Billie Eilish – Die Ausdehnung des Zeitgeistes in der Popkultur von Lars Reeh

Sie ist jung, lebt vegan, hat eine mentale Krankheit und die Welt liegt ihr zu Füßen. Nein, die Rede ist nicht von Greta Thunberg, sondern von Billie Eilish. Die 17-jährige Sängerin ist enorm erfolgreich; abzulesen an der harten Währung der Aufmerksamkeitsökonomie: Sie hat über 34 Millionen Follower auf Instagram und hunderte Millionen Klicks auf YouTube. Sie schreibt und singt Textzeilen wie diese:

„I’m that bad type
Make your mama sad type
Make your girlfriend mad tight
Might seduce your dad type
I’m the bad guy, duh
I’m the bad guy
I like it when you take control
Even if you know that you don’t
Own me, I’ll let you play the role
I’ll be your animal.“

Darin beschreibt sich Billie Eilish als böse und verdorben. Sie macht deine Mutter traurig, deine Freundin wütend und ist bereit deinen Vater zu verführen. Ebenso wird ein sexuelles Dominazrollenspiel mit Tierbezügen angedeutet. Die Musik von Billie Eilish kann man als minimalistischen Elektro-Pop beschreiben der auch mal balladesk daherkommt. Dazu singt sie in ihrem einzigartigen Flüsterstil. Die talentierte Musikerin, die übrigens ein klassisches Tanz- und Gesangstraining genoss, wurde überdies von Dave Grohl gehypt. Dave Grohl ist der Frontmann der Foo Fighters und war der Schlagzeuger der Grunge Band Nirvana, mit der er Billie Eilish verglich. Nirvana wurden 1991 mit dem Song Smells like Teen Spirit und dem dazugehörigen Album Nevermind schlagartig weltberühmt. Die Gemeinsamkeit zwischen Kurt Cobain (Sänger und Gitarrist von Nirvana) und Billie Eilish liegt darin, dass beide den Nerv einer Generation getroffen haben, wobei Cobain ein breiteres Publikum erreichte. Billie Eilish hat ihre größte Anhängerschaft bei Mädchen, die noch jünger sind als sie selbst. Ich habe Schülerinnen aus meinem Umfeld in dieser Altersklasse nach Billie Eilish befragt und sowohl positive als auch negative Reaktionen bekommen. Viele kennen ihre Musik und finden die Sängerin cool. Sie sei anders, sie sei sie selbst und kümmere sich nicht um die Meinung anderer. Die negativen Kommentare beschrieben Billie Eilish schlichtweg als gruselig.

An dieser Stelle muss ich Billie Eilish zugutehalten, dass sie mit den künstlichen Schönheitsidealen früherer Popstars tatsächlich wenig zu tun hat. Eine puppenhafte Perfektion ist ihre Sache nicht, was zu einer Entlastung bei jungen Frauen in Bezug auf deren optisches Selbstbild führen kann. Daraus erklärt sich auch ein Teil des Erfolges und die soziale Zusammensetzung der Fangemeinde, wobei die Inszenierung der Authentizität sicher auch einer Business-Strategie folgt. Selbst wenn der Begriff Authentizität zutreffen sollte, so ist Billie Eilish jedoch eines sicher nicht: natürlich. Ein Blick auf ihren Instagram Account genügt um das zu erkennen. Dies relativiert die beschriebene Entlastungsfunktion, da Billie Eilish letztlich ein unrealistisches Schönheitsideal gegen ein anderes unrealistisches Schönheitsideal austauscht. Abgesehen von der Optik gibt es bezüglich der Inhalte weitere Herausforderungen, was mich zurück zu Kurt Cobain bringt. Dieser sagte „I hate myself …“, bei Billie Eilish findet sich eine Steigerung dieses Ausrufs. Sie sagte über sich: „I really, really, really, really hate myself “. Die Überschneidung bei Cobains teen spirit und Billie Eilish Gesamtwerk liegt im Nihilismus. Es ist der vertonte Zeitgeist der Sinnlosigkeit und des Schmerzes der sich durch die Gehörgänge der Jugendlichen frisst. Ein authentischer, postmoderner Nihilismus für Postmillenials. Nihilismus ist die Überzeugung, dass es keine absoluten Wahrheiten und Werte gibt, was zur Sinnlosigkeit führt:

„Durch die gedankliche Orientierung am Nichts beinhaltet der Nihilismus einen absoluten Vorrang des Individuums, das allein seinen Trieben und Neigungen folgt und dem alles erlaubt ist. Wenn aber die nihilistische Weltsicht so weit geht, dass selbst das Individuum […] angezweifelt wird, verlieren auch diese Triebe und Neigungen jede Bedeutung.“ [1]

Zwischen Cobains Welterfolg und Tod lagen weniger als drei Jahre. Er war 24 Jahre alt als er berühmt wurde und 27 als er starb (Drogenabhängigkeit, Suizid). Mit Cobain als Vergleichspunkt befürchte ich, dass Billie Eilish innerhalb der nächsten drei Jahre sterben wird. Ihre Todessehnsucht ist allgegenwärtig („I wanna end me“). Wenn ein junger Mensch mit diesem Stil und diesen Inhalten so erfolgreich ist, wird es brandgefährlich! Die Horrorästhetik von dem Video zu bury a friend und das an den Film Der Exorzist angelehnte Albumcover sprechen die eindeutige Sprache der Düsterheit. Dazu kommt die (subtile) Erotik in den Texten und Videos, welche fleischliche Lust kanalisiert. Das Neue daran ist der Grad der Ausdehnung der Weltlichkeit in der Welt. Billie Eilish ist eine Mischung aus Justin Bieber und Marilyn Manson, welcher seinen Künstlernamen aus den Namen der Filmikone Marilyn Monroe und des Massenmörders Charles Manson bastelte und dabei die oberflächliche Popkultur mit den Abgründen des Menschenhasses kreuzte. Billie Eilish performt ähnliche Stilbrüche. Antonia Baum bringt es passend zum Ausdruck:

