St. Martini-Pastor

Seit Jahrzehnten ist zu hören: Wer von Gericht und Hölle spricht, wer nur Bibel und Bekenntnis gelten lässt, predigt die Kirchen leer. Die Praxis spricht eine andere Sprache und an Olaf Latzel’s Predigtstätte, der Bremer St. Martinikirche, wurde erneut der Gegenbeweis erbracht. Die Gottesdienste sind voll und der Livestream im Internet brummt. Die Predigthörer sind jedoch keine Fundamentalisten und Faschisten, wie ein netter Pfarrkollege in Bremen sinnierte. Vom Doktor bis zum Schulabbrecher und vom Greis bis zum Teenager sind alle Bevölkerungsschichten unter Latzel’s Kanzel versammelt. Wo Jesus gepredigt wird, der von sich sagt, dass er das Brot des Lebens ist, werden Menschen satt. Wo Latzel drauf steht, steckt Klartext für Jesus drin. Fakt ist, das gefällt nicht allen. Besonders denen, die eine Aussage gerne verdrehen oder nicht verstehen wollen. Selbst dann, wenn der Weser-Pastor eine verkürzte Formulierung gerade rückt und überflüssigerweise auch noch um Entschuldigung bittet, wollen besonders die von der „Kirche der Vergebung“ nichts davon gelten lassen.
Auch wenn Latzel von seinen Gegnern immer wieder mit Worten, Drohungen oder Schmierereien eins vor den Latz geknallt bekommt, geht er treu seinen Weg. Er gräbt sich in die Bibel ein, fördert Schätze zu Tage und liefert Schwarzbrot von der Kanzel, auf der schon der Liederdichter Joachim Neander (*1650 – †1680) stand. Eine Zeile aus dem Neander-Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König“ kann der heutige Martini-Pastor vermutlich aus vollem Herzen singen: „In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!“ FB Lutz Scheufler

Ein glattes Fehlurteil

Das Amtsgericht Bremen hat den Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Strafe beträgt drei Monate Haft, umgewandelt in eine Geldstrafe zu 90 Tagessätzen à 90 Euro (siehe dazu hier und hier).

Der idea-Redakteur David Wengenroth, promovierter Jurist und Prädikant der Evangelischen Kirche von Westfalen, erkennt in dem Richterspruch des Amtsgerichts Bremen ein klares Fehlurteil:

Das Urteil des Amtsgerichts Bremen gegen Olaf Latzel ist ein glattes Fehlurteil. Die Urteilsbegründung, die Richterin Ellen Best am 25. November in dem Konzertsaal „Die Glocke“ ablieferte, strotzte von juristisch-handwerklichen Fehlern, falschen Behauptungen und logischen Widersprüchen. So sagte Best gleich zu Beginn ihrer Ausführungen, die Entscheidung sei „nicht einfach“ gewesen, weil es „kaum obergerichtliche Rechtsprechung“ gebe, an der sie sich hätte orientieren können. Das ist, mit Verlaub, Quatsch. Mit den Urteilen verschiedener Ober- und Bundesgerichte zum Tatbestand der Volksverhetzung, kann man Regalmeter füllen. Wie wenig Latzels Äußerungen in die Reihe der „volksverhetzenden“ Äußerungen passen, wäre ihr klar geworden, wenn sie sich auch nur eine Handvoll davon angesehen hätte. Tat sie aber nicht.

Ich folge der Einschätzung von David Wengenroth und hoffe sehr, dass ein höheres Gericht angerufen wird und es zu einem fairen Urteil kommt.

Hier der ganze Artikel: www.idea.de.
https://theoblog.de/ein-glattes-fehlurteil/35935/

Was bedeutet es für die Religionsfreiheit, wenn Christen, Muslime oder Menschen anderen Glaubens aus vermeintlichen Toleranzgründen keinen Wahrheitsanspruch für ihre Religion erheben dürfen?

Der Vorwurf der Intoleranz ist eine Gefahr für die Religionsfreiheit heute. Denn Religions- oder Meinungsfreiheit heißt ja: Jede Meinung und jeder Widerspruch dürfen geäußert werden. Der eine sagt, der Islam hat recht, dann darf jeder sagen, der Islam hat unrecht. Ich darf sagen, das Christentum ist wahr, und jeder darf sagen, das Christentum ist nicht wahr. Der Postmodernismus löst das auf und damit die Religionsfreiheit gleich mit. Das geht so: Wenn ich dem Moslem sage, dass er irrt, dann ist das laut den Postmodernisten eine gewalttätige Tat und muss verboten werden. In diese Richtung gehen tatsächlich schon Gesetzesentwürfe in Brüssel, die besagen, man darf anderen Religionen nicht widersprechen. Weil man diese Grenze zwischen Meinungsäußerung und wirklicher Gewalt- oder Unrechtstat aufgelöst hat, verlieren wir die Meinungs- und die Religionsfreiheit. Brüssel geht ganz klar in diese Richtung. Das ist politisch dramatisch und wird, wenn es so weitergeht, zu erheblichen Bedrängnissen führen.
https://www.bibelundbekenntnis.de/stellungnahmen/interview-von-pro-mit-daniel-von-wachter/

