Franz Jägerstätter

Am 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit. Vor 75 Jahren. Gedenkfeiern riefen das Unsägliche in Erinnerung.
Die Vollstrecker des Bösen kamen nicht von einem unbekannten Planeten. Am 20. Januar 1942 trafen sich am Berliner Wannsee gebildete, intelligente Menschen. Auf der Traktandenliste stand die Diskussion über verschiedene Tötungsmöglichkeiten. Sie erstellten den technischen und logistischen Plan für die Umsetzung der „Endlösung“ der Judenfrage. Unter den Teilnehmern habe „freudige Zustimmung“ geherrscht. So beschrieb der damalige Protokollführer Adolf Eichmann die Stimmung.
Verführbarkeit und Bösartigkeit des Menschen beunruhigen. Immun gegen Macht und Korruption? Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, er hätte sich nicht an die Tischrunde in der Villa am Wannsee gesetzt. Jeder Mensch ist verführbar. In Auschwitz wurden unsere Werte in ihr Gegenteil verkehrt. Das Ergebnis: eine von Menschen gemachte Hölle. Die Tötungsfabriken liefen unter Anleitung der Regierung.
Das totale Versagen der Menschlichkeit bezeichneten die Nazis als Massnahme zur Rettung der Welt. Das Böse wurde dargestellt als das Richtige, das Gute. Dem ruft der Prophet Jesaja ein lautes Wehe!“ entgegen: „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süss und aus süss sauer machen!“ (Jesaja 5,20).
Drei Tage nach dem Holocaust-Gedenken startete im Kino der Film „Ein verborgenes Leben“. Erzählt wird die wahre Geschichte des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter. Er verweigert den Eid auf Hitler und will nicht für die Wehrmacht kämpfen. Trotz Folter und drohender Hinrichtung folgt er seinem Gewissen. Kraft schöpft er aus dem festen Glauben an Gott. Das Happyend bleibt aus. Jägerstätter wird hingerichtet.
Der gläubige Bauer wird von August Diehl gespielt. Für diese Rolle musste sich der Schauspieler intensiv mit dem Glauben auseinandersetzen. „Ich bin in Kirchen gegangen und habe mich gezwungen zu beten. Zuvor hatte ich das noch nie getan“, erzählt er. Jeden Abend und jeden Morgen habe er in der Bibel gelesen. Inzwischen müsse er sagen, diese Lektüre verströme „eine wahnsinnige Kraft – selbst dann, wenn man sie für sinnlos hält“.
In verwirrenden Zeiten ist der Rückgriff auf Weisheit und Werte von oben nötig. Das Wort, das uns hilft, kommt nicht aus uns selbst. Rolf Höneisen FB

Joker: Das Lachen der Postmoderne

„I used to think that my life was a tragedy but now I realize
it’s a comedy.“

Joker

Dieser Film ist brutal1 Das Setting ist Gotham City im Jahre 1981 während eines Müllstreikes. Der Protagonist heißt Arthur Fleck (gespielt von Joaquin Phoenix), ist Anfang dreißig, wohnt bei seiner kranken Mutter (die er pflegt) und arbeitet als Aushilfsclown, wobei er von einer Karriere als Standup Comedian träumt. Arthur Fleck ist ein Außenseiter, der aufgrund seines zwanghaften Lachens Verwirrung auslöst, verachtet und verhöhnt wird. Der Bruch in Flecks Biographie summiert sich aus Missbrauch in der Kindheit, mentaler Krankheit, Mobbing, Armut, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Vaterlosigkeit, Gewalt, Abweisung, sexueller Frustration und Verhöhnung. „Als die Demütigungen zu viel werden, reagiert er mit Gewalt und wird zum berüchtigten „Joker“. Der Film zeichnet die Charakterstudie eines Mannes, der eigentlich eine tragische Figur ist, aber zum Täter wird und damit obendrein zu einem dunklen Massenidol.“2 Nachdem der Hauptdarsteller auf dem nach Hause Weg in der U-Bahn, noch in Arbeitskleidung (Clownskostüm) drei Yuppies erschießt, wird er zum Auslöser einer gesellschaftlichen Protestbewegung, deren Symbol die Clownsmaske ist. Der sozialpolitische Protest entzündet sich hierbei zwischen Arm und Reich. Menschen aus den unteren Schichten werden in einer Szene von dem Milliardär Thomas Wayne (Batmans Vater) als „Clowns“ bezeichnet, was möglicherweise eine Anspielung an Hillary Clintons „basket of deplorables“ ist. Überhaupt ist der Joker als Vorbild einer sozialen Bewegung eine Referenz zu unserer Zeit. Ein Clown als Führungsfigur ist die maximale Kritik an den politischen Verhältnissen. Es ist als würde der Populismus dem Establishment zurufen: „Seht her, selbst der Kasper kann es besser als ihr.“3 Jedoch entzieht sich der Joker in typisch postmoderner Manier einer gesellschaftspolitischen Eindeutigkeit:

„Konservative Kritiker warfen dem Film vor, eine linke Agenda zu verfolgen. Was nicht von der Hand zu weisen ist: Eine Nebenhandlung ist eine vom „Joker“ inspirierte Protestbewegung, welche gewalttätig gegen die soziale Ungleichheit in Gotham City demonstriert. Die Reichen sind das Feindbild. Linke Kritiker wiederum werfen dem Film „toxische Maskulinität“ vor. Er legitimiere zudem genau die Agenda, die Trump ins Amt brachte.“4

Für den Charakter des Jokers gibt es bisher keine definitive Ursprungsgeschichte5, somit ist dieser Film vom Regisseur Todd Phillips als Versuch der Kanonisierung der Gründungserzählung zu verstehen.6
Joker zeigt die Metamorphose eines Mannes zum Mephisto von Gotham. Mit jedem Mord den Arthur Fleck/Joker begeht (es sind mindestens sechs) steigert sich seine Amoralität. Die Verwandlung von Mensch zum Mythos erlebt ihren Höhepunkt, als der Protagonist in die Live Comedy Show seines Vorbildes Murray Franklin (Robert DeNiro) eingeladen wird. Dort lässt er sich bereits als Joker vorstellen, propagiert Subjektivismus („comedy is subjective“) und moralischen Relativismus, bekennt sich zu den U-Bahn Morden und erschießt schließlich sein (Ex-)Vorbild vor laufender Kamera. Der Joker ist eine fluide Persönlichkeit; ein Trickster und ein Nihilist. „Der Trickster ist eine stark ambivalente Figur. Er verkörpert das Prinzip der Vereinigung von Gegensätzen […]“7 Gegen Ende des Films sagt der Joker: „I don’t believe in anything“ und „I have nothing left to lose.“ Dies sind typische nihilistische Glaubenssätze. Er akzeptiert keine Moral, die über sein eigenes Selbst hinausgeht. Daher überrascht es nicht, dass der Joker als ein Beispiel für Nietzsches Übermenschen beschrieben wird.8

Ein Unterschied besteht darin, dass der Joker weniger vom Willen zur Macht als vom Willen zum Chaos getrieben wird. Macht und Gewalt sind Mittel zum Chaos, wobei er Chaos als Zustand der Erlösung begreift. In der Anti-Philosophie des Jokers ist diese Selbstermächtigung durch Gewalt nur durch die Verneinung der Transzendenz möglich. Die Selbstverwirklichung des Jokers vollzieht sich ausschließlich im Kontext der Immanenz: Er ist ein säkularer Satan. Das Lachen des Jokers entpuppt sich als die vertonte Fratze des souveränen Selbst. Die Leistung des Films besteht darin, diesen Sachverhält durch einen tanzenden und tötenden Clown ästhetisch düster zu veranschaulichen und somit unserer Kultur den Spiegel vorzuhalten. 9 Der Joker ist ein extremes Beispiel für die spätmoderne Tendenz der westlichen Gesellschaften keine objektiven moralischen Maßstäbe anzuerkennen. Absolute sind out! In der letzten Comedy Show Szene konfrontiert der Joker Gothams Meinungsführer mit genau diesem Sachverhalt. Als er sich zu den U-Bahn Morden bekennt wird er verurteilt; seine Rechtfertigung besteht im Verweis auf einen radikalen Subjektivismus, dem sich die Bürger Gothams längst unterworfen haben. Dadurch wird die Gesellschaft der moralischen Heuchelei überführt. Ein Unterschied zwischen der Mehrheitsgesellschaft und dem Joker besteht jedoch möglicherweise darin, dass sich erstere auf einen Konsens des Gruppenrelativismus geeinigt hat, dem sich der Joker nicht mehr anschließt. Moral ist in Gotham letztlich nur noch eine Frage der Mehrheitsverhältnisse. Die Kritik weiterer Charaktere an dem Joker lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: „Du liegst falsch, weil wir es sagen.“ Das ist eine sehr dünne Begründung für Ethik. Genau hier liegt die Krux: Die Verneinung der Transzendenz führt in ihrer Konsequenz zum Joker. Er ist der personifizierte Nihilismus, der Über-Mensch; ein wahrer Nihilist. Für den Joker ist dieser Weg der Pfad der Erlösung. Die Absolutsetzung des Ichs befreit ihn von gesellschaftlichen Zwängen, sie befreit ihn von der herabwürdigenden Außenwahrnehmung seiner Mitmenschen und letztendlich befreit sie ihn davor sich selbst zu problematisieren. Die Ursünde, totale Autonomie, wird zur Erlösung verklärt. 10 Das ist das Anti-Evangelium des Jokers. Dieser Film ist auf drei Ebenen zutiefst antichristlich: Erstens in der Verneinung der Transzendenz. Joker widerspricht dem biblischen Weltbild; die 122 Minuten Spielzeit sind durchtränkt von einer tiefen Gottlosigkeit.
Zweitens predigt der Film Selbsterlösung. Joker verkennt, dass Erlösung von Schuld und Pein nicht im Selbst, sondern in Jesus Christus liegt. Nicht Selbstermächtigung durch radikalen Subjektivismus ist der Weg, sondern Selbstkreuzigung als Folge des rettenden Glaubens an den Sohn Gottes. Wie gut, dass der Arm Gottes nicht zu kurz ist, um selbst einen Joker (und dessen Nachfolger) zu erreichen. Drittens in Bezug auf die Zukunftsperspektive. Die filmische Erzählung ist von einer starken Hoffnungslosigkeit geprägt.11 Das Narrativ lässt es am Ende zumindest offen, ob der Joker in der Lage sein wird das Evangelium der Selbsterlösung durch einen konstanten performativen Akt aufrechtzuerhalten. Das Christentum hingegen bietet eine bessere Zukunftsperspektive. Die christliche Offenbarung kommuniziert das Metanarrativ der Hoffnung, denn der, welcher ein gutes Werk in den Christen begonnen hat, wird es auch vollenden bis auf den Tag Jesu Christi (Phil. 1,6).
Lars Reeh
https://theoblog.de/joker-das-lachen-der-postmoderne/34074/

