Das Gebetbuch Jesu Christi

„Das Psalmengebet, das uns nicht über die Lippen will, vor dem wir stocken und uns entsetzen, lässt uns ahnen, dass hier ein anderer der Beter ist, als wir selbst, dass der, der hier seine Unschuld beteuert, der Gottes Gericht herbeiruft, der in so unendlich tiefes Leiden gekommen ist, kein anderer ist als Jesus Christus selbst.
Er ist es, der hier betet, und nicht etwa nur hier, sondern im ganzen Psalter. So hat es das Neue Testament und die Kirche von je her erkannt und bezeugt. Der Mensch Jesus Christus, dem keine Not, keine Krankheit, kein Leid fremd ist, und der doch der ganz Unschuldige und Gerechte war, betet im Psalter durch den Mund seiner Gemeinde. Der Psalter ist das Gebetbuch Jesu Christi im eigentlichsten Sinne.“
Bonhoeffer, Gemeinsames Leben, s. 36.

„Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rate der Bösen und auf dem Weg der Sünder nicht steht und nichts sitzt, wo die Spötter sitzen“ (Ps 1,1),

„Gottlosigkeit ist jene Grundorientierung, in welcher der Mensch entweder Gott leugnet oder lebt, als ob Gott nicht wäre. Der Gottlose rückt sich selbst als Individuum oder als Kollektiv in den Mittelpunkt, von wo aus er urteilt, was gut und schlecht, was schön und hässlich, was zu tun und zu lassen ist. Der Psalm spricht vom ‚Rat der Gottlosen‘, in dem der Unselige aus- und eingeht. Die Menschen mit der gottlosen Perspektive bilden einen ‚Rat‘, das heißt eine Verständigungsgemeinschaft. Zwar herrscht in dieser kein wirklicher Friede, denn wo Menschen sich selbst zum Mittelpunkt machen, wo sie einen babylonischen Turm bauen, da entsteht babylonische Verwirrung. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Aber hinsichtlich der anthropozentrischen Perspektive sind sich die Gottlosen dennoch einig. Dass man keine ‚übernatürliche Hypothese‘ in die Beratung irdischer Dinge einführen dürfe, das bildet die gemeinsame Basis dieses ‚Rates‘. Wer den Weg der Seligkeit wählt, verkehrt nicht in diesem Rat, denn er kann sich mit jenen nicht verständigen, deren fundamentale Prämisse die Lüge ist.
Aus der Gottlosigkeit folgt die Sünde, das heißt das von Selbstsucht regierte Handeln, das bei aller Verschiedenheit in einem Punkt übereinstimmt: nicht mit der Ordnung Gottes übereinzustimmen. Die Sünder gehen einen ‚Weg‘. Dass der selige Mann ihn nicht geht, versteht sich von selbst. Aber so wie er im Rat der Gottlosen nicht beiläufig verkehrt, so ‚steht‘ er auch nicht am Weg der Sünder, das heißt, er hält sich gar nicht in diesem Umkreis auf, weil er nämlich gar nicht ‚steht‘, sondern selbst geht, aber einen anderen Weg.
Schließlich die Spötter. Sie sitzen. Sie sind Zuschauer – Zuschauer, die ihr Vergnügen daran haben, wenn das Gute ‚entlarvt‘ wird. Sie Hegen immer auf der Lauer, das Gute zu entlarven, weil sie seine Echtheit nämlich gar nicht wahrnehmen können. Sie lachen über die Tanzenden, weil sie die Musik nicht hören. Sie freuen sich, wenn der Gute der Dumme ist, denn für sie ist ein Leben aus göttlicher Perspektive ohnehin Dummheit.“

Robert Spaemann: Meditationen eines Christen: Über die Psalmen 1-51, Stuttgart: Klett-Cotta. 2014, ISBN: 978-3608948875, 409 S., 49,95 €

Gedanken zu Psalm 23. Dieser Psalm von David ist einer der bekanntesten Abschnitte aus Gottes Wort.

Dieser Psalm von David ist einer der bekanntesten Abschnitte aus Gottes Wort. Unzählige Menschen haben darin Trost und Erquickung gefunden. Viele haben sich in Nöten und Schwierigkeiten an die Worte dieses Psalms geklammert. Obwohl recht kurz, enthält dieser Psalm doch eine Fülle von Gedanken:

„Der Herr ist mein Hirte“
Das ist Beziehung!

„Mir wird nichts mangeln“
Das ist Fürsorge!

„Er lagert mich auf grünen Auen“
Das ist Ruhe!

