Warum ich trotz des Leides in der Welt Christ bin

  • Dr. Jürgen Spieß verlor bei einem Autounfall seine erste Familie. Nach erneuter Heirat bekamen er und seine Frau ein Kind mit Down-Syndrom. In dem Vortrag auf der begründet-glauben-Konferenz 2019 schildert er, warum er trotz des Leides in der Welt Christ ist und wie er in dieser schwierigen Situation Trost im Glauben fand.



„Geschichte ist die Wissenschaft vom Unglück des Menschen.“ So lautet das Motto des „Schwarzbuchs Kommunismus“. Wenn man sich mit Geschichte beschäftigt, weiß man, dass dieser Satz stimmt. In ihrer ganzen Historie haben Menschen gelitten. Sie litten an natürlichen Übeln wie Krankheiten, Erdbeben und anderen Naturkatastrophen. Sie litten an moralischen (von Menschen verursachten) Übeln wie Kriegen, Morden, Folter, Misshandlungen. Die von Menschen verursachten Übel sind im Verlauf der Geschichte nicht weniger geworden. Ganz im Gegenteil: Nie starben zusätzlich zu großen und kleinen Kriegen so viele Millionen Menschen durch ideologische Tötungen und Misshandlungen wie im 20. Jahrhundert. Man denke nur an Hitler, Stalin, Mao und Pol Pot.

Leid kenne ich nicht nur durch den Blick in die Geschichtsbücher und die täglichen Nachrichten, sondern auch im persönlichen Leben: Vor vielen Jahren sind meine Frau und unser Sohn bei ei- nem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Ich komme nicht aus einem christlichen Elternhaus. Als Atheist haben mich folgende Themen beschäftigt:


1. Warum gibt es nicht nur Leid, sondern auch so viel Schönes in der Welt? Es stellt sich ja nicht nur die Frage: Wenn es einen Gott gibt, warum gibt es so viel Leid, sondern auch die Frage: Wenn es keinen Gott gibt, warum gibt es dann so viel Schönes? Wir machen ja nicht nur die Erfahrung von Leid bei Menschen und Tieren, sondern auch die Erfahrung von Schönheit in der Natur, der Kultur und vor allem in menschlichen Beziehungen. Wir brauchen deshalb eine Antwort auf beide Fragen. Der Glaube, dass unsere Welt einfach das Produkt von geistloser und zielloser Materie ist, wurde mir immer unplausibler.


2. Wofür soll ich mein Leben einsetzen, wenn es so viel Leid gibt und mit dem Tod alles aus ist? „Alle Lust will Ewigkeit“ – Friedrich Nietzsche (1844–1900) drückt hier aus, dass wir Wesen sind, deren Sehnsucht in dieser Welt nicht zur Erfüllung kommt. Deshalb bleibt bei allem Schönen, was wir auf der Erde erfahren, die Sehnsucht, dass es eigentlich mehr geben müsste.


3. Welche Hoffnung bietet der Atheismus in Bezug auf Leid und Tod? Der Atheismus ist trost- und hoffnungslos. Er hat keine Hoffnung auf Gerechtigkeit für Opfer und Täter in der Geschichte. Das ist schwer zu ertragen. „Der Gedanke, dass die Gebete der Verfolgten in höchster Not, dass die der Unschuldigen, die ohne Aufklärung ihrer Sache sterben müssen, dass die letzten Hoffnungen auf eine übermenschliche Instanz kein Ziel erreichen und dass die Nacht, die kein menschliches Licht erhellt, auch von keinem göttlichen durchdrungen wird, ist ungeheuerlich“ (Max Horkheimer (1895– 1973), atheistischer Philosoph). Wenn es Hoffnung auf Gerechtigkeit gibt, kann sie nur durch Gott erfüllt wer- den. Liebende wollen für immer zusammensein. Angesichts des Todes kann auch diese Hoffnung nur von Gott erfüllt werden.


4. Provoziert hat mich ein Gedanke, den ich später in einem Cartoon wiederfand, in dem eine Schildkröte anklagt: „Wenn ich Gott einmal treffe, werde ich ihn fragen, was er gegen Leid und Ungerechtigkeit gemacht hat.“ Eine andere Schildkröte antwortet: „Ich fürchte, wenn er uns trifft, stellt er uns die gleiche Frage.“

Während des Studiums bin ich Christ geworden. Was ist die christliche Antwort auf das Leid? Für den christlichen Glauben ist Leid die Folge der Trennung des Menschen von Gott. Der Mensch missbraucht die ihm gegebene Freiheit und verursacht dadurch moralische Übel und teilweise auch das, was als natürliche Übel gilt.