„Silence“

5G2A7980 Released Photo Credit Kerry Brown 1400

Pater Ferreira (Liam Neeson). Bild: © 2017 Kerry Brown, Concorde Filmverleih GmbH

Wer den Skandalfilm „Die letzte Versuchung Christi“ (1988) oder „Shutter Island“ (2010) und zuletzt „The Wolf of Wall Street“ (2013) gesehen hat, dürfte überrascht sein, zu hören, dass sich der Regisseur Martin Scorsese von Jugend an suchend mit dem christlichen Glauben auseinandersetzt. Einen nachhaltigen Impuls zur Vertiefung dieser Suche gab es 1988. Nach einer Sondervorführung von „Die letzte Versuchung Christi“ (in dem Film wird Jesus eine Beziehung zu Maria Magdalena unterstellt), überreichte Erzbischof Paul Moore dem Filmemacher eine Ausgabe von Shūsaku Endōs historischem Roman „Schweigen“. Das Buch hinterließ einen tiefen Eindruck. „Das Thema, das Endō hier behandelt, ist in meinem Leben seit meiner frühesten Jugend präsent“, so der Regisseur. „Ich wurde in einer streng katholischen Familie groß und beschäftigte mich stark mit Religion. Die Spiritualität des römischen Katholizismus, in die ich als Kind eintauchte, ist das Fundament meines Lebens, und diese Spiritualität hing mit dem Glauben zusammen.“ Während Scorsese den Roman las, fand er sich zu seiner eigenen Überraschung mit tiefgreifenden Fragen des Christentums konfrontiert, mit denen er „noch immer“ ringt, wie er sagt. „In der heutigen Phase meines Lebens grüble ich ständig über Themen wie Glauben und Zweifel, Schwäche oder das Schicksal des Menschen nach – und Endōs Buch berührt diese ganz direkt.“

„Silence“

Silence Photo Credit Kerry Brown 1400

Regisseur & Drehbuchautor Martin Scorsese und Andrew Garfield. Bild: © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

Mit dem Film „Silence“, der auf dem Buch von Endō beruht, hat der Meisterregisseur nun ein Werk in die Kinos gebracht, das fast keine große Frage ausläßt. Der Film thematisiert, was Theologen, Religionsphilosophen oder Missionare umtreibt. Um einige Themen zu nennen: Was ist Wahrheit? Wie können wir das Evangelium kontextualisieren? Wie sollen sich Christen in Verfolgungssituationen verhalten? Zerstört die christliche Mission fremde Kulturen? Gibt es nach dem Abfall vom Glauben eine weitere Chance zur Umkehr? Und natürlich die übergroße Frage: Warum schweigt Gott?

Die Handlung

Der Film dreht sich um Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garpe (Adam Driver), die 1638 von Portugal ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan aufbrechen, um der Wahrheit hinter den Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) seinem Glauben abgeschworen habe. Ferreira, ein Vorbild für viele junge Priester in Portugal, soll nicht nur dem Christentum den Rücken zugekehrt, sondern sogar zum Buddhismus übergetreten sein und eine Japanerin geheiratet haben.

Nachdem Rodrigues und Garpe im Hafen Macaus angekommen sind, zeichnet sich das Bild der christlichen Mission in Japan durch Gespräche mit Augenzeugen immer düsterer. Christen sind in Japan von ständiger Verfolgung der Feudalherren bedroht und werden durch Folter zum Glaubensabfall gezwungen.

In einer Kneipe finden die Priester den einzigen Japaner von Macau. Obwohl Kichijirō ein zwiespältiger Trunkenbold ist, scheint nur er sie unentdeckt nach Japan führen zu können. Angeblich stammt Kichijirō aus einer christlichen Familie. Während diese ihrem Glauben treu blieb und grausam hingerichtet wurde, verleugnete er das Christentum und wurde von seinen Peinigern in seinem Heimatdorf zurückgelassen. Er hatte es dann fluchtartig wegen plagender Schuld- und Schamgefühle verlassen. Nun betäubt er sein schlechtes Gewissen im Rausch.

Doch Kichijirō tut scheinbar alles, um sich zu rehabilitieren: Kurz nach der Landung in einer entlegenen Küstenregion nahe Nagasaki bringt er die beiden Jesuiten mit den ärmlichen Dorfbewohnern Tomogis zusammen, die alle dem von den Missionaren gebrachten Katholizismus treu geblieben sind und ihren Glauben im Geheimen praktizieren. Für sie sind die beiden Priester sprichwörtlich ein Geschenk Gottes: Endlich haben sie Geistliche, die ihnen die Sakramente spenden. Die Jesuiten selbst sind von dieser Aufgabe tief bewegt, auch wenn sie zunehmend begreifen, dass die Dörfler eine Art improvisiertes Christentum praktizieren und womöglich nicht alle Inhalte des Glaubens voll verstehen.

