Die Identität des Kindes wird fragmentiert!“

Idea Schweiz hat ein hilfreiches Interview mit Susanne Kummer zur Biofamilie veröffentlicht. Frau Kummer, Geschäftsführerin des Instituts für Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) in Wien, betrachtet die Trennung zwischen genetischer und sozialer Elternschaft, die immer beliebter wird, sehr skeptisch: 

Schauen wir uns die Tausenden von Kindern an, die durch Samenspende zur Welt gekommen sind, und fragen wir uns: Welches Vaterbild unterstützen wir damit in einer zunehmend vaterlosen Gesellschaft? Es ist das Bild von Vätern, die Kinder in die Welt setzen lassen und keine Verantwortung übernehmen. Was ist das für ein Zugang zu verantwortungsvoller Vaterschaft? Künstliche Befruchtung mit fremdem Samen trägt inhärent den Zug der Entpersonalisierung und auch der Bindungslosigkeit zwischen der genetischen Herkunft und den Personen, mit denen ein Kind aufwächst. Damit bürdet man Kindern einiges auf. Sie wachsen in einem familiären Niemandsland auf. Wir haben es zu tun mit einer eigenartigen Leibferne. Man tut so, als ob der Leib nur Rohstoffmaterial wäre. Dabei ist die leibliche Herkunft Teil der Identität. Betroffene Kinder haben sich inzwischen zu Selbsthilfeorganisationen für Fremdsamenspender-Kinder oder Anonyme-Samenspender-Kinder zusammengeschlossen und pochen auf ihre Rechte. Sie tauschen sich aus und suchen nach Möglichkeiten, doch ihren genetischen Vater kennen zu lernen.
Mehr: www.ideaschweiz.ch.
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Ethik als Weg der Erlösung?

Die Liebe sei das „oberste Grundmotiv“ der Bibel. Das Doppelgebot der Liebe aus Matthäus 22 wird als „rettende Lehre“ bezeichnet. So zu „leben wie Jesus“ – das sei das Evangelium. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau fasst in ihrer Bierdeckelaktion „die 30.442 Verse der Bibel“ zusammen: „Es geht um die Liebe – zu Gott, zu sich selbst und dem Nächsten – so bringt es jedenfalls Jesus auf den Punkt.“ (Mehr dazu hier.)
Ernsthafte Theologie hat die Liebe schon immer beachtet, denn sie beschäftigt sich mit Gott, der die Liebe ist (1 Joh 4,16). Echter Glaube führt zu liebevollem Tun. Dogmatik und Ethik gehören zusammen. Doch inzwischen ist Orthodoxie, die rechte Lehre, out, und Orthopraxis, das rechte Tun, ist in.

So fordert der aus Nordirland stammende Peter Rollins in How (Not) to Speak of God den Übergang „vom Wissen [o. Erkenntnis, engl. knowledge] zu Liebe“. Der christliche Philosoph will Orthodoxie bewusst ganz neu definieren: „‘Richtiger Glaube’ wird zu ‘auf die richtige Art glauben’.“ Was glaubst du?, die Frage nach den Inhalten, wird zur Seite geschoben. Wie glaubst du? rückt bei Rollins an die erste Stelle. Orthodox, also rechtgläubig, ist nach Rollins Vorstellung dann jemand, „der mit der Welt in der rechten Beziehung steht, nämlich in der Weise der Liebe“. Liebe bleibt bei ihm als einziges Prinzip der Ethik, aber vor allem auch der Erkenntnis Gottes übrig: „Die einzige religiöse Erkenntnis, die irgendetwas wert ist, ist die Liebe“. Bei Rollins hat sich die Dogmatik in der Ethik aufgelöst.

Das Christentum ist historisch gesehen im Kern eine Erlösungsreligion, die zu einer erneuerten Ethik geführt hat. Das gute Tun des Menschen steht nicht im Zentrum der Religion, weil der gefallene Mensch mit seinen Werken eben nichts zu seinem Heil beitragen kann. Erst muss der Baum neu gemacht werden, bevor er gute Früchte hervorbringen kann.

Zu was ist der sündige Mensch noch fähig? Dies ist, so Luther im Streit mit Erasmus, die entscheidende Frage der Theologie. Bekanntlich traute der Reformator dem freien Willen des Menschen in Fragen des Heils nichts zu. Geradezu prophetisch sah er voraus, dass die vor allem auf eine moralische Erneuerung der Gesellschaft abzielende Auffassung des Erasmus zu einem ganz neuen Religionsverständnis führen würde. Zwei Generationen nach Luther lag dieses neuartige ethische Religionsmodell des Christentums mit dem Sozinianismus vor.

An der Wiege des Sozinianismus stehen die namensgebenden Italiener wie Lelio und dessen Neffe Fausto Sozzini. Letzterer lebte lange in Polen, wo es in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Kirchenbildung der die Dreieinigkeit leugnenden Unitarier kam. Die Anfänge des Sozinianismus untersuchte der aus Litauen stammende Pfr. Kęstutis Daugirdas in seiner Habilitationsschrift, die im V&R erschien.

Der Sozinianismus fand auch bald Anhänger in Deutschland. Daugirdas geht ausführlich auf Christoph Ostorodt ein, der um 1560 in der Familie eines Goslarer Pfarrers geboren wurde und an der Universität Königsberg  studierte. 1585 ging er durch Wiedertaufe in die unitarische ecclesia reformata minor in Polen über, wurde bald Pfarrer und stand seit  1594 in direktem Gedankenaustausch mit Fausto Sozzini. Ostorodts Unterrichtung aus dem Jahr 1604 wurde der „erste zusammenhängende Entwurf der sozinianischen Kernanliegen“ und auch das „erste deutschsprachige Kompendium“ der Bewegung, so Daugirdas.

