Reiß dein rechtes Auge aus

Das bringt uns zu V. 29-30: „Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir … Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir.“ Hier haben wir offenbar einen von Jesus’ Lieblingssätzen, denn er sagt ihn später im Evangelium noch einmal. Dort fügt er dem Auge und der Hand noch den Fuß hinzu und bezieht sich nicht speziell auf sexuelle Anfechtungen, sondern allgemein auf „Verführungen“ (Mt 18,7-9). Das Prinzip gilt an sich also umfassender. Doch in der Bergpredigt wendet Jesus es auf diesen Bereich an. Was meint er damit?
Auf den ersten Blick ist es ein seltsames Gebot, ein Auge oder eine Hand oder einen Fuß abzuhauen, die einem Ärger machen. Einige wenige Christen, deren Eifer ihre Weisheit weit überstieg, haben Jesus beim Wort genommen und sich selbst verstümmelt. Am besten bekannt ist vermutlich Origenes, der große Theologe des 3. Jahrhunderts. Er wurde immer extremer in seiner Askese, lehnte Besitz, Essen und sogar Schlaf ab und ließ sich in einer überwörtlichen Auslegung dieser Bibelstelle und der in Matthäus 19,12 tatsächlich kastrieren. Kurz danach verbot das Konzil von Nicäa 325 n. Chr. diese barbarische Praxis zu Recht.
Die Anweisung, ärgernde Augen, Hände und Füße loszuwerden, ist ein Beispiel dafür, wie unser Herr dramatische Stilfiguren einsetzt. Er plädiert hier nicht für eine buchstäblich physische Selbstverstümmelung, sondern für unnachgiebige Selbstverleugnung, wenn es um Dinge der Moral geht. Nicht Verstümmelung, sondern Sterben ist sein Weg der Heiligung, und Sterben oder „sein Kreuz auf sich nehmen und Jesus nachfolgen“ bedeutet, sündhafte Verhaltensweisen so resolut zurückzuweisen, dass sie für uns und wir für sie gestorben sind.139
Was heißt das in der Praxis? Lassen Sie es mich so übertragen:
„Wenn dein Auge dich zur Sünde reizt, weil die Anfechtung über deine Augen zu dir kommt (Dinge, die du siehst), dann reiß dir deine Augen aus – das heißt: Schau nicht hin! Tu so, als ob du dir wirklich die Augen ausgestochen und sie weggeworfen hättest, als ob du jetzt blind wärst und könntest die Dinge gar nicht sehen, die dich vorher zur Sünde verleiteten. Oder wenn deine Hand oder dein Fuß dich zur Sünde verführen, weil die Versuchung durch die Hände und Füße zu dir kommt (Dinge, die du tust oder Orte, an die du gehst), dann hau sie ab – das heißt: Tu’s nicht! Geh nicht hin! Tu so, als ob du deine Hände oder Füße tatsächlich abgeschlagen und weggeschmissen hättest, als wärst du jetzt verkrüppelt und könntest die Dinge gar nicht tun oder die Orte aufsuchen, die dich vorher zur Sünde verleiteten. Das heißt Sterben.
Es fragt sich, ob es je eine Generation gegeben hat, für die diese Lehre Jesu nötiger und auch offensichtlicher anzuwenden gewesen wäre, als die jetzige, die einer Flut von Schmutzliteratur und -filmen ausgesetzt ist. Pornografie ist ein Angriff auf Christen (wie auf alle gesund empfindenden Menschen) – zuallererst, weil sie Frauen zu Sexobjekten degradiert, aber dann auch, weil sie den Betrachter künsdich sexuell stimuliert. Wenn wir ein Problem mit sexueller Selbstbeherrschung haben und uns unsere Füße dann trotzdem zu solchen Filmen tragen, unsere Hände solche Zeitschriften in die Hände nehmen und unsere Augen sich in ihren Bildern suhlen, dann sündigen wir nicht nur, sondern holen uns eine Katastrophe ins Haus.
Damit will ich bestimmt keine Regeln darüber aufstellen, welche Bücher und Zeitschriften ein Christ lesen darf, welche Filme und Theaterstücke er sich ansehen sollte (live oder im Fernsehen) oder welche Kunstausstellungen er besuchen darf. Die Menschen sind verschieden, einige werden schneller erregt als andere und die Auslöser können unterschiedlich sein. Sexuelle Selbstbeherrschung ist für manche leichter als für andere. Manche können eindeutig erotische Bilder (in Printmedien oder im Film) anschauen, ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen, während andere sie fürchtbar schädlich finden. Unsere Temperamente sind verschieden und damit auch unsere Versuchungen.
Deshalb haben wir kein Recht dazu, andere zu verurteilen, wenn sie sich mit etwas beschäftigen und dabei ein gutes Gefühl haben. Wir können anderen nur sagen, was Jesus auch gesagt hat: Wenn dich dein Auge zur Sünde verleitet, dann schau nicht hin, wenn dein Fuß dich zur Sünde führt, dann geh nicht hin, und wenn deine Hand dich in Sünde bringt, dann tu’s nicht! Die Regel, die Jesus aufgestellt hat, ist hypothetisch, nicht allgemein. Er verlangt nicht von allen seinen Jüngern – im Bilde gesprochen – sich zu blenden oder zu verstümmeln, sondern nur von denen, die von ihren Augen, Händen oder Füßen zur Sünde verleitet werden. Andere können beide Augen, Hände oder Füße gerne ungestraft behalten, auch wenn sie von manchen Freiheiten vielleicht aus Liebe zu denen mit schwächerem Gewissen oder Willen abstehen werden, aber das ist hier nicht unser Thema.
John Stott zu Matthäus 5,29–30 (Die Botschaft der Bergpredigt, 2010, S. 99–100)

Der Sühnetod Jesu

„Der Sühnetod Jesu, durch den alle, auch die früher geschehenen Sünden vergeben werden, stellt unter Beweis, dass Gott gerecht ist – Sünder gehen als Gerechte aus dem Endgericht hervor, weil Jesus an ihrer Stelle die Strafe Gottes getragen hat. Weil ἔνδειξις in V. 26 eine soteriologische Bedeutung hat, ist in V. 25 ein Bezug auf Gott selbst plausibel, was das Resümee in V. 26 bestätigt (εἰς τὸ εἶναι αὐτὸν δίκαιον, „damit er gerecht ist“). 2. Das Wort ἔνδειξις bedeutet „Taterweis“, und δικαιοσύνη verweist wie in V. 21.22 auf das Heil schaffende, Gerechtigkeit wirkende Handeln Gottes im Tod Jesu. Der Sühnetod Jesu ist der „Erweis seines gnädigen Tuns“, durch das er den Sündern Gerechtigkeit zueignet. Der erste Auslegungsvorschlag ist am plausibelsten: Gott demonstriert, dass er gerecht ist. Wichtig ist 3,5–6, wo es um die Gerechtigkeit des Zornes Gottes geht: Es gibt keinen Zweifel daran, „dass Gott, wenn er die Vergehen der Menschen nicht beiseite lässt, sondern Ungerechte bestraft, gerecht handelt. Als Zorn gegen Ungerechte stellt der Zorn Gottes nämlich einen gerechten Zorn dar, die Bestrafung der Sünder eine gerechte Handlung, wohingegen die bloße Verschonung von Ungerechten gerade ungerecht wäre.“ Die durch den Tod Jesu erwirkte Sündenvergebung ist keine Amnestie in dem Sinn, dass Gott die Realität des Sündigens der Sünder jetzt einfach ignoriert, nachdem er zuvor ihre Bestrafung im Endgericht angedroht hat. Der Tod Jesu zeigt, dass Gott sich treu bleibt und Sünde bestraft: Jesus ist anstelle der Sünder gestorben, denen deshalb Gerechtigkeit zugesprochen werden kann. Da beide Interpretationen einen Sinn ergeben, sollten sie allerdings nicht streng auseinandergehalten werden, zumal ἔνδειξις in 2Kor 8,24 (wo es zusammen mit dem Verb ἐνδείκνυμι steht) sowohl das Erbringen eines Beweises bezeichnet als auch die Verbindung dieses Beweises mit Zuneigung und eigenem Engagement beschreibt, das auf das Wohlergehen anderer ausgerichtet ist.“ Eckhard Schnabel Römerbrief 3,25 HTA

Einführung in das Buch der Sprüche

1. Einleitung

Es ist auf den ersten Blick erkennbar, dass das Buch der Sprüche eine besondere Ansprache an den Leser hat. Dieses Buch gehört weder zu den Gesetzesbüchern, noch zu den geschichtlichen oder prophetischen Büchern. Man kann es – wie in den meisten modernen Bibelausgaben – zu den poetischen Büchern (Hiob bis Hohelied) zählen. Zugleich bildet es zusammen mit den Büchern Hiob und Prediger eine eigene Gattung, die manchmal als Lehr- oder Weisheitsbücher bezeichnet werden.1

J.N. Darby beginnt seine Auslegung zu diesem Buch mit den Worten: „Im Buch der Sprüche lässt Gott sich herab, seine Weisheit auf die Umstände unseres praktischen Lebens anzuwenden. Nach seiner vollkommenen Einsicht zeigt Er uns die Folgen all der Wege, auf denen der Mensch gehen mag. Denn die in diesem Buch niedergelegten Aussprüche werden oft in einer Weise gegeben, dass sie mehr Erkenntnis und Willen als Vorschriften darstellen. Es ist ein großer Segen, in dem Labyrinth dieser Welt, wo ein verkehrter Schritt so bittere Folgen nach sich ziehen kann, ein Buch zu besitzen, das den Weg der Klugheit und des Lebens anzeigt – und das verbunden mit einer Weisheit, die von Gott kommt“.2

Der Zweck des Buches wird in Sprüche 1,1–7 beschrieben. Zusammengefasst geht es darum, uns Weisheit und Verständnis zu vermitteln, damit wir glücklich und zur Ehre des Herrn leben und vor den Fallstricken der Sünde bewahrt bleiben. Man hat die Sprüche mit Recht „kurze Sätze aus langer Erfahrung“ oder „Lebensregeln von oben für das Leben hier unten“ genannt. Andere haben von einem „Schatzbuch der Weisheit“ gesprochen.

In Jeremia 18,18 werden drei Personengruppen genannt, die das Volk damals unterwiesen: erstens die Priester (durch das Gesetz), zweitens die Propheten (durch das gesprochene und geschriebene Wort) und drittens die Weisen (durch guten Rat). Im Buch der Sprüche reden die Weisen.

Das Buch der Sprüche ist universal, d.h. wir finden weder einen geschichtlichen Kontext noch wird eine konkrete Empfängeradresse genannt. Die Aussagen sind vielmehr generell gültig – unabhängig von der Zeit, dem Umfeld, der Kultur oder dem geschichtlichen Hintergrund. Um es zu verstehen benötigt der Leser keine Kenntnis der Geschichte Israels. Das Buch der Sprüche ist darüber hinaus sehr umfassend, d.h. es behandelt fast jeden Bereich des täglichen Lebens. Es ist nicht weiter schwierig, die Belehrungen dieses Buches zu verstehen. Deutlich schwieriger ist es hingegen, sie im täglichen Leben zu praktizieren.

Salomo schreibt in Prediger 12,11: „Die Worte der Weisen sind wie Treibstacheln, und wie eingeschlagene Nägel die gesammelten Sprüche; sie sind gegeben von einem Hirten“ (Pred 12,11). Weisheit durch Sprüche zu vermitteln, war im Altertum – und besonders im Orient – sehr populär. Gerade in einer Zeit, wo die wenigsten Menschen lesen und schreiben konnten, war das Lernen von weisen Sprüchen eine besondere Form der Unterweisung. Dabei geht der Unterricht in zwei Richtungen. Zum einen ermutigen uns die Sprüche, bewusst zur Ehre unseres Herrn zu leben und unser Leben mit positiven Inhalten zu füllen. Zum anderen werden wir vor unmoralischem, verkehrtem und unweisem Handeln gewarnt.

In 2. Timotheus 3,16–17 betont Paulus nicht nur die göttliche Inspiration des ganzen Wortes Gottes (und besonders des Alten Testaments), sondern er zeigt zugleich auf, dass es zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung und zur Unterweisung zu einem gerechten Leben gegeben ist. Jemand hat einmal gesagt, dass die Bibel nicht zuerst „Futter für den Verstand“, sondern „Werkzeug zum Leben in der Gottseligkeit“ ist. Das wird beim Lesen der Sprüche mehr als deutlich. Es geht hier besonders um Unterweisung und Zurechtweisung.

Das Neue Testament zitiert das Buch der Sprüche einige Male direkt, an anderen Stellen wird darauf angespielt. Sowohl unser Herr selbst als auch die Apostel haben es als „Heilige Schrift“ und Gottes Wort anerkannt.