„Billie Eilish kombiniert auf sehr interessante Weise das Interesse an den eigenen Schmerzen der eher weiblich konnotierten Emo-Kultur mit der breitbeinigen f*** you attitude ihrer Lieblingsrapper. Für sich genommen, ist beides in seinen härtesten Ausprägungen unerträglich, aber in dieser Kombination ist es fantastisch, wie eine neue Geschichte. Sie zeigt, wie man mit Würde leiden kann, was naturgemäß insbesondere für junge Frauen interessant ist, deren Schmerzvarianten immer eng mit einem passiven Opferdasein verbunden sind. Das von Billie Eilish dargestellte Leid ist eben nicht das eines Opfers, sondern wird getragen wie das Top-Statussymbol im Hip-Hop, die Halskette (…).“ [2]

„Zahlreich werden die Schmerzen derer sein, die nicht den einzig wahren Gott anbeten.“

Ps 16,4

Die Schmerzen der Nihilistin Billie Eilish sind Folge ihres Götzendienstes. Sie hat die Herrlichkeit ihres Schöpfers eingetauscht gegen Nichtigkeit (Röm 1,23). Das Leben unter der Sonne – ohne Gott – ist ein Leben voller Nichtigkeiten (Pred 1,2). Ein Leben des Nichts, des Nichts-ismus, des Nihilismus. Die Gefahr von Billie Eilishs Kunst liegt in dem Kontakt mit der Dunkelheit. Die Musikerin kreiert eine dunkle audiovisuelle Kammer in der das Echo des Schmerzes klingt. In der Zuwendung zu dieser Musik füllen wir uns mit der Sinnlosigkeit und öffnen uns dem Schmerz, der sich aus dieser Sinnlosigkeit speist. Damit tun sich Kinder Gottes keinen Gefallen. Um deutlicher zu werden: Christinnen und Christen sollten sich die Musik von Billie Eilish nicht geben! Wir haben einen lebendigen Gott und eine lebendige Hoffnung, deswegen sollten wir nicht die Gottlosigkeit und die Hoffnungslosigkeit zelebrieren, welche Kennzeichen der Weltlichkeit sind. Als Kinder des Lichts sind wir dazu aufgerufen uns von der Welt fern zu halten (Eph 5, 8+11), denn – wie es Billie Eilish selbst sagt:

„The world is dark as f***.“

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Nihilismus (20.08.2019)

[2] https://www.zeit.de/2019/15/billie-eilish-saengerin-teenager-hip-hop-authentizitaet (14.08.2019)
Lars Reeh (Jg. 1986) ist Lehrer und geht in die BERG in Gießen. Er interessiert sich für die Überschneidungsfelder von Theologie und Kultur (besonders Apologetik und Pädagogik).
https://www.josia.org/2019/09/billie-eilish-die-ausdehnung-des-zeitgeistes-in-der-popkultur/

Werbeanzeigen

Ich denke, also bin ich hier falsch? Über Glauben, Denken & Skepsis

“Ich denke, also bin ich – hier falsch?” Hier, damit meine ich: beim Glauben. Und die Sorge ist ja gar nicht mal so unberechtigt, vielleicht kann ich sie deshalb auch ganz gut nachvollziehen. Meine Meinung lautet: Auch Christen sollten niemals den Fehler begehen und ihren gesunden Menschenverstand über Bord werfen. “Aber”, fragen nun manche, “tun sie nicht genau das?!

Kann man den wirklich ernsthaft an Gott glauben und trotzdem mit beiden Beinen auf den Boden bleiben?” Und sicher, manche Christen machen diesen Eindruck auf uns – den Eindruck, den Verstand auf “Standby” geschaltet zu haben, die Vernunft durch Glaube ersetzt zu haben. So nach dem Motto: “Diese Dinge hier, die können wir nun mal nicht begründen, die müssen wir einfach glauben.”

Diese zu hinterfragende Auffassung ist natürlich ein Totschlagargument, wie sie im Buche steht…Oder es begegnen uns auch immer wieder Kandidaten, die uns sagen möchten: “Du musst das glauben, ein Mensch mit Werten glaubt das.” Das Hauptproblem hierbei mag sein, dass sich die tiefen existenziellen Überzeugungen nicht einfach per Knopfdruck kontrollieren lassen.

Durch moralischen Druck zum Glauben aufzufordern, dass sollte und wird auch glücklicherweise niemals klappen.Wenn es nun beim Glauben um einen Glauben ginge, der die Vernunft ersetzen soll oder einen Glauben, der doch irgendwie ein “Muss” zu sein hat – ein Glaube ohne jede Begründung also -, dann würde ich kaum für solch etwas Werbung machen wollen…

Nun bin ich aber davon zutiefst überzeugt, dass es beim christlichen Glauben aber gerade nicht um solche Glaubensformen geht, ich glaube vielmehr: Es gibt sehr wohl sehr gute Gründe dafür, dass da etwas am “Konzept des christlichen Glaubens” dran sein könnte, das Glauben eben kein blindes, sondern ein sehendes Vertrauen ist.  Ich erwarte nun aber nicht, dass wer meine Ansichten teilt, nur weil ich sie hier niederschreibe, aber das ist auch gar nicht meine Schreibmotivation.

