geht. Der im Glauben wachsende Christ erkennt durch das Gesetz seine sündige Art immer besser. Auch für Christen bleibt das Gesetz Gottes das Hauptwerkzeug des Geistes, um diese Erkenntnis zu schaffen.
Die Art und Weise des Prozesses der Heiligung darf also nicht in falscher Weise verschönert und idealisiert werden. Der Heilige Geist führt Christen vor allem in innere Auseinandersetzungen, ja einen unerbittlichen Kampf hinein. Die Sünde herrscht zwar nicht mehr, aber sie wirkt nach wie vor. In diesem Kampf gegen die gefallene Natur könnten Christen nicht bestehen ohne die Kraft des Geistes. Daher wird im Katechismus ja auch die Bitte um den Geist genannt.
Diesen Zusammenhang von Positivem und Negativem hatte auch schon Martin Luther in seinen „Thesen zur Heidelberger Disputation“ (1518) klar dargestellt: „Das Gesetz schafft Furcht und Zorn, die Gnade Hoffnung und Erbarmen. Durch das Gesetz nämlich erhält man Sündenerkenntnis, durch Erkenntnis der Sünde aber erlangt man Demut, und durch die Demut Gnade. So führt Gottes fremdes Werk (opus alienum dei) schließlich sein eigentliches Werk (opus proprium) herbei, indem er den Menschen zum Sünder macht, um ihn gerecht zu machen.“ (16)
Auch in der lutherischen Konkordienformel von 1577 wird im Artikel VI betont, dass die Erneuerung des Menschen, der zum Glauben gefunden hat, noch nicht vollkommen ist, sondern „nur angefangen“ hat. Deshalb stehen „die Gläubigen mit dem Geist ihres Gemüts in einem stetigen Kampf wider das Fleisch, das ist wider die verderbte Natur und Art…“. Um dieses „alten Adams willen“ ist es nötig, dass auch den Christen „das Gesetz des Herrn immer vorleuchte“. Das Gesetz bleibt „bei den Bußfertigen und Unbußfertigen, bei wiedergeborenen und nicht wiedergeborenen Menschen ein einziges Gesetz, nämlich der unwandelbare Wille Gottes“.
Es besteht aber ein wichtiger Unterschied: Der Ungläubige befolgt den Geboten nur „aus Zwang und unwillig“, der Gläubige aber „ohne Zwang mit willigem Geist“ (s. auch Westminster-Bekenntnis, Kap. 9,4–5). Es ist eben der Heilige Geist, der den Menschen willig macht, seine Schuld einzugestehen und zu gehorchen. Von Holger Lahayne  
http://lahayne.lt/2019/04/15/der-geist-uberfuhrt-von-sunden/

Sieben Gründe warum Christen keinen „Zehnt“ geben müssen.

Ein Artikel von Thomas R. Schreiner:

Hinweis des Herausgebers: Dieser Artikel ist eine Hälfte der Serie „TGC Asks“ zur Frage: Müssen Christen heute den Zehnt geben?  Die Verteidigung des Zehnt stellt William Barcley im Artikel : The Bible Commands Christians to Tithe, dar. Bei der Begriffswahl „ZEHNT“ orientiere ich mich am Vorschlag von Wikipedia.

Viele denken, dass gläubige Christen den Zehnten von ihrem Einkommen spenden sollten, so dass auch von einem „Zehntopfer“ (engl. „thithes and offerings“) gesprochen wird. Andere sind gleichermaßen davon überzeugt, dass dieser Brauch für Gläubige nicht notwendig ist.
Welche Sicht ist näher an Gottes Wort?
Sicherlich ist dies keine Frage, an der christliche Gemeinschaft zusammenbrechen sollte. Die Liebe ist viel wichtiger als unsere Meinung über den Zehnt(1. Kor. 13). Dennoch würde ich behaupten, dass die Gläubigen an Jesus Christus  nicht ermutigt oder gar dazu aufgefordert werden, den Zehnt zu geben. Jedoch sollte ich meinen Standpunkt erläutern.

