Jeder Christ glaubt an die Souveränität Gottes

Wenn der Christ betet, ist es nicht ein Versuch, auf Gott einen Druck auszuüben, sondern das demütige Eingeständnis der Hilflosigkeit und Abhängigkeit. Wenn wir vor ihm niederknien, ist uns bewusst, dass nicht wir die Welt regieren und dass es daher nicht in unserer Macht steht, durch eigenes Bemühen für uns Sorge zu tragen. […] Beim Beten ist uns das alles ganz klar, auch wenn wir uns bei einer nachfolgenden Auseinandersetzung zu anderen Aussagen verleiten lassen sollten. (S. 8)
Warum? Weil wir überzeugt sind, dass nur Gott allein sie bewirkte. Nicht wir haben uns bekehrt, sondern er tat es. Unser Dank schon ist ein Eingeständnis, dass unsere Bekehrung nicht unser, sondern sein Werk war. […] Unsere Buße führen wir ja schließlich auch nicht auf unsere Weisheit und unseren gesunden Menschenverstand zurück. […] Wir denken doch nicht im Traum daran, das Verdienst um unsere Errettung zwischen Gott und uns aufzuteilen. Nicht einen Augenblick könnten wir annehmen, der entscheidende Beitrag zu unserer Errettung sei von uns und nicht von Gott geleistet worden. Wir würden doch niemals Gott sagen, bei aller Dankbarkeit für die von ihm geschenkten Mittel und Wege der Gnade hätten wir doch erkannt, dass wir nicht ihm, sondern uns selbst für seine Antwort auf seinen Ruf zu danken hätten. (S. 9)
„Prädestination und Verantwortung. Gott und Mensch in der Verkündigung“ J. I. Packer

GROßER GOTT, HEILGER GEIST, KOMM!

Du siehst die geistige Verwirrung in unseren Ländern, dass viele Menschen in Hass und Furcht gefangen sind, weil ihr Verstand durch Rassismus und Verschwörungstheorien verdunkelt ist.
KOMM HEILIGER GEIST!
Du siehst, dass Menschen das herrliche Evangelium nicht mehr sehen, weil sie von säkularen und postmodernen Ideologien verblendet sind.
KOMM HEILIGER GEIST!
Du siehst, dass selbst viele Christen bis hin zu kirchenleitenden Menschen den Glauben an die erlösende Kraft des Kreuzes Christi verloren haben.
WIR DANKEN DIR, grosser Gott, dass durch die Erlösung, die Jesus für die Menschen vollbracht hat, der Geist der Liebe und der Erkenntnis des Herrn ausgegossen ist.
Seit zweitausend Jahren leben wir unter einem geöffneten Himmel. Pfingsten war gestern und Pfingsten ist heute.
Darum bitten wir Dich um ein neues Pfingsten in unseren Kirchen, dass die Herzen BEGEISTET werden für Jesus und für die erbarmende Liebe Gottes in dieser Welt. Erfülle die kirchlichen Leiter mit Liebe, Glaube, Hoffnung, dass Dein Reich zunehme in dieser Welt.
KOMM HEILIGER GEIST!
Wir danken Dir für unsere Politiker, für ihren schweren Dienst: Bewahre sie vor Bitterkeit und Resignation und erfülle sie mit Weisheit und Mut, gute und richtige Entscheidungen zu treffen.
KOMM HEILIGER GEIST!
Erfülle uns alle mit dem Glauben, dass Du alles gut machst und die Welt vollendest durch Jesus Christus. Amen Alexander Garth FB