Die liegt vielmehr im Aufbringen der Frage begründet: “Könnte da vielleicht doch etwas dran sein, am Glauben?” Aus diesem Grund verstehen sich meine Zeilen hier auch als Denkangebote, auf die man sich einlassen kann oder aber auch nicht. Sie als Leser haben ja auch jederzeit die Möglichkeit, sich aus meinen Gedanken auszuklinken, ich biete sie Ihnen wie gesagt auch nur als Gesprächsangebot an.

Ein erstens Zwischenfazit

Es gibt zweifelsfrei kritische Anfragen an den christlichen Glauben, die gut sind – sehr gut sogar. Eine davon lautet: „Gott gibt es nicht, weil es keine Beweise für seine Existenz gibt.“ Ich will nun gar nicht sagen, dass man so nicht denken darf. Ich glaube nur, dass hier ein Gedanke übersehen wurde, nämlich: Die Wirklichkeit einer Sache hängt ja nicht zwangsläufig von deren Beweisbarkeit ab. Warum sollte etwas nicht existieren, nur weil man es nicht beweisen kann?

Sicher, so denken wir Teilnehmer des 21. Jahrhunderts gerne, aber stimmt es wirklich? Ein Blick in die Geschichte verrät es uns. Denken Sie zB an die radioaktive Strahlung: Die ließ sich vor 200 Jahren weder beweisen, noch messen. Aber heißt das, dass es radioaktive Strahlung vor 200 Jahren und davor deshalb nicht gab? Natürlich gab es sie. Weil Wirklichkeit eben unabhängig von empirischer Beweisbarkeit ist. Ich will damit nun nicht sagen, dass Gott existieren muss, weil er nicht beweisbar ist. Aber es ist genauso verkehrt zu sagen: Weil Gott nicht beweisbar ist, deshalb kann es ihn nicht geben. Die Nicht-Beweisbarkeit Gottes ist kein gutes Argument gegen die Existenz Gottes.

„Moment!“, denken nun manche, „Wie soll man denn Gott bitte beweisen, wenn es den gar nicht gibt? Nicht-Existenz kann man nun einmal nicht beweisen.” Ich kann diesen Einwand zwar ganz gut nachvollziehen, aber so ganz richtig ist er ja nicht. Denn natürlich ist Nicht-Existenz beweisbar. Das lernt man bereits in den ersten Semestern Philosophie: „Die Nicht-Existenz von X ist dann bewiesen, wenn aus der Existenz von X ein Widerspruch folgt.“ Suchen Sie sich ein passendes Beispiel aus.

Ich führe das alles so ausführlich aus, um uns eine Sache vor Augen zu führen: Es gibt natürlich keine wissenschaftlichen Beweise für Gott, aber die wissenschaftlichen Einwände, die immer wieder gerne gegen Gott angeführt werden, sind im Grunde gar keine wirklichen Beweise gegen Gott. Ich habe in meinen vielen Gesprächen zumindest noch nie einen zwingenden Beweis gegen die Existenz Gottes gehört – allenfalls gegen ein bestimmtes Gottesbild (siehe auch hier) Aber das sind ja zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe…. Nehmen wir hier meinetwegen die Evolutionstheorie:

Was sagt die über die Existenz Gottes aus? Nichts. Diese Theorie will bloß beschreiben, wie sich das Leben auf der Erde entwickelt hat. Und was sagt das über Gott? Nichts. Es könnte ja sogar einen Gott geben, der dahinter steht und das Ganze „anschiebt“. Oder es könnte ein Gott sein, der einfach zuschaut – wie bei einer Art Experiment. Der sich sagt: „Lassen wir das Ganze sich mal entwickeln und schauen wir zu.“ Ich will nun nicht sagen, dass an diesen Gott glaube, verstehen Sie mich richtig. Aber es wäre zumindest denkmöglich. Gott ist trotz Evolutionstheorie möglich, sie ist daher kein gutes Argument gegen die Existenz Gottes.

Ein zweites Zwischenfazit

Machen wir an dieser Stelle ein weiteres Zwischenfazit. Selbst dann, wenn wir der Wissenschaft den hohen Respekt zollen, den sie zweifelsfrei verdient hat, sollten wir ganz unaufgeregt zugeben: Es gibt keine Beweise gegen die Existenz Gottes. Aber nicht, dass sie mich falsch verstehen: Natürlich gibt es auch keinerlei Beweise für seine Existenz. Das wollte ich auch zu keinem Zeitpunkt gesagt haben. Nein, Gott ist weder beweisbar noch widerlegbar. Trotzdem stehen wir vor einem Dilemma, denn eine dieser beiden Aussagen muss stimmen: Entweder gibt es Gott oder es gibt ihn nicht. Es gibt kein „dazwischen“.

Diese Erkenntnis ist für viele Menschen verständlicherweise ein sehr unbefriedigendes Ergebnis. Gerade weil es so einige Probleme und Herausforderungen mit sich bringt: Entscheide ich mich dafür, Gott links liegen zu lassen, bleibt stets das Risiko, dass diese Entscheidung eine falsche und möglicherweise sogar folgenschwere Entscheidung war. Entscheide ich mich dafür, Gott doch zumindest einmal probeweise anzunehmen, stehe ich vor der nicht einfachen Aufgabe zu prüfen, welcher Weg zu Gott der glaubwürdigste ist.

