Paulus, Knecht Gottes und Apostel Jesu Christi, nach dem Glauben der Auserwählten Gottes und der Erkenntnis der Wahrheit, die der Frömmigkeit gemäß ist, (Titus 1,Vers 1 Luther 2017)

Paulus ist Gott verpflichtet. Er weiß um seine Schuldigkeit als Gottes Leibeigener. Er ist sein Sklave. „Knecht“ alleine ist ein zu schwacher Begriff. Es handelt sich um einen starken Ausdruck der Zugehörigkeit.
Es konnte früher vorkommen, dass der Herr seinem Sklaven nicht unbedingt direkte Befehle gab. Der Sklave, bzw. der Leibeigene, war auf Gebärden seines Herrn angewiesen, musste ihn also ständig beobachten, um aus Haltung und Bewegungen schließen zu können, was er zu tun hatte. Paulus hält seine Augen auf den Herrn gerichtet und dient ihm wie ein Sklave, ein Leibeigener. Er ist mit allen seinen Nerven auf seinen Herrn ausgerichtet.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass er sich als Sklave bezeichnet. Er war stets bis ins Tiefste davon überzeugt, dass er als ein durch den Tod Jesu Christi Erkaufter nicht sich selbst gehörte. Es ist jedoch das einzige Mal, dass er sich „Sklave Gottes“ nennt. Warum, ist nicht ganz klar.

Denkt man an die Leser des Briefes aus dem Judentum, so könnte diese Selbstbezeichnung als ein Ehrentitel aufzufassen sein, denn im AT wurden solche wie Abraham, Mose, David und das erwählte Volk Gottes so bezeichnet. Vielleicht hat Paulus sich so genannt, um sich vor seinen Volksgenossen bewusst als Apostel auf dieselbe Stufe wie alttestamentliche Erwählte Gottes zu stellen, um seine von Gott gegebene Vollmacht herauszustellen.
Denkt man auf der anderen Seite an seine Leser aus dem Heidentum, so müssten sie diese Bezeichnung unwillkürlich mit Niedrigkeit und Schmach in Verbindung bringen. Da er gleich seine Apostelbezeichnung mit einem „aber“ seinem Sklavesein gegenüberstellt, dürfte der zweite Beweggrund der wahrscheinlichere sein.
Als leibeigener Knecht Gottes ist er für die noch schwachen Christen auf Kreta ein Vorbild. Er findet es für dringend notwendig, dass sie aufgerufen werden zu einem Ernstmachen in ihrem Leben nach dem Evangelium. Dementsprechend teilt er ihnen über Titus gleich eingangs mit, dass er keinerlei Freiraum für sich selbst in Anspruch nimmt und somit kein Selbstleben duldet: Er ist ganz und vollzeitlich Sklave dessen, der sein Leben für ihn gab.

Notizen zum Titusbrief

Wenn der Römerbrief und der Epheserbrief zusammen als die Dogmatik des Paulus bezeichnet werden können, so ist der Titusbrief seine Ethik, eine aber, die nicht im Gesetz, sondern im Evangelium verankert ist, nämlich in den erwähnten drei Texten, die klares Heilsfundament bilden. Der Brief zeigt, dass aus dem Evangelium reichlich Gnade fließt für ein Gott wohlgefälliges Leben in dieser dunklen Welt und Zeit.
Das Schreiben enthält drei zentrale Lehrtexte: 1,1-3; 2,11-15; 3,4-7. Ansonsten trägt es außergewöhnlich starken ethischen Charakter.

Im Titusbrief werden Frauen ermutigt, sich aktiv um die nächste Generation zu kümmern

9 Dinge, die wir von „Titus 2 – Frauen“ lernen können

„… dass sich die alten Frauen gleicherweise so verhalten sollen, wie es Heiligen geziemt, dass sie nicht verleumderisch sein sollen, nicht vielem Weingenuss ergeben, sondern solche, die das Gute lehren, damit sie die jungen Frauen dazu anleiten, ihre Männer und ihre Kinder zu lieben, besonnen zu sein, keusch, häuslich, gütig, und sich ihren Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert wird.“
Titus 2,3-5

Im Titusbrief werden Frauen ermutigt, sich aktiv um die nächste Generation zu kümmern, sie zu lehren und ihnen vorzuleben, wie man eine Frau nach dem Herzen Gottes wird. Ich habe das Privileg, dass ich ohne viel Nachdenken gleich mehrere Frauen nennen kann, die auf unterschiedliche Art und Weise in meinem Leben solche „Titus 2 – Frauen“ waren. Dies sind die Frauen, die ich nachzuahmen versuche, in meinem Dienst als Frau nach Gottes Herzen.

