Echte Problemlösung

„Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht besiegen; nur Licht kann das. Hass kann Hass nicht besiegen; nur Liebe kann das.“ Martin Luther King (1929-1968)
Die meisten Konflikte im öffentlichen wie auch im privaten Leben beruhen auf Gegenseitigkeit. Spricht man allerdings nur mit einer der beiden Parteien, dann kann schnell der Eindruck entstehen, die Rolle von Täter und Opfer seien klar verteilt. Wer allerdings genauer hinschaut merkt schon bald, dass vom Informationsgeber hier und da etwas weggelassen oder deutlich geschönt wurde. Ein böses Wort gibt das andere, eine Unterstellung wird mit einer anderen beantwortet. „Wie du mir, so ich dir“, wird das gemeinhin genannt. Auch im Alten Testament scheint dieses Prinzip zu gelten, wenn Gott dort anordnet: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ (2.Moese 21, 24) Historisch korrekt sollte diese Anweisung allerdings eher den rachsüchtigen Zeitgenossen bremsen, der für ein ausgeschlagenes Auge, den Täter gerne langsam bis zum Tode gefoltert hätte. Eine Aufforderung, einen Täter unbedingt körperlich schädigen zu müssen, ist hier von Gott freilich nicht gemeint.
Im Konflikt der Staaten scheint es manchmal nicht anders zu gehen. Diktatoren und Aggressoren lassen sich eben selten allein durch gute Worte besänftigen oder zu politischen Lämmern umerziehen. Insofern kann es zeitweilig durchaus sinnvoll sein, Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten. Die meisten islamistischen Terroristen beispielsweise scheinen nichts Anderes als Gewalt zu verstehen, wie Israel und zahlreiche andere Staaten des Nahen Osten in den vergangenen Jahrzehnten schmerzlich erfahren mussten. Tatenlosigkeit oder nette Ansprachen wurden von den Fanatikern zumeist als Schwäche ausgelegt, die dann zu weiteren Anschlägen motiviert, weil man irrtümlich den nahen Sieg vor Augen hat. Und doch war Gewalt immer nur das zweitbeste Mittel, immer nur eine kurzzeitige Lösung. Der Gegner hielt sich an die erzwungene Ruhe immer nur solange, bis er sich stark genug fühlte wieder zuschlagen zu können. Jede gewalttätige Antwort von Polizei oder Militär produzierte gewöhnlich neue Gründe eines Hasses, der das Denken einer weiteren Generationen vergiftete. Und tatsächlich läuft es auch bei internationalen Konflikten nach dem Muster: „Vor soundso viel Jahren habt ihr an uns dieses Unrecht begangen. Das müssen wir jetzt wieder korrigieren.“ Wer lange genug sucht findet in der Geschichte immer irgendeinen Grund, seinen Nachbarn zu hassen und zu bekämpfen. Immer hat leider irgendein Vorfahre irgendetwas Böses getan; auf beiden Seiten allerdings.
Vor diesem, scheinbar so ausweglosen Kreislauf von Aggression und Gegenaggression, wirkt Martin Luther Kings Kampf gegen die Rassentrennung wie ein Wunder. Vielleicht war sie das im Kern auch wirklich. Im krassen Unterschied vom Gesetz der Gewalt und Gegengewalt, setzten diese Männer auf Gnade, Vergebung und Friedfertigkeit. Nach biblischen Prinzipien wollten sie „lieber Unrecht leiden als Unrecht tun“ (1.Petrus 2, 19f.; 3, 8f.). Andernorts ruft schon Jesus dazu auf, den Feind zu lieben, statt ihn zu hassen, selbst wenn man eine gute Begründung dafür hätte (Matthäus 5, 44).
Das Böse kann letztendlich nur durch Gutes aus dem Weg geräumt werden. Damit machte Gott auch gleich den Anfang. Die schweren Vergehen und Verachtungen ihm gegenüber wollte er nicht mehr allein mit Strafe beantworten, sondern mit Liebe. Liebend machte er sich auf die Suche nach orientierungslosen, wenig liebenswerten Menschen, als diese „noch seine Feinde waren“ (Römer 5, 10). Das ist der erste, entscheidende Schritt. Noch lange nicht ist damit einfach alles gut in dieser Welt. Aber es ist ein Anfang. Martin Luther King, der weltbekannte Kämpfer für die Rechte der Afroamerikaner, war überzeugt von Gottes Strategie und setzte deshalb darauf, dass nur die Liebe den Hass langfristig besiegen kann; im öffentlichen wie auch im privaten Leben. Michael Kotsch FB