Die christliche Antwort ist die Aufhebung des Leids in der neuen Welt Gottes (Offenbarung 21,1–7). Entspringt diese Vorstellung einem Wunschdenken? Wunschdenken sagt zunächst nichts über die Realität aus. Es gibt Wünsche, die in Erfüllung gehen, und Wünsche, die nicht in Erfüllung gehen. Die entscheidende Frage lautet: Welche Gründe gibt es für die Hoffnung auf die Erfüllung unserer Wünsche? Die christliche Hoffnung ist kein Wunschdenken, denn sie hat einen Grund: Jesus Christus. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er die Trennung der Menschen von Gott überwunden. Den Vorwurf des Wunschdenkens kann man auch dem Atheismus machen, denn Atheismus ist der „Wunsch nach der sturmfreien Bude“ (Manfred Lütz). Falls der Atheismus wahr wäre, würden alle Menschen im Nichts vergehen. Der Atheismus ist also auch nach dem Tode von niemandem verifizierbar. Die christliche Hoffnung ist kein Wunschdenken, denn sie hat einen Grund: Jesus Christus. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er die Trennung des Menschen von Gott überwunden.


Die Sehnsucht nach mehr
Leiden kommt vom mittelhochdeutschen „Lidan“: in die Fremde ziehen. Elend heißt eigentlich „außer Landes sein“. In der deutschen Sprache weisen die Begriffe Leid und Elend darauf hin, dass diese Welt nicht unsere wahre Heimat ist. Wir sind Wesen, deren Sehnsucht in dieser Welt nicht zur Erfüllung kommt. Das Verlangen nach Ewigkeit, das Nietzsche beschreibt, hängt damit zusammen, dass Gott die (Sehnsucht nach) Ewigkeit in unsere Herzen gelegt hat (Prediger 3,11). Deshalb bleibt bei allem Schönen, das wir auf der Erde erfahren, die Sehnsucht, dass es eigentlich mehr geben muss.


Christen setzen sich für andere ein
Führt der Glaube an die neue Welt Gottes nicht zu passivem Verhalten? Nein. Sondern ganz im Gegenteil. Zu allen Zeiten haben sich Christen für andere eingesetzt. Ein gutes Beispiel dafür findet sich in einem Brief des römischen Kaisers Julian (361–363). Er beklagt sich über den Erfolg der Christen, der allein darin begründet sei, dass sie sich um die Armen kümmerten – und zwar nicht nur um ihre eigenen, sondern auch um die Nichtchristen. Christen waren und sind von dem ewigen Wert eines jeden Menschen überzeugt und setzen sich deshalb gerade für Menschen ein, die auf der Schattenseite stehen.


Kann Gott Leid und Ungerechtigkeit nicht verhindern? Warum greift er nicht sichtbarer ein? Das christliche Glaubensbekenntnis spricht doch von der „Allmacht“ Gottes. „Das Bekenntnis zu Gottes Allmacht und Herrschaft besagt nicht zwangsläufig, dass alles Geschehen in der Welt – sei es gut oder böse, lebensfördernd oder vernichtend – unmittelbar auf Gott als einzige Ursache zurückgeführt werden muss. Die eigene Verantwortung der Menschen und die Existenz anderer, Gott widerstrebender Mächte und Einflüsse sind mit der Anerkennung Gottes als des allmächtigen Vaters nicht ausgeschlossen. Aber es wird – gerade angesichts entgegengesetzter Erfahrungen und Anfechtungen – mit dem Bekenntnis zu Gott als Herrn hervorgehoben, dass er die Macht und den Willen hat, sich gegenüber dieser Welt und Geschichte endgültig durchzusetzen“, so der Tübinger Theologieprofessor Hans-Joachim Eckstein.


Gott ist uns im Leid nahe
Die Antwort des christlichen Glaubens ist aber nicht nur die zukünftige neue Welt Gottes, sondern auch die Zusage der Nähe Gottes in unserem Leid. Diese Nähe habe ich nach dem Tod meiner ersten Familie unter anderem durch die Losungen erfahren. Am Todestag lautete sie: „Und das ist die Verheißung, die er uns gegeben hat: das ewige Leben“ (1. Johannes 2,25). Weitere Losungstexte waren: „Haben wir Gott für das Gute gedankt, sollten wir das Böse nicht auch aus seiner Hand nehmen?“ (Hiob 2,10). „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben … uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist“ (Römer 8,38–39). Die Nähe Gottes im Leid drückt auch der Psalm 23 aus. Der Beter wechselt vom Er („Er führet mich …“) zum Du („Du bist bei mir …), als er in leidvolle Situationen (ins Tal der Todesschatten …) kommt.


In Athen sagt Paulus seinen heidnischen Zuhörern, dass Gott nicht fern von einem jeden von uns ist; er will von allen Menschen gesucht und gefunden werden (Apostelgeschichte 17). Diese Nähe Gottes gilt gerade auch im Leid.

