Im Zeitalter der Angst

Prof. Dr. Samuel Pfeifer (li.). Wie im Schneegestöber: Wir brauchen auch in der Pandemie Markierungen am Wegrand. Fotos: ZVG; SHUTTERSTOCK/LASEN DOLTSHINKOV Prof. Dr. Samuel Pfeifer (li.). Wie im Schneegestöber: Wir brauchen auch in der Pandemie Markierungen am Wegrand. Fotos: ZVG; SHUTTERSTOCK/LASEN DOLTSHINKOV

(IDEA) – ln meiner Sprechstunde ist Corona allgegenwärtig. Kaum jemand, der nicht auch seelisch davon betroffen wäre. Corona hat sich als schwere Last auf die Menschen gelegt. Insbesondere sensible Menschen leiden unter einer enormen Angst. Sie lesen jeden verfügbaren Artikel und steigern sich in die Gefahrenwelt hinein, weit über jede sinnvolle Vorsicht hinaus. Nicht wenige isolieren sich völlig von anderen Menschen und vereinsamen weit über das notwendige Mass hinaus.

Angst hat viele Gesichter. Einerseits gehört sie zum Menschen; sie schützt uns vor Gefahren. Wenn sie aber entgleist, dann wird sie zum seelischen Gefängnis, zum „tiefen schlammigen Wasser, wo kein Grund mehr ist“, wie dies schon David in Psalm 69 beklagte.

Neue Formen der Angst

Bei Corona zeigt die Angst eine Vielfalt von Ausdrucksformen. Ich beobachte aktuell eine Trias von drei A: Angst, Abwehr und Aggression. Wenden wir uns der Abwehr zu: „So schlimm kann es nicht sein!“ „Mich trifft es nicht!“ Die Bilder überfüllter Krankenhäuser werden ausgeblendet, die dramatischen Berichte des Pflegepersonals ignoriert. In ihrem Unverwundbarkeits-Gefühl gefährden Menschen in Abwehr sich selbst und andere. Ist ihre Abwehr nur eine andere Form von Angst?

Doch die Abwehr kann sich auch zur Aggression steigern. Der Lockdown gibt ein Gefühl des Eingesperrtseins und der Bevormundung. Der Freiheitsdrang bricht sich Bahn in Demonstrationen und bewusstem Bruch der Regeln. Propheten der Endzeit bekommen eine neue Plattform. In den Chatgroups des Internets tauschen sie ihre Botschaften aus, säen Zweifel an den Massnahmen und malen statt der Hoffnung auf eine Überwindung der Pandemie bewusst „den Teufel an die Wand“, auch wenn der manchmal das Gesicht von Bill Gates hat. Somit zeigt sich in der Corona-Pandemie eine neue Form der Angst, die weit über die Krankheit hinausgeht: tiefsitzende Ängste vor Weltuntergang und Zerstörung unserer Zivilisation. Dies verbaut auch den Blick für Wege aus der Krise. Es ist eine Tragik, dass einzelne Splittergruppen unter den Freikirchen die Angst vor dem Impfstoff schüren, mit diffusen Ängsten, unbegründeten Vorbehalten, mit einer Kombination von alternativmedizinischer Pseudowissenschaft und apokalyptischen Szenarien.

Vom Umgang mit der Wissenschaft


In der Not kann die Logik nicht trösten. Aber müssen wir deshalb jedem Zweifel Raum geben? Wie sollen wir als Christen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fortschritten umgehen? Im Schneegestöber geben rote Signalpfosten entlang der Strasse eine gewisse Orientierung. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind solche Markierungen am Wegrand. Darauf stützt sich die Politik, um die Zahl der Ansteckungen zu reduzieren. In kurzer Zeit wurden neue Medikamente entwickelt, die den Verlauf der Krankheit deutlich mildern. Nun gibt es auch Impfstoffe, die uns längere Zeit gegen den Befall mit dem Virus schützen sollen. Die Ergebnisse sind ermutigend, die Nebenwirkungen bei Millionen Geimpften äusserst gering und in keinem Verhältnis zur Schwere der Krankheit. Für uns alle wird das Leben dadurch besser. Wir tun gut daran, uns mit bewährten Mitteln zu schützen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Wer sich schützt, ist nicht ein Angsthase, sondern eine Person, die die Warnsignale ernst nimmt und umsetzt. Gerade, wenn man auch die Sicherheit und das Wohl von geliebten Menschen im Auge hat, wird man umso mehr alles tun, um eine gefährliche Erkrankung zu vermeiden.