Unabhängig davon, wie groß der Altersunterschied oder wie verschieden die Lebensumstände sind, bei näherer Betrachtung konnte ich einige Eigenschaften entdecken, die bei allen von ihnen zu finden sind:

  1. Sie sind bereit, ihr ganzes Leben mit uns zu teilen. Als Mütter lassen sie uns daran teilhaben, wie es ist, Mutter zu sein, und welche Schwierigkeiten ihnen mit ihren Kindern und in der Ehe begegnen. Wenn sie berufstätig sind, erzählen sie uns davon, was dort gerade ansteht. Sie berichten von dem Druck von Abgabedaten, den Forderungen ihrer Vorgesetzten oder ihren Erfahrungen am Arbeitsplatz. Ob sie große oder kleine Familien haben, welchen Hobbies sie nachgehen – alles darf angesprochen werden.
  2. Sie laden uns in ihr Leben ein. Sie erzählen uns nicht nur von ihrem Leben, sondern laden uns in ihren Alltag ein. Wir dürfen sehen, wie sie wirklich sind – wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen und schnell noch etwas für’s Abendessen ‚zusammenschmeißen’ und genauso, wenn sie die Füße hochlegen. Sie lassen uns dabei helfen, ihre Kinder zu baden und ins Bett zu bringen; wir dürfen sie bei Besorgungen begleiten (das scheint langweilig, ist es aber keineswegs). Jeder Moment, den sie mit uns teilen, ist eine Möglichkeit für uns, Zeugen ihres gottesfürchtigen Wandels zu werden – wie sie sorgsam ihre Einkaufsliste schreiben (damit man noch kurzfristig eine Mahlzeit für jemanden kochen kann) oder wie sie ihre Kinder erziehen.
  3. Sie sind ehrlich und offen uns gegenüber. Diese Frauen sind großartig, weil sie authentisch sind. Sie zögern nicht, uns von ihren Fehlern zu berichten und sie verstecken nicht, dass sie nicht perfekt sind.
  4. Sie halten uns das Wort Gottes vor Augen. Sie haben Freude daran, uns von dem zu erzählen, was sie in der Gemeinde gelernt und welche Unterhaltungen sie über die Bibel gehabt haben; oder sie erzählen davon, wie sie Gottes Handeln in ihrem Leben erkennen. Manchmal teilen sie mit uns einen Bibelvers, den sie lieben, und erzählen uns davon, wie die Schrift ihnen in einer schwierigen Zeit geholfen hat auszuharren.
  5. Sie weisen uns zurecht. Sie kennen uns so gut, dass sie erkennen, wo wir vom richtigen Weg abkommen; und sie führen uns in Liebe und Sanftmut zurück zum Wort Gottes.
  6. Sie sind unsere Vorbilder. Weil wir ihr Leben beobachten dürfen, können wir von ihrem Leben lernen.
  7. Sie ermutigen uns. Sie spornen uns an zu Liebe und zum Dienst, denn wir sehen, wie sie treu lieben und dienen. Durch ihre Freundschaft, ihr Reden und ihr Handeln werden wir ermutigt.
  8. Sie sorgen für uns. Sie haben ein offenes Ohr, gottesfürchtige Weisheit und Rat; sie geben uns eine Mitfahrgelegenheit, sie halten eine Mahlzeit oder eine Tasse Tee für uns bereit. Diese Frauen zeigen uns Fürsorge – und sie lehren uns, Fürsorgerinnen zu sein.
  9. Sie beten für uns. Sie beten mit uns, wenn wir zusammen sind und wenn wir nicht mit ihnen zusammen sind, beten sie auch. Sie wissen, dass letztendlich allein Gott das Wachstum in uns bewirkt, und deshalb beten sie, dass er uns wachsen lässt.

