Input: 20 Fakten über das Leben von Karl Marx

Der bedeutende Historiker Paul Johnson über Marx (in Intellectuals, S. 52-81):
Passendes Buch:

 

a) Werk

  • «Wissenschaftlich» war die stärkste Ausdrucksweise, um sich von seinen vielen Feinden abzusetzen.
  • Sein gesamtes Werk trägt die Kennzeichen einer Studie des Talmud: Es ist im Wesentlichen ein Kommentar, eine Kritik am Werk anderer in seinem Feld.
  • Der Poet in Marx war wichtiger als gemeinhin angenommen wird. … Marx war, kurz gesagt, ein eschatologischer Autor vom Anfang bis zum Ende.
  • Für Marx war die Planung, selbst das Schreiben eines bedeutenden Buches nicht nur schwierig, sondern eine Unmöglichkeit. Sogar Das Kapital besteht aus einer Serie zusammengeschweisster Essays ohne echte Form.
  • Seine grösste Gabe war der polemische Journalismus.
  • Journalistische Aphorismen sind die Highlights seines Werks, akademischer Jargon sein Ballast.
  • Marx’ Erklärung darüber, was an der Welt falsch ist, kann man als eine Mischung aus Studenten-Café-Antisemitismus (seiner Tage) und Rousseau zusammenfassen.
  • Marx schaffte es selbst beim Politisieren von Ereignissen philosophischen Jargon zu benützen.
  • Marx hatte eine ambivalente Haltung zu Fakten, so wie er sie zu Hegels Philosophie hatte.
  • Er war unwillig die Arbeitsbedingungen der Industrie aus erster Hand zu untersuchen – warum sollte er auch?
  • Er verwendete Erst- und Zweithandquellen mit grosser Nachlässigkeit. … (Man kann von einem) systematischen Missbrauch von Quellen (sprechen).

b) Person

  • Der Unterton von Gewalt innerhalb des Marxismus war eine Projektion des Mannes selbst.
  • Marx stritt sich mit jedem, mit dem er sich verband.
  • Viel Zeit verwendete er dafür, Dossiers über seine politischen Rivalen und Feinde zu sammeln.
  • Er tendierte dazu zu denken, dass moralische Gesetze auf ihn keine Anwendung finden würden.
  • Er führte ein ungesundes Leben: Wenig Bewegung, Verschlingen von scharfem Essen in grossen Mengen, starkes Rauchen, häufiges Trinken. Er wusch sich selten.
  • (Ein britischer Gesandter in Berlin um 1850) Er hat keinen geregelten Tagesablauf, liegt oft mittags bekleidet auf dem Sofa. Es gibt kein sauberes und solides Stück im Haushalt.
  • Zentral für seinen dauernden Hass und seine Frustration war sein inkompetenter Umgang mit Geld.
  • Er nahm jeden Menschen in seinem Umfeld aus, vorab seine Familie und seinen Freund Engels (von dessen Einkünften mehr als die Hälfte an Marx ging).
  • Er beutete seine Töchter aus; alle drei hatten enorme Probleme mit Männern. Die zwei Töchter nahmen sich als Erwachsene das Leben. Zudem hatte Marx (höchstwahrscheinlich) eine uneheliche Beziehung zur Hausangestellten, die der Familie lebenslang diente. Den Sohn aus dieser Beziehung sah er lebenslang nie.

    Veröffentlicht am

    https://hanniel.ch/2020/06/15/input-20-fakten-ueber-das-leben-von-karl-marx/

Was wir aus Entkehrungsgeschichten lernen können

Die Musikerin Alisa Childers hinterfragt die Entkehrungsgeschichten der prominenten Komödianten Ricky Schröder und Ralph Macchio und zeigt, dass nicht die Argumente, sondern die medialen Vermarktungen zählen.

Nachdem er das Christentum auseinandergenommen hatte, hatte Rhett allerdings keine glaubhafte Alternative zur Erklärung der Wirklichkeit anzubieten. Er sprang quasi nicht vom christlichen Boot in ein anderes, sondern in ein „Meer der Ungewissheit“. An die Stelle seines Christseins sind nun, nach seinen eigenen Worten, „Offenheit und Neugierde“ getreten. Er beschreibt, wie befreiend das Loslassen des „Appetits auf Gewissheit“ gewesen sei. Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgangen sein, dass Rhett einfach die eine Weltanschauung durch eine andere ersetzt hat, namentlich das Christentum durch die Postmodernität mit all ihrer Skepsis, der Ablehnung absoluter Werte und ihrem Relativismus.

Hier: www.evangelium21.net.

Was wir aus Entkehrungsgeschichten lernen können


https://www.evangelium21.net/media/2078/die-geschichte-einer-glaubensabkehr-auf-dem-pruefstand

