Gottesdienste bleiben im zweiten Lockdown erlaubt. Gut so.

Vieles, was für uns selbstverständlicher Bestandteil von Freiheit war, ist in den letzten Monaten, zumindest in Deutschland, zugunsten des Staates gekippt. Was gläubige Christen zurecht zornig machen kann, ist, dass anscheinend nirgendwo fundierte Daten (=Messwerte) darüber vorliegen, in welchen Kontexten genau das Infektionsrisiko wie hoch ist.
Wie viele z.B. haben sich tatsächlich während christlicher Gottesdienste bei Einhaltung der Regelwerke angesteckt? Niemand scheint solche Daten zu haben.
Trotzdem werden wie wild, wie wahnsinnig ständig Forderungen erhoben, Gottesdienste zu verbieten, es werden unzählige Firmen einfach dichtgemacht etc., anscheinend ohne jede echte (!) Zahlenbasis. Jeder schreibt nur vom anderen ab, es wimmelt nur so von Aufspielern, Schwätzern, Computerspielern, die mit falschen und grob unzureichenden “Modellen” irgendwas rechnen.

Online Veranstaltungen gibt es sehr viele, aber der “echte Gottesdienst” ist für viele Menschen von Bedeutung und würde ein Zeichen setzen – wie es auch in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas heißt.
Wen wundert es dann noch, daß in einer Zeit zunehmender Distanz auch die Distanz zur Institution Kirche immer größer wird ?

“Ein Weihnachtsfest mit Kirchgang und Krippenspiel, mit Christmette und «O du fröhliche» zählte bisher zu den unverrückbaren Restbeständen christlicher Tradition. Noch im vergangenen Jahr planten 21,6 Prozent der Deutschen den Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes. Sogar erstaunliche 31 Prozent der unter 30-Jährigen wollten an Weihnachten zur Messe. Heute liegt die in einer Meinungsumfrage ermittelte Quote bei insgesamt lediglich 6 Prozent. Die Hälfte der Befragten plädiert für ein Gottesdienstverbot.” NZZ

Und gerade jetzt wäre eine klare Verkündigung in einem Gottesdiest heilsam gewesen. Denn Weihnachten ist und bleibt der Hit der Weltgeschichte. Gott klinkt sich nicht aus, sondern bei uns rein. Er mault nicht, wie der letzte sächsische König: Macht euern Dreck alleene! Sondern Er, der König der Welt, kommt im Dreck eines Kuhstalls zur Welt. Kommt in der Gestalt eines Menschen zu uns, um uns den Dreck unseres Lebens eigenhändig wegzuräumen. Wir können unsere Schuld nicht aus der Welt schaffen. Aber Jesus schafft das! Keiner steckt so tief im Dreck der Sünde, dass Jesus ihn nicht sauber bekäme. Kein Menschenleben ist so kaputt, dass Er es nicht heilen könnte!” (Theo Lehmann)

Der Stern von Bethlehem – Mythos oder Geschichte?

Der Stern von Bethlehem ist fester Bestandteil unserer alljährlichen Weihnachtsromantik. Aber gerade dieser Stern ist es auch, der viele Menschen gegenüber der Weihnachtsgeschichte skeptisch werden lässt. Da kommen „Weise“ aus dem „Morgenland“ nach Jerusalem und fragen nach dem neugeborenen König der Juden, denn: Sie „haben seinen Stern aufgehen sehen“. Und genau dieser Stern „ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.“ (Matthäus 2, 2+9) Kein Wunder, dass seit jeher Menschen gefragt haben: Von welchem Stern redet Matthäus da? Wie konnte ein Stern vor ihnen hergehen? Und wie kann ein Stern stehen bleiben? Das klingt doch alles so märchenhaft, dass man dazu neigt, gleich die ganze Geschichte ins Reich der Mythen und Legenden zu verbannen.

Stilbildend für viele Darstellungen des Sterns wurde ein Gemälde des Malers Giotto di Bondone aus dem Jahr 1305. Er stellte den Stern als Komet dar, wahrscheinlich ganz einfach deshalb, weil er den Halley’schen Komet kurz zuvor selbst beobachten konnte. Trotzdem ist es sehr unwahrscheinlich, dass Matthäus bei seinem Bericht von einem Komet spricht. Kometen galten damals als Unglücksboten und waren somit ein völlig unpassendes Symbol für das Kommen eines neuen Herrschers.

Der Astronom Johannes Kepler beobachtete im Jahr 1604 eine Supernova mitten in einer besonderen Planetenkonstellation, über die wir gleich noch genauer sprechen werden. Und weil diese Konstellation auch zur Zeit von Jesu Geburt auftrat, stellte er die Vermutung an, dass es vielleicht auch damals eine Supernova gegeben haben könnte. Aber auch diese These wurde inzwischen verworfen. Denn von einer solchen Supernova müssten wir heute noch Reste finden. Das ist aber nicht der Fall.