Wasserwerfer damals und heute

Autor Vera LengsfeldVeröffentlicht am 23. November 2020

Von Gastautor Theo Lehmann

Oktober 1989. Es klingelte. Vor der Tür standen ein paar Jungs, nass und heulend. „Herr Pfarrer, helfen Sie uns …“ Die Jungs konnten es weder fassen noch verkraften, dass die DDR mit Wasserwerfern gegen ihr eigenes Volk vorging. Einige Tage später, am 8. Oktober, fand in Karl-Marx-Stadt mein 124. Jugendgottesdienst statt. Ich predigte zu 3000 Jugendlichen über das Bibelwort Nehemia 9,33: „Wir sind in großer Not.“ Die Predigt erschien kurz danach in idea, die sie allen Bundestagsabgeordneten zustellte.
Anders war ich als Prediger bereits äußerlich. Aus der Tasche meines Jacketts ragte eine Zahnbürste, und ich sagte zur Erklärung: „Das habe ich von Martin Luther King gelernt. Der predigte auch mal mit Zahnbürste als Zeichen, dass er bereit war, für seine Predigt anschließend ins Gefängnis zu gehen.“
Solche Predigten können allerdings nur gehalten werden, wenn der Heilige Geist das Herz festhält, während die Knie zittern. Gegen Ende sagte ich: „Wir sind in großer Not, weil uns die Tränen über das Gesicht laufen, wenn wir vor unseren Fernsehern sitzen und die Flüchtlingszüge sehen und die Auseinandersetzungen auf unseren Straßen und die Wasserwerfer in Aktion. Wir weinen über unser Land, und wir fragen uns: Wo sind wir hingekommen, dass der Dialog verweigert und Wasserwerfer eingesetzt werden?“ Und zum Schluss sagte ich:
„Wir brauchen einen Neuanfang, und die Bibel zeigt uns, wie es dazu kommen kann: Missstände benennen, Schuld bekennen. Nur so kommt es zu einer Veränderung. Veränderung ist ein Zeichen von Leben. Wo keine Veränderung mehr stattfindet, kann nur noch der Tod festgestellt werden. Unser Bekenntnis heißt: Nach Tod und Dunkelheit siegte das Licht. Wer jetzt an den Auferstandenen glaubt, fürchtet sich nicht.“
Noch jetzt kriege ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie nach diesem Refrain-Zitat die Tausenden aufstanden wie ein Mann und sangen:
“Sie hauen auf mich ein, bis ich den Halt verlier, doch wir stehn wieder auf. Ich werde abgeschossen, fliege vor die Tür,doch wir stehn wieder auf. Nach Tod und Dunkelheit siegte das Licht.Wer jetzt an den Auferstandenen glaubt, fürchtet sich nicht”.
Und dann kam der November 2020. Ich saß vor dem Fernseher und sah mir die Nachrichten des MDR an, und plötzlich sah ich einen Wasserwerfer, der gegen Demonstranten eingesetzt wurde. Ich dachte: „Na, die Bilder kenne ich doch, die hab ich doch schon vor 30 Jahren gesehen. Aus diesem Irrtum rief mich die Stimme des Nachrichtensprechers, denn das war live, aktuell, Gegenwart! Die Stimme erklärte, dass man aus Rücksicht auf Frauen und Kinder darauf verzichtet hatte, den Wasserstrahl direkt auf die Bürger zu richten, sondern sie nur wie ein Starkregen durchnässte. Vor Rührung über so viel väterliche Güte kämpfte ich mit den Tränen. Diese zarte Rücksichtnahme auf Frauen und Kinder! Das war ja noch mehr als das bloß hingesagte „Ich liebe euch doch alle“ von Onkel Mielke. Das jetzt war ja spürbare Liebe, die aus dem Himmel herniederregnete! Oder habe ich das alles bloß geträumt?
Paar Tage später saß ich wieder vorm Fernseher, es war Bußtag. Der MDR übertrug einen Gottesdienst aus der Dresdener Frauenkirche, und ich sah, wie der Prediger sich dankbar glücklich pries, in einer Demokratie zu leben. Hab ich das auch nur geträumt? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Damals stand nicht nur ich, sondern die ganze Kirche auf der Seite von denen, die mit Wasserwerfern bearbeitet wurden. Damals.
, Radebeul

 Damals?

