Ein Jahr ohne “Made in China”

Veröffentlicht am 24. August 2012 von Hanniel
So lautet der Titel eines Buches, das auf meiner Leseliste steht. Um was geht es? Ein Rezensent:
Inhalt des Buches ist der Entschluss der Autorin, ein Jahr lang (2005) keine chinesischen Produkte zu kaufen. Das Ganze ist ein Experiment und auch nicht politisch gemeint (oder aus Sorge um amerikanische Arbeitsplätze). Sara Bongiorni lässt sich allerdings ein Hintertürchen offen: Geschenke fallen nicht unter diese Regelung! Das Jahr ist hart: Es ist in den USA in weiten Bereichen kaum mehr möglich, ohne Produkte “Made in China” auszukommen. Das größte Problem bereiten der Autorin ihre beiden Kinder mit ihren Wünschen; ihr Mann dagegen engagiert sich, je weiter das Jahr fortschreitet, immer mehr und schlägt sogar eine Fortsetzung des Boykotts vor (zu dem es aber nicht kommt). Diese Story wird auch in China bekannt und sofort propagandistisch ausgeschlachtet. Für die Familie bedeutet der Boykott, dass sie Kaufentscheidungen von da an bewusster trifft (und nicht mehr so viel Ramsch im Hause hat).
Dave Bruno hat ein ähnliches Experiment gemacht: Er reduzierte seine Habe auf 100 Dinge (wobei die Bibliothek als ein Ding galt); seine Erfahrungen schrieb er im Buch “The 100 Things Challenge – How I Got Rid of Almost Everything, Remade My Life, and Regained My Soul” nieder.
Ich habe mir über die letzten Jahre einige Gedanken zum Thema “Familie in der Konsumgesellschaft” gemacht, siehe meine Interviews “Ich konsumiere, also bin ich glücklich” (hier und hier).
Hier geht es zu einigen anregenden Ideen von Edith Schaeffer aus ihrem Buch Mit Phantasie und Liebe. Von der Kunst, den Alltag zu verschönern”. Es ist ein wunderbarer Kontrast zu den Botschaften, die uns täglich als Konsumenten eingetrichtert werden.
https://hanniel.ch/2012/08/24/ein-jahr-ohne-made-in-china/

Martin Luther während der Schwarzen Todespest

Martin Luther 1527: Wohlan, der Feind hat uns durch Gottes Verhängnis Gift und tödliche Krankheit herein geschickt, so will ich zu Gott bitten, dass er uns gnädig sei und wehre. Danach will ich auch räuchern, die Luft reinigen helfen, Arznei geben und nehmen. Orte und Personen meiden, da man meiner nicht bedarf, auf dass ich mich selbst nicht verwahrlose und dazu durch mich vielleicht viele andere vergiften und anstecken und ihnen so durch meine Nachlässigkeit Ursache des Todes sein möchte. Will mich indes mein Gott haben, so wird er mich wohl finden, so habe ich doch getan, was er mir zu tun gegeben hat, und bin weder an meinem eigenen noch an anderer Menschen Tode schuldig. Wo aber mein Nächster mein bedarf, will ich weder Orte noch Personen meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen, wie oben gesagt ist. Siehe, das ist ein rechter, gottesfürchtiger Glaube, der nicht dummkühn noch frech ist und auch Gott nicht versucht.
Luther’s Works Volume 43 pg 132 the letter “Whether one may flee from a Deadly Plague” written to Rev. Dr. John Hess

Als ein Angeklagter vor Gericht seine Unschuld damit begründet, daß er so geboren sei und nicht anders können, daher nicht haftbar zu machen sei,

Der Mensch ist grundsätzlich mehr, als er von sich wissen kann. Unserer Freiheit sind wir uns bewußt, wenn wir Ansprüche an uns erkennen. Es liegt an uns, ob wir sie erfüllen oder ihnen ausweichen. Wir können im Ernst du nicht bestreiten, daß wir etwas entscheiden und damit über uns selbst entscheiden, und daß wir verantwortlich sind. Wer etwa versucht, das abzulehnen, kann konsequenterweise auch an andere Menschen keine Forderungen stellen. Als ein Angeklagter vor Gericht seine Unschuld damit begründet, daß er so geboren sei und nicht anders können, daher nicht haftbar zu machen sei, antwortete der gut gelaunte Richter: das sei eben so richtig wie die Auffassung vom Handeln des ihn strafenden Richters: nämlich auch dieser können nicht anders, da er nun einmal so sei und notwendig nach den gegebenen Gesetzen so handeln müsse. [Karl Jaspers. Was ist Philosophie?, Ein Lesebuch]