2. Verfasser

Das Buch der Sprüche besteht aus acht verschiedenen Abschnitten (siehe Gliederung), die offensichtlich zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben bzw. zusammengestellt wurden und das von mindestens drei verschiedenen Autoren, die namentlich erwähnt werden. Es sind Salomo, Agur und Lemuel. Der Titel schreibt das Buch Salomo zu und es wird deutlich, dass er tatsächlich den größten Teil geschrieben hat. Neben den drei namentlich genannten Autoren werden noch die „Worte der Weisen“ erwähnt (Spr 22,17; 24,23), die vermutlich von Salomo gesammelt wurden.

  1. Salomo: Er wird in diesem Buch dreimal ausdrücklich erwähnt (Spr 1,1; 10,1; 25,1). David war als Psalmdichter bekannt, Salomo als Spruchdichter. 1. Könige 5 spricht von der großen Weisheit, die Gott Salomo gegeben hatte und sagt ausdrücklich, dass er 3.000 Sprüche redete und 1005 Lieder dichtete (1. Kön 5,12). Etwa 1.000 dieser Sprüche sind in seinem Buch erhalten geblieben. Er hat sie – vom Heiligen Geist – inspiriert – aufgeschrieben. Salomo war ein Sohn Davids. Seine Mutter war Bathseba (2. Sam 12,24).3 Er ist eine der tragischsten Figuren im ganzen Alten Testament. Er begann seine Laufbahn als der weiseste aller Menschen, ist in seiner Regierung als Friedenskönig ein herrliches Vorausbild auf den großen „König des Friedens“ – Jesus Christus – und endete im Ungehorsam und Götzendienst. Dieser Götzendienst war eine Folge seiner ungebremsten Gier nach fremden Frauen (1. Kön 11,1–13).
  2. Agur und Lemuel: Sprüche 30 wurde von Agur geschrieben, Sprüche 31 von Lemuel (Spr 30,1; 31,1). Über die Identität beider Männer wissen wir nichts. Es ist denkbar, dass es Salomo selbst war, der die Worte dieser Männer gesammelt und aufgeschrieben hat. Da das Alte Testament keinen israelischen König mit Namen Lemuel nennt, vermuten einige Ausleger, dass es um einen arabischen König geht, der möglicherweise ähnlich wie Hiob außerhalb von Israel mit Gott lebte. Andere haben die Ansicht geäußert, dass es sich um ein Pseudonym für Salomo handelt, der immer im ersten Teil des Kapitels den Rat seiner eigenen Mutter niederschreibt und im zweiten Teil eine Beschreibung von ihr gibt. Beides sind Vermutungen, die nicht belegt werden können.4
  3. Die Weisen: Sprüche 22,17 und 24,23 spricht von „Worten der Weisen“. Nach Kapitel 1,6 kann das entweder ein Hinweis auf Salomo sein oder bezieht sich auf andere, nicht bekannte Spruchdichter. Es spricht einiges dafür, dass es sich um damals bekannte Sprüche von unbekannten Weisen handelte, die Salomo aufgeschrieben hat. Einige Ausleger verbinden diese Weisen mit den in 1. Könige 5,11 genannten Personen. „Und er war weiser als alle Menschen, als Ethan, der Esrachiter, und Heman und Kalkol und Darda, die Söhne Machols“. Die Frage ist letztlich von untergeordneter Bedeutung. Wichtiger ist, dass ihre Aussagen Teil des inspirierten Wortes Gottes sind.

3. Verfassungszeit und Verfassungsort

König Salomo regierte von ca. 971–931 v.Chr. in Jerusalem. Der größte Teil der Sprüche wurde ganz sicher zu dieser Zeit geschrieben. Zur Zeit des gottesfürchtigen Hiskias (Regierungszeit von ca. 726–697 v.Chr.) wurden weitere Sprüche von Salomo gesammelt (Spr 25,1). Man kann davon ausgehen, dass die Redaktion des Buches spätestens nach der Regierungszeit Hiskias abgeschlossen war.

Ein Verfassungsort wird nicht genannt. Da jedoch beide Könige in Jerusalem regierten, kann man davon ausgehen, dass der allergrößte Teil in Jerusalem geschrieben wurde.

Es bleibt eine offene Frage, zu welchem Zeitpunkt seines Lebens Salomo die Sprüche geschrieben hat. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass es weder ganz zu Beginn noch ganz am Ende seiner Regierungszeit war. Salomo hat insgesamt drei Bibelbücher geschrieben, die inhaltlich miteinander verbunden sind. Es handelt sich um die Bücher Sprüche, Prediger und Hohelied.5 Jüdische Rabbiner haben die Ansicht geäußert, dass er das Hohelied am Anfang seiner Regierungszeit schrieb, die Sprüche in der Mitte seines Lebens und den Prediger ganz am Ende, nachdem er bittere Erfahrungen mit sich selbst gemacht hatte. Dem kann man sehr gut folgen, wenn man den Inhalt dieser drei Bücher vergleicht. Das Hohelied passt sehr gut in die Zeit der Jugend und der frischen Liebe, die Sprüche in die Zeit der Reife des Mannesalters und der Prediger zeigt die Enttäuschungen und Erfahrungen des Alters („Eitelkeit der Eitelkeiten“).6

Trotz der persönlichen negativen Entwicklung des Autors sind und bleiben die Sprüche Teil des unfehlbares Wortes Gottes. Einerseits hat Gott Salomo trotz seiner verkehrten Wege dazu benutzt, um für alle nachfolgenden Generationen wichtige Lehren zu übermitteln! Andererseits ist das Fehlverhalten Salomos eine ernste Warnung für uns – und das unabhängig davon, ob er – wie manche Ausleger vermuten – am Ende seines Lebens zurechtgekommen ist.7

4. Die Sprüche im Vergleich zu anderen Weisheitsbüchern

Wie bereits erwähnt ist das Buch der Sprüche nicht das einzige Weisheitsbuch in der Bibel. Die Bücher Hiob und Prediger zählen ebenfalls dazu. Neben diesen dreien sind in der Weltliteratur andere Weisheitsbücher bekannt, die sich jedoch von den biblischen Büchern deutlich unterscheiden. Ägypten hatte weise Männer (2. Mo 7,11; 1. Kön 5,10). Edom war für seine Weisheit bekannt (Jer 49,7; Obd 1,8). Auch in Babylon war große Weisheit vorhanden (Jes 47,10; Dan 1,20; 5,8). So gibt es Buchfunde mit ägyptischer und babylonischer Weisheitslehre und Spruchsammlungen, die bis auf das Jahr 2.000 v.Chr. zurückgehen. Es gibt Anweisungen eines Königs an seinen Sohn, in denen er ähnlich wie im Buch der Sprüche angesprochen wird (z.B. mit der Formulierung: „höre, mein Sohn“). Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass Salomo einfach Gedankengut aus diesen Weisheitsbüchern übernommen hat. Er hat vielmehr unter der Leitung des Heiligen Geistes geschrieben. Gewisse Ähnlichkeiten stellen die Inspiration dieses Bibelbuches in keiner Weise in Frage. Gott leitete Salomo und die übrigen Schreiber der Sprüche genauso, wie Er es wollte. Sie schrieben genau das, was sie schreiben sollten.

Darüber hinaus sind die Unterschiede zwischen menschlichen und außerbiblischen Spruchsammlungen und dem Buch der Sprüche beachtlich. Die heidnische Spruchweisheit enthält in der Regel eine Vielzahl von sittlicher Belehrung unterschiedlicher Qualität, in welcher der wahre Gott keine Rolle spielt. Das Buch der Sprüche hingegen zeigt uns, dass die Furcht des Herrn der Beginn jeder wirklichen Weisheit ist (Spr 1,7; 9,10). Anders als in der altorientalischen Weisheit ist der Ausgangpunkt der biblischen Weisheit, die Beziehung zu Gott. In den Sprüchen geben nicht Menschen ihre Lebenserfahrung an andere weiter, sondern gibt Gott denen, die Ihn kennen, seine Weisheit für ihr Leben. Die Weisheit im Buch der Sprüche schließt dabei geistigen Scharfsinn und menschliches Geschick keineswegs aus, doch der Kern ist die Beziehung zu Gott. Damit steht und fällt jede angewandte Weisheit.

5. Der (die) Empfänger

Es ist offensichtlich, dass das Buch der Sprüche einen sehr persönlichen Charakter hat. Es richtet sich nicht an ein Volk (das Volk Israel) oder eine Volksgruppe (die Juden), sondern an Individuen. Die Anrede lautet häufig „mein Sohn“ oder „meine Söhne“ – besonders im ersten Teil des Buches (Kapitel 1–7). Das kann sich auf leibliche Söhne beziehen, muss es aber nicht. Es kann durchaus sein, dass damit ursprünglich Schüler Salomos gemeint waren, die am Königshof waren, um dort zu lernen. Es war damals nicht unüblich, dass Lernende von ihren Lehrern als „Söhne“ angeredet wurden.

Es gibt durchaus Argumente dafür, dass es vor allem um Unterweisung in der Familie geht. Ein Hauptargument ist die Tatsache, dass wiederholt von „Müttern“ die Rede ist (Spr 1,8; 6,20; 23,22.25). Auch Lemuels Mutter lehrte ihren Sohn einen Spruch (Kap 31.1.2). Dennoch ist die Lehrer-Schüler Beziehung nicht von der Hand zu weisen. So oder so ist die Anwendung für uns klar. Jeder, der dieses Buch liest, wird reichlich belehrt und unterwiesen, wie er seinen Weg in der „Furcht des Herrn“ und zu seiner Ehre gehen kann.

Die Einleitung nennt konkret vier Zielgruppen:

  1. Unerfahrene (Einfältige) sollen klug werden
  2. Jünglinge (Jugendliche) sollen Erkenntnis und Besonnenheit lernen
  3. Weise sollen an Kenntnis zunehmen
  4. Verständige sollen sich weisen Rat erwerben

Das Buch der Sprüche spricht Leser in jedem Alter an. Jüngere Leute finden hier eine Fundgrube an Hinweisen für die unterschiedlichsten Lebenssituationen. Eltern und ältere Personen sollen sich beim Lesen erstens die Frage stellen, inwieweit sie selbst die Lehren der Sprüche praktizieren. Zweitens ist das Buch ein Prüfstein, ob wir – in unseren Familien und Versammlungen – solche Lehrer sind und die praktischen Belehrungen dieses Buches an die nächste Generation weitergeben.

6. Die Form der Niederschrift

Es wird jedem Leser sofort klar werden, dass das Buch der Sprüche in einer besonderen Form niedergeschrieben ist, die wir sonst – jedenfalls nicht so ausgeprägt – in keinem anderen Buch der Bibel finden.8 Das muss beim Lesen unbedingt beachtet werden. Dazu sind zwei Überlegungen anzustellen. Erstens müssen wir über die Tatsache nachdenken, dass es sich um „Sprüche“ handelt und zweitens, dass die Schreiber weitgehend in poetischer Form schreiben.

6.1. Sprüche

Anders als sonst üblich, ist der Titel des Buches in diesem Fall biblisch inspiriert. Es handelt sich um „Sprüche“ (Spr 1,1; Spr 10,1; 25,1). Das hebräische Wort für „Spruch“ kommt wahrscheinlich von einem Verb, das „gleich sein“ oder „ähnlich sein“ bedeutet. Ein Spruch ist folglich eine Belehrung, die einen Vergleich anstellt oder einen Gegensatz aufzeigt. Ein Spruch ist eine knappe und eindrucksvolle Darstellung einer Wahrheit, die so klug in Worte gefasst ist, dass sie sich leicht einprägt. Solche „Sprüche“ finden wir auch an anderen Stellen in der Bibel, allerdings an keiner Stelle so ausgeprägt wie in diesem Buch. Häufig sind solche Sprüche wie Redewendungen oder Sprichworte zu verstehen und manche dieser Sprüche finden wir selbst im alltäglichen Deutsch wieder (z.B. Spr 26,27). Einige Male wird das Wort „Spruch“ tatsächlich mit „Sprichwort“ übersetzt (z.B. 5. Mo 28,37; 1. Sam 10,12; 1. Kön 9,7) oder mit „Gleichnis“ (z.B. Hes 17,2; 21,5; 24,3). Es geht folglich um gleichnishafte Belehrung, ein Stilmittel, das unser Herr selbst häufig benutzt hat (Mt 13,3.24), allerdings in der Regel mit einer längeren Illustration. Im Buch der Sprüche ist das anders. Sehr häufig enthält ein Vers allerdings nur einen einzigen Spruch mit seiner Bedeutung. An manchen Stellen gibt es jedoch auch etwas längere Abhandlungen. Die Sprüche leben also von Vergleichen und Gegensätzen wie z.B. dem Guten und dem Bösen, dem Klugen und dem Törichten, dem Fleißigen und dem Faulen. Auf diese Weise werden wichtige Belehrungen gegeben.