So sind ältere Frauen gottesfürchtige Vorbilder, indem sie Gottes Wort an die erste Stelle stellen und indem sie danach streben, Ihn mehr und mehr zu erkennen. Ebenso hat Gott jüngere Frauen in unser Leben gestellt, die uns beobachten und von unserem Leben lernen möchten. Wir müssen deshalb nicht alle Antworten haben, wir müssen einfach nur Jesus lieben und andere teilhaben lassen an dem, wie wir Ihm dienen.

Ihr jüngeren Frauen, schaut auf die älteren gläubigen Frauen in euren Gemeinden und lernt von ihnen. Scheut euch nicht davor, ihnen Fragen zu stellen. Forscht nach, warum sie die Dinge tun, die sie tun – auch wenn ihr nicht immer der gleichen Meinung seid. Beobachtet ihren Wandel und ahmt sie nach, wie sie Christus nachahmen. Darum geht es in Titus 2.

Übersetzung von „Nine things Titus 2 women do“ von Tara Sing
https://ecg.berlin/9-dinge-die-wir-von-titus-2-frauen-lernen-koennen/

Titus

Ein geschätzter Bote

In der Welt wird es immer dunkler! Angesichts dieser Umstände ermutigt Paulus Titus, die Christen zu unterweisen, so dass sie ihr Leben in der treuen Hingabe an Christus führen.

Der Apostel Paulus versandte oft Briefe, um dadurch den Einflussbereich seines Dienstes zu erweitern. Er sandte aber auch Personen. Titus war einer dieser treuen und zuverlässigen Boten des Paulus. Er ging dorthin, wo Paulus selbst nicht hingehen konnte. Während Paulus‘ Gefangenschaft waren es Männer wie Titus und Timotheus, die seinen Dienst weiterführten. Aber selbst wenn Paulus frei war, war ihm bewusst, dass die Arbeit seine persönlichen Möglichkeiten bei weitem übertraf. Durch den Einsatz von Titus konnte er seinen Wirkungskreis ausbauen. Paulus benutzte diesen Brief, um Titus für die bevorstehende Missionsreise zuzurüsten und er machte ihm Mut, das Evangelium klar zu verkünden.

Autor und Abfassungszeit

Verfasst von Paulus ca. 62 bis 64 n. Chr.

Der Titusbrief (wie auch der 1. und 2. Timotheusbrief ) ist der dritte Pastoralbrief. Die Autorschaft des Apostels Paulus (1,1) ist so gut wie unbestritten. Paulus schrieb den Titusbrief zwischen seinen beiden Haftzeiten in Rom
(d.h. 62-64 n. Chr.), als er in den Gemeinden Mazedoniens wirkte.

Schlüsselpersonen im Titusbrief

Paulus – schrieb an Titus, um ihn zu ermutigen und ihn hinsichtlich seiner Führungsposition innerhalb der Gemeinde zuzurüsten (1,1 – 3,15).

Titus – ein griechischer Gläubiger, den Paulus nach Kreta sandte, um der dortigen Gemeinde als Hirte vorzustehen und ihr zu dienen (1,4 – 3,15).


Hintergrund und Umfeld

Obwohl Lukas in der Apostelgeschichte Titus nicht namentlich erwähnt, lernte Titus, der Heide (Gal 2,3), Paulus wahrscheinlich vor oder während dessen erster Missionsreise kennen und wurde von ihm zu Christus geführt (1,4). Der junge Älteste kannte sich bereits mit Judaisten aus, diesen falschen Lehrern in der Gemeinde, die u.a. darauf bestanden, dass alle Christen, ob heidnischen oder jüdischen Hintergrunds, an das mosaische Gesetz gebunden seien. Titus hatte Paulus und Barnabas einige Jahre zuvor zum Konzil nach Jerusalem begleitet, wo es um diese Irrlehre ging (Apg 15; Gal 2,1-5). Titus, der während der dritten Missionsreise in der Gemeinde von Korinth diente, wird im 2. Korintherbrief neunmal erwähnt (2,13; 7,6.13.14; 8,6.16.23; 12,18). Paulus bezeichnet ihn dort als »meinen Bruder« (2Kor 2,13), »meinen Gefährten und Mitarbeiter« (2Kor 8,23) und »mein echtes Kind« (Tit 1,4).