Text veröffentlicht bei: ideaSpektrum 44.2020

https://www.begruendet-glauben.org/theologie/spiess-2019-warum-ich-trotz-des-leides-in-der-welt-christ-bin/

Folge nicht deinem Herzen!

„Folge deinem Herzen“ ist ein Glaubensgrundsatz, dem Milliarden von Menschen folgen. Es ist ein Glaubensbekenntnis an eines der großen popkulturellen Mythen der westlichen Welt. Es ist ein Evangelium, das in vielen unserer Geschichten, Filmen und Liedern verkündigt wird.
Im Wesentlichen besagt dieser Glaubensgrundsatz, dass dein Herz ein innerer Kompass ist, der dich zu deinem eigenen wahren Norden führt, wenn du nur den Mut aufbringst, ihm zu folgen. Er besagt, dass dein Herz ein wahrhaftiger Führer ist, der dich zu wahrem Glück führen wird, wenn du nur den Mut hast hinzuhören. Des Weiteren besagt er, dass du verloren bist und dein Herz dich retten wird.
Dieser Glaubensgrundsatz kann sich so einfach und befreiend anhören. Für verlorene Menschen ist es äußerst verlockend, an dieses Evangelium zu glauben.
Ist das der Führer, dem du folgen willst?
Nur solange bis du feststellst, dass dein Herz soziopathische Neigungen hat. Denke mal einen Moment darüber nach. Was sagt dir dein Herz?
Bitte beantworte diese Frage nicht. Dein Herz hat heute wahrscheinlich Dinge gesagt, die du nicht gerne wiederholen würdest. Ich weiß, dass es bei mir so ist. Mein Herz sagt mir, dass die ganze Wirklichkeit meinen Wünschen dienen sollte. Mein Herz denkt gerne das Beste über mich und das Schlimmste über andere – es sei denn diese anderen denken zufällig gut von mir; dann sind es wunderbare Menschen. Aber wenn sie nicht gut über mich denken, oder wenn sie einfach nur nicht meiner Meinung sind, nun ja, dann stimmt mit denen irgendwas nicht. Und während mein Herz über meine Tugenden und die Fehler der anderen nachdenkt, kann es plötzlich irgendeinen unmoralischen oder grauenhaft zornigen Gedanken sehr attraktiv finden.
Der Glaubensgrundsatz „Folge deinem Herzen“ steht ganz sicher nicht in der Bibel. Die Bibel denkt tatsächlich, dass unsere Herzen eine Krankheit haben: „Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus?“ (Jer 17,9). Jesus, der große Arzt, listet die schrecklichen Symptome dieser Krankheit auf: „Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen“ (Mt 15,19). Das ist nicht der Stoff, aus dem Führer gemacht sind.
Die Wahrheit lautet: Niemand belügt uns mehr als unser eigenes Herz. Niemand. Wenn unser Herz ein Kompass ist, dann ist er ein Kompass wie der von Jack Sparrow. Es sagt uns nicht die Wahrheit. Es sagt uns einfach nur das, was wir wollen. Wenn unser Herz ein Führer ist, dann ist es so wie Gothel. Es ist nicht wohlwollend. Es ist krankhaft selbstsüchtig. Tatsächlich werden wir, falls wir tun, was unser Herz uns zu tun aufträgt, jeden Wunsch, jede Schönheit, jeden Menschen, jedes Staunen, und jede Freude pervertieren und aussaugen. Unser Herz will diese Dinge für seine eigene Selbstherrlichkeit und Zügellosigkeit verbrauchen.
Nein, unser Herz wird uns nicht retten. Wir müssen vor unserem Herz gerettet werden.
das ist der Führer dem du folgen willst
Unser Herz war niemals dazu gedacht, dass man ihm folgt, sondern um geführt zu werden. Unser Herz war niemals dazu bestimmt, selbst Gott zu sein, an den wir glauben sollen. Es war dazu bestimmt, an den wahren Gott zu glauben.
Falls wir unser Herz zu Gott machen und es bitten, uns zu führen, dann wird es uns in narzisstisches Elend stürzen und schlussendlich in die Verdammnis führen.
Es kann uns nicht retten, weil das, was mit unserem Herzen nicht stimmt, der Kern unseres Problems ist. Aber falls unsere Herzen an Gott glauben, wozu sie auch bestimmt sind, dann rettet Gott uns (Hebr 7,25) und führt unser Herz zu bodenloser Freude (Ps 43,4).
Glaube daher nicht an dein Herz; sondern lenke dein Herz, damit es an Gott glaubt. Folge nicht deinem Herzen; sondern folge Jesus. Beachte, dass Jesus seinen Jüngern nicht gesagt hat „Euer Herz werde nicht bestürzt, glaubt einfach an euer Herz“. Er sagte stattdessen: „Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich“ (Joh 14,1).
Wenn dein Herz dich heute also wie ein Hirte zu leiten versucht, dann folge ihm nicht. Es ist kein Hirte. Es ist ein aufgeblasenes Schaf, das aufgrund der innewohnenden Sünde gewisse wolfsähnliche Merkmale hat. Folge ihm nicht und hüte dich davor, ihm überhaupt zuzuhören. Denke daran, dass dein Herz dir nur das sagt, was du willst, und nichts darüber, wo du hingehen solltest. Höre also nur darum auf dein Herz, um zu erkennen, was es dir über deine Wünsche sagt, und dann nimm deine Wünsche, seien sie gut oder böse, und bringe sie als Bitte oder Bekenntnis zu Jesus.
Jesus ist dein Hirte (Ps 23,1; Joh 10,11). Höre auf seine Stimme in seinem Wort und folge Ihm (Joh 10,27). Er ist die Wahrheit, er ist der Weg, und er wird dich zum Leben führen (Joh 14,6).
Jon Bloom, Don’t Follow Your Heart, v. 09.03.2015
https://www.desiringgod.org/articles/dont-follow-your-heart
Übersetzt von Viktor Zander, korrigiert von Anne Hartmann

