Was bedeutet es für die Religionsfreiheit, wenn Christen, Muslime oder Menschen anderen Glaubens aus vermeintlichen Toleranzgründen keinen Wahrheitsanspruch für ihre Religion erheben dürfen?

Der Vorwurf der Intoleranz ist eine Gefahr für die Religionsfreiheit heute. Denn Religions- oder Meinungsfreiheit heißt ja: Jede Meinung und jeder Widerspruch dürfen geäußert werden. Der eine sagt, der Islam hat recht, dann darf jeder sagen, der Islam hat unrecht. Ich darf sagen, das Christentum ist wahr, und jeder darf sagen, das Christentum ist nicht wahr. Der Postmodernismus löst das auf und damit die Religionsfreiheit gleich mit. Das geht so: Wenn ich dem Moslem sage, dass er irrt, dann ist das laut den Postmodernisten eine gewalttätige Tat und muss verboten werden. In diese Richtung gehen tatsächlich schon Gesetzesentwürfe in Brüssel, die besagen, man darf anderen Religionen nicht widersprechen. Weil man diese Grenze zwischen Meinungsäußerung und wirklicher Gewalt- oder Unrechtstat aufgelöst hat, verlieren wir die Meinungs- und die Religionsfreiheit. Brüssel geht ganz klar in diese Richtung. Das ist politisch dramatisch und wird, wenn es so weitergeht, zu erheblichen Bedrängnissen führen.
https://www.bibelundbekenntnis.de/stellungnahmen/interview-von-pro-mit-daniel-von-wachter/

So ist Gott

Während der Jahre seines öffentlichen Wirkens fragten die Jünger ihn immer wieder: „Jesus, wann wirst du die Macht ergreifen? Wann hörst du auf, dich mit den einfachen Leuten abzugeben? Fang doch endlich an, eine Organisation aufzubauen und Spenden zu sammeln! Sollten wir nicht ein Büro anmieten? Wann ist die Gründungsversammlung? Wann haben wir den ersten Fernsehauftritt?“ Statt zu antworten, diente Jesus den Armen, ließ sich foltern und hinrichten. Nach seinem Tod begegnete er zuerst den Frauen, obwohl Frauen in der damaligen Gesellschaft eine sehr niedrige Stellung hatten. Jesus errettete uns nicht dadurch, dass er seine Muskeln spielen ließ, sondern indem er Schwäche und Bedürftigkeit an den Tag legte. Jesus machte die Erlösung möglich durch Hingabe, Dienstbereitschaft, Opfer und Tod. Die große Botschaft der Bibel lautet: „Gott hat sich vielmehr in der Welt die Einfältigen und Machtlosen ausgesucht, um die Klugen und Mächtigen zu demütigen. Er hat sich die Geringen und Verachteten ausgesucht, die nichts gelten, denn er wollte die zu nichts machen, die in der Welt etwas sind“ (1. Korinther 1,26–28). Er wählt auch heute noch diejenigen aus, die machtlos und gering sind, verachtet werden und nichts gelten. Damit beschämt er alle, die stark und klug sind. So ist Gott
Timothy Keller Zitat aus: „Es ist nicht alles Gott, was glänzt“ (S. 130), 2011, Gerth Medien GmbH, Asslar

Wann ist die Ehe (aus christlicher Sicht) geschlossen?

Viktor Janke

Die Ausgangsfrage ist: “Wann ist eine Ehe (aus christlicher Sicht) geschlossen?” 

Manche Christen haben merkwürdige Vorstellungen vom Eheschluss. Sie meinen die Ehe sei erst geschlossen, wenn…

  • man kirchlich getraut ist.
  • man verlobt ist.
  • man Sex miteinander hatte.

Doch wann ist man vor Gott verheiratet?

Kurzantwort: Die Ehe wird in Deutschland öffentlich-rechtlich in Form einer Trauung durch das Standesamt vollzogen. Zudem kann sich ein Paar kirchlich vor Gott und Zeugen unter den Segen Gottes stellen.

Ausführung:
1. Eine Ehe wird in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich geschlossen. Gott hat uns diesbezüglich keine Vorgaben gemacht. Entscheidend ist die Willensbekundung zur gemeinsamen Ehe vor Zeugen. In Deutschland gilt man als verheiratet, wenn man sich im Standesamt vor Zeugen einschreibt.