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Hongkong: Auch Christen demonstrieren

Es gibt durchaus gute Gründe dafür, dass Christen sich aus aktuellen politischen Grabenkämpfen heraushalten. Immerhin besteht die nicht ganz unwahrscheinliche Gefahr, von ausgebufften Politprofis lediglich für eigene Zwecke missbraucht zu werden. Außerdem können wichtige geistliche Anliegen schnell hinter lautstarkem gesellschaftlichem Engagement verschwinden.
Bei den gegenwärtigen Demonstrationen in Hongkong aber geht es um keine parteipolitischen Kleinigkeiten. Auf gesetzlichem Weg soll die noch garantierte Meinungs- und Religionsfreiheit gründlich ausgehöhlt werden. Regimekritiker sollen künftig ohne größere Umstände zum Prozess direkt nach China ausgeliefert werden. Das betrifft dann auch Christen und ihre Gemeinden ganz direkt. Deshalb wundert es kaum, dass sich bei den vehementen Protesten im September 2019 zahlreiche Christen beteiligen. Natürlich birgt das die Gefahr, dass gerade diese Christen jetzt auf der kommunistischen Abschussliste stehen. Sollen sie mit ihrem Einspruch keinen Erfolg haben, müssten sie mit deutlichen Repressionen durch chinesische Instanzen rechnen.
Eine wichtige Stimme der Hongkonger Demokratiebewegung ist Joshua Wong Chi-fung. Schon als Kind zeigte der heute 22jährige Student ein großes politisches Talent. Der aus einer konservativ christlichen Familie stammende Wong organisierte bereits 2011 einen öffentlichen Protest gegen den neu eingeführten „Patriotismus- Unterricht“, in dem der chinesische Kommunismus idealisierend beworben wurde. Mit Freunden aus einem privaten christlichen College auf der Halbinsel Kowloon, gründete er „Scholarism“. 2012 brachte die Gruppe mehr als 120 000 Menschen auf Hongkongs Straßen, Schüler, Eltern, Lehrer. „Wir lassen uns doch nicht unsere Gehirne waschen“. Die Proteste hatten Erfolg. Der Unterrichtsinhalt wurde zurückgenommen. Jetzt entscheiden Schulen und Eltern, ob und wie der umstrittene „Patriotismus- Unterricht“ stattfindet.
Auch 2014 stand Joshua Wong an der Spitze der sogenannten „Regenschirm- Proteste“, die sich gegen einen immer stärkeren Einfluss Chinas wandte. Monatelang blockierten insbesondere junge Menschen mit Regenschirmen große Teile der Hongkonger Innenstadt, nicht eben zur Freude vieler Geschäftsleute.
In den folgenden Jahren setzte sich Wong auch für weniger öffentlichen Leistungsdruck ein. Junge Menschen werden in Hongkong seit frühester Kindheit von Eltern und Staat zum Lernen und Arbeiten gedrillt. Nur so haben sie eine Chance auf gute Jobs und ein auskömmliches Leben. Zahlreiche junge Menschen scheitern jedes Jahr an diesen Ansprüchen und begehen Selbstmord. Irgendwann begann Joshua Wong als gläubiger Christ dieses materialistische System zu grundlegend hinterfragen und nach Alternativen zu suchen. „Das Leben hat noch einen anderen Wert als Geld und Status.“ Die Freiheit und den Glauben beispielsweise. Mit einigen Mitstreitern gründet Wong 2016 die politische Gruppierung „Demosisto“.
Zwischenzeitlich ist der politische Aktivist weltbekannt. Aufgrund seiner Kritik am immer stärkeren Einfluss Chinas in Hongkong saß er drei Monate im Gefängnis. Andererseits wurde er auch schon für den Friedensnobelpreis nominiert. Das renommierte amerikanische „Time –Magazin“ druckte sein Gesicht auf dem Cover und erklärte ihn zu einem der wichtigsten Vordenker der Gegenwart. Mittlerweile besucht er die „Offene Universität“ in Hongkong. Seine Zuversicht schöpft Joshua Wong aus dem Glauben: Als Christ reiche es eben nicht, die Bibel in der Kirche zu lesen. Man müsse sich auch für die dort verankerten Werte einsetzen.
Am 10.September 2019 war Wong in Berlin und versuchte deutsche Regierungsvertreter zur Unterstützung der momentanen Hongkonger Proteste zu gewinnen. Prompt kam ein Rüffel aus Peking. Der deutsche Botschafter in China wurde einbestellt und ermahnt, man solle sich gefälligst nicht mit diesem gefährlichen Regimekritiker treffen. – Wong reiste derweilen weiter in die USA, um auch dort für mehr politische Unterstützung zu werben. Michael Kotsch