Gott Bürgt Für Sein Evangelium

„Hier gibt es Ermutigung für uns. Letztendlich bürgt Gott selbst für sein Evangelium. Es ist seine Verantwortung es zu bewahren. … Vielleicht sehen wir den evangelischen Glauben überall bekämpft, und die apostolische Botschaft verspottet. Vielleicht müssen wir eine wachsende Apostasie in der Kirche erleben, als unsere Generation den Glauben seiner Väter ablehnt. Doch habt keine Angst! Gott wird nie zulassen, dass das Licht des Evangeliums völlig ausgelöscht wird.“
John Stott, in Paul Williams, Training Leaders, s. 39

Was ist Palmsonntag?

Palmsonntag ist der Tag, an dem wir uns an den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem (Matthäus 21,1-11; Markus 11,1-10; Lukas 19,28-40; Johannes 12,12-15), genau eine Woche vor seiner Auferstehung, erinnern. Bereits 450 bis 500 Jahre vorher sagte der Prophet Sacharja voraus: „Frohlocke laut, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen: Gerecht und ein Retter ist er, demütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Fohlen, einem Jungen der Eselin“ (Sacharja 9,9). Matthäus 21,6-9 beschreibt die Erfüllung dieser Prophetie: „Als aber die Jünger hingegangen waren und getan hatten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte, führten sie die Eselin und das Fohlen (herbei) und legten die Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Und eine sehr große Volksmenge breitete ihre Kleider auf dem Weg aus; andere aber hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Volksmengen aber, die vor ihm hergingen und die nachfolgten, riefen und sagten: Hosanna dem Sohn Davids! Gepriesen (sei), der da kommt im Namen (des) Herrn! Hosanna in der Höhe!“ Dies geschah am letzten Sonntag bevor Jesus gekreuzigt wurde.
Im Gedenken an dieses Ereignis feiern wir Palmsonntag. Der Name leitet sich von den Palmzweigen her, die nach Johannes 12,13 von den Leuten auf die Straße gelegt wurden, als Jesus auf dem Esel in die Stadt ritt. Palmsonntag ist auch ein Teil der Erfüllung der „Siebzig Jahrwochen“-Prophetie Daniels: „So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf (den) Messias, (den) Fürsten, sind 7 Wochen und 62 Wochen. Straßen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden, und zwar in Drangsal der Zeiten“ (Daniel 9,25). In Johannes 1,11 steht: „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an.“ Die gleiche Volksmenge, die am Palmsonntag „Hosanna“ rief, schrie vier Tage später: „Er werde gekreuzigt!“ (Matthäus 27,22-23).
https://www.gotquestions.org/Deutsch/Palmsonntag.html