Aber wovon schrieb Matthäus dann? Im Dezember 2020 ging eine überraschende Meldung durch die Presse: Der Stern von Bethlehem steht wieder am Himmel! Was war da gemeint? Am 21. Dezember 2020 war ein seltenes Schauspiel am Himmel zu sehen (wenn man denn das Glück hatte, dass es nicht von Wolken verdeckt wurde): Die Planeten Jupiter und Saturn näherten sich einander so sehr an, dass beide Planeten förmlich zu verschmelzen schienen und gemeinsam als heller Stern am Himmel leuchteten. Eine solche Annäherung zwischen Jupiter und Saturn nennt man „große Konjunktion“. Sie findet etwa alle 20 Jahre statt, wenn auch meistens nicht ganz so dicht wie im Jahr 2020. Sehr selten kommt es sogar zu einer sogenannten „größten Konjunktion“, bei der sich Jupiter und Saturn gleich 3 mal in einem Jahr begegnen. Um dieses Phänomen zu verstehen muss man wissen, dass die Erde als vergleichsweise sonnennaher Planet schneller seine Runden um die Sonne dreht als die weiter entfernten Planeten Jupiter und Saturn. Wenn die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne die weiter entfernt kreisenden Planeten überholt, dann sieht es für Beobachter auf der Erde so aus, als würden sich Jupiter und Saturn eine Zeit lang rückwärts bewegen. Wenn das während einer Konjunktion geschieht, dann treffen sich Jupiter und Saturn während eines Jahres nicht nur einmal sondern gleich drei mal (schön visualisiert in diesem Video ab Min. 6:06).

Genau zu einem solchen extrem seltenen Spektakel kam es im Jahr 7 vor Christus (bzw. im Jahr 6 vor Christus nach astronomischer Zeitrechnung). Nach übereinstimmender Meinung der meisten Historiker fällt dieses Jahr in den kurzen Zeitraum, der für das Geburtsjahr von Jesus am wahrscheinlichsten ist. In diesem Jahr trafen sich Jupiter und Saturn im Mai, im Oktober und im Dezember.

Ohne Zweifel wurde dieses extrem außergewöhnliche Ereignis sowohl von den Astronomen als auch von den Astrologen der damaligen Zeit aufmerksam verfolgt. Der Gedanke liegt also nahe, dass dieses Himmelsschauspiel auch der Auslöser für die Reise der Weisen nach Jerusalem gewesen sein könnte. Allerdings gab es an dieser Theorie auch Zweifel. Denn zwar kamen sich die Planeten Jupiter und Saturn im Jahr 7 vor Christus nahe, aber sie „verschmolzen“ optisch doch nie zu einem einzigen Stern, wie es im Jahr 2020 der Fall war. Sie waren immer deutlich voneinander getrennt am Himmel zu sehen. Bei Matthäus ist aber nur von 1 Stern die Rede, dazu noch von einem aufgehenden Stern. Was könnte damit gemeint sein?

Im Jahr 1999 veröffentlichte der amerikanische Physiker und Astronom Michael Molnar ein Buch über den Stern von Bethlehem, das seither die Fachwelt beschäftigt. Im Jahr 2014 fand sogar eine interdisziplinäre Tagung zu den Thesen Molnars statt. Molnar hatte sich intensiv mit den Weisen aus dem Morgenland beschäftigt. Wörtlich übersetzt ist bei Matthäus ja nicht nur einfach von „Weisen“ die Rede sondern von „Magoi“ was man auch mit „Sterndeuter“ oder „Astrologen“ übersetzen könnte. Bisher ging man zumeist davon aus, dass diese Sterndeuter eher von der babylonischen Kultur geprägt waren. Molnar glaubte jedoch, dass die Region östlich von Palästina durch die Eroberungszüge von Alexander dem Großen schon längst hellenisiert und somit griechisch geprägt war. Deshalb musste man sich mit der griechischen und nicht mit der babylonischen Astrologie beschäftigen, um die Denkweise der „Magoi“ aus dem Morgenland zu verstehen.

Wie haben diese Leute ein Horoskop erstellt? Bekannt ist zum Beispiel ein Horoskop für Kaiser Hadrian aus dem Jahr 76 nach Christus. Eine wichtige Rolle spielte darin der Planet Jupiter, der als königlicher Planet galt. Als wichtig wurde aber auch die Nähe zu Mond, Venus und Mars angesehen. Wer nach diesem Muster ein Horoskop für den 17. April des Jahres 7 v.Chr. erstellt, erhält ein noch viel „königlicheres“ Horoskop! Denn hier standen die Planeten Merkur, Mars, Saturn und Venus gemeinsam mit dem Mond, der Sonne und dem königlichen Jupiter in einer Reihe. Dazu muss man wissen, dass die Astrologen der damaligen Zeit ihre Aufmerksamkeit vor allem dem „Stern” widmeten, der kurz vor Sonnenaufgang auftaucht und zuletzt sichtbar wird, bevor das Tageslicht alle Sterne überstrahlt. Am 17. April 7 v. Chr. war der königliche Planet Jupiter der zuletzt aufgehende „Stern“. Und er stand dabei in einer linearen Reihe mit der Sonne, Mond und mehreren Planeten, was als starker Hinweis auf die Geburt eines neuen Königs verstanden werden konnte. Dazu kam: Der Jupiter ging im Sternbild Widder auf, das damals auch mit dem Gebiet Judäa in Verbindung gebracht wurde.

