Alice Schwarzer: „Angriff auf die Rede- und Denkfreiheit“

Alice Schwarzer ist die bekannteste Vertreterin des deutschen Feminismus. Man muss sie nicht mögen. Ich habe mich über sie schon oft geärgert. Nicht nur, weil sie aggressiv für die Legalisierung von Abtreibungen eintritt. Aber ich habe auch Respekt, da sie heiße Themen wie Prostitution, Pornographie oder die Unterdrückung von Frauen deutlich anspricht.
Alice Schwarzer sollte kürzlich einen Vortrag an einer Hochschule in Österreich halten. Einige Studentinnen wollten sie daran hindern, da Schwarzer den politischen Islam kritisiert. Sie sprach trotzdem. Es kam zum Eklat. Die WELT berichtet:
Im Gespräch mit der Tageszeitung „Standard“ widersprechen zwei Funktionärinnen der Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH). Schwarzer habe sich mehrfach „sexarbeitsfeindlich, transphob und antimuslimisch-rassistisch geäußert“. Über diese Diskriminierungen dürfe man „nicht hinwegsehen. Diese Kämpfe sind nicht voneinander losgekoppelt.“
Es gebe viele andere Feministinnen, aber es werde immer nur die Position eingeladen, die Schwarzer repräsentiere: „Es geht einfach nicht, dass schon wieder eine weiße Frau etwas dazu sagen darf.“ Die Geschichte des Feminismus sei nicht nur weiß. „Wir wünschen uns eine Bühne, auf der mehrere Stimmen gehört werden“, sagten die ÖH-Vertreterinnen. Wenngleich sie auch betonen, dass es ihnen nicht darum gehe, „irgendeine Meinung zu verbieten“. Ron Kubsch
Punkt.
Ich kann verstehen, dass eine Mehrheit der Bürger in Deutschland meint, die Meinungsfreiheit schwindet. In einer Allensbach-Umfrage äußerten fast zwei Drittel der Befragten das Gefühl, man müsse im öffentlichen Raum „sehr aufpassen“, was man sagt.
VD: WH https://theoblog.de/alice-schwarzer-angriff-auf-die-rede-und-denkfreiheit/34212/

Anti- Israel Label

Zahllose Label kann man heute auf den alltäglichsten Produkten finden. Sie sollen das „gerechte“, das heißt zumeist das politisch korrekte Einkaufen ermöglichen. Nach dem Willen des EuGH soll nun eine weitere Kennzeichnung den Verbraucher vor Lebensmitteln aus den israelisch besetzen Gebieten warnen (12.11.2019). Da diese Besetzung auch noch nach Jahrzehnten nicht von der UNO völkerrechtlich anerkannt ist, soll sich die europäische Kritik durch einen umfassenden Kaufboykott ausdrücken. Man mag nun über die von Israel besetzen Gebiete denken wie man will, doch sollte man dabei auch die internationale Gleichberechtigung und den eigentlichen Sinn einer solchen Aktion im Blick behalten.
1. Es ist nicht ganz verständlich, dass Waren aus den von Israel besetzten Gebieten negativ gekennzeichnet werden sollen, ähnliche Forderungen beispielsweise für die von Russland besetze Krim bisher aber nicht vorliegen.
2. Die konkreten Ausführungen der Kennzeichnungspflicht sind problematisch. Was sollte beispielsweise auf Tomatenmark stehen, das in Israel mit Tomaten aus dem Westjordanland gefertigt wurde?
3. Eine Bannung von Produkten aus den besetzten Gebieten trifft vor allem diejenigen, die man damit unterstützen will. Einerseits werden damit auch die von Palästinensern produzierten Güter in Europa schwerer verkäuflich. Andererseits gefährdet man durch diese Maßnahme vielen Palästinensern, die bisher auf den Feldern jüdischer Siedler gearbeitet haben. ihre Einkommensquelle.
4. Ein vorgeschriebenes Label, das explizit auf die von Israel besetzen Gebiete hinweist, wird sehr schnell propagandistisch von linken und rechten Antisemiten benutzt, um noch besser gegen Israel und Juden Stimmung zu machen.
Auf den ersten Blick mag diese neu vom EuGH geforderte Etikettierung dem europäischen Konsumenten bei seinem „gerechten“ Einkauf helfen. Bei Beachtung der Gesamtproblematik aber überwiegen die negativen Aspekte dieses Vorgehens recht deutlich. – Eigentlich braucht der israelische Staat keine weiteren ideologisch motivierten Hindernisse, sondern mehr europäische Unterstützung für seine erstaunliche Integrationsarbeit in einer von totalitären Staaten beherrschten Umgebung. FB Michael Kotsch

Wie sollte sich ein Christ zum Umweltschutz stellen?