Mut zur Wahrheit

„Sei ein lebendger Fisch, / schwimme doch gegen den Strom! / Auf, und wag es frisch: / Freude und Sieg ist dein Lohn“. Margret Birkenfelds Lied aus dem Jahr 1973 habe ich immer noch gut aus dem Kindergottesdienst in Erinnerung. Die toten Fische, die immer mit dem Strom schwimmen, sich treiben lassen und „in der großen Masse“ bleiben wollen – dieses anschauliche Bild für einen toten Glauben stand mir als Warnung schon in jungen Jahren vor Augen. Ein lebendiger Christ dagegen solle „Mut“ haben, „auch einmal anders zu sein / als die meisten Leute um dich her“; und weiter: „Frage du nur: Was will denn der HERR?“ – selbst oder gerade dann, „wenn sie dich auch alle als nicht ganz normal verschrein“. Birkenfelds Mut zu diesen deutlichen Worten nötigt bis heute Respekt ab. Ihr war es gelungen, in einfacher Sprache Hauptwahrheiten des Neuen Testaments auszudrücken: das Christein ist auch mit Kosten verbunden; und wir brauchen Mut zum Unterschied, zum anders Sein als Christ, was schließlich auch das zentrale Thema der Bergpredigt Jesu ist.
„Doch aus eigner Kraft wirst du nie ein lebendiger Fisch“. Kraft zum Unangepasst sein kommt von Gott. Christen können und sollen ihn darum bitten, denn in oder durch Jesus Christus dürfen sie Mut haben, sich ihm zuversichtlich zu nähern (s. 1 Joh 2,28; 3,21; 4,17; 5,14; Hbr 4,16). Diese Haltung wird an den eben genannten Stellen mit dem gr. Begriff parrhesia bezeichnet. Die Wortgruppe taucht über 30 Mal im Neuen Testament auf und wird meist mit „Freimut/freimütig“ übersetzt. Weil der Christ sich frei und offen an Gott wenden darf, kann er auch mutig, unerschrocken und zuversichtlich das Evangelium weitersagen, den Glauben bekennen. Die Apostel geben uns Beispiele: „Die Unerschrockenheit, mit der Petrus und Johannes sich verteidigten, machte großen Eindruck auf die Mitglieder des Hohen Rates“ (NGÜ), heißt es in Apg 4,13 (s. auch Apg 2,29; 4,29; 2 Kor 3,12; 7,4; Eph 6,19). Von allen Glaubenden wird auch heute noch – oder gerade wieder – solche Unerschrockenheit gegenüber dem Bösen und allen Widrigkeiten verlangt. Der Christ soll sich nicht anpassen an das, was ist. Nichts anderes sagen die Worte vom „Salz der Erde“ und vom „Licht der Welt“ (Mt 5,13–16).
Joseph Ratzinger, der spätere Papst, erinnerte 1962 an den Freimut, als „eine der im Neuen Testament am meisten genannten Grundhaltungen des Christenmenschen“. Im hohen Mittelalter betonte Kirchenlehrer Thomas von Aquin: „Das vornehmlichere Werk der Tapferkeit, vornehmlicher denn Angreifen, ist Standhalten, das ist: unbeweglich feststehen in der Gefahr.“ Wer mutig oder tapfer ist, der ist auch geduldig, besitzt eine „innere seelische Festigkeit“, so der Anglikaner James I. Packer (1926-2020): „Tapferkeit kann unbeständig sein und vergehen, doch Festigkeit ist eine Verbindung von Mut und Durchhaltevermögen. Sie hält an. Glaube wirkt Festigkeit, denn er hält vor uns die Hoffnung vor Augen… Die Idee der Festigkeit stammt von Aristoteles, doch die Kraft sie zu praktizieren, kommt nur aus dem Evangelium.“
Biblischer Mut ist erstens untrennbar verbunden mit der Gegenwart und Macht des Herrn: „Sei getrost und unverzagt. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tust“ (Jos 1,9). Zweitens ruht dieser Mut auf der vollkommenen Zuverlässigkeit und Wahrheit der Worte Gottes. Unerschrockenheit in dieser Welt hat immer den Gehorsam gegenüber dem biblischen Wort zur Voraussetzung. Und drittens ist solch ein Mut auf die Zukunft ausgerichtet. Mut wird inspiriert durch Hoffnung und Vertrauen auf die Zukunft.
Auch der französische Historiker und Philosoph Michel Foucault hat sich gegen Ende seines Lebens in einer Vorlesungsreihe der Freimut gewidmet (er starb 1984 an AIDS; sein Lebensstil und seine Schriften sind natürlich in mancher Hinsicht auch sehr kritisch zu bewerten, aber darum soll es hier nicht gehen). In Mut zur Wahrheit analysierte er die parrhesia als „Schlüsseltugend“ in antiken Texten der Griechen, aber auch der frühen Christen. Für diese ist sie der „Mut, der im Vertrauen auf Gott besteht, und dieses Vertrauen kann nicht von der Haltung der Tapferkeit getrennt werden, die man gegenüber Menschen hat“. Es ist der „Mut, trotz aller Bedrohungen die Wahrheit, die man kennt, die man weiß und für die man Zeugnis ablegen will, zur Geltung zu bringen.“ Im Kontrast dazu steht die Rhetorik als eine Technik, die etwas hervorbringen soll.  Ein guter Rhetoriker ist, so Foucault, „in der Lage, etwas ganz anderes als das zu sagen, was er weiß, was er glaubt,… was er denkt“; er kann ein „wirkungsvoller Lügner“ sein. Hauptsache, das Ergebnis stimmt. Wer die Tugend der Freimut besitzt ist dagegen derjenige, der zwischen sich „und dem, was er sagt, eine feste, notwendige Verbindung herstellt“. Wer Mut zur Wahrheit besitzt, geht daher ein Risiko ein. Er riskiert „sein eigenes Leben und seine Beziehung zum anderen“. Denn die ausgesprochene Wahrheit beinhaltet immer das Risiko, „einen anderen zu verletzen, ihn zu reizen, ihn zu erzürnen“. Dem die Wahrheit gesagt wird, sollte daher „Seelengröße“ zeigen, „indem er akzeptiert, dass man ihm die Wahrheit sagt“, so Foucault.
Der Freimütige will „nichts verbergen, die wahren Dinge sagen“; er will keine Maske aufsetzen; „er unterzeichnet gewissermaßen selbst die Wahrheit, die er ausspricht, er bindet sich an diese Wahrheit und verpflichtet sich folglich auf sie und durch sie“. Doch diese Verpflichtung wird auch „von der Gefahr begleitet, die das Wahrsprechen mit sich bringt.“ Die ausgesprochene Wahrheit kann ins gesellschaftliche Abseits führen, weshalb sie auch ein „politischer Begriff“ war und ist. Zur Theorie und Praxis der modernen Demokratie gehört die freimütige Rede, die eng mit dem Gedanken der Zivilcourage verwandt ist. Die Tyrannei hingegen bezeichnete Foucault als „Wahlheimat für das Schweigen und die Schmeichelei“. Wer die Freimut verliert, ist wie ein antiker Sklave (der sie schon allein rechtlich meist nicht besaß), und er muss die Dummheit der Mächtigen ertragen. „Wenn es keine parrhesia gibt, sind die Menschen, die Bürger und alle anderen dem Wahnsinn des Mächtigen ausgeliefert“, warnte Foucault.
http://lahayne.lt/2022/01/05/mut-zur-wahrheit/