Abschied von den Superfrommen

In der ZEIT beschreibt ein junger Mann unter dem Pseudonym Samuel seine Entkehrung vom superfrommen Glauben der Baptisten. Alte Klamotten. Zwar begründet Samuel seine Abwendung vom Glauben und der Gemeinde mit der wissenschaftlichen Vernunft, tatsächlich scheinen es vor allem emotionale Gründe und eine defizitäre Glaubenslehre gewesen zu sein, die ihn in den Zweifel geführt haben:
Meine Abwendung vom Glauben hat viel damit zu tun, dass ich mich wissenschaftlich und rational damit beschäftigt habe. An der Uni bin ich Argumenten von Muslimen begegnet, die ich genau so fünf Jahre vorher auch noch gebracht hätte. Ich habe gemerkt, dass religiöses Denken immer gleich ist, unabhängig davon, an welchen Gott jemand glaubt.
Im Studium haben wir auch diskutiert, wie heilige Texte entstehen. Ich habe zum Beispiel den Koran kulturwissenschaftlich betrachtet, nicht als heiliges Buch. Erst dadurch wurde mir klar, dass man genau so auch auf die Bibel gucken muss. Ich konnte die Bibel einfach nicht mehr als Wort Gottes verstehen.
Heute würde ich sagen, ich bin Agnostiker. Ich glaube nicht, dass sich die Frage, ob es einen Gott gibt, eindeutig beantworten lässt. Über diese Entwicklung habe ich vor allem mit meiner Frau gesprochen. Sie hat auch an ihrem Glauben gezweifelt. Aber aus anderen Gründen. Bei ihr war es eher etwas Zwischenmenschliches. Sie konnte es zum Beispiel nicht mit ihrem Glauben zusammenbringen, dass Gott Menschen dafür verurteilt, wen sie lieben.
Ich war dann derjenige von uns beiden, der zuerst gesagt hat: Ich kann mich nicht mehr als Christ bezeichnen. Meine Frau und ich sind diesen Weg zusammen gegangen. Vor zwei Jahren haben wir uns trotzdem getrennt. Für meine Eltern ist das die Folge davon, dass wir aus der Kirche ausgetreten sind. Ein einfacher Kausalzusammenhang: Weil wir keine Beziehung mehr zu Gott mehr, löst sich auch unsere Beziehung auf. Für uns ist das eine andere Logik: Wenn wir nicht mehr zusammen glücklich sind, dann trennen wir uns halt.
Mein Leben ist viel individualistischer, seit ich nicht mehr Teil der Gemeinde bin. Ich treffe Entscheidungen nicht mehr im Kollektiv. Gott oder die Beziehung zu Gott fehlt mir überhaupt nicht.
Warum verweise ich überhaupt auf den Beitrag? Aus zwei Gründen. Einmal gibt es die Möglichkeit, sich bei der ZEIT mit konstruktiven und herausfordernden Kommentaren zu Wort zu melden. Darüber hinaus gehört der Beitrag zu der Serie „Jung und Gott“, in der junge Leser (zu denen ich nicht mehr gehöre) sich zum Thema „Glauben“ melden können. Das wäre doch mal eine schöne Übung für Christen, die gern Rechenschaft über ihre Hoffnung ablegen!
Hier der Link:www.zeit.de.
Veröffentlicht am 14. August, 2017 https://theoblog.de/abschied-von-den-superfrommen/30625/

In Drei Generationen…

  1. Die erste Generation verkündigt das Evangelium.
  2. Die zweite Generation setzt das Evangelium voraus.
  3. Die dritte Generation vergisst und leugnet das Evangelium.

DA Carson spricht oft davon, dass diese drei Stufen in der Kirchengeschichte immer wieder sichtbar sind. Er erwähnt die Mennoniten in Canada als Beispiel. Ich befürchte, viele Gemeinden sind bei Stufe 2. Irgendetwas anderes als Christus und sein Kreuz begeistert uns, und beansprucht unsere Aufmerksamkeit und Freude.

Es ist also nicht genug, das Evangelium bloß in irgendeinem Glaubensbekenntnis zu bejahen. Wenn es nicht das belebende Herz des Gemeindelebens ist, sorgen wir praktisch dafür, dass die nächsten Generationen evangeliumsfrei aufwachsen.

Der Weg zurück ist jedoch sehr einfach. Wir kehren um, und entdecken wieder, dass am Kreuz Gott seine Liebe zeigt, indem Er seinen Sohn für Sünder gibt, damit Er sie begnadigen kann. http://mehrerekanonen.blogspot.com/2020/06/in-drei-generationen.html

Aufnahmegebühr

Und wenn auch eine Art von Kasse (gemeint ist eine Gemeindekasse für die Versorgung der Bedürftigen) vorhanden ist, so wird sie nicht etwa durch eine Aufnahmegebühr, was eine Art von Verkauf der Religion wäre, gebildet, sondern jeder einzelne steuert eine mäßige Gabe bei an einem bestimmten Tage des Monats, oder wann er will, sofern er nur will und kann. Denn niemand wird dazu genötigt, sondern jeder gibt freiwillig seinen Beitrag. Das sind gleichsam die Sparpfennige der Gottseligkeit. Denn es wird nichts davon für Schmausereien und Trinkgelage oder nutzlose Fresswirtschaften ausgegeben, sondern zum Unterhalt und Begräbnis von Armen, von elternlosen Kindern ohne Vermögen, auch für bejahrte, bereits arbeitsunfähige Hausgenossen, ebenso für Schiffbrüchige, und wenn welche in den Bergwerken, auf Inseln oder in den Gefängnissen, selbstverständlich nur dann, wenn wegen der Sache der Genossenschaft Gottes diese Heimsuchung sie trifft, Versorgungsberechtigte ihres Bekenntnisses werden. Aber sogar die Ausübung dieser hohen Art von Liebe drückt uns bei gewissen Leuten ein Makel auf. „Siehe“, sagen sie, „wie sie sich untereinander lieben“ – sie selber nämlich hassen sich untereinander – und „wie einer für den ändern zu sterben bereit ist“; sie selber nämlich wären eher bereit, sich gegenseitig umzubringen. Tertullian, Apologeticum, Kap 3

Falsche Lehre

Wenn eine falsche Lehre aufkommt und die christlichen Lehrer untätig dabeisitzen und nichts tun oder davonlaufen und fliehen, haben sie die schreckliche Bezeichnung „Mietlinge“ verdient, die sich überhaupt nicht um die Herde Christi kümmern.
John Stott(1921-2011) © Die Botschaft der Apostelgeschichte / S. 481

Zwei Bücher zu dem Thema Covid bzw. Corona. Wo ist Gott in dieser Welt?: . und was ist mit COVID 19? John Lennox, Corona und Christus John Piper

Man sollte beide Büchlein hintereinander lesen: Während der eine John der Souveränität Gottes und auch der Gefallenheit der Schöpfung im Zusammenhang mit dem Leid mehr Beachtung schenkt als Lennox, widmet der andere John auch einige Gedanken der finalen Gerechtigkeit, d. h., er wird dem eschatologischen Vorbehalt jeder Annäherung an die Theodizee gerecht, und lässt den mitleidenden Gott nicht unerwähnt, den ich bei Piper vermisse. Seelsorgerlich feinfühliger und mir zugänglicher ist definitiv Lennox.