Psalm 13

Hilferuf eines Angefochtenen
1 Ein Psalm Davids, vorzusingen.
2 HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?
3 Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele / und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?
4 Schaue doch und erhöre mich, HERR, mein Gott! Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe,
5 dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden, und meine Widersacher sich freuen, dass ich wanke.
6 Ich traue aber darauf, dass du so gnädig bist; / mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut. Martin Luthers 2017,
Der Psalm kann nicht auf eine besondere Begebenheit oder Zeit in Davids Geschichte zurückgeführt werden. Alle Versuche, seine Geburtsstätte ausfindig zu machen, sind nur Mutmaßungen. Was er sagt, ist ohne Zweifel mehr als einmal die Sprache dieses vielgeprüften Gottesmannes gewesen und will den Gefühlen des Volkes Gottes in den stets wiederkehrenden Anfechtungen Ausdruck geben. Wenn der Leser noch nie Anlass gefunden hat, sich die Sprache dieses kurzen Liedes zu eigen zu machen, so wird es nicht lange währen, bis er dazu Gelegenheit hat, wenn anders er ein Mann nach dem Herzen Gottes ist. Das Stichwort des Psalms ist: Wie lange?
Wie lange? Diese Frage wird nicht weniger als viermal wiederholt. Sie drückt ein heftiges Sehnen nach Errettung und große Herzensangst aus. Und wenn ein wenig Ungeduld dabei mit untergelaufen wäre, ist es dann nicht ein umso treueres Bild unserer eigenen Erfahrung? Es ist nicht leicht, die feine Grenzlinie zwischen starkem Verlangen und Ungeduld innezuhalten. Wolle uns Gott nur bewahren, dass wir nicht beim sehnlichen Harren auf Gottes Hilfe einem Geist des Murrens Raum geben.
Der aufmerksame Leser wird also merken, dass die Frage „Wie lange “ in vierfacher Gestalt erscheint. Des Dichters Kummer wird dargestellt, wie er zu sein scheint, wie er ist, wie er nach innen auf ihn selbst und nach außen auf seine Feinde wirkt. Wir alle sind geneigt, auf der schlechtesten Saite am meisten zu spielen. Wir errichten Denksteine über den Gräbern unserer Freuden; wer aber denkt daran, Denkmale der Lobpreisung für empfangene Gnaden zu erbauen?
Der ganze Psalm besteht aus Du, Dein, und Ich, Mein, Mir, Mich. Das Du ist ein Ausruf, es steht im Vokativ, jedes Mal verbunden mit der bohrenden Frage: Wie lange? Vier Fragezeichen – in fast allen Übersetzungen, die ich gefunden habe -, dazu zwei oder drei Ausrufezeichen.
Erzväter-Geschichten, Evangelien-Erzählungen, Propheten-Reden, Paulus-Briefe: die sind an uns adressiert, das kann und soll man predigend auslegen, diskutieren, lehren. Aber Psalmen? Sie sind und bleiben an Gott adressiert, deswegen gehören sie nachgesprochen, angeeignet. Sie sind Formulare für meine Sprachlosigkeit und deinen stummen Schrei, für meine Bitten und deinen Dank, für meinen Jubel und deine Verzweiflung. Deswegen werden sie immer neu übersetzt, nachgedichtet und vertont.
Wenn wir sie als Texte hören, die an uns gerichtet sind, dann verlieren sie den Adressaten: aus dem Ich und dem Du werden er und sie und es, aus dem Vokativ werden alle anderen Fälle, womöglich doppelte Genitiv-Konstruktionen. Aus Fragezeichen und Ausrufezeichen werden Punkte, die übergehen in theologische Behauptungen.
Also singen und beten wir die Psalmen! Wir sprechen sie nach, wir eignen sie uns an, wir fühlen uns hinein – und stellen fest: sie geben wieder, was unser Herz bewegt, wovon auch unser Mund überläuft – nicht jeden Tag, nicht jede Stunde, aber in den wirklich bewegenden Situationen jedenfalls!

 

Wozu Beten?