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Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garpe (Adam Driver) werden von christlichen Bauern versteckt. Bild: © 2017 Kerry Brown, Concorde Filmverleih GmbH

Tagsüber müssen sich die Priester verstecken. Erst in der Dunkelheit können Rodrigues und Garpe ihre seelsorgerischen Aufgaben wahrnehmen. Nach katholischer Lehre braucht es für den Zuspruch der Vergebung die Beichte bei einem Priester. Endlich sind sind sie da. Die Bauern bekennen ihre Sünden. Auch wenn die Priester nicht immer verstehen, um was es geht, erteilen sie die Absolution. (Als Protestant musste ich während dieser Szene an Luther denken. Dieser schrieb: Gott „schüttet also seine Christen noch viel reichlicher und decket ihnen mit Vergebung der Sünden alle Winkel voll, auf dass sie nicht allein in der Gemeinde Vergebung der Sünden finden sollen, sondern auch daheim im Hause, auf dem Felde, im Garten, und wo einer nur zum andern kommt, da soll er Trost und Rettung haben.“)

Als sich die befreundeten Priester auch bei Tageslicht hervorwagen, werden sie Zeuge eines grausamen Zwischenfalls: Samurai-Truppen marschieren in Tomogi ein und zwingen die Bewohner zur Glaubensprüfung. Sie müssen auf Bildern von Jesus, Maria oder Kruzifixen herumtrampeln, um damit zu beweisen, dass sie nicht dem Christentum folgen. Kichijiro, dem Pater Rodrigues erst zuvor noch die Beichte abgenommen hatte, verleugnet seinen Glauben erneut und läuft eilig davon. Letztlich werden drei aus dem Dorf, die sich der zynischen Kontrolle verweigert haben, zum Tod durch Kreuzigung verurteilt. Fassungslos sehen die beiden Pater mit an, wie die Märtyrer in der Meeresbrandung gekreuzigt werden. Sie sterben unter dem Anprall der Wellen langsam und unter großen Qualen vor Erschöpfung. Ihre Leichen werden verbrannt und die Asche wird verstreut, um sie einer kultischen Verehrung zu entziehen. Verzweifelt beginnt Rodrigues in seinen Gebeten angesichts des erlebten Leidens seiner Glaubensbrüder das Schweigen Gottes ins Feld zu führen.

Die eigentliche Aufgabe der Jesuiten ist allerdings noch nicht erfüllt: Das Schicksal von Pater Ferreira ist weiterhin ungeklärt. Gegen das sehnliche Bitten der Dorfbewohner verlassen Rodrigues und Garpe das Dorf Tomogi und teilen sich auf, um jeder für sich, weiter ins Land vorzudringen. Hier spitzt sich dann die Handlung dramatisch zu.

Erste Eindrücke

(1) Um es gleich zu sagen: „Silence“ ist ein beeindruckender Film. Ich kann mich nicht daran erinnern, einen Kinosaal jemals beklommener verlassen zu haben (und Spielbergs Film „Schindlers Liste“ hatte mir schon einiges abverlangt). Die Wucht der Bilder, die kurzen aber präzisen Dialoge, die offenbarten leiblichen und seelischen Qualen, haben mir fast den Atem genommen.

(2) Die Schauspieler glänzen durchweg. Ob Adam Driver (Garpe), Liam Neeson (Ferreira, er spielte Oskar Schindler in Schindlers Liste) oder Yōsuke Kubozuka (Kichijirō), sie spielen grandios. Andrew Garfield (Rodrigues) hat einen Oscar verdient.

(3) Für den Film braucht es Nerven wie Stahl. Schon die Eingangsszene zeigt die Brutalität, mit der die Inquisition die Christen gefoltert und gemordet hat. Die einheimischen Gläubigen werden mit kochend heißem Wasser aus Vulkanquellen übergossen. Besonders grausam war die Technik des ‚ana-tsurushi’, die im Film zu sehen ist: Das Opfer wurde von einem Gerüst mit dem Kopf nach unten in eine Grube gehängt, der Körper fest verschnürt, um die Blutzirkulation zu hemmen. Während es unerträglichen Druck auf den Kopf litt, tropfte ihm langsam Blut aus Mund und Nase oder einer Schnittwunde. Bis der Tod eintrat, dauerte es oft bis zu einer Woche. Ich kann nicht nachvollziehen, dass der Film ab 12 freigegeben wurde.

