„Unterbrich mich nicht, Herr – ich bete!“

Vater unser, der du bist im Himmel …
Ja?
Unterbrich mich nicht! Ich bete.
Aber du hast mich doch angesprochen!

Dich angesprochen? Äh … nein, eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser, der du bist im Himmel.

Da, schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht’s?

Geheiligt werde dein Name …

Meinst du das ernst?

Was soll ich ernst meinen?

Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet das denn?

Es bedeutet … es bedeutet … meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet! Woher soll ich das wissen?

Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzigartig wichtig bin, dass dir mein Name wertvoll ist.

Aha, hm. Ja, das verstehe ich. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden …

Tust du was dafür?
Dass dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich zahle Gemeindebeiträge und gebe Spenden für die Mission.

Ich will mehr: dass dein Leben in Ordnung kommt; dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden; dass du von anderen her und für andere denken lernst; dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, auch dein Vermieter und dein Chef. Ich will, dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden; denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du doch für mich, oder?

Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viele steinreiche Heuchler in den Kirchen sitzen. Schau die doch an!

Entschuldige! Ich dachte, du betest wirklich darum, dass mein Herrschaftsbereich kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet. Erst, wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein.

Das leuchtet mir ein. Dann darf ich jetzt mal weiterbeten? Unser tägliches Brot gib uns heute …

Du hast Übergewicht, Mann! Deine Bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern …

Und Paul?

Paul? Jetzt fang nicht auch noch von dem an! Du weißt doch, dass er mich öffentlich blamiert, dass er mir jedes Mal dermaßen arrogant gegenübertritt, dass ich schon wütend bin, bevor er seine herablassenden Bemerkungen äußert. Und das weiß er auch! Er nimmt mich als Mitarbeiter nicht ernst, er tanzt mir auf dem Kopf rum, dieser Typ hat …

Ich weiß, ich weiß! Und dein Gebet?

Ich meinte es nicht so.

Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit so viel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?

Es macht mich krank!

Ich will dich heilen. Vergib Paul, und ich vergebe dir. Dann sind Arroganz und Hass die Sünden von Paul und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld, ganz sicher verlierst du ein Stück Image, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen.

Hm. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.

Ich helfe dir dabei.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen …

Nichts lieber als das! Meide bitte Personen oder Situationen, durch die du versucht wirst.

Wie meinst du das?

Du kennst doch deine schwachen Punkte: Unverbindlichkeit, Umgang mit Geld, Sexualität, Aggression, Erziehung. Gib dem Versucher keine Chancen!

Ich glaube, dies ist das schwierigste Vaterunser, das ich je gebetet habe. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit meinem alltäglichen Leben zu tun.

Schön, wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und dann das tun, was mein Wille ist; wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich selbst glücklich macht.

(nach einer Idee von Clyde Lee Herring)