Einige Ausleger sehen das hebräische Wort für „Spruch“ als Ableitung von einem Wort an, das „herrschen“ bedeutet. Danach ist ein Spruch eine Art „Machtwort“ oder „Kraftwort“ (vgl. Pred 12,11) und steht im Gegensatz zu leerem Geschwätz. Es sind Worte, die wichtige Denkanstöße geben. Wir denken dabei an die Worte unseres Herrn – auf den Salomo hinweist – die stets mit Kraft waren (vgl. Mt 7,29). Es fällt auf, dass unser Herr in 1. Korinther 1,24 sowohl die Weisheit von Gott als auch die Kraft Gottes genannt wird. Beides kann nicht voneinander getrennt werden.

Man hat die Belehrung in Spruchform mit einem Schnappschuss verglichen. Mit einem einzigen Foto wird ein bestimmter Teil der Realität dargestellt. So zeigt jeder Spruch einen bestimmten Aspekt angewandter Weisheit im Leben. Ein einziges Bild kann nie die ganze Wirklichkeit zeigen, sondern jeweils einen ganz bestimmten Aspekt. Genauso ist es, wenn wir die Sprüche lesen.

6.2. Poesie

Ähnlich wie die Psalmen ist das Buch der Sprüche in poetischer Form geschrieben. Viele Sprüche bestehen aus zwei Satzteilen, die entweder Vergleiche anstellen oder zwei Dinge einander gegenüberstellen. In der hebräischen Poesie kommt es dabei – anders als in der klassischen europäischen Dichtkunst – nicht so sehr auf Reim, Rhythmus oder Versmaß an. Eine Einteilung in Strophen – nach unserem traditionellen Verständnis – ist im Hebräischen ebenfalls unbekannt. Ein wesentliches Stilelement der orientalischen Dichtkunst ist hingegen der sogenannte poetische Parallelismus. Gemeint ist, dass eine Sachaussage neben eine andere gestellt wird, um sie zu verdeutlichen. Dabei gibt es verschiedene Arten des Parallelismus. Die wichtigsten sind:

  1. Der synonyme (gleichartige) Parallelismus, d.h. ein Gedanke wird mit unterschiedlichen Worten zweimal ausgedrückt. Der erste Teil des Satzes und der zweite sind in der Aussage mehr oder weniger identisch. Die Wiederholung verstärkt jedoch die Aussage. Ein Beispiel ist Sprüche 1,9: „Denn sie werden ein anmutiger Kranz für dein Haupt und ein Geschmeide für deinen Hals sein“. Ein weiteres Beispiel ist Sprüche 23,27: „Denn die Hure ist eine tiefe Grube, und die Fremde ein enger Brunnen“.
  2. Der antithetische (gegensätzliche) Parallelismus, d.h. der Gedanke eines Satzes wird durch einen Gegensatz im Nachsatz betont. Zwei Aussagen stehen sich also inhaltlich gegenüber, um die eigentliche Aussage zu unterstreichen. Ein Beispiel ist Sprüche 10,1: „Ein weiser Sohn erfreut den Vater, aber ein törichter Sohn ist der Kummer seiner Mutter“. Ein weiteres Beispiel ist Sprüche 10,7: „Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen, aber der Name der Gottlosen verwest“. Diese Art der Belehrung finden wir ausgeprägt in den Kapiteln 10 – 15.
  3. Der synthetische (verbindende) Parallelismus, d.h. der Nachsatz ergänzt und erweitert die eigentliche und vorhergehende Aussage. Ein Beispiel ist Sprüche 3,6: „Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, und er wird gerade machen deine Pfade“. Ein weiteres Beispiel ist Sprüche 16,7: „Wenn die Wege eines Mannes dem Herrn wohlgefallen, so lässt er sogar seine Feinde mit ihm in Frieden sein“.
  4. Der parabolische (allegorische, symbolische oder bildhafte) Parallelismus, d.h. eine Aussage wird durch ein Symbol oder ein Bild näher erklärt. Diese Form vereinigt die Sachaussage mit einer Bildaussage. Ein Beispiel ist Sprüche 10,26: „Wie der Essig den Zähnen, und wie der Rauch den Augen, so ist der Faule denen, die ihn senden“. Ein weiteres Beispiel ist Sprüche 25,25: „Frisches Wasser auf eine lechzende Seele: So ist eine gute Nachricht aus fernem Land“.
  5. Der repetierende (stufenartige oder mehrgliedrige) Parallelismus, d.h. verschiedene Satzaussagen werden hintereinander angeordnet, um die Aussage zu verstärken. Ein Beispiel ist Sprüche 30,15: „Der Blutegel hat zwei Töchter: Gib her, gib her! Drei sind es, die nicht satt werden, vier, die nicht sagen: Genug“! Ein weiteres Beispiel ist Sprüche 30,18.19: „Drei sind es, die zu wunderbar für mich sind, und vier, die ich nicht erkenne: der Weg des Adlers am Himmel, der Weg einer Schlange auf dem Felsen, der Weg eines Schiffes im Herzen des Meeres, und der Weg eines Mannes mit einer Jungfrau“.

Da die Weisheit in der Regel in einer sehr komprimierten Form dargestellt wird, kommen sehr viele Sprüche mit zwei Zeilen aus, wobei die zweite Zeile die erste weiter erklärt, vervollständigt und unterstreicht. Manche Verse bestehen jedoch aus drei Zeilen (z.B. Spr 1,27; 6,13; 27,22), andere sogar aus vier (z.B. Spr 30,9.14.15.17.19) und manche aus noch mehr Zeilen.

7. Zweck der Niederschrift

Der Zweck des Buches wird gleich zu Beginn angegeben: „Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel: um Weisheit und Unterweisung zu kennen, um Worte des Verstandes zu verstehen, um zu empfangen einsichtsvolle Unterweisung, Gerechtigkeit und Recht und Geradheit; um Einfältigen Klugheit zu geben, dem Jüngling Erkenntnis und Besonnenheit. Der Weise wird hören und an Kenntnis zunehmen, und der Verständige wird sich weisen Rat erwerben; um einen Spruch zu verstehen und verschlungene Rede, Worte der Weisen und ihre Rätsel“ (Spr 1,1–6). Das Endziel folgt in Vers 7: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis“. Das Buch der Sprüche lehrt uns, in Ehrfurcht (Ehrerbietung, Gottesfurcht) vor dem Herrn zu leben.

Die einleitenden Verse zeigen dabei mindestens sechs Gründe auf, warum Gott uns das Buch der Sprüche gegeben hat:

  1. um Weisheit und Unterweisung (Zurechtweisung, Zucht) zu kennen
  2. um Worte des Verstandes (der Einsicht) zu verstehen
  3. um einsichtsvolle Unterweisung, Gerechtigkeit und Recht und Geradheit zu empfangen
  4. um dem Einfältigen (Unerfahrenen) Klugheit zu geben
  5. um dem Jüngling Erkenntnis (Wissen) und Besonnenheit (Gedanken) zu geben

Mit einem Satz: Der Leser soll durch den Gebrauch von Sprüchen und Gleichnissen die geistliche Fähigkeit entwickeln, ein Leben in Weisheit zu führen.

Es gibt drei verschiedene Ausdrücke, die das Ziel der Belehrung deutlich machen:

Weisheit

Das ist das Schlüsselwort des ganzen Buches. Das Wort kommt im Alten Testament fast 150 Mal vor, davon allein über 40 Mal im Buch der Sprüche. Dabei bedeutet Weisheit im biblischen Sinn etwas völlig anderes als das, was die griechischen Philosophen darunter verstanden9 oder wir heute darunter verstehen. Der biblische Begriff Weisheit beschreibt ursprünglich die praktische Fähigkeit eines Menschen, z.B. eines Handwerkers, eines Sängers, eines Seemanns oder eines Verwalters. Es geht dabei nicht zuerst um das notwendige Wissen, sondern vor allem um die Fähigkeit, es richtig einzusetzen. Wer weise ist, ist für seine Arbeit „geschickt“ oder „erfahren“. Geistliche Weisheit beschreibt folglich die Fähigkeit, mit Einsicht so zu leben, dass Gott Freude an unserer Lebensführung hat. Ein weiser Mensch erkennt, was Gott von ihm möchte. Er erkennt den Weg und die Aufgaben Gottes für sein Leben. Wer im biblischen Sinn weise ist, lebt in der Beziehung zu Gott und in Gemeinschaft mit Ihm. Weisheit führt dazu, unseren Herrn anzuerkennen, Ihm zu vertrauen, Ihn anzubeten, Ihm zu gehorchen und Ihm zu dienen.

Weisheit ist keine lebensfremde Philosophie, sondern die Anleitung zu einer praktischen Lebensgestaltung zur Ehre Gottes. Es geht um die Frage, wie wir ein Leben zur Ehre Gottes führen können. Gott möchte, dass wir fähig sind, in unterschiedlichsten Lebenssituationen zu erkennen, was richtig und was falsch ist, was Ihm Freude macht und was gegen seinen Willen ist. Genau das wird uns im Buch der Sprüche gezeigt – und zwar nicht in komplizierten Erklärungen, sondern treffend, einprägsam und klar.

Verständnis

Dieses Wort kommt – in verschiedenen Abwandlungen – im Buch der Sprüche ebenfalls häufig vor. Es wird an anderen Stellen mit Verstand, Einsicht oder Klugheit übersetzt. Dabei geht es um die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Dingen zu unterscheiden, z.B. zwischen Wahrheit und Lüge, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Schein und Wirklichkeit. Wer verständig ist, kann analytisch denken und differenzieren. Das wird z.B. in folgender Aussage deutlich: „Wenn du den Verstand rufst, deine Stimme erhebst zum Verständnis, …dann wirst du die Furcht des Herrn verstehen und die Erkenntnis Gottes finden… Dann wirst du Gerechtigkeit verstehen und Recht und Geradheit, jede Bahn des Guten (Spr 2,1–9). Wer dieses Verständnis hat, trifft die richtigen Lebensentscheidungen.

Unterweisung

Dieses Wort wird an anderen Stellen mit Zucht, Züchtigung oder Zurechtweisung übersetzt. W. Kelly schreibt: „Unterweisung in Verbindung mit Weisheit ist ein Ausdruck, der den Gedanken an Erziehung, Korrektur oder Warnung enthält. Dadurch wird das moralische Ziel der Unterweisung offenbar – im Gegensatz zu bloßer Anwendung oder Zurschaustellung von Intellekt“.10

Wir haben es nötig, von Gott in dem Sinn unterwiesen zu werden, dass Er uns vor Fehlverhalten warnt und – wenn erforderlich – korrigiert. Unterweisung ist – wie Zucht – zuerst positiv zu verstehen. Gott zieht uns in die richtige Richtung. Wenn diese Art der Unterweisung jedoch ohne Ergebnis ist, wendet Gott Zucht im Sinn von Züchtigung an.

Die Furcht des Herrn

Dieser Ausdruck ist ein weiteres Schlüsselwort des ganzen Buches. Er kommt vierzehn Mal vor. Gemeint ist damit nicht die Angst vor Gott, sondern Gottesfurcht, Respekt und Ehrfrucht. Es geht um eine innere Haltung des Herzens, die von Ehrfurcht und Verehrung geprägt ist. Das Buch der Sprüche will uns diese innere Haltung Gott gegenüber lehren. Es spricht über den Wert, die Ausprägungen, die Voraussetzungen und die Folgen dieser „Furcht des Herrn“. Man könnte es mit den Worten Hiob so sagen: „Siehe, die Furcht des Herrn ist Weisheit, und vom Bösen weichen ist Verstand“ (Hiob 28,28).

  • „Die Furcht des Herrn ist der Erkenntnis Anfang; die Narren verachten Weisheit und Unterweisung“ (Spr 1,7).
  • „… darum, dass sie Erkenntnis gehasst und die Furcht des Herrn nicht erwählt“ (Spr 1,29).
  • „…dann wirst du die Furcht des Herrn verstehen und die Erkenntnis Gottes finden“ (Spr 2,5).
  • „Die Furcht des Herrn ist: das Böse hassen. Hoffart und Hochmut und den Weg des Bösen und den Mund der Verkehrtheit hasse ich“ (Spr 8,13).
  • „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang; und die Erkenntnis des Heiligen ist Verstand“ (Spr 9,10).
  • „Die Furcht des Herrn mehrt die Tage, aber die Jahre der Gesetzlosen werden verkürzt“ (Spr 10,27).
  • „In der Furcht des Herrn ist ein starkes Vertrauen, und seine Kinder haben eine Zuflucht“ (Spr 14,26).
  • „Die Furcht des Herrn ist ein Born des Lebens, um zu entgehen den Fallstricken des Todes“ (Spr 14,27).
  • „Besser wenig mit der Furcht des Herrn, als ein großer Schatz und Unruhe dabei (Spr 15,16).
  • „Die Furcht des Herrn ist Unterweisung zur Weisheit, und der Ehre geht Demut voraus“ (Spr 15,33).
  • „Durch Güte und Wahrheit wird die Missetat gesühnt, und durch die Furcht des Herrn weicht man vom Bösen“ (Spr 16,6).
  • „Die Furcht des Herrn ist zum Leben; und gesättigt verbringt man die Nacht, wird nicht heimgesucht vom Übel“ (Spr 19,23).
  • „Die Folge der Demut, der Furcht des Herrn, ist Reichtum und Ehre und Leben“ (Spr 22,4).
  • „Dein Herz beneide nicht die Sünder, sondern beeifere sich jeden Tag um die Furcht des Herrn“ (Spr 23,17).

