Das Drama der evangelischen Kirche

Prof. Gerhard Maier fasste schon 1974 das Drama der evangelischen Kirche treffend zusammen. Leider wurde er nicht gehört – im Gegenteil: Inzwischen begegnet mir genau diese Sichtweise immer öfter auch im freikirchlichen Bereich:
„Die Exegeten können das NT nicht mehr als Einheit begreifen, sondern nur noch als Sammlung verschiedener Zeugnisse, die unter sich widersprüchlich sind … Es steht für sie fest, dass der formale Kanon nicht gleichzusetzen ist mit dem Wort Gottes. Bis heute hat die Semlersche Scheidung von Schrift und Wort Gottes unumstrittene Bedeutung. … Das feine Gewebe der historisch-kritischen Methode ergab eine neue babylonische Gefangenschaft der Kirche. Sie wurde mehr und mehr abgesperrt von dem lebendigen Strom der biblischen Verkündigung und deshalb immer unsicherer und blinder, sowohl was ihren eigenen Gang betrifft, wie auch in Beziehung auf das Wirken nach außen. … Die Vertreter der historisch-kritischen Methode sind in einen scharfen Gegensatz zu den orthodoxen Gedanken von der Klarheit und der Genügsamkeit der Schrift getreten. Sie haben die Klarheit durch den von ihnen geführten Nachweis der Widersprüchlichkeit beseitigt und die Unklarheit durch die vergebliche Suche nach einem Kanon im Kanon festgehalten und vertieft. Sie haben die Genügsamkeit der Schrift aufgehoben, indem die historisch-kritische Arbeit nötig wurde, um die Schrift zu begreifen. Soweit ihre Anschauungen sich durchsetzten, kam es zu einer Trennung von Schrift und Gemeinde. Da es bei der Schrift jedoch nicht sein Bewenden hat, sondern die Schrift uns Gott begegnen und kennenlernen lässt, ist durch die Aufhebung der Klarheit und Genügsamkeit der Schrift auch die Gewissheit des Glaubens zerstört. Ist unsicher, WO der lebendige Gott redet, dann weiß ich auch nicht mehr, WER da redet. Damit ist Vertrauen unmöglich geworden. … Es wäre ein großer Fehler, die Schuld an solcher Entwicklung der Dinge etwa im Unvermögen der METHODIKER zu suchen. Vielmehr ist es die Schuld der METHODE, die man gewählt hat. Die Methode musste scheitern, weil sie ihrem Gegenstand nicht entsprach.“ (Prof. Gerhard Maier 1974 „Das Ende der historisch-kritischen Methode“ S. 44/45)

Gottes Herrlichkeit loben

„Wenn Gott das Schönste und Größte überhaupt ist, das Wunderbare hinter allem Wunderbaren, dann bedeutet ihn zu loben und zu bewundern schlicht, ‚dass man wach ist, dass man in der wirklichen Welt angekommen ist‘“. (209)
„Ich glaube, wir loben deshalb gerne, was und Freude bereitet, weil der Lobpreis die Freude nicht nur ausdrückt, sondern vervollständigt; er ist die ihr bestimmte Vollendung“ (209, C. S. Lewis)
„Gott loben heißt, ihn anzubeten für das, was er in sich selber ist; Gott danken heißt, ihn für das zu preisen, was er getan hat.“(213)
„Verstehen sie jetzt, warum Gott Undank so ernst nimmt? Weil er bedeutet, dass wir uns der Illusion hingeben, uns geistlich selbst zu genügen. Undank bedeutet, dass wir Dinge als unsere eigene Leistung betrachten, die in Wirklichkeit Geschenke sind.“ (214)
Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016

“dass ich mir mein Leben nicht selbst sauer mache” – Ein Gebet für alle, die im Pfarrdienst stehen