Antipsalm 23

Ich bin alleine.
Niemand schaut nach mir oder beschützt mich.
Ich spüre das Gefühl eines ständigen (ungestillten) Verlangens.
Nichts passt wirklich.
Ich bin immer unruhig.
Ich werde leicht frustriert und bin oft enttäuscht.
Es ist ein Dschungel – Ich bin überfordert.
Es ist eine Wüste – Ich verdurste.
Meine Seele fühlt sich zerbrochen an, sie ist verdreht und steckt fest.
Ich kann mich selbst nicht wieder zusammen setzen.
Ich stolpere durch dunkle Pfade.
Und doch bestehe ich darauf: Ich möchte tun, was ich will, wann ich es will und wie ich es will.
Aber das Leben ist verwirrend.
Warum klappen die Dinge denn nie?
Ich werde verfolgt von Leere und Nichtigkeit. Von den Schatten des Todes.
Ich habe Angst vor dem großen Schmerz und der letzten Niederlage.
Der Tod wartet auf mich am Ende jeder Straße,
Aber daran möchte ich nicht denken.
Ich verbringe mein Leben damit, mich zu schützen.
Schlechte Dinge können passieren.
Ich finde keine bleibende Geborgenheit.
Ich bin alleine … stelle mich allem, was mich verletzen könnte.
Sind meine Freunde wirklich meine Freunde?
Andere benutzen mich für ihre eigenen Ziele.
Eigentlich, kann ich niemandem vertrauen.
Niemand steht für mich ein.
Niemand ist wirklich für mich – außer ich.
Und ich drehe mich so sehr um mich selbst, dass es manchmal ekelhaft ist.
Ich gehöre niemanden, als nur mir alleine.
Mein Becher, ist nie wirklich voll genug.
Ich bleibe leer zurück.
Enttäuschung folgt mir mein Leben lang.
Werde ich am Ende einfach ausgelöscht, ins Nichts hinein?
Werde ich für immer obdachlos im freien Fall in die tiefe stürzen?
Sartre hat gesagt: „Die Hölle sind andere Menschen.“
Ich muss hinzufügen: „Die Hölle bin auch ich.“
Es ist ein lebender Tod. Es ist ein totes Leben
und dann sterbe ich.
Ray Ortlund fügt hinzu:
Aber hier sind die grünen Auen und das frische Wasser, zu dem wir immer rennen können, durch den Glauben, durch das vollendete Werk Christi am Kreuz:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er lagert mich auf grünen Auen,
Er führt mich zu stillen Wassern.
Er erquickt meine Seele.
Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen.
Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil,
Denn du bist bei mir;
Dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde;
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt,
Mein Becher fließt über.
Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens;
Und ich kehre zurück ins Haus des HERRN lebenslang.
(Dank an Joseph McMahon für die Übersetzung)
http://mehrerekanonen.blogspot.com/2019/08/antipsalm-23.html

Greta Thunberg

International ist ihr Name vermutlich erst 2018 in die Schlagzeilen geraten. Das Thema Umwelt und Erderwärmung hat sie allerdings bereits seit ihrem 8. Lebensjahr interessiert. Seit diesem Zeitpunkt versucht sie aktiv, ihren Zielen durch entsprechendes Handeln Glaubwürdigkeit zu verleihen (z.B. lange Bahn- statt schnelle Flugreisen, E-Auto statt Benzinbetrieben). Die Schwedin Greta Thunberg hat einiges bewegt, das muss man ihr lassen. Sie trifft sich auf höchster Ebene mit Gleichgesinnten, sprach u.a. auf der UN Klimakonferenz im Dezember 2018 und der Weltwirtschaftskonferenz im Januar 2019 in Davos.