Der „Zehnt“ im Alten Testament

Was sagt das Alte Testament darüber? Abraham gab den Zehnten seiner Kriegsbeute an Melchisedek (1. Mo. 14,20) und der Hebräerbrief erwähnt diese Begebenheit um die Überlegenheit des Priesteramtes Melchisedeks über das Levis zu beweisen (Heb. 7,4-10). Gott traf Jakob in Bethel und versprach ihm die Bundessegnungen, der Patriarch versprach Gott den Zehnten von allem was er bekommen sollte (1. Mo. 28,22).
Der Zehnt von Israels Saaternte, der Früchte und der Herde wurde dem Herrn gegeben ( 3. Mo. 27,30-32; 5. Mo. 14,22-24, auch 2. Chr. 31,5-6 und Neh. 13,5.12). Die Menschen gaben einen Zehnten den Leviten um sie zu unterstützen (4. Mo. 18,21-24, auch Neh. 10,38 und 12,44). Und die Leviten wiederum mussten einen Zehnten Teil an die Priester abgeben (4. Mo. 18,25-28). Jene, die nicht den Zehnt gaben, unterlagen einem Fluch, während den Gehorsamen ein Segen zugesagt wurde (Mal. 3,8-10)

Obwohl wir annehmen könnten, dass Israel insgesamt 10% abgab, ist es in der Tat schwierig die genaue Menge der Abgaben zu ermitteln. Wir können nicht auf Details in einem solch kurzen Artikel eingehen, doch einige denken, dass die Israeliten 14 mal in sieben Jahren verzehnten, andere glauben, dass dies 12 mal geschah. Unabhängig davon, wird schnell deutlich, dass ein Zusammenzählen der Abgaben zehn Prozent deutlich übersteigt. Tatsächlich war die Zahl offensichtlich bei etwa 20% pro Jahr.

Warum der Zehnt heute nicht mehr gefordert ist

Es gibt sieben ausschlaggebende Gründe, warum der Zehnt heute nicht mehr von den Christen gefordert wird:

1. Die Gläubigen sind nicht mehr unter dem mosaischen Bund (Röm. 6,14-15; 7.5-6; Gal. 3,15-4,7; 2. Kor. 3,4-18).

Die im mosaischen Bund festgelegten Gebote sind für den Gläubigen nicht mehr in Kraft. Manche wenden hier eine Teilung zwischen bürgerlichen, zeremoniellen und moralischen Gesetzen an, um den Zehnt zu verteidigen. Ich würde jedoch einwenden, dass diese Unterteilung nicht die grundlegende Argumentation von Paulus um  das Gesetzt für uns heute anzuwenden. Und selbst wenn wir diese Unterteilung annähmen, so wird deutlich, dass der Zehnt nicht Teil des moralischen Gesetzes ist. Es ist zwar wahr, dass die moralischen Normen des Alten Testament auch heute in Kraft sind und wir nehmen sie vom Gesetz Christi im Neuen Testament wahr, doch der Zehnt ist nicht unter diesen Geboten.

2. Das Verhalten von Abraham und Jakob stellt kein normatives Muster dar.

Manche denken, dass der Zehnt gefordert ist, weil sowohl Abraham wie Jakob ihr Einkommen verzehnten, und beide vor dem mosaischen Bund lebten. Doch solche Beispiele beweisen kaum, dass damit der Zehnt für alle Zeit festgelegt wurde. Abrahams Geschenk an Mechisedek war ein einmaliges Ereignis. Es gibt keine Beweise dafür, dass er Gott regelmäßig den zehnten Teil abgab.

3. Der Zehnt wurde den Priestern und Leviten gegeben, doch im neuen Bund gibt es keine Priester und Leviten.

Leviten und Priester sind  mit dem Opfersystem des alten Bundes verknüpft. Nun sind alle gläubigen Priester (1. Pet. 2,9; Offb. 1,6; 5,10; 20.6), mit Jesus unserem melchisedekischen Hohepriester (Heb. 7).

4. Der Zehnt ist mit dem Land verknüpft, das Israel unter dem alten Bund geerbt hat.

Israel sollte alle drei Jahre in Jerusalem zu einer „Zehntfeier“ zusammenkommen. Doch dies kann heute nicht für Christen angewandt werden. Dieser Brauch bezog sich auf die Juden als eine Nation – Juden, die im Land der Verheißung lebten. Mit dem Kommen Christi, ist die jüdische Nation nicht mehr der Locus des Volkes Gottes, obwohl einzelne Juden durch den Glauben an Jesus Teil der Gemeinde sind.