Vor diesem Hintergrund wird verständlicher, was Matthäus in Vers 2 eigentlich gemeint hat. Denn der Satz: „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen“ kann auch so übersetzt werden: „Wir haben seinen Stern im Aufgang erblickt“. Das war für den damaligen Leser eine gängige astrologische Formulierung, die den zuletzt aufgehenden Stern kurz vor Sonnenaufgang beschrieb. Ausführlicher hätte Matthäus auch schreiben können: Wir haben den Stern eines neuen Königs in Judäa im Aufgang erblickt. Dass Matthäus den Namen Jupiter lieber nicht namentlich nennen wollte ist verständlich, weil er selbst wohl lieber nichts mit Astrologie zu tun haben wollte.

Wenn die „Magoi“ in einem weit von Jerusalem entfernten östlich gelegenen Land tatsächlich im April auf die Ankunft eines neuen Königs aufmerksam wurden, dann wäre das wegen der sommerlichen Hitze eine schlechte Zeit zum Reisen gewesen. Trotzdem blieb angesichts der spektakulären ganzjährigen „grössten Konjunktion“ von Jupiter und Saturn ohne Zweifel die Aufmerksamkeit der Sterndeuter den ganzen Sommer über hoch. Als sie sich dann schließlich im Herbst nach Jerusalem aufmachten, standen Jupiter und Saturn vereint am südlichen Himmel, also in Richtung Bethlehem. Und gerade in dieser Zeit konnten sie verfolgen, wie Jupiter und Saturn eine Zeit lang „rückwärts“ wanderten und dann schließlich für kurze Zeit relativ zu den Sternen „stehen blieben“ – bevor sie schließlich erneut die Richtung umkehrten.

Der Sternhimmel am 12. November 7 v. Chr. über Jerusalem in Richtung Süden

Hat Matthäus vielleicht genau das gemeint? War der „rückwärts“ laufende königliche Jupiter der “Stern”, der „vor ihnen herging“ und schließlich stehen blieb, als sie das Kind in Bethlehem gefunden hatten? Genau davon geht jedenfalls der Astronom Michael Molnar aus.

Der Astrophysiker Prof. Heino Falcke war 2014 selbst bei der Tagung dabei, bei der über Molnars Thesen gestritten wurde. In seiner Nachbetrachtung zu der Konferenz schrieb Falcke folgendes:

„Ich persönlich habe versucht, in dieser Angelegenheit die Rolle eines objektiven Richters zu spielen, mich von vorgefasster Voreingenommenheit zu befreien und diesen Workshop mit einem eher offenen und vielleicht sogar naiven Geist zu betreten. Ich war also gleichermaßen bereit zu akzeptieren, dass die Geschichte komplett erfunden sein könnte oder tatsächlich eine genaue Beschreibung der Ereignisse um die Geburt Jesu Christi war. … Je mehr ich über die Weisen erfuhr, desto mehr entpuppte sich die Geschichte bei Matthäus als ein Meisterwerk biblischer Schreibkunst, das nicht nur theologische Bedeutung transportiert, sondern auch in der Lage ist, den historischen Kontext in wenigen nüchternen Zeilen zu verdichten – ganz anders als die Wundergeschichte, die ich noch aus Kindheitserinnerungen im Kopf hatte.“

Ist jetzt also sicher geklärt, was es mit dem Stern von Bethlehem auf sich hatte? Sicher nicht. Der Streit der Experten wird weitergehen. Für den Glauben ist es auch nicht entscheidend, was genau die richtige Erklärung ist. Aber so viel ist sicher: Wenn sich ein Bibeltext „märchenhaft“ anhört, heißt das noch lange nicht, dass wir ihn vorschnell ins Reich der Gleichnisse und der Bildersprache verweisen dürfen. Der Gott der Bibel ist ein Gott, der ganz reale Geschichte schreibt. Es könnte auch ganz einfach an unserer Unkenntnis der damaligen Situation und an sprachlichen Feinheiten liegen, warum wir uns mit dem Verständnis mancher biblischer Angaben so schwer tun.

Auch der Stern von Bethlehem rüttelt jedenfalls nicht daran, dass die Geburtsgeschichten in den Evangelien vertrauenswürdig sind. Und der Umstand, dass hier offenbar Menschen durch Beschäftigung mit Astrologie zu Jesu fanden, zeigt mir: Gott kann auch heute noch die verrücktesten Umstände gebrauchen, um Menschen das wahre Wunder von Weihnachten zu offenbaren und sie zu Anbetern des einzig wahren menschgewordenen Gottessohns zu machen.
http://biblipedia.de/2020/12/23/der-stern-von-bethlehem-mythos-oder-geschichte/


Eine wertvolle Quelle für die Recherchen zu diesem Artikel war der Blogartikel „The Star of Bethlehem – a mystery (almost) resolved?“ von Prof. Heino Falcke. Darin sind auch einige veranschaulichende Abbildungen enthalten.