Gelassenheit, Gottvertrauen, Geduld

So plädiere ich für eine Trias von drei G: Gelassenheit, Gottvertrauen und Geduld. Ich plädiere für Gelassenheit als Gegengewicht zu dieser totalen Fixierung des Lebens auf Corona. Es stimmt: Corona ist eine grosse Gefahr; ja – ich bin nicht unverwundbar; ich versuche mich zu schützen, so gut ich kann. Aber ich habe keine Garantie davor, nicht auch selbst zu erkranken. Mein Leben ist in Gottes Hand.

Vielleicht fällt eine solche Sichtweise demjenigen leichter, der bereits dem Tod ins Auge geschaut hat. Auch als Wissenschaftler und Facharzt brauche ich nicht nur Daten, sondern ein Grundvertrauen auf Gott, der mitten im „Schnee­gestöber“ bei uns ist. Den tiefsitzenden Ängsten vor Weltuntergang setze ich die Hoffnung entgegen, dass Gott über allem steht, und dass er mich führt. Ein Liedvers von Dietrich Bonhoeffer begleitet mein Leben: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Aus einer Fabel ist folgende Geschichte überliefert: Da kommt ein Mann zum Rabbi und fragt: „Soll ich mein Reittier anbinden oder soll ich Gottvertrauen haben? Der Rabbi antwortet: „Binde es an und hab Gottvertrauen!“ Was lernen wir daraus? Beides ist wichtig: Achtsamkeit und Selbstschutz, mir und anderen zuliebe, aber auch das Vertrauen, dass Gott da ist, komme, was da wolle. Gepaart mit Geduld werden wir miteinander diese dunkle Zeit von Corona überwinden.
(Autor: Samuel Pfeifer)

Prof. Dr. Samuel Pfeifer ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und lebt in Riehen.

https://www.ideaschweiz.ch/glaube/detail/im-zeitalter-der-angst-115059.html

Erstaunliche Botschaft einer lesbischen Schwester

Theoblog.de hat einen sehr interessanten, ehrlichen und ausgewogene Artikel von Hunter Baker übersetzt.

Eine erstaunliche Botschaft von einer lesbischen Schwester in Christus

An die Kirche – zum Thema Homosexuelle und Lesben:

Viele von euch glauben, dass es uns in euren Gemeinden, euren Schulen, in eurer Nachbarschaft nicht gibt. Ihr glaubt, dass wir nur wenige sind und dass man uns leicht erkennen kann. Ich sage Euch aber: wir sind viele. Wir sind eure Lehrer, eure Ärzte, eure Buchhalter und Hochschulsportler. Uns gibt es in allen Hautfarben, Typen und Körpergrößen. Wir sind Singles, Ehemänner und Ehefrauen, Mütter und Väter. Wir sind eure Söhne und Töchter, eure Nichten und Neffen, eure Enkelkinder. Wir arbeiten im Kindergottesdienst mit, sitzen in euren Kirchenbänken, singen in euren Chören und stehen auf euren Kanzeln. Ihr wollt uns nicht sehen, weil ihr uns entweder ignoriert oder weil es eure Gemeinde durcheinander bringen könnte. Wir SIND eure Gemeinde. Wir kommen Woche für Woche in eure Kirchen, weil wir Orientierung und einen Hoffnungsschimmer suchen, dass wir uns verändern können. Wir haben genauso wie ihr Jesus in unser Herz aufgenommen. Genau wir ihr wollen wir sein, wie Christus uns haben will. Wir beten jeden Tag um Gottes Führung, wie ihr es auch tut. Und genauso wie ihr versagen wir oft.

Wenn das Wort „homosexuell“ in der Gemeine fällt, halten wir den Atem an und bekommen es mit der Angst zu tun. Meist folgen diesem Wort dann Verdammung, Gelächter, Hass oder Witze. Nur ganz selten hören wir Worte der Hoffnung. Wir erkennen unsere Sünde wenigstens. Aber sieht die Kirche auch ihre Sünde? Seht ihr eure Sünde des Stolzes darüber, besser oder Jesus wohlgefälliger zu sein als wir? Seid ihr in euren Beziehungen zu uns Christus-ähnlich gewesen? Würdet ihr euch mit uns am Brunnen oder im Restaurant treffen, um ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee mit uns zu trinken? Würdet ihr uns berühren, wenn wir Anzeichen von Aussatz oder AIDS hätten? Würdet ihr uns wie Christus den Zachäus vom Baum herunter rufen und bei uns zu Gast sein? Würdet ihr uns einladen, an eurem Tisch zu sitzen und das Brot mit euch zu brechen? Könnt ihr uns bedingungslos lieben und helfen, weil Christus wie bei euch an unserem Herzen arbeitet, damit wir alle zu Überwindern werden?