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Marcel Haldenwang

Gottesgabe oder Fluch?

Oder: Muss ein Christ auf Alkohol verzichten?
Seit vielen Jahrtausenden werden von Menschen alkoholische Getränke konsumiert. Von den Sumerern in Mesopotamien wissen wir, dass sie schon um 3000 v. Chr. große Mengen Bier herstellten und wohl über ein Drittel der Getreideernte auf die Bierproduktion verwandten. Der Alkoholgehalt dieses Getränks, das mit unseren heutigen Bieren nur wenig gemein hat, lag aber nur bei etwa 2%.
Bier war auch das bevorzugte Getränk bei den Ägyptern. Wein war dort nur der Oberschicht vorbehalten. Im Kaukasus, in Persien sowie in Israel war der vergorene Getreidesaft jedoch kaum verbreitet. Hier dominierte der Wein, weshalb der Weinanbau praktisch im gesamten AT ein Thema ist. Erst der Islam brachte die Weinkultur in Palästina zum Erliegen, denn der Koran verbietet den Gläubigen ausdrücklich den Genuss von Wein. Hochprozentige Spirituosen konsumierte man in der Antike nicht, da die Destillierung noch unbekannt war.
Die allgemeine Verbreitung alkoholischer Getränke hatte auch praktische Gründe: „Natürliche alkoholische Getränke waren über ihren Nährwert hinaus hochwertige Träger von Vitaminen und lebenswichtigen Spurenelementen und eigneten sich aufgrund der konservierenden Eigenschaften des Alkohols zur Vorratshaltung. Wegen des vergleichsweise niedrigen Gehalts an Alkohol stand dessen Wirkung als Droge nicht im Vordergrund. Es ging den Konsumenten eher um die Erfrischung mit einem Durstlöscher, der nicht leicht verdarb. Gegenüber dem oft gefährlichen Brunnenwasser besaßen alkoholische Getränke die Vorteile der geringeren Keimbelastung und des größeren Nährstoffgehalts Bier war […] der gewöhnlichste Trank der Ägypter.“ (Judith Rosta, Manfred V. Singer, Über die Kunst des rechten Alkoholgenusses – eine kleine Kulturgeschichte des Alkohols).
In Europa änderte sich daran über Jahrtausende wenig. Neben dem Brot war das Bier Hauptnahrungsmittel der breiten Bevölkerung. Bier wurde noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts als nahrhafte Stärkung für Arbeiter empfohlen, ja sogar als „hervorragendes Familiengetränk“ beworben. „Gesundheitsbier“ oder „Heilbier“ wurde auch in Apotheken vertrieben und auch Kindern angeboten.
Bis ins 19. Jahrhundert waren Alkoholika tatsächlich fast die einzig vorhandenen schmerzlindernden und betäubenden Mittel, um medizinische Eingriffe vornehmen zu können. Noch um 1900 ging man davon aus, dass eine bestimmte Menge Alkohol eine medizinisch vorbeugende Wirkung hat, wurden „Wein-Kuren“ verschrieben. Der destillierte Branntwein galt lange als Lebenselixier schlechthin, worauf Namen wie „Aqua vitae“ (lat. Wasser des Lebens), „akevitt“ oder auch „Whisky“ (nach einem gälischen Wort mit derselben Bedeutung) hinweisen. Heute wird der Alkohol in der Medizin nur noch als Desinfektions-, Einreibungs- und Kühlungsmittel, sowie natürlich zur Lösung für Medikamente in Tropfen verwendet.
„Saufteufel“ und „Gnade der Nüchternheit“
Die Geschichte des Alkohols wird natürlich auch von seinem Missbrauch begleitet. Hinweise auf Trunkenbolde finden sich schon in der ägyptischen Literatur. Der Römer Seneca: „Sobald des Weines überwältigende Kraft die Herrschaft über uns gewonnen, tritt jedes bisher verborgene Laster zu Tage.“ Martin Luther lobte in den Tischreden auf der einen Seite den Alkohol: „Unser Herrgott gönnet uns wohl, daß wir essen, trinken und fröhlich seien. Deshalb hat er auch so viele Dinge geschaffen… Der Wein hat ein Zeugnis in der Schrift…“ (730, 732) Genauso beklagte er aber auch oft den „Saufteufel“: „Denn das Beste vom Menschen vergeht mit der Trunkenheit.“ (734)
„Eine latente Trunkenheit dürfte Jahrtausende lang der Normalzustand gewesen sein“, so die oben zitierten Autoren. Wenn heute hoher Alkoholkonsum beklagt wird, so ist zu bedenken, dass früher von normalen Menschen täglich literweise Bier getrunken wurde, wenn auch mit niedrigerem Alkoholgehalt (auch der Wein z.B. der Römer hatte meist weniger Alkohol als heute). Im 19. Jahrhundert verschärfte sich das Problem, da sich der Alkohol durch Massenproduktion deutlich verbilligte und vor allem immer mehr hochprozentige Alkoholika auf den Markt kamen. Aber es erschienen nun auch echte Alternativen: Tee und Kaffee wurden im Bürgertum immer beliebter und begannen ihren Siegeszug.
Ab etwa 1800 nahmen die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Folgen des Alkohols zu. Alkoholismus wurde als Krankheit identifiziert, wobei allerdings auch die falsche Vorstellung von der Vererbung des Alkoholismus aufkam. Erstmals bildeten sich nun Abstinenzbewegungen. In Nordamerika entstanden diese meist auf protestantischem Hintergrund (Methodisten und Baptisten); in Litauen ragte Mitte des 19. Jahrhunderts Bischof Motiejus Valančius heraus, der in seinen Blaivybės Gromatos (Briefe/Schriften über die Nüchternheit) die Abstinenzbewegung seiner Zeit als großen Segen Gottes betrachtete, durch den Gott die Menschen aus der „Flut der Trunkenheit“ heraus riss.