Greta ist gerade mal 16 Jahre alt (* 3. Januar 2003) und bewegt die Welt. In Davos erklärte sie: „Ich will, dass ihr in Panik geratet. Unser Haus brennt“ An anderer Stelle sagte sie: Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen.“ „Es gibt keine Grauzonen, wenn es ums Überleben geht.
Gretas Engagement für ihr Anliegen ist zu einer globalen Bewegung geworden. Überall schwänzen Schüler freitags den Unterricht, um an Demos gegen die Klimaerwärmung teilzunehmen. Die Reaktionen darauf, die an dieser Stelle nicht bewertet werden sollen, sind natürlich unterschiedlich. Es sind nicht nur sachliche, positive und negative Reaktionen, sondern auch unberechtigte Angriffe auf „ihr Alter, ihr Geschlechtund das Asperger-Syndrom“, um sie als „als „Person und Individuum abzuwerten“.
Egal, wie man über die Inhalte und Methoden dieses Teenagers denkt, ein Maß an Respekt kann da schon entstehen. Ich stelle mir allerdings auch eine ganz andere Frage: Hier steht ein junger Mensch auf, wird laut für ihre Überzeugungen, scheut keine Auseinandersetzung – auch nicht mit denen, die nicht mit ihr übereinstimmen und schafft eine weltweite Bewegung, die mit ihr steht. Sie scheut keine Kosten und stellt ihr Leben radikal um, auch wenn das scheinbare Nachteile bringt. Sie hat scheinbar kein anderes Ziel, als das zu bewegen, was nach ihrer Meinung das Wichtigste ist zum Leben und zum Sterben. Klingelt da was?
Ich frage mich, ob ich so konsequent für das lebe, von dem ich weiß(!) dass es das Wichtigste ist im Leben und im Sterben. Ich frage mich, ob ich den 15 und 16jährigen Teenagern in meinem Umfeld ein Vorbild bin, für Jesus zu brennen. Sehen junge Menschen in Deinem und meinem Umfeld in uns Jünger Jesu, die laut für ihre Überzeugungen aufstehen, keine Auseinandersetzung scheuen, keine Beleidigungen scheuen, keine Kosten scheuen, keine scheinbaren Nachteile scheuen und keine Anfeindungen scheuen? Habe ich das eine Ziel, für das ich lebe, rede, Geld verdiene, Geld opfere, Zeit opfere, Bequemlichkeit und „Rechte“ opfere – ein Ziel, das mein Alles wert ist, mein Einsatz, mein Leben und Sterben? (ohne Letzteres anzustreben!)
Aber nicht nur die gehobene Altersklasse soll hier angesprochen werden. Greta zählt sich noch keine 4 Jahre unter die Teenager, aber ihr Leben hat bereits ein Ziel. Sie hat etwas gefunden, von dem sie glaubt, dass sich ihr ganzer Lebenseinsatz dafür lohnt. Das sollte bei allen jungen Christen die Glocken läuten lassen. So wichtig der Klimaschutz in aller Welt für unser Leben ist – es gibt tatsächlich etwas noch Wichtigeres: Die lebensrettende Botschaft von Jesus muss in aller Welt zu allen Menschen, jedem Einzelnen, gebracht werden. Das hat für uns Christen absolute Priorität. Gottes Wort fragt uns in Matthäus 16:26:

„Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele verliert?

Paulus hatte diese Wahrheit erkannt, verinnerlicht und umgesetzt und macht uns damit Mut, seinem Beispiel zu folgen. Paulus bekennt:
Ich jage aber danach, dass ich das auch ergreife,wofür ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. (Philipper 3:12)

„Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette. Dies aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben. (1 Korinther 9:22b+23)

Wofür lebst Du?
Wofür bist Du bereit, alles zu geben?
Wofür bist Du bereit, alles zu opfern?

Eingestellt von Wolfgang Jung (Pastor CCFG) https://ccfg-neunkirchen.blogspot.com/2019/03/greta.html

Daß ein gutes Deutschland blühe

1. Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
2. Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
3. Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
4. Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das Liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs
(Berthold Brecht, Kinderhymne)

„Hoffentlich hast Du keinen Dreck am Stecken.“

Wer „Dreck am Stecken hat“, muss sich nicht gerade waschen, vielmehr sollte er seine dunkle Vergangenheit aufräumen. Zumeist spricht man nicht von sich selbst sondern über einen anderen, der „Dreck am Stecken hat“, weil er irgendetwas Unschönes vor seiner Umgebung zu verbergen sucht. Obwohl die Angelegenheit nicht öffentlich bekannt ist, ahnt man aufgrund von Gerüchten oder aufgrund des auffälligen Verhaltens oder Redens einer Person, dass sie irgendeine Untat hinter einer schönen Fassade verbergen will.
Vor Jahrhunderten, zu der Zeit, als die Redewendung „Dreck am Stecken haben“ entstanden ist, konnte man noch nicht so sicher, bequem und sauber reisen wie heute. Wo gegenwärtig die Straßen in Mitteleuropa sauber und gepflegt sind, waren es im ausgehenden Mittelalter zumeist staubige und steinige Pfade, die sich bei Regen in regelrechte Schlammpisten verwandelten. Wer hier unterwegs war kam fast unweigerlich mit Schmutz und Staub an Schuhen, Kleidern und Mantel an sein Ziel. Deshalb ist es stellenweise bis heute üblich, beim Betreten eines Hauses oder einer Wohnung die Schuhe abzuputzen, selbst wenn diese verhältnismäßig sauber sind. Gelegentlich wird man sogar aufgefordert, die Straßenschuhe auszuziehen und Hausschuhe anzulegen. Diese Sitte dient nur teilweise der Bequemlichkeit des Gastes. Vor allem sollte sie früher die Wohnung vor dem Schmutz der Straße schützen, der in großen Teilen an Schuhen und Straßenkleidung klebte. Andernorts konnte man seine Schuhe anbehalten, musste sie aber vor dem Betreten des Hauses reinigen, manchmal mit dem Ärmel des Mantels, zumeist aber mit den obligatorischen Wanderstock – dem Stecken. Nach der Prozedur waren Schuhe und der ausgeschüttelte Mantel verhältnismäßig sauber, nicht natürlich der Stecken. Trat nun jemand im Laufe des Tages mit der Behauptung auf, er sei die ganze Zeit zuhause gewesen, verriet der „Dreck am Stecken“ ob die Person log oder die Wahrheit sagte. Hielt ein Mensch daran fest, das Haus nicht verlassen zu haben, hatte aber „Dreck am Stecken“, konnte man zu Recht vermuten, dass der Betreffende etwas zu verbergen hatte, irgendein dunkles Geheimnis.
In späterer Zeit wurden Dreck und Schmutz zu Symbolen für Schuld, Betrug und Unmoral. Unschuldige Menschen hingegen wurden als „sauber“ und „rein“ umschrieben. Natürlich wollen auch heute noch die meisten Menschen gut, also ethisch „rein“ und „sauber“ vor ihrer Umgebung dastehen. Manchmal aber lässt ihr Verhalten oder Reden etwas von ihrer „schmutzigen“ Vergangenheit oder ihrem „unsauberen“ Charakter erahnen – man vermutet, dass sie „Dreck am Stecken haben“. Diese Menschen haben sich gut „gereinigt“ und meinen, niemand könne mehr erkennen, was sie wirklich gemacht haben. Doch winzige Details haben sie vergessen, wie den „Dreck am Stecken“, der von aufmerksamen Beobachtern trotz aller Bemühungen wahrgenommen wird. Wer „Dreck am Stecken hat“ ist nicht echt, er spielt etwas vor, um die Menschen seiner Umgebung zu täuschen, um einen besseren Eindruck zu erwecken als es der Realität entspricht.
Auch wenn sicher nicht jeder ein verkappter Verbrecher ist, so haben die meisten doch ihre „dunklen“, „schmutzigen“ Geheimnisse, die sie sicher hüten, verbergen oder am liebsten ungeschehen machen würden. Gelegentlich aber kommen diese „Geheimnisse“ doch heraus und stellen den Betreffenden bloß, zeigen einen Teil seines Lebens, den er lieber geheim gehalten hätte. Jeder, der „Dreck am Stecken hat“, sollte sich nun nicht endlos bemühen, sein Handeln zu verstecken, sondern den angerichteten Schaden wieder gutzumachen oder um Entschuldigung zu bitten. Wer das macht, kann kaum noch durch unverhofft auftauchende Informationen aus der Vergangenheit beschämt oder bloßgestellt werden. Sich verstellen und anderen „heile Welt“ vorzuspielen hilft tatsächlich häufig – zumeist aber nur kurzzeitig. Irgendwann fällt auf, dass man „Dreck am Stecken hat“. Allemal weiß Gott um den „Dreck am Stecken“ jedes Menschen – und auf ihn kommt es letztendlich an. Wer nun „Dreck am Stecken hat“ sollte zuallererst seine Fehler vor Gott offenlegen und ihn um Vergebung und um Hilfe bei Veränderung bitten.
https://www.facebook.com/michael.kotsch.9/posts/190591017747351

Hält Gott uns eine Pistole an den Kopf?