2. Die durch das Standesamt vollzogene Ehe ist vor Gott und Menschen gültig. Gott erkennt soziale Ordnungen an und will, dass auch wir uns menschlichen Ordnungen fügen (1Petr 2,13-14) – in unserem Fall den deutschen Gesetzen.1

3. Die kirchliche Trauung ist die Bestätigung des rechtlich geschlossenen Ehestandes im gegenseitigen Versprechen der Treue vor Gott mit anschließender Segnung der Ehe.

4. Seit 2009 kann man kirchlich heiraten, ohne vorher beim Standesamt die Ehe geschlossen zu haben.2 Aber die kirchliche Trauung allein enthält keinerlei öffentlich-rechtliche Verbindlichkeit oder Rechtsanspruch.3 Christen sollten, um der gesellschaftlichen Ordnung willen, doch den Weg über das Standesamt und die kirchliche Trauung gehen.4

5. Der Geschlechtsverkehr von Mann und Frau macht diese ebensowenig zu Ehemann und Ehefrau, wie die Einnahme des Abendmahls jemanden zu einem Christen macht. Die Sexualität gehört in die Ehe (1Kor 7). Sie ersetzt aber keine Hochzeit/Trauung. Bei vorehelichem Sex sollte geheiratet werden – aber beide Dinge werden unterschieden (2Mos 22,15).

6. Die Verlobung ist eine verbindliche Übereinkunft zwischen zwei Personen, dass sie heiraten wollen. Trotz der hohen Bedeutung der Verlobung in manchen Kulturen (z.B. im Judentum), wurde sie nicht der Hochzeit gleichgestellt. Das Vorhaben des verlobten Josefs, die schwangere Maria zu verlassen (Mt 1,19), zeigt, dass eine Verlobung nicht die Rechte der Ehe beinhaltete (miteinander schlafen) und auch aufgelöst werden konnte.

Ich würde mich über Korrektur, Ergänzung oder ehrliche Fragen freuen. —————————————————-
Fußnoten:

  1. 1Petr 2,13-14 Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem König als dem Obersten  14 oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt sind zur Bestrafung der Übeltäter und zum Lob derer, die Gutes tun. []
  2. Im Personenstandsgesetz (PStG) §67a war es bis Ende 2008 verboten ohne standesamtliche Trauung kirchlich zu heiraten. Seit dem 1. Januar 2009 ist dieses Verbot aufgehoben. []
  3. Laut § 1310 BGB ist dieser nur in einer standesamtlichen Eheschließung begründet. Aus der der Sicht des staatlichen Rechtes werden nur kirchlich getraute Eheleute als eine nichteheliche Partnerschaft gesehen. Das staatliche Eherecht ist darauf nicht anwendbar. []
  4. Ausnahmen könnte man z.B. bei einem Witwer und einer Witwe machen, die dadurch ihre finanzielle Versorgung verlieren könnten. []
    http://www.lgvgh.de/wp/wann-ist-die-ehe-aus-christlicher-sicht-geschlossen/3137

Wiederheirat erlaubt?