Die Sozinianer bemühten sich um einen vernunftgemäßen Glauben, wurden damit zu Vorläufern der Aufklärung. Daugirdas: „Logisch nicht nachvollziehbare Dogmen, wie etwa Trinitätslehre und Zwei-Naturen-Lehre, bildeten kein biblisches Gedankengut, weil sie den Gesetzen der Vernunft widersprachen. Die Vernunftkompatibilität war somit in der Unterrichtung zum expliziten Kriterium der Glaubenssätze avanciert, dem die Rolle einer exegetischen Direktive zufiel.“

Ostorodt bestritt in der Unterrichtung, „dass der Sündenfall bleibende Auswirkungen auf die menschliche Natur gehabt haben könnte“. Er folgte damit Sozzini, dessen „die Erbsünde zersetzende Anthropologie“ nun bei Ostorodt „einschneidende Auswirkungen“ zeigen sollte. Der Mensch nach dem Fall ist im Grunde immer noch in der Lage, den ethischen Weisungen Gottes zu folgen und kann daher durch sein Tun zum Heil gelangen.

Wie später dann in der liberalen Theologie ging das ganze Gewicht vom Tod Jesu auf seine Lehre über. Der „Satisfaktionsgedanke“, also die Lehre von der stellvertretenden Sühne und Genugtuung Christi durch den Kreuzestod, wurde durch Ostorodt „denkbar knapp zersetzt“. Er konzentrierte sich vielmehr auf die ethischen Unterweisungen Jesu, deren Erläuterung ein Viertel der Unterrichtung einnehmen. Jesus kam, um eine neue Morallehre zu geben – nicht, um sich selbst zu geben: „Pointiert begründete Ostorodt die messianische Bedeutung Christi mit seinen im historischen Vergleich einzigartigen Verheißungen und Geboten: Christus habe nicht nur als erster die Botschaft vom ewigen Leben verkündet, die ihn klar über Moses stellte, sondern auch die weitaus vortrefflicheren moralischen Gebote gebracht…“

In den Augen der Sozinianer wie Ostorodt ist die christliche Religion wie die mosaische auf die Erfüllung von Geboten ausgerichtet, wobei die christliche höher steht, da sie auf Unsterblichkeit und ewiges Leben ausgerichtet ist. Daugirdas fasst zusammen: „Der christliche Glaube war für sie [die Sozinianer] primär und hauptsächlich zum movens der sittlichen Haltung des Individuums geworden; er stützte sich zwar auf die jenseitige Hoffnung – die Zusage des ewigen Lebens –, war aber im Vollzug nichts anderes als eine ausschließlich im Diesseits gelebte Ethik.“

In denselben Spuren dachte auch Johannes Völkel (um 1560–1616). Gegen Ende des 16. Jahrhunderts meinte Sozzini in einem Brief an diesen, „heilsnotwendig sei ausschließlich die Erkenntnis, welche die durch die Gebote Christi regulierte Ausrichtung des Menschen auf Gott hin eröffne“. Diese „Herausschälung der ethischen Botschaft als des eigentlichen Kerns des Christentums muss Völkel unmittelbar eingeleuchtet haben“, so Daugirdas.

Sein posthum erschienenes Werk De vera religione libri quinque gestaltete Völkel „als eine Geschichte der Vervollkommnung der Gebote und Verheißungen Gottes, die den Menschen zum immer devoteren und edleren Verhalten anspornen sollten.“ Die „vollkommenste“ Stufe der religiös-sittlichen Entwicklung der Menschheit wurde mit der „von dem Menschen Jesus verkündigten und exemplarisch vorgelebten Botschaft vom ewigen Leben“ und außerdem „mit den moralischen Weisungen“ des Messias, die den Dekalog perfektionierten, erreicht.

„Das ganze Gedankengebäude der Libri quinque beruhte auf der anthropologischen Grundannahme, dass das menschliche Individuum ein rationales Wesen sei, das dank seines diskursiven Vermögens das sittliche Erstrebenswerte von dem Verwerflichen eigenständig zu unterscheiden und zu ergreifen vermochte.“ Das „ethisch Korrekte“ ist „als maßgebliche Richtschnur des Handelns zu erkennen“. Der Sündenfall berührte nicht die Willensfreiheit.  „Begleitet wurde das Postulat des freien Willens von der Vorstellung der Erziehbarkeit der religiös-sittlichen Anlage des Menschen durch Bildung und positive soziale Einflüsse.“ Zur Theologie im Schatten der Aufklärung ist es damit nur noch ein Schritt.

Jan Rohls bezeichnet den Sozinianismus in Offenbarung, Vernunft und Religion als „rationalen Supranaturalismus“. Der moralische Inhalt des christlichen Glaubens muss durch übernatürliche Offenbarung bekannt gemacht, hat aber den Kriterien der Vernunft zu genügen. Jesus, der nur Mensch war, wurde in der Vorstellung vieler Sozinianer vor seinem Auftreten in den Himmel entrückt, um dort eine Art göttlichen Unterricht zu in dieser übernatürlichen Morallehre zu erhalten. „Der Gehalt der christlichen Religion wird identifiziert mit der Moral, die wir zur Heilserlangung zu befolgen haben“, so Rohls.

Schon im frühen 17. Jahrhundert hatten reformierte und lutherische Theologen in den Niederlanden und Deutschland erkannt, dass das ethische Religionsmodell mit dem orthodoxen Christentum unvereinbar ist (Daugirdas schildert die Reaktionen in Heidelberg, Jena und Wittenberg). Aufnahme fand sozianisches Gedankengut aber bei den Remonstranten oder Arminianern, den Anhängern des Jacobus Arminius.

Einflussreich wurde unter ihnen vor allem Simon Episcopius (1583–1643), dessen Denken zumindst semi-sozianisch zu nennen ist und in dem die Sozinianer Polens immer einen Glaubensgenossen sahen. Episcopius erwähnte in frühen Schriften die Erbsünde noch, die bei ihm „sachlich aber so weit ausgehöhlt wurde, dass sie jegliche Bedeutung verlor“, so Daugirdas. In den Institutiones theologicae ist sie dann schon eine „Erfindung des Augustinus“. Episcopius lehrte ebenfalls die Vervollkommnung der ethischen Gebote in der Offenbarung Gottes. Er bestimmte das Wesen der Theologie „als rein praktisches, auf die religiös-sittliche Haltung des Individuums abzielendes Wissen“ (Daugirdas). Die Neologen, die evangelischen Aufklärungstheologen des 18. Jahrhunderts, griffen diesen Gedanken gerne auf. Die sozinianische Saat geht seitdem immer wieder auf.

Tags: Arminius, Aufklärung, Daugirdas, Episcopius, Erlösung, Ethik, Rollins, Sozzini
http://lahayne.lt/2017/08/04/ethik-als-weg-der-erlosung/

Warum arbeiten wir?