„Er führt mich zu stillen Wassern“
Das ist Erfrischung!

„Er erquickt meine Seele“
Das ist Wiederherstellung und Heilung!

„Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit“
Das ist Leitung!

„Um seines Namens willen“
Das ist Vorsatz!

„Auch wenn ich wanderte im Tal des Todesschattens“
Das ist Erprobung!

„Fürchte ich nichts Übles“
Das ist Schutz!

„Denn du bist bei mir“
Das ist Treue!

„Dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich“
Das ist Erziehung!

„Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde“
Das ist Gemeinschaft!

„Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt“
Das ist Weihung!

„Mein Becher fließt über“
Das ist Fülle!

„Nur Güte und Huld werden mir folgen alle Tage meines Lebens“
Das ist Segen!

„Und ich werde wohnen im Haus des Herrn“
Das ist Hoffnung!

„Auf immerdar“
Das ist Ewigkeit!

Genau in der Mitte des Psalms finden wir die Aussage: „Denn du bist bei mir“. Das Wertvollste ist nicht, was wir haben, sondern wen wir haben: Der gute Hirte ist bei uns!

unbekannt
Soulsaver

Gute-Laune-Gedichte?

Große literarische und musikalische Schönheit gibt es nicht ohne einen Schuss Traurigkeit, Melancholie, Moll, Blues. Denn vieles im Leben ist nun einmal traurig, und auch Gotteslieblinge sind nicht davon ausgenommen. Deshalb handelt es sich bei den meisten Psalmen nicht um Gute-Laune-Gedichte, sondern um Krisenbewältigungslyrik. Die Schlüsselbegriffe sind das Substantiv «Gott», das Verb «hilf» sowie die Adverbien «warum» und «trotzdem». Markus Spieker in ‚Jesus. Eine Weltgeschichte.‘

Psalm 139 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag.
Finsternis ist wie das Licht.
Verse aus Psalm 139

„Der alttestamentliche Tag beginnt mit dem Abend und endet wieder mit dem Sonnenuntergang. Das ist die Zeit der Erwartung. Der Tag der neutestamentlichen Gemeinde beginnt mit der Frühe des Sonnenaufgangs und endet mit dem Anbruch des Lichtes am neuen Morgen. Das ist die Zeit der Erfüllung, der Auferstehung des Herrn. In der Nacht wurde Christus geboren, ein Licht in der Finsternis, der Mittag wurde zur Nacht, als Christus am Kreuze litt und starb, aber in der Frühe des Ostermorgens ging Christus als Sieger aus dem Grabe hervor. … Was wissen wir Heutigen, die wir Furcht und Ehrfurcht vor der Nacht nicht mehr kennen, noch von der großen Freude unserer Väter und der alten Christenheit an der morgendlichen Wiederkehr des Lichtes? Wollen wir wieder etwas lernen von dem Lobpreis, der am frühen Morgen den dreieinigen Gott gebührt, Gott, dem Vater und Schöpfer, der unser Leben bewahrt hat in der finsteren Nacht und uns aufgeweckt hat zu einem neuen Tag.“
Dietrich Bonhoeffer

Das Buch der Psalmen – Was ist Anbetung?

Didaktische Psalmen

EINLEITUNG ZU DEN PSALMEN

Die Psalmen waren das Lob-Buch der Juden. Mit wenigen Ausnahmen kann jeder Psalm unabhängig von anderen Psalmen verstanden werden. Obwohl in den Psalmen sehr unterschiedliche Themen behandelt werden, gibt es zwei Schwerpunkte:

  1. Die praktische Betonung – Von allen Büchern des AT werden die Psalmen im NT am häufigsten zitiert. Seit eh und je erfreut sich dieses Buch großer Beliebtheit unter den Kindern Gottes. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass fast alle Erfahrungen, welche ein Mensch im Leben durchmacht, sich in den Psalmen widerspiegeln. Die Psalmen sind aber nicht nur Berichte über menschliche Erfahrungen, sondern sie vermitteln auch praktische biblische Lehre, welche ihre Wurzel in der Unwandelbarkeit der Person und des Charakters Gottes hat. Sogar wenn alle anderen Bücher des AT verlorengingen, könnte man trotzdem klar verstehen, woran die Juden glaubten und wie sie diesen Glauben lebten.Das Buch der Psalmen ist einmalig. Es ist das einzige Buch in der Bibel, in welchem das Grundthema lautet: MENSCHEN SPRECHEN MIT GOTT. In fast allen Büchern der Bibel lautet das Thema: GOTT SPRICHT MIT DEN MENSCHEN.
  2. Die prophetische Betonung – Einige der größten prophetischen Themen der Bibel werden in den Psalmen dargelegt:
    1. die Erwartung des Messias – Dies ist bei weitem die wichtigste Wahrheit in den Psalmen. Einige Aspekte des Messias und seines Werks werden geoffenbart:
      1. Seine Menschwerdung (Ps. 8)
      2. Seine Priesterschaft (Ps. 110)
      3. Seine Sohnschaft (Ps. 2)
      4. Seine Leiden und Sein Tod (Ps. 22)
      5. Seine Auferstehung (Ps. 16)
      6. Seine Wiederkunft als König (Ps. 2; Ps. 24)
    2. die Zukunft Israels – Der zukünftige Segen Israels ist eng mit dem Messias verbunden (Ps. 68; 89; 102).
    3. die Heiden – Auch Wahrheiten über die prophetische Zukunft der Nationen kommen in den Psalmen vor (Ps. 2; 65; 66).

Als die verschiedenen Lieder von David und den übrigen Verfassern um etwa 500 v. Chr. zu einem Werk zusammengefasst wurden, erhielten sie auf Hebräisch die Bezeichnung „Tehillim“, was „die Loblieder“ bedeutet. Etwa 300 Jahre später, als das AT in der griechischen Sprache, in der Septuaginta-Übersetzung, erschien, wurde „Tehillim“ als „Psalmoi“ wiedergegeben. „Psalmoi“ bedeutet „Lieder mit Begleitung für Streichinstrumente“. Dies ist der Name, der auch in den Tagen des NT verwendet wurde (z.B. Apg. 1,20).

DIE ENTSTEHUNG DER PSALMEN

In 1. Chr.. 16,1-43 wird berichtet, wie die Bundeslade in Jerusalem durch David aufgestellt wurde. In Vers 4 steht:

„Und er (David) bestellte vor die Lade Jahwes einige von den Leviten als Diener, dass sie Jahwes, des Gottes Israels, gedächten (eigentlich: preisend gedächten) und Ihn priesen und rühmten.“

In Vers 7 steht:

„Damals, an jenem Tage, trug David zum ersten Male Asaph und seinen Brüdern auf, Jahwe zu preisen…“

In den Versen 8-36 wird das Danklied Davids wiedergegeben, welches Teilen von Ps. 105; 96 und 106 sehr ähnlich ist. Es scheint so, als ob die Psalmen in diesem Anfangsstadium von David geschrieben und dann Asaph und seinen Leviten-Musikern zur Begleitung und Ausführung übergeben wurden. In Vers 36 wird berichtet, dass „alles Volk“ mitwirkte und zu den Psalmen „Amen“ sagte und auch den Herrn lobte.

In Vers 37 kommt es klar zum Ausdruck, dass dieser Lobpreis eine tägliche, beständige Angelegenheit war. Zu einem späteren Zeitpunkt (siehe 1. Chr. 25,1-8) hatten die Söhne Asaphs einen regelrechten Chordienst eingerichtet, um Gott täglich, in Verbindung mit den verschiedenen Opfern, durch Gesang und Musik zu loben und zu preisen.

DIE VERFASSER DER PSALMEN

Das Buch der Psalmen wurde oft „die Psalmen Davids“ genannt. Diese Bezeichnung ist verständlich, wenn man bedenkt, dass 73 der 150 Psalmen (d.h. 49 %) „offiziell“ David zugeschrieben werden. (Es gibt noch weitere Psalmen, die zwar den Namen Davids nicht tragen, aber dennoch ihm zugeschrieben werden, wie z.B. Ps. 2, der „offiziell“ anonym ist, doch in Apg. 4,25 vom Heiligen Geist als ein Psalm Davids bezeichnet wird.

Die folgende Karte gibt einen Überblick über die Verfasser der Psalmen:

117 – Die Verfasser der Psalmen

DIE VERFASSER

BUCH 1
(1-41)

BUCH 2
(42-72)

BUCH 3
(73-89)

BUCH 4
(90-106)

BUCH 5
(107-150)

GESAMTZAHL FÜR JEDEN VERFASSER

DAVID

37

18

1

2

15

73

ASAPH

1

11

12

KORAH

7

3

10

SALOMO

1

1

2

MOSES

1

1

ETHAN

1

1

HEMAN

1

1

ANONYM

4

4

14

28

50

 