Frage: „Wie sollte sich ein Christ zum Umweltschutz stellen?“
Antwort:
Es gibt einen Unterschied zwischen der biblischen Sichtweise der Umwelt und der politischen Umweltschutzbewegung. Das Verständnis dieses Unterschieds wird die Anschauung eines Christen über Umweltschutz formen. Die Bibel ist klar, dass die Erde und alles darauf von Gott dem Menschen gegeben ist und der Mensch darüber regiert und sich untertan macht. „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (1.Mose 1,28) Weil der Mensch in Gottes Bildnis geschaffen wurde, gab Gott Mann und Frau eine privilegierte Stelle unter allen anderen Kreaturen und befahl ihnen, über die Erde zu herrschen (1.Mose 1,26-28; Psalm 8,6-8). Ein guter und pflichtbewusster Herrscher kümmert sich um alles, was ihm untertan ist und missbraucht es nicht. Wir müssen daher die Ressourcen, die Gott uns gegeben hat, intelligent verwalten, sich gewissenhaft darum kümmern, sie erhalten und schützen. Das sehen wir im Alten Testament, wo Gott befahl, dass die Felder und Weingärten für sechs Jahre geerntet werden dürfen und dann im siebten Jahr brachliegen gelassen werden müssen, damit sich die Nährstoffe der Erde erholen können; eine Pause für das Land und zur Absicherung der Versorgung durch das Land für zukünftige Generationen (2.Mose 23,10-11; 3.Mose 25,1-7).
Über unsere Rolle als Verwalter über die Erde hinaus, sollen wir die Funktionalität und Schönheit der Umwelt zu schätzen wissen. Aufgrund seiner unglaublichen Gnade und Macht, hat uns Gott alles was wir zum Leben brauchen auf diesen Planeten platziert; Nahrung, Kleidung und Behausungen, in denen Billionen von Menschen seit dem Garten Eden leben und lebten. Alle Ressourcen, die Gott für unsere Bedürfnisse bereitgestellt hat, sind erneuerbar und Gott sorgt weiterhin für Sonne und Regen, um alles zu erhalten und zu erneuern. Und als wäre das nicht schon genug, hat er auch noch unseren Planeten in herrlichen Farben und malerischer Schönheit dekoriert, um unserem ästhetischen Sinn zu entsprechen und unsere Seele mit diesen Wundern zu begeistern. Es gibt unzählige Varianten von Blumen, exotischen Vögeln und andere liebenswerte Ausdrücke seiner Barmherzigkeit für uns.
Gleichzeitig ist die Erde, auf der wir leben, kein permanenter Planet, und er war auch nie so beabsichtigt. Die Umweltbewegungen sind damit eingenommen, den Planeten für die Ewigkeit zu erhalten, aber wir wissen, dass dies nicht Gottes Plan ist. Er sagt uns in 2.Petrus 3,10, dass am Ende der Zeit die Erde und alles, was er geschaffen hat, zerstört wird: „Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.“ Die physische, natürliche Erde in ihrer derzeitigen Form wird zusammen mit dem gesamten Universum zerstört und Gott wird einen “neuen Himmel und eine neue Erde” erschaffen (2.Petrus 3,13; Offenbarung 21,1).
Also sollten wir, statt zu versuchen die Erde für Tausende oder sogar Millionen von Jahren zu erhalten, lieber gut auf sie Acht geben, solange sie erhalten bleibt, was so lange sein wird, wie sie Gottes Plan und Zweck erfüllt.
https://www.gotquestions.org/Deutsch/Christen-umweltschutz.html

Völkermord: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein!?