Dieser Blog-Beitrag von Markus Till erschien zuerst auf aufatmen in Gottes Gegenwart . Lies hier den Original-Artikel „Der Stern von Bethlehem – Mythos oder Geschichte?„.

Jesus wird hineingeboren in eine dunkle Epoche.

Die Gewaltexzesse des Herodes lösen unter seinen Gegnern und allen, die sich vor seiner Willkür fürchten, eine Massenflucht aus. Viele von ihnen warten in Ägypten auf die Nachricht seines Todes. Unter ihnen ist auch eine kleine Familie, die aus dem hohen Norden des Herodes-Reichs stammt: Maria, Josef und ihr neugeborener Sohn Jesus.
Jesus wird hineingeboren in eine dunkle Epoche. Menschlich gesehen hat er keine Chance, den blitzblanken Rüstungen und Schwertern der Römer auch nur einen Kratzer zuzufügen. Warum fällt die Geburt des Christus ausgerechnet zusammen mit dem Höhepunkt der römischen Machtfülle?
Ich habe einen Verdacht. Das Römische Reich ist nicht nur der größtmögliche Gegner. Es ist auch der wirkmächtigste Hebel, wenn man die Welt verändern will. Die Revolution, die Jesus initiiert, beginnt zwar am Rande des Imperiums. Sie wird aber schließlich in dessen Herz vorstoßen.
Voraussehen konnte das freilich niemand. Mit dem Siegeszug Roms schien die Geschichte an ihren Endpunkt zu kommen und sich dort totzulaufen. «Es war niemand übrig geblieben, der Rom erobern konnte», beschreibt der christliche Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton die Welt um die Zeitenwende, «aber es gab auch nichts, das Rom verbessern konnte.»
Zumindest scheint es so. Der Schein trügt. Markus Spieker in ‚Jesus. Eine Weltgeschichte.‘
Matthäus 2,16 Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte.
Vers 17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht (Jeremia 31,15):
Vers 18 »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«

Weihnachten ist die unsentimentalste Sichtweise auf das Leben die es gibt

 Weihnachten ist die unsentimentalste Sichtweise auf das Leben die es gibt. Weihnachten sagt uns eben gerade NICHT: »Kopf hoch! Wenn wir alle zusammenstehen und positiv denken, können wir die Welt zu einem besseren Ort machen.« Die Bibel fordert uns zwar unmissverständlich zum Wiederstand gegen das Böse auf, aber macht gleichzeitig klar und deutlich, dass wir die Finsternis alleine niemals besiegen können. Die Botschaft der Christenheit lautet: »Die Dinge stehen sehr schlecht und wir können uns weder selbst heilen noch selbst retten. Es sieht wirklich düster aus. Nichtsdestotrotz, es gibt Hoffnung« (Tim Keller)

Wo wird Weihnachten gefeiert?

Weihnachten übrigens fand nicht an einer reich gedeckten Tafel, auch nicht in einem Hotel, selbst nicht im großen Kreise der Verwandtschaft statt, sondern „draußen auf dem Felde“, in einem „Stall“, da, „wo es nach Tieren riecht“.
Vielleicht kriegen wir ja in diesem Jahr die Kurve zum eigentlich Gemeinten und verstehen besser, was mit dem „Evangelium der Armen“ eigentlich gemeint ist. Dieser Glimmer und Glitzer jedenfalls und vor allem das „Geschäft“ haben mit dem Fest im Ursprung null komma garnix zu tun. Vom „härtesten Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben“, wie der Herr Laschet behauptet, kann überhaupt gar keine Rede sein. Wenn es gut geht, hilft uns Fräulein Corona, das „eigentlichste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben“ zu erleben. Das wollte mal gesagt sein. Ulrich Kasparick