(4) Die problematische Theologie und die Missionsmethodik von Franz Xaver (1506–1552) und den Jesuiten will ich hier nicht erörtern. Es ist jedoch einen Hinweis wert, dass die Bibel – zumindest im Film – so gut wie keine Rolle spielt. Obwohl ich Filmen gern eine zweite Chance gebe, ist das schon jetzt für mich die Erklärung für das vorgebliche Schweigen Gottes. Ich kann mich sogar an eine Szene erinnern, in der (vermeintlich) Jesus doch spricht. Im Schweigen vernimmt Rodrigues seine Stimme, die zum Glaubensabfall aufruft. Die Heilige Schrift, die ja Verfolgung und Martyrium deutlich anspricht, bezeugt auf breiter Grundlage, dass es gerade das Wort Gottes ist, dass in Stunden schwerster Anfechtung und Not Orientierung, Halt und Trost gibt. Gott spricht durch sein Wort.

(5) Der Film stellt Fragen, viele gute Fragen. Antworten gibt er nicht. Deutet er Antworten an, sind sie unorthodox und mystisch. Trotzdem kann „Silence“ zum tiefschürfenden Gespräch anstiften.

(6) Wieder einmal ist deutlich geworden, wie wichtig solide Begründungen der Religionstoleranz sind und das sie geschützt werden muss.

(7) Die japanische Inquisition hat den Gläubigen einen „Abfall vom Glauben“ leicht gemacht. Die Apostasie wird scheibchenweise serviert: „Das ist nur eine Formsache. Es reicht eine Geste, mehr wollen wir nicht.“ Doch die erste Überschreitung hat die Herzen der Menschen gebrochen und weitere Schritte vorbereitet.

(8) Mehr als einmal habe ich mich während des Films gefragt: Was hätte ich wohl in dieser Situation getan? Wäre ich standhaft geblieben?

Als der Film „Taxi Driver“ 1976 in New York uraufgeführt wurde, war das ein Ereignis der amerikanischen Popkultur. Aus dem jungen Robert de Niro wurde über Nacht ein großer Darsteller und Scorsese gilt seit dem als gefeierter Kultregisseur. „Taxi Driver“ entwickelte sich zum Referenzwerk postmodernen Filmstils und die Kritiker haben sich beim Ringen um die richtige Interpretation die Finger wundgeschrieben. Diese Aufmerksamkeit wird „Silence“ nicht bekommen. Ein Ereignis ist der Streifen über Glaube, Zweifel, Martyrium und Apostasie allemal.
Ron Kubsch
Der Film kommt am 2. März 2017 bundesweit in die Kinos.
FSK ab 12 freigegeben. 162 Minuten. Internet: www.silence-film.de.

 

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Bild: © 2017 Concorde Filmverleih GmbH

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Ben Hur für diese Generation

Das Remake von «Ben Hur» hat es schwer. Kritiker vergleichen mit der berühmten Version von 1959. Sie suchen Fehler und reden dort, wo es um die Darstellung von Jesus geht, von Kitsch. Doch die Neuverfilmung ist besser, als es manchen lieb ist.
1959, als Charlton Heston als Ben Hur sein berühmtes Wagenrennen gegen den Adoptivbruder fuhr, war ich noch nicht geboren. Auch später kannte ich die Story, die als Film elf Oscars einheimste, nur vom Hörensagen. Keiner konnte mich überreden, mich vier Stunden lang vor den Fernseher zu setzen, um ein Familiendrama mitzuverfolgen. Interessant wurde das Thema für mich erst, als ich las, dass Ben-Hur-Autor Lewis Wallace den Romanstoff als Atheist anpackte und als Christ abschloss. Es war das Studium der Person von Jesus Christus, die sein Denken verändert hatte. Und jetzt ist Ben Hur wieder im Kino. Eingedampft auf zwei Stunden. Aufgepeppt mit neuester Technik. Also tauchte ich – ohne Bilder aus dem alten Film im Kopf – mit der 3D-Brille auf der Nase ein ins Jahr 33.
Das militärisch überlegene Rom unterjochte die damals bekannte Welt. Auch Jerusalem. Die Juden verloren ihre Freiheit. Während sich die einen mit den Machthabern arrangierten, griffen die anderen zu den Waffen. Die Zeloten waren bereit, ihr Leben für die Freiheit zu opfern. Die Hauptpersonen sind aber Judah Ben Hur (Jack Huston) und sein römischer Adoptivbruder Messala (Toby Kebbell). Zwietracht macht aus den dicken Freunden hasserfüllte Feinde.
Der neue „Ben Hur“ polarisiert. Von filmisch schwach und kitschig ist die Rede. Es sei ein Streifen für die Kreationisten im Bible-Belt («Die Welt»). Viele Filmkritiker machen das Remake madig. Ich fand den ersten Teil ziemlich langsam, die Actionszenen ziemlich cool, den Schluss ziemlich süss. Zugegeben, das ist ein gewagter Mix. Dennoch – ein Kinobesuch lohnt sich. In welchem Film aus Hollywood sonst spielt Jesus Christus eine wichtige Rolle? Pontius Pilatus erkennt, dass nicht die kämpferischen Zeloten das Problem für Machtmenschen wie ihn sind, sondern der Friedensbringer Jesus. Dessen Botschaft der Feindesliebe bezeichnet Pilatus als Gift. Es wird deutlich, dass Ben Hurs Frau Esther dem Nazaraner nachfolgt. Das krempelt ihr Leben um und führt sie in den Dienst am Nächsten. „Wir bekommen eine zweite Chance“, sagt sie zu ihrem Mann, der angesichts des Gekreuzigten auf die Knie sinkt. Auf dem Weg ans Kreuz hat Jesus Ben Hur versichert: „Ich gebe mein Leben aus freien Stücken.“
Der Film stellt uns in einer Zeit wachsender Angst zwei grosse und aktuelle Fragen: Führt Gewalt zu Freiheit? Kommt Frieden durch Rache? Er gibt uns eine auf Gott bezogene Antwort: Es ist Gottes Liebe, die Kraft zur Vergebung vermittelt und Zerbrochenes heilt. Das wird sichtbar am von Hass und Rachegefühlen zerfressenen Herzen Judah Ben Hurs und den von Lepra gezeichneten Körpern seiner Mutter und seiner Schwester. Bemerkenswerterweise lässt das Remake diese Botschaft nicht weg. Dahinter stehen die US-Produzenten Roma Downey und Mark Burnett. Sie haben schon den Jesus-Film „The Son of God“ und die Serie „The Bible“ produziert. Mit „Ben Hur“ bringen sie mehr als ein aufgemöbeltes Wagenrennen. Sie bieten einem grossen Publikum die Chance, über den Glauben nachzudenken. Der Film endet denn auch mit einem Paulus-Zitat: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.“
Ich bewerte den Film «Ben Hur» ungleich besser als viele Kollegen. Vielleicht deshalb, weil ich es nie schaffte, die berühmte Filmversion von 1959 anzuschauen? Der Roman von Lewis Wallace (1827-1905) erschien 1880 und trägt den Untertitel „Eine Geschichte von Jesus“. Der Band war im 19. Jahrhundert das meistgedruckte Buch neben der Bibel. Wallace war General, Anwalt, Politiker und Schriftsteller. Während eines Gesprächs mit Wallace spottete ein Stabsoffizier über Gott, Glaube und Christen. Wallace kam ins Grübeln. Er entschloss sich, alles, was mit Bibel und Jesus zu tun hatte, zu erforschen. Später erzählte Wallace, die Begegnung mit dem zynischen Colonel habe zwei konkrete Folgen gehabt: Erstens den Roman „Ben Hur“ und zweitens seine Hinwendung zu Gott. Während die juristischen und militärischen Leistungen von Lewis Wallace in Vergessenheit gerieten, avancierte „Ben Hur“ zu einem Bestseller, dessen Botschaft dank der aktuellen Verfilmung einer neuen Generation zugespielt wird: „Dadurch, dass Christus am Kreuz sein Blut vergoss, hat Gott Frieden geschaffen.“ (Kolosserbrief, Kapitel 1, Vers 20) Rolf Hoeneisen https://www.facebook.com/rolf.hoeneisen/posts/10207158992312495