Zusagen im Buch der Sprüche

Das Buch der Sprüche wird nicht zuerst dadurch charakterisiert, dass es viele Zusagen (Verheißungen) Gottes enthält. Die Zielrichtung ist anders, nämlich Unterweisung zu einem Leben in praktischer Gerechtigkeit. Dennoch gibt Gott demjenigen, der sich unterweisen lässt, eine ganze Reihe von Zusagen. Es fällt auf, dass die Sprüche achtmal das Wort „Glückselig“ (glücklich) gebrauchen. Jeder dieser Verse ist eine besondere Zusage Gottes an Menschen, die seine Ansprache in diesem Buch ernst nehmen:

  • „Glückselig der Mensch, der Weisheit gefunden hat, und der Mensch, der Verständnis erlangt“ (Spr 3,13).
  • „Nun denn, ihr Söhne, hört auf mich: Glückselig sind, die meine Wege bewahren!“ (Spr 8,32).
  • „Glückselig der Mensch, der auf mich hört, indem er an meinen Türen wacht Tag für Tag, die Pfosten meiner Tore hütet!“ (Spr 8,34).
  • Wer seinen Nächsten verachtet, sündigt; wer sich aber der Elenden erbarmt, ist glückselig“ (Spr 14,21).
  • „Wer auf das Wort achtet, wird Gutes finden; und wer auf den Herrn vertraut, ist glückselig“ (Spr 16,20).
  • „Wer in seiner Lauterkeit gerecht wandelt, glückselig sind seine Kinder nach ihm!“ (Spr 20,7).
  • „Glückselig der Mensch, der sich beständig fürchtet; wer aber sein Herz verhärtet, wird ins Unglück fallen“ (Spr 28,14).
  • „Wenn kein Gesicht da ist, wird ein Volk zügellos; aber glückselig ist es, wenn es das Gesetz hält“ (Spr 29,18).

8. Themen

Im Buch der Sprüche werden sehr viele Themen des täglichen Lebens behandelt. Die Aussagen sind zum großen Teil in das gesamte Buch verstreut, so dass es eine Fleißaufgabe ist, eine Übersicht zu gewinnen. Die Sprüche schreiben ausführlich über das Leben des Menschen, über seinen Charakter, sein Denken, sein Reden, sein Handeln, sein Agieren und Reagieren, seine Beziehungen und vieles mehr. Sie schreiben über das Ehe- und Familienleben (Mann und Frau, Eltern und Kinder) ebenso wie über das Arbeitsleben (Arbeitgeber und Arbeitnehmer). Wir begegnen ganz unterschiedlichen Menschen, wie z.B. einem Narren und einem Weisem, einer zänkischen, gottlosen und verdorbenen Frau und einer anmutigen, guten und tüchtigen Frau, einem Faulen und einem Fleißigen. Die Sprüche reden über zeitnahe Probleme, wie z.B. Genusssucht, Gewinnsucht, Völlerei, Alkohol, sexuelle Eskapaden, Jugendkriminalität, Heuchelei, Reichtum usw. Ein ganz besonderes Thema ist das Reden des Menschen, das böse, falsch, gefährlich und kränkend oder gut, richtig, helfend und heilend sein kann.

In allem geht es um ein Leben in Gottesfurcht, praktischer Gerechtigkeit und Weisheit. Der Wert wirklicher Weisheit und eines gottesfürchtigen Lebens wird gerade dadurch unterstrichen, dass Gegensätze aufgezeigt werden. Einige dieser Gegensätze sind:

Positiver BegriffNegativer Begriff
ArmutReichtum
DemutStolz und Hochmut
EhreUnehre
EhrlichkeitBetrug
ErkenntnisUneinsichtigkeit
ErmutigungVerleumdung
FleißFaulheit
FreigiebigkeitGeiz
FreudeTrauer
FreundschaftFeindschaft
FriedenStreit, Neid
GehorsamUngehorsam
GerechtigkeitUngerechtigkeit und Bosheit
GlückUnglück
GüteGrausamkeit
LebenTod
LiebeHass
LobKritik
NüchternheitTrunkenheit
OrdentlichkeitUnordentlichkeit
ReinheitUnreinheit
SelbstbeherrschungWut, Zorn
TreueUntreue, Unzuverlässigkeit
TugendSchande
VertrauenMisstrauen
WahrheitLüge
WeisheitTorheit
ZufriedenheitMissgunst

9. Gott im Buch der Sprüche

Der Name Gottes wird im Buch der Sprüche häufig erwähnt. Dabei fällt auf, dass es überwiegend um Jahwe (den Herrn) geht (insgesamt 87 Mal), während der Name Gottes (Elohim) nur selten erwähnt wird. Der Name Jahwe (Herr) steht dafür, dass Gott ewig und unveränderlich ist („ich bin der ich bin“) und zeigt uns Gott in Beziehung zu seinen Geschöpfen, besonders zu seinem irdischen Volk Israel. Im Gegensatz dazu spricht das Buch Prediger ca. 40 Mal über Gott (Elohim), während der Name Jahwe überhaupt nicht erwähnt wird. Das unterstreicht, dass im Buch der Sprüche Menschen angesprochen werden, die eine Beziehung zu Gott haben und zu seiner Ehre leben wollen.

Wir finden im Buch der Sprüche jedoch nicht nur den unveränderlichen Gott, sondern das Buch spricht ebenfalls über die Person seines Sohnes – über Christus. Die im Buch der Sprüche sehr häufig erwähnte Weisheit deutet an vielen Stellen direkt auf Ihn hin, der die personifizierte Weisheit ist. Dies ist ganz besonders in den Kapiteln 8 und 9 der Fall, die man gar nicht anders lesen kann, als dabei an unseren Herrn zu denken. Das Neue Testament macht klar, dass Er uns „Weisheit von Gott“ geworden ist (1. Kor 1,30) und dass in Ihm alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind (Kol 2,3). Darüber hinaus finden viele praktische Hinweise (z.B. über den Gerechten, den Gehorsamen, den Freund, den Armen) ihre vollständige Erfüllung in seinem Leben auf der Erde. Christus steht also auch im Buch der Sprüche als Vorbild vor uns.

Sehr deutlich wird dieser Christus-Bezug, wenn wir die ersten Verse der Sprüche mit Jesaja 11,1–3 vergleichen. „Und ein Reis wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen. Und auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn; und sein Wohlgefallen wird sein an der Furcht des Herrn“. Diese Verse kann man kaum lesen, ohne dabei an das Buch der Sprüche zu denken.

Ein weiterer Bezug zu unserem Herrn wird deutlich, wenn wir an den Verfasser des größten Teils der Sprüche denken. Zum einen ist Salomo in seiner Regierung ein deutliches Vorausbild auf den Herrn Jesus als der wirkliche „Friedefürst“ (Jes 9,5). Zum anderen sagt unser Herr selbst im Neuen Testament: „Mehr als Salomo ist hier“ (Mt 12,42). Salomo war weise und lehrte Weisheit. Unser Herr hingegen ist die Weisheit in Person. In Lukas 11,49 sagt Er von sich selbst: „Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt…“. Er ist die Weisheit und Weisheit in Ihm.

10. Gliederung und Übersicht

Es ist nicht ganz einfach, im Buch der Sprüche eine klare Struktur zu erkennen. Dennoch hat Gott dieses Buch genauso schreiben lassen wie alle anderen Bücher auch und Er verfolgt damit einen genauen Plan. L.M. Grant schreibt: „Wie wenig wir auch die vollkommene Einheit des Buches mit allen Themen zu erfassen vermögen – sie existiert dennoch. Und tatsächlich, wenn wir daran glauben, dass dieses Buch von Gott inspiriert ist, dann glauben wir auch an die vollkommene Anordnung dieses Buches und die vollständige Einheit mit dem Rest der Schrift. Gold liegt nicht immer an der Oberfläche der Erde: Vielmehr ist meistens harte und fleißige Arbeit nötig… aber mit welchem Lohn! Wie weitgehend unentdeckt ist in dieser Weise das Buch der Sprüche – und andere Bücher ebenfalls.“11

In Prinzip hat das Buch der Sprüche drei Teile. Eine Einleitung, die uns die Absicht der Sprüche zeigt (Kap 1,1–7), einen Hauptteil, der die Grundlagen eines weisen und gottesfürchtigen Lebens zeigt (Kap 1,8 – 29,27) und einen Schluss, der uns Beobachtungen Agurs und Lemuels mitteilt (Kap 30 – 31). Wenn man dabei den Hinweisen über die Autoren folgt, kann man folgende etwas detaillierte Einteilung vornehmen.

1. Einleitung – Titel und Zweck des Buches (Kap 1,1–7)

Der Prolog gibt die Absicht des Buches an und zeigt zugleich, wer die Empfänger sind. Der Leser soll Weisheit, Zurechtweisung, Verständnis, Erkenntnis und Besonnenheit lernen und im täglichen Leben praktizieren. Die Adressaten sind Einfältige (d.h. Unerfahrene)12 und Jugendliche ebenso wie Weise und Verständige. Vers 7 weist auf die Quelle der Weisheit hin, nämlich die Furcht des Herrn.

2. Erste Worte Salomos – Der Wert der Weisheit (Kap 1,8 – 9,18)

Hier lernen wir etwas über die Bedeutung der Weisheit. Sie wird wiederholt der Torheit gegenübergestellt. Weisheit im täglichen Leben hat einen hohen Stellenwert. Dieser Teil des Buches zeichnet sich durch die Anrede „mein Sohn“ aus und zeigt ganz besonders die Vater-Sohn bzw. Lehrer-Schüler Beziehung. Salomo warnt vor vielen aktuellen Gefahren (z.B. schlechte Gesellschaft, schlechte Moral, Faulheit, Falschheit und Stolz). Der Höhepunkt dieses Teiles ist ohne Frage Kapitel 8, in dem uns die personifizierte Weisheit (Jesus Christus) vorgestellt wird (vgl. 1. Kor 1,30; Ko 2,3).

3. Weitere Sprüche Salomos – Wandel in Gottesfurcht und Weisheit (Kap 10,1 – 22,16)

Dieser Teil beschreibt die Prinzipien der Weisheit und besteht aus insgesamt 375 einzelnen Sprüchen. In der Regel erfolgt die Belehrung zweizeilig und zwar in Gegensätzen (Kap 10 – 15) oder indem der Nachsatz die eigentliche Aussage verstärkt (Kap 16 – 22). Häufig gebrauchte Worte sind „aber“ bzw. „und“. Während wir in den ersten Kapiteln etwas über den Charakter des Weisen lernen, geht es in diesem Teil besonders um sein Verhalten.

4. Sprüche der Weisen (Kap 22,17 – 24,34)

Hier fällt auf, dass die Sprüche häufig etwas länger sind als vorher und die einzelnen Verse häufig einen gewissen inneren Zusammenhang haben. Die einzelnen Verse haben einen deutlich mahnenden Charakter und das Verb steht häufig in der Befehlsform (positiv wie negativ). Ein Schlüsselwort in diesem Teil ist das Wort „Herz“, d.h. es geht um das Innere des Menschen, seine Motive und seine Zuneigungen, die zu Entscheidungen werden.

5. Unter Hiskia gesammelte Sprüche Salomos (Kap 25 – 29)

Die Sprüche in diesem Teil behandeln verschiedene wichtige Themen. Die Belehrung erfolgt zum einen durch Vergleiche und zum anderen durch Gegensätze.

6. Worte Agurs (Kap 30)

Der Schreibstil in diesem Kapitel ist – ebenso wie in Kapitel 31 – deutlich anders. Agur war ein demütiger Mann, der eine tiefe Abneigung gegen Arroganz und Stolz hatte. Er zieht wichtige Schlussfolgerungen aus Beobachtungen der Natur und des menschlichen Zusammenlebens.