Das irdische Jerusalem ist nicht mehr zentral für Gottes Zweck (Gal. 4,25). Die Gläubigen sind Teil des himmlischen Jerusalems (Gal. 4,26) und erwarten die Stadt, die kommen soll (Heb. 11,10), und einen neuen Himmel und eine neue Erde (Offb. 21,1-22.5). Abraham ist nicht Erbe von Israel sondern der ganzen Welt (Röm. 4,13)

5. Wenn der zehnt heute verpflichtend ist, wie viel muss man dann geben?

Wie bereits oben ausgeführt, lag der Anteil der Abgaben bei deutlich mehr als zehn Prozent, eher bei zwanzig Prozent. Die, die am Zehnt bestehen, sollten diesen wahrscheinlich bei zwanzig Prozent ansetzen.

6. Als Jesus den Zehnt bestätigte, war es vor der Morgendämmerung des neuen Bundes.

Manche verteidigen den Zehnt, indem sie ausführen, dass Jesus diesen bestätigte, obwohl er sagte, dass er weniger wichtig sei als andere Dinge (Matth. 23,23; Luk. 11,42). Dieses Argument wirkt starkt ist aber nicht überzeugend. Jesus erwähnte auch die Opfer im Tempel (Matth. 5,23-24), doch Christen denken nicht – selbst wenn der Tempel wieder aufgebaut würde-, dass wir das tun sollten. Die Worte unseres Herrn werden verständlicher, wenn wir über seinen Platz in der Heilsgeschichte nachdenken.

Jesus sprach über die Opfer und den Zent vor dem Kreuz und der Auferstehung, vor der Morgendämmerung des neuen Bundes. Er verwendete den Zehnt und die Opfer als Illustrationen, als er sich an seine Zeitgenossen richtete. Er hielt das Gesetz, denn er war „unter dem Gesetz geboren“ (Gal. 4,4). Wir aber sehen seine Worte über den Zehnt genauso wenig als Gebot an, wie seine Rede über die Opfer.

7. Nirgendwo wird der Zehnt erwähnt, wenn das Neue Testament zum großzügigen Geben aufruft.

Wenn Christen gelehrt werden, den Armen zu geben, heißt es nie, sie sollen den „Armen den Zehnt geben“. Stattdessen werden sie zur Großzügiger Hilfe gegenüber Hilfsbedürftigen aufgerufen (Apg. 2,43-47; 4,32-37; 11,27-30; Gal. 2,10; 1. Kor. 16,1-4; 2 Kor. 8,1-9,15). Auch 1. Kor, 16-14 – Eine Stelle die oft zur Verteidigung des Zehnt zitiert wird – erwähnt diesen nicht. Es bezieht sich auf eine einmalige Gabe an die armen Heiligen in Jerusalem.

Gebe Großzügig

Auch wenn der Zehnt heute nicht gefordert wird, heißt das nicht, dass die Gläubigen ihre Besitztümer horten sollen.

Wir werden aufgefordert die zu unterstützen, die das Evangelium predigen (Matt. 10,10; Luk 10,7; 1 Kor. 9,6-14, 1. Tim. 5,17-18). Und während wir die guten Gaben genießen sollen, die Gott uns gibt, werden wir auch aufgerufen den Hilfsbedürftigen großzügig zu helfen (1. Tim. 6,17-19; 2. Kor. 8-9). Reichtum kann schnell zum Götzen werden, der uns vom Herrn wegführt. Weil Gott unser Schatz sein sollte, sollen Gläubige großzügig und frei geben. Für viele im Westen bedeutet das, mehr als zehn Prozent zu geben.

Dennoch gebietet die Schrift nicht, dass Christen den Zehnt geben sollen – Und die Schrift – nicht die Tradition –  ist unsere Regel und Autorität


thomas-r-schreiner

Dieser Artikel erschien zuerst am 28. März 2017 auf The Gospel Coalition.  Autor ist Thomas R. Schreiner. Er ist James Buchanan Harrioson Professor für Neues Testament und biblische Theologie, sowie Dekan für Bibelkunde und Hermeneutik am Southern Baptist Theological Seminary in Louisville, Kentucky. Folge ihm auf Twitter.

thegospelcoalition

Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors und The Gospel Coalition.
https://glaubend.com/2019/05/07/sieben-gruende-warum-christen-keinen-zehnt-geben-muessen/

Judas Iskariot – Teil 6: Warum wollte der Teufel, dass Judas Jesus verrät?