Billie Eilish – Die Ausdehnung des Zeitgeistes in der Popkultur von Lars Reeh

Sie ist jung, lebt vegan, hat eine mentale Krankheit und die Welt liegt ihr zu Füßen. Nein, die Rede ist nicht von Greta Thunberg, sondern von Billie Eilish. Die 17-jährige Sängerin ist enorm erfolgreich; abzulesen an der harten Währung der Aufmerksamkeitsökonomie: Sie hat über 34 Millionen Follower auf Instagram und hunderte Millionen Klicks auf YouTube. Sie schreibt und singt Textzeilen wie diese:

„I’m that bad type
Make your mama sad type
Make your girlfriend mad tight
Might seduce your dad type
I’m the bad guy, duh
I’m the bad guy
I like it when you take control
Even if you know that you don’t
Own me, I’ll let you play the role
I’ll be your animal.“

Darin beschreibt sich Billie Eilish als böse und verdorben. Sie macht deine Mutter traurig, deine Freundin wütend und ist bereit deinen Vater zu verführen. Ebenso wird ein sexuelles Dominazrollenspiel mit Tierbezügen angedeutet. Die Musik von Billie Eilish kann man als minimalistischen Elektro-Pop beschreiben der auch mal balladesk daherkommt. Dazu singt sie in ihrem einzigartigen Flüsterstil. Die talentierte Musikerin, die übrigens ein klassisches Tanz- und Gesangstraining genoss, wurde überdies von Dave Grohl gehypt. Dave Grohl ist der Frontmann der Foo Fighters und war der Schlagzeuger der Grunge Band Nirvana, mit der er Billie Eilish verglich. Nirvana wurden 1991 mit dem Song Smells like Teen Spirit und dem dazugehörigen Album Nevermind schlagartig weltberühmt. Die Gemeinsamkeit zwischen Kurt Cobain (Sänger und Gitarrist von Nirvana) und Billie Eilish liegt darin, dass beide den Nerv einer Generation getroffen haben, wobei Cobain ein breiteres Publikum erreichte. Billie Eilish hat ihre größte Anhängerschaft bei Mädchen, die noch jünger sind als sie selbst. Ich habe Schülerinnen aus meinem Umfeld in dieser Altersklasse nach Billie Eilish befragt und sowohl positive als auch negative Reaktionen bekommen. Viele kennen ihre Musik und finden die Sängerin cool. Sie sei anders, sie sei sie selbst und kümmere sich nicht um die Meinung anderer. Die negativen Kommentare beschrieben Billie Eilish schlichtweg als gruselig.