Im 20. Jahrhundert verlor das Bier seine Rolle als Grundnahrungs- und Arzneimittel und auch als wichtigster Durstlöscher. Im Vordergrund steht heute allein das Genussmittel Alkohol. Die Wirkungsweise des Ethylalkohols oder Ethanols (chemische Formel C2H5OH) ist heute gut bekannt. Alkohol ist ein psychoaktiver Stoff, der als sog. Depressant auf das Nervensystem eine dämpfende Wirkung hat. Er wirkt toxisch, was bei Rauschzuständen offensichtlich wird, kann psychische wie körperliche Abhängigkeit auslösen. Alkohol findet sich oft nicht auf Listen von Drogen, aber natürlich ist er in Hinsicht auf die Wirkungsweise eine solche.
Bei niedrigem und mäßigem Konsum von Alkohol besteht kaum ein Gesundheitsrisiko; auch die Gefahr der Abhängigkeit ist dann sehr gering. Dennoch ist Alkohol deutlich gefährlicher als z.B. Cannabis: „Alkohol ruiniert Lebern, Hirnzellen und Ehen. Gerade angetrunkene Männer neigen zu Gewalt. Ein paar Wodkas zu viel, und friedfertige Gestalten verwandeln sich in Schläger, Vergewaltiger, sogar Mörder. Ein Drittel aller Gewaltdelikte in Deutschland wird von Tätern begangen, die durch Alkohol jede Hemmung verloren haben.“ („Der Spiegel“, 25/2015)
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt daher, täglich nicht mehr als zwei „Standarteinheiten“ (SE) zu sich zu nehmen (1 SE beträgt 10g reiner Alkohol). Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren setzt die Grenze des „moderaten“ und „risikoarmen“ Alkoholkonsums ähnlich bei 13g für Frauen (entspricht 0,3l Bier) und 20g für Männer (0,25l Wein) an. Als Mann sollte man also unter 0,5l Bier pro Tag bleiben. Ein Verbrauch von täglich 30g reinem Alkohol gilt als „Problemkonsum“, da das Suchtrisiko deutlich steigt. 5–10 Prozent der Männer und 2–5 Prozent der Frauen sind davon in den europäischen Ländern meist betroffen. In Deutschland wird geschätzt, dass 2,5% einen gefährlichen Konsum (zwischen 60 und 120g reiner Alkohol pro Tag bei Männern) und ca. 0,5 Hochkonsum (mehr als 120g) zeigen. Als alkoholabhängig gelten ca. 2,5% der Bundesbürger: in Litauen ist (bei Einschluss von Dunkelziffern) von ähnlichen und wohl höheren Zahlen auszugehen.
„Trink deinen Wein mit gutem Mut“
Kommen wir zu Sicht der Bibel. An über 250 Stellen werden in den biblischen Schriften alkoholische Getränke erwähnt. Ganz überwiegend handelt es sich dabei um Wein bzw. verdünnten Wein. Im hebräischen AT wird Wein mit den Begriffen jajin, tiro und asim bezeichnet, alle drei überschneiden sich weitgehend in ihrer Bedeutung. Im griechischen NT ist fast immer der Begriff oinos gebraucht, vereinzelt gleukos (=neuer, süßer Wein) und oxos (=Weinessig).
Wein war im antiken Israel ein Alltagsgetränk, ja sogar Grundnahrungsmittel. Traubensaft wurde in geringerem Umfang getrunken, da er sich bei den klimatischen Bedingungen im Nahen Osten nicht lange lagern ließ. Es verwundert daher nicht, dass die Bibel zuerst einmal ganz normal über Wein als Teil der täglichen Nahrung redet wie in Pred 9,7: „So geh hin und iß dein Brot mit Freunden, trink deinen Wein mit gutem Mut…“ (andere Stellen: Dt 14,26; 2 Chron 2,9; Klg 2,12; Jes 55,1).
Ausgesprochen positiv wird der Wein an einigen Stellen als erfrischend und belebend bezeichnet wie in Ps. 104,15: „daß der Wein erfreue des Menschen Herz…“ In 2 Sam 16,2 wird beschrieben, wie David Brote, Früchte und Wein zur Stärkung gebracht werden. (S. auch Gen 27,28.)
Wie bis heute war Wein natürlich auch ein Bestandteil von Feierlichkeiten. Das berühmteste biblische Beispiel ist sicher die Hochzeit zu Kana, als Jesus Wasser in Wein verwandelte (Joh 2,1–11; s. auch Gen 14,18; Est 1,7). Bemerkenswert in diesem Zusammenhang, dass Jesus den Jüngern auch eine himmlische Eucharistiefeier mit Wein ankündigte (Mt 26,29). Wein konnte auch Bestandteil des Tempelopfers sein (Ex 29,40; Lev. 23,13; Num. 28,14), hatte insofern im AT eine kultische Funktion. Allerdings wird dem Alkoholkonsum oder gar -rausch nirgendwo eine kultische Bedeutung beigemessen. Ganz anders in den heidnischen Religionen wie die Inschrift einer Tempelanlage der 18. Dynastie in Ägypten deutlich macht: „Betrinkt euch tüchtig und feiert einen schönen Tag, wie es euer Gott befohlen hat.“