Das folgende Gebet wurde um 1620 von Friedrich Balduin verfasst. Aber es bietet Anregungen, wie auch heute noch gebetet werden kann.
 O allmächtiger Gott, barmherziger himmlischer Vater, ich danke dir von Herzen, dass du mich armen unwürdigen Menschen aus lauter Gnade an diesen Ort gebracht und mir Kirche und Schule anvertraut hast. Dein heiliger Name sei dafür gelobt und gepriesen in Ewigkeit. Ich bitte dich herzlich, regiere mich stets mit deinem heiligen Geist. Gib mir Weisheit und Verstand, Einsicht, Urteilsvermögen und Gedächtnis, dass ich meinem Amt in allen Stücken – mit Predigen, Lesen, Diskutieren und Schreiben – wohl vorstehe und mich so verhalte, dass du, lieber Gott, und alle frommen Leute ein herzliches Wohlgefallen an meinem Tun und Lassen haben und durch meinen Dienst viele Menschen zur ewigen Seligkeit befördert werden. Gib Gnade, o Herr Gott, dass ich nichts Anderes lehre und selbst verwerflich werde, sondern in Lehre und Leben meinen Zuhörern in Kirche und Schule ein gutes Beispiel gebe und viele tausend Menschen zu dir führe, dass ich mit ihnen die ewige Freude und Seligkeit genießen möge. Ach lieber Herr Gott, gib mich nicht dem Willen meiner Feinde preis, errette mich aus ihren Händen. Regiere ihr Herz, dass sie friedlich und sanftmütig mit mir leben. Regiere auch mein Herz mit dem Geist des Friedens und der Einigkeit, dass auch ich mich mit jedermann friedlich und wohl vertrage, niemandem Ursache zum Zank gebe, das Unrecht mit Geduld überwinde und mir mein Leben nicht selbst sauer mache. Gib mir einen gesunden Leib. Nimm alle Beschwerungen aus meinen Gliedern. Herr unser Gott, sei du mein Arzt, lindere meine Schmerzen und wenn es dein Wille ist, nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Lebenszeit, sondern lege mir Jahre und Tage zu nach deinem Wohlgefallen. Es sei deiner Kirche und meinen Kindern zum Besten. Behüte mich vor falscher Lehre. Erhalte mein Herz bei dem Einen, dass ich deinen Namen fürchte, und bei deiner Wahrheit beständig bis an mein Ende verharre. Gib all den meinen, was uns an Seele und Leib nützlich und gut ist. Behüte uns vor Feuer und Wassersnot, vor Dieben und bösen Nachbarn, vor Krankheit und Seuchen und lass uns die Gesegneten des Herrn sein und bleiben. Gib deiner Kirche den erwünschten Frieden, wehre den Kriegen, damit wir in stiller Ruhe und Frieden, wie es Christen gebührt, unser Leben vollenden. O lieber Herr Gott, lass nicht zu, dass ein einziger meiner Zuhörer, die du in Kirche und Schule mit anvertraut hast, verloren geht! Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Lass mich mit ihnen dermaleinst in Freuden ewig leben. Das alles wollest du, o barmherziger Vater, aus Gnade tun, um das teure Verdienst und starke Vorbild deines lieben Sohnes Jesus Christus willen, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.
Aus: Erausmus Schmidt, Oratio Funebris, Wittenberg 1627
https://lutherischeslaermen.de/2020/09/25/dass-ich-mir-mein-leben-nicht-selbst-sauer-mache-ein-gebet-fuer-alle-die-im-pfarrdienst-stehen/

Baptism Testimony

I believe that God; Father, Son and Holy Spirit, has made the world and me and I did not make myself.I have rebelled against God and tried to make myself according to my ideas and desires. This self-creation cannot be sustained and so it is dead. I believe Jesus Christ has come into the world and died on the cross so I might have life again. I have accepted this new life with thanks and am resolved to live as God intends me to live with His help.
Taufzeugnis
Ich glaube, dass Gott; Vater, Sohn und Heiliger Geist, die Welt und mich erschaffen hat und ich mich nicht selbst gemacht habe.Ich habe mich gegen Gott rebelliert und versucht, mich nach meinen Vorstellungen und Wünschen zu machen. Diese Selbstkreation kann nicht aufrechterhalten werden und ist so tot.Ich glaube Jesus Christus ist in die Welt gekommen und am Kreuz gestorben, damit ich wieder Leben habe.Ich habe dieses neue Leben mit Dank angenommen und bin entschlossen, zu leben, da Gott mich beabsichtigt, mit seiner Hilfe zu leben. Ellis H.Potter