Ludwig Feuerbach, der Atheist schlechthin schreibt:„

Die wahren Atheisten sind die heutigen Christen, die behaupten, an Gott zu glauben, aber genau so leben, als ob er nicht existiere; diese Christen glauben nicht mehr an die Güte, die Gerechtigkeit, die Liebe, d. h. alles, was Gott definiert, diese Christen, die nicht mehr an das Wunder, sondern an die Technologie glauben, die mehr Vertrauen in die Lebensversicherungen setzen als ins Gebet; die angesichts des Elends nicht mehr im Gebet Zuflucht suchen, sondern beim Vorsorgestaat.“

Predigen

„Es ist wahrhaftig höchste Zeit, daß unsere Predigten aus der Sphäre des deutschen Aufsatzes, des Leitartikels, der Dekorationspflanze, aus der geschraubten, gespreizten, scheinenden und klingenden Manier herausgeholt und auf den festen Boden der Wirklichkeit und damit der Wirkung gestellt werden“ Friedrich Niebergall

Befreiungstheologie

Befreiungstheologie (auch: Theologie der Befreiung; >Genitivtheologien) ist die Bezeichnung einer umstrittenen kirchlichen Lehre und Bewegung, die in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in den lateinamerikanischen katholischen Kirchen entstanden ist. Befreiungstheologie geht davon aus, dass die unter gesellschaftlichen Zwängen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung lebenden Menschen befreit werden müssen. Befreiungstheologie sieht in der biblischen Botschaft einen Zuspruch der politisch-gesellschaftlichen Befreiung und geht davon aus, dass diese Freiheit nötigenfalls auch mit Gewalt errungen werden darf. Theologische Begründung ist die Befreiungsgeschichte Israels aus Ägypten. Diese Begründung geht eine Verbindung mit marxistischen Gesellschaftsvorstellungen ein. In der Befreiungstheologie wird Sünde nicht mehr individuell, sondern als gesellschaftliches Problem, aus dem es Befreiung geben muss, verstanden. Die Befreiungstheologie steht, wenn auch damals ohne den marxistischen Hintergrund, in der Tradition ähnlicher Gedanken unter extremen Anhängern des Prämillennialismus und der Chiliasten (Thomas Müntzer, Täuferreich zu Münster und einige Puritaner).
Das politische Eintreten der Befreiungstheologie hat diese kirchliche Bewegung im scharfen Gegensatz zu den oft politisch extrem rechts stehenden Regierungen Lateinamerikas am Ende des 20. Jahrhunderts gebracht. Seit den 80er Jahren geriet die Befreiungstheologie in zunehmende Spannungen mit der Glaubenskongregation (Nachfolgerin der Inquisition) des Vatikans. Bischof Leonardo Boff (geb 1938), der katholische Hauptvertreter der Befreiungstheologie, bekam Redeverbot vom Vatikan. Ernesto Cardinal trat, obwohl er katholischer Priester war, in die marxistische Regierung Nicaraguas als Kulturminister ein. Ihm wurden daraufhin seine Priesterrechte durch den Vatikan entzogen. Befreiungstheologie wurde auf Afrika übertragen (anglik. Erzbischof Tutu) und war ein Hintergrund der südafrikanischen Antiapartheid-Theologie. Die >Feministische Theologie übertrug die Gedanken von klassen- und rassenkämpferischer Befreiung auf die Befreiung von patriarchalen Strukturen in der Gesellschaft und Kirche (u.a. D. Sölle). Großes Aufsehen erregte die Befreiungstheologie bei der Weltmissionskonferenz 1973 in Bangkok. Dort wurde auf dem Hintergrund der Befreiungstheologie die These der Wirkung des Heiligen Geistes auch in den Befreiungsbewegungen vertreten. Finanzelle Unterstützung marxistischer Befreiungsbewegungen durch den ÖRK (u.a. für Mugabe im damaligen Rhodesien, den ANC in Südafrika und die PLO in Palästina) führte zu langen Spannungen vor allem mit der Württemberger und Schaumburg-Lippischen Landeskirche, die zeitweise aus dem ÖRK austraten. Rainer Wagner