Wieso arbeiten wir eigentlich? Ich erhielt mal folgende schlechte Antwort: „Wir gehen zur Arbeit, damit wir unseren Kindern Schuhe kaufen können, sie die Schule besuchen können, eines Tages zur Arbeit gehen, wiederum ihren Kindern Schuhe kaufen können, usw.“. Mit anderen Worten: Unsere Arbeit ist sinnlos. Von diesem Blickwinkel betrachtet ist das ganze Leben sinnlos – es ist einfach nur ein endloser Kreislauf.
Man könnte andererseits argumentieren, dass wir durch unsere Arbeit christliche Werke und den Bau des Reiches Gottes unterstützen. Nun, ich habe nichts dagegen, dass christliche Werke finanziell unterstützt werden. Ich denke, dass unsere Pflicht, solche Werke zu unterstützen, sich biblisch gut begründen lässt. Aber ich glaube nicht, dass wir den Sinn von Arbeit damit wirklich erfassen.
Als Ebenbilder Gottes arbeiten
Warum arbeiten wir also? Eine erste Antwort finden wir in Psalm 104. Dieser Psalm denkt über die Schöpfung nach (und hat vielleicht auch die Sintflut in 1. Mose 6–8 etwas im Blick). Der Psalm beschreibt auf poetische Weise, wie Gott die Erde und alle ihre Bewohner erschafft und wie er seine Schöpfung auf wunderbare und persönliche Weise erhält (Ps 104,1–13).
In Vers 14 lesen wir, dass Gott sich sowohl um das Vieh als auch um die Menschen kümmert. Und wir lesen, dass Gott den Menschen ebenfalls eine Aufgabe gibt. Sie sollen die Pflanzen anbauen, die Gott wachsen lässt. Diese Aufgabe überträgt Gott denen, die in seinem Ebenbild geschaffen sind. Als Ebenbilder Gottes sollen wir über die Erde herrschen und sie uns untertan machen. Wir sollen diesen ersten, von Gott gegebenen Garten vergrößern. Der Psalm enthält hier eine Anwendung des Schöpfungsauftrags aus 1. Mose 1,26–28.
Davon spricht auch Psalm 104,21–23. So wie die Löwen nach Raub suchen – indem sie handeln, wozu sie geschaffen wurden – so geht auch der Mensch „hinaus an sein Tagewerk, an seine Arbeit bis zum Abend“ (V. 23). Es gibt hier eine Harmonie, die wir nicht übersehen sollten. Alle Geschöpfe Gottes, große und kleine, werden so dargestellt, dass sie in Übereinstimmung mit dem Zweck, zu dem sie von Beginn an geschaffen wurden – arbeiten. Löwen wurden dazu geschaffen, als Löwen zu „arbeiten“. Wir sind dazu geschaffen, als Ebenbilder Gottes zu arbeiten. Der Psalm geht dabei nicht nur nahtlos von Geschöpf zu Geschöpf über, sondern auch vom Geschöpf zu Gott, dem Schöpfer. Im nächsten Vers heißt es: „HERR, wie sind deine Werke so viele! Du hast sie alle in Weisheit gemacht, und die Erde ist erfüllt von deinem Besitz“ (v. 24).
„Arbeit ist niemals niedrig, belanglos, sinnlos oder absurd.“
Der Psalmist möchte, dass wir eine Verbindung zwischen unserer Arbeit und Themen von größerer Bedeutung ziehen. Wenn wir arbeiten, spiegeln wir das Werk Gottes, des Schöpfers, wider. Unsere Arbeit weist auf etwas Größeres hin. Sie weist auf den hin, in dessen Ebenbild wir geschaffen wurden. Unsere Arbeit ist ein Hinweis auf Gott, den Schöpfer. C.S. Lewis sagte einmal, dass er noch nie einen gewöhnlichen Menschen getroffen habe. Das gilt auch für unsere Arbeit: Wir verrichten niemals nur gewöhnliche Arbeit. Arbeit ist niemals niedrig, belanglos, sinnlos oder absurd. Wir müssen verstehen, dass Arbeit grundsätzlich sinnvoll ist und tiefe Bedeutung hat.
Über die Schöpfung von Menschen staunen
Aber es gibt hier noch mehr zu entdecken. In den Versen 25–26 lesen wir „Da ist das Meer, groß und ausgedehnt nach allen Seiten. Dort ist ein Gewimmel ohne Zahl: Tiere klein und groß. Da ziehen Schiffe einher, der Leviatan, den du gebildet hast, dass er darin spielt“ (ELB).
Offensichtlich zeugen das Meer und seine Tiere von der Größe, Majestät und Schönheit Gottes. Aber schau dir Vers 26 genauer an. Der Psalm zieht eine Parallele zwischen Schiffen und dem Leviathan. Die poetischen Bücher wie die Psalmen und Hiob, ab und zu auch die prophetischen Bücher, erwähnen dieses Wesen immer mal wieder. Es gibt zahlreiche Spekulationen darüber, welches Geschöpf sich dahinter verbirgt. Ein großer Wal? Ein Dinosaurier? Ein riesiger Tintenfisch? Sicher ist jedenfalls, dass der Leviathan uns den Atem raubt. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes furchteinflößend.
Wir dürfen aber nicht übersehen, dass der Leviathan es liebt, zu spielen. Jonathan Edwards schrieb einmal von den Baldachinspinnen, dass sie mit einem Lächeln im Gesicht fliegen würden. Daraus schloss Edwards, dass Gott sich „um das Vergnügen und die Erholung aller Arten von Geschöpfen sorgt, sogar der Insekten“. Ja, sogar um das Vergügen des Leviathans. Das riesige Tier „spielt“. Es gibt aber noch ein weiteres Geschöpf in Vers 26. Es ist menschengemacht: „Da ziehen Schiffe einher“. Warum ist das wichtig? Gottes Schöpfung und unsere Schöpfung werden hier direkt nebeneinander gestellt. Der Psalmist staunt über den Leviathan genauso wie über die Schiffe. Das können wir uns gut vorstellen. Vielleicht hast du selbst schon mal gesagt: „Sieh die Schiffe dort. Wahnsinn.“
Was braucht man zum Schiffsbau? Kenntnisse in Mathematik und Physik, fähige Konstrukteure, Erfahrung, Wissen, das man über Generationen angesammelt hat und einen Haufen Arbeit. Was braucht man, um ein Segelboot zu steuern? Navigationstechniken, Expertise, Muskeln, starke Rücken, starke Arme, Entschlossenheit und wieder Wissen, dass sich über Generationen entwickelt hat.
Unser Psalmist staunt, wenn er sieht, wie die Schiffe auf dem Meer segeln. Genauso staunt er, dass der Leviathan darin spielt. Beides ist in der Tat erstaunlich.
Das höchste Ziel unserer Arbeit
Der Rest des Psalms zeigt, dass es noch mehr gibt als natürliche oder menschengemachte Riesen, die die See überqueren oder darin spielen. Vers 27: „Sie alle (d.h. Gottes Geschöpfe) warten auf dich, dass du ihnen ihre Speise gibst zu seiner Zeit. … Wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt“. Wir sollen Vergnügung, Erfüllung und Sinn in unserer Arbeit finden. Wir sollen unsere gottgegebenen Gaben und Fähigkeiten anerkennen und an die Arbeit gehen. Und wir werden Zufriedenheit erlangen. Wein wird unser Herz erfreuen (Vers 15). Unser Werk wird uns erstaunen.
„Wenn wir arbeiten, bringen wir Gott Ehre. Wenn wir arbeiten, erfreut sich Gott an uns. Das ist die Antwort darauf, warum wir arbeiten.“
Das alles sind Ergebnisse unserer Arbeit. Aber nichts davon beschreibt das höchste Ziel oder das wichtigste Ergebnis. Das höchste Ziel unserer Arbeit wird in Vers 31 genannt: „Die Herrlichkeit des HERRN wird ewig währen; der HERR wird sich an seinen Werken freuen!“ Unsere Arbeit hat deshalb einen Sinn, weil sie auf den hinweist, in dessen Ebenbild wir geschaffen wurden. Wenn wir arbeiten, bringen wir Gott Ehre. Wenn wir arbeiten, erfreut sich Gott an uns. Das ist die Antwort darauf, warum wir arbeiten.
Noch ein letzter Gedanke: Hast du bemerkt, was in Psalm 104 nicht vorkommt? Es gibt überhaupt keinen Hinweis auf den Tempel, auf Tempelmusiker, Priester und all ihr Tun. Es gibt stattdessen Bezüge zur Landwirtschaft, zum Weinbau, zu körperlicher Arbeit und zum Schiffsbau. „Da ziehen Schiffe einher“. Gott sei die Ehre!
Stephen Nichols ist Präsident des Reformation Bible College und akademischer Leiter von Ligonier Ministries.
https://www.evangelium21.net/media/937/warum-arbeiten-wir