Zehn Gemeindemitglieder, die ich besonders lieben muss

Tim Challies hat einen amüsanten Text für den Gemeindealltag geschrieben. Bestimmte Kategorien von Gemeindegliedern fordern ihn nämlich besonders heraus:

  1. Die Kategorie „Untergang und Finsternis“: Diese Person neigt dazu, sich ständig darüber zu beschweren, was im Gemeindeleben vor sich geht.
  2. Die Kategorie: „Kurz davor, zu gehen“: Dieses Gemeindemitglied droht damit, dass es die Gemeinde wegen der ein oder anderen Angelegenheit verlassen werden müsse.
  3. Die Kategorie „Amateurtheologe“: Diese Person hat entweder ein umfassendes Wissen von Theologie oder glaubt zumindest, es zu haben. Dieses Wissen nutzt sie dann oft, um mit Pastoren zu diskutieren oder sie von ihrer Meinung zu überzeugen.
  4. Die Kategorie „Wusstest du schon?“: Dieses Gemeindemitglied möchte über alles in der Gemeinde „Bescheid wissen“. In Wirklichkeit ist es in jeglichen Klatsch verwickelt und zeigt sich beleidigt, wenn es nicht auf dem neuesten Stand ist.
  5. Die Kategorie „Neuaufmachung“: Diese Person taucht ungefähr alle sechs Monate auf, gibt ihr Leben Jesus ab und verschwindet dann für die nächsten sechs Monate wieder.
  6. Die Kategorie „Anwalt der Gemeindesatzung“: Diese Person kennt die Satzung der Gemeinde in- und auswendig und zitiert sie jedes Mal, wenn ihm etwas nicht gefällt.
  7. Die Kategorie „Onlinepredigten“: Dieses Mitglied schaut sich die Predigten aller anderen online an, um meine dann zu kritisieren.
  8. Die Kategorie „Nostalgie“: Diese Person kennt die Geschichte der Gemeinde in- und auswendig und sieht sich in der Verantwortung, gegen alles Neue anzukämpfen, um die Vergangenheit zu bewahren.
  9. Die Kategorie „Der unversöhnliche Heilige“: Dieser Mensch hat sich vor Jahren über etwas geärgert und weigert sich, es loszulassen. Wenn er darauf angesprochen wird, findet er immer einen geistlich erscheinenden Vorwand, um seinen Groll zu rechtfertigen.
  10. Die Kategorie „Auszeit“: Egal, was man tut, dieses Mitglied weigert sich vehement, in der Gemeinde zu dienen. Es sagt Dinge wie: „Ich habe meine Pflicht bereits in der Vergangenheit erfüllt.“

„Ein Hirte weiß genau, dass er die Schafe nicht hütet, weil es Spaß macht, Schafe zu hüten. Vielmehr kümmert er sich um die Schafe, weil sein Meister, der wahre Hirte, ihn dazu berufen hat.“
Mehr hier: www.evangelium21.net.
https://theoblog.de/zehn-gemeindemitglieder-die-ich-besonders-lieben-muss/35700/