http://www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Befreiungstheologie.htmlLit.: P. Beyerhaus, Bangkok 73 – Anfang oder Ende der Weltmission?, 1973.

Befreiungstheologie Teil 1

Befreiungstheologie scheint zunächst ein sowohl sympathischer wie ehrenwerter Ansatz zu sein. Die “Stimme der Armen” zu erheben, ist natürlich die Aufgabe der Kirche. Eine Kirche, die ihre Stimme den Reichen und Mächtigen leiht, sollte doch wohl noch einmal in die Schrift schauen (5. Mose 15, 10; Mt 19, 23f).  Wenn auch etwas in die Jahre gekommen, so sind die Positionen doch mittlerweile in den westlichen Kirchen und der westlichen Theologie fest etabliert, ja, sie werden z.T. gar nicht als individuelle theologische Strömung wahrgenommen. Die Armen sind durch andere soziale Randgruppen ersetzt oder ergänzt worden, wie es eben gesellschaftlich nötig scheint (Schwarze Theologie, Feministische Theologie). Über diese soziale Aufmerksamkeit der Kirche lässt sich Positives sagen. Doch es gilt auch, ernste Bedenken anzubringen.
Zunächst zum positiven Grundaspekt dieser Art von Theologie: Befreiungstheologie entstand aus der aktiven Anteilnahme der Christen Lateinamerikas an den gesellschaftlichen Problemen ihrer Mitmenschen. Die Kirche hat sich also weder versteckt noch in eine eigene, heilige Welt geflüchtet, sondern “dem Volk aufs Maul” bzw. den Menschen ins Herz geschaut und ihre Bedürfnisse ernstgenommen. Drei Blickpunkte sind besonders wichtig: Für die Armen, für die Befreiung, für die kirchlichen Basisgemeinden. Es geht den Vertretern um eine politische, ethische und evangelischen Option für die Armen, die verändern will.
Es ist hervorzuheben, dass damit den Protagonisten der Bewegung in den 60er/70er Jahren ein Thema vor Augen lag, welches die (luth. und kath.) Kirche lange Zeit vernachlässigt hatte: Politische und gesellschaftliche Gerechtigkeit. Indem nun der Blick auf die sozialen Aspekte des Evangeliums gerichtet wurde, geschah eine Korrektur. Befreiungstheologie  mahnte, in ihrer besten Form, der diakonia, an, den Auftrag der Kirche den Brüdern und den Mitmenschen in der Welt zu dienen, nicht zu vergessen. Ein wichtger Vertreter dieser Seite war Óscar Romero.
Schwierigkeiten entstanden, wie so oft, wenn über die Grundlagen der göttlichen Offenbarung hinausgegangen wurde. Dies geschah hier meist unter dem Einfluss eines marxistischen Rationalismus[1]. Darunter sind folgende Thesen zu nennen.