 

Veröffentlicht unter Kino

Noah – eine kurze Anmerkung zum neuen Hollywood-Streifen „Noah“.

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Biblische Geschichte im Hollywood-Style
Inhaltlich schmückt Regisseur und Drehbuch-Koautor Aronofsky („Black Swan“, „The Wrestler“) die biblische Vorlage der Kapitel 5 bis 10 des Buches Exodus aus: Noah erscheint als ehemaliger Krieger, der angesichts einer lebensfeindlichen Umwelt voller Gewalt und Tyrannei Frieden für sich und die Seinen sucht.
Der biblische Noah ist in diesem Film kaum wieder zuerkennen
Aronofskys Noah wird so sehr durch die menschliche Sündhaftigkeit „gestört“, dass er von der Idee „besessen“ wird, dass die Menschheit nicht überleben sollte. Gott gebrauchte die Familie des Hauptdarstellers, nur um die Tierwelt zu retten; danach musste die Menschheit aussterben.
Für den Fall, dass seine Schwiegertochter ein Mädchen gebären sollte, plant Noah dieses Baby umzubringen, damit das Leben der menschlichen Rasse nicht fortbesteht.
Später hebt Noah sein Messer über die Zwillingstöchter an – und erinnert somit ein bisschen an Abraham und ein bisschen an einem Verrückt gewordenen.
Die Darstellung von Noah ist in diesem Teil des Films ist so dunkel, dass man ihn nicht mögen wird. Die Sympathie für Noah schwindet jedenfalls beim Zusehen stetig. Es ist schwer sich den „Gerechten“, wie er im 1.Mose 6 oder den „Glaubensmann“ (Hebr. 11) darin vorzustellen.
Juden und Christen werden sich schwer damit tun, Noah in diesem Film wiederzuerkennen.
Die Inszenierung des Kontexts ist falsch
Es werden Bilder von Krieg, Gewalt, Diebstahl und sexuelle Sünde gezeigt. Aber gemäß dem Film ist die Hauptsünde der Menschheit der Missbrauch der Umwelt. Der Mensch betreibt eine „Politik der verbrannten Erde“. Entspricht der heutigen Theorie der „Globalen Erwärmung“. Tiere zu töten wird genauso als eine Abkehr von der Lebensweise im Garten Eden verurteilt. Dieses Umwelt-Thema verdreht die das Evangeliums. Dieses wir jedoch moderat und vorsichtig verpackt dem Zuschauer präsentiert.
Genesis 6 beschreibt hingegen die Sünden der Zeitgenossen Noahs Generation: Bosheit, ihr ganzes Herzens war darauf ausgerichtet das Böse zu tun, Korruption und Gewalt waren an der Tagesordnung.
Wenn man den Biblischen Bericht im Hinterkopf hat, dann merkt man die vielen falschen Darstellung sofort.
So tauchen in dem Film gefallene Engel auf, die ein wenig aussehen wie Orks – rein digitale Gestalten, wie selbstverständlich auch die Flut im Rechner generiert worden ist. Düster ist das alles und wuchtig auf der Tonspur.
Warum man Noah nicht sehen sollte:
Noah heißt auf Deutsch „Ruhe“. Davon bleibt in dem Film nichts übrig. Das Geschrei, Geballer und Gemetzel klingelt dermaßen in den Ohren, dass sich die Ruhe nach dem Sturm nicht recht genießen lässt. Höchst ärgerlich auch, dass eine ganz andere Noahgeschichte erzählt wird als in der Bibel. Aronofsky macht den Erbauer der Arche zu einem Öko-Fundamentalisten, der die Menschheit nicht retten, sondern auslöschen will. Das ist voll daneben. (Bernd Buchner, Redakteur) http://aktuell.evangelisch.de/artikel/93623/unsere-noah-filmkritik
Eine konventionelle Mischung aus „Herr der Ringe“, „Ben Hur“, „Titanic“ und Klingonien  sowie „Hornbach“-Reklame. Keine eigene Idee, keine spezielle Ästhetik. Dazu transportiert er vollkommen unironisch ein vorsteinzeitliches Geschlechter-Rollenverständnis. Es fällt doch tatsächlich der Satz: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!“ Heimwerker-Romantik pur! (Claudius Grigat, Freier Redakteur) http://aktuell.evangelisch.de/artikel/93623/unsere-noah-filmkritik
„Untypisch für einen Hollywoodfilm: die zuerst positive besetzte Hauptfigur Noah wird immer mehr zum Bösewicht, und wird immer unsympathischer.“
Ein Zuschauer sagte: „Ich will mein Geld und die kostbare Zeit meines Lebens zurück“