Heilige Sexualität: Lust, Sex und Beziehungen im Licht des Evangeliums gestalten

Christopher Yuan - Heilige Sexualität

“Im Jahr 1993 eröffnete ich meinen Eltern, dass ich schwul bin.
Das führte zu einem großen Bruch in unserer Familie, um es
milde auszudrücken. Letzten Endes war diese Situation jedoch
der Auslöser dafür, dass jeder von uns, einer nach dem anderen,
zum Glauben an den Herrn kam.
Zunächst reagierte meine damals ungläubige Mutter mit großer Ablehnung. Aber nachdem sie Christin wurde, begriff sie, dass ihr nichts anderes übrig blieb, als ihren homosexuellen Sohn so zu lieben, wie Gott sie liebte. Ihr Verhalten entsprach nicht dem stereotypen Bild, das mancher von Christen haben mag.
Als die Katze jedoch aus dem Sack war, hinderte mich nichts mehr daran, „das, was ich war“, in jeder Form auszuleben. Diese neue Form der Freiheit führte mich sehr schnell auf einen Pfad der Selbstzerstörung, der von sexueller Freizügigkeit und Drogenmissbrauch gekennzeichnet war.

Selbstverständlich schlagen nicht alle Homosexuellen diesen Weg ein, aber bei mir war es so.
Es kam so weit, dass ich von der Universität in Louisville flog, wo
ich Zahnmedizin studierte. Ich zog nach Atlanta und wurde zum
Zulieferer für Drogendealer in über einem Dutzend amerikanischer Bundesstaaten.
Während dieser Zeit wirkte Gott in seiner Gnade im Leben meines Vaters und meiner Mutter, und beide vertrauten Christus als ihrem Retter. MeinenEltern waren die Ausmaße meiner Rebellion nicht bewusst, aber im Licht ihres neu gefundenen Glaubens begriffen sie, dass meine größte Sünde nicht mein gleichgeschlechtliches Sexualverhalten war – meine größte Sünde war mein Unglaube. Mehr als alles andere brauchte ich diesen Glauben an Jesus, um ihm durch Gottes Geschenk der Gnade zu vertrauen und nachzufolgen.
Meine Mutter fing an, mutig zu beten: „Bitte, Herr, tue, was auch immer nötig ist, um diesen verlorenen Sohn zurückzubringen.“ Sie betete nicht primär, dass ich nach Chicago zurückkommen oder mein rebellisches Verhalten ablegen würde. Ihr oberstes Anliegen war, dass Gott mich zu sich ziehen und ich als sein Sohn in seine liebevollen Arme fallen würde, angenommen und erkauft durch das Blut Jesu.
Die Antwort auf ihre Gebete war jedoch eine völlig unerwartete: Ich wurde wegen Drogenhandels verhaftet. Im Gefängnis erlebte ich die dunkelsten Stunden meines Lebens, als ich die Nachricht erhielt, dass ich HIV-positiv war.

An jenem Abend lag ich auf meinem Zellenbett, als mir ein Gekritzel ins Auge sprang, das jemand auf die Metallunterseite der oberen Pritsche geschrieben hatte: „Wenn dir langweilig ist, lies Jeremia 29,11.“ Ich folgte
diesem Rat und war tief berührt von dem Versprechen, das dort steht: „Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.“
Ich las mehr und mehr in der Bibel. Dadurch wurde mir klar, dass ich meine Identität an falscher Stelle gesucht hatte. Unsere Kultur erklärt uns Menschen mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen, dass unsere Sexualität der Kern dessen ist, wer wir sind. Aber Gottes Wort zeichnet ein anderes Bild. In 1. Mose 1,27 steht, dass wir alle im Ebenbild Gottes geschaffen sind. Der Apostel Paulus schreibt: „Denn in ihm (Christus) leben wir und bewegen uns und sind wir“ (Apg 17,28). Also ist meine Identität nicht „homosexuell“, „ex-homosexuell“ oder „heterosexuell“.
Meine wahre Identität ist allein in Jesus Christus.