Mancher lernt sich auch nach einer Trennung wieder lieben und das ist durchaus erfreulich. Leider zerbrechen jedes Jahr tausende von Ehen, auch in Gemeinden. In manchen Fällen öffnet sich ein Paar und Gott lässt neue Liebe entstehen wo vorher nur noch Hass oder Unverständnis war. Die beiden können einander vergeben und man setzt die verloren geglaubte Beziehung fort. Es ist schön, wenn das ehemals zerstritten Paar dann erneut heiratet.Doch ist das biblisch überhaupt erlaubt? Immerhin verbietet Mose einem Mann die Frau erneut zu heiraten, von der er sich einmal geschieden hat (5.Mose 24, 1-4).Die Scheidungsregeln im 5.Mose sind speziell für das Volk Israel konzipiert. Die Warnung, nicht wieder heiraten zu dürfen, sollte dazu beitragen sich nicht zu schnell, aus nebensächlichen Gründen zu trennen. Die Konsequenz der Scheidung sollte deutlich erhöht werden, um nicht jeden Ehestreit mit einer zeitweiligen Trennung zu beenden.Im Neuen Testament macht Jesus deutlich, dass die Ehe eigentlich dauerhaft besteht (Mt 19, 6). Nur um bei den Israeliten ein vollkommenes Chaos zu verhüten, hatte Mose gewisse Scheidungsregeln zugelassen (Mt 19, 8). In diesem Sinne ist auch ein geschiedenes Paar aus Gottes Sicht eigentlich noch weiter verheiratet, sodass sie bei einer erneuten Heirat vor Gott nicht ein zweites Mal heiraten, sondern nur wieder zusammenkommen.
Ich habe den Eindruck, dass das Neue Testament in dieser Hinsicht recht eindeutig ist. Wiederheirat nach Scheidung ist nicht von Gott gewollt. So meint Jeus das wohl auch, wenn er in Mt 19, 9 sagt, dass jeder der nach einer Scheidung heiratet damit Ehebruch begeht. In Gottes Augen ist die Ehe eigentlich ein Bund für das ganze Leben. Deshalb gilt die Ehe auch nach der offiziellen Scheidung. In diese Richtung spricht: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Mt 19, 6). Dort wird argumentiert, dass beide ja zwischenzeitlich „ein Fleisch“ geworden sind, das man nicht einfach wieder trennen kann. Das ist eine Aussage für alle Ehen, nicht nur für die besonders guten. Michael Kotsch

Der Götze des Erfolgs

Anders als andere Götzen verleiht uns der Erfolg zunächst das Gefühl, wir wären wie Gott, denn unsere Sicherheit und unser Wert kommen aus uns selbst, sind auf unsere Fähigkeiten, unsere Weisheit, Kraft und Begabung zurückzuführen. Der Erfolgreiche ist in seiner Disziplin besser als die anderen, er hat alle anderen übertroffen und ist an der Spitze, er ist die Nummer eins.
Das trügerische Gefühl der Sicherheit ist ein Hinweis darauf, dass der Erfolg den Stellenwert eines Götzen eingenommen hat.
Wer seinen Erfolg zum Gott erhebt und erwartet, dass ihm nichts geschehen kann, der wiegt sich in einer falschen Sicherheit . Nur Gott kann wahre Sicherheit schenken.
Es ist nicht alles GOTT was glänzt Timothy Keller Seite 108-019

Was ist ein Götze?

Götzendienst unter Christen gibt es nicht, meinst du vielleicht.
Niemand hat zu Hause ein goldenes Kalb stehen, das er anbetet.
Einen Götzen erkennt man daran, dass einem das Leben ohne ihn sinnlos vorkäme.
Das kann alles Mögliche sein: Reichtum, Erfolg, Anerkennung, der Ehepartner, Macht, die eigene politische Überzeugung etc. Ein Götze ist „die bewusste Überzeugung, dass man etwas Bestimmtes haben muss, um glücklich sein zu können, etwas das wichtiger ist als Gott.“
Götzen werden früher oder später unser Leben vergiften, weil sie den Maßstab dafür, was Erfolg, Versagen, Glück und Trauer ist, verfälschen. Und weil sie nie halten können, was sie versprechen.
„In jeder Kultur, in der man versucht, ohne Gott auszukommen, werden Sex, Geld und Politik die Leere ausfüllen, die die Menschen im tiefsten Inneren quält“.
„Hätten wir gelernt, richtig in unseren Herzen zu lesen, dann wüßten wir, daß in uns ein Verlangen, ein heftiges Verlangen ist, das durch nichts in dieser Welt gestillt werden kann. Es gibt vieles auf dieser Erde, das ihm gerecht zu werden scheint, aber es bleibt immer ein Rest von Enttäuschung.  Die Sehnsucht, die uns ergreift, wenn wir uns zum erstenmal verlieben, wenn wir an ferne Ländern denken oder am Anfang eines interessanten Studiums stehen, wird durch keine Ehe, keine Reise und kein Studium wirklich gestillt. Ich spreche hier nicht von unglücklichen Ehen, verpfuschten Ferien oder verpatzten Karrieren, nein, ich spreche von den besten, die es geben kann. Da war etwas; und im ersten Erwachen der Sehnsucht wollten wir danach greifen und es festhalten. Doch immer wieder entgleitet es unseren Händen. Ich denke, jedermann weiß aus eigener Erfahrung, wovon ich rede. Die Gattin mag eine vorzügliche Frau, das Hotel und die Aussicht können großartig und der Beruf des Chemikers mag eine wirklich interessante Sache sein. Und trotzdem haben wir das Gefühl, daß etwas fehlt.“ C. S. Lewis (aus Pardon, ich bin Christ)
Es ist nicht alles GOTT was glänzt Timothy Keller Seite 221