Oktober 1989. Es klingelte. Vor der Tür standen ein paar Jungs, nass und heulend. „Herr Pfarrer, helfen Sie uns …“ Die Jungs konnten es weder fassen noch verkraften, dass die DDR mit Wasserwerfern gegen ihr eigenes Volk vorging. Einige Tage später, am 8. Oktober, fand in Karl-Marx-Stadt mein 124. Jugendgottesdienst statt. Ich predigte zu 3000 Jugendlichen über das Bibelwort Nehemia 9,33: „Wir sind in großer Not.“ Die Predigt erschien kurz danach in idea, die sie allen Bundestagsabgeordneten zustellte. Vor der Predigt wurde gesungen:
Was wir meinen, sagen wir, sagen‘s frei heraus.
Wenn es nottut, schweigen wir, halten Schläge aus.
Wir wollen Hoffnung sein, wo man versagt.
Wir wollen friedlich sein, wo man nur klagt.
Wir wollen anders sein.
Anders war ich als Prediger bereits äußerlich. Aus der Tasche meines Jacketts ragte eine Zahnbürste, und ich sagte zur Erklärung: „Das habe ich von Martin Luther King gelernt. Der predigte auch mal mit Zahnbürste als Zeichen, dass er bereit war, für seine Predigt anschließend ins Gefängnis zu gehen.“  Solche Predigten können allerdings nur gehalten werden, wenn der Heilige Geist das Herz festhält, während die Knie zittern. Gegen Ende sagte ich: „Wir sind in großer Not, weil uns die Tränen über das Gesicht laufen, wenn wir vor unseren Fernsehern sitzen und die Flüchtlingszüge sehen und die Auseinandersetzungen auf unseren Straßen und die Wasserwerfer in Aktion. Wir weinen über unser Land, und wir fragen uns: Wo sind wir hingekommen, dass der Dialog verweigert und Wasserwerfer eingesetzt werden?“ Und zum Schluss sagte ich: „Wir brauchen einen Neuanfang, und die Bibel zeigt uns, wie es dazu kommen kann: Missstände benennen, Schuld bekennen. Nur so kommt es zu einer Veränderung. Veränderung ist ein Zeichen von Leben. Wo keine Veränderung mehr stattfindet, kann nur noch der Tod festgestellt werden. Unser Bekenntnis heißt:
Nach Tod und Dunkelheit siegte das Licht.
Wer jetzt an den Auferstandenen glaubt, fürchtet sich nicht.“
Noch jetzt kriege ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie nach diesem Refrain-Zitat die Tausenden aufstanden wie ein Mann und sangen:
Sie hauen auf mich ein, bis ich den Halt verlier,
doch wir stehn wieder auf.
Ich werde abgeschossen, fliege vor die Tür,
doch wir stehn wieder auf.
Nach Tod und Dunkelheit siegte das Licht.
Wer jetzt an den Auferstandenen glaubt, fürchtet sich nicht.
Und dann kam der November 2020. Ich saß vor dem Fernseher und sah mir die Nachrichten des MDR an, und plötzlich sah ich einen Wasserwerfer, der gegen Demonstranten eingesetzt wurde. Ich dachte: „Na, die Bilder kenne ich doch, die hab ich doch schon vor 30 Jahren gesehen. Aus diesem Irrtum rief mich die Stimme des Nachrichtensprechers, denn das war live, aktuell, Gegenwart! Die Stimme erklärte, dass man aus Rücksicht auf Frauen und Kinder darauf verzichtet hatte, den Wasserstrahl direkt auf die Bürger zu richten, sondern sie nur wie ein Starkregen durchnässte. Vor Rührung über so viel väterliche Güte kämpfte ich mit den Tränen. Diese zarte Rücksichtnahme auf Frauen und Kinder! Das war ja noch mehr als das bloß hingesagte „Ich liebe euch doch alle“ von Onkel Mielke. Das jetzt war ja spürbare Liebe, die aus dem Himmel herniederregnete! Oder habe ich das alles bloß geträumt?
Paar Tage später saß ich wieder vorm Fernseher, es war Bußtag. Der MDR übertrug einen Gottesdienst aus der Dresdener Frauenkirche, und ich sah, wie der Prediger sich dankbar glücklich pries, in einer Demokratie zu leben. Hab ich das auch nur geträumt? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Damals stand nicht nur ich, sondern die ganze Kirche auf der Seite von denen, die mit Wasserwerfern bearbeitet wurden. Damals.
Theo Lehmann, Radebeul
https://vera-lengsfeld.de/2020/11/23/wasserwerfer-damals-und-heute/?fbclid=IwAR3VfBbGVwlktHGoqY2EG1xs2m5TZQDvYvpyI6s4vnXfyNZszRdnWfFsOwo

Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott

„Die Obrigkeit ist ‚Gottes Dienerin‘, muss also selbst innerhalb der von Gott eingesetzten moralischen Ordnung agieren. Ein Diener kann nicht einfach tun, was ihm passt.“
(Timothy Keller, Kommentar zum Römerbrief)
Römer 13 ist kein Blankoscheck für die Obrigkeit, und Keller warnt vor einem unkritischen Kadavergehorsam gegenüber dem Staat. Der Gehorsam der Christen gegenüber der Obrigkeit steht immer unter dem Gewissensvorbehalt.
(Zitat „Gemeindenetzwerk.de“, von Dr. Friedemann Lux)

Grundrechte & Corona

Veröffentlicht am von brink4u

Wir haben auf diesem Blog regelmäßig betont, wie wichtig es ist, dass Christen sich auf Ihre Berufung konzentrieren und sich wegen Corona nicht in eine politische Diskussion verzetteln, die nur Streit hervorbringen kann:

Erfreulicher Weise muss von diesen Artikeln kein Wort zurückgenommen werden. Und es bleibt dabei, dass die Kirche im Wesentlichen einen geistlichen und keinen politischen Auftrag hat (abgesehen davon, wenn wirklich die Situation von Apg 5,29 angesprochen ist). Aber wir als einzelne Christen sind auch Bürger dieser Demokratie und haben das Recht und die Pflicht zur Meinungsbildung beizutragen, ja stellen sogar nach unserer Verfassung einen Teil des ‚Souveräns‘ da … – und auf dieser Ebene gehört es zur Ausgewogenheit, dass man sich in einer gesellschaftspolitischer Diskussion seriös und fair beteiligt: etwa in der Frage, ob die aktuelle Corona-Situation tatsächlich eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ darstellt, die „zum Schutz der Bevölkerung“ es als zumutbar und angemessen (!) erscheinen lässt, wesentliche Grundrechte des GG einzuschränken?

Die vom Bundestag eingeladene Juristin Dr. A. Kießling hat als geladene Einzelsachverständige für die öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages genau dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, worin die handwerklichen Mängel des von der Regierungsfraktion eingebrachten „3. Gesetzes“ dokumentiert sind.