Kürzlich sagte mir jemand, Gott habe einen zweifelhaften Charakter. Er hat doch ein System geschaffen, das Regeln beinhaltet und jeder, der sich nicht daran hält, den wirft er in die Hölle. Manche vergleichen Gott auch mit einem Gangster, der jemandem eine Pistole an den Kopf hält und ihn zwingt, das zu tun, was er möchte.
Diese Anklage wiegt schwer. Juden und Christen haben Gott als das moralisch höchststehnde Wesen im Universum gesehen, die vollkommene Güte in Person und Ursprung aller Moral.
Unser Universum ist ein moralisches Universum mit Konsequenzen. Die Konsequenzen von Neid, Eifersucht und Hass sind zerstörte Beziehungen, die Konsequenz von Ablehnung des Schöpfers ist die ewige Trennung von Gott. Der Apostel Paulus macht in seinem Brief an die Römer deutlich, dass Gott nicht so sehr Menschen in die Hölle wirft, sondern sie eher den Konsequenzen ihres Handelns hingibt. Wenn jemand in diesem Leben Gott ablehnt, warum sollte er nach dem Tod die Ewigkeit bei Gott verbringen wollen?
Gott hätte freilich auch ein amoralisches Universum erschaffen können, in welchem niemand die Folgen seines Handelns tragen müsste, doch dann wären wir wohl weniger als Menschen und den Tieren gleich. In einem anderen Universum hätte Gott alles Böse verhindern können, doch das nähme dem Menschen sein moralisches Beurteilungsvermögen und reduzierte ihn zu einer Marionette oder einem Roboter.
Die biblischen Schriften bezeugen, dass Gott, weil er ja das vollkommene Gute ist, nicht nur die personifizierte Gerechtigkeit, sondern auch die personifizierte Liebe ist. Etwas, das man über den islamischen Gott Allah nicht behaupten kann. Laut der christlichen Botschaft gipfelte dies in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und in seinem stellvertretenden Sühnetod am Kreuz und seiner Auferstehung. Jeder, der seine Verfehlungen eingesteht und diese Gnade annimmt, kommt nicht ins Gericht, sagt Jesus. Dieses unter den Weltreligionen unvergleichliche Versprechen zeigt, dass dieser Gott kein distanzierter Schöpfer ist, sondern ein Teil dieses Systems geworden ist, um es zu erlösen.
https://derconrad.wordpress.com/2019/08/02/haelt-gott-uns-eine-pistole-an-den-kopf/?fbclid=IwAR326vqOitaSFYcbvejxwcGNyfwoOmK5Y4pI826v363unEQ8vhZOR6FMOpg

Elf Thesen zum Rezo-Video ‚Die Zerstörung der CDU‘

Eine gekürzte und bearbeite Fassung erschien im Druck als „Thesen und Anmerkungen zum Rezo-Video ‚Die Zerstörung der CDU‘“ in Evangelische Verantwortung (Zeitschrift des EAK der CDU/CSU) 7+8/2019: 9. Ab August im Download unter https://www.eak-cducsu.de/evangelische-verantwortung

1. Das Video von Rezo trägt erheblich zur Verrohung des deutschen Wahlkampfes bei.

Was in anderen Ländern längst Alltag ist und was uns die USA besonders unangenehm vor Augen geführt haben, nämlich Wahlkampf als Beschimpfung und moralische Infragestellung des politischen Gegners, hat Rezo nicht erfunden, aber für Deutschland auf ein neues Niveau der scheinbaren Selbstverständlichkeit gehoben. Wer diese Verrohung verhindern will, muss intensiv über das Rezo-Video diskutieren.
Der in dieser Sache sicher unverdächtige Spiegel legte in einem Faktencheck eine lange Liste von falschen Aussagen vor und findet „zu viel Angriffsfläche und zu viele belegbare Faktenfehler“. Trump hat zwar gezeigt, dass man mit oder wenigstens trotz Fakenews Wahlen gewinnen kann, aber keine demokratische Partei sollte über die Entwicklung für Deutschland erfreut sein, auch wenn sie momentan zufällig davon profitiert.