Warum wollte der Teufel, dass Judas Jesus verrät? Warum trieb Satan Judas Iskariot zum Verrat? Hatte der Teufel nicht versucht Jesus vom Leiden und Sterben abzuhalten?

1. Der Teufel wollte Jesus Leiden und Sterben verhindern

Beim Lesen der Evangelien sieht es zunächst danach aus, dass es die Absicht des Teufels war, Jesus von seinem Weg zum Kreuz abzubringen:

Von Geburt an, wird er verfolgt – er sollte getötet werden. Bei der Versuchung in der Wüste (Matthäus 4,1-11) will der Teufel Jesus vom Weg des Leidens abbringen. Jesus soll seine Macht missbrauchen oder durch Teufelsanbetung diese Welt erhalten.

Hinter all diesen Versuchungen steht der Gedanke: „Geh nicht den Weg des Leidens und der Opfer und des Todes. Nutze deine Macht, dem Leid zu entkommen. Wenn du der Sohn Gottes bist, zeige deinen Herrschaftsanspruch. Und ich kann dir helfen, das zu erlangen. Was immer du tust, gehe nicht ans Kreuz.“

Quelle: Judas Iskariot, der Selbstmord des Teufels und die Erlösung der Welt

Das Volk will ihn mehrfach zum „Brotkönig“ machen, aber Jesus lässt es nicht zu. Auch in Matthäus 16,21-23 wird deutlich, dass es im Sinne des Teufels ist, dass Jesus nicht leidet und stirbt. Jesus kündigt an, dass er durch die Ältesten und die Hohenpriester viel erleiden würde und getötet werde. Als Petrus sich gegen diesen Weg wendet, rügt Jesus ihn:

»Geh weg von mir, Satan! Du willst mich zu Fall bringen. Was du denkst, kommt nicht von Gott, sondern ist menschlich!«

Matthäus 16,23

Jesus zu hindern ans Kreuz zu gehen, war das Werk Satans. Satan wollte nicht, dass Jesus gekreuzigt wird. Es wäre sein Verhängnis.

2. Die Veränderung der Strategie des Teufels

Doch in Lukas 22,1-4 lesen wir plötzlich:

Es war aber nahe das Fest der Ungesäuerten Brote, das Passa heißt. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten danach, wie sie ihn töten könnten; denn sie fürchteten sich vor dem Volk. Es fuhr aber der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte. Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten darüber, wie er ihn an sie verraten könnte.

Aus dem Text stellt sich die Frage: Warum wollte der Teufel, dass Judas Jesus verrät? Judas Motive und warum Judas Verrat für die Verhaftung notwendig war, haben wir bereits betrachtet. Aber warum trieb der Teufel Judas Iskariot zum Verrat?

Warum die Kehrtwendung? Warum versucht Satan ihn vorher vom Kreuz abzuhalten und ergreift dann die Initiative, um ihn an eben jenes Kreuz zu bringen?

Satan sah, dass seine Anstrengungen Jesus vom Kreuz abzuhalten fehlschlugen. Jedes Mal behielt Jesus den Kurs. Jesus war fest entschlossen zu sterben (Lk 9,51,53), und Satan zog daraus den Schluss, dass er ihn nicht stoppen konnte. Daher beschloss er: Wenn er ihn schon nicht aufhalten konnte, würde er es zumindest so unangenehm und schmerzhaft und so herzzerreißend wie möglich gestalten. Wenn schon Tod, dann Tod durch Verrat. Tod durch Verlassen. Tod durch Verleugnung (Lk 22,31-34). Tod durch Folter. Wenn er es nicht aufhalten konnte, würde er doch andere hineinziehen und soviel Schaden wie möglich anrichten. Es war eine spektakuläre Abfolge von Sünden, die Jesus ans Kreuz brachten.“

Quelle: Judas Iskariot, der Selbstmord des Teufels und die Erlösung der Welt

3. Welche Taktik verfolgt der Teufel in deinem Leben?

Der Teufel kann sowohl durch Erfolg, Reichtum und Wohlstand, als auch durch Leiden, Rückschläge und Verfolgung zu seinem Ziel kommen. Wenn es den Menschen gut geht, dann können sie Gott leicht vergessen und falsche Wege einschlagen. Genauso können auch die Leiden und Nöte Gründe für die Menschen sein, sich von Gott abzuwenden, um „einfachere“ oder „falsche“ Wege zu gehen.