„Die Gläubigen beten nämlich nicht, um Gott unbekannte Dinge anzutragen, ihn zu seiner Pflicht zu bewegen, oder den Säumigen zu mahnen, sondern
1. um sich selbst zu ermuntern, ihn aufzusuchen
2. um ihren Glauben zu üben, indem sie über die Verheißungen nachdenken,
3. um sich selbst zu erleichtern, indem sie ihre Sorgen in seinen Schoß abladen,
4. endlich um zu bezeugen, dass sie alles gute für sich wie für die anderen einzig von ihm erhoffen und erbitten.“
John Stott, Die Botschaft der Bergpredigt, s. 167

„Vaterunser“

Interessanterweise ist die Formulierung des Vaterunsers bei Lukas nicht Wort für Wort dieselbe wie bei Matthäus. Das Vaterunser ist so etwas wie die Zusammenfassung aller anderen Gebete, die große Gebetsvorlage, was die Prioritäten und Themen, den Zweck, ja den Geist allen Betens betrifft. Und so gilt: „Mag er [der Beter] auch noch so verschiedene Worte brauchen, so soll er doch im Sinn keine Abweichung eintreten lassen.“ Das Vaterunser muss all unseren Gebeten seinen Stempel aufdrücken und sie durch und durch prägen, und wie könnte man das besser erreichen als durch Luthers Übung, zwei Mal täglich das Vaterunser mit eigenen Worten nachzubeten, um anschließend zum freien Lob- und Bittgebet überzugehen?
Nicht minder wichtig ist die Tatsache, dass Jesus das Vaterunser im Plural und nicht im Singular formuliert hat. Wir bitten Gott, uns zu geben, was wir brauchen. Calvin schreibt: „Die Gebete der Christen müssen auch die anderen mit umfassen und ihr Ziel … in der Förderung der Gemeinschaft der Gläubigen haben.“ Der amerikanische Theologe Michael S. Horton stellt klar, dass nach Calvin „der öffentliche Gottesdienst die private Andacht prägt und nicht umgekehrt“. Calvin war die Gestaltung des Gemeindegottesdienstes und der Liturgie ein großes Anliegen, weil er hierin eine wichtige Vorlage für das private Gebet des einzelnen Christen sah. Tim Keller Beten S. 130–131 Hervorhebung

Ein Gebet bei Schlimmer Krankheit

„Allmächtiger und allbarmherziger Gott,
Du allein hältst Leben und Tod in deiner Hand. In dieser schrecklichen Zeit der Krankheit kommen wir zu dir und bitten dich um Hilfe: erlöse uns von unserer Lebensbedrohung, stärke und befähige deine Diener im Gesundheitswesen und in der Heilkunde, und segne ihre Mittel zur Genesung der Kranken.
Vor allem aber lasse uns die Zerbrechlichkeit unseres irdischen Lebens erkennen, dass wir unsere Herzen der himmlischen Weisheit zuwenden, die uns zum ewigen Leben führt. Dies bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.“
Allgemeines Gebetsbuch, das Gebet bei schlimmer Krankheit.

Beten ohne Unterlass

Der Kampf um ein konsequentes Gebetsleben
Wie viele andere Gläubige habe ich seit jeher versucht, mir jeden Morgen Zeit für Hingabe und Gebet zu nehmen. Und wie die meisten anderen Gläubigen habe ich es immer als Kampf empfunden, konsequent dran zu bleiben.
Stell dir meine Überraschung vor, als ich in Calvins Institutio auf eine Stelle stieß, wo er erklärt, dass es nicht ausreicht, nur einmal am Tag zu beten. Calvin verweist auf die Ermahnung, „Betet ohne Unterlass“ (1Thess 5,17) und sagt, dass jeder Christ danach streben sollte, beständig im Gebet zu verharren. Aber er fügt hinzu: „Da wir so schwach sind und viel Hilfe brauchen, und so lustlos, dass wir angetrieben werden müssen, ist es sinnvoll, dass jeder von uns bestimmte Stunden zum Gebet einplanen sollte.“
Fünf Zeiten zum Gebet
Laut Calvin sollten wir bestimmte Zeiten festlegen, wenn auch nur kurze, in denen wir uns mit ganzem Herzen dem Gebet widmen sollten. Er schlug fünf Tageszeiten vor:

  • nach dem Aufstehen
  • bevor wir mit der Arbeit beginnen
  • mittags
  • nach dem Abendessen (oder nach der Arbeit des Tages)
  • wenn wir uns bettfertig machen

Er fügt jedoch sofort hinzu: „Es darf keine abergläubische Einhaltung dieser Zeiten sein“ – um damit „unsere Schuld bei Gott bezahlen“ und ihn zwingen zu können, dass er uns hört.
Tägliche Gebete zusammenstellen
Obwohl ich diese Ermahnung seit Jahren kannte, habe ich erst kürzlich erfahren, dass Calvin tatsächlich fünf Gebete für diese verschiedenen Tageszeiten vorformuliert und sie in seinen Genfer Katechismus 1542/45 aufgenommen hat. Sie sollten als Beispiele für Einzelpersonen und Familien dienen. Das hat mich ermutigt, seine Gebete als Grundlage für das Verfassen meiner eigenen zu verwenden.
Ich möchte andere ermutigen, dasselbe zu tun, was ich mit Calvins Vorlage gemacht habe: Nimm diese als Beispiele und verwende sie, um deine eigenen Gebete zu formulieren. Etwas Geschriebenes zu haben, das ich lesen und als Grundlage für das Gebet zu Gott verwenden konnte – und für jedes nur eine einzige Minute zu benötigen – war äußerst hilfreich, um mich an die Gegenwart Gottes und die Wahrheiten zu erinnern, die ich am Morgen in der Bibellektüre gelernt hatte. So wird der ganze Tag von Gott und dem Evangelium „umrahmt“.
Nachfolgend die Gebete, die ich verwende. Auch hier gilt: Benutze sie einfach als Grundlage, um deine eigenen anzufertigen.
1. Nach dem Aufstehen: um Liebe
Vater, danke für die Gnade, die mein Leben bis heute erhalten hat. Gib mir genug Liebe für diesen Tag – ein Gefühl deiner Liebe zu mir (damit ich nicht ängstlich bin oder mich getrieben fühle), ein Aufblühen meiner Liebe zu dir (damit ich nicht stolz oder egoistisch bin) und eine daraus resultierende Liebe zu anderen Menschen (damit ich nicht kalt oder abgelenkt bin). Erleuchte meinen Verstand und öffne mein Herz durch deinen Geist. Und weil es keinen Wert hat, zwar gut anzufangen, aber nicht ausdauernd dran zu bleiben, bitte ich dich, dass du deine Gnade in mir erhältst und vergrößerst, bis du mich in die volle Gemeinschaft mit deinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn, geführt hast, damit ich seine wunderschöne und gewaltige Herrlichkeit sehe. Halte mich, so wie ich mich nur durch deine Gnade zum Schlafen niedergelegt habe und heute Morgen wieder aufgestanden bin, in einer freudigen, lebendigen Erinnerung daran, dass ich, was auch immer geschieht, eines Tages ein letztes Mal aufstehen werde – zur Auferstehung –, weil Jesus Christus für mich in den Tod ging und für meine Rechtfertigung auferstanden ist. Ich bitte dich in Jesu Namen.
2. Vor dem Arbeitstag: um Durchhaltevermögen