Hallowed be Thy Name

Someone’s name is not only a label. It is also the character or reputation. “Hallowed be Thy Name” is not a complement or statement. It is a request that God’s Name will be hallowed, or known as holy, on the earth. This is the first request in the Lord’s Prayer because it is our greatest need. God’s Name is often known as “myth” or “optional” or “fantasy”. This mistake inhibits people from coming to Him. The main task of God’s people from Abraham to the present is to live and speak so His Name is known as Holy.
Geheiligt sei dein Name
Jemandes Name ist nicht nur ein Etikett. Es ist auch der Charakter oder der Ruf. ′′ Geheiligt sei dein Name ′′ ist keine Ergänzung oder Aussage. Es ist eine Bitte, dass Gottes Name auf der Erde geheiligt oder heilig genannt wird. Dies ist die erste Bitte im Herrn Gebet, weil es unsere größte Notwendigkeit ist. Gottes Name ist oft als ′′ Mythos ′′ oder ′′ optional ′′ oder ′′ Fantasie ′′ bekannt. Dieser Fehler behindert Menschen, zu Ihm zu kommen. Die Hauptaufgabe von Gottes Volk von Abraham bis zur Gegenwart besteht darin, zu leben und zu sprechen, so dass Sein Name als Heilig bekannt ist. Ellis H. Potter