Das „3. Gesetz“ transformiert die bisherigen befristeteten Einschränkungen von der Ebene der Verordnungauf die Ebene eines Bundesgesetzes. Als einzig zusätzliche „Voraussetzung für die Anordnung von Schutzmaßnahmen“ wird im überarbeiteten 3. Gesetz weiterhin nur gefordert, dass der „Bundestag gem. § 5 Abs. 1 S. 1 die epidemische Lage von nationaler Tragweite festgestellt hat.“ Allerdings gilt festzustellen, dass im § 5 Abs. 1 IfSG selbst „nach wie vor keine materiellen Voraussetzungen für diese Feststellung“ geregelt sind, „so dass diese Verknüpfung nicht zur Vorhersehbarkeit der Maßnahmen beiträgt.“ Vielmehr sind „Die einzelnen Maßnahmen, (…) nicht von weiteren, individuell zugeschnittenen Voraussetzungen abhängig.“

D.h. vergleichsweise milde Grundrechtseingriffe wie die Mundschutztragepflicht für die Dauer des Supermarktbesuchs werden von den gleichen Voraussetzungen abhängig gemacht wie Versammlungsverbote und das langfristige Schließen von Bildungseinrichtungen. In der Konsequenz bedeutet das, dass weiterhin die Exekutive die erforderlichen Abwägungen vornehmen muss. Es ist aber die Aufgabe des Gesetzgebers,darüber zu entscheiden, in welchen Situationen welche Maßnahmen überhaupt in Erwägung gezogen werden dürfen. Die Abstufung in Abs. 2, der von „schwerwiegenden“, „stark einschränkenden“ und „einfachen“ Schutzmaßnahmenspricht, die je nach den bekannten Schwellenwerten von 35 oder 50 Infektionsfällen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen zur Anwendung kommen sollen, scheint auf den ersten Blick eine Abwägung vorzugeben. Wenn aber § 28a an keiner Stelle regelt, was „schwerwiegende“, „stark einschränkende“ und „einfache“ Schutzmaßnahmen sind, bleibt diese Abstufung zu unbestimmt und letztlich unbrauchbar.

Es ist zu befürchten, dass dieses Gesetz einer Willkür den Weg bahnt, die uns noch erschaudern lassen wird:


Man beachte in Art. 1 (Änderung des Infektionsschutzgesetzes), besonders die Einschränkungen in § 28a Absatz 1 (Besondere Schutzmaßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2):

  1. Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen im privaten sowie im öffentlichen Raum,
  2. Anordnung eines Abstandsgebots im öffentlichen Raum,
  3. Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung (Maskenpflicht),
  4. Untersagung oder Beschränkung des Betriebs von Einrichtungen, die der Kultur-oder Freizeitgestaltung zuzurechnen sind,
  5. Untersagung oder Beschränkung von Freizeit-, Kultur- und ähnlichen Veranstaltungen,
  6. Untersagung oder Beschränkung von Sportveranstaltungen,
  7. Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen im Sinne von § 33 oder ähnlichen Einrichtungen sowie Erteilung von Auflagen für die Fortführung ihres Betriebs,
  8. Untersagung oder Beschränkung von Übernachtungsangeboten,
  9. Betriebs-oder Gewerbeuntersagungen oder Schließung von Einzel-oder Großhandel oder Beschränkungen und Auflagen für Betriebe, Gewerbe, Einzel- und Großhandel,
  10. Untersagung oder Erteilung von Auflagen für das Abhalten von Veranstaltungen,
  11. Untersagung, soweit dies zwingend erforderlich ist, oder Erteilung von Auflagen für das Abhalten von Versammlungen oder religiösen Zusammenkünften,
  12. Verbot der Alkoholabgabe oder des Alkoholkonsums auf bestimmten öffentlichen Plätzen oder zu bestimmten Zeiten,
  13. Untersagung oder Beschränkung des Betriebs von gastronomischen Einrichtungen,
  14. Anordnung der Verarbeitung der Kontaktdaten von Kunden, Gästen oder Veranstaltungsteilnehmern, um nach Auftreten eines Infektionsfalls mögliche Infektionsketten nachverfolgen und unterbrechen zu können,
  15. Reisebeschränkungen.

Die Anordnung der Schutzmaßnahmen muss ihrerseits verhältnismäßig sein.

In Absatz 2 Ziff. 28a werden dann die –  bar jeder wissenschaftlichen Evidenz – „aus der Hand geschüttelten“ Inzidenz-Werte zum Maß aller Dinge:

Die Schutzmaßnahmen sollen unter Berücksichtigung des jeweiligen Infektionsgeschehens regional bezogen auf die Ebene der Landkreise, Bezirke oder kreisfreien Städte an Schwellenwerten ausgerichtet werden, soweit Infektionsgeschehen innerhalb eines Landes nicht regional übergreifend oder gleichgelagert sind. Schwerwiegende Schutzmaßnahmen kommen insbesondere bei Überschreitung eines Schwellenwertes von über 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in Betracht. Stark einschränkende Schutzmaßnahmen kommen insbesondere bei Überschreitung eines Schwellenwertes von über 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in Betracht. Unterhalb eines Schwellenwertes von 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen kommen insbesondere einfache Schutzmaßnahmen in Betracht. Vor dem Überschreiten eines Schwellenwertes sind entsprechende Maßnahmen insbesondere dann angezeigt, wenn die Infektionsdynamik eine Überschreitung des Schwellenwertes in absehbarer Zeit wahrscheinlich macht.

Bei einer bundesweiten Überschreitung eines Schwellenwertes von über 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen sind bundesweit einheitliche schwerwiegende Maßnahmen anzustreben. Bei einer landesweiten Überschreitung eines Schwellenwertes von über 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen sind landesweit einheitliche schwerwiegende Maßnahmen anzustreben. Die in den Landkreisen, Bezirken oder kreisfreien Städten auftretenden Inzidenzen werden zur Bestimmung des jeweils maßgeblichen Schwellenwertes durch das Robert Koch-Institut wöchentlich festgestellt und veröffentlicht.