Nachdem ich aus dem Gefängnis entlassen worden war, habe ich mich entschlossen, die biblischen und theologischen Wahrheiten intensiv zu studieren und danach zu leben. Ich schrieb mich an einer Bibelschule ein und später an einem Seminar. Im Laufe der Zeit schenkte der Herr mir die Jahre zurück, die die Heuschrecken gefressen hatten (vgl. Joel 2,25). Meine Eltern und ich reisen nun um die ganze Welt. Als Zwei-Generationen-Team sprechen wir über Gottes Gnade und Wahrheit in Bezug auf biblische Sexualität.
Auf meiner Reise vom homosexuellen Agnostiker zum evangelikalen Bibellehrer ist mir Folgendes bewusst geworden: Wie Menschen auf homosexuelle und andere nichtheterosexuell-orientierte Personen reagieren, wurzelt in der Sinnfrage. Seit Anfang der Menschheitsgeschichte ist man auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Und die Antwort auf diese Frage lässt Taten folgen.” DrChristopher Yuan

Angemessener Appell

Ich bleibe dabei: Alice Schwarzer denkt ihre Ansichten konsequent zu Ende, ohne Angst vor Widerspruch aus den eigenen Reihen. Den von ihr mit initiierten Appell gegen Prostitution unterstütze ich aber nicht nur deshalb. Sondern weil das deutsche Prostitutionsgesetz von 2002 in etwa dieselben Schwierigkeiten mit sich bringt wie der in den 70er Jahren entwickelte § 218a des Deutschen Strafgesetzbuchs: Die Intention war durchaus gut. In der Praxis hat’s aber offensichtlich nicht funktioniert. Nach wie vor prostituiert sich nur ein Bruchteil von Frauen – und Männern! – aus freien Stücken. Die anderen bleiben fremdbestimmte Opfer. Fein raus sind höchstens die Zuhälter. Das muss nicht so bleiben.
http://www.daniel-renz.de/wordpress/angemessener-appell/

Erstaunliche Botschaft einer lesbischen Schwester

Theoblog.de hat einen sehr interessanten, ehrlichen und ausgewogene Artikel von Hunter Baker übersetzt.

Eine erstaunliche Botschaft von einer lesbischen Schwester in Christus

An die Kirche – zum Thema Homosexuelle und Lesben:

Viele von euch glauben, dass es uns in euren Gemeinden, euren Schulen, in eurer Nachbarschaft nicht gibt. Ihr glaubt, dass wir nur wenige sind und dass man uns leicht erkennen kann. Ich sage Euch aber: wir sind viele. Wir sind eure Lehrer, eure Ärzte, eure Buchhalter und Hochschulsportler. Uns gibt es in allen Hautfarben, Typen und Körpergrößen. Wir sind Singles, Ehemänner und Ehefrauen, Mütter und Väter. Wir sind eure Söhne und Töchter, eure Nichten und Neffen, eure Enkelkinder. Wir arbeiten im Kindergottesdienst mit, sitzen in euren Kirchenbänken, singen in euren Chören und stehen auf euren Kanzeln. Ihr wollt uns nicht sehen, weil ihr uns entweder ignoriert oder weil es eure Gemeinde durcheinander bringen könnte. Wir SIND eure Gemeinde. Wir kommen Woche für Woche in eure Kirchen, weil wir Orientierung und einen Hoffnungsschimmer suchen, dass wir uns verändern können. Wir haben genauso wie ihr Jesus in unser Herz aufgenommen. Genau wir ihr wollen wir sein, wie Christus uns haben will. Wir beten jeden Tag um Gottes Führung, wie ihr es auch tut. Und genauso wie ihr versagen wir oft.

Wenn das Wort „homosexuell“ in der Gemeine fällt, halten wir den Atem an und bekommen es mit der Angst zu tun. Meist folgen diesem Wort dann Verdammung, Gelächter, Hass oder Witze. Nur ganz selten hören wir Worte der Hoffnung. Wir erkennen unsere Sünde wenigstens. Aber sieht die Kirche auch ihre Sünde? Seht ihr eure Sünde des Stolzes darüber, besser oder Jesus wohlgefälliger zu sein als wir? Seid ihr in euren Beziehungen zu uns Christus-ähnlich gewesen? Würdet ihr euch mit uns am Brunnen oder im Restaurant treffen, um ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee mit uns zu trinken? Würdet ihr uns berühren, wenn wir Anzeichen von Aussatz oder AIDS hätten? Würdet ihr uns wie Christus den Zachäus vom Baum herunter rufen und bei uns zu Gast sein? Würdet ihr uns einladen, an eurem Tisch zu sitzen und das Brot mit euch zu brechen? Könnt ihr uns bedingungslos lieben und helfen, weil Christus wie bei euch an unserem Herzen arbeitet, damit wir alle zu Überwindern werden?

An alle, die die Kirche verändern wollen, um Schwule und Lesben mit ihrem homosexuellen Lebensstil zu akzeptieren: Ihr gebt uns keine Hoffnung. Alle, die wir Gottes Wort kennen und es nicht verwässern wollen, damit es unseren Wünschen und Sehnsüchten entspricht, wir bitten euch: lest den Brief von Johannes an die Gemeinde in Pergamon:

„Doch einen Vorwurf kann ich dir nicht ersparen: Du duldest in deiner Mitte Anhänger der Lehre Bileams. Bileam hatte Balak den Rat gegeben, die Israeliten zum Essen von Opferfleisch, das den Götzen geweiht war, und zu sexueller Zügellosigkeit zu verführen und sie dadurch zu Fall zu bringen. Auch bei dir gibt es Leute wie Bileam: Es sind die Anhänger der Lehre der Nikolaiten. Darum sage ich dir: Kehre um!”