An alle, die die Kirche verändern wollen, um Schwule und Lesben mit ihrem homosexuellen Lebensstil zu akzeptieren: Ihr gebt uns keine Hoffnung. Alle, die wir Gottes Wort kennen und es nicht verwässern wollen, damit es unseren Wünschen und Sehnsüchten entspricht, wir bitten euch: lest den Brief von Johannes an die Gemeinde in Pergamon:

„Doch einen Vorwurf kann ich dir nicht ersparen: Du duldest in deiner Mitte Anhänger der Lehre Bileams. Bileam hatte Balak den Rat gegeben, die Israeliten zum Essen von Opferfleisch, das den Götzen geweiht war, und zu sexueller Zügellosigkeit zu verführen und sie dadurch zu Fall zu bringen. Auch bei dir gibt es Leute wie Bileam: Es sind die Anhänger der Lehre der Nikolaiten. Darum sage ich dir: Kehre um!”

Um politisch korrekt zu sein, seid ihr bereit, bei Gottes Wort Kompromisse zu machen. Aber wir lassen uns nicht täuschen. Wenn wir eure Kompromissbereitschaft akzeptieren, dann müssen auch wir Kompromisse machen. Dann müssen wir eure Lügen, euren Ehebruch, eure Lust, euren Götzendienst, eure Süchte, EURE Sünden auch akzeptieren. „Wer bereit ist zu hören, achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt!“

Wir bitten euch genauso wenig um die Akzeptanz unserer Sünden wie wir bereit sind, eure Sünden zu akzeptieren. Wir bitten euch einfach nur um die gleiche Unterstützung, Liebe, Orientierung und vor allem Hoffnung, die alle anderen in eurer Gemeinde auch bekommen. Wir sind eure Brüder und Schwestern in Christus. Wir sind noch nicht, was wir sein sollen, aber Gott sei Dank sind wir auch nicht mehr die, die wir waren. Bemühen wir uns miteinander, dass alle sicher nach Hause finden.
Eine Schwester in Christus


Gott vor der Tür

Gott wird keine Tür aufbrechen, um einzutreten.
Vielleicht schickt er einen Sturm um das Haus; der Wind einer Vorwarnung mag Türen und Fenster sprengen, ja das Haus in seinen Fundamenten erschüttern; aber ER kommt nicht dann, nicht so.
Die Türe muß von freiwilliger Hand geöffnet werden, bevor der Fuß der Liebe über die Schwelle tritt. Gott wartet, bis die Tür von innen aufgeht.
Jeder Sturm ist nur ein Angriff der belagernden Liebe.
Der Schrecken Gottes ist nur die Kehrseite seiner Liebe; es ist die Liebe draußen, die innen sein möchte. – Liebe, die weiß, das Haus ist kein Haus, nur ein Ort, fsolange ER nicht eintritt. C. S. Lewis; aus: Die Weisheit meines Meisters
„Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir.“ Offenbarung 3,20

Lachen und Weinen

In der Nachfolge Jesu lebt die Gemeinde als Seelsorgerin nicht ein entrücktes Dasein, sondern kennt sich als ein wissendes Stück der versöhnten Welt, nimmt in der Nachfolge Jesu teil an der Lust und am Weh der Welt Sie steht unter der Mahnung: »Freuet euch mit den Fröhlichen, weinet mit den Weinenden« (Röm 12,15). Die Gemeinde weiß zwar um die Kürze der Zeit, die das Lachen und Weinen relativiert (1Kor 7,29 f); aber sie wird deshalb nicht gemahnt, das laute Lachen der Welt zu temperieren. Sie wird ausdrücklich zuerst zum Mitlachen und dann auch zum Mitweinen aufgerufen, d.h. sie soll teilnehmen, herzlich teilnehmen an den Freuden und Leiden der Kreatur. Nur im Mitlachen und Mitweinen, im Mitfühlen mit den Weltkindem kann die Gemeinde ihr Amt der Seelsorge ausüben. Gerade dies haben wir in der Kirche weithin verlernt, daß es eine Seelsorge des Mitlachens gibt. »Schmunzeln ist auch eine Gnade, von der leider die Theologen nicht schreiben.«
Rudolf Bohren (Dem Worte folgen, 1969, S. 100–101)