Schuld einzugestehen fällt nicht nur einzelnen Menschen schwer, sondern zuweilen auch ganzen Staaten. Gewöhnlich zieht ein solches Eingeständnis Forderungen nach Wiedergutmachung nach sich. Außerdem kratzt es gehörig am eigenen Stolz.
Im Selbstbild der türkischen Regierung ist das eigene Land immer nur an Frieden und Gerechtigkeit interessiert; selbst wenn es tausende eigener Bürger auf vagen Verdacht hin inhaftiert oder völkerrechtswidrig Teile des Nachbarlandes Syrien besetzt. Deshalb kann es natürlich auch nicht sein, dass die Türkei bzw. dessen staatlicher Vorläufer, das Osmanische Reich, vor rund einhundert Jahren einen rücksichtslosen Völkermord an den Armeniern durchgeführt hat (1915-17).
Trotz zahlreicher Zeugenaussagen, unter anderem von deutschen Diplomaten die sich damals im Land aufhielten, wurde jahrelang geleugnet, dass es überhaupt einen solchen Vorgang gegeben habe. Als das schließlich nicht mehr möglich war, verlegte sich die türkische Regierung auf die wenig überraschende These, man habe in einer Art Selbstschutz lediglich einige tausend Terroristen töten müssen. Gegenwärtig wird diese Geschichte folgendermaßen modifiziert: Armenische Nationalisten hätten die türkische Bevölkerung dermaßen bedroht, dass man zu deren Schutz gewaltsam gegen diese Leute vorgehen musste. Dabei seien leider auch einige Unschuldige getötet worden, insgesamt um die 300 000 Menschen. Von einem „Völkermord“ könne man aber keinesfalls reden, so die offizielle Lesart. Jeder, der etwas anderes behauptet müsse als „Feind der Türkei“ betrachtet werden. Im eigenen Land kann die türkische Regierung jeden der von Völkermord redet problemlos ins Gefängnis werfen lassen; wegen „vergehen gegen das Türkentum“. So wundert es kaum, dass die jüngste US-amerikanische Entschließung zum Völkermord an den Armeniern, von der türkischen Regierung als vollkommen ungerechtfertigter Versuch politischer Diffamierung interpretiert wird (30.10.2019).
Abgesehen von einigen türkischen Publikationen sind sich Historiker allerdings ziemlich einig, was die Massaker an den Armeniern betrifft: Während des Ersten Weltkriegs wollten türkische Politiker, unter ihnen auch der spätere Staatsgründer Kemal Atatürk ein ethnisch einheitliches Land schaffen. Im Weg standen dabei vor allem Kurden, Armenier und Griechen. Nach detailliert ausgearbeiteten Plänen wurden in den folgenden Jahren die meisten Griechen vertrieben, die Armenier ermordet oder deportiert und die Kurden unterdrückt, sodass es lange schon als Verbrechen galt Kurdisch zu sprechen.
In einer ersten Phase hetze man kurdische Milizen gegen die Armenier auf. Wenig später schalteten sich auch offizielle türkische Truppen ein. Tatsächlich gab es kleinere Gruppen armenischer Nationalisten die Anschläge auf türkische Einrichtungen und Amtsträger durchgeführt hatten. Das lieferte einen willkommenen Vorwand, flächendeckend gegen alle Armenier im ganzen Land vorzugehen. Wer nicht sofort ermordet wurde, starb auf Todestrecks oder wurde in Lager nach Syrien deportiert. Türken, die den Armeniern helfen wollten, wurden kurzerhand selbst inhaftiert. Türkische Politiker, die sich weigerten die Befehle zum Völkermord umzusetzen wurden ihres Amtes enthoben. Augenzeugen berichteten von hunderten von Leichen, die sie in Flüssen schwimmend gesehen hatten. Die deutschen Beobachter unternahmen nichts, weil sie damals mit dem Osmanischen Reich verbündet waren. Am Ende der Aktion war die Türkei weitgehend frei von Armeniern. Hitler, der von den Massakern las, bezeichnete diesen Völkermord als Vorbild für sein Vorgehen gegen die Juden. Historiker schätzen, dass damals rund 1,5 Millionen Menschen ermordet wurden, unabhängig von Alter und Geschlecht. – Aber wie gesagt, nach türkischer Rechtslage hat dieser Völkermord nie stattgefunden.
Tragischerweise ist diese Gräueltat nicht die einzige der jüngeren Geschichte. Leider ist jeder Mensch jederzeit zu Ähnlichem in der Lage; dann natürlich gegen eine andere Gruppe der Gesellschaft. Mit ziemlicher Sicherheit können wir davon ausgehen, dass ähnliche Ungerechtigkeiten zukünftig wieder passieren werden, nur eben unter einem anderen Vorzeichen, mit anderen Begründungen. Eine echte Veränderung des Denkens und der Beziehung zu anderen Menschen kann nur durch eine geistliche Neuprägung Gottes geschehen. Michael Kotsch