7. Worte Lemuels (Kap 31)

Die Worte Lemuels schließen das Buch ab. Sie beinhalten die Unterweisungen einer Mutter an ihren Sohn, der einmal Verantwortung übernehmen soll. Ihre Ratschläge warnen u.a. vor dem falschen Umgang mit Frauen und Alkohol und beschreiben dann – wenn es denn noch die Worte Lemuels sind – das Lob der tüchtigen Frau13. Stilistisch betrachtet ist dieser letzte Text ein besonderes „Kunstwerk“, denn die Anfangsbuchstaben dieser 22 Verse entsprechen den 22 Konsonanten des hebräischen Alphabets.14

Fußnoten

  • 1 Man kann das Alte Testament unterschiedlich einteilen. In den meisten Deutschen Bibelausgaben werden die Sprüche den poetischen Büchern zugerechnet (Hiob – Hohelied). In den Hebräischen Bibeln sind sie Teil der sogenannten „Schriften“.
  • 2 J.N. Darby: The Book of the Proverbs (in: Synopsis of the Books of the Bible)
  • 3 Salomo ist ein Beweis für Gottes Gnade und für die Tatsache, dass Gott auf den krummen Lebenslinien eines Menschen immer noch gerade schreiben kann. Bathseba war durch Ehebruch und Mord Davids Frau geworden und David bekam dafür eine gerechte Strafe. Dennoch macht Gott seine Gnade groß, indem gerade Bathseba die Mutter des Königs Salomo wurde.
  • 4 Weil der Stil im letzten Teil des Kapitels deutlich anders ist, als im ersten Teil, gehen einige Ausleger davon aus, dass Lemuel nur den ersten Teil geschrieben hat und der Lobgesang über die tüchtige Frau von einem anderen Verfasser stammt. Auch das ist nicht zu belegen.
  • 5 Hinzu kommt noch Psalm 127 (und eventuell Psalm 72, der entweder für oder von Salomo geschrieben wurde).
  • 6 Dabei fällt auf, dass die „innere Reihenfolge“ dieser drei Bücher genau entgegengesetzt verläuft, denn man kann in der Abfolge dieser drei Bücher Salomos ein gewisses geistliches Wachstum erkennen. Im Prediger geht es um den Menschen „unter der Sonne“, der keine besondere Offenbarung Gottes zu erkennen gibt. Das Buch endet mit dem Hinweis: „Fürchte Gott“ (Pred 12,13). Das führt direkt zum Buch der Sprüche, denn dort geht es gerade um die „Furcht des Herrn“. In Hohelied finden wir schließlich die Beziehung der Liebe zwischen einer Braut und ihrem Bräutigam (d.h. zwischen einem Gläubigen und Christus). Man kann diese drei Bücher mit der Stiftshütte vergleichen: Der Prediger schreibt über den Vorhof (unter der Sonne). Die Sprüche zeigen das Heiligtum, in dem der Leuchter Licht gibt (ein Hinweis auf die Weisheit). Das Hohelied bringt uns schließlich in das Allerheiligste, wo wir etwas über die Grundlage für unsere Beziehung zu Christus (die Liebe) erfahren.
  • 7 Das kann man vermuten, wenn man den Prediger liest. Es ist kaum anzunehmen, dass Salomo dieses Buch nach seinem tiefen Fall geschrieben hat, ohne wieder mit Gott im Reinen gewesen zu sein.
  • 8 In einigen Passagen kommt diese besondere Form ebenfalls in den Psalmen und im Buch des Predigers vor.
  • 9 Von dieser Weisheit schreibt Paulus an die Korinther: „Ich will die Weisheit der Weisen vernichten, und den Verstand der Verständigen will ich wegtun“ (1. Kor 1,19).
  • 10 W. Kelly: The Book of Proverbs
  • 11 L.M. Grant: The Book of Proverbs
  • 12 Das Wort hat hier eine andere Bedeutung als im Neuen Testament (Mt 6,22; Lk 11,34; Röm 16,19). Gemeint ist jemand, der offen für alles ist (Gutes und Böses). Er ist deshalb unverständig und steht in der Gefahr, ein „Tor“ oder ein „Narr“ zu werden.
  • 13 Es ist nicht ganz sicher, ob diese Beschreibung tatsächlich von Lemuel (bzw. seiner Mutter) stammt oder von einem – uns nicht genannten – anderen Verfasser. Da sonst im Buch der Sprüche durchweg der Autor genannt wird, neige ich dazu, ersteres anzunehmen.
  • 14 Man spricht hier von einem akrostichischen Gedicht, ähnlich wie in Psalm 119, wo jeder Abschnitt der Reihenfolge des hebräischen Alphabets folgt.
    https://www.bibelkommentare.de/kommentare/765/einfuehrung-in-das-buch-der-sprueche

Die Sprüche Salomos

Nicht nur in den USA ist Weisheit zu einer Art Industrie mutiert. Radio-Moderatoren und Kolumnisten rekrutieren unter Ratsuchenden treue Anhänger. Professionelle Berater unterstützen Firmen jeder Größe bei der Lösung heikler Probleme.
Bis heute strebt die Menschheit nach Weisheit, die die Zeiten überdauert. Als Christen wissen wir, dass Weisheit ein Geschenk Gottes ist. Eines, das wir vor allem in der Heiligen Schrift finden. Im Alten Testament gelten als Hauptreferenz in Sachen Weisheit sicher die Sprüche Salomos. Profitieren wir also davon und prüfen wir, wie wir dieses Buch richtig verstehen und anwenden können.
Was ist Weisheit?
Das Buch der Sprüche – vom Heiligen Geist inspiriert – soll uns weise machen (Spr 1,2). Um das Buch zu verstehen, beginnen wir also am besten mit der Klärung des Begriffes „Weisheit“. Einfach ausgedrückt bedeutet Weisheit „Geschick“ oder „Expertise“. Weise Menschen leben klug. Sie vermeiden absehbare Probleme und gehen mit andern Problemen einsichtig um. Ähnlich wie man es bei verschiedenen kleinen Tieren beobachten kann, beherrschen weise Männer und Frauen ihre Einflussbereiche trotz ihrer Einschränkungen (Spr 30,24–28).
„Das Buch der Sprüche ergänzt die Botschaft der anderen biblischen Bücher durch die Erinnerung, dass unser Alltag die Arena darstellt, in der wir unserem Schöpfer ganzheitlich dienen.“
Gemäß dem Buch der Sprüche beginnt Weisheit mit der „Furcht des Herrn“ (Spr 1,7) und kennzeichnet Menschen, die Gottes Anweisungen gehorchen (Ps 34,12–17; Apg 5,29). Zur Furcht des Herrn gehört eine intellektuelle Komponente: Wir müssen Gottes Gebote studieren und auswendig lernen, um seinen Willen zu erkennen und ihm zu folgen (5Mose 6,4–9). Aber die Furcht des Herrn ist auch eine emotionale Antwort, die sich in unserer Liebe zum Vater und unserem vertrauensvollen Gehorsam gegenüber seinen Geboten zeigt (Mk 10,28–31; Jak 2,14–26; 1Joh 4,16). Satan kann zwar die Bibel zitieren, aber er liebt Gott nicht und rebelliert sinnlos gegen ihn (Mt 4,1–11). Jesus bezeichnete den reichen Mann deshalb als „Narren“, weil er seinen Schöpfer nicht anerkannt hatte – nicht etwa, weil es dem Mann völlig an Lebensweisheit mangelte (Lk 12,13–21).
Die Sprüche Salomos verwenden Weisheit als Synonym für Gerechtigkeit. Schon der Prolog weist darauf hin, dass die Sprüche zu Weisheit und Gerechtigkeit führen sollen (Spr 1,3). Weise Lehre und rechtschaffener Lebenswandel bringen Leben hervor (Spr 12,28; 13,14), aber der Gottlose und der Narr folgen dem breiten Weg in den Tod (Spr 10,14; 11,7). Beides gilt: Ohne Heiligkeit können wir nicht weise sein, und ohne nach Weisheit zu streben, können wir nicht heilig sein (siehe auch Mt 6,33).
Das Buch der Sprüche ergänzt die Botschaft der anderen biblischen Bücher durch die Erinnerung, dass unser Alltag die Arena darstellt, in der wir unserem Schöpfer ganzheitlich dienen. Die meisten von uns werden weder geopolitischen Einfluss ausüben noch den Kurs der Kirche lenken. Und trotzdem ist Gott zutiefst um unser Leben besorgt, und er behält unser Tun und Lassen sorgfältig im Auge (Spr 5,21). An diesen großen Zusammenhang erinnern uns die Sprüche und helfen uns praktisch im Gehorsam gegenüber Gottes Anordnungen. Wenn wir uns beispielsweise an der Frau oder dem Mann unserer Jugend erfreuen (Spr 5,15–20), werden wir nach Wegen suchen, die emotionale und sexuelle Beziehung mit unserem Ehepartner zu genießen, und so weniger geneigt sein, unser Eheversprechen zu brechen.
Solche Abschnitte erinnern daran, dass Gott die Beziehungen zwischen „gewöhnlichen“ Menschen heiligt. Als Christen sind wir keine „Einzelkämpfer“, sondern teilen unser Leben in der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen. Sünden zu bekennen (z.B. Spr 28,13) – wozu die Sprüche vielfach auffordern – erweist uns vor Gott und unseren Nächsten als authentische Personen. Weise Menschen suchen Christen, um ihnen gegenüber über ihr Leben Rechenschaft zu geben. Sie suchen eine Gemeinde, in welcher Sünden auf eine gesunde Art bekannt und Lasten gegenseitig getragen werden (Gal 6,2). Laut Sprüche 15,22 sind jene Menschen Narren, die Entscheidungen treffen, ohne auf gottesfürchtige Freunde zu hören. Unserem westlichen Individualismus zufolge sollen wir selber entscheiden. Aber die Sprüche lehren kein Privatleben; nur Einfaltspinsel meinen, unbeschadet auf den bewährten Weisheitsschatz verzichten zu können, der in der Gemeinschaft mit Gottes Volk zu finden ist (Spr 1,8; 4,1–6; 24,6).
Wie man das Buch der Sprüche liest
Betend zu lesen ist der Schlüssel zur Weisheit (Jak 1,5). Auch für die richtige Auslegung der Sprüche gilt es als literarischer Grundsatz, Gattung und Hintergrund dieses Buches zu berücksichtigen. Vier Prinzipien sollen uns vor Fehlinterpretationen der Weisheit der Sprüche bewahren:
Ein einzelnes Sprichwort deckt nicht sämtliche Umstände dieses Lebens ab. Von einem uninspirierten Sinnspruch erwarten wir nicht, dass er ausnahmslos gilt. Genauso wenig sind die biblisch-inspirierten Sprichwörter Salomos allzeit gültig. Dr. R.C. Sproul erklärt diesen Sachverhalt anhand der beiden Sprichwörter „Erst denken, dann lenken“ und „Wer zögert, hat verloren“. Einerseits gibt es umsichtig abzuwägende Entscheidungen – wie etwa die Wahl des Ehepartners –, und andererseits handeln wir geistesgegenwärtig-sofort, wenn es etwa darum geht, unseren Zweijährigen nicht allein die Strasse überqueren zu lassen. Dementsprechend werden wir enttäuscht und verwirrt sein, wenn wir erwarten, dass ein Sinnspruch Salomos in ausnahmslos jedem Fall zutrifft. Ob wir einem Dummkopf nach seiner Torheit antworten sollen oder nicht (Spr 26,4–5), hängt immer davon ab, mit welcher Person wir es zu tun haben.
Recherchiere das vorliegende Thema gründlich. 4. Mose 35,9–28 sah nicht die Todesstrafe für jeden Totschlag vor, sondern ausschließlich für vorsätzlichen Mord. Zur Festlegung der angemessenen Strafe mussten die Zuständigen ermitteln, ob das Verbrechen geplant war. Die richtige Auslegung der Sprüche und der Gesetze Gottes setzt die Kenntnis der Umstände voraus, auf welche sie sich beziehen.
„Wir werden enttäuscht und verwirrt sein, wenn wir erwarten, dass ein Spruch Salomos in ausnahmslos jedem Fall zutrifft.“
Lies die einzelnen Sprichwörter, indem du alle mitbedenkst. Der Kontext ist entscheidend: Ein einzelner Sinnspruch lässt sich nur vor dem Hintergrund der anderen Sprüche richtig auslegen. Alle „Worte der Weisen“ sollen auf unseren „Lippen Bestand haben“ (Spr 22,17–18). „Gewöhne den Knaben an den Weg, den er gehen soll, so wird er nicht davon weichen, wenn er alt wird!“ (Spr 22,6) heißt, dass gottesfürchtige Eltern gewöhnlich gottesfürchtige Kinder erziehen. Es müssen aber auch noch andere Bedingungen aus den Sprüchen erfüllt werden, damit das Kind auf dem geraden, schmalen Pfad bleibt. Kinder müssen auf die gottgegebene Weisheit ihrer Eltern und der Ältesten hören und ihr Herz Gott zuwenden, wenn sie treu bleiben wollen (Spr 1,8–9.32–33; 3,5–6; 7,1–3). Ignorieren wir die anderen Sprüche, dann fixieren wir uns vielleicht so sehr auf das „Gewöhne den Knaben“, dass wir annehmen, unsere Kinder würden durch eine wohldurchdachte und gezielte christliche Erziehung automatisch zu gläubigen Menschen. Der Kontext der Sprüche führt uns dann weiter zu einem Jüngerschaftstraining für Fortgeschrittene. Denn früher Gelerntes nützt nichts, wenn es heute nicht mehr angewendet wird. Lesen wir „Gewöhne den Knaben“ im Zusammenhang mit den anderen Sprüchen, hilft uns das außerdem, nicht automatisch die erzieherischen Fähigkeiten anderer herabzuwürdigen, deren Kinder nicht glauben. Das Buch der Sprüche und die gesamte Bibel belegen, dass auch gottesfürchtige Eltern manchmal ungläubige Kinder haben. Und selbst Väter und Mütter, die ihren Kindern fleißig Gottes Wort beibringen (5Mose 6,4–9), können ein Herz aus Stein nicht gegen ein Herz aus Fleisch tauschen.
Behalte das Ende im Blick. Zahlreiche Sprichwörter sprechen dem Volk Gottes Erfolg zu – und tatsächlich vermeiden gläubige Menschen gewöhnlich einiges an Schwierigkeiten und leben mit anderen in Frieden (Spr 12,21; 16,7). Aber selbst wenn gottesfürchtige Männer und Frauen oft „Reichtum, Ehre und Leben“ finden (Spr 22,4), kennen wir doch auch treue Diener, die leiden. Das Buch der Sprüche anerkennt diese Tatsache. Es ist also möglich, Gott zu fürchten und trotzdem in Armut zu leben (Spr 15,16; 19,1). Umgekehrt gibt es ebenso Zeiten, in denen Menschen durch Bosheit irdische Schätze sammeln (Spr 10,2).
Wenn wir diese Wahrheiten vergessen und solche Verse, die den Rechtschaffenen Erfolg verheißen, als absolut deuten, dann werden wir enttäuscht, sobald die reale Erfahrung nicht den Erwartungen entspricht. Wir könnten auch dem Irrtum der Freunde Hiobs aufsitzen, die seine Nöte als Beweis auffassten, dass er sich versündigt haben muss.
Auch wenn die Sprüche keine automatischen Versprechen für unser gegenwärtiges Leben bedeuten, heißt dies nicht, dass es keine Garantie für den endgültigen Erfolg der Rechtschaffenen gibt. Die Bibel verweist im Hinblick auf Gottes Gerechtigkeit (1Mose 18,25; Offb 16,5) auf die Zeit, in der Gott seine Leute rehabilitiert und die Gottlosen vernichtet. Gott hält die Gerechtigkeit aufrecht, indem er das seinen Heiligen zugefügte Unrecht in einem Leben wiedergutmacht, welches das Grab überdauert. Diese Hoffnung zeigt sich in den Sprüchen etwas schemenhaft (Spr 10,2b.25; 11,21; 16,4), eher als eine notwendige Konsequenz als eine direkte Lehre. Dennoch werden sich die Verse, die den Rechtschaffenen großen Segen verheißen, in einem finalen Sinn bestätigen – und auf diesen Tag freuen wir uns (Dan 12,1–3; Offb 20,11–15).
Das Buch der Sprüche und Jesus Christus
Mit dem Hinweis auf ein Leben nach dem Tod deutet das Buch der Sprüche auf den Einen, der die Gerechtgesprochenen als solche rehabilitieren und sie für ihren Dienst belohnen wird. Wenn unerschütterliche Liebe und Gerechtigkeit einem König Bestand geben (Spr 20,28), dann ist als Rechtfertiger der Heiligen nur ein Herrscher qualifiziert, der diese Voraussetzungen selbst vollkommen verkörpert. Wir sprechen von Jesus Christus, dem Messias und Herrn, der sich nicht nur der Weisheit der Sprüche, sondern auch der Weisheit Gottes vollkommen unterworfen hat (1Kor 1,24). Salomo verstarb als Narr (1Kön 11), doch Jesus Christus fürchtete Gott immer und mied das Böse (Spr 3,7; 1Petr 2,22). Wenn wir das Buch der Sprüche im Zusammenhang der umfassenderen Offenbarung der Unterweisung Gottes lesen und wir uns dieser Weisheit unterwerfen, werden wir zur Ehre Gottes weise leben.
Robert Rothwell ist Editor von Tabletalk, Professor am Reformation Bible College und Absolvent des Reformed Theological Seminary in Orlando, Florida (USA).
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von Ligonier Ministries.
https://www.evangelium21.net/media/2483/die-sprueche-salomos