Die Unterteilung der Psalmen

1-41

42-72

73-89

90-106

107-150

BUCH 1

BUCH 2

BUCH 3

BUCH 4

BUCH 5

VEREHRENDE ANBETEUNG

STAUNENDE ANBETUNG

UNABLÄSSIGE ANBETUNG

ERGEBENE ANBETUNG

VOLLENDETE ANBETUNG

Lobpreis
41,13

Lobpreis
72,18-19

Lobpreis
89,52

Lobpreis
106,48

Lobpreis
150,6

41 Psalmen

31 Psalmen

17 Psalmen

17 Psalmen

44 Psalmen

 

Die 150 Psalmen werden in 5 Bücher unterteilt, welche jeweils durch einen Lobpreis Gottes voneinander getrennt werden. Einige Bibellehrer behaupten, dass diese 5 Lobpreise Aufschluss über den jeweiligen Charakter der Anbetung in den verschiedenen Büchern geben.

EINTEILUNG DER PSALMEN

HAUPTGEDANKE: DIE ERFAHRUNGEN DES LEBENS

 

  1. BUCH 1 – VEREHRENDE ANBETUNG: Ps. 1-41
  2. BUCH 2 – STAUNENDE ANBETUNG: Ps. 42-72
  3. BUCH 3 – UNABLÄSSIGE ANBETUNG: Ps. 73-89
  4. BUCH 4 – ERGEBENE ANBETUNG: Ps. 90-106
  5. BUCH 5 – VOLLENDETE ANBETUNG: Ps. 107-150

DIE DIDAKTISCHEN PSALMEN

Die didaktischen (lehrenden) Psalmen wurden für formelle Unterweisung verwendet, um das Volk Gottes geistliche Wahrheiten zu lehren. Diese Psalmen enthalten hauptsächlich wichtige Lehren hinsichtlich des Wandels und des Charakters des Gerechten.

PSALM 1

Psalm 1 ist ein gutes Beispiel für einen didaktischen Psalm. Er dient als gute Einleitung zu dem ganzen Buch der Psalmen. Es kommen darin zwei Männer vor, welche in den Psalmen immer wieder vorkommen.

DER GERECHTE
(V. 1-3)

DER GESETZLOSE
(V. 4-6)

die Personenbeschreibung

die Erläuterung – der Vergleich
„wie die Spreu“

die Erläuterung – der Vergleich
„wie ein Baum“

die Erklärung

Der Gerechte (V. 1-3) – Zuerst wird dargestellt, was er nicht macht; danach was er macht:

D E R    G E R E C H T E

wandelt NICHT

im Rate

der Gottlosen

steht NICHT

auf dem Wege

der Sünder

sitzt NICHT

auf dem Sitze

der Spötter

Nun wird beschrieben was er macht und wie er ist:

 

D E R   G E R E C H T E   I S T   W I E   E I N   B A U M

1) Dauerhaftigkeit – er steht fest und unbeweglich
2) Fruchtbarkeit   – er bringt Frucht Jahr für Jahr
3) Wohlergehen   – er hat Gelingen im Willen Gottes

Der Gesetzlose (V. 4-6) – Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Gesetzlosen; er ist wie die Spreu – leblos, wertlos und vergänglich. Er wird im Gericht nicht bestehen können.

PSALM 101

Anlass für diesen Psalm war wahrscheinlich der Entschluss Davids, ein guter König zu sein. David zeigt in diesem Psalm große Entschlossenheit. Er kannte die Wahrheit von Psalm 1. Man könnte sagen, dass Psalm 101 die praktische Anwendung der Wahrheit aus Psalm 1 ist.

Man kann den Psalm in zwei Abschnitte unterteilen:

Der gerechte König (V. 1-4)

D E R   G E R E C H T E   K Ö N I G

ICH WILL   von Güte und Recht singen
ICH WILL   Psalmen singen
Davids Beziehung zu Gott
ICH WILL   weislich handeln
ICH WILL   in Lauterkeit wandeln
ICH WILL   keine Götzen haben
ICH WILL   den Bösen nicht kennen
Davids Beziehung zu anderen Menschen
und seine Einstellung sich selbst gegenüber

Das gerechte Reich (V. 5-8)

D A S   G E R E C H T E   R E I C H

ICH WILL   vertilgen, wer seinen Nächsten heimlich verleumdet
ICH WILL   den Hochmütigen nicht dulden
ICH WILL   alle Gesetzlosen des Landes täglich ausrotten

Nur die Treuen im Lande und die, welche auf vollkommenem Wege wandeln, sollen David dienen.

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