Hass- Gesellschaft

Obwohl es der Bevölkerung in Deutschland materiell gesehen so gut geht wie kaum jemandem weltweit, sind immer mehr Menschen zutiefst unzufrieden. Vielen ist der Lebenssinn abhandengekommen. Andere sind durch die ständige Berieselung mit Negativnachrichten in eine Art Dauerdepression gerutscht. Die einen werden dadurch still und mürrisch, die anderen aggressiv. Immer mehr Menschen sind innerlich von Hass zerfressen und zunehmend gewaltbereit. Wer keinen konkreten Grund zum Hass hat, sucht sich halt einen Sündenbock, auf den er einschlagen kann, um sich wieder besser zu fühlen. Die einen haben Angst vor Tierquälerei und hassen alle Fleischkonsumenten. Andere haben Angst vor der Klimakatastrophe und hassen Autofahrer. Einige haben Angst vor Gott und hassen deshalb Christen. Wieder andere fürchten sich vor ihrer eigenen Irrelevanz und hassen alles Fremde.
Zwei Menschen starben jetzt in Halle an der Saale (10.10.2019), weil ein von Angst und Hass zerfressener Mann am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, möglichst viele Juden ermorden wollte. Schwerbewaffnet wollte er eine vollbesetzte Synagoge stürmen. Eigenen Aussagen zufolge befürchtete er die „Zerstörung der deutschen Kultur“ durch Juden. Die von ihm benutzten Formulierungen und Argumente entstammen der Klamottenkiste des politischen Antisemitismus. Ganz ähnliche Konstrukte konnte man schon bei den Nationalsozialisten hören oder bis in der Gegenwart bei extremistischen Muslimen überall auf der Welt.
Wirklich nachvollziehbare Argumente braucht es für diesen Judenhass offensichtlich nicht. Auch wenn in Deutschland nur etwa 200 000 Juden leben, die meisten von ihnen nicht religiös, wird eine politische Gefahr konstruiert, die es nie gegeben hat. Eher eigneten sich Juden schon immer als bequeme Sündenböcke, manchmal auch für eigenes Versagen. Mit bloßen Argumenten kommt man kaum gegen solch verquere Weltsichten jüdischer Weltverschwörungen an. Immer mehr Menschen ziehen sich momentan in ihr eigenes Welterklärungsmodell zurück, das sie kontinuierlich durch eigene Internetzirkel bestätigen. Alle, die nicht zum eigenen „Stamm“ gehören, werden als Feinde betrachtet und bekämpfen. Extreme Linke, ebenso wie extreme Rechte, Tierschützer und Klimaaktivisten oder Islamisten halten beinahe jedes Mittel für gerechtfertigt, um ihre Weltsicht durchzudrücken, bzw. die Welt vor einer vermeintlichen Katastrophe zu schützen.
Eher durch ein Wunder Gottes kam es bei diesem misslungenen Anschlag auf die Synagoge von Halle / Saale „nur“ zu zwei Toten und nicht zu hundert. Christen protestieren gegen den immer stärker werdenden Antisemitismus in Deutschland und beten für Aussöhnung. Im Alltag setzen Christen sich für Frieden und gegen Hass ein, wie schon Jesus fordert: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5, 9) Christen können Wahrheit sagen, auch wenn sie unangenehm und unzeitgemäß scheint; aber sie verzichten dabei auf Hass und Gewalt. Michael Kotsch