Ist Glauben ein Sprung in die Dunkelheit?

„Glauben ist kein Sprung in die Dunkelheit … keine irrationale Leichtgläubigkeit, keine Überzeugung gegen den Augenschein und gegen den Verstand. Er bedeutet Überzeugung im Licht historischer Fakten, in Übereinstimmung mit dem Augen-schein, auf der Grundlage von Zeugenaussagen.“George Eldon Ladd, A Theology of the New Testament, Grand Rapids 1974 (Eerdmans), S. 324

Gibt es Wunder?

„Ich kann sie gut verstehen, die Menschen, die sich schwertun mit der Vorstellung eines Gottes, der in den Gang der Natur eingreift. Es ist nicht einfach, an Wunder zu glauben, und das soll auch so sein. In Matthäus 28 lesen wir, wie die Apostel auf einen Berg in Galiläa gehen, um Jesus zu treffen. „Als sie ihn dort sehen, vielen sie vor ihm nieder. Einige aber zweifelten, ob es wirklich Jesus war.“ (V. 17). Ein bemerkenswerter Satz! Der Verfasser eines der frühesten Dokumente des christlichen Glaubens teilt uns mit, dass mehrere der Gründer dieses Glaubens das Wunder der Auferstehung schier nicht glauben konnten, obwohl sie Jesus mit ihren eigenen Augen vor sich sahen und mit den Händen greifen konnten. Es gibt keine Erklärung dafür, warum dieses Detail in dem Bericht enthalten ist, außer dass es wirklich so war. Dieser Bibelabschnitt zeigt uns mehreres. Erstens: wir sollten uns nicht einbilden, dass nur wir modernen, wissenschaftlich aufgeklärten Menschen Probleme mit Wundern haben, während die primitiven Menschen der Antike dieses Problem nicht hatten. Die Apostel reagierten gerade so wie die meisten Menschen heute: die einen trauten ihren Augen, die anderen nicht. Zweitens macht uns die Szenen Mut zu mehr Geduld. Alle Apostel wurden später bedeutende Führungspersönlichkeiten der Alten Kirche, aber einigen fällt das glauben halt schwerer als anderen.
Der Sinn der Wunder und Heilungen
Doch das Eindrücklichster an diesem Text ist, was er uns über den Sinn der Wunder in der Bibel verrät. Wunder führen nicht los zum Glauben im Sinne von Für–wahr–halten, sondern zur ehrfürchtigen Anbetung. Die Wunder Jesu waren nie magische Tricks, die die Menschen beeindrucken oder manipulieren sollten. Wir lesen nirgends, dass Jesus sagte: „Seht ihr den Baum da drüben? Wartet, den lass‘ ich gleich in Flammen aufgehen!“ Er benutzte seine Wundermacht viel mehr dazu, Kranke zu heilen, Hungrige zu speisen und Tote aufzuerwecken. Warum das? Wir Heutigen stellen uns Wunder so vor, dass sie die Natur außer Kraft setzen; Jesus wollte mit Ihnen die Natur wiederherstellen und heilen. Die Bibel berichtet uns, dass Gott die Welt ursprünglich ohne Krankheit, Hunger und Tod erschuf. Jesus kam in die Welt, um zu erlösen, wo sie erlösungbedürftig ist, und um zu heilen, was zerbrochen ist. Seine Wunder sind nicht nur Erweise seiner Macht, sondern ein greifbarer Vorgeschmack darauf, was er einmal mit dieser Macht tun wird. Die Wunder Jesu sind nicht nur eine Herausforderung unseres Denkens, sondern ein Zuspruch an unsere Herzen – das die Welt, nach der wir uns alle sehnen, kommen wird.“
Dr.Timothy Keller, Warum Gott?, (Brunnen Verlag, Gießen 2010), S. 124-125

Was bedeutet es, ein lebendiges Opfer zu sein?


Frage: „Was bedeutet es, ein lebendiges Opfer zu sein?“

Antwort:
In Römer 12,1 sagt Paulus: „Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“ Paulus‘ Ermahnung an die Gläubigen in Rom forderte, dass sie sich selbst Gott opfern, nicht als Opfer auf einem Altar, wie das mosaische Gesetz die Tieropfer forderte, sondern als lebendiges Opfer. Opfer wird definiert als „alles was Gott dargebracht und ihm geweiht wird.“ Wie weihen wir uns als Gläubige und bringen uns Gott als lebendiges Opfer dar?

Unter dem Alten Bund akzeptierte Gott das Opfer von Tieren. Aber diese waren nur die Vorsehung auf das Opfer des Lammes, Jesus Christus. Wegen seinem ultimativen, ein-für-allemal geltenden Opfer am Kreuz wurden die Opfer des Alten Testaments obsolet und haben keine Gültigkeit mehr (Hebräer 9,11-12). Für diejenigen, die durch den erlösenden Glauben in Christus sind, ist die einzig akzeptable Anbetungsform, uns selbst voll und ganz dem Herrn anzubieten. Unter Gottes Kontrolle muss der noch nicht erlöste Körper des Gläubigen sich ihm als Instrument der Gerechtigkeit unterstellen (Römer 6,12-13; 8,11-13). Mit Blick auf das ultimative Opfer durch Jesus für uns ist dies nur „angemessen“.

Wie sieht das lebendige Opfer in der Praxis aus? Der folgende Vers (Römer 12,2) hilft uns dies zu verstehen. Wir sind ein lebendiges Opfer für Gott, wenn wir nicht mit dieser Welt gleichstellen. Die Welt ist für uns in 1. Johannes 2,15-16 als die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens definiert. Alles, was die Welt zu bieten hat, kann auf diese drei Dinge reduziert werden. Die Begierde des Fleisches beinhaltet alles, was unseren Appetit weckt, wie exzessives Verlangen nach Essen, Trinken, Sex und alles andere, was unsere physischen Bedürfnisse befriedigt. Die Begierde der Augen beinhaltet Materialismus, Neid und Eifersucht über das, was wir sehen und nicht haben. Der Hochmut des Lebens definiert jede Ambition, die uns vor Stolz aufbläht und uns auf den Thron unseres eigenen Lebens setzt.

Wie können Gläubige uns nicht mit der Welt gleichstellen? „…ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes“ (Römer 12,2). Primär geschieht diese Verwandlung durch die Kraft von Gottes Wort. Wir müssen hören (Römer 10,17), lesen (Offenbarung 1,3), studieren (Apostelgeschichte 17,11), auswendig lernen (Psalm 119,9-11) und über die Heilige Schrift meditieren (Psalm 1,2-3). Das Wort Gottes, welches durch den Heiligen Geist in unseren Herzen arbeitet, ist die einzige Macht der Erde, die uns von Weltlichkeit zur Spiritualität verwandeln kann. Tatsächlich ist das Wort alles, was wir benötigen „…vollkommen …, zu allem guten Werk geschickt“. (2. Timotheus 3,16). Das Ergebnis ist, dass für uns gilt: „auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ (Römer 12,2). Es ist der Wille Gottes, dass jeder Gläubige das lebendige Opfer für Jesus Christus ist.
https://www.gotquestions.org/Deutsch/lebendiges-opfer.html

Das Buch Josua

Gottes kühner Kämpfer
Josua stritt in der Schlacht um Jericho, als die Mauern einstürzten.
Dies ist das erste der 12 historischen Bücher im AT. Die Bedeutung des Namens Josua passt sehr gut zu der wichtigen Stellung, die er innehatte. »Josua« bedeutet »der HERR ist Rettung«. Es ist eine frühe hebräische Form des neutestamentlichen Namens »Jesus«.