2. Wenn die Partei Die Grünen nichts mit dem Video zu tun hatte, hätten sie sich deutlich vom Stil des Videos von Rezo und von falschen Aussagen über ihre Partei distanzieren müssen.
Die Grünen haben das Video nach eigenen Aussagen nicht vorab gekannt. Rezo fordert auf, CDU, CSU, SPD, AfD und FDP nicht zu wählen, stattdessen empfiehlt er persönlich das Wählen der Grünen (ebenso noch deutlicher die 90 Blogger, die sich ihm anschlossen). Die Grünen haben sich aber von keinem Element des Videos distanziert, weder von dem beschimpfenden Stil noch von etlichen Falschaussagen über ihre Partei, etwa von der Aussage, die Grünen wären als Regierungspartei noch nie an einem Krieg beteiligt gewesen (Stichwort ‚Kosovo‘).
3. Wenn Populismus beinhaltet, dass einer behauptet, in Wahrheit für alle oder für die schweigende Mehrheit – hier der Jugend – zu sprechen, dann ist das Video von Rezo populistisch.
Dies gilt umso mehr für die anschließende Kampagne und die Medienberichterstattung. Denn selbst wenn man einmal davon ausgeht, dass Rezo für das Drittel der Jungwähler spricht, die eine Woche später Die Grünen gewählt haben, spricht er nicht für die anderen zwei Drittel. Diese Anderen erwähnt Rezo aber nur als Negativfolie.
4. Rezos Video ist populistisch, wenn zum Populismus gehört, einfache Lösungen für komplexe Probleme anzubieten.
Hier werden die Probleme dadurch gelöst, bestimmte Parteien nicht zu wählen. Ob die zum Wählen empfohlene Partei selbst nicht nur hehre Ziele hat, sondern auch gangbare Lösungen, wird ausgeblendet. Die hochkomplexe Frage, wie der Klimawandel aufzuhalten ist, wird auf das Kreuz am Wahltag reduziert.
Ganz am Ende wird mit fast religiöser Überhöhung eine Alternative aufgestellt: Entweder man kann durch das richtige Kreuz am Wahltag in einigen Jahren aufrecht und guten Gewissens sagen, man habe sich für die Rettung der Welt eingesetzt, oder man war an der Zerstörung der Welt mit schuld. Das ist Populismus pur.
5. Alle Forscher, die untersuchen, wie Demokratien zerstört werden, sehen als ein zentrales Element an, dass populistische Parteien anderen demokratischen Parteien die Existenzberechtigung absprechen und diese für alle Probleme des Landes verantwortlich machen.
Der Titel „die CDU zerstören“ bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass dieses Video ebenso in diese Reihe gehört wie etwa Donald Trump, der seinen zweiten Wahlkampf mit der Behauptung eröffnet hat, die Demokraten wollten die USA zerstören und jeder der sie wähle, habe eine Mitschuld, wenn die USA zerstört würden. Die CDU zerstört angeblich „unser Leben und unsere Zukunft“. So spricht man in einer Demokratie nicht über demokratische Mitbewerber, wenn man die Demokratie erhalten will.
Das Rezo-Video enthält nicht zufällig kein gutes Wort über Demokratien und die Pluralität der Parteien und Angebote an sich, es spricht von einer Situation, in der die meisten real existierenden Parteien am besten gar nicht existieren sollten.
6. Rezo ist ein normaler Erwachsener, der im Guten wie im Schlechten wie jeder anderer am politischen Betrieb Beteiligte, jeder andere Geschäftsmann und jeder andere Medienschaffende zu beurteilen ist.
Ein 26-Jähriger mit gewaltigen Werbeeinnahmen und einer eigenen Modemarke, der von der Zerstörung einer Partei spricht, ist sicher kein aufgeregter Teenager, dem man Dinge zugesteht, die man sonst Erwachsenen nicht zugesteht.