Um zweierlei bitte ich dich; schenke es mir, solange ich am Leben bin: Falschheit und Lügenwort halte mir fern! Armut und Reichtum gib mir bitte nicht! Lass mich das Brot, das ich brauche, genießen, damit ich nicht satt dich verleugne und sage: „Wer ist denn Jahwe?“ und auch nicht verarmt anfange zu stehlen und mich vergreife am Namen Jahwes.

Sprüche 30,7-9 (NEÜ)

Dem Teufel ist es gleich, warum Menschen sich von Gott abwenden und Jesus nicht (mehr) vertrauen.

Spannend wird es, wenn wir uns fragen, wie der Teufel uns momentan versucht, uns von unserer hingegebenen Liebe zu Jesus abzubringen. Oder hat er schon geschafft? Frage dich selbst: Welche Prüfung erlebst du zur Zeit? Ist dein Leben gerade gesegnet und schön oder sehr herausfordernd und schwierig? Halte dir Jesus vor Augen! Richte deine Liebe auf ihn aus und setz deine Hoffnung allein auf ihn!
Von Viktor Janke Veröffentlicht 3. Mai 2019 Aktualisiert 1. Mai 2019
https://viktorjanke.de/warum-wollte-der-teufel-dass-judas-jesus-verraet/

Judas Iskariot – Teil 5: Warum hat Judas Jesus verraten?

Warum hat Judas Jesus verraten? Wie kommt er dazu? Hier erfährst du die Gründe, die Judas Iskariot dazu getrieben haben, Jesus zu verraten.

1. Populäre Theorien, warum Judas Jesus verraten habe

Es schwirren heute einige Theorien im Netz und in der Wissenschaft herum, weshalb Judas Jesus verraten haben soll:

1.1 Die wahre Natur von Jesus sollte offenbar werden

Nach dieser populären Theorie wollte Judas seinem Meister Jesus helfen, seine wahre Natur zu offenbaren. Jesus sollte seine Allmacht und Größe auch politisch zur Schau stellen und die Herrschaft der Römer beenden. Jesus war ja der verheißene König! Judas wollte Jesus also einen Gefallen tun.
Diese Theorie, die auf dem Judas-Evangelium basiert,  ist eine gnostische Interpretation des ganzen Geschehens. Mittlerweile wird aber bezweifelt, dass das Judas-Evangelium behaupte, Judas habe Jesus geholfen.
Die historisch-glaubwürdigen Quellen belegen im Gegenteil: Judas Verrat wird im ganzen Neuen Testament als verwerflich beurteilt! Judas wollte Jesus nicht helfen, sondern selbst davon profitieren (siehe Punkt B). Diese Theorie ist reine Spekulation, für die es keine Gründe gibt.

Sehr ähnlich sind auch die beiden folgenden Theorien:

1.2 Das Reich Gottes sollte anbrechen

Judas hoffte, dass Jesus sich nun als Messias offenbaren und das Reich Gottes anbrechen würde:

Rudolf Augstein nahm in seinem Buch Jesus Menschensohn an, dass Judas wie auch die anderen Jünger (Lk 24,13) erwartete, dass Jesus Israel als politischer Messias in den Befreiungskampf gegen die Römer führen würde. Er habe Jesus durch seinen Verrat zwingen wollen, sich als Messias zu offenbaren, weil er geglaubt habe, Jesus habe von JHWH die Macht, die Juden von den Römern zu befreien. (Quelle)

1.3 Judas soll ein Freiheitskämpfer gewesen sein

Judas soll Jesus aus Frust verraten haben, weil dieser sich nicht für die Befreiung Israels einsetze.
In den beiden Theorien b) und c) wird davon ausgegangen, dass Judas ein Zelot war. Diese beliebte These kann nicht direkt belegt werden und ist deshalb zu verwerfen. Das Argument, dass Judas als einziger aus Judäa stammt, genügt für eine solche Argumentation nicht.
Die Jünger haben sich Jesus nicht angeschlossen, weil sie durch ihn die Befreiung Israels erhofften. Erst während Jesu Wirken erkannten sie, dass er der Messias ist (Markus 8,27-30). Doch sofort fing Jesus an sie zu lehren, dass der Messias kein irdisches Königreich aufbauen werde, sondern leiden und sterben muss (Markus 8,31).