An dieser Stelle muss ich Billie Eilish zugutehalten, dass sie mit den künstlichen Schönheitsidealen früherer Popstars tatsächlich wenig zu tun hat. Eine puppenhafte Perfektion ist ihre Sache nicht, was zu einer Entlastung bei jungen Frauen in Bezug auf deren optisches Selbstbild führen kann. Daraus erklärt sich auch ein Teil des Erfolges und die soziale Zusammensetzung der Fangemeinde, wobei die Inszenierung der Authentizität sicher auch einer Business-Strategie folgt. Selbst wenn der Begriff Authentizität zutreffen sollte, so ist Billie Eilish jedoch eines sicher nicht: natürlich. Ein Blick auf ihren Instagram Account genügt um das zu erkennen. Dies relativiert die beschriebene Entlastungsfunktion, da Billie Eilish letztlich ein unrealistisches Schönheitsideal gegen ein anderes unrealistisches Schönheitsideal austauscht. Abgesehen von der Optik gibt es bezüglich der Inhalte weitere Herausforderungen, was mich zurück zu Kurt Cobain bringt. Dieser sagte „I hate myself …“, bei Billie Eilish findet sich eine Steigerung dieses Ausrufs. Sie sagte über sich: „I really, really, really, really hate myself “. Die Überschneidung bei Cobains teen spirit und Billie Eilish Gesamtwerk liegt im Nihilismus. Es ist der vertonte Zeitgeist der Sinnlosigkeit und des Schmerzes der sich durch die Gehörgänge der Jugendlichen frisst. Ein authentischer, postmoderner Nihilismus für Postmillenials. Nihilismus ist die Überzeugung, dass es keine absoluten Wahrheiten und Werte gibt, was zur Sinnlosigkeit führt:

„Durch die gedankliche Orientierung am Nichts beinhaltet der Nihilismus einen absoluten Vorrang des Individuums, das allein seinen Trieben und Neigungen folgt und dem alles erlaubt ist. Wenn aber die nihilistische Weltsicht so weit geht, dass selbst das Individuum […] angezweifelt wird, verlieren auch diese Triebe und Neigungen jede Bedeutung.“ [1]

Zwischen Cobains Welterfolg und Tod lagen weniger als drei Jahre. Er war 24 Jahre alt als er berühmt wurde und 27 als er starb (Drogenabhängigkeit, Suizid). Mit Cobain als Vergleichspunkt befürchte ich, dass Billie Eilish innerhalb der nächsten drei Jahre sterben wird. Ihre Todessehnsucht ist allgegenwärtig („I wanna end me“). Wenn ein junger Mensch mit diesem Stil und diesen Inhalten so erfolgreich ist, wird es brandgefährlich! Die Horrorästhetik von dem Video zu bury a friend und das an den Film Der Exorzist angelehnte Albumcover sprechen die eindeutige Sprache der Düsterheit. Dazu kommt die (subtile) Erotik in den Texten und Videos, welche fleischliche Lust kanalisiert. Das Neue daran ist der Grad der Ausdehnung der Weltlichkeit in der Welt. Billie Eilish ist eine Mischung aus Justin Bieber und Marilyn Manson, welcher seinen Künstlernamen aus den Namen der Filmikone Marilyn Monroe und des Massenmörders Charles Manson bastelte und dabei die oberflächliche Popkultur mit den Abgründen des Menschenhasses kreuzte. Billie Eilish performt ähnliche Stilbrüche. Antonia Baum bringt es passend zum Ausdruck:

„Billie Eilish kombiniert auf sehr interessante Weise das Interesse an den eigenen Schmerzen der eher weiblich konnotierten Emo-Kultur mit der breitbeinigen f*** you attitude ihrer Lieblingsrapper. Für sich genommen, ist beides in seinen härtesten Ausprägungen unerträglich, aber in dieser Kombination ist es fantastisch, wie eine neue Geschichte. Sie zeigt, wie man mit Würde leiden kann, was naturgemäß insbesondere für junge Frauen interessant ist, deren Schmerzvarianten immer eng mit einem passiven Opferdasein verbunden sind. Das von Billie Eilish dargestellte Leid ist eben nicht das eines Opfers, sondern wird getragen wie das Top-Statussymbol im Hip-Hop, die Halskette (…).“ [2]

„Zahlreich werden die Schmerzen derer sein, die nicht den einzig wahren Gott anbeten.“

Ps 16,4

Die Schmerzen der Nihilistin Billie Eilish sind Folge ihres Götzendienstes. Sie hat die Herrlichkeit ihres Schöpfers eingetauscht gegen Nichtigkeit (Röm 1,23). Das Leben unter der Sonne – ohne Gott – ist ein Leben voller Nichtigkeiten (Pred 1,2). Ein Leben des Nichts, des Nichts-ismus, des Nihilismus. Die Gefahr von Billie Eilishs Kunst liegt in dem Kontakt mit der Dunkelheit. Die Musikerin kreiert eine dunkle audiovisuelle Kammer in der das Echo des Schmerzes klingt. In der Zuwendung zu dieser Musik füllen wir uns mit der Sinnlosigkeit und öffnen uns dem Schmerz, der sich aus dieser Sinnlosigkeit speist. Damit tun sich Kinder Gottes keinen Gefallen. Um deutlicher zu werden: Christinnen und Christen sollten sich die Musik von Billie Eilish nicht geben! Wir haben einen lebendigen Gott und eine lebendige Hoffnung, deswegen sollten wir nicht die Gottlosigkeit und die Hoffnungslosigkeit zelebrieren, welche Kennzeichen der Weltlichkeit sind. Als Kinder des Lichts sind wir dazu aufgerufen uns von der Welt fern zu halten (Eph 5, 8+11), denn – wie es Billie Eilish selbst sagt:

„The world is dark as f***.“

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Nihilismus (20.08.2019)

[2] https://www.zeit.de/2019/15/billie-eilish-saengerin-teenager-hip-hop-authentizitaet (14.08.2019)
Lars Reeh (Jg. 1986) ist Lehrer und geht in die BERG in Gießen. Er interessiert sich für die Überschneidungsfelder von Theologie und Kultur (besonders Apologetik und Pädagogik).
https://www.josia.org/2019/09/billie-eilish-die-ausdehnung-des-zeitgeistes-in-der-popkultur/

Newtons erfolglose Börsenspekulation

Auch Genies können sich irren! Ob das beruhigend ist oder nicht sei dahingestellt. Eindeutig fest steht allerdings, dass Verstand allein nicht vor Irrtümern schützen kann. Der massiv werbende Zeitgeist wirkt offensichtlich weit stärker als die nüchterne Analyse. Das sollte jeden Menschen mahnen wirklich skeptisch zu werden; ganz besonders bei Fragen, die zu einer gewissen Zeit „ganz unzweifelhaft sicher“ zu sein scheinen.