„Zürnt ihr, so sündigt nicht“ – Was die Bibel zum Thema „Zorn“ sagt

Peters Herz pocht wie wild in seiner Brust. Er fühlt seinen eigenen Herzschlag in seiner Halsschlagader. Sein ganzer Körper ist überhitzt, und er ist gleichsam unfähig, sich selbst zu beruhigen. Er ist bereit zuzuschlagen. Auf wen, fragen Sie? Er ist bereit, seine Frau zu schlagen, die Gefährtin seiner Jugend, die Mutter seiner Kinder.
Situationen wie diese passieren viel zu oft. Aber das traurigste ist, dass so etwas nicht nur bei Nicht-Christen geschieht, sondern auch bei Christen. Sündhafter Zorn fügt unseren Gemeinden, Familien und letztendlich unserem christlichen Zeugnis größten Schaden zu.
Es ist nicht meine Absicht, mit diesem Artikel Schuld zuzuweisen, sondern eine Lösung für das Problem des sündhaften Zornes zu bieten.
Ich muss die Qualifizierung „sündhaft” verwenden, weil es auch „heiligen“ Zorn gibt. In Epheser 4,26 und 27 steht geschrieben: Zürnt ihr, so sündigt nicht; die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn! Gebt auch nicht Raum dem Teufel!
Wenn man über diese Aussage nachdenkt, erkennt man, dass es eine Art von Zorn gibt, die nicht sündhaft ist, sondern heilig. Zorn an und für sich ist nicht immer sündhaft. Aber heiliger Zorn kommt viel seltener vor als man gemeinhin denkt. Schauen wir uns einmal an, was Zorn überhaupt ist.
Menschlicher Zorn hat zwei Aspekte, Motiv und Ausdruck. Zorn ist eine Emotion, die durch verschiedene Dinge ausgelöst werden kann, je nachdem wie unser individuelles Wertesystem ausgerichtet ist. Wenn ein Element unseres Wertesystems verletzt wird, kann dies Zorn auslösen, je nachdem welchen Rang dieses Element in unserem Wertesystem einnimmt und wie intensiv die Verletzung ist. Wenn Gottes Ehre, wie es auch sein sollte, in unserem Herzen die höchste Priorität einnimmt, dann werden Angriffe von außen auf eben diese Ehre Gottes in uns Zorn auslösen (Apg. 17,16). Unser bestes und allein perfektes Beispiel für diese Art von heiligem Zorn ist der Herr Jesus Christus selbst.
Je selbstsüchtiger und stolzer eine Person ist, desto mehr wird ein Angriff auf das eigene Ich Zorn auslösen. Dies ist dann sein Motiv, das erste Element des Zornes. Es ist nicht schwierig herauszufinden, welches Motiv Voraussetzung für heiligen Zorn ist und welches für sündhaften.
Aber wir müssen auch noch einen zweiten Aspekt in Betracht ziehen, und zwar auf welche Art und Weise Zorn ausgedrückt wird. Wir mögen aus all den richtigen Gründen zornig sein, aber wir können dann immer noch den Zorn auf eine sündhafte Weise zum Ausdruck bringen.
Es gibt hauptsächlich zwei Arten, wie Zorn sündhaft ausgedrückt wird: Die erste ist, einfach „Dampf ablassen”. Sprüche 29,11 warnt uns: Ein Tor lässt all seinem Unmut freien Lauf, aber ein Weiser hält ihn zurück. Dies ist eine klare Warnung, nicht einfach unsere emotionalen Schleusen zu öffnen und unserem Zorn freien Lauf zu lassen. Die Bibel bezeichnet dies als törichtes Verhalten. Wir sind dazu gerufen, nicht die Kontrolle über unsere Emotionen zu verlieren, so wie wir auch in Sprüche 25,28 lesen: Wie eine Stadt mit niedergerissenen Mauern, so ist ein Mann, der seinen Geist nicht beherrschen kann. Unsere Gesellschaft will uns oft weismachen: „Lass einfach alles raus!”, aber ein solches Verhalten steht in direktem Konflikt zu Gottes Wort. Wir mögen uns vielleicht besser fühlen, nachdem wir Dampf abgelassen haben, aber was wir nicht begreifen ist, dass wir in unserer Seele ein Verhaltensmuster entwickeln, das töricht ist, und je mehr wir dies zulassen, desto dominanter wird es. Anstatt Gerechtigkeit zu üben, wie es in 2.Timotheus 3,16 beschrieben wird, praktizieren wir Ungerechtigkeit. Mit unserem Zorn wird es immer schlimmer werden.
Die zweite sündhafte Art, Zorn auszudrücken ist, den Zorn in sich hineinzufressen. Obwohl dies nach außen aussieht wie eine gottgefällige Art, mit unserem Zorn umzugehen, ist es in Wirklichkeit nicht so. Wenn wir dies tun, wendet sich die Energie, die durch den Zorn hervorgerufen wird, nach innen, und wir fangen an, über den Auslöser unseres Zorns nachzugrübeln. Vielleicht haben wir dadurch sogar schlaflose Nächte, und letztendlich können wir sogar depressiv werden oder körperliche Symptome entwickeln. Das Dritte Buch Mose 19,17 warnt uns: Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen; sondern du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, dass du nicht seinetwegen Schuld tragen musst! Gleich danach in Vers 18 heißt es: Du sollst nicht Rache üben, noch Groll behalten gegen die Kinder deines Volkes.