Viele entscheiden sich heutzutage aber trotz der Möglichkeit, eine Fehlentscheidung zu treffen, dazu, die Frage nach Gott einfach nicht mehr aufkommen zu lassen oder sie hartnäckig abzublocken, wenn sie gestellt wird. Und nicht wenige sagen von ihnen: „Naja, ich kann es auch einfach nicht wissen, wie das mit Gott ist.“ Und vielleicht überrascht es Sie an dieser Stelle, aber ich finde diese Aussage absolut richtig. Als Christ würde ich sogar sagen:

„Ich kann von mir aus nichts über Gott sagen.“

Wie sollte ich auch? Ich stelle mir das immer wie bei einem Arztbesuch vor: Ich sitze da so im Wartezimmer, warte bis ich endlich aufgerufen werde, sitze schließlich vor meiner Ärztin… und schweige. So gut sie auch sein mag, sie wird mir nicht helfen können, nichts über mich aussagen können, sofern ich ihr nichts über mich erzähle. Sie könnte vielleicht spekulieren, was mir wohl fehlen mag (in diesem Fall könnte sie vermuten, dass ich ein Problem mit den Stimmbändern habe), aber etwas wirklich Verlässliches kann sie von sich aus nicht über mich sagen. Im Grunde haben Christen das gleiche Problem, wie es meine Ärztin dann hätte: Wir Christen können nichts von uns aus über Gott sagen, das ist schlichtweg unmöglich.

Es sei denn – und nun kommt der springende Punkt -, es sei denn, Gott sagt etwas über sich selbst. Wenn es ihn wirklich gibt, befindet er sich auf einer völlig anderen Wirklichkeitsebene als wir, also können wir nichts über ihn sagen, es sei denn, er teilt sich uns mit. Und hier treffen wir auf einen zentralen Aspekt des christlichen Glaubens: Christen glauben, Gott hat sich mitgeteilt, er hat gezeigt, wie er ist, seinen Charakter, sein Herz, sein Wesen. Nicht in einer Ideologie, auch nicht in einer Institution wie der Kirche und selbst nicht primär in einem Buch, sondern in erster Linie in einer Person: in der Person Jesus Christus. Und wenn man sich mal anschaut, wie Jesus im Neuen Testament beschrieben wird, was er also sagt und tut, dann werden wir hier mit einer Person konfrontiert, die einen absoluten steilen Anspruch erhebt, der da lautet:

„Wer mich sieht, sieht Gott. Ich stehe hier an Gottes Stelle.“

Das beansprucht Jesus an vielen verschiedenen Stellen.

Die Quellenfrage

„Moment“, sagen nun einige, „ist das, was wir heute in den Evangelien lesen, überhaupt historisch glaubwürdig? Sind die ganzen Berichte über Jesus nicht viel eher Mythen und Legenden?“ Ich kann diese Frage ganz gut nachvollziehen und es mag Sie vielleicht überraschen: In der gegenwärtigen historischen Leben-Jesu-Forschung wird kaum noch die Ansicht vertreten, dass es sich bei den Evangelien um historisch unzuverlässige Quellen handelt, im Gegenteil. Jens Schröter, Professor für Exegese und Theologie des Neuen Testaments und neutestamentliche Apokryphen an der HU Berlin, fasst den gegenwärtigen Stand der Leben-Jesu-Forschung recht gut zusammen, wenn er schreibt:

„Historische Jesusforschung kann den christlichen Glauben niemals begründen oder gar seine Richtigkeit beweisen. Sie kann jedoch zeigen, dass dieser Glaube auf dem Wirken und Geschick einer Person gründet, die sich, wenn auch nicht in jedem Detail, so doch in wichtigen Facetten auch heute noch nachzeichnen lassen. Damit leistet sie für die Verantwortung des christlichen Glaubens in der modernen Welt einen substantiellen Beitrag.“

Die historische Zuverlässigkeit der Lebensbeschreibungen Jesu unterstreicht auch Gerd Theißens universitäres Standardwerk “Der historische Jesus – Ein Lehrbuch“. Und auch seitens der textkritischen Geschichtsforschung bestehen nach aktuellem Stand der Forschung keinerlei Bedenken, was die Integrität der Überlieferungsgeschichte der neutestamentlichen Schriften angeht. Holger Strutwolf, Universitätsprofessor und Direktor des Instituts für neutestamentliche Textforschung in Münster, fasst zusammen:

Als Textkritiker ist zu sagen, dass die handschriftliche Überlieferung des neutestamentlichen Textes sehr treu und im Wesentlichen zuverlässig erfolgt ist, so dass man mit großer Zuversicht sagen kann, dass von textkritischer Seite keine Bedenken bestehen, dass der Text willentlich und grundsätzlich von späteren Tradenten verfälscht worden sein könnte.

Der historische Jesus

Ob es uns also gefällt oder nicht: Jesus ist eine historisch überaus zuverlässig belegte Person, die sich in vielen wichtigen Facetten auch heute noch nachzeichnen lässt. So finden wir etwa im historisch sehr gut bezeugten Johannes-Evangelium viele Passagen dazu, in denen dieser Jesus den Anspruch erhebt, selbst Gott zu sein. Ein paar Beispiele hierzu: In einem Gespräch mit Vertretern der religiösen Elite weist Jesus klar darauf hin: „Ich und der Gott, der Vater sind eins.“ Die Reaktion von einiger seiner Zuhörerschaft darauf ist überaus heftig, denn auf solch eine Behauptung stand zur damaligen Zeit, in der die Existenz des heiligen Gottes zu keiner Zeit bestritten wurde, nur eine Strafe: der Tod.