Auch als säkularer Feiertag macht Weihnachten das Evangelium zugänglich

Weihnachten ist das einzige christliche Fest, das gleichzeitig ein großer säkularer Feiertag ist – möglicherweise der wichtigste in unserer Kultur. Das Ergebnis sind zwei ganz unterschiedliche Feste, die von jeweils Millionen Menschen zur gleichen Zeit begangen werden, was auf beiden Seiten zu Irritationen führt. Viele Christen müssen feststellen, dass auf immer mehr öffentlichen Weihnachtsveranstaltungen jeder Bezug auf den christlichen Ursprung des Festes geflissentlich vermieden wird. In Kaufhäusern und Einkaufszentren wird man zunehmend nicht mehr mit „Stille Nacht“ beschallt, sondern mit „Jingle Bells“. „Das Fest“ wird als Zeit für die Familie, als Anlass für Geschenke und als Werbung für den Frieden in der Welt vermarktet. Wie ein begeisterter User der beliebten Website „Gawker“ schrieb: „Weihnachten ist ein wunderbarer säkularer Feiertag.“
Auf der anderen Seite müssen viele nicht religiöse Menschen feststellen, dass die ursprüngliche Bedeutung von Weihnachten immer wieder wie ein ungeladener Gast anklopft, zum Beispiel durch die Melodien und Texte der alten Weihnachtslieder. Es kann peinlich sein, wenn man von seinem Kind bei der zweiten Strophe von „Stille Nacht“ gefragt wird: „Papa, was heißt das: ‚Da uns schlägt die rettende Stund …?‘“
Als Christ lasse ich die Gesellschaft, zu der ich gehöre, gerne an der Bedeutung dieses Festes teilhaben. Das säkulare Weihnachten ist ein Fest der Lichter, ein Fest der Familie und ein Tag, wo man sein Portemonnaie öffnet, sowohl für seine engsten Verwandten als auch für die Menschen, die besonders in Not sind. Diese Gebräuche machen uns alle reicher und passen sehr gut zu den christlichen Wurzeln dieses Feiertags.
Das „säkulare“ Weihnachten wird uns erhalten bleiben; es ist einfach zu wichtig für den Handel und seine Umsätze. Doch meine Befürchtung ist, dass in Zukunft immer weniger Menschen um seine eigentlichen Wurzeln wissen werden. Weihnachten als Fest der Lichter – das kommt ja von dem Glauben der Christen, dass es ein Licht für die Welt gibt – eine Hoffnung, die von außerhalb der Welt kommt. Das Schenken ist eine nahe liegende Reaktion auf die unerhörte Tatsache, dass Jesus sich selber den Menschen geschenkt hat, als er seine Herrlichkeit ablegte und als Mensch geboren wurde. Und die Spenden und Weihnachtsfeiern für die Armen und Bedürftigen erinnern uns daran, dass der Sohn Gottes nicht in eine aristokratische Familie hineingeboren wurde, sondern in eine arme; der Herr des Universums identifizierte sich mit den Niedrigen und Geringen und Verachteten.
Dies sind starke Themen – und alle sind sie zweischneidige Schwerter. Jesus kam als das Licht in die Welt, weil wir geistlich zu blind sind, um selber unseren Weg zu finden. Jesus wurde ein Mensch und starb, weil unser moralischer Bankrott so total ist, dass wir nur auf diese Art Vergebung erlangen konnten. Und weil Jesus sich so für uns hingegeben hat, müssen wir uns mit Haut und Haaren ihm hingeben; Christen gehören nicht mehr sich selbst (vgl. 1. Korinther 6,19). Weih- nachten ist – genau wie Gott selber – sowohl wunderbarer als auch gefährlicher und bedrohlicher, als wir uns das vorstellen.
Mit jedem Jahr wird unsere zunehmend säkulare westliche Gesellschaft blinder für ihre eigenen historischen Wurzeln, von denen viele mit den Grundlagen des christlichen Glaubens zu tun haben. Aber einmal im Jahr, zu Weihnachten, werden diese Grundwahrheiten einem enorm großen Publikum ein kleines bisschen zugänglicher. Auf zahllosen Konzerten, Feiern und anderen Veranstaltungen kommen plötzlich unversehens Grundaussagen des christlichen Glaubens zur Sprache, selbst wenn die meisten der Teilnehmer mit Religion nichts am Hut haben. Nehmen wir als Beispiel das wohl bekannteste Weihnachtslied, „Stille Nacht, heilige Nacht“, das man in der Vorweihnachtszeit in Einkaufszentren, Supermärkten und an Straßenecken hören kann: Wer ist Jesus? – „Gottes Sohn, o wie lacht“, er ist Gott „in Menschengestalt“. Wozu kam er auf die Erde? – Um zu retten: „Christ der Retter ist da“. Wie tat er das? – In seinem Kommen auf die Erde zeigt sich die „Lieb aus göttlichem Mund“. Wie können wir dieses neue Leben bekommen? – Indem „uns schlägt die rettende Stund“, das heißt, indem wir diese Liebe und Rettung auch persönlich annehmen. Ursprünglich war das Lied sogar noch inhaltsreicher – von den eigentlich sechs Strophen sind heute nur noch drei allgemein bekannt.
Nicht alle der bekannteren Weihnachtslieder und Bibelabschnitte sind so inhaltsreich, aber Tatsache ist: An ein paar Tagen im Jahr kommen Hunderte Millionen Menschen auf Tuchfühlung mit dieser Botschaft; sie bräuchten sich nur die Mühe zu machen, die gleichen Fragen an diese Texte zu stellen, die wir gerade an „Stille Nacht“ gestellt haben. Wer Weihnachten verstanden hat, der hat die Botschaft von Jesus Christus verstanden.

Tim Keller ist Gründer der Redeemer Presbyterian Church (PCA) in Manhattan (USA), Vorsitzender des Redeemer City to City-Netzwerkes und Vizepräsident der Gospel Coalition (TGC). Er hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter Warum Gott? (5. Aufl., 2013) und Glauben wozu? (2019). Er und seine Frau Kathy haben drei Kinder.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus: Timothy Keller, Stille Nacht – Heilige Nacht Warum wir Weihnachten heute noch feiern. Übersetzt von Dr. Friedemann Lux, Brunnen Verlag, Gießen 2018, ISBN: 978-3-7655-0998-8, http://www.brunnen-verlag.de
https://www.evangelium21.net/media/1711/zwei-unterschiedliche-weihnachtsfeste

Bist du abgehoben oder aufgehoben?