Joker: Das Lachen der Postmoderne

„I used to think that my life was a tragedy but now I realize
it’s a comedy.“

Joker

Dieser Film ist brutal1 Das Setting ist Gotham City im Jahre 1981 während eines Müllstreikes. Der Protagonist heißt Arthur Fleck (gespielt von Joaquin Phoenix), ist Anfang dreißig, wohnt bei seiner kranken Mutter (die er pflegt) und arbeitet als Aushilfsclown, wobei er von einer Karriere als Standup Comedian träumt. Arthur Fleck ist ein Außenseiter, der aufgrund seines zwanghaften Lachens Verwirrung auslöst, verachtet und verhöhnt wird. Der Bruch in Flecks Biographie summiert sich aus Missbrauch in der Kindheit, mentaler Krankheit, Mobbing, Armut, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Vaterlosigkeit, Gewalt, Abweisung, sexueller Frustration und Verhöhnung. „Als die Demütigungen zu viel werden, reagiert er mit Gewalt und wird zum berüchtigten „Joker“. Der Film zeichnet die Charakterstudie eines Mannes, der eigentlich eine tragische Figur ist, aber zum Täter wird und damit obendrein zu einem dunklen Massenidol.“2 Nachdem der Hauptdarsteller auf dem nach Hause Weg in der U-Bahn, noch in Arbeitskleidung (Clownskostüm) drei Yuppies erschießt, wird er zum Auslöser einer gesellschaftlichen Protestbewegung, deren Symbol die Clownsmaske ist. Der sozialpolitische Protest entzündet sich hierbei zwischen Arm und Reich. Menschen aus den unteren Schichten werden in einer Szene von dem Milliardär Thomas Wayne (Batmans Vater) als „Clowns“ bezeichnet, was möglicherweise eine Anspielung an Hillary Clintons „basket of deplorables“ ist. Überhaupt ist der Joker als Vorbild einer sozialen Bewegung eine Referenz zu unserer Zeit. Ein Clown als Führungsfigur ist die maximale Kritik an den politischen Verhältnissen. Es ist als würde der Populismus dem Establishment zurufen: „Seht her, selbst der Kasper kann es besser als ihr.“3 Jedoch entzieht sich der Joker in typisch postmoderner Manier einer gesellschaftspolitischen Eindeutigkeit:

„Konservative Kritiker warfen dem Film vor, eine linke Agenda zu verfolgen. Was nicht von der Hand zu weisen ist: Eine Nebenhandlung ist eine vom „Joker“ inspirierte Protestbewegung, welche gewalttätig gegen die soziale Ungleichheit in Gotham City demonstriert. Die Reichen sind das Feindbild. Linke Kritiker wiederum werfen dem Film „toxische Maskulinität“ vor. Er legitimiere zudem genau die Agenda, die Trump ins Amt brachte.“4

Für den Charakter des Jokers gibt es bisher keine definitive Ursprungsgeschichte5, somit ist dieser Film vom Regisseur Todd Phillips als Versuch der Kanonisierung der Gründungserzählung zu verstehen.6
Joker zeigt die Metamorphose eines Mannes zum Mephisto von Gotham. Mit jedem Mord den Arthur Fleck/Joker begeht (es sind mindestens sechs) steigert sich seine Amoralität. Die Verwandlung von Mensch zum Mythos erlebt ihren Höhepunkt, als der Protagonist in die Live Comedy Show seines Vorbildes Murray Franklin (Robert DeNiro) eingeladen wird. Dort lässt er sich bereits als Joker vorstellen, propagiert Subjektivismus („comedy is subjective“) und moralischen Relativismus, bekennt sich zu den U-Bahn Morden und erschießt schließlich sein (Ex-)Vorbild vor laufender Kamera. Der Joker ist eine fluide Persönlichkeit; ein Trickster und ein Nihilist. „Der Trickster ist eine stark ambivalente Figur. Er verkörpert das Prinzip der Vereinigung von Gegensätzen […]“7 Gegen Ende des Films sagt der Joker: „I don’t believe in anything“ und „I have nothing left to lose.“ Dies sind typische nihilistische Glaubenssätze. Er akzeptiert keine Moral, die über sein eigenes Selbst hinausgeht. Daher überrascht es nicht, dass der Joker als ein Beispiel für Nietzsches Übermenschen beschrieben wird.8