Ziff. 28a ist ausdrücklich auf „Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2“ beschränkt. Nichtsdestotrotz wird folgende „Einschränkung von Grundrechten“ des GG in Art. 7 konstantiert:

Durch Artikel 1 Nummer 16 und 17 werden die Grundrechte der Freiheit der Person (Artikel 2 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes), der Versammlungsfreiheit (Artikel 8 des Grundgesetzes), der Freizügigkeit (Artikel 11 Absatz 1 des Grundgesetzes) und der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 Absatz 1 des Grundgesetzes) eingeschränkt.

Die Grundrechte werden gem. der besonderen Begründung zu Art. 7, durch Art. 1, §28a stark eingeschränkt (gem. Artikel 1, Ziff. 16+17). In der Begründung zu Art. 7 stellen die Verfasser lapidar fest, dass dieser Artikel „dem Zitiergebot des Artikel 19 Absatz 1 Satz 2 des Grundgesetzes“ entspricht (sozusagen: „muss halt sein …“). §19 GG, verlangt, dass ein Gesetz, dass ein Grundrecht einschränkt, a) allgemeinen Charakter haben muss, b) die eingeschränkten Grundrechts-Artikel konkret benennten muss sowie c) „in keinem Falle (…) ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden“ darf …- mind. lit a) ist bei § 28a nicht gegeben …

Die allg. Begründung im Gesetzesentwurfes stellt den Eingriff in die Grundrechte des GG im Allg. Teil (Ziffer I.) auch unumwunden fest:

Die bisher maßgeblich auf Grundlage der §§ 28 ff., 32 IfSG getroffenen notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie führen teilweise zu erheblichen Eingriffen in grundrechtliche Freiheiten.

Nur um dann formal auszuführen, dass diese Einschränkungen deswegen nunmehr vom Verordnungscharakter auf die Gesetzesebene gehoben werden müsse:

Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen des Parlamentsvorbehalts aus Artikel 80 Absatz 1 Satz 1 und Satz 2 des Grundgesetzes angesichts der länger andauernden Pandemielage und fortgesetzt erforderlichen eingriffsintensiven Maßnahmen zu entsprechen, ist eine gesetzliche Präzisierung im Hinblick auf Dauer, Reichweite und Intensität möglicher Maßnahmen angezeigt.“

Also eine rein formale Absicherung (leider aber ohne zeitliche Limitierung), die durch bloße Feststellung des dt. Bundestages (dass eine solche landesweite Pandemie gegeben ist) eintritt, ohne dass dem Bundestag eine ausreichende Grundlagen gegeben wird. Der Entwurf der Regierungsfraktionen meint mit dieser Anpassung die verlangte „Abwägung der (…) erforderlichen Maßnahmen und den betroffenen grundrechtlichen Schutzgütern gerecht zu werden – es geht ja – so das Narrativ – um Lebensrettung: und dann ist „alles angemessen“!?

Aber das istr genau die Frage! Wenn auch die reinen Infektions-Fallzahlen stark  steigen, geben die bisherigen Sterbezahlen 2020, nach Auffassung vieler Kritiker, eben keine ausreichende Grundlage, um so grundlegend unseren Grundrechten zu Leibe zu rücken. Dazu genügt ein Blick in die Seiten des Statistschen Bundesamtes: https://de.statista.com/infografik/21523/anzahl-der-sterbefaelle-in-deutschland/ (wobei die Zahlen von Oktober / November 2020 noch nicht vorliegen).

Die Summe der an / mit Corona Verstorbenen liegt in +8 Monaten mit 12.547 (RKI am 16.11.2020: https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4)  „nur“ bei der Summe von 5 normalen Tagen (deutschlandweit). Die Gesamtzahl der Verstorbenen liegt weiterhin im Mittel der Jahre 2016-2019.

Wirtschaft und StatistikAmtliche Statistik in Zeiten von Corona“ (4 | 2020)

Vergleiche dazu die Grundsatzrede von Dr. Wolfgang Nestvogel (Hannover) auf dem „Maleachi-Tag“ in Bielefeld, Anfang Nov. 2020. https://www.youtube.com/embed/aSLDbF2xrpg?version=3&rel=1&showsearch=0&showinfo=1&iv_load_policy=1&fs=1&hl=de-DE&autohide=2&wmode=transparent
https://www.youtube.com/watch?v=aSLDbF2xrpg&feature=emb_title

  • Vergleiche auch die Pressekonferenz der Kassenärztlichen Vereinigung:

„Von Sankt Martin zum Singles Day“

„Und so geht alles seinen Gang in einem Land, dass die „Verantwortung vor Gott“ in der Präambel seines Grundgesetzes beschwört. Der kulturelle Verfall im Galopp. Nein, besser: inzwischen in Lichtgeschwindigkeit. Aus dem Sankt-Martins-Umzug wurde ein Lichter- oder Laternenumzug, aus den Weihnachtsmärkten Wintermärkte, aus dem Heiligen Nikolaus der Coca-Cola-Weihnachtsmann, aus Ostereiern bloße Schoko-Eier, aus dem Reformationstag Halloween. Man könnte die Kette endlos fortsetzen. Alles, was an den christlichen Ursprung unseres Abendlandes erinnert, wird ausgelöscht. Gnadenlos. Und wehrlos! Oder kennen Sie irgendein Bischofswort oder eins der C(!)DU, das laut und klar vor dieser Entwicklung warnt?!Heute wäre doch die Gelegenheit, Leben, Wirken und Botschaft von Sankt Martin hervorzuheben und dem kapitalistischen Allotria um den Singles Day eine klare Absage zu erteilen. Doch selbst protestantische Bischöfe haben keinerlei Interesse, den Reformationstag zu „retten“, erst vor elf Tagen sang- und klanglos begangen. Dabei ist die Botschaft Martin(!) Luthers doch selbst im politischen Raum heute wichtiger denn je: Dem Volks aufs Maul schauen…. Dieser ganze Corona-Irrsinn zum Beispiel , wie ihn die heutige BILD-Zeitung exakt mit medizinischen Daten belegt, wäre nach Luthers Motto so nicht möglich. Das Witzige: diese Singles Day-„Tradition“ kommt aus dem China der 1990er Jahre! China! Die Online-Shops lassen grüßen. Auch der Nikolaus ist weithin verschwunden in unseren Breiten. Selbst das liebliche Christkind hat ausgedient. Die heutzutage bekannte Figur des Santa Claus gibt es seit 1931, zum Leben erweckt vom Künstler Haddon Sundblom. Er gab dem Weihnachtsmann seinen freundlichen Gesichtsausdruck, den weißen Bart, und kleidete ihn in Coca-Cola-Rot. Pure Werbung für die inzwischen meist getrunkene Limonade des Globus. Was der Kommunismus nicht schaffte, besorgt der Kapitalismus: die totale Ausrottung und Kommerzialisierung ehemals christlicher Traditionen. Die Jahresendflügelfiguren von Margot und Erich brachten es nicht fertig, in die deutsche Sprache (und Kultur) einzudringen, geschweige denn nachhaltig zu wirken. Dafür bedurfte es erst sogenannter Demokratien (Herrschaft des Volkes, und nicht: über das Volk), meist regiert von zwei Parteien mit dem „C“ im Namen, um Halloween, Singles Day oder Lichtermärkte in deutsche Hirne zu implantieren. Armes Deutschland.“ Peter Hahne
https://www.facebook.com/GottinBerlin/

Viele Christen verstehen den Neomarxismus nicht

Viele Christen verstehen den Neomarxismus nicht, erklärt Os Guinness, dessen Buch „The Dust of Death“ nun neu aufgelegt wird. 2020 ist in gewisser Weise eine Wiederkehr von 1968: Proteste, Gewalt, politischer Extremismus. Damals griff Rudi Dutschke die Ideen von Herbert Marcuse und der Frankfurter Schule auf. Der klassische Marxismus hatte nicht funktioniert, die Revolte der Arbeiterklasse blieb aus. Deshalb kam es zu einer Weiterentwicklung der Gedanken von Antonio Gramsci und man forderte den langen Marsch durch die Institutionen. Die Spaltung der westlichen Welt geht laut Guinnes zurück auf die unterschiedlichen Konzepte der Französischen Revolution von 1789 auf der einen, und der Amerikanischen Revolution von 1776 auf der anderen Seite. Während die Amerikanische Revolution auf biblischen Grundlagen ruhte und zu nie zuvor gekannter Freiheit für den Einzelnen führte, war die Französische Revolution dezidiert anti-christlich und versuchte Gleichheit autoritär durchzusetzen. Diese Gedanken wurden z.B. in der Russischen Revolution 1917 und in China unter Mao weiter radikalisiert. Aber auch heutige Trends wie der Postmodernismus, political correctness und die sexuelle Revolution gehen auf die Französische Revolution zurück.Der Neomarxismus, auch westlicher Marxismus oder Kulturmarxismus genannt, ist anders als der Sowjetkommunismus. Zentral ist die Kritische Theorie mit ihrer Denkvoraussetzung, dass Gott tot sei und alles, was übrig bleibt, ein Ringen um politische Macht ist. Die Kritische Theorie liefert das Handwerkzeug, um Machtverhältnisse zu analysieren. Die Welt wird in Unterdrücker und Unterdrückte unterteilt. Die Opfer, denen man vorgibt, zu helfen, sind letztendlich nur eine Waffe in der politischen Auseinandersetzung. Die Gefahr dieser politischen Theorie besteht darin, dass es viele Überschneidungen mit jüdisch-christlichen Anschauungen gibt. Auch Christen sind gegen Unterdrückung und Ausbeutung, gegen Sklaverei und Rassismus. Der große Unterschied liegt in der Antwort auf diese Probleme. Der Einsatz für Freiheit und gegen Ungerechtigkeit ist ein biblisches Konzept. Gerade viele junge Christen fallen dann auf die neomarxistischen Slogans von ’sozialer Gerechtigkeit‘ usw. herein. Sie erkennen nicht, dass es sich um einen in christliche Sprache gekleideten Neomarxismus handelt, der zu einem autoritärem Machtkampf ohne Ende führt. Woher kommt diese Entwicklung? Wahrscheinlich fehlt vielen die historische Bildung. Auch gibt es unter Christen in Deutschland eine gewisse, gut gemeinte, pietistische Naivität in Bezug auf politisches Denken. Man möchte sich nicht mit weltlichen Dingen wie Philosophie und politischer Theorie beschäftigen und wird dann davon beeinflusst, ohne es zu merken.youtube.comOs Guinness On „The Dust of Death: The Sixties Counterculture and How It Changed America Forever.“Os Guinness returns to the program to talk about, „The Dust of Death: The Sixties Counterculture and How It Changed America Forever,“ a book that specificall…
Conrad Heide FB

Selbst-Interview: Gehörst du auch zu diesen Hinterwäldler-Kreationisten? – Hanniel

Kürzlich fand eine gut besuchte Konferenz zur Schöpfungstheologie kreatikon 2019 statt. Die Vorträge sind onlineidea.de berichtete davon. In den sozialen Medien haben sich “progressive Christen” ausgetobt. Ich habe mir einige Fragen zu meiner eigenen Überzeugung gestellt.