  • die Armen Lateinamerikas stellen eine neue Inkarnation Christi dar
  • die Schrift wird ausschließlich politisch ausgelegt (sehen – urteilen – handeln)
  • Christus ist nun nur noch Vorbild und Beispiel der Befreiung, sein Tod hat die Bedeutung eines Märtyrertodes

Zum ersten Aspekt: “Du sollst den Geringsten nicht vorziehen, aber auch den Großen nicht begünstigen (3. Mose 19, 15).” Vor Gott sind wir weder Jude, noch Grieche, weder Mann, noch Frau, weder arm, noch reich (vgl. Gal 3, 28). Die Armen haben den Reichen in der Beziehung auf Christus hin nichts voraus. Allein “der Herr hat uns  gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide” (Ps. 100, 3). Das Evangelium spricht Menschen mit besonderen Lebensumständen eben keinen Vorzug zu. Jeder Mensch ist genau gleich verloren und für jeden Menschen gibt es nur eine soteriologische Hoffnung: Christus Jesus. Keine soziale Gruppe der Gesellschaft ist ihm näher als eine andere. Christus zu vertrauen ist für alle gleich, gleichschwer und gleichleicht:
Darum es falsch und unrecht, wenn gelehrt wird, daß nicht allein die Barmherzigkeit Gottes und [das] allerheiligste Verdienst Christi, sondern auch in uns eine Ursache der Wahl Gottes sei, um welcher willen Gott uns zum ewigen Leben erwählt habe. (FC, Solida Declaratio, XI Von der ewigen Vorsehung und Wahl Gottes, 88)
Zum zweiten Aspekt: Problematisch ist (auch hier wieder) die thematische Verengung, ja die vollkommene Blindheit gegenüber dem Offensichtlichen. Der ethische Schriftsinn (was man tun soll) wird den eigenen Überzeugungen gemäß selektiv herausgegriffen und zum einzig wahren erklärt. Damit wird aber der Schrift von außen her aufgezwungen, wie sie zu lesen ist. Ein Prinzip von außen wird angelegt, wo doch festzuhalten ist, dass die Schrift in ihrer Gänze sich selbst auslegt und:
[Die] prophetischen und apostolischen Schriften Alten und Neuen Testaments, als […] reine[], lauter[e]nBrunnen Isrälis, [sind] allein die einige, wahrhaftige Richtschnur, nach der alle Lehrer und Lehre zu richten und zu urteilen sind. (FC, Solida Declaratio, Von dem summarischen Begriff, 3)
Zum dritten Aspekt: Über die falsche christusbezogene Predigt. Man kann hier nicht lediglich von einer Verengung sprechen, sondern muss von einer Verdrehung, eine Verfälschung reden. Ausgangspunkt der Bedeutung Jesu Christi für die christliche Kirche ist seine Gottheit, sein Leiden am Kreuz und seine Auferstehung, denn durch seinen Tod haben wir Vergebung der Sünden und durch seine Auferstehung das ewige Leben erhalten (Joh 11, 25; Röm 6,5). Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist der christliche Glaube nichtig (1. Kor 15,14). Es erschließt sich nicht, warum er dann nicht z.B. durch eine reine kommunistische Ideologie ersetzt werden könnte, warum es noch so ein bisschen der Folklore eines alten Buches bedarf. Dass diese Verdrehung tatsächlich die Irrelevanz des christusgemäßen Aspekts des Evangeliums zur Folge hat, zeigt ja gerade die verengte und ideologisch überfärbte Auslegung der Schrift (siehe zweiter Aspekt).
Die Rolle Christi als Vorbild ist der Bedeutung seines Handels für uns nachgeordnet – sie ist nicht irrelevant, folgt aber aus dem Ersten und kann ihm niemals vorausgehen – keine Heiligung ohne Rechtfertigung:
Derhalben der recht guten und Gott wohlgefälligen Werke, die Gott in dieser und zukünftiger Welt belohnen will, Mutter und Ursprung muß der Glaube sein, darum sie denn rechte Früchte des Glaubens wie auch des Geistes von St., Paulo genannt werden. (FC, Solida Declaratio, Von den guten Werken, 9)
Fazit: Gegen Ausbeutung der Armen, Wucher und Ungerechtigkeit zu predigen, ist eine Aufgabe der Kirche (wie sie schon Martin Luther wahrgenommen hat). Dies nicht zu vergessen, ist wichtig. Doch diese Botschaft ist nicht das Evangelium und darf nicht mit ihm verwechselt werden (siehe Romero). Die Predigt für die Armen darf nicht die Predigt vor den Armen ersetzen. Jeder Aspekt der christlichen Verkündigung muss eingebettet sein in das ganze Evangelium.

[1] In der Analyse Luthardts geprägt von den drei Grundprinzipien: Individualismus (der Wille und Verstand des Individuums ist das Absolute), Optimismus (aus Punkt 1 folgt notwendigerweise der Glaube an die grundlegende Güte der menschlichen Natur – Problematik siehe hier) und einem einseitigen Intellektualismus (daraus wieder folgt, dass der grundlegend gute Mensch nur der Bildung (oder auch der ihn befreienden Revolution) bedarf um das Himmelreich auf Erden zu erschaffen)
https://lutherischeslaermen.de/2016/09/02/befreiungstheologie-beigaben-fuer-die-theologische-orientierung/