„Ich kann zwar die Bewegung der Himmelskörper berechnen, aber nicht wohin die verrückte Menge von Menschen einen Börsenkurs hintreiben kann“, schrieb Newton 1720 verzweifelt. Gut 20 000 Pfund hatte das Physik- Genie Newton beim sogenannten „Südsee-Schwindel“ verloren; eine für damalige Zeiten ganz erhebliche Summe.
Es lief wie so häufig in der Wirtschaftsgeschichte. Zu Beginn des 18.Jahrhunderts war die „South Sea Company“ der absolute Überflieger am britischen Börsenhimmel. Durch den geplanten Handel mit Sklaven und landwirtschaftlichen Gütern aus Südamerika versprach man renditeorientierten Anlegern unvorstellbare Gewinne.
1711 hatte die Gesellschaft zehn Millionen Pfund britischer Staatsschulden übernommen. Dafür erhielt sie sechs Prozent jährlich und das Monopol für Handelsgeschäfte mit den spanischen Kolonien in Südamerika. Einige Jahre später übernahm die „South Sea Company“ weitere 32 Millionen Pfund Staatsschulden, die sich durch den Krieg zwischen England und Spanien angehäuft hatten (1718-1720). Den Aktionären stellte man beachtliche Handelsvergünstigungen mit den spanischen Kolonien in Aussicht. Außerdem versprach man eine jährliche Rendite von unglaublichen 10%. Die Anleger waren begeistert. Der Wert der Aktien verzehnfachte sich innerhalb weniger Monate. Niemand schien es jetzt noch zu interessieren, dass die „South Sea Company“ bisher keinerlei realen Handel betrieben hatte. Durch den Erfolg des spekulativen Unternehmens motiviert gingen damals weitere seltsame Firmen an die Börse: Eine wollte Sonnenschein aus Gemüse gewinnen. Eine andere plante London mit Kohle aus dem Meer zu versorgen. Nur noch auf den prognostizierten Gewinn achtend waren die Anleger, bereit fast alles zu glauben.
Nachdem von erheblichen Zahlungsproblemen zu hören war begannen die Panikverkäufe. Im August 1720 platzte die Spekulationsblase schließlich ganz. Innerhalb kürzester Zeit verlor die Aktie 90% ihres Wertes. Einige wenige Spekulanten kassierten dabei groß ab. Der Großteil der gutgläubigen Anleger aber verlor alles investierte Kapital; unter ihnen auch Sir Isaac Newton. Viele Privatpersonen und Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. England schlitterte in eine mehrjährige Wirtschaftskrise. Dass man einige Verantwortliche des South- Sea- Desasters ins Gefängnis sperrte, drei Minister die Bestechungsgelder angenommen hatten, absetze und neue Aktienemissionen verbot, half in dieser Situation nur wenig.
Isaak Newtons schmerzliche Erfahrung mit dem Hype um die „South Sea Company“ fordert bis heute heraus, nicht jedem Mainstream nachzulaufen; nicht alles zu glauben, nur weil scheinbar alle „Spezialisten“ einer Meinung sind. Diese Erkenntnis gilt natürlich nicht nur für Wirtschaftsfragen, sondern ebenso für politische, ethische oder ganz alltägliche Überzeugungen des Zeitgeistes. Außerdem offenbart der Skandal um die „South Sea Company“ die großen Gefahren von Geldgier und Materialismus. Die Sucht nach mehr Besitz kann leicht den Blick für die Realität vernebeln und die wirklich wichtigen Fragen des Lebens vergessen machen.
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“
(Matthäus 16, 26) Michael Kotsch

Das gute alte Abendland

Heute erschien in der WELT ein erstklassiger Artikel von Dirk Schümer aus der der dreiteiligen Serie über “Was ist heute konservativ?“. Hier einige Auszüge:

Es gehört zu den vielen Missverständnissen der deutschen Geschichte, dass […] ausgerechnet die Nazis – nationale Sozialisten notabene – als konservativ gelten. Diese wollten nämlich nicht nur in Dutzende Länder einmarschieren, dort alles kaputt machen und Millionen armer Leute umbringen. Sie wollten – leider ebenfalls mit beträchtlichem Erfolg – auch in Deutschland die Verhältnisse mit neuen Methoden auf den Kopf stellen. Sie lobten den Bombenkrieg, denn sie wollten die Altstädte eh auf den Kopf stellen. Sie zogen die Kasernierung dem Familienleben vor; sie führten den Muttertag und den Maifeiertag ein; sie schickten Frauen in die Produktion und Kinder in den Krieg und hatten – neben jedweder Kriegstechnik – ein schweres Faible für Funk, Film, Fernsehen, Raumfahrt. Kein Wunder, dass der selbst ernannte Sozialist Hitler ganz am Ende wissen ließ, er betrachte eigentlich nur Stalin als ebenbürtiges Genie.