Beide Reaktionen sind gleichermaßen sündhaft um Zorn auszudrücken, auch heiligen Zorn. Wenn wir mit Zorn auf sündhafte Weise umgehen, dann geben wir dem Teufel Raum in unserem Leben (Eph. 4,27).
Wir wollen nun nicht länger über sündhaften Zorn nachgrübeln, sondern sehen, was Gottes Wort bezüglich des richtigen Umgangs mit Zorn lehrt.
Bisher haben wir uns die beiden Elemente des Zornes angesehen: den Grund oder das Motiv des Zorns und den Ausdruck des Zorns. Schauen wir uns nun beide noch einmal an, um zu erkennen, was die biblische und gottgefällige Lösung ist. Beide Elemente müssen mit Gottes Wort übereinstimmen und müssen deshalb geheiligt werden.
Was die Auslöser betrifft, so ist es für uns wichtig, unser Wertesystem zu überprüfen – die Dinge, die uns wirklich wichtig sind. Wenn Angriffe auf uns persönlich niederprasseln oder Hindernisse für unsere persönlichen Pläne uns im Weg stehen, die unser Blut zum Kochen bringen, dann sind wir auf uns selbst fixiert, anstatt dass wir auf Gott orientiert sind. Es ist das höchste Ziel des Menschen, Gott zu verherrlichen, und es ist nicht das höchste Ziel Gottes, den Menschen zu verherrlichen.
Wenn wir solch eine egoistische Einstellung haben, dann fühlen wir uns zu allem berechtigt, was wir persönlich zu verdienen meinen, wie etwa Respekt oder Liebe unseres Ehepartners, beim Autofahren freie Straßen vor uns und niemanden, der uns oder unsere Meinung jemals in Frage stellt. Wir betrachten unser persönliches Wohlergehen und ein problemfreies Leben als ein Recht, und wenn jemand es wagt, diese Rechte zu verletzen, wird er unseren Ärger in der einen oder anderen Form zu spüren bekommen. Wir fühlen uns dann berechtigt, diesem Ärger Luft zu machen. Aber die Annahme, dass wir solche Rechte haben, oder das Recht, unsere eigenen Wege zu gehen, ist völlig falsch. Das einzige „verdiente Recht“, das wir haben, ist, zur Hölle zu fahren und dort für immer für unsere Sünden zu leiden. Der einzige Grund dafür, dass wir tatsächlich etwas Anderes bekommen, ist die Gnade Gottes in Jesus Christus.
Die Dinge, die wir genießen, sind, strenggenommen, nicht Rechte, sondern Privilegien. Ich habe kein Recht auf den Respekt, die Freundlichkeit oder die Loyalität meiner Frau. Meine Frau schuldet mir dies persönlich in keiner Weise. Sie schuldet es Gott, und wenn ich es empfange, dann kann ich Gott dafür danken, und wenn nicht, dann ist keines meiner Rechte verletzt worden, da ich viel Schlimmeres verdient habe, und ich kann freundlich und gottgefällig reagieren und nicht wie ein jähzorniger Tyrann.
Lieber christlicher Leser, der Schlüssel, um von unserem Zorn befreit zu werden, ist zu verstehen, dass wir keinerlei Gutes, sondern nur Schlechtes verdient haben, und dass alles Gute, das uns widerfährt, ein Geschenk Gottes in Jesus Christus ist.
Wenn es uns gelingt, uns betend eine solche Denkweise anzueignen, werden wir nicht nur frei von sündigem Zorn werden, sondern wir werden eine neue Einstellung zur Dankbarkeit gegenüber Gott erfahren, sodass wir mit dankbarem und freudigem Gehorsam antworten. Dies ist ein Prozess, aber es ist für jeden Christen erreichbar.
Was das Ausdrücken rechtschaffenen oder gerechten Zorns betrifft, so darf unsere Energie nicht dazu verwendet werden, andere unkontrolliert anzugreifen, indem wir uns Luft verschaffen, oder uns selbst schaden, indem wir ihn uns verinnerlichen oder ihn in uns hineinfressen. Vielmehr sollte die Energie darauf gerichtet sein, das Problem kontrolliert zu lösen oder anzugehen.
Wenn eine Sünde begangen wurde, helfen Sie demjenigen, der sie begangen hat, mit Gott und sich selbst wieder ins Reine zu kommen! Gehen Sie mit dem Problem in einer gottgefälligen Weise um, und lassen Sie die Sonne nicht über Ihrem Zorn untergehen! (Eph. 4,26). Sacha Walicord
https://bekennende-kirche.de/2020/06/zuernt-ihr-so-suendigt-nicht-was-die-bibel-zum-thema-zorn-sagt/
https://bibelkreismuenchende.wordpress.com/2019/10/29/zurnet-ihr-so-sundiget-nicht-redet-in-eurem-herzen-auf-eurem-lager-und-seid-stille-sela-psalm-45/