Seine Gegner erwiderten Jesus empört: „Wir steinigen dich nicht wegen einer guten Tat, sondern weil du ein Gotteslästerer bist. Du machst dich zu Gott, obwohl du nur ein Mensch bist.“ (Joh. 10,33) An anderer Stelle lesen wir von folgender Begebenheit, in der Jesus sagt:

„Abraham, euer Vater, sah dem Tag meines Kommens mit jubelnder Freude entgegen. Und er hat ihn erlebt und hat sich darüber gefreut.“ Die Juden entgegneten: „Du bist noch keine fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?“ Jesus gab ihnen zur Antwort: „Ich versichere euch: Bevor Abraham geboren wurde, bin ich.“ Da hoben sie Steine auf, um ihn zu steinigen. (Joh. 8,56ff.)

Auch hier beansprucht Jesus für sich, weit mehr als nur ein Mensch, nämlich Gott selbst zu sein. Er sagt, dass bereits der Stammvater Abraham, einer der engsten Vertrauten Gottes im Alten Testament, sich über seine, also Jesu Ankunft gefreut hat – und nicht nur das: Dass er sie sogar erlebt hat. Seine jüdischen Zuhörer können die Aussageabsicht hinter diesen Worten sehr rasch zuordnen: Auch hier sagt Jesus wieder von sich, dass er der ewige und heilige Gott selbst ist. Diejenigen, die diesem Anspruch zurückwiesen, bezichtigen Jesus daraufhin erneut der Gotteslästerung und lassen ihrer Empörung über die Ungeheuerlichkeit dieser Aussage freien Lauf.

Ein weiteres Beispiel: Zum Ende des Johannes-Evangeliums wird uns von einer Unterhaltung zwischen Jesus und seinem skeptischen Jünger Thomas berichtet. Thomas, der dem Gedanken der Auferstehung Jesu überaus misstrauisch gegenüberstand, fordert einen Beweis, dass der Mann, mit dem er da spricht, wirklich der ist, der vor wenigen Tagen zuvor am Kreuz von den Römern hingerichtet wurde. Jesus sagt daraufhin zu Thomas:

„Leg deinen Finger auf diese Stelle hier und sieh dir meine Hände an!«, forderte er ihn auf. »Reich deine Hand her und leg sie in meine Seite! Und sei nicht mehr ungläubig, sondern glaube!« Thomas sagte zu ihm: »Mein Herr und mein Gott!« Jesus erwiderte: »Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du. (Joh. 20,27ff.)

Das eigentliche Interessante an diesem Gespräch ist nun nicht das, dass Thomas Jesus als seinen Herrn und Gott bezeichnet, sondern dass Jesus keinen Einspruch dagegen erhebt. Jesus sagt ja nämlich nicht: „Nein, nein. Ehre, wem Ehre gebührt, aber Gott, das bin ich nicht.“ Jesus sagt hingegen, dass ihm Thomas jetzt, wo er ihn gesehen hat, wirklich glaubt. Und diesen Anspruch erhebt Jesus stets in einem bestimmten Kontext, nämlich in dem eines streng gläubigen Juden. Als solcher ist er zutiefst davon überzeugt, dass Gott ewig, heilig und Ehrfurcht gebietend ist, und dass man, wenn überhaupt, nur sehr vorsichtig von ihm sprechen darf. Der Anspruch Jesu, einem gläubigen Juden, war daher weitaus mehr als nur ein starkes Stück.

Darüber hinaus wird Jesu Gottesanspruch nicht nur in dem deutlich, was er sagt, sondern vor allem auch durch die Dinge, die er behauptet, tun zu können. Denn Jesus sagt zu wildfremden Menschen: „Deine Sünden sind dir vergeben.” Und nach Auffassung der hebräischen Bibel ist auch solch eine Aussage schlichtweg Gotteslästerung. Man wusste zur damaligen Zeit ganz genau: Nur einer ist in der Lage, einem Menschen seine Sünden zu vergeben, nämlich nur Gott selbst. Sündenvergebung, dessen war man sich bewusst, konnte niemals von Mensch zu Mensch geschehen.

Sich entschuldigen waren eine Sache, Sündenvergebung aber eine ganz andere – und die war absolute „Chefsache“. Wenn Jesus also behauptet, einem Menschen seine Sünden vergeben zu können, konnte diese Aussage gar nicht anders verstanden werden, als dass Jesus behauptet, Gott selbst zu sein. Und das löste bei einigen natürlich scharfe Proteste aus. Das wird etwa an einer Stelle recht deutlich, in der ein Gelähmter zu Jesus gebracht wird:

„Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: »Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!« Einige Schriftgelehrte, die dort saßen, lehnten sich innerlich dagegen auf. »Wie kann dieser Mensch es wagen, so etwas zu sagen?«, dachten sie. »Das ist ja Gotteslästerung! Niemand kann Sünden vergeben außer Gott.« (Markus, 2,5ff.)

Indem Jesus für sich beanspruchte, Sünden vergeben zu können, unterstrich und betonte er damit seinen Gottesanspruch. Das war Juden der damaligen Zeit sofort klar, die Reaktionen der religiösen Elite seinerzeit ist also wenig verwunderlich. Und Jesu Anspruch, der menschgewordene Gott selbst zu sein, war es letztendlich ja auch, weswegen er zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet wurde. Nicht wegen sozial-revolutionärer oder rebellischer Gedanken wurde Jesus zum Kreuzestod verurteilt, sondern wegen Gotteslästerung – wegen seiner niemals abreißenden Behauptung, dass er und Gott ein und derselbe sind.