Advent bedeutet „Ankunft“: Es ist die Zeit, in der Christen sich auf die Ankunft von Jesus vorbereiten. Früher war der Advent ein Monat des Fastens und der Busse, der bewussten Hinwendung zu Gott. Heute verdrängen oftmals Einkaufsstress und Ablenkungen den Sinn der Adventszeit. Vor 2000 Jahren kam Jesus Christus, Gottes Sohn, als heiliges Baby zu uns auf die Welt, damit wir uns von Herzen freuen. Wir freuen uns ja auch, wenn in unserer Familie ein Kind geboren wird und unsere Verwandtschaft wächst und gedeiht. Jesus reifte zum Mann heran und nahm stellvertretend für uns unsere Schuld und Sünde auf sich, um uns mit Gott zu versöhnen. Wenn wir Gott im Gebet unsere Sünden bekennen und sein Angebot der Vergebung ergreifen, sind wir in Gottes Armen sicher geborgen: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“ (Psalm 139,5). Doch bereits damals gab es Widerstand gegen Weihnachten: Eine abgehobene Weltanschauung hiess mit dem Fachbegriff „Gnosis“ (= Erkenntnis). Sie behauptete, dass Gott in rauschhaften Festen erfahrbar sei. Viele politische Richtungen sind heutzutage leider ebenso abgehoben: „Wir schaffen das auch ohne Gott!“, obwohl es gar keine Anzeichen dafür gibt, dass wir Menschen es ohne Gott schaffen könnten und es am Ende gut herauskommen wird. Darin liegt die Grundsünde von uns Menschen: Wir wollen selbst Gott sein und uns eigene Regeln aufstellen. Die Bibel stellt dieser abgehobenen Philosophie zwei Beziehungen gegenüber, nämlich diejenige zu Gott und zum Mitmenschen: Wir drücken Gott unsere Liebe aus, wenn wir seinem Wort der Bibel gehorchen. Unsere Mitmenschen lieben wir, wenn wir ihnen mit Gottes Hilfe Gutes tun. Das Neue Testament bezeugt auf jeder Seite, dass Jesus gleichzeitig ganz Gott und ganz Mensch war und mächtig in das Leben einzelner Menschen eingegriffen hat. Weihnachten zeigt uns: Gott schaffts! Er ist der Aktive, der zu uns kommt, weil er uns liebt. Jeder Mensch ist bei Jesus herzlich willkommen: Er nimmt uns an, wie wir sind, aber lässt uns nicht so, wie wir gewesen sind, sondern erneuert uns durch seinen Heiligen Geist und die Bibel. Das Evangelium, die frohe Botschaft und gute Nachricht, lautet: Gott wurde in Jesus ein Kind, damit wir Kinder Gottes werden können und in seiner Gegenwart aufgehoben sind: „Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Und wir sind es“ (1.Johannesbrief 3,1).

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Michael Freiburghaus, ref. Pfarrer Leutwil-Dürrenäsch Quelle: Wynentaler Blatt, Nr. 94, 13.12.2019, S. 27.