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Charlie Chaplin und die Nationalsozialisten

The_Great_Dictator_(screenshot).jpg„Der große Diktator“ gehört zu den Filmen, die ich mehrmals mit Begeisterung gesehen habe. Ich hoffe, die Satire auf Adolf Hitler, die am 15. Oktober 1940 uraufgeführt wurde, noch einige Male genießen zu können.   2011 ist ein opulentes Werk über Charlie Chaplin und die Nationalsozialisten erschienen. Bettina Klix hat das Buch:
Norbert Aping, Liberty Shtunk! Die Freiheit wird abgeschafft, Vorwort von Kevin Brownlow, 2011, Schüren Verlag, Marburg, 424 Seiten, viele Abbildungen, 38 Euro welches die Entstehung des Films eingehend beleuchtet, rezensiert:
„Ich konnte Hitler nicht ernst nehmen. Jede Postkarte zeigte eine andere Pose…Die Gebärde des Grußes, bei der er die Hand über die Schulter zurückwarf, wobei die Handfläche nach oben gerichtet war, erweckte in mir den Wunsch, ein Tablett mit schmutzigen Tellern daraufzustellen. ‚Das ist ein Verrückter!’ dachte ich. Doch als Einstein und Thomas Mann gezwungen wurden, Deutschland zu verlassen, war dieses Gesicht Hitlers nicht mehr komisch, sondern unheimlich.“ Was Charlie Chaplin hier beschreibt, ist eine Art die Gebärde zu studieren, die mit Hilfe grotesker Assoziationen der Wahrheit auf die Spur kommt. Und gleichzeitig schon Ideen für eine Figur sammelt, die sich aus dem Ausgangsmaterial herstellen lässt: Den Diktator Hynkel in der genialen Anti-Hitler-Satire „The Great Dictator“ (1940).

201302141139.jpgChaplin schrieb in seiner Autobiographie, dass er , trotz aller Schwierigkeiten im Vorfeld und der noch zu erwartenden Zensurprobleme – die USA befanden sich noch nicht im Krieg – fest entschlossen war, den Film zu machen, „denn über Hitler sollte gelacht werden.“ Aber: „Hätte ich etwas von den Schrecken der Konzentrationslager gewusst, ich hätte mich über den mörderischen Unsinn der Nazis nicht lustig machen können. “ Für dieses Projekt konnte Chaplin sich die Ähnlichkeit seiner Filmfigur des Tramps Charlie mit Hitler zunutze machen. Äußerer Anhaltspunkt war der zur Verwechslung einladende Schnurrbart, bei Chaplin falsch, bei Hitler echt. Auch zahllose Karikaturen in den Blättern der Auslandspresse – die im Buch zu sehen sind – nahmen die Barttracht zum Anlass für komische Vertauschungen und Verkehrungen. Chaplin hatte Hitler anhand von Wochenschau-Aufnahmen und Fotos genau studiert. Sein Sohn Charlie Chaplin Junior erzählt: „Dad studierte jede Pose des Diktators, machte sich alle Eigenheiten seines Benehmens zu eigen und war von dem Gesamteindruck gefesselt. ‚Der Kerl ist ein großer Schauspieler’, pflegte er voller Bewunderung zu sagen. ‚Wirklich, er ist der größte Schauspieler von uns allen.’“ „Dieses intensive Studium machte sich für Dad bezahlt.“, erzählt sein Sohn weiter. „Seine Darstellung Hitlers war eine perfekte Imitation, so perfekt, dass Deutsche die den Film sahen, genau hinhören mussten, um sich zu vergewissern, dass es sich nicht um den typischen Tonfall Hitlers handelte, sondern um Dads Kauderwelsch.“