Ein Unterschied besteht darin, dass der Joker weniger vom Willen zur Macht als vom Willen zum Chaos getrieben wird. Macht und Gewalt sind Mittel zum Chaos, wobei er Chaos als Zustand der Erlösung begreift. In der Anti-Philosophie des Jokers ist diese Selbstermächtigung durch Gewalt nur durch die Verneinung der Transzendenz möglich. Die Selbstverwirklichung des Jokers vollzieht sich ausschließlich im Kontext der Immanenz: Er ist ein säkularer Satan. Das Lachen des Jokers entpuppt sich als die vertonte Fratze des souveränen Selbst. Die Leistung des Films besteht darin, diesen Sachverhält durch einen tanzenden und tötenden Clown ästhetisch düster zu veranschaulichen und somit unserer Kultur den Spiegel vorzuhalten. 9 Der Joker ist ein extremes Beispiel für die spätmoderne Tendenz der westlichen Gesellschaften keine objektiven moralischen Maßstäbe anzuerkennen. Absolute sind out! In der letzten Comedy Show Szene konfrontiert der Joker Gothams Meinungsführer mit genau diesem Sachverhalt. Als er sich zu den U-Bahn Morden bekennt wird er verurteilt; seine Rechtfertigung besteht im Verweis auf einen radikalen Subjektivismus, dem sich die Bürger Gothams längst unterworfen haben. Dadurch wird die Gesellschaft der moralischen Heuchelei überführt. Ein Unterschied zwischen der Mehrheitsgesellschaft und dem Joker besteht jedoch möglicherweise darin, dass sich erstere auf einen Konsens des Gruppenrelativismus geeinigt hat, dem sich der Joker nicht mehr anschließt. Moral ist in Gotham letztlich nur noch eine Frage der Mehrheitsverhältnisse. Die Kritik weiterer Charaktere an dem Joker lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: „Du liegst falsch, weil wir es sagen.“ Das ist eine sehr dünne Begründung für Ethik. Genau hier liegt die Krux: Die Verneinung der Transzendenz führt in ihrer Konsequenz zum Joker. Er ist der personifizierte Nihilismus, der Über-Mensch; ein wahrer Nihilist. Für den Joker ist dieser Weg der Pfad der Erlösung. Die Absolutsetzung des Ichs befreit ihn von gesellschaftlichen Zwängen, sie befreit ihn von der herabwürdigenden Außenwahrnehmung seiner Mitmenschen und letztendlich befreit sie ihn davor sich selbst zu problematisieren. Die Ursünde, totale Autonomie, wird zur Erlösung verklärt. 10 Das ist das Anti-Evangelium des Jokers. Dieser Film ist auf drei Ebenen zutiefst antichristlich: Erstens in der Verneinung der Transzendenz. Joker widerspricht dem biblischen Weltbild; die 122 Minuten Spielzeit sind durchtränkt von einer tiefen Gottlosigkeit.
Zweitens predigt der Film Selbsterlösung. Joker verkennt, dass Erlösung von Schuld und Pein nicht im Selbst, sondern in Jesus Christus liegt. Nicht Selbstermächtigung durch radikalen Subjektivismus ist der Weg, sondern Selbstkreuzigung als Folge des rettenden Glaubens an den Sohn Gottes. Wie gut, dass der Arm Gottes nicht zu kurz ist, um selbst einen Joker (und dessen Nachfolger) zu erreichen. Drittens in Bezug auf die Zukunftsperspektive. Die filmische Erzählung ist von einer starken Hoffnungslosigkeit geprägt.11 Das Narrativ lässt es am Ende zumindest offen, ob der Joker in der Lage sein wird das Evangelium der Selbsterlösung durch einen konstanten performativen Akt aufrechtzuerhalten. Das Christentum hingegen bietet eine bessere Zukunftsperspektive. Die christliche Offenbarung kommuniziert das Metanarrativ der Hoffnung, denn der, welcher ein gutes Werk in den Christen begonnen hat, wird es auch vollenden bis auf den Tag Jesu Christi (Phil. 1,6).
Lars Reeh
https://theoblog.de/joker-das-lachen-der-postmoderne/34074/