Um politisch korrekt zu sein, seid ihr bereit, bei Gottes Wort Kompromisse zu machen. Aber wir lassen uns nicht täuschen. Wenn wir eure Kompromissbereitschaft akzeptieren, dann müssen auch wir Kompromisse machen. Dann müssen wir eure Lügen, euren Ehebruch, eure Lust, euren Götzendienst, eure Süchte, EURE Sünden auch akzeptieren. „Wer bereit ist zu hören, achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt!“

Wir bitten euch genauso wenig um die Akzeptanz unserer Sünden wie wir bereit sind, eure Sünden zu akzeptieren. Wir bitten euch einfach nur um die gleiche Unterstützung, Liebe, Orientierung und vor allem Hoffnung, die alle anderen in eurer Gemeinde auch bekommen. Wir sind eure Brüder und Schwestern in Christus. Wir sind noch nicht, was wir sein sollen, aber Gott sei Dank sind wir auch nicht mehr die, die wir waren. Bemühen wir uns miteinander, dass alle sicher nach Hause finden.
Eine Schwester in Christus


Sterbehilfe: Forderung evangelischer Theologen ist armselig

Professor Dietrich Korsch hat sich unzweideutig zur Sterbehilfedebatte innerhalb der Evangelische Kirche geäußert. Die Theologen Reiner Anselm, Isolde Karle und Ulrich Lilie hatten sich in dem Beitrag „Evangelische Theologen für assistierten professionellen Suizid“ für die kirchliche Begleitung und Suizidbeihilfe von Sterbewilligen in kirchlichen Einrichtungen ausgesprochen (siehe auch hier).
Hier Auszüge aus seinem Leserbrief (FAZ vom 16.01.2020, Nr. 13, S. 8):
Das gedanklich fehlerhafte Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum assistierten Suizid, das Selbsttötung als Fall von Selbstbestimmung auffasst und nicht als deren Ende versteht, entlässt punktgenau die zu erwartenden Konsequenzen. Der vorgelegte Beitrag „Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen“ betreibt die erforderliche Entsorgung des Gewissens von Ärzten und Seelsorgern im Umgang mit Suizidanten im Namen einer abstrakt-normativen Selbstbestimmung. Bestürzend ist die Beobachtung, dass sich mit den vorgebrachten Wendungen auch eine Tötung auf Verlangen rechtfertigen ließe, wenn sie denn dem festen Willen, also der „Selbstbestimmung“, von Individuen entspringt – nur die geltende Rechtslage bewahrt einstweilen vor dieser Konsequenz. Ethisch kann jedoch mit den Vorbringungen der Autoren nichts dagegen eingewandt werden.
Dass es, wie es sogar im eigenen evangelischen Online-Portal hieß, „hochrangige Vertreter der evangelischen Kirche“ seien, die diesen Weg empfehlen und ihre eigene positionelle Auffassung als „Position der evangelischen Ethik“ ausgeben, kann über die Armseligkeit der Argumentation nicht hinwegtäuschen. Dass zu den Verfassern aber auch der Präsident der „Diakonie Deutschland“ gehört, den schon sein Amt an solchen Verlautbarungen hindern muss, erregt nicht nur tiefe Besorgnis über den Zustand dieses großen kirchlichen Arbeitszweiges; es erfüllt auch mit Zorn.
Vielen Dank für diese klaren Worte!
https://theoblog.de/sterbehilfe-forderung-evangelischer-theologen-ist-armselig/36132/

Wiederheirat erlaubt?

Mancher lernt sich auch nach einer Trennung wieder lieben und das ist durchaus erfreulich. Leider zerbrechen jedes Jahr tausende von Ehen, auch in Gemeinden. In manchen Fällen öffnet sich ein Paar und Gott lässt neue Liebe entstehen wo vorher nur noch Hass oder Unverständnis war. Die beiden können einander vergeben und man setzt die verloren geglaubte Beziehung fort. Es ist schön, wenn das ehemals zerstritten Paar dann erneut heiratet.Doch ist das biblisch überhaupt erlaubt? Immerhin verbietet Mose einem Mann die Frau erneut zu heiraten, von der er sich einmal geschieden hat (5.Mose 24, 1-4).Die Scheidungsregeln im 5.Mose sind speziell für das Volk Israel konzipiert. Die Warnung, nicht wieder heiraten zu dürfen, sollte dazu beitragen sich nicht zu schnell, aus nebensächlichen Gründen zu trennen. Die Konsequenz der Scheidung sollte deutlich erhöht werden, um nicht jeden Ehestreit mit einer zeitweiligen Trennung zu beenden.Im Neuen Testament macht Jesus deutlich, dass die Ehe eigentlich dauerhaft besteht (Mt 19, 6). Nur um bei den Israeliten ein vollkommenes Chaos zu verhüten, hatte Mose gewisse Scheidungsregeln zugelassen (Mt 19, 8). In diesem Sinne ist auch ein geschiedenes Paar aus Gottes Sicht eigentlich noch weiter verheiratet, sodass sie bei einer erneuten Heirat vor Gott nicht ein zweites Mal heiraten, sondern nur wieder zusammenkommen.
Ich habe den Eindruck, dass das Neue Testament in dieser Hinsicht recht eindeutig ist. Wiederheirat nach Scheidung ist nicht von Gott gewollt. So meint Jeus das wohl auch, wenn er in Mt 19, 9 sagt, dass jeder der nach einer Scheidung heiratet damit Ehebruch begeht. In Gottes Augen ist die Ehe eigentlich ein Bund für das ganze Leben. Deshalb gilt die Ehe auch nach der offiziellen Scheidung. In diese Richtung spricht: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Mt 19, 6). Dort wird argumentiert, dass beide ja zwischenzeitlich „ein Fleisch“ geworden sind, das man nicht einfach wieder trennen kann. Das ist eine Aussage für alle Ehen, nicht nur für die besonders guten. Michael Kotsch

Grundrechte & Corona

Veröffentlicht am von brink4u

Wir haben auf diesem Blog regelmäßig betont, wie wichtig es ist, dass Christen sich auf Ihre Berufung konzentrieren und sich wegen Corona nicht in eine politische Diskussion verzetteln, die nur Streit hervorbringen kann:

Erfreulicher Weise muss von diesen Artikeln kein Wort zurückgenommen werden. Und es bleibt dabei, dass die Kirche im Wesentlichen einen geistlichen und keinen politischen Auftrag hat (abgesehen davon, wenn wirklich die Situation von Apg 5,29 angesprochen ist). Aber wir als einzelne Christen sind auch Bürger dieser Demokratie und haben das Recht und die Pflicht zur Meinungsbildung beizutragen, ja stellen sogar nach unserer Verfassung einen Teil des ‚Souveräns‘ da … – und auf dieser Ebene gehört es zur Ausgewogenheit, dass man sich in einer gesellschaftspolitischer Diskussion seriös und fair beteiligt: etwa in der Frage, ob die aktuelle Corona-Situation tatsächlich eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ darstellt, die „zum Schutz der Bevölkerung“ es als zumutbar und angemessen (!) erscheinen lässt, wesentliche Grundrechte des GG einzuschränken?