Uns ist ein Kind geboren

Weihnachten ist heute ein Fest der Gaben, der Kinder und der Familie. Allerdings ist dies, historisch gesehen, ein recht junges Phänomen. Bis zum Beginn der Neuzeit machte man Kindern nur am Tag des Hl. Nikolaus am 6. Dezember Geschenke. Erst in den letzten Jahrhunderten wanderte die Beschenkung zum Weihnachtsfest herüber.
Bis in die Neuzeit hinein war Weihnachten daher ein klassisches Kirchenfest praktisch ohne private oder familiäre Seite. Erst seit der Reformation verlagerte sich das Weihnachtsfest in den Städten immer mehr aus der Kirche in die Familie hinein. Im 19. Jahrhundert fand die liturgische Feier zwar noch in der Kirche statt, das eigentliche Weihnachtsfest aber wurde zu Hause gefeiert. Die Weihnachtsfeier wurde zu einer bürgerlichen Privatangelegenheit, zu einem Familienereignis mit Bescherung, Weihnachtsbaum und Festessen. Und mehr und mehr rückten die Kinder in den Mittelpunkt.
Weihnachten war also lange nicht so sehr ein Fest der Kinder, wohl aber das Fest des Kindes – des Säuglings, der einst in Bethlehem geboren wurde. Bei Lukas sind in der Weihnachtsgeschichte die Worte eines Engels an die Hirten wiedergegeben: „An folgendem Zeichen werdet ihr das Kind erkennen: Es ist in Windeln gewickelt und liegt in einer Futterkrippe“ (Lk 2,12). Tatsächlich finden sie das Kleinkind oder den Säugling (so wörtlich brephos), der „der Messias, der Herr“ oder „Retter“ ist (V. 16 und 11). Später im Kapitel wird von der Darbringung Jesu im Tempel in Jerusalem berichtet. Hier ist von dem Kleinkind (gr. paidion) die Rede, das der alte Simeon aber immer noch offensichtlich leicht in seine Arme nehmen konnte (V. 28).
In Lukas 1–2 steht (neben dem ebenfalls kleinen Johannes, dem Täufer) ein Säugling oder Kleinkind im Mittelpunkt. Warum überhaupt ein kleines Kind? Warum kam der Sohn Gottes nicht direkt in der Gestalt eines erwachsenen Mannes auf die Erde? Wäre dies dem Allmächtigen nicht möglich gewesen? Warum keine eindrücklichere Erscheinung? Warum ausgerechnet ein Säugling, der doch in der griechisch-römischen Kultur noch nicht einmal als richtiger Mensch galt?
Die Geburt eines Kindes zeigte, dass sich Vorhersagen aus dem Alten Testament erfüllten. Hier ist natürlich Jesaja 9,5 zu nennen – ein Vers, der damals schon lange messianisch verstanden wurde: „Ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“
Warum ein Kind? Fünf weitere Dinge können wir nennen.
1. Das Kind Jesus zeigt, dass der Retter ein wirklicher Mensch ist. Woher hätte ein erwachsener Jesus, der direkt vom Himmel gekommen wäre, seinen Leib bekommen? Sein Körper wäre ein himmlischer gewesen, ein anderer Körper als der unsere. Die Geburt des Kindes durch eine Frau versichert uns, dass Jesus einen irdischen Körper wie wir erhielt. Auch wenn dieser Körper nun „verherrlicht“, also verwandelt ist, ist und bleibt es doch ein wirklich menschlicher Körper.
Jesus hatte eine menschliche Seele und einen menschlichen Leib; er starb mit diesem Leib und wurde mit ihm auferweckt; mit dem verwandelten Körper wurde er in den Himmel aufgenommen. So wie er werden auch wir Christen eines Tages „alle verwandelt werden“ (1 Kor 15,51). Dieser Jesus selbst wird „unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes“ (Phil 3,21).
Wir alle waren einmal Säuglinge. Jesus kam ebenfalls als Säugling auf die Welt und zeigte auch dadurch, dass er uns wirklich gleich geworden ist. Daher können wir gewiss sein, dass wir auch in der Ewigkeit ihm ähneln werden – mit dem eigenen, echten Körper.
2. Das Kind Jesus zeigt, dass sich der Retter vom Beginn seines irdischen Lebens an erniedrigte. Die Position eines Kindes ist bis heute zweifellos ein sehr niedrige, denn sehr viele Dinge können sie nicht, weshalb sie auch die meisten Rechte nicht in Anspruch nehmen können; vieles lässt man sie nicht tun. Auch Maria und Josef kontrollierten das Leben Jesu anfangs fast vollständig, später war er ihnen Gehorsam schuldig.
Heute begegnen wir kleinen Kinder zwar meist recht emotional, aber dies war historisch gesehen längt nicht immer der Fall und in der Antike eher genau anders herum. Das Kleinkind stand in jeder Hinsicht niedrig und wurde sogar mehr verachtet als geschätzt. Hinzu kommt, dass Jesus irgendwo am Rand des Römischen Imperiums, in einer unbedeutenden Kleinstadt in einem kleinen Vasallenkönigtum geboren wurde – der Retter der Welt kam nicht im damaligen Zentrum der Welt, nicht in Rom und noch nicht einmal in Jerusalem zur Welt; nicht in einem Palast und nicht in einer Villa der Wohlhabenden. Jesus wurde in einem einfachen Haus mit zwei Räumen geboren, in dem das Gästezimmer (traditionell eher falsch als „Herberge“ übersetzt) wegen der vielen Besucher im Ort belegt war. Einfacher konnte der Messias nicht in die Welt kommen.
Nicht nur in der Passion, in Leid, Kreuz und Tod, erniedrigte sich Jesus. Er litt in seinem gesamten Leben, war immer gehorsam und in niedriger Position. Paulus schreibt: „Er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2,7–8) Von der Geburt „bis zum Tod“.
3. Vor allem das Kind Jesus zeigt, dass der Retter auf Erden schwach Säuglinge sind in erster Linie schwach. Sie atmen, essen, verdauen und schlafen. Ansonsten tun sie kaum etwas, nicht einmal sprechen können sie. Die Hilflosigkeit und Schwäche des Menschen zeigt sich wohl nirgends so deutlich wie im Kleinkindalter.