Später wirkte Titus eine Zeit lang mit Paulus auf der Insel Kreta und blieb dort zurück, um das Werk fortzuführen und zu festigen (1,5). Paulus wählte dieselbe Strategie, als er Timotheus in Ephesus zurückliess (1Tim 1,3). Sobald Artemas oder Tychikus (3,12) dort eintrafen, um die dortige Arbeit zu leiten, sollte Titus zu Paulus nach Nikopolis kommen. In dieser griechischen Stadt in der Provinz Achaja wollte Paulus überwintern (3,12).

Paulus informierte Titus mit dem Brief über seine zukünftigen Pläne und gab ihm Anweisungen für seinen Dienst in Kreta.

Schlüssellehren im Titusbrief

Gottes souveräne Erwählung der Gläubigen – vor Grundlegung der Welt war Gott bereits bestens mit dem Leben und der Zukunft seiner Kinder vertraut (1,1.2; 5Mo 7,6; Mt 20,16; Joh 6,44; 13,18; 15,16; Apg 22,14; Eph 1,4; 1Th 1,4; 1Tim 6,12).

Gottes rettende Gnade – Jesus Christus ist das grosse Gnadengeschenk Gottes an eine gefallene Menschheit (2,11; 3,5; Ps 84,12; Joh 1,14; 3,16-18; Röm 5,15.17; Eph 1,6; 1Tim 2,5-6; 4,10; Hebr 4,16; Jak 1,17; 1Pt 5,10; 1Joh 2,2).

Die Gottheit Christi und sein zweites Kommen – bei der Wiederkunft Jesu Christi wird die ganze Herrlichkeit seiner Gottheit offenbar (2,13; Röm 8,22.23; 1Kor 15,51-58, Phil 3,20-21; 1Th 4,13-18; 2Pt 1,1; 1Joh 3,2.3).

Das stellvertretende Sühneopfer Christi – Christus gab sich selbst zum Opfer, so dass die Gläubigen in ihm die Vergebung der Sünde haben (2,14; Jes 53,4-12; Joh 15,13, Apg 4,12; Röm 5,8-11, 8,32; 2Kor 5,18-19; Gal 1,4; Hebr 10,14; 1Pt 3,18, 1Joh 2,2; 4,10).

Die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist und die Erneuerung der Gläubigen – die Errettung bewirkt eine geistliche Reinigung von Sünden und verleiht die Gabe eines neuen, vom Heiligen Geist gewirkten, gestärkten und geschützten Lebens als Gottes eigene Kinder und Erben (3,5; Hes 36,25-29; Joel 3,1; Joh 3,3-6; Röm 5,5; 8,2; Eph 5,26; Jak 1,18, 1Pt 1,23; 1Joh 2,29; 3,9; 4,7, 5,1).

Gottes Wesen im Titusbrief

Gott ist freundlich – 3,4-6

Gott ist Liebe – 3,4-7

Gott ist barmherzig – 1,18; 3,5

Gott hält seine Versprechen – 1,2

Gott ist wahrhaftig – 1,2

Christus im Titusbrief

Die Gottheit Christi wird im Titusbrief sehr stark betont: »Indem wir die glückselige Hoffnung erwarten und die Erscheinung der Herrlichkeit unseres grossen Gottes und Heilandes Jesus Christus« (2,13). Im gesamten Brief verweist Paulus immer wieder auf Gott und Christus als den Retter, indem er sowohl die Gottheit Christi als auch den Erlösungsplan hervorhebt (1,3-4; 2,10.13; 3,4.6).

Schlüsselworte im Titusbrief

Gott unser Retter: Griechisch tou sôteros hemôn theou – 1,3; 2,10; 3,4 – Dieser Ausdruck (oder ähnliche) kommen in den Pastoralbriefen oft vor. In jedem dieser Verse beschreibt dieser Begriff Gott den Vater. Die Schreiber des AT reden vom Retter-Gott (s. Ps 24,5; Jes 12,2; 45,15.21) und dasselbe trifft auch auf einige NT-Schreiber zu (Lk 1,47; Jud 25). In den Pastoralbriefen wird der Sohn mit Retter angesprochen (1,4; 2,13; 3,6; 2Tim 1,10) und im Kapitel 2,13 wird der Sohn »unser Gott und Retter« genannt, wodurch Jesus eindeutig als Gott identifiziert wird.