Darf man das Paradigma (noch) anzweifeln?

Die Naturwissenschaft ist nach wie vor der Hauptgötze für alles, was das öffentliche Leben betrifft. Das erlebe ich im Alltag mit meinen Kindern. Deren Kollegen gehen selbstverständlich von einer festen Grösse «Naturwissenschaft» aus, die «alles» zu erklären vermag. Dieses Bild transportieren die Medien. Wir sind es uns gewohnt, ihre Begründungsmuster auf andere Fachbereiche zu übertragen.

Wissenschaft lebt doch vom Widerspruch.

Ich bin der Letzte, der meine Augen vor der Schöpfung meines Vaters verschliessen will. Jedoch weiss ich um meine Beschränkung und – noch viel mehr – meinen Eigenwillen durch die Sünde.

Genau da verlassen wir die Grenze naturwissenschaftlicher Erkenntnis und betreten die Sphäre des Glaubens. Bist du unfähig diese Unterscheidung zu treffen?

Die Moderne ist von einer Zweiteilung gekennzeichnet. Da wird zwischen dem öffentlichen und privaten Raum unterteilt. In theologischen Begriffen ausgedrückt: Gnade ist von der Natur getrennt.

Die Methoden in der Beobachtung der Natur und in der Erforschung der Bibel unterscheiden sich. In beiden Bereichen handelt es sich jedoch letztlich um Glaubensannahmen, spätestens wenn es um das Woher und das Weshalb geht. Der heutige Stand ist schlicht: Die Natur hat die Gnade verschlungen. Es gibt jedoch nur einen Herrn der gesamten Wirklichkeit.

Ist das nicht peinlich, Vertreter der Schöpfungstheologie zu sein?

Das ist meines Erachtens der Hauptgrund für viele Christen in einer schamorientierten Gesellschaft, ihre Position zu wechseln. Nur keine Minderheitsposition vertreten! Scham lässt immer auf Gruppendruck bzw. eine abweichende dominante Leitidee schliessen. (Das bedeutet nicht, dass ich «Märtyrertum» liebe und absichtlich eine exotische Position vertrete.)

Ist das nicht düsteres Mittelalter?

Ich frage zurück: Wer hat dein Bild des Mittelalters geprägt? Wohl die Lehrbücher der Schule? Das Mittelalter ging von einem offenen Universum aus. Ich bin überzeugt, dass viele Menschen aus dem Mittelalter uns heute sagen würden: Moderne? Gruselig. Ich meine damit nicht nur die Betonbauten und die Grossstädte. Ich meine das geschlossene Weltbild und die verheerenden Folgen missbrauchter Technologie. Am deutlichsten wird das Gruselige im Mord an ungeborenen Kindern.

Gehörst du auch zu denen mit fundamentalistischem Bibelverständnis?

Der Begriff Fundamentalismus ist diffus. Es bedeutet Bindung an eine externe Autorität. Daran kommt jedoch kein Mensch vorbei. Jeder Mensch trifft Glaubensaussagen, zumindest gelebte.

Der Befund ist einfach überwältigend.

Es ist überwältigend, wie das gesamte öffentliche Leben ein Paradigma internalisiert hat. Schulbücher, Museen, Dokumentarfilme – wir sind von klein auf «indoktriniert». Dabei gibt es drei Ebenen der Wahrnehmung. Zuerst das konkrete Einzelereignis, z. B. einen Knochenfund. Dann die Einordnung in ein Gesamtes. Innert Sekunden entsteht in einem Dokumentarfilm ein braunes Riesentier. Das ist jedoch eine Modellierung. Drittens die weltanschaulichen Vorannahmen, die es steuern: Vor x Jahren… Letztlich stossen wir stets auf diese dritte Ebene vor. Wir Menschen können gar nicht anders, als nach den Zusammenhängen zu fragen!

Man muss doch Evolutionismus und Atheismus voneinander trennen.

Ich glaube nicht, dass dies das richtige Vorgehen ist nach über 100 Jahren, in denen die Metaphysik – also die Frage nach Gott und dem Sein – verpönt war. Atheismus war nicht nur Treiber in der Forschung der letzten Jahrzehnte (übrigens im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, in denen gerade der christliche Glaube der Antrieb für zahllose Erfindungen war). Unsere inneren Einstellungen sind auf «Atheismus» programmiert. Wir leben im Alltag so, wie wenn es Gott nicht geben würde.

Auf welche Experten verlässt du dich?

Das ist eine der wichtigsten Frage. Welches Argument hat dich am Ende überzeugt? Welche Person(en) trugen dazu bei? Die Komplexität eines Modells sagt noch nichts über richtige Vorannahmen aus. Die Wissenschaftler sind unsere Priester. Kein Wunder werden die Redner einer Schöpfungskonferenz verächtlich hinterfragt. Sie haben nicht die Weihen der öffentlichen Mehrheit empfangen.

Du willst doch nicht allen Ernstes sagen, dass Kurzzeit-Kreationismus plausibel sei.

“Plausibilität” ist abhängig von der vorgelagerten Plausibilitätsstruktur. Diese ist nun mal dominant naturalistisch eingefärbt. Das hat ein Teilnehmer der Diskussion schön ausgedrückt: «Eine Geschichte mit magischen Bäumen und einer sprechenden Schlange ist natürlich viel plausibler.» Wir gehen mit unseren unbewusst naturalistisch geprägten Vorannahmen an den Bibeltext heran. Auf diese Weise werden wir niemals beim Schöpfungsbericht bleiben. Nach Genesis 2 kommt Genesis 3.