Herr, gib mir den ganzen Tag ein Bewusstsein deiner Gegenwart, lass mich produktiv sein und trotzdem geduldig, wenn du Unterbrechungen schickst, gib mir Weisheit und Mitgefühl in meinem Handeln sowie deinen väterlichen Schutz vor Gefahren und Widrigkeiten. Lass mich jeden Erfolg oder jede Herausforderung in der Arbeit, die du mir heute gibst, akzeptieren, wie groß sie auch sein mögen. Und gib mir vor allem Mitgefühl und die Bereitschaft, in meiner Tätigkeit unterbrochen zu werden, um anderen Gutes zu tun. Ich bitte dich in Jesu Namen.
3. Mittags: um Gegenwart und Erinnerung
O Herr, Gott, danke, dass du mein Leben durch Nahrung und Unterkunft erhältst; dass du mir ein neues Leben durch das Evangelium geschenkt hast; danke für die Gewissheit, dass sich die schlechten Dinge in meinem Leben für immer zum Guten wenden werden und dass meine guten Dinge mir nicht genommen werden können; und für die Gewissheit, dass das beste und vollkommenste Leben noch vor mir liegt. Gib mir jetzt ein freudiges Gefühl deiner Gegenwart und befreie mich von meinen typischen Sünden wie perfektionistischer Werkgerechtigkeit, Angst vor Kritik und Bequemlichkeit. Lass nicht zu, dass sich meine Neigungen in übertriebenen Begierden zu Dingen dieser Welt verwickelt werden, sondern lass mich mein Herz auf die himmlischen Dinge richten, wo Christus, mein Leben, zu deiner Rechten sitzt. Ich bitte dich in Jesu Namen. (Erinnern Sie sich an die Erkenntnisse beim Lesen der Bibel am Morgen)
4. Am Ende des Arbeitstages: für Menschen, mit denen ich mich heute getroffen oder beschäftigt habe
Herr, sende meiner Familie, meinen Freunden und Nachbarn deine irdischen und geistlichen Segnungen. Segne diejenigen, die uns heute Gutes getan haben, und vergib all denen, die uns Übles getan oder gewünscht haben. Gib ihnen Reue und eine bessere Gesinnung. Sei barmherzig zu denen, die in Schwierigkeiten sind und leiden. Sorge entsprechend ihrer Bedürfnisse für sie. Tue dies um desjenigen willen, der umherging, Gutes zu tun, der Schmerzensmann, dein Sohn und unser Erlöser, Jesus Christus. Ich bitte dich in seinem Namen.
5. Beim Schlafengehen: um Erholung
O Herr, beschütze uns heute Nacht vor allen Gefahren und auch vor der Angst davor. Sei uns gnädig, dass wir nicht nur körperlich, sondern unsere Seele und unser Gewissen in deiner Gnade und Liebe auch geistlich ausruhen, damit wir in jeder Hinsicht beruhigt und erleichtert sein können. Und da kein Tag vergeht, an dem ich nicht auf vielfältige Weise sündige, bitte ich dich, dass du alle meine Vergehen in deiner Gnade zudeckst, damit ich deine Gegenwart nicht verliere. Vergib mir um Jesu willen. Zuletzt: Gewähre uns die Gnade, immer so zu leben, dass wir uns nicht fürchten müssen, zu sterben; dass wir, lebend oder sterbend, durch den Verdienst und die Sühne deines Sohnes Christus Jesus, in dessen Namen wir diese unvollkommenen Gebete darbringen, dir gehören. Amen. Gebet 1. Thessalonicher 5,17
Tim Keller
https://www.evangelium21.net/media/1679/beten-ohne-unterlass