Bad der Wiedergeburt: Griechisch loutron palingenesias – 3,5 – dieses Wort für »Bad« kann für den eigentlichen Behälter (Badewanne) stehen. Epheser 5,26, die einzige andere ntl. Stelle, wo dieser Ausdruck vorkommt, spricht vom Vorgang des Sich-Badens. Auch im Titusbrief geht es um den Vorgang des Badens. Einfach ausgedrückt heisst es hier, dass die Wiedergeburt durch den Vorgang des Sich-Waschens charakterisiert bzw. davon begleitet wird. An anderer Stelle in der Schrift wird das Wirken des Heiligen Geistes als reinigend und läuternd beschrieben (Hes 36,25-27; Joh 3,5). Das gr. Wort für »Wiedergeburt« bedeutet wortwörtlich »von neuem geboren werden« – und verweist auf das Wirken des Heiligen Geistes (s. Joh 3,6; Röm 8,16; Gal 4,6). Unsere Errettung durch Gott ist also ein einmaliges Ereignis, bei dem aber zwei Aspekte berücksichtigt werden müssen: 1) Das Bad der Wiedergeburt und 2) die Erneuerung durch den Heiligen Geist.

Gliederung

Gruss (1,1-4)

Grundsätze für effektive Evangelisation (1,5 – 3,11)

  • Unter Leitern (1,5-16)
  • In der Gemeinde (2,1-15)
  • In der Welt (3,1-11)

Schlussfolgerung (3,12-14)

Segenswunsch (3,15)

Zur gleichen Zeit an einem anderen Ort auf der Erde …

Rom brennt und die Christen werden als die Schuldigen hingestellt, obwohl allgemein bekannt ist, dass Nero ein Brandstifter ist.

Häufig auftauchende Fragen

1. Woran erkennen wir, dass der an Titus gerichtete Brief wahrscheinlich für einen ausgedehnteren Hörerkreis als nur für die Christen auf Kreta und Titus selbst bestimmt war?

Die Verse Titus 2,11-13 bilden das Herzstück des Briefes. Sie betonen Gottes souveränes Ziel mit der Berufung von Ältesten (1,5) und mit dem Aufruf an sein Volk zu einem gerechten Leben (2,1-10): Dadurch soll das Zeugnis aufgestellt werden, das Gottes Plan und den Zweck der Errettung darstellt. Wie immer hatte der Apostel eine breite Hörerschaft vor Augen, denn die Botschaft des Evangeliums ist universeller Natur. Er fasste den Heilsplan Gottes in drei Eckpunkten zusammen: 1) Errettung von der Schuld der Sünde (V. 11), 2) der Macht der Sünde (V. 12) und 3) der Gegenwart der Sünde (V. 13).

»Gnade Gottes«, dieser Ausdruck bezieht sich nicht nur auf die göttlichen Eigenschaften der Gnade, sondern auf Jesus Christus selbst, die fleischgewordene Gnade und Gottes absolut gnädige Gabe an die gefallene Menschheit (vgl. Joh 1,14). Der Ausdruck »für alle Menschen« spricht nicht von der Allver söhnung, wie einige irrtümlicherweise lehren. »Alle Menschen« wird so verwendet wie der Begriff »Menschenliebe« in 3,4 und bezieht sich auf die Menschheit im Allge meinen als eine Kategorie und nicht auf jeden einzelnen Menschen.Das Opfer Jesu Christi reicht aus, um jede Sünde jedes Gläubigen zu begleichen (Joh 3,16-18; 1Tim 2,5.6; 4,10; 1Joh 2,2). Paulus macht in der Einleitung dieses Briefes deutlich, dass die Errettung nur durch »den Glauben der Auserwählten« (1,1) effektiv wird. Paulus war sich des universellen Charakters des Evangeliums sehr wohl bewusst, trotzdem werden aus der Menschheit nur diejenigen errettet, die glauben (Joh 1,12; 3,16; 5,24.38.40; 6,40; 10,9; Röm 10,9-17).