Jesus wuchs natürlich zu einem erwachsenen und recht kräftigen Mann heran (schließlich arbeitete er viele Jahre auf dem Bau). Doch die allen Menschen gemeine Schwäche begleitete ihn sein Leben lang, und obwohl auch Gott hielt er bewusst an dieser Schwäche fest. „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird“ (Mt 4,3). Sei stark, schließlich bist du doch Gott! Zeig, was du kannst!, so der Widersacher. Doch Jesus gab Versuchung des Teufels nicht nach und blieb hungrig.
Mit Angst und Zittern sah Jesus dem nah bevorstehenden Leiden am Kreuz entgegen. Als er dann an diesem hing, spotteten die Menschen: „Wenn du Gottes Sohn bist, rette dich selbst und steig herab vom Kreuz!“ „Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist doch der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben.“ (Mt 27,40–42) Mit anderen Worten: Du bist zu schwach! Sicher konnte Jesus vom Kreuz herabsteigen und damit allen seine Gottheit beweisen, aber er tat es nicht. In seiner Person zeigte Jesus, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist (2 Kor 12,9–10).
Auch das Niederländische Glaubensbekenntnis (1561) formuliert diese Wahrheit: Jesus „hat die Gestalt eines Knechtes an sich genommen und ist gleich wie ein anderer Mensch geworden und hat wahrhaft menschliche Natur mit allen ihren Schwachheiten (die Sünde ausgenommen) wahrhaft angenommen, als er empfangen wurde im Schoß der heiligen Jungfrau Maria, durch Kraft des Heiligen Geistes…“ (18).
4. Das Kind Jesus zeigt damit, an welchen Retter wir glauben. Jesus ist König und Herr, „Starker Gott“ und „Fürst des Friedens“. Eines Tages werden ihn alle sehen, wenn er kommt, „zu richten die Lebenden und die Toten“, wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt. Dann werden alle an ihn glauben, denn „jedes Auge wird ihn sehen“ (Off 1,7). Doch bis dahin sind seine Größe und Herrlichkeit in Teilen verborgen. Jetzt sehen wir Jesus nicht, vielmehr glauben wir an ihn. Wir glauben vor allem an den Retter als „den Gekreuzigten“ (1 Kor 1,23), also an den Erniedrigten und Schwachen. Objekt unseres Glaubens ist zwar auch der zukünftigen Weltenrichter (weshalb dieser auch im Apostolikum genannt wird), aber in erster Linie „das uns zugewandte, sichtbare Wesen Gottes – d.h. seine Menschlichkeit, Schwachheit, Torheit“, so Luther in den Thesen zur Heidelberger Disputation von 1518. Gott erkennen wir nun vor allem in der Niedrigkeit Jesu. Der Reformator: „So reicht es für niemand aus, Gott in seiner Herrlichkeit und Majestät zu erkennen, wenn er ihn nicht in der Niedrigkeit und Schmach seines Kreuzes erkennt.“
5. Das Kind Jesus zeigt schließlich, wer die Gläubigen selbst sind. Jeder Säugling ist von anderen Menschen völlig abhängig, vor allem natürlich von seinen Eltern. Er kann ihnen direkt kaum etwas geben, hat nichts zum Eintauschen. Ein Kleinkind ist daher ganz auf Empfangen eingerichtet. Daher sollen auch erwachsene Menschen die Rettung in dieser Abhängigkeit und mit dem Vertrauen eines Kindes empfangen. „Wer das Reich Gottes nicht wie ein Kind annimmt, wird nicht hineinkommen“ (Lk 18,17), sagte Jesus. Wenn dieser selbst von seinem himmlischen Vater und auch seinen irdischen Eltern abhängig war, zu Beginn des Lebens sogar ganz abhängig und hilflos, wieviel mehr gilt dies dann für uns?
Vor Gottes Angesicht stehen alle Menschen mit leeren Händen da: Wir selbst haben nichts, was wir Gott für unser Heil anbieten könnten. „Da ich denn nichts bringen kann / Schmieg‘ ich an Dein Kreuz mich an“, heißt es in der deutschen Übersetzung des berühmten Liedes „Rock of Ages“ von A. M. Toplady. Geistlich sind wir alle Bettler, wie Luther sagte, oder eben Säuglinge. Sicher sollen Christen im Glauben wachsen und in dieser Hinsicht nicht kleine, unmündige Kinder bleiben. Aber wie wir auf Erden als Christen immer Jünger, also Schüler und Lernende, bleiben werden, so bleiben wir auch empfangende Kinder. Die völlige Abhängigkeit von Jesus bleibt. Was Johannes Calvin in seiner Institutio schreibt, gilt für alle erwachsenen Christen: „Unser ganzes Heil, alles, was dazu gehört, ist allein in Christus beschlossen. Deshalb dürfen wir auch nicht das geringste Stücklein anderswo ableiten… In ihm liegt ja die Fülle aller Güter, und deshalb sollen wir aus diesem Brunnquell schöpfen, bis wir satt werden, nicht aus einem anderen!“ (Inst. II,16,19)
Weihnachten ist das Fest des Kindes, denn in seinem Zentrum steht das Kind Jesus. Gleichzeitig erinnert das Fest daran, dass alle Gläubigen Kinder sind, die auf Gottes Geschenk des Heils angewiesen sind. Weihnachten ist daher das Fest des Kindes und der Kinder, aller Kinder Gottes.  Holger Lahayne   http://lahayne.lt/2018/12/27/warum-ein-kind/

Wenn Gott Mensch würde für mich, dann würde ich ihn lieben

„Wenn Gott Mensch würde für mich, dann würde ich ihn lieben, ihn ganz allein. Dann wären Bande zwischen ihm und mir, und für das Danken reichten alle Wege meines Lebens nicht; ein Gott, der Mensch würde aus unserem liebenswerten, elenden Fleisch, ein Gott, der das Leid auf sich nähme, das ich heute leide. Ja, wenn Gott Mensch würde für mich, dann würde ich ihn lieben … Aber welcher Gott wäre dumm genug dafür?“ Aus dem Krippenspiel „Bariona oder der Sohn des Donners“ von Jean-Paul Sartre