Warum ich die gewöhnliche Gemeinde liebe

Ich gehöre zu einer ganz gewöhnlichen Gemeinde. Mit um die 100 Mitgliedern ist sie nicht besonders groß. Unsere Gemeinde ist logischerweise auch (über unsere Stadt hinaus) nicht bekannt. Wir sind keine Trend-Gemeinde, die Christen aus anderen Städten (oder gar Ländern) besuchen und sich zum Vorbild nehmen. Über unsere Gemeinde hat auch noch nie jemand ein Buch oder auch nur einen Zeitschriftenartikel verfasst. Wir sind auch keine besonders innovative Gemeinde, die irgendetwas noch nie dagewesenes machen würde. Und unser Gemeindehaus ist auch weder besonders hübsch noch beeindruckend groß. Nein, Gemeinden ähnlich der unseren gibt es Hunderte in ganz Deutschland.
Und doch bin ich sehr gerne Teil (und Pastor) dieser Gemeinde. Ja, ich liebe meine Gemeinde. Ich liebe generell die gewöhnliche Gemeinde. Und dafür gibt es gute Gründe:
Hier leben Menschen den Glauben
Hier in ganz gewöhnlichen Gemeinden leben Christen ihren Glauben. Hier geschieht Jüngerschaft. Hier wird sich gegenseitig unterstützt und geholfen. Hier erleben Menschen Ermutigung aber auch Korrektur. In ganz gewöhnlichen Gemeinden wie bei uns kommen Menschen zusammen, um Gottesdienst zu feiern und die Bibel zu lesen. Man trifft sich, um miteinander zu beten und sich über den Glauben auszutauschen. Kurz gesagt: in gewöhnlichen Gemeinden steckt eine ganze Menge vitales geistliches Leben!
Hier wird Gottes Wort verkündigt
In ganz gewöhnlichen Gemeinden wird aber auch das Wort Gottes verkündigt. Das Wort, von dem der Herr sagt, dass es so kräftig ist, „wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt“ (Jer 23,29). Den gewöhnlichen Gemeinden mag manches fehlen, aber mit dem verkündigten Wort Gottes haben sie das wertvollste Pfund überhaupt, mit dem sie wuchern können. In gewöhnlichen Gemeinden an allen Orten gibt es auch viele völlig gewöhnliche Prediger, die sich Woche für Woche größte Mühe geben, dieses Wort zu verkündigen. Damit tragen gerade die gewöhnlichen Gemeinden dazu bei, dass das Wort Gottes in das ganze Land hinausgeht: in einzelne Stadtteile größerer Städte genauso wie in die vielen Kleinstädte und eher provinziellen Gegenden unseres Landes. Ja, gewöhnliche Gemeinden – die über das ganze Land verstreut sind – sind im Grunde wichtige Missionsstationen in unserem Land.
Hier wirkt der allmächtige Gott
Mancher mag es vielleicht nicht glauben, aber ja, auch in ganz gewöhnlichen Gemeinden wirkt der allmächtige Gott. Auch hier finden Menschen, die nichts von Gott wissen wollten, zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Auch hier werden Menschen so verändert, dass sie schlechte Eigenschaften ablegen können. Auch in gewöhnlichen Gemeinden werden Gebete erhört und Menschen reifen in ihrem Glauben. Warum? Weil auch in gewöhnlichen Gemeinden der allmächtige Gott durch seinen Geist wirkt!
Auch sie sind Braut Christ
Das NT bezeichnet die Gemeinde Jesu Christi als seine Braut. Auch gewöhnliche Gemeinden gehören dazu. Interessant ist doch, dass Paulus gerade über die Gemeinde in Korinth zu solchen Worten greift: „Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch verlobt mit einem einzigen Mann, damit ich Christus eine reine Jungfrau zuführte.“ (2Kor 11,2). Auch die schwierige Gemeinde von Korinth ist Braut Christi und damit in Gottes Augen von sehr großem Wert. Wie viel mehr gilt das dann für die vielen gewöhnlichen Gemeinden unserer Tage, auf die manche Christen so verächtlich herabblicken.
Wie denken wir über die gewöhnlichen Gemeinden?
Ja, gewöhnliche Gemeinden haben natürlich ihre Schwächen. Manche sind in bestimmten Traditionen zu sehr verhaftet. Andere haben wenig personelle und finanzielle Ressourcen ein breites Gemeindeleben anzubieten. Wieder andere kreisen zu sehr um sich selbst oder sind zu abhängig von einzelnen Mitgliedern und hipp und modern sind gewöhnliche Gemeinden natürlich überhaupt nicht… Und natürlich gibt es noch ganz andere Baustellen.
Und dennoch: es ist wichtig und ein großer Segen, dass es so viele gewöhnliche Gemeinden gibt! Wenn du zu so einer Gemeinde gehörst, dann schätze sie, fördere sie und sei dankbar für deine Gemeinde! Und wenn du zu einer anderen – nicht ganz so gewöhnlichen Gemeinde gehörst – dann hüte dich vor Hochmut und geistlicher Arroganz diesen gewöhnlichen Gemeinden gegenüber.
Veröffentlicht am 22. Februar 2019 von Wolfram Wobig
Warum ich die gewöhnliche Gemeinde liebe