Wein wurde auch aus medizinischen Gründen (im weiteren Sinne) konsumiert wie z.B. Spr 31,6 zeigt: „Gebt starkes Getränk denen, die am Umkommen sind, und Wein den betrübten Seelen“. In der bekannten Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lk 10) behandelt dieser die Wunden des Ausgeraubten mit „Öl und Wein“ (V. 34). Viel zitiert wird außerdem 1 Tim 5,23: „Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern nimm ein wenig Wein dazu um des Magens willen, weil du oft krank bist“. Welche Wirkung des Alkohols hier jeweils im Blick ist, ist schwer genauer zu sagen. Möglicherweise geht es z.B. Paulus nur um die desinfizierende Wirkung des Alkohols.
Schließlich erwähnen die Propheten des AT den Wein, um in ihren Visionen das zukünftige Heilszeitalter auf Erden zu veranschaulichen – Jes. 25,6: „Und der Herr Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mal machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.“ (S. auch Joel 4,18; Amos 9,13)
„Sauft euch nicht voll Wein“
Neben diesen neutralen bzw. positiven Aussagen zum Wein finden sich in der Bibel aber auch eine Vielzahl von Warnungen vor einem zu hohen Alkoholgenuss, vor Sauferei. Im AT nimmt besonders Jesaja kein Blatt vor den Mund: „Weh denen, die morgens früh auf sind, dem Saufen nachzugehen, und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitzt“ (5,11); „Weh denen, die Helden sind, Wein zu saufen, und wackere Männer, Rauschtrank zu mischen“ (5,22). Scharf verurteilt er die Führer des Volks in Samaria und Jerusalem (Kap 28): „Aber auch diese sind vom Wein so toll geworden und taumeln von starkem Getränk… sie sind toll beim Weissagen und wanken beim Rechtsprechen“ (V. 7). Im Buch der Sprüche finden sich ebenfalls klare Warnungen: „Der Wein macht Spötter, und starkes Getränk macht wild; wer davon taumelt, wird niemals weise“ (20,1). (S. auch 23,20–21.30–31; 31,4–5). Zu hoher Alkoholkonsum beeinträchtigt das Urteilsvermögen und führt so zu törichten Entscheidungen (Est 1,10) bis hin zum Mord (2 Sam 13,28–29).
Im NT ist Paulus Warnung in Eph 5,18 am bekanntesten: „Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern laßt euch vom Geist erfüllen“. In 1 Tim 3,8 wird als Qualifikation für einen Diakon genannt „kein Säufer“ zu sein. In Tit 2,3 warnt Paulus die älteren Frauen (!) davor, sich „nicht dem Trunk“ zu ergeben. (S. auch Röm 13,13).
Es ist zu beachten, dass aus diesen Warnungen nicht zu viel abgeleitet wird. Deimantas Karvelis schreibt in „Konkurrent des Heiligen Geistes – geschichtliche und theologische Spuren des Weins im Christentum“ („Šventosios Dvasios konkurentas – Istoriniai ir teologiniai vyno krikščionybėje pėdsakai“, http://www.btz.lt): „Der einzig erlaubte Gebrauch ist für medizinische Zwecke (Lk 10, 34; 1 Tim 5, 23).“ Auf dem Hintergrund der gesamten biblischen Botschaft kann jedoch keinesfalls behauptet werden, der medizinische Gebrauch sei der einzig gerechtfertigte. Der Historiker schreibt: „Zweifellos sollen Christen voll des Geistes leben und nicht Wein genießen (Eph 5, 18), der die Gesundheit des Körpers des Christen zerstört; und dieser Körper ist doch der Tempel des Heiligen Geistes (1 Kor 3, 17).“ Hier wird der Weinkonsum als solcher im Gegensatz zum Wirken des Geistes gesehen, was nicht biblisch zu begründen ist. Und Eph. 5,18 ist nicht vom Weinkonsum, sondern von seinem Missbrauch die Rede; es geht dort um Betrinken und nicht um Genuss.
Oft wird in Diskussionen zu diesen Fragen darauf hingewiesen, dass der Weinkonsum der Antike sich von dem heutigen unterschied (wir wiesen schon darauf hin, dass sich auch das damalige Bier ein anderes als die heutigen war). Robert H. Stein hat dazu in „Ist der ‘Wein’ des Neuen Testaments der gleiche wie in unserer Zeit?“ (Difficult Passages in the New Testament) gute Ausführungen gemacht. Er betont zuerst, dass es sich beim Wein nicht um alkoholfreien Saft handelt: „Es ist offensichtlich, dass ‘Wein’ in der Bibel nicht unvergorener Saft bedeuten kann, denn das Gebot sich nicht zu betrinken (Eph. 5,7) und viele weitere Warnungen vor falschem Weinkonsum in der Schrift (z.B. Lev 10,9; Spr 20,1; 21,17; 23,29–35) hätten überhaupt keinen Sinn, wenn sich dieses Wort auf ein nichtalkoholisches Getränk beziehen würde. Auf der anderen Seite ist auch klar, dass dies Wort nicht exakt dasselbe bezeichnet, was wir heute Wein nennen.“
Wein ist also Wein. Andererseits gilt aber auch, dass das „Wein“ genannte Getränk einen deutlich geringeren Alkoholanteil hatte, denn „vor dem Verbrauch wurde er immer verdünnt.“   Der Anteil des beigefügten Wassers konnte unterschiedlich sein, doch nur Barbaren tranken ganz unverdünnten Wein. Ein mit gleichem Anteil Wasser vermischter Wein wurde sogar als ‘starkes Getränk’ angesehen und abgelehnt. Der Begriff ‘Wein’ oder oinos bedeutete daher in der alten griechischen Welt nicht Wein, wie wir ihn kennen, sondern mit Wasser verdünnter Wein. In der Regel wurde mit Wein also ein Wein-Wasser-Gemisch bezeichnet. Wenn reiner Wein gemeint sein sollte, wurde dieser ‘unverdünnter [akratesteron] Wein’ genannt.“ Diesem Brauch folgend war auch der Abendmahlswein der frühen Kirche wohl meist verdünnt. Stein zitiert Cyprian, der um 250 für das Abendmahl verdünnten Wein vorsah.