7. Professionalität, Zeitpunkt der Veröffentlichung und die folgende Social-Media-Kampagne lassen es als sehr unwahrscheinlich erscheinen, dass ein politisch bisher wenig erfahrener Blogger hier alleine gehandelt hat.
Keiner produziert ein derartig professionell gemachtes Video eine Woche vor der Wahl aus einer Augenblicksempörung heraus. Er ist entweder selbst langfristig planender Profi oder hat sich die Kampagne von einer Werbefirma oder anderen entwerfen lassen.
8. Es besteht ein berechtigtes, öffentliches Interesse daran, zu fragen, ob und wer das Drehbuch geschrieben hat und das Video und die darauf folgende Kampagne orchestriert und finanziert hat.
Das Video ist natürlich rechtlich keine direkte Wahlkampf- oder Parteienfinanzierung, aber wenn eine Wahlempfehlung für die Partei Die Grünen damit gekoppelt ist, die CDU zu zerstören und mehrere im Bundestag vertretene Parteien nicht zu wählen, besteht ein berechtigtes öffentliches Interesse über rein rechtliche Belange hinaus, wer das finanziert hat oder anderweitig ermöglicht. Mit Verschwörungstheorien hat das nichts zu tun. Im Falle von Rezo wird das berechtigte Interesse, wer sich hier so wirksam in den Wahlkampf einschaltet – das etwa genauso für die Finanzierung der AfD gilt – in der Mediendiskussion oft damit unterlaufen, dass angeblich ein junger Blogger anderen Spielregeln unterworfen sei. Warum eigentlich?
Es darf schon stutzig machen, dass ursprünglich das Impressum von Rezos Youtubekanal Tube One Networks GmbH als viSdP und Produzenten auswies und Rezo gar nicht erwähnte. Erst seit kurzem wurde das Impressum ergänzt. Jetzt steht vorneweg jeweils „Rezo c/o“. Tube One gehört zur STRÖER Content Group, Köln, die mit 12.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,6 Milliarden erwirtschaftet. Dazu gehört auch die Plattform t-online.de, die Rezo fortlaufend als Helden gefeiert hat. Das müsste das Interesse investigativer Journalisten wecken.
9. Nach Hintergründen zu fragen, hat nichts mit Verboten zu tun.
Wäre es umgekehrt gewesen und ein Video „Die Grünen zerstören“ enthielte eine Wahlempfehlung für die CDU, würden die Medien intensiv nach den Hintergründen forschen, ein großes öffentliches Interesse geltend machen und auch sonst anders reagieren.
10. Nur Blogger können Bloggern Paroli bieten.
Wir brauchen dringend dieselbe breite politische Debatte unter Bloggern wie in anderen Bereichen der Gesellschaft. Alle demokratischen Parteien sollten im Web gleichermaßen unterwegs sein und diese Form der Kommunikation voll und ganz ernst nehmen.
11. CDU und CSU haben über weite Strecken das enorme Potential der sozialen Medien für den Wahlkampf, das Obama und Trump, aber auch die Brexitabstimmung erfolgreich genutzt haben, noch nicht wirklich verstanden.
Die Zukunft der CDU und der CSU wird sich deswegen auch daran entscheiden, ob es ihr gelingt, viele junge Blogger für ihre Sache zu gewinnen und durch sie zu beweisen, dass man ähnliche Kampagnen wie Rezo auch ohne eine lange Liste von Fakenews und ohne die üble Beschimpfung Anderer durchziehen kann. Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Stellvertretender Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA)
https://www.thomasschirrmacher.info/blog/elf-thesen-zum-rezo-video-die-zerstoerung-der-cdu/?fbclid=IwAR02XVYjal1C-wL-XYwKZTQbZ0_CwO5GAP12RztxpL-79wPAIXmpFtd24X8