2. Warum hat Judas Jesus laut der Bibel verraten?
Da die Bibel die einzige zuverlässige Quelle für das Leben von Judas Iskariot ist, sollte wir sie zu den Motiven von Judas befragen:

2.1 Liebe zum Geld / Geldgier

Wir lesen:

Da sprach einer seiner Jünger, Judas Iskariot, der ihn hernach verriet:  5 Warum ist dieses Öl nicht für dreihundert Silbergroschen verkauft worden und den Armen gegeben?  6 Das sagte er aber nicht, weil er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb, denn er hatte den Geldbeutel und nahm an sich, was gegeben war.

Johannes 12,4-6

Diese Begebenheit macht deutlich, dass Judas das Geld mehr liebte als Jesus. Deshalb konnte er sich auch für die 30 Silbermünzen und gegen Jesus entscheiden.
Wir in der Formulierung „er war ein Dieb“ einen Grundwesenszug von Judas. Er war dieser Sünde immer und immer wieder erlegen („er nahm an sich, was gegeben war“).
Für die Geldgier / Habsucht als Hauptmotiv für den Verrat spricht, dass drei der Evangelien den Verrat unmittelbar nach dieser Geschichte mit der „Geldverschwendung“ berichten! Sie ist der Auslöser:

  • Matthäus 26,14-16
  • Markus 14,10-11
  • Lukas 22,3-6

Außerdem berichtet Matthäus, dass der Kaufpreis für Judas entscheidend war („Was wollt ihr mir geben?“ in Matthäus 26,15).

2.2 Unglaube

Hinter dem offensichtlichen Motiv der Geldgier steckt der Unglaube. Judas erkannte nicht, dass Jesus mehr wert ist, als alles Geld dieser Welt. Der Unglaube von Judas wird in Johannes 6,64-71 angesprochen:

Aber es gibt einige unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.

Johannes 6,64

Das ist sicher erschreckend zu erkennen, dass es in dem engen Kreis von Jesus Jüngern auch Ungläubige gegeben hat. Doch das sollte uns nicht verwundern. Dabeisein oder Mitgliedsein ist keine Garantie für irgendetwas.

2.3 Besessenheit

Aus dem Unglauben und dem willentlichen Festhalten an der Sünde (Geldgier) heraus, folgt die Besessenheit. An Jesus scheiden sich die Geister. Judas hat sich, trotz seiner äußeren Nachfolge, innerlich gegen Jesus entschieden und lebte in der Sünde. Deshalb konnte der Teufel in Judas fahren!

Es fuhr aber der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte. Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten darüber, wie er ihn an sie verraten könnte.

Lukas 22,3-4

Auch die (aus der Geldgier und dem Unglauben folgende) Besessenheit des Judas, kann als ein Grund für den Verrat des Judas genannt werden. Deshalb wird Judas häufig, wie im Bild oben, mit einem Teufel dargestellt.

3. Fazit: Warum hat Judas Jesus verraten?

Wir sehen, dass die biblischen Berichte uns genügend Antworten zum Motiv von Judas Verrat geben. Judas war ein geldgieriger Jünger von Jesus, der sich nicht von seiner Sünde abwandte. Er wollte Jesus nicht mehr lieben, als das Geld. Letztlich ist er ungläubig geblieben und wurde zu einem Werkzeug des Teufels. Getrieben von der Macht des Bösen war er bereit seinen eigenen Meister zu verraten.

Alle anderen Motive müssen als Spekulation abgelehnt werden.

Von Viktor Janke Veröffentlicht 17. April 2019
https://viktorjanke.de/warum-hat-judas-jesus-verraten/