Mehr: www.solon-line.de.
http://www.theoblog.de/charlie-chaplin-und-die-nationalsozialisten/19876

 

Veröffentlicht unter Kino

Der Film Lemon Tree des israelischen Autors und Regisseurs Eran Riklis zeigt unaufgeregt und mit einiger Situationskomik das Drama des Misstrauens.

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Salma Zidane, eine verwitwete Palästinenserin aus der Westbank, die in der Nähe einer jüdischen Siedlung eine seit Jahrzehnten im Familienbesitz befindliche Zitronenplantage bearbeitet, hat plötzlich neue Nachbarn: den israelischen Verteidigungsminister und seine Frau Mira. Aus Sicherheitsgründen soll der Zitronenhain daher verschwinden. Mit Hilfe des jungen Anwalts Ziad Daud klagt Salma gegen diese Maßnahme – bis zum Obersten Gerichtshof, der verfügt, dass die Zitronenbäume zwar stehen bleiben dürfen, aber bis auf Bodenhöhe gekappt werden müssen, wodurch sie jegliche Funktion einbüßen. Von dem saftigen Grün bleibt ein karges Stoppelfeld übrig, eingezäunt und zur Siedlung hin von einer hohen Mauer umschlossen.
Das ist – ganz grob – die Geschichte, die der Film Lemon Tree erzählt, der auf der Berlinale 2008 mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Er erzählt sie ohne großes Pathos und in einer Draufsicht, die versucht, möglichst objektiv zu sein und die inmitten der Feindschaft den gemeinsamen Feind auf beiden Seiten der Mauer identifizieren hilft: das Misstrauen, das entsteht, wenn man wenig weiß über den Anderen, über den Nächsten, hier: über den Nachbarn.
Freilich werden die Sympathien subtil ungleich verteilt. Es fällt viel leichter, sich mit der Frau vom Zitronenhain zu identifizieren als mit dem Verteidigungsminister. Der Wohlstand der jüdischen Siedler wird mit der Armut der Palästinenser konfrontiert, die oft genug behördlicher Willkür ausgesetzt sind. Doch der Film moralisiert nicht. Zu Recht, denn keiner Seite ist allein der Vorwurf zu machen. Das Sicherheitsinteresse Israels ist ebenso unbestreitbar wie das Interesse der Palästinenser, in menschenwürdigen Verhältnissen zu leben – und dazu gehört die Garantie von Leben, Freiheit und Eigentum. Die zahlreichen terroristischen Angriffe, die eine Maßnahme wie die Vernichtung des Zitronenhains rechtfertigen, heben die Unschuldsvermutung, die auch gegenüber Salma gelten muss, nicht auf.
Doch das Risiko bleibt. Abbauen ließe es sich nur durch den persönlichen Kontakt – etwas, das sich Mira, die Ehefrau des Verteidigungsministers, insgeheim wünscht, aber nicht realisieren kann. Was hindert sie daran, in eine Beziehung zu ihrer Nachbarin zu treten? Antwort: Die Umstände, die sich wiederum nur durch Beziehung ändern ließen. Es wird deutlich: Irgend jemand muss den Bann brechen, muss den nötigen Vertrauensvorschuss liefern, anders lässt sich das Problem nicht lösen, anders lässt sich die Spirale aus Angst und Gewalt nicht stoppen. Es braucht Feindesliebe – zumindest den Wunsch nach einem Ende der Feindschaft.
Dabei sind sich Salma und das Paar von nebenan viel näher als sie denken. Ihre Kinder studieren beide in den USA, wie sich im Laufe der Handlung herausstellt. Und schließlich sind sie Nachbarn, die aber von einem Stacheldraht (am Ende des Films von einer Mauer) getrennt sind. Die ganze skurrile Situation rund um die Zitronenplantage wird untermalt von den Logik-Lektionen, die sich der diensthabende Soldat auf seinem Wachturm anhört, offenbar, um sich auf eine Prüfung vorzubereiten. Sie stehen in scharfem Kontrast zur Unlogik des Misstrauens, das nur Verlierer zurücklässt: Salma verliert ihre Zitronenbäume, der Verteidigungsminister, nachdem er sich die Aussicht auf den Zitronenhain verbaut hat, verliert seine Frau, die ihn schweigend verlässt. Es braucht die Logik der Liebe, die den ersten Schritt tut. Diese Lehre erteilt Lemon Tree – ohne Vorwürfe und ohne erhobenen Zeigefinger. Guter Film.
(http://jobo72.wordpress.com/2014/01/09/eine-zitronenplantage-oder-die-angst-vor-dem-unbekannten/ Josef Bordat)

Veröffentlicht unter Kino