Die Gabe des einen Evangeliums

Unsere heutige Welt befindet sich in einem Zustand großer Verwirrung und Dunkelheit, und Angst hat die Menschen herzlos gemacht. Hat die christliche Kirche ein Wort des Zuspruchs, ein Licht, eine Hoffnung für den Menschen in seiner Verwirrung, in seiner Dunkelheit, in seiner Angst? Es ist eine der größten Tragödien unserer Zeit, dass die Gemeinde Jesu in dem Augenblick an ihrem Missionsauftrag zu zweifeln beginnt, in dem der Ruf der Welt nach dem Wort Gottes immer lauter wird. Der Grund für den nachlassenden Missionseifer liegt allein in dem schwindenden Vertrauen in die christliche Botschaft. Wir Christen sollten aus fester Überzeugung bekunden, dass Jesus unser Herr ist, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben wurde, und der uns auffordert, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen und sie zu lehren, was er gelehrt hat (Matth. 28, 18. 19). Er gab uns den Auftrag, seinen Namen als den des gekreuzigten und auferstandenen Retters zu predigen. Er hat uns gesagt, das allen, die Buße tun und an ihn glauben, Vergebung und ein neues Leben geschenkt wird (vgl. Luk. 24, 44–49). Wir haben kein Recht, die Richtlinien, die Christus seiner Gemeinde gegeben hat, auch nur geringfügig zu verändern. Es gibt nur ein Evangelium. Wir dürfen es niemals in irgendeiner Weise ausschmücken, abwandeln oder nach unserem Belieben auslegen. Unsere Aufgabe ist es, Verkündiger der Frohen Botschaft Gottes zu sein, unsere Stimme mit Macht zu erheben, uns nicht zu fürchten und die Erlösung durch unseren Herrn überall bekannt zu machen (Jes. 40, 9; 52, 7). Die Botschaft ist uns gegeben, wir haben sie nicht erfunden. Wir sollen nur unsere Stimme, unser Leben und unsere Liebe einsetzen, um das Evangelium zu verbreiten. In dieser Hinsicht gleicht jeder Christ Johannes dem Täufer. Jeder von uns soll eine Stimme in der Wüste der Welt sein, die von Christus zeugt; jeder von uns soll abnehmen, damit er wachsen kann (Mark. 1,2. 3; Joh. 1, 6–8; 19–23; 3, 30). (Die Autorität der Bibel, Hänssler, 1977, S. 45–46)

Falsche Zugänge zur Bibel

Falsche Zugänge zur Bibel erkennt man daran, dass sie rundum schlüssig sind. Denn die ganze Wahrheit kennt nur Gott – wir kennen lediglich Ausschnitte. Es sind unsere menschlichen Gehirne, die Symmetrie, Proportionalität und Kausalität bevorzugen. Doch die Realität schert sich nicht um unsere kognitiven Bedürfnisse. Die biblische Erzählung ist randvoll mit Wirklichkeit und ergo auch mit scheinbarer Widersinnigkeit. Je weiter die Geschichte von JHWH und seinem auserwählten Volk voranschreitet, umso mehr Fragen bleiben.
Ursprünglich gingen die Israeliten davon aus, dass sich anständiges Verhalten in diesem Leben auszahlt. Doch warum regieren dann einige der bösesten Könige – wie der Kinderschlächter Manasse – am längsten, und warum sterben einige der besten Könige – wie der Moral-Reformer Josia – so jung? Warum residieren schmeichlerische Fake-Propheten in schönen Landhäusern, während die echten Boten Gottes im Gefängnis schmachten? Warum schrumpft und dümpelt das auserwählte Volk Israel vor sich hin, während die gottlosen Staaten ringsherum bedrohlich expandieren?
Welcher Logik folgt das Leben also, wenn Glück Glückssache ist und Gottes Handeln unbegreiflich? Warum soll man überhaupt an Gott glauben?
Dieselbe Frage stellen sich die griechischen Philosophen, die daraufhin den überlieferten Göttergestalten die Gefolgschaft aufkündigen und stattdessen dem «Logos» oder einfach der Natur huldigen.
Die biblischen Autoren gehen einen anderen Weg, denselben, den schon Abraham und Jakob beschritten haben: Sie ringen mit ihrem Gott.
Markus Spieker in ‚Jesus. Eine Weltgeschichte.‘