2. Wie kann man anhand des Abschnitts im Kapitel 3,1-11 zum Schluss kommen, dass Evangelisation wirklich wichtig ist?

Wer den Brief liest wird leicht feststellen, dass Paulus mit Titus mehr im Sinn hatte, als ihn bloss nach Kreta zu schicken, um die dortige Gemeinde zu leiten. Paulus verfolgte ein evangelistisches Ziel. Er wollte, dass durch Titus’ Arbeit mehr Menschen zum Glauben an Jesus Christus kämen. Damit das wirklich stattfinden konnte, konzentrierte sich Paulus stark auf die evangelistische Zurüstung der Gläubigen in Kreta, so dass auch sie diesen Auftrag wahrnehmen konnten. Paulus suchte prinzipiell keine Gemeindeleiter, die ausschliesslich den Hirtendienst verrichten wollten (1,5-9), sondern er schaute sich nach Leitern um, die Christen gleichzeitig auch für die Evangelisation an ihren heidnischen Nachbarn zurüsteten. Im 2. Timotheus 2,2 lässt sich die Vorgehensweise von Paulus am klarsten erkennen.

In seiner Abschlussrede ermahnt er Titus, er solle die Gläubigen unter seiner Obhut an folgende Dinge erinnern: 1) eine korrekte Einstellung gegenüber der ungläubigen Obrigkeit (3,1) und auch gegenüber den Menschen allgemein (3,2), 2) an ihren früheren Zustand, als sie noch verloren in ihren Sünden waren (3,3), 3) an die barmherzige Rettung durch Jesus Christus (3,4-7), 4) ein glaubwürdiges Zeugnis angesichts der ungläubigen Welt zu sein (3,8) und 5) an ihre Verantwortung, falsche Lehrer und sektiererische Menschen innerhalb der Gemeinde abzuweisen (3,9-11). Alle diese Punkte tragen entscheidend zu einer effektiven, evangelistischen Tätigkeit bei. Das Zeugnis einer Gruppe von rechtschaffenen Gläubigen, die demütig und voller Mitgefühl sind, ist das beste Aushängeschild für das Evangelium und übt eine gewaltige Anziehungskraft aus.

Kurzstudium zum Titusbrief/einige Fragen

  • Während du dich mit dem Titusbrief beschäftigst, solltest du dir Kreta mal auf einer Landkarte anschauen.
  • Vergleiche 1. Timotheus mit Titus. Welche Gemeinsamkeiten fallen dir auf?
  • Wie fasst Paulus das Evangelium für Titus zusammen?
  • Welches sind laut Paulus’ Anweisungen an Titus die Hauptpunkte, wenn es um Gemeindeleitung geht?
  • Welchen Stellenwert misst Paulus den Charaktereigenschaften eines Gemeindeleiters zu?
  • Zu welcher Gruppe von Christen gehörst du und wie ernst nimmst du die dir übertragene Verantwortung?


Autor: John MacArthur
Quelle: Basisinformationen zur Bibel

Einleitung zum Titusbrief

Autor: In Titus 1,1 wird Apostel Paulus als Autor des Buchs Titus identifiziert.

Datum der Niederschrift: Die Epistel an Titus wurde um 66 n.Chr. verfasst. Die vielen Reisen von Paulus sind gut dokumentiert und zeigen, dass er an Titus von Nikopolis aus geschrieben hat.

Zweck der Niederschrift: Die Epistel an Titus, wie auch die zwei Briefe an Timotheus, werden Pastoralbriefe genannt. Der Brief wurde von Apostel Paulus geschrieben, um seinen Bruder im Glauben, Titus aufzumuntern. Paulus ließ Titus in Kreta zurück, um die Kirche, die Paulus auf einer seiner Missionsreisen etabliert hatte, zu leiten (Titus 1,5). Dieser Brief rät Titus nach welchen Qualifikationen er bei Führungsanwärtern für die Kirche Ausschau halten soll. Er warnt Titus auch vor dem Ruf von denjenigen, die auf der Insel Kreta lebten (Titus 1,12).

Zusätzlich zu seinem Rat an Titus, welche Führungsqualitäten für die Kirche wichtig sind, forderte Paulus Titus auf nach Nikopolis zu Besuch zu kommen. Anders gesagt, war Paulus weiterhin ein Mentor für den Jünger Titus und die anderen, als sie in ihrem Glauben reifer wurden durch die Gnade des Herrn (Titus 3,13).