Autor und Abfassungszeit

Geschrieben von Josua ca. 1405 bis 1385 v. Chr.
Obwohl der Verfasser nicht erwähnt wird, war es mit höchster Wahrscheinlichkeit Josua, der wichtigste Augenzeuge der geschilderten Ereignisse (vgl. 18,9; 24,26). Ein vertrauter Assistent Josuas könnte das Buch vollendet haben, indem er den Bericht über den Tod Josuas hinzufügte (24,29-33).
Rahab lebte noch als Jos 6,25 verfasst wurde, was zu der frühen Datierung des Buches führt. Andere Indizien, wie z.B. die Präsenz der Jebusiten in Jerusalem (15,63) weisen auf eine Abfassungszeit des Buches Josua vor dem Herrschaftsantritt Davids hin (2Sam 5,5-9).
Schlüsselpersonen im Buch Josua

Josua – führte Israel in das verheissene Land (1–24)
Rahab – Prostituierte aus Jericho; wurde von Tor errettet, weil sie Gott gehorsam war; eine Vorfahrin Davids und Jesus (2; 6,17.22-23.25)
Achan – war Gott ungehorsam, indem er sich an dem gebannten Gut Jerichos vergriff; verschuldete Israels Niederlage bei Ai; wurde zur Strafe gesteinigt (7; 22,20)
Pinehas – Priester und Sohn Eleasars, agierte als Vermittler zwischen den Stämmen Israels und vermied dadurch einen Bürgerkrieg (22,13.31-34; 24,33)
Eleasar – Sohn Aarons; sein Nachfolger als Hoherpriester; unterstützte Josua bei der Führung Israels (14,1; 17,4; 19,51; 21,1-3; 22,13-33; 24,33)

Hintergrund und Umfeld

Als Mose vor seinem Tod den Führungsstab an Josua übergab (5Mo 34), stand Israel am Ende seiner 40-jährigen Wüstenwanderung. Josua war zum damaligen Zeitpunkt etwa 90 Jahre alt. Bevor er im Alter von 110 Jahren starb (24,29), hatte er mit Israel die meisten Kanaaniter aus dem Land vertrieben und es unter den 12 Stämmen aufgeteilt.

In den Ebenen Moabs, östlich des Jordans und des von Gott verheissenen Landes erwarteten die Israeliten Gottes Führung, um das Land zu erobern. So beginnt das Buch Josua. Westlich des Jordans begegneten ihnen Völker, die so in Gräueltaten versunken waren, dass Gott das Land sozusagen veranlasste, seine Einwohner auszuspeien (3Mo 18,25). Er würde Israel das Land durch Eroberung geben, um in erster Linie seinen Bund zu erfüllen, den er Abraham und seinen Nachkommen zugesichert hatte, aber ebenso um Gericht über die sündige Bevölkerung Kanaans auszuüben (vgl. 1Mo 15,16). Verschiedene Teile des Landes waren schon vor Abrahams Zeit im Besitz mehrerer Völker (1Mo 10,15-19; 12,6; 13,7). Bis zur Zeit Josuas sind die Einwohner durch die Verehrung verschiedener Gottheiten in ihrer Unmoral beständig fortgeschritten. Dieser Umstand führte auch dazu, dass Gott dementsprechend reagierte. Sie verloren ihr Land.

Schlüssellehren im Buch Josua

Gottes Treue in der Erfüllung seiner Verheissung, das Land den Nachkommen Abrahams zu geben – (5,14–6,2; 11,23; 21,45; 22,4; 1Mo 12,7; 15,18-21; 17,8; 2Mo 33,2; 4Mo 34,2-15; 5Mo 12,9-10; 25,19; Hebr 4,8)

Gottes Wesen im Buch Josua

Gott ist heilig – 24,19
Gott ist eifersüchtig – 24,19
Gott hält seine Versprechen – 22,4; 23,14
Gott ist vorhersehend – 7,14; 21,45
Gott ist zornig – 10,25; 23,16

Christus im Buch Josua

Obwohl wir in diesem Buch keine expliziten messianischen Verheissungen finden, repräsentiert Josua doch einen Typus auf Christus, das gilt sowohl für seinen Namen wie auch für seine Taten. Der Name Yeshua steht für Josuas hebräischen Namen. Dieser Name bedeutet »Jahwe ist Errettung« und wird auch mit »Jesus« übersetzt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt hatte Josua auch eine Offenbarung eines »Fürsten über das Heer der Herrn« (5,13-14). Dieser Fürst ist eine Präinkarnation (eine Fleischwerdung Jesu bevor er dann im NT auf die Erde kam; Anm.d.Ü.) Christi. Er leitete Josua, den Oberbefehlshaber der israelitischen Armee, im Kampf gegen die Kanaaniter und führte Israel zum Sieg.

Schlüsselworte im Buch Josua

Stein: Hebräisch ´eben – 4,3.5.9.20; 7,25; 8,31; 10,11.18. Steine gab es im antiken Mittleren Osten wie Sand am Meer. Sie dienten verschiedenen Zwecken; als Baumaterial für Häuser, Stadtmauern und Festungen (1Kö 5,31; 2Kö12,13). Man setzte sie auch für religiöse Zwecke ein; (als steinernes Mal (1Mo 35,14) und zum Bau von Altären (5Mo 27,5). Man häufte sie auch auf und errichtete Gedenkstätten an Orten, wo Gott sich offenbart hatte (1Mo 28,18.22); wo einzelne Personen (1Mo 31,46) oder Nationen (4,6) eindrückliche Erlebnisse hatten. Steine wurden üblicherweise auch benutzt, um ein Fundament zu legen, und so kam es auch, dass Gott selbst »Stein Israels« genannt wurde (1Mo 49,24). Aber auch Jesaja beschrieb Jesus als den »Stein des Anstosses« für diejenigen Israeliten, die ihn ablehnen würden (Jes 8,14). Im NT wird dieselbe Bildsprache auch im Bezug auf Jesus angewendet (Jes 28,16; 1Pt 2,4-8).

Posaune: Hebräisch shophar – 6,5.8-9.13.16.20 – das Horn eines Tieres (meistens eines Widders oder einer Ziege) wurde als Posaune benutzt (6,6; Ri 7,8). Das Wort kann aber auch für eine metallene Posaune gebraucht werden (4Mo 10,2-10; 1Chr 15,28; 2Chr 15,14). Das shophar war ein Signalinstrument und wurde im Krieg eingesetzt (Ri 3,27) oder um die Leute für religiöse Festlichkeiten, wie z.B. den grossen Versöhnungstag (3Mo 25,8; 2Sam 6,5; Joel 2,1) zusammenzurufen. Beim Schall der Posaune wurde auch das Herniederfahren Gottes auf den Berg Sinai, wo er Mose die Zehn Gebote gab, angekündigt (2Mo 19,20). Sowohl das AT wie auch das NT erwähnen Posaunen im Zusammenhang mit dem Tag des Herrn, dem Tag, an dem der Herr Gericht üben wird (Zeph 1,16; Mt 24,31).

Erbe: Hebräisch nachalah – 13,14.33; 14,3; 17,4; 19,1.9.49; 21,3; 24,32 – bedeutet »Eigentum« oder »Besitz« und ist an die Verheissungen Gottes gebunden, im Speziellen bezüglich des verheissenen Landes (1Mo 13,14-17). Wenn dieses Wort im Zusammenhang mit dem verheissenen Land erwähnt wird, vermittelt es nicht bloss den Gedanken des letzten Willens dieser Person. Es geht viel mehr um Gott, den Schöpfer der Welt, der seinem Volk einen ganz bestimmten Flecken Land versprochen hat. Er legte seine Grenzen fest und versicherte Israel, es ihnen zu übergeben. Wenn wir aber vom Erbe Israels sprechen, dann müssen wir uns bewusst sein, dass es um viel mehr als ein simples Stück Land geht. Sowohl David als auch Jeremia bestätigen, dass Gott selbst das eigentliche Erbteil Israels ist (Ps16,5; Jer 10,16). Gottes Volk findet Freude und Erfüllung in seiner Beziehung zu Gott. Nichts, was diese Welt als Erbe zu bieten hat, vermag mit Gott selbst zu konkurrieren. (1Pt 1,4)

Ruhe: Hebräisch shaqat – 1,13; 3,13; 10,20; 13,27; 17,2; 21,44; 22,4; 23,1– bedeutet »Frieden haben«. Mit Ruhe ist einfach das Fehlen von Angst und Konflikten gemeint. Gott versprach den Israeliten Ruhe im verheissenen Land (2Mo 33,14; 5Mo 3,1-20; 12,9-10). Im Buch Josua bezieht sich Ruhe v.a. auf die Auseinandersetzungen Israels mit den benachbarten Nationen. Gott verhiess seinem Volk einen ruhigen Ort, wo es sich niederlassen konnte. Die Bewahrung dieser Ruhe hing aber davon ab, inwiefern Israel Gottes Geboten Gehorsam schenkte, und die Kanaaniter aus dem Land vertrieb (11,23; 14,15). Auch ntl. Schreiber greifen das Konzept der Ruhe auf. Christen wissen, dass sie im Himmel von Tod, Schmerz, Sünde und allen erdenklichen irdischen Mühen erlöst sein werden (Hebr 4,1; Offb 21,4).

Gliederung

Der Eintritt ins Gelobte Land (1,1 – 5,15)

Die Eroberung des Gelobten Landes (6,1 – 12,24)

  • Der Eroberungszug im Landesinneren (6,1 – 8,25)
  • Der südliche Eroberungszug (9,1 – 10,43)
  • Der nördliche Eroberungszug (11,1-15)
  • Zusammenfassung der Eroberungen (11,16 – 12,24)

Zuweisung der Gebiete des Gelobten Landes (13,1 – 22,34)

  • Zusammenfassung der Anweisungen (13,1-33)
  • Westlich des Jordan (14,1 – 19,51)
  • Zufluchtsstädte (20,1-9)
  • Städte der Leviten (21,1-45)
  • Östlich des Jordan (22,1-34)

Festhalten am Gelobten Land (23,1 – 24,28)

  • Josuas erste Rede (23,1-16)
  • Josuas zweite Rede (24,1-28)

Nachwort (24,29-33)

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

Die friedliche Herrschaft Amenotheps III. verbessert den kulturellen und wirtschaftlichen Einfluss Ägyptens, was dazu führt, dass sich sein Reich ausbreitet (1420-1385 v. Chr.)

Häufig auftauchende Fragen

1. Wie können wir Gottes Charakter, wie wir ihn im Rest der Schrift offenbart finden, vereinbaren mit den harschen Anweisungen, während der Zeit der Eroberung des verheissenen Landes den Bann an den verschiedenen Völkern und Städten zu vollziehen?

Als Josua anordnete, die Stadt Jericho zu zerstören, handelte er auf Gottes klare Anweisung hin. Schriftstellen wie 2Mo 23,32-33; 34,11-16 und 5Mo 7,1-5; 20,16-18 machen es uns unmöglich, die klaren Anordnungen Gottes hinsichtlich der Zerstörung ganzer Völker abzuschwächen. Hier ging es nicht nur darum, dass Soldaten feindliche Soldaten töteten. Zu den Opfern zählten auch viele Frauen und Kinder. Die Herausforderung für den ernsthaften und demütigen Bibelstudenten liegt darin, diesem Horror und den damit verbundenen hart zu lernenden Lektionen ins Auge zu schauen, ohne der Versuchung, sie abzuschwächen oder wegdiskutieren zu wollen, zu erliegen.

Wenn unsere Erkenntnis über die Furcht Gottes und seine gerechten Gerichte über die Sünde nicht beständig wächst, dann wird unser Verständnis hinsichtlich Gottes Gnade und Barmherzigkeit allmählich verblassen. Wenn wir nicht anerkennen, dass Gott bestrafen kann und es auch tut, dann wird Gnade und Vergebung sehr schnell an Wert verlieren. Wenn wir nicht die Gesamtheit von Gottes Wirken und seinem Charakter zu erfassen versuchen, werden wir geneigt sein, die Dinge nach unseren Geschmack (mag ich oder mag ich nicht) zu beurteilen, und verpassen dabei die entscheidenden Zusammenhänge und Berührungspunkte. Unser Mangel an Erkenntnis kann durch biblische Einsicht teilweise wettgemacht werden.

Bei der Ausführung der Gerichte Gottes spielte Israels eigene Gerechtigkeit überhaupt keine Rolle. Es war alleine die Gnade Gottes, die sie davor bewahrte, selbst in der Position der Verurteilten zu stehen. »Wenn sie nun der HERR, dein Gott, vor dir her ausgestossen hat, so sprich nicht in deinem Herzen: Um meiner Gerechtigkeit willen hat der HERR mich hereingebracht, dass ich dieses Land in Besitz nehme, da doch der HERR diese Heidenvölker wegen ihrer Gottlosigkeit vor dir her aus ihrem Besitz vertreibt« (5Mo 9,4).

Gott hätte genauso gut Krankheit, Hunger, Feuer oder eine Flut benutzen können, um die Völker aus dem Land zu vertreiben, aber er entschloss sich, das Volk Israel zu benutzen. Bei schrecklichen Naturkatastrophen werden alle in Mitleidenschaft gezogen. Dass kleine Kinder das Schicksal ihrer Eltern teilen, ist nicht einfach zu akzeptieren. Oft ist es aber so. Als Israel Gottes Gericht vollstreckte, verhielt es sich auch so. Hat Gott diese Kinder ungerechterweise gestraft? Oder tragen die Eltern und Führer einer Nation die Verantwortung für das Leid der Kinder, weil sie selbst Gott abgelehnt haben? Einige dieser Fragen werden erst nach dem Tod beantwortet werden können, dann, wenn das letzte Gericht stattfinden wird (Hebr 9,27).