Die Bibel hat also insgesamt eine sehr realistische Sicht des Alkohols – positive wie negative Aspekte werden gleichermaßen deutlich gesehen. Grundsätzlich ist Alkoholgenuss erlaubt, es wird jedoch deutlich zur Mäßigung geraten und vor Missbrauch gewarnt. Völlig enthaltsam lebten wohl nur die Nasiräer (Num. 6,3–4; zu den bekanntesten gehörten Samson, Samuel und später Johannes der Täufer [s. Lk 1,15]) und zeitweise die Priester (Lev 10,9). Jesus hat höchstwahrscheinlich auch selbst Wein getrunken, da man ihm sonst wohl kaum nachgesagt hätte, ein „Fresser und Weinsäufer“ zu sein (Mt 11,19). Daher ist G. Meadows zuzustimmen, wenn er schreibt: „Careful biblical interpretation requires that the choice to abstain [from alcohol] be made for reasons other than the demand of the biblical pattern“. (W. A. Elwell, Evangelical Dictionary of Biblical Theology)
Über diesen biblischen Befund sollte nicht zu schnell hinweg gegangen werden. Man beachte, dass die einzige Droge, die die Bibel ausführlicher betrachtet, nicht einfach als Übel bezeichnet wird, im Gegenteil. Grundsätzlich ist der Wein eine Gabe Gottes! Angesichts der Dämonisierung des Alkohols durch radikale Abstinenz-Anhänger sollte dies nicht vergessen werden. Aber wie alle Gaben Gottes (man denke nur an Sexualität und Reichtum) kann er missbraucht werden.
Wenn Laima Bulotaitė in Priklausomybių anatomija (Anatomie der Abhängigkeiten) den „Konsum alkoholischer Getränke“ als solche als „Übel“ bezeichnet, so ist daher klar und eindeutig zu widersprechen. Sie meint, man müsse junge Menschen „beibringen, wie man diesem Übel widerstehen kann, so dass sie den Drogen ein klares ‘Nein’ sagen können.“ Offensichtlich gibt es in ihrer Vorstellung überhaupt keinen verantworteten, mäßigen Gebrauch von Drogen, einschließlich Alkohol. So kommt sie zu wenig hilfreichen Tipps wie diesen: „Trinken Sie nicht vor den Kindern… Trinken Sie nie mit Ihren Kindern und bieten Sie ihnen keine alkoholischen Getränke an.“ Wie sollen Heranwachsende den Umgang mit Alkohol lernen, wenn er zu einem Tabu erklärt wird? Wenn Verbrauch an sich schon ein Übel ist und man davor schützen müsse? Wie soll sich eine vernünftige Kultur des Alkoholkonsums entwickeln, wenn diese Kultur in Familien nicht entwickelt und vorgelebt wird? Hier darf man nicht von einem Extrem, der Sauferei, ins andere, der Tabuisierung und des Verheimlichens, fallen. Gegen Ende mehr dazu.
(Stichwort Verheimlichen: Ähnliches ist ja zum Rauchen zu sagen; so werden Schulen [in Litauen] zu rauchfreien Zonen erklärt, aber keiner vermag einem zu sagen, was die rauchenden Lehrer dort machen – gibt es sie etwa nicht? Halten es die vom Nikotin Abhängigen etwa 6–8 Stunden ganz ohne Droge aus? Was machen sie in der Zeit? Offensichtlich wird hier ein Konsum in den Untergrund gedrängt – und die rauchenden Schüler soll dann die Polizei aus den Treppenhäusern und Höfen der benachbarten Häuserblöcke jagen… Aber offiziell gilt das Problem als gelöst, wird in der Schule doch nicht geraucht.)
Freiwilliger Verzicht in bestimmten Situationen
Was folgt daraus für die Praxis der Kirchen heute? Hier ist an den Grundsatz zu erinnern, dass nur Gottes Gebote und sein Wort definieren, was Sünde ist, denn einzig Gott ist der Gesetzgeber und Richter (Jes 33, 22; Hbr 4, 12; Jak 4, 12). Der Kürzere Westminster-Katechismus definiert Sünde so: „Sünde ist jeder Mangel an Übereinstimmung mit dem Gesetz Gottes oder jede Übertretung desselben“ (Fr. 14). Luther: „Zuerst ist zu wissen, dass es keine guten Werke gibt als allein die, die Gott geboten hat, wie es ebenso keine Sünde gibt, als allein die, die Gott verboten hat.“ (Von den guten Werken) Die Freiheit des Gewissens darf nicht dadurch eingeschränkt werden, dass Christen Pflichten als göttliche Gebote auferlegt werden, die über Gottes Wort hinausgehen. Mit einem Wort: es darf nur das verboten werden, was Gottes Wort verbietet (und was darauf vernünftig abgeleitet werden kann), und es darf nur zur allgemeinen Pflicht gemacht werden, was Gottes Wort befiehlt. In den Berner Thesen von 1528: „Die Kirche Christi macht nicht Gesetze und Gebote ohne Gottes Wort. Deshalb binden alle Menschensatzungen, die man Kirchengebote nennt, uns nicht weiter, als sie im göttlichen Wort begründet und geboten sind.“