Herr, ich erbitte weder Gesundheit noch Krankheit

„Herr, ich erbitte weder Gesundheit noch Krankheit, weder Leben noch Tod; sondern daß du bestimmst über meine Gesundheit und meine Krankheit, über mein Leben und über meinen Tod, zu deiner Ehre, zu meinem Heil und zum Nutzen der Kirche und deiner Heiligen, zu denen zu gehören ich durch deine Gnade hoffe. Du allein weißt, was gut für mich ist: du bist der alleinbestimmende Herr; tue, was du willst. Gib mir, nimm mir; aber füge meinen Willen dem deinen ein; daß ich in einer demütigen und vollkommenen Unterwerfung und in einem heiligen Vertrauen mich bereite, die Weisungen deiner ewigen Vorsehung anzunehmen und alles, was von dir kommt, in gleicher Weise anzubeten.“ (Blaise Pascal, Aus: ‚Gebet zu Gott um den rechten Gebrauch der Krankheit‘)

„Unterbrich mich nicht, Herr – ich bete!“

Vater unser, der du bist im Himmel …
Ja?
Unterbrich mich nicht! Ich bete.
Aber du hast mich doch angesprochen!

Dich angesprochen? Äh … nein, eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser, der du bist im Himmel.

Da, schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht’s?

Geheiligt werde dein Name …

Meinst du das ernst?

Was soll ich ernst meinen?

Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet das denn?

Es bedeutet … es bedeutet … meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet! Woher soll ich das wissen?

Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzigartig wichtig bin, dass dir mein Name wertvoll ist.

Aha, hm. Ja, das verstehe ich. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden …

Tust du was dafür?
Dass dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich zahle Gemeindebeiträge und gebe Spenden für die Mission.

Ich will mehr: dass dein Leben in Ordnung kommt; dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden; dass du von anderen her und für andere denken lernst; dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, auch dein Vermieter und dein Chef. Ich will, dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden; denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du doch für mich, oder?

Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viele steinreiche Heuchler in den Kirchen sitzen. Schau die doch an!

Entschuldige! Ich dachte, du betest wirklich darum, dass mein Herrschaftsbereich kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet. Erst, wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein.

Das leuchtet mir ein. Dann darf ich jetzt mal weiterbeten? Unser tägliches Brot gib uns heute …

Du hast Übergewicht, Mann! Deine Bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern …

Und Paul?

Paul? Jetzt fang nicht auch noch von dem an! Du weißt doch, dass er mich öffentlich blamiert, dass er mir jedes Mal dermaßen arrogant gegenübertritt, dass ich schon wütend bin, bevor er seine herablassenden Bemerkungen äußert. Und das weiß er auch! Er nimmt mich als Mitarbeiter nicht ernst, er tanzt mir auf dem Kopf rum, dieser Typ hat …

Ich weiß, ich weiß! Und dein Gebet?

Ich meinte es nicht so.

Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit so viel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?

Es macht mich krank!

Ich will dich heilen. Vergib Paul, und ich vergebe dir. Dann sind Arroganz und Hass die Sünden von Paul und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld, ganz sicher verlierst du ein Stück Image, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen.

Hm. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.

Ich helfe dir dabei.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen …

Nichts lieber als das! Meide bitte Personen oder Situationen, durch die du versucht wirst.

Wie meinst du das?

Du kennst doch deine schwachen Punkte: Unverbindlichkeit, Umgang mit Geld, Sexualität, Aggression, Erziehung. Gib dem Versucher keine Chancen!

Ich glaube, dies ist das schwierigste Vaterunser, das ich je gebetet habe. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit meinem alltäglichen Leben zu tun.

Schön, wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und dann das tun, was mein Wille ist; wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich selbst glücklich macht.

(nach einer Idee von Clyde Lee Herring)

Das Gebet als Lobpreis

So oft Gott uns das Brot zu essen gibt, so oft er seine Sonne scheinen lässt, wenn er uns irgendwelche Kreatur zur Benützung überlässt, dann ist das soviel als wenn er ein Lied anstimmte, um uns zum Singen seines Lobs zu bringen, so wie wenn wir einen Psalm singen: da bringt der, der ihn kann, die anderen in Schwung.
(Johannes Calvin)

Sobald wir mit dem Mund sein Lob vorbringen, dann soll unser Leben Antwort geben und sich mit dem Lob des Mundes vereinigen. Und zu dem Zweck sind hier alle Kreaturen erwähnt. Denn wiewohl unser Herr unsre Zungen ganz besonders dazu geschaffen hat, dass wir ihm die Ehre geben und mit unserm Bekenntnis ihm huldigen, wie er’s verdient, so will er doch auch durch all unsre andern Glieder, durch jedes Stück an uns verherrlicht sein.
(Johannes Calvin, Predigt zu Psalm 148 am 30. September 1554)

Lobpreis ist unsere erste Antwort. Völlig unfähig, zu sagen, was Seine Gegenwart bedeutet, können wir nur singen, können wir nur Worte der Anbetung stammeln. Aus diesem Grunde hat in der jüdischen Liturgie der Lobpreis Vorrang vor der Bitte.
(Abraham J. Heschel)

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