02.02.2020

Der 2. Februar 2020 ist ein besonderes Datum, ein so genannter palindromischer Tag! Palin … was? Nichts Schlimmes, aber extrem selten.
Am zweiten Februar 2020 ist das aktuelle Kalenderdatum – weltweit – von vorne und von hinten identisch lesbar. Probiert es aus:
02.02.2020
Das gab’s seit mehr als 900 Jahren nicht. Denn die Schreibung von Daten variiert in vielen Ländern der Welt. Während man hierzulande Tag/Monat/Jahr schreibt, schreibt man beispielsweise in den USA meist Monat/Tag/Jahr. In Asien und Kanada ist noch eine andere Form die gängige: Jahr/Monat/Tag.
Aber egal, ob nun 02.02.2020 oder 2020.02.02 – am Sonntag ist sich die Welt ausnahmsweise mal einig. In dieser Form gab’s das zuletzt am 11.11.1111 – vor fast 909 Jahren.
Wie entstand die christliche Zeitrechnung?
Ende des 5. Jahrhunderts n. Chr. lebte in Rom ein Mönch mit dem Namen Dionysius Exiguus. Er sprach mehrere Sprachen und arbeitete als Übersetzer und Lehrer. Zu dieser Zeit war noch der Julianische Kalender in Gebrauch, der von Julius Caesar eingeführt worden war. Dionysius bestimmte, dass die Menschwerdung Christi fortan als Grundlage für die Jahreszählung dienen sollte. Den Jahresbeginn legte man später einheitlich auf den 1. Januar fest und die christliche Zeitrechnung ist noch heute gültig.
Das Problem mit der Null
Aber es gab natürlich auch eine Zeit vor Christi Geburt und diese Zeit wollte man natürlich auch zählen. Hier ergab sich aber ein Problem. Denn Dionysius nannte das erste Jahr der christlichen Epoche das Jahr 1. Eigentlich hätte es das Jahr 0 heißen müssen, aber die Null war hier damals noch nicht bekannt. Man benutzte in Mitteleuropa noch bis ins 12. Jahrhundert hinein die römischen Zahlen und hier gab es nun mal keine Null.
Die Null wurde von den Indern und denMaya entdeckt und erst später durch die Araber in Mitteleuropa eingeführt. Also folgt bei der christlichen Zeitrechnung das Jahr 1 nach Christus gleich auf das Jahr 1 vor Christus. Es fehlt also ein Jahr. Aber trotzdem galt diese Art der Zeitrechnung als Vorgabe.
Die Astronomen wollten keine Zeitrechnung ohne die Null
Die Astronomen waren aber gar nicht einverstanden damit, dass die Null ganz aus der Zeitrechnung herausfallen sollte. In der astronomische Jahreszählung wurde also ein Jahr zwischen 1 v. Chr. und 1 n. Chr. eingeschoben. Hierdurch rückten alle Jahre vor Beginn der Zeitrechnung um zwölf Monate in die Vergangenheit. Die astronomische Jahreszählung verwendet auch nicht die Zusätze ’n. Chr.‘ und ‚v. Chr.‘. Sie setzt stattdessen ein Vorzeichen vor die jeweilige Jahreszahl. Das astronomische Jahr +1 entspricht dann dem Jahr 1 n. Chr., das Jahr 0 entspricht 1 v. Chr. und -1 ist das Jahr 2 v. Chr.
In Europa hat man die Zahl Null erst ab dem 13. Jahrhundert gelegentlich eingesetzt.
Mitten hinein in all den Berechnungen hören wir aus dem Evangelium nach Markus, wie Jesus in der „Endzeitrede“ seine Jünger und uns wissen lässt:
„Himmel und Erde werden vergehen… Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater… Ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.“ Mk. 13, 28-37


Du sollst den Namen des Herrn nicht zum Eitlen anrufen!

Man möchte sich in die Reihen der Gläubigen mengen, um den Philosophen, die den Gott der Religion zu retten glauben, indem sie ihn durch ein unpersönliches, schattenhaft abstraktes Prinzip ersetzen, die Mahnung vorzuhalten: »Du sollst den Namen des Herrn nicht zum Eitlen anrufen!« [Siegmund Freud. Das Unbehagen in der Kultur]