Wie wir sahen, verbietet die Bibel den Alkoholkonsum als solchen nicht, ja er wird ausdrücklich erlaubt, weshalb dieser nicht als Sünde bezeichnet werden darf. Abstinenz ist eine Möglichkeit, aber keine Pflicht. Eine Gemeinde hat daher auch nicht das Recht, den Mitgliedern den kompletten Alkoholverzicht (also auch im privaten Leben) vorzuschreiben. Man kann sich auf die Regel einigen, in der Gemeinde und während ihrer Veranstaltungen aus vielerlei guten Gründen auf Alkohol zu verzichten. Doch dies hat dann nur den Status einer praktischen Übereinkunft, aber nicht den eines direkten göttlichen Gebotes und darf sich nicht auf das gesamte Leben des Christen ausdehnen. Will eine Kirche vor Missbrauch warnen, empfiehlt sich eine weite Formulierung wie „schädliche Gewohnheiten, die zu Abhängigkeiten führen können, sind zu meiden“, da so die Freiheit des Einzelnen bewahrt bleibt und auch andere Drogen gleich miteingeschlossen sind.
Abschließend muss noch auf ein Argument eingegangen werden, mit dem dennoch ein weitgehendes Alkoholverbot für Christen begründet wird. Manche gestehen ein, dass die Bibel den Alkohol erlaubt und „gesetzlich“ nicht verbietet; Alkoholkonsum als solcher ist keine Sünde. Aber aus Liebe und Rücksichtnahme auf schwache Geschwister müsse heute dennoch auf Alkohol verzichtet werden. Grundlage sind die Ausführungen vom Paulus in Röm 14 und dort die Verse 17 und vor allem 21, wo es ausdrücklich heißt, es sei besser auf Wein zu verzichten, wenn dies zum Anstoß eines Bruders sei.
Im Kapitel geht es um die Starken und Schwachen im Glauben. Die Starken sind überzeugt, dass sie alles essen und trinken können; die Schwachen enthalten sich vom Fleisch und Alkohol. Beide Gruppen sind in der Gemeinde anzutreffen und müssen in Liebe miteinander umgehen. Der Schwache soll aufgenommen und nicht verachtet werden, aber umgekehrt gilt auch, dass die Schwachen den Starken nicht alle Regeln vorschreiben. Das Verhalten der Schwachen soll nicht pauschal zur allgemeinen Norm erhoben werden, schließlich macht Paulus eindeutig klar, dass im Prinzip weder Fleisch noch Wein zu verbieten sind. Wein selbst ist keinerlei Übel, denn „nichts [ist] unrein an sich selbst“ (V. 14).
An die Adresse der Starken sagt der Apostel nun aber in Vers 13: „richtet darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.“ Die beiden Substantive am Ende des Satzes geben die gr. Worte proskomma und skandalon wider. Dies ist überraschend strenge Rede, denn es geht um Hindernisse zum Glauben und um etwas, was zum Abfall vom Glauben führt. Kenneth L. Gentry: „Paulus betont, dass der Starke seine Stärke nicht missbrauchen darf, indem er den Schwachen zum Sündigen gegen sein Gewissen führt.“ (God Gave Wine)
Die Starken sollen darauf achten, dass sie die Schwachen nicht in den Unglauben und die Sünde treiben. Bedeutet das nun, dass alle Christen überall und immer ‘sicherheitshalber’ auf Alkohol verzichten müssen – man weiß ja nie, ob nicht der eine oder andere zum Sündigen verführt werden könnte. Dies macht jedoch kaum Sinn. Einmal ist zu beachten, dass in V. 21 auch das Fleisch genannt wird – sollte wir dann nicht auf allen Fleischkonsum verzichten?
Häufig wird nun auch auf 1 Kor 8,13 Bezug genommen: „Mein Bruder und meine Schwester dürfen wegen dem, was ich esse, nicht in Sünde geraten. Lieber will ich mein Leben lang auf Fleisch verzichten, als dass eines von meinen Geschwistern durch mich zu einer Sünde verführt wird.“ Wir wissen aber nun ja, dass Paulus nicht vollkommen auf Fleisch verzichtet hat. Es geht hier (was die gr. Zeitform des Aorist deutlich macht) um einen Verzicht in einer bestimmten Situation und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wie auch 1 Kor 9,22 deutlich macht, wird der Starke aus Liebe zum Schwachen hier und da schwach, lässt sich also gleichsam zum Schwachen herab. Dies aber deshalb, um den Schwache zu „gewinnen“. Dieser soll überzeugt werden, soll nicht schwach bleiben. Thomas Schirrmacher: „Paulus will offensichtlich nicht, dass die Schwachen Fleisch essen, weil sie unter Druck gesetzt oder über den Tisch gezogen wurden, sondern nur wenn und weil sie überzeugt wurden. Er will keine Christen, die blind und gegen ihre Überzeugungen handeln oder sich nur äußerlich anpassen“ (Ethik, II).
Den Starken darf also nicht vorgeschrieben werden, immer und überall auf Alkohol zu verzichten. Denn so würden die Schwachen die Gebote Gottes neu schreiben und zu sehr die christliche Freiheit einengen. Die Starken müssen aber Rücksicht nehmen und je nach Situation auf ihr Freiheit zeitweise verzichten, damit der Schwache nicht zum Handeln gegen sein Gewissen getrieben wird.
May 4, 2016 · by Holger Lahayne · in Dienste, Ethik-Buch
Der Rest des Artikel ist unter folgenden Link nachzulesen.
http://lahayne.lt/2016/05/04/gottesgabe-oder-fluch/