Die vom Bundestag eingeladene Juristin Dr. A. Kießling hat als geladene Einzelsachverständige für die öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages genau dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, worin die handwerklichen Mängel des von der Regierungsfraktion eingebrachten „3. Gesetzes“ dokumentiert sind.

Das „3. Gesetz“ transformiert die bisherigen befristeteten Einschränkungen von der Ebene der Verordnungauf die Ebene eines Bundesgesetzes. Als einzig zusätzliche „Voraussetzung für die Anordnung von Schutzmaßnahmen“ wird im überarbeiteten 3. Gesetz weiterhin nur gefordert, dass der „Bundestag gem. § 5 Abs. 1 S. 1 die epidemische Lage von nationaler Tragweite festgestellt hat.“ Allerdings gilt festzustellen, dass im § 5 Abs. 1 IfSG selbst „nach wie vor keine materiellen Voraussetzungen für diese Feststellung“ geregelt sind, „so dass diese Verknüpfung nicht zur Vorhersehbarkeit der Maßnahmen beiträgt.“ Vielmehr sind „Die einzelnen Maßnahmen, (…) nicht von weiteren, individuell zugeschnittenen Voraussetzungen abhängig.“

D.h. vergleichsweise milde Grundrechtseingriffe wie die Mundschutztragepflicht für die Dauer des Supermarktbesuchs werden von den gleichen Voraussetzungen abhängig gemacht wie Versammlungsverbote und das langfristige Schließen von Bildungseinrichtungen. In der Konsequenz bedeutet das, dass weiterhin die Exekutive die erforderlichen Abwägungen vornehmen muss. Es ist aber die Aufgabe des Gesetzgebers,darüber zu entscheiden, in welchen Situationen welche Maßnahmen überhaupt in Erwägung gezogen werden dürfen. Die Abstufung in Abs. 2, der von „schwerwiegenden“, „stark einschränkenden“ und „einfachen“ Schutzmaßnahmenspricht, die je nach den bekannten Schwellenwerten von 35 oder 50 Infektionsfällen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen zur Anwendung kommen sollen, scheint auf den ersten Blick eine Abwägung vorzugeben. Wenn aber § 28a an keiner Stelle regelt, was „schwerwiegende“, „stark einschränkende“ und „einfache“ Schutzmaßnahmen sind, bleibt diese Abstufung zu unbestimmt und letztlich unbrauchbar.

Es ist zu befürchten, dass dieses Gesetz einer Willkür den Weg bahnt, die uns noch erschaudern lassen wird:


Man beachte in Art. 1 (Änderung des Infektionsschutzgesetzes), besonders die Einschränkungen in § 28a Absatz 1 (Besondere Schutzmaßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2):

  1. Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen im privaten sowie im öffentlichen Raum,
  2. Anordnung eines Abstandsgebots im öffentlichen Raum,
  3. Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung (Maskenpflicht),
  4. Untersagung oder Beschränkung des Betriebs von Einrichtungen, die der Kultur-oder Freizeitgestaltung zuzurechnen sind,
  5. Untersagung oder Beschränkung von Freizeit-, Kultur- und ähnlichen Veranstaltungen,
  6. Untersagung oder Beschränkung von Sportveranstaltungen,
  7. Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen im Sinne von § 33 oder ähnlichen Einrichtungen sowie Erteilung von Auflagen für die Fortführung ihres Betriebs,
  8. Untersagung oder Beschränkung von Übernachtungsangeboten,
  9. Betriebs-oder Gewerbeuntersagungen oder Schließung von Einzel-oder Großhandel oder Beschränkungen und Auflagen für Betriebe, Gewerbe, Einzel- und Großhandel,
  10. Untersagung oder Erteilung von Auflagen für das Abhalten von Veranstaltungen,
  11. Untersagung, soweit dies zwingend erforderlich ist, oder Erteilung von Auflagen für das Abhalten von Versammlungen oder religiösen Zusammenkünften,
  12. Verbot der Alkoholabgabe oder des Alkoholkonsums auf bestimmten öffentlichen Plätzen oder zu bestimmten Zeiten,
  13. Untersagung oder Beschränkung des Betriebs von gastronomischen Einrichtungen,
  14. Anordnung der Verarbeitung der Kontaktdaten von Kunden, Gästen oder Veranstaltungsteilnehmern, um nach Auftreten eines Infektionsfalls mögliche Infektionsketten nachverfolgen und unterbrechen zu können,
  15. Reisebeschränkungen.

Die Anordnung der Schutzmaßnahmen muss ihrerseits verhältnismäßig sein.

In Absatz 2 Ziff. 28a werden dann die –  bar jeder wissenschaftlichen Evidenz – „aus der Hand geschüttelten“ Inzidenz-Werte zum Maß aller Dinge:

Die Schutzmaßnahmen sollen unter Berücksichtigung des jeweiligen Infektionsgeschehens regional bezogen auf die Ebene der Landkreise, Bezirke oder kreisfreien Städte an Schwellenwerten ausgerichtet werden, soweit Infektionsgeschehen innerhalb eines Landes nicht regional übergreifend oder gleichgelagert sind. Schwerwiegende Schutzmaßnahmen kommen insbesondere bei Überschreitung eines Schwellenwertes von über 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in Betracht. Stark einschränkende Schutzmaßnahmen kommen insbesondere bei Überschreitung eines Schwellenwertes von über 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in Betracht. Unterhalb eines Schwellenwertes von 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen kommen insbesondere einfache Schutzmaßnahmen in Betracht. Vor dem Überschreiten eines Schwellenwertes sind entsprechende Maßnahmen insbesondere dann angezeigt, wenn die Infektionsdynamik eine Überschreitung des Schwellenwertes in absehbarer Zeit wahrscheinlich macht.