Vater vs. Sohn

„Aber“, sagen nun manche, „sagt Jesus nicht, dass er ‚Gottes Sohn‘ sei?“ Wer diese Frage stellt, stellt eine gute und sehr berechtigte Frage. Und es stimmt ja: In den Evangelien beschreibt sich Jesus ja wirklich so. Ich kann es daher ganz gut nachvollziehen, wenn wer Probleme mit der Sicht hat, dass Jesus selbst Gott sein soll – gerade weil er seine Sohnschaft immer wieder betont. Aber Jesus sagt ja nicht nur: „Ich bin Gottes Sohn“, sondern auch: „Ich und der Vater sind eins.“ Und das ist ja sehr wichtig – so wichtig, dass wir es nicht ignorieren dürfen. Zu Beginn des Johannes-Evangeliums lesen wir etwa: „Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige Sohn hat ihn uns offenbart, er, der selbst Gott ist.“ Wir werden also insofern herausgefordert, als Jesus zwar zweifelsohne Gottes Sohn, aber – und das ist der springende Punkt – genau deshalb Gott selbst ist. C. S. Lewis schreibt:

Was Gott zeugt, ist Gott; wie Mensch ist, was der Mensch zeugt. Was Gott erschafft, ist nicht Gott, wie das von Menschenhand Geschaffene nicht Mensch ist.

Mit dem Verweis darauf, dass er Gottes Sohn ist, unterscheidet Jesus also gerade nicht zwischen Gott und ihm, sondern weist auf die Wesensgleichheit hin: „Ich, der Sohn, und Gott, der Vater, sind gleich.“ Wie Lewis eben sagt: „Was Gott zeugt, ist Gott“. Das fordert uns heute sicher heraus, aber so ist Jesu Aussage (gerade im soziokulturellen Kontext der damaligen Zeit) zu verstehen. Wenn Jesus sich als Sohn Gottes beschreibt, meint er, dass er Gottes Ebenbild ist – wer ihn sieht, sieht Gott, wer Jesus kennt, kennt Gott. Es ist also wörtlich zu verstehen, wenn es in 1. Joh 5 heißt: „Gott ist Liebe“ – und Liebe braucht ein Gegenüber, das geliebt werden kann.

Gott ist in sich liebevolle Beziehung – vom Vater zum Sohn zum Geist und zurück… Es ist aber völlig in Ordnung, wenn Ihnen das alles etwas „abstrakt“ vorkommt. Und ich bin mir durchaus bewusst, dass dieses Thema noch weitere gute Fragen zulässt. Aber letztlich bleibt der Punkt, den ich Ihnen aufzeigen wollte: Wenn Jesus seine Sohnschaft Gottes betont, unterstreicht er damit den Punkt, dass er Gott ist.

Was fangen wir mit Jesus an?

So einfach, was viele populäre Veröffentlichungen über Jesus sagen, nämlich “Jesus war ein großer ethischer Lehrer und ein vorbildlicher Mensch, keine Frage. Aber die Sache mit seinem Anspruch, der „heruntergekommene“ Gott selbst zu sein, die lassen wir einmal beiseite”, so einfach macht es uns Jesus nicht, wenn er sowohl durch sein Reden als auch Handeln einen so enormen Anspruch erhebt. Wenn er beispielsweise sagt: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf der Erde.“ Oder: „Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“ Oder auch:  „Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zu Gott, dem Vater kommt man nur durch mich.“

Wir sehen: Es sind gewaltige Ansprüche, die Jesus da für sich erhebt. Und vergessen wir nicht: Gerade der breite Mainstream historischer Forschung lässt uns hier wenig Spielraum – stufen doch die meisten Textforscher (gläubige wie nicht-gläubige) die Evangelien als historisch zuverlässige Dokumente ein. Und wenn man sich nun anschaut, was Jesus sagte und tat, dann ist er entweder viel mehr als ein vorbildlicher Mensch oder aber viel weniger als das. Denn:

  • Entweder war Jesus ein Lügner – und zwar genau dann, wenn es nicht stimmt, was er sagt und er sich darüber im Klaren ist, dass es nicht stimmt.
  • Oder Jesus war ein Verrückter – und zwar genau dann, wenn es nicht stimmt, was er sagt und er auch nicht weiß, dass es nicht stimmt.
  • Oder aber: Es stimmt, was Jesus von sich behauptet, dass er wirklich Gott selbst ist.

Entweder hat Jesus die Menschen seinerzeit bewusst getäuscht, so wäre das ein wenig vorbildliches Verhalten, genauso wenig wie, wenn seine Aussagen nicht korrekt sind und ihm genau das nicht bewusst ist, dann haben wir es bei Jesus mit einem religiösen Neurotiker zu tun. Oder aber: Es stimmt, was er über sich sagt. Dann stimmt auch alles, was er über Gott sagt. Und dann wird die Frage nach Gott und nach Gründen für den Glauben genau an dieser Stelle zur Vertrauensfrage. Was mache ich also mit Jesus?

Ein abschließender Vorschlag

Mein Vorschlag an dieser Stelle ist einfach mal ins Neue Testament hinzuschauen, also in den hinteren Teil der Bibel. Am besten in einer texttreuen & verständlichen Übersetzung, zum Beispiel die NGÜ. Dort finden sich ja die Lebensbeschreibungen von Jesus, von denen das Markus-Evangelium die kürzeste ist. Zudem ist sie auch zugleich die älteste Lebensbeschreibung. Und ich erwarte auch gar nicht, dass man das alles sofort schluckt, was einem dort als Inhalt angeboten wird. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn Sie zB den Wundergeschichten skeptisch gegenüberstehen. Aber um die braucht es ja auch gar nicht zu gehen.