Schlüsselverse: Titus 1,5: “Deswegen ließ ich dich in Kreta, dass du vollends ausrichten solltest, was noch fehlt, und überall in den Städten Älteste einsetzen, wie ich dir befohlen habe“

Titus 1,16: “Sie sagen, sie kennen Gott, aber mit den Werken verleugnen sie ihn; ein Gräuel sind sie und gehorchen nicht und sind zu allem guten Werk untüchtig.“

Titus 2,15: “Das sage und ermahne und weise zurecht mit ganzem Ernst.“

Titus 3,3-6: “Denn auch wir waren früher unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gelüsten dienstbar und lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten uns untereinander. Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland.“

Kurzzusammenfassung: Wie wundervoll es gewesen sein muss als Titus den Brief von seinem Mentor, Apostel Paulus erhalten hatte. Paulus war ein hoch geschätzter Mann und verdiente sein Ansehen, durch die vielen Kirchen, die er in der östlichen Welt gründete. Diese bekannte Einleitung des Apostels hat Titus gelesen: „an Titus, meinen rechten Sohn nach unser beider Glauben: Gnade und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserm Heiland!“ (Titus 1,4)

Die Insel Kreta auf der Titus durch Paulus zurück gelassen wurde, um die Kirche dort zu leiten, war besiedelt von den einheimischen Inselbewohnern und Juden, die die Wahrheit über Jesus Christus nicht kannten (Titus 1,12-14). Paulus sah es als seine Verantwortung an Titus weiterhin zu instruieren und zu ermutigen, Führungspersonen für die Kirche auf Kreta auszubilden und einzusetzen. Paulus half Titus in der Suche nach den geeigneten Führungspersonen und schlug zudem vor, wie Titus diese lehren soll, damit sie im Glauben an Christus wachsen. Diese Anweisungen beinhalteten Männer wie auch Frauen aller Altersgruppen (Titus 2,1-8).

Um Titus selbst zu helfen im Glauben an Christus zu wachsen, schlug Paulus vor, dass Titus zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern der Kirche nach Nikololis kommen soll (Titus 3,12-13).

Verbindung: Auch in diesem Brief erachtete Paulus es für notwendig, die Führungspersonen der Kirche zu warnen, dass sie wachsam gegenüber der Judaisierer sein sollen – die, die immer noch glaubten, sie müssen sich ihren Weg verdienen, durch die Rituale des Alten Testaments, zusätzlich zum Geschenk der Gnade, welches die Erlösung bringt. Er warnt sie vor rebellierenden Täuschern, besonders vor denen, die immer noch die Beschneidung proklamierten und die Einhaltung der Rituale und Zeremonien des mosaischen Gesetzes (Titus 1,10-11). Das ist ein sich wiederholendes Thema in den Episteln von Paulus und auch im Buch an Titus. Hier sagt er sogar, dass ihr Mund gestopft werden sollte.

Praktische Anwendung: Apostel Paulus verdient unsere Aufmerksamkeit, wenn wir in der Bibel Anleitungen suchen, wie wir ein Leben führen können, welches unserem Gott gefällt. Wir können lernen, was wir vermeiden sollten und auch was wir versuchen sollten zu imitieren. Gemäß Paulus sollten wir anstreben rein zu sein, indem wir Dinge vermeiden, die unsere Gedanken und unser Bewusstsein verderben. Und dann macht Paulus eine Aussage, die wir niemals vergessen sollten: „Sie sagen, sie kennen Gott, aber mit den Werken verleugnen sie ihn; ein Gräuel sind sie und gehorchen nicht und sind zu allem guten Werk untüchtig.“ (Titus 1,16). Als Christen müssen wir uns selbst prüfen, damit wir sicher sein können, dass unser Lebensstil mit unserem Glaubensbekenntnis für Christus übereinstimmt (2.Korinther 13,5).

Zusammen mit dieser Warnung, verrät uns Paulus auch, wie wir verhindern Gott zu verleugnen: „machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland“ (Titus 3,5–6). Indem wir tägliche Erneuerung durch den Heiligen Geist suchen, werden wir uns zu Christen entwickeln, die Gott durch ihren Lebensweg ehren.