2. Warum hat Gott Rahab gesegnet, und ihr trotz ihrer Lüge eine in der Geschichte einzigartige Rolle zugedacht?

Rahabs Leben wurde nicht wegen ihrer Lüge verschont; es wurde verschont, weil sie ihren Glauben auf Gott setzte. Rahab bot sich die gnadenvolle Möglichkeit, sich auf die Seite Gottes zu stellen, indem sie den zwei israelitischen Spionen Unterschlupf gewährte. Sie handelte innerhalb des Rahmens ihrer Möglichkeiten. Sie liess sich auf eine gefährliche und ausgeklügelte Lüge ein. Vielleicht entsprach diese erste Reaktion auch einfach ihrer berufsbedingten Gewohnheit. Aus Sicht des Königs von Jericho hat sie sich aber nicht nur der Lüge, sondern des Verrats schuldig gemacht. Sie stand nun unter einer neuen Fahne und war sich auch im Klaren darüber, dass der Gott, dem sie jetzt vertrauen wollte, einen ganz klaren Standpunkt hinsichtlich der Lüge vertrat.

Die radikalen Veränderungen in Rahabs Leben lassen sich anhand folgender Umstände erkennen. Als die zwei Spione an ihre Tür klopften, entschied sie sich, ihr Leben zu riskieren und Gott zu vertrauen. Das Buch Ruth klärt uns auch darüber auf, dass Rahab später heiratete und die Ururgrossmutter von König David, und zugleich auch eine Vorfahrin Jesu wurde. Jahrhunderte später wurde Rahab wegen ihres Glaubens in die Liste der Glaubenshelden in Hebräer 11 aufgenommen.

3. In welcher Weise beeinflusst Gottes Siegeszusage an Josua auch unser Leben?

Das Buch Josua beginnt damit, dass Gott den neuen Führer Israels offiziell einsetzt. Gott beschreibt Josuas Auftrag folgendermassen: Geh in das Land und nimm es in Besitz (1,2-6). Gott machte Josuas Erfolg von drei Faktoren abhängig: 1) Gottes Gegenwart (1,5); 2) Josuas persönlicher Kraft und seinem Mut (1,7.9); und 3) Josuas Aufmerksamkeit und Anwendung hinsichtlich des Wortes Gottes (1,7-8).

Der Prozess biblischen Denkens beginnt mit einem sorgfältigen und beständigen Lesen des Wortes Gottes. In einem zweiten Schritt wird man mit dem Inhalt vertraut und lernt ihn auswendig. Um »Tag und Nacht darin zu forschen« (1,8), musste Josua ausreichend Zeit im Buch des Gesetzes verbringen, so dass er das Buch allmählich verinnerlichen würde. Gottes Wort hat seinen Auftrag erfüllt, wenn jemand vom Nachsinnen zum Tun schreitet – »damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht« (Jos 1,8).

»Dann« sprach Gott »wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln« (1,8). Josua machte folgende Erfahrung; ultimativer Erfolg und Wohlergehen hängen davon ab, zu wissen was Gott im Leben seines Volkes will, um dann sein Leben auch entsprechend dem Willen Gottes zu leben. Gott sicherte Josua wiederholt seine Gegenwart zu »überall, wo du hingehst«. Kannst du dir ein überschwänglicheres Mass an Erfolg vorstellen, als den immergegenwärtigen Gott durch deinen Gehorsam zu ehren?

Kurzstudium zum Buch Josua/einige Fragen

  • Welche Charaktereigenschaften machten Josua zu einem hervorragenden Führer für Israel?
  • Welches waren die grössten Herausforderungen für Josua als Führer?
  • Schau 4Mo 13–14 nochmal an und vergleiche die Einstellung und die Handlungen dieser Leute mit denen der nächsten Generation, die kurz vor der Einnahme des verheissenen Landes stand (Jos 1–2).
  • Wie erfüllte Gott seine Verheissung am Volk Israel durch Josua?
  • Wie würdest du Josua 24,15 in deinem Leben umsetzen?


Autor: John MacArthur
Quelle: Basisinformationen zur Bibe

Gottes Herrlichkeit loben

„Wenn Gott das Schönste und Größte überhaupt ist, das Wunderbare hinter allem Wunderbaren, dann bedeutet ihn zu loben und zu bewundern schlicht, ‚dass man wach ist, dass man in der wirklichen Welt angekommen ist‘“. (209)
„Ich glaube, wir loben deshalb gerne, was und Freude bereitet, weil der Lobpreis die Freude nicht nur ausdrückt, sondern vervollständigt; er ist die ihr bestimmte Vollendung“ (209, C. S. Lewis)
„Gott loben heißt, ihn anzubeten für das, was er in sich selber ist; Gott danken heißt, ihn für das zu preisen, was er getan hat.“(213)
„Verstehen sie jetzt, warum Gott Undank so ernst nimmt? Weil er bedeutet, dass wir uns der Illusion hingeben, uns geistlich selbst zu genügen. Undank bedeutet, dass wir Dinge als unsere eigene Leistung betrachten, die in Wirklichkeit Geschenke sind.“ (214)
Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016

Fünf Mythen über die Gesetzlichkeit

Hartnäckig halten sich unterschiedliche Mythen über die Gesetzlichkeit fest, die einen klaren Blick auf das Werk Christi trüben. Fünf möchte ich umreißen:
1. Bei der Gesetzlichkeit geht es vor allem um die Praxis der Beschneidung
Ein Bruder reagierte ziemlich verärgert, als ich mit ihm über den Galaterbrief sprach. Was fiele mir bloß ein, ihn mit den Galatern zu vergleichen. Schnell wurde deutlich, dass man meinte, das Problem der Galater nicht zu besitzen, da man schließlich nicht beschnitten sei.
Fakt ist: Titus, Grieche und Mitarbeiter des Paulus, entschied sich freiwillig für eine Beschneidung (huch- steht auch im Galaterbrief, nämlich Gal. 2,3)! Das Problem ist wie so oft nicht die eigentliche Tat, sondern das Ziel. Warum wollten sich die Galater beschneiden? Ihre “Tat um sich zu retten” stellte Christi Werk in den Schatten. An dieser Stelle sind Parallelen für unsere Zeit zu suchen. Ich denke da z.B. an Mütter, die sich nur deswegen gegen eine Familienplanung entscheiden, weil sie sonst keine Heilsgewissheit mehr besitzen. Unterschwelliger (und weitreichender) geht es dann darum, dass man die Bekehrung oder den Glauben zu Werken „degradiert“.
2. Gesetzlichkeit ist (ausschließlich) ein Problem der Konservativen
Ich besuchte einmal eine Party mit einer ganzen Menge cooler Christen. Da ich mein Zeug ständig verlege, passierte mir das auch mit meinem Plastikbecher (pardon, natürlich mit Pappbecher aus Bio-Pappe), aus dem ich genüsslich an meiner Cola nippte. Also griff ich kurzerhand zum zweiten Becher und kassierte umgehend eine Rüge, mit den Ressourcen sparsam umzugehen.
Fakt ist: Obwohl Gesetzlichkeit wohl wirklich vor allem das Problem konservativer Kreise zu sein scheint, habe ich auch in äußerst lockeren Kreisen immer wieder beobachtet, wie man geradezu verzweifelt nach selbsterlösenden Taten lechzte. Ob nun Umweltschutz, coole Mucke, lässige Kleidung oder eine eloquent-moderne Ausdrucksweise. Plötzlich entsteht ein riesiger Bewertungskatalog, an dem man auch beständig nicht nur sich, sondern auch seinen nächsten misst. Die Kataloge werden gigantischer, als ich sie in meinen erzkonservativsten Albträumen jemals erlebt habe. Womöglich ist Gesetzlichkeit in einer „strengen“ Milieu nur einfacher zu enttarnen?
3. (Folgt aus 2): Wenn ich”lockerer” bin, bin ich nicht mehr gesetzlich
Dieser Punkt könnte viel Lokalkolorit enthalten. Es geht mir um das Selbstbewusstsein von wirklich einer ganzen Masse an Christen, die eine konservative Gemeinde verlassen und von nun an denken, dass sie kein Problem mit Gesetzlichkeit mehr besitzen.
Fakt ist: Ich würde bei einer solchen Entwicklung aufhorchen: Welche Veränderung fand durch den Gemeindewechsel wirklich statt? Eine rein äußerliche? Was sollte sich im Herzen ändern? Wenn ich mit Gesetzlichkeit ein Problem hatte, wo habe ich wirklich Umkehr und Buße erlebt! Das (gesunde) Gegenteil von Gesetzlichkeit ist nicht Gesetzlosigkeit.
4. Gesetzlichkeit ist etwas Alttestamentliches
Das ist ein größeres Themenfeld, das vor allem davon zehrt, dass man Christus vom Alten Testament trennt. Das Evangelium wird dann synonym zum NT.  Zum einen verschwindet so jeglicher Lebensbezug (da ja im alten Bund), zum anderen wird so Gesetz und Gesetzgeber bestimmt (und bestimmend) getrennt. Das Problem äußert sich dann darin, dass Menschen, die einerseits über jede „Gesetzlichkeit“ die Nase rümpfen, jegliches Gebot des Neuen Testaments (ich denke da an Blutwurstkonsum, Schmuck, Kopfbedeckung) nicht ernst genug nehmen können. Was ändert sich dann aber wirklich? Warum dann die ganzen neuen Gesetze?
Fakt ist: Besser wäre es zwischen dem Wesen des Buchstabens und des Wesen des Geistes zu unterscheiden (Röm.7,6). Obwohl wir nicht durch die Werke des Gesetzes gerettet werden, kann man Gesetz und Evangelium nicht trennen (aber wohl unterscheiden).
5. Gesetzlichkeit ist bloß eine Bagatelle
Diesen Punkt empfinde ich am fatalsten: Ich erinnere mich an den einen Pastor, der Christen das Studieren untersagte (und sogar mit dem Gemeindebann belegte). Doch später wollte er plötzlich eine christliche Schule gründen und ermutigte seine junge Gemeinde natürlich zum Studium. Tragisch ist dabei nicht so sehr, die unreife Meinungsänderung, wie das Ausbleiben jeglicher Buße. Auch schien das die meisten, mit denen ich darüber sprach, wenig zu bekümmern. Man tat es als geringfügige Spinnerei, ja an sich als vernachlässigbares Vergehen. Schließlich hat es noch niemandem geschadet “zu streng zu sein”. Und ein Studium hätte die jungen Christen womöglich eh vom Glauben abgebracht. Selbstbewusst verteidigte man also diese Gesetzlichkeit als eine Art Gehorsam “auf Nummer sicher”
Fakt ist: Bei allem Respekt vor den evangelikalen Würdenträgern, aber: Es ist nicht die Weise, wie Christus argumentierte! In Markus 7 entlarvt Jesus äußerst geschickt, dass Gottes Gebote immer Vorrang haben, auch wenn sie nicht so fromm klingen. Natürlich klang es um so viel geistlicher und frommer, den Eltern: “Korban – Gott geweiht” zuzurufen, um sein Erbe nach dem Tod dem Tempel, also direkt Gott zu vermachen. Das klingt um ein vielfaches frömmer, als mit seinem Vermögen einfach nur seine alten Eltern zu unterstützen. Gott jedoch will Gehorsam gegenüber seinem Wort. Ich erinnere mich an eine Gesprächsrunde mit einer großen Anzahl an Laienpredigern, von denen die meisten (so verrückt das für einige meiner Leser klingen mag) eine rigorose Rasierpflicht für christliche Männer (Natürlich nicht für die Frauen, da ging es dann seltsamerweise genau um das entgegengesetzte Verhalten) forderten. Ohne wirklich mit der Schrift argumentieren zu können, begnügte man sich mit einem “auf Nummer sicher Gehorsam”. Das ist aber gesetzlicher Treibsand! Wenn wir nicht auf dem Felsen des unverrückbaren Wortes Gottes bauen setzen wir unser Leben auf einen wackligen Grund, der kaum in den Stürmen des Lebens bestehen kann.
Fazit: Um zum Leitvers aus Gal. 5,1 zurückzukehren: Es ist ein Kampf! Die Versuchung auf der eigenen Gerechtigkeit zu bauen ist knallhart! Auf das Gesetz zu bauen klingt oftmals so viel frommer und so viel auch unproblematischer als zum Kreuz umzukehren. Aber es ist der breite Weg, er führt vom schmalen Weg zu Christus ab. Das Gesetz, wenn wir es als Weg und nicht als Mittel sehen, wird uns in die Verzweiflung oder in den Hochmut führen.
Sergej Pauli Sergej Pauli, Jahrgang 1989 und wohne in Königsfeld im Schwarzwald.
http://biblipedia.de/2020/12/14/fuenf-mythen-ueber-die-gesetzlichkeit/