Im Kern geht es ja um den Charakter Jesu und um die Frage: „Macht dieser Jesus den Eindruck, ein Lügner oder Verrückter zu sein? Oder macht er den Eindruck, dass er weiß, wovon er spricht?“ Diese drei Möglichkeiten: Er hat andere getäuscht, er hat sich getäuscht oder er hat Recht. Und wenn wir vor dieser Alternative stehen, dann geht eines eben nicht – dass wir nämlich sagen: „Jesus: vorbildlicher Mann, ethisches Vorbild. Aber dieser ganze dogmatische Ballast mit „Sohn Gottes“, „für unsere Schuld gestorben“, den lassen wir mal weg.“ Aber genau das lassen die Lebensbeschreibungen Jesu eben nicht zu. Entweder ist er viel weniger als ein guter Lehrer, nämlich ein mieser Betrüger oder ein Geistesgestörter. Oder er ist viel mehr als ein gutes Vorbild, nämlich wirklich Gott selbst.

Ich kann durchaus verstehen, wenn das ungewohnt ist, so zu denken. Aber merken Sie, dass genau an dieser Stelle und wenn man diese Möglichkeit einmal zulässt, sich die ganze gewaltige Gottesfrage zu einer sehr konkreten Vertrauensfrage zuspitzt? Nämlich zu der Frage: „Kann ich diesem Jesus vertrauen?“ Und es nicht blindes Vertrauen, wo man glaubt, ohne mitzudenken. Sondern sehendes Vertrauen, wo ich nachfragen darf, wo ich überprüfen darf, wie glaubwürdig die Überlieferungen wirklich sind, und so weiter und so sofort. Und irgendwann selbst zu einem Schluss komme. Ich kann Ihnen diese Frage nicht abnehmen, aber ich bitte Sie, sich diese Frage einmal ernsthaft zu stellen:

„Was glaube ich von Jesus?“

http://www.mitdenkend.de/warum-gott/

Newtons erfolglose Börsenspekulation

Auch Genies können sich irren! Ob das beruhigend ist oder nicht sei dahingestellt. Eindeutig fest steht allerdings, dass Verstand allein nicht vor Irrtümern schützen kann. Der massiv werbende Zeitgeist wirkt offensichtlich weit stärker als die nüchterne Analyse. Das sollte jeden Menschen mahnen wirklich skeptisch zu werden; ganz besonders bei Fragen, die zu einer gewissen Zeit „ganz unzweifelhaft sicher“ zu sein scheinen.

„Ich kann zwar die Bewegung der Himmelskörper berechnen, aber nicht wohin die verrückte Menge von Menschen einen Börsenkurs hintreiben kann“, schrieb Newton 1720 verzweifelt. Gut 20 000 Pfund hatte das Physik- Genie Newton beim sogenannten „Südsee-Schwindel“ verloren; eine für damalige Zeiten ganz erhebliche Summe.
Es lief wie so häufig in der Wirtschaftsgeschichte. Zu Beginn des 18.Jahrhunderts war die „South Sea Company“ der absolute Überflieger am britischen Börsenhimmel. Durch den geplanten Handel mit Sklaven und landwirtschaftlichen Gütern aus Südamerika versprach man renditeorientierten Anlegern unvorstellbare Gewinne.
1711 hatte die Gesellschaft zehn Millionen Pfund britischer Staatsschulden übernommen. Dafür erhielt sie sechs Prozent jährlich und das Monopol für Handelsgeschäfte mit den spanischen Kolonien in Südamerika. Einige Jahre später übernahm die „South Sea Company“ weitere 32 Millionen Pfund Staatsschulden, die sich durch den Krieg zwischen England und Spanien angehäuft hatten (1718-1720). Den Aktionären stellte man beachtliche Handelsvergünstigungen mit den spanischen Kolonien in Aussicht. Außerdem versprach man eine jährliche Rendite von unglaublichen 10%. Die Anleger waren begeistert. Der Wert der Aktien verzehnfachte sich innerhalb weniger Monate. Niemand schien es jetzt noch zu interessieren, dass die „South Sea Company“ bisher keinerlei realen Handel betrieben hatte. Durch den Erfolg des spekulativen Unternehmens motiviert gingen damals weitere seltsame Firmen an die Börse: Eine wollte Sonnenschein aus Gemüse gewinnen. Eine andere plante London mit Kohle aus dem Meer zu versorgen. Nur noch auf den prognostizierten Gewinn achtend waren die Anleger, bereit fast alles zu glauben.
Nachdem von erheblichen Zahlungsproblemen zu hören war begannen die Panikverkäufe. Im August 1720 platzte die Spekulationsblase schließlich ganz. Innerhalb kürzester Zeit verlor die Aktie 90% ihres Wertes. Einige wenige Spekulanten kassierten dabei groß ab. Der Großteil der gutgläubigen Anleger aber verlor alles investierte Kapital; unter ihnen auch Sir Isaac Newton. Viele Privatpersonen und Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. England schlitterte in eine mehrjährige Wirtschaftskrise. Dass man einige Verantwortliche des South- Sea- Desasters ins Gefängnis sperrte, drei Minister die Bestechungsgelder angenommen hatten, absetze und neue Aktienemissionen verbot, half in dieser Situation nur wenig.
Isaak Newtons schmerzliche Erfahrung mit dem Hype um die „South Sea Company“ fordert bis heute heraus, nicht jedem Mainstream nachzulaufen; nicht alles zu glauben, nur weil scheinbar alle „Spezialisten“ einer Meinung sind. Diese Erkenntnis gilt natürlich nicht nur für Wirtschaftsfragen, sondern ebenso für politische, ethische oder ganz alltägliche Überzeugungen des Zeitgeistes. Außerdem offenbart der Skandal um die „South Sea Company“ die großen Gefahren von Geldgier und Materialismus. Die Sucht nach mehr Besitz kann leicht den Blick für die Realität vernebeln und die wirklich wichtigen Fragen des Lebens vergessen machen.
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“
(Matthäus 16, 26) Michael Kotsch