Wurde der Kurzzeit-Kreationismus in der Theologiegeschichte nicht schon lange vorher angezweifelt?

Das ist richtig. Schon die Kirchenväter, welche mit der griechischen Philosophiegeschichte vertraut waren, äusserten den Gedanken der Entwicklung. Viele Theologen haben während Jahrhunderten über der Frage gerungen.

«Ich finde es oft quälend, wenn der großartige Hymnus der Schöpfung (1. Mose 1) mit Gewalt in eine Art kümmerliche Naturgeschichte gepresst und gegen die Naturwissenschaft ins Feld geführt wird. Wir sollten in den Hymnus einstimmen und die Menschen überzeugen, dass er sie zutiefst betrifft. Am Anfang schuf Gott die Welt und am Ende wird er Frieden schaffen. Warum soll ich mir da diese Gefangenenkugel des Kreationismus ans Bein binden?» Wie liest du die Schöpfungsberichte?

Die vergangenen Jahrzehnte waren in der Theologie von der Erforschung der unterschiedlichen Genre geprägt. Dafür bin ich sehr dankbar. Gegenwärtig müssen wir darauf achten, nicht von der anderen Seite vom Pferd zu fallen. Vor lauter Betonung der Vielfalt sollten wir nicht die Einheit des Textes übersehen. Genesis 1 ist tatsächlich kunstvoll und theologisch intentional angeordnet. Für reine Poesie reicht es jedoch nicht – und schon gar nicht für einen mythologischen Bericht. Es geht um einen Schöpfer, der diese Wirklichkeit aus dem Nichts hervorgebracht hat.

«Es steht doch nichts da, wie er geschaffen hat. Die Evolutionstheorie beschreibt einen Vorgang, durch den sich das geschaffene Leben entwickelt hat, vom Einzeller über den Mehrzeller bis zu so hochspezialisierten Geschöpfen wie wir Menschen es sind. Warum sollte Gott diese Entwicklung nicht gesteuert haben?»

Die Bibel berichtet, dass Gott sprach und es dastand (Psalm 33) und dass er das Nichtseiende hervorgerufen hat (Römer 4). Die ersten Kapitel stellen uns den ersten Menschen als erwachsenen, entscheidungsfähigen Menschen vor. Da ist kein Platz für Leben durch Tod. Ohne Metaplan des Evolutionismus käme man nie auf den Gedanken einer langsamen Entwicklung!

Was hältst du von der Lückentheorie?

Es ist ein möglicher Ansatz, der mich exegetisch jedoch nicht überzeugt. Manchmal wird eingewendet: «Der Mensch kann sich vermutlich gar nicht vorstellen wie viel ‘Zeit’ Gott hat.» Einzelne haben die Idee von Arbeitstagen Gottes. Das kann man jedoch gerade so gut umkehren: «Der Mensch kann sich gar nicht vorstellen, wie schnell Gott Verhältnisse ändern kann.»

Es gibt doch viele bibeltreue Theologen, die auch an die Evolution glauben.

Das ist richtig. Timothy Keller ist einer der bekanntesten. Auch wenn ich viel von ihm profitiert habe, vermag er mich mit seinen exegetischen Argumenten nicht überzeugen. In dieser Hinsicht spricht er einfach wie ein Grossstädter des 21. Jahrhunderts. Ich würde jeden Theologen fragen, wer ihn in seiner Entscheidung letztlich beeinflusste und was sein «Wendepunkt-Erlebnis» in dieser Hinsicht war.

Weiterlesen: In der Buchbesprechung “Der Streit um den Anfang” habe ich verschiedene Ansätze einander gegenüber gestellt.

Von Mathias · Veröffentlicht Juni 29, 2020 · Aktualisiert Juni 29, 2020
Original veröffentlicht am  von Hanniel.ch mit freundlicher Genehmigung.
https://www.wortzentriert.at/cat-unterscheidung/weltanschauung-und-kultur/selbst-interview-gehoerst-du-auch-zu-diesen-hinterwaeldler-kreationisten-hanniel/

Meditation.

Meditation is nonlinear cognitive activity. It works in a sphere or force field. Non-Christian meditation centers on the self and doesn’t go anywhere. Biblical meditation is more passive than thought or prayer. It is being open to insights about God and life from the Holy Spirit and the Bible. It focuses on parts of God’s character like His unfailing love or infinite power, which are mysterious and cannot be understood completely by the rational mind. Other forms of meditation can be therapeutic in limited ways. Christian meditation is connected to prayer and part of a full life in Christ.
Meditation.
Meditation ist nichtlinear kognitive Aktivität. Es funktioniert in einer Sphäre oder einem Kraftfeld. Nicht-christliche Meditation konzentriert sich auf das Selbst und geht nirgendwo hin. Biblische Meditation ist passiver als gedacht oder gebet. Es ist offen für Erkenntnisse über Gott und das Leben vom Heiligen Geist und der Bibel. Es konzentriert sich auf Teile des Charakters Gottes wie Seine unversagende Liebe oder unendliche Kraft, die mysteriös sind und nicht vollständig vom rationalen Geist verstanden werden können. Andere Meditationsformen können auf begrenzte Weise therapeutisch sein. Christliche Meditation ist mit Gebet und Teil eines vollen Lebens in Christus verbunden. Ellis H. Potter