Bei einer bundesweiten Überschreitung eines Schwellenwertes von über 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen sind bundesweit einheitliche schwerwiegende Maßnahmen anzustreben. Bei einer landesweiten Überschreitung eines Schwellenwertes von über 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen sind landesweit einheitliche schwerwiegende Maßnahmen anzustreben. Die in den Landkreisen, Bezirken oder kreisfreien Städten auftretenden Inzidenzen werden zur Bestimmung des jeweils maßgeblichen Schwellenwertes durch das Robert Koch-Institut wöchentlich festgestellt und veröffentlicht.

Ziff. 28a ist ausdrücklich auf „Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2“ beschränkt. Nichtsdestotrotz wird folgende „Einschränkung von Grundrechten“ des GG in Art. 7 konstantiert:

Durch Artikel 1 Nummer 16 und 17 werden die Grundrechte der Freiheit der Person (Artikel 2 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes), der Versammlungsfreiheit (Artikel 8 des Grundgesetzes), der Freizügigkeit (Artikel 11 Absatz 1 des Grundgesetzes) und der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 Absatz 1 des Grundgesetzes) eingeschränkt.

Die Grundrechte werden gem. der besonderen Begründung zu Art. 7, durch Art. 1, §28a stark eingeschränkt (gem. Artikel 1, Ziff. 16+17). In der Begründung zu Art. 7 stellen die Verfasser lapidar fest, dass dieser Artikel „dem Zitiergebot des Artikel 19 Absatz 1 Satz 2 des Grundgesetzes“ entspricht (sozusagen: „muss halt sein …“). §19 GG, verlangt, dass ein Gesetz, dass ein Grundrecht einschränkt, a) allgemeinen Charakter haben muss, b) die eingeschränkten Grundrechts-Artikel konkret benennten muss sowie c) „in keinem Falle (…) ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden“ darf …- mind. lit a) ist bei § 28a nicht gegeben …

Die allg. Begründung im Gesetzesentwurfes stellt den Eingriff in die Grundrechte des GG im Allg. Teil (Ziffer I.) auch unumwunden fest:

Die bisher maßgeblich auf Grundlage der §§ 28 ff., 32 IfSG getroffenen notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie führen teilweise zu erheblichen Eingriffen in grundrechtliche Freiheiten.

Nur um dann formal auszuführen, dass diese Einschränkungen deswegen nunmehr vom Verordnungscharakter auf die Gesetzesebene gehoben werden müsse:

Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen des Parlamentsvorbehalts aus Artikel 80 Absatz 1 Satz 1 und Satz 2 des Grundgesetzes angesichts der länger andauernden Pandemielage und fortgesetzt erforderlichen eingriffsintensiven Maßnahmen zu entsprechen, ist eine gesetzliche Präzisierung im Hinblick auf Dauer, Reichweite und Intensität möglicher Maßnahmen angezeigt.“

Also eine rein formale Absicherung (leider aber ohne zeitliche Limitierung), die durch bloße Feststellung des dt. Bundestages (dass eine solche landesweite Pandemie gegeben ist) eintritt, ohne dass dem Bundestag eine ausreichende Grundlagen gegeben wird. Der Entwurf der Regierungsfraktionen meint mit dieser Anpassung die verlangte „Abwägung der (…) erforderlichen Maßnahmen und den betroffenen grundrechtlichen Schutzgütern gerecht zu werden – es geht ja – so das Narrativ – um Lebensrettung: und dann ist „alles angemessen“!?

Aber das istr genau die Frage! Wenn auch die reinen Infektions-Fallzahlen stark  steigen, geben die bisherigen Sterbezahlen 2020, nach Auffassung vieler Kritiker, eben keine ausreichende Grundlage, um so grundlegend unseren Grundrechten zu Leibe zu rücken. Dazu genügt ein Blick in die Seiten des Statistschen Bundesamtes: https://de.statista.com/infografik/21523/anzahl-der-sterbefaelle-in-deutschland/ (wobei die Zahlen von Oktober / November 2020 noch nicht vorliegen).

Die Summe der an / mit Corona Verstorbenen liegt in +8 Monaten mit 12.547 (RKI am 16.11.2020: https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4)  „nur“ bei der Summe von 5 normalen Tagen (deutschlandweit). Die Gesamtzahl der Verstorbenen liegt weiterhin im Mittel der Jahre 2016-2019.

Wirtschaft und StatistikAmtliche Statistik in Zeiten von Corona“ (4 | 2020)

Vergleiche dazu die Grundsatzrede von Dr. Wolfgang Nestvogel (Hannover) auf dem „Maleachi-Tag“ in Bielefeld, Anfang Nov. 2020. https://www.youtube.com/embed/aSLDbF2xrpg?version=3&rel=1&showsearch=0&showinfo=1&iv_load_policy=1&fs=1&hl=de-DE&autohide=2&wmode=transparent
https://www.youtube.com/watch?v=aSLDbF2xrpg&feature=emb_title

  • Vergleiche auch die Pressekonferenz der Kassenärztlichen Vereinigung:

Was ist echter Humanismus?

Nicht von ungefähr wurde das Wort “Humanismus” zu Beginn des 19. Jahrhunderts von einem Pfarrer, Friedrich Niethammer, erfunden. Das Begriffspaar “christlicher Humanismus” ist genauso untauglich wie der Begriff “weißer Schimmel”, denn Christentum und Humanismus, Gottes- und Nächstenliebe sind Jesus zufolge untrennbar miteinander verbunden. Ein reiner säkularer, bzw. naturalistischer Humanismus ist hingegen geradezu paradox, denn der Natur, bzw. der seelenlosen Materie ist das Wohlergehen des Menschen völlig schnuppe. Ein Weltbild, das auf blinden Zufall aufgebaut ist, kann keine Menschlichkeit begründen. Ein Gottesbild jedoch, bei dem Gott die Menschen aus Liebe erschaffen hat, schreibt Barmherzigkeit zwingend vor. Markus Spieker in “Jesus, eine Weltgeschichte”