Ein Gott der wirklich da ist

Der Theologe, der sagt, man solle Gott lieben, der aber nicht genau weiß, welche Beziehung zwischen seinem Wort »Gott« und dem Gott, der wirklich da ist, besteht, redet Unsinn. Es ist lächerlich, von der Liebe zu einem Gott zu reden, der gar nicht da ist. Betrachten Sie z. B. den modernen Theologen, der behauptet, das Gebet habe keine reale Grundlage. Das sagt Robinson in seinem Buch Gott ist anders eindeutig, indem er behauptct, es gebe keine wirkliche vertikale Beziehung zu Gott. Ein solches vertikales Verhältnis zu Gott ist einfach deshalb unmöglich, weil Gott — für Robinson — nicht ein solcher Gott ist, der einer vertikalen Beziehung einen Sinn verleihen könnte. Aber Gott ist ein persönlicher Gott, und deshalb ist die Aufforderung, ihn zu lieben, kein Unsinn.

Oder betrachten Sie andererseits den Humanisten, der den Menschen für eine Maschine hält. Wenn ich eine Maschine bin, chemisch oder psychologisch determiniert, dann ist mein Versuch der Liebe zu Gott bedeutungslos. Weiter: wenn Gott jenes große philosophische »Andere«, das unpersönliche All, ein panthcistisches »Etwas« ist, dann ist die Aufforderung, Gott zu lieben, entweder eine Illusion oder ein grausamer Schwindel.

Das gesamte Christentum steht und fällt mit der Existenz und dem Wesen Gottes und der Existenz und der Natur des Menschen — der Existenz und Natur des »Ich«. Aus diesem Grunde ist die einzige hinreichende Basis für das christliche Leben des einzelnen und der Gemeinde eine persönliche Beziehung zu dem Gott, der da ist und der persönlich ist.

Darüber hinaus müssen wir aber durch unser Leben zeigen, daß wir wissen: Gott ist wirklich da. Wir sagen allzu oft, Gott existiere, und bleiben dann in einer scholastischen, theoretischen Orthodoxie stecken. Allzu oft bekommt die Welt den Eindruck, daß wir unser ganzes organisatorisches Programm aufstellen, als existiere Gott gar nicht und als ob wir alles selbst auf der Grundlage moderner Reklametheorien machen müßten.

Stellen wir uns einmal vor, wir wachten morgen früh auf, öffneten die Bibel und stellten fest, daß zwei Dinge herausgenommen worden seien, nicht wie die Liberalen sie herausstreichen, sondern wirklich herausgenommen. Stellen wir uns vor, Gott hätte sie entfernt. Der erste fehlende Punkt sei die wirkliche Kraft des Heiligen Geistes und der zweite Punkt die Realität des Gebets. Folglich würden wir weiter den Befehlen der Schrift gehorchen und auf der Basis dieser neuen Bibel zu leben beginnen, die nichts über die Kraft des Heiligen Geistes und nichts über die Kraft des Gebets aussagte. Ich möchte Ihnen eine Frage stellen:

Würde sich dadurch morgen unser Leben wirklich von dem Leben unterscheiden, das wir gestern noch geführt haben?

  • Glauben wir wirklich, daß Gott lebt?
  • Wenn wir es tun, dann leben wir anders.

Francis Schaeffer, Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts
(Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1971, S. 49–50)

Many Christians ask me about Yoga and meditation, wondering if they should do it. Yoga is a comprehensive system of life.

Many Christians ask me about Yoga and meditation, wondering if they should do it. Yoga is a comprehensive system of life. We are always involved in parts of it. Christians should not be afraid of everything not mentioned in the Bible. Dentistry is not mentioned in the Bible. We should be careful and clear about our goals. Recently several people with severe sleep difficulties have asked me about yoga, meditation and sleep. I’ve written up a couple of possibilities below. They don’t make the mind completely open to anything or nothing but gently focused on God’s Word.
These can be used on a train or bus, in a waiting room, on a break at work, stuck in traffic, waiting for a class to start. Three to Five minutes is very good but even one minute is effective. They are silent and motionless and don’t attract a lot of attention. If someone asks you what you are doing, you might have a valuable conversation and bless them.

Prayer meditation with breathing

1. Breathe deeply and diaphragmatically but relaxed. This can be done sitting, standing, walking or lying down. Lying down is best for sleeping, of course. Inhale and on the exhalation say in your mind; “Lord make me an instrument of Your Peace”, or “Create in me a pure heart, O God”, or “The Lord is my Shepherd”, etc. Repeat. Don’t think about these things. Just be open to God doing them in your life. Be aware that God is with you while you do this.
2. Same as above but with the Lord’s Prayer. Inhale, exhale on “Our Father”. Inhale, exhale on “Who art in heaven”. Inhale, exhale on “Hallowed by Thy Name”. Inhale, exhale on “Your Kingdom come”. ETC. Or, use Psalm 23 or something else from the Bible you have memorized.
If your mind wanders don’t beat yourself up. Just come gently back to what you are doing. Ellis H. Potter (FB)

Ist Gott eigentlich ein Jude?

Interessante Frage. Ich würde sagen: Nein. Zum einen gibt es das jüdische / hebräische Volk ja erst seit Abraham. Noch wichtiger wäre mir aber festzuhalten, dass Gott mit keinen inner-weltlichen Beschreibungen und Zuordnungen ganz zu fassen ist. Gott ist immer größer. Er kann keiner ethnischen oder religiösen Gruppe ganz zugeordnet werden. Auch wenn er das von ihm erwählte Volk natürlich liebt und führt.