Wie sieht es in Indien mit Corona aus

Am Morgen des 23. April telefonierte ich mit Missionaren im indischen Bangalore. Es ging eigentlich um einen Bibelkommentar. Doch ich fragte auch, wie es in Indien mit Corona aussieht. Darauf kam ein erschütternder und ungeschminkter Bericht zur gegenwärtigen Lage in diesem Subkontinent. Hier eine Zusammenfassung:
800 Millionen sind in ihrer Existenz gefährdet. Bauarbeiter und Kinderarbeiter erfuhren kurzfristig vorher, dass der Shutdown kommt. Viele aus dem Norden Indiens, die das Geld überweisen an ihre Familien, saßen auf der Straße. Bosse der Baufirmen sollten den Tagelöhnern das Geld auszahlen, das sie bis zu diesem Zeitpunkt verdient hatten. Haben dies aber nicht getan.
Begonnen hatte der Lockdown am 25. März chaotisch: Ministerpräsident Narendra Modi hatte die Maßnahmen nur vier Stunden vor Inkrafttreten angekündigt, zahlreiche Menschen strömten daraufhin zu den Busstationen und Bahnhöfen. Darunter waren viele der mindestens 40 Millionen Arbeitsmigranten, die versuchten, zurück in ihre Heimatorte außerhalb der indischen Megastädte zu reisen.
Weil der Fernverkehr bereits eingestellt war, kehrten sie entweder aus den Massenansammlungen zurück in ihre Viertel – oder versuchten, zu Fuß ihre oft hunderte Kilometer weit entfernten Dörfer zu erreichen. Unterwegs wurden sie von Sicherheitskräften abgefangen.
Beispiel: Ein 12 jähriges Mädchen, das auf dem Bau gearbeitet hatte (was offiziell verboten ist), ging zu Fuß hunderte von Kilometern, weil keine Verkehrsmittel mehr fuhren, auch keine Rikschas mehr. Unterwegs ist sie wegen Dehydrierung und Erschöpfung, auch durch Nahrungsmangel, gestorben.
Eine Frau im Fernsehen hielt ihr Kind hoch und sagte, ich kann nicht einmal mein Kind ernähren, denn ich habe selber nichts mehr zu essen. Danach brach sie weinend zusammen.
Die Entscheidungsträger und Regierungsleute sind unglaublich hartherzig und korrupt. Nach der Vorstellung dieser Politiker und Verantwortlichen müssen diese Gestrandeten jetzt leiden, weil sie (nach hinduistischer Lehre) im vorigen Leben so schlimme Verbrechen begangen haben. Deswegen sollten wir uns nicht in ihr Karma einmischen und ihnen helfen.
So war vor Jahren ein Sonderfonds eingerichtet worden, wo 0,5 % des Gewinns der Baufirmen als Hilfe für Tagelöhner eingezahlt wurde, um Arbeitern in Krisen- oder Notsituation zu helfen. Auf diesem Hilfskonto haben sich inzwischen Milliarden von Rupies angesammelt. Also genau für so einen Fall, wie er jetzt millionenfach aktuell ist. Doch eine korrupte Regierung hat keinen Rupie ausgezahlt, sondern das Geld für die eigenen Kommunen verwendet, weil der Staat selber ziemlich pleite ist.
Die gegenwärtige Regierung ist stark hinduistisch geprägt und hasst die Moslems, Christen und Dalits. So befindet sich in der Nähe von Richardstown in Bangalore eine der stärksten Hochburgen der Moslems. Dieses fast hundertprozentige Moslemviertel hat die Polizei beinahe hermetisch abgeriegelt. Man wird an das Warschauer Ghetto erinnert. Hier besteht buchstäblich, wenn sich die Situation nicht bald ändert, der Gefahr eines explosiven Bürgerkrieges.
Offiziell ist Autofahren verboten, außer man hat einen triftigen Grund. Doch willkürlich wird den Autofahren der Wagen weggenommen. Über einen Referenzschein kann man über einen Anwalt, der gewöhnlich große Summen verschlingt, versuchen, seinen Wagen wieder zu bekommen. Das ganze System ist offensichtlich korrupt.
Im Fernsehen wurde das Interview mit dem ehemalige Finanzminister ausgestrahlt. Er wurde gefragt, ob dies die schlimmste Krise Indiens ist bzw. sein wird, seit Bestehen dieses Landes. Seine Antwort: Selbst der Schaden, hervorgerufen durch den 1. und 2. Weltkrieg und der Teilung Indiens (1947 in Indien und Pakistan), zusammengenommen, ist nur ein Hauch (shade) im Vergleich zu diesem Shutdown mit seinen millionenfachen Katastrophen. Man muss damit rechnen, das Hunderttausende bis Millionen Menschen Schaden leiden oder direkt sterben.
PS: Der Bruder erwähnte noch, dass dieses Gespräch womöglich abgehört wird. Sie mögen ihn, so meinte er, deswegen ausweisen. Offenbar wollte er seinem Herzen über all diese Gräuel und bald apokalyptischen Zustände Luft machen. Alexander Seibel.

»Wenn Sie wüßten, wie viele ich mir noch verkneife, dann würden Sie mich loben!«

Spurgeon war ein äußerst humorvoller Mensch und Prediger. Als ihm einmal jemand Vorhaltungen machte, daß er zu viele Späße in der Predigt verwende, antwortete er: »Wenn Sie wüßten, wie viele ich mir noch verkneife, dann würden Sie mich loben!« In seinem Buch »Ratschläge für Prediger« schreibt Spurgeon, daß sich manche Prediger gut zu Märtyrern eignen würden, denn »Sie sind so trocken, daß sie leicht brennen«. – na, wenn das nicht typisch britisch-makabrer Humor ist! 🙂
Einmal steht er auf der Kanzel und lässt seine Predigtschüler ganz hinten in der Kirche sitzen. Er will demonstrieren, daß man auch mit leiser Stimme bis in die hinterste Ecke zu verstehen sein muß. Er flüstert: »Brüder, wenn Ihr mich hört, dann schwenkt eure Taschentücher!« Sie tun es. Da donnert Spurgeon von der Kanzel: »Brüder, steckt sie wieder ein, sie sind dreckig!«
Spurgeon hält eine Freiversammlung. Anschließend läßt er seinen Hut herumgehen. Doch diesmal legt niemand etwas hinein. Man hat sich vorher abgesprochen, ihm einen Streich zu spielen. Die Zuhörer sind gespannt, wie er das übliche Dankgebet formuliert. Er ist verdutzt, als er in seinen Hut schaut und betet laut: „Ich danke Dir, dass mir diese geizige Bande wenigstens meinen Hut zurückgegeben hat!“
http://www.kleinode.de/spurgeons_humor.htm