Die Nazis waren eben gar nicht konservativ, sie waren diabolische Modernisierer. Wer diese Tatsache mit skeptischem Konservativismus im Hinterkopf behält, der kann über die progressive Nazikeule von heute nur den Kopf schütteln. Grenzen kontrollieren ist Nazipolitik? Nein, die Nazis wollten ein blutiges Europa ohne Grenzkontrollen bis zum Ural. Gesinnungsethik und Helfermoral stehen über dem Gesetzbuch? Auch vor 80 Jahren schon stellten vermeintliche Idealisten ihre Gesinnung und Privatmoral über den peniblen Rechtsstaat, den sie als überkommene Folklore verächtlich machten und beugten, wo sie konnten. Wen sie aus der Gesellschaft ausstießen, auf den gingen sie mit Saalschlachten und Boykott los: kein Bier für Juden! Und sie waren, nebenbei gesagt, äußerst proislamisch und mörderisch kritisch gegenüber dem Zionismus.

Die Welt, Freitag, 29. Juli 2019, S. 2
https://derconrad.wordpress.com/2019/07/19/das-gute-alte-abendland/

Facebook stuft Augustinus als Hassredner ein

Der katholische Journalist Domenico Bettinelli berichtet über merkwürdige Löschaktionen bei Facebook. Das soziale Netzwerk hat wiederholt ein Zitat von dem Kirchenvater Augustinus blockiert. Es handelte sich nicht um  irgendein „Feuer und Schwefel“-Zitat wie: „Sünder kommen in die Hölle!“, sondern im Gegenteil um einen Text, der zur Selbstkritik aufruft. Hier der besagte Augustinus-Text in einer Übersetzung. 

Lasst uns nie davon ausgehen, dass wir, wenn wir ein gutes Leben führen, ohne Sünde sein werden; unser Leben sollte nur dann gerühmt werden, wenn wir weiterhin um Vergebung bitten. Denn die Menschen sind hoffnungslose Geschöpfe; je weniger sie sich um ihre eigenen Sünden kümmern, desto mehr interessieren sie sich für die Sünden anderer. Sie versuchen zu kritisieren, nicht zu korrigieren. Selbst unfähig, zu vergeben, sind sie bereit, andere zu beschuldigen.

Facebook hat das Zitat mehrfach mit der Begründung gebannt, es handele sich um eine Hassrede (engl. hate speech), die wie folgt definiert wird:

Wir definieren Hassreden als einen direkten Angriff auf Menschen auf der Grundlage dessen, was wir als geschützte Merkmale bezeichnen – Rasse, Ethnie, nationale Herkunft, Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung, Kaste, Geschlecht, Gender, Geschlechtsidentität und schwere Krankheiten oder Behinderungen. Wir gewährleisten auch mehrere Schutzmaßnahmen für den Einwanderungsstatus. Wir definieren Angriff als gewalttätige oder entmenschlichende Rede, Aussagen über Unterlegenheit oder Aufrufe zur Ausgrenzung oder Segregation. Wir trennen Angriffe in drei Schweregrade, wie unten beschrieben.

Es ist ganz offensichtlich, dass Facebook in diesem Fall nicht vor einer Aufforderung zum Hass oder zur Gewalt schützt, sondern das Recht auf die freie Rede völlig unbegründet beschneidet. Es fällt nicht schwer, sich auszumahlen, wohin das führen kann. Hier die gesamte Geschichte: www.bettnet.com.
https://theoblog.de/facebook-hat-augustinus-als-hassredner-eingestuft-und-verbannt/33798/?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+theoblogde+%28TheoBlog.de%29

Zeige mir dein Tattoo….

Zeige mir dein Tattoo und ich sage dir, wer du bist (keine Verurteilung)Michael Freiburghaus·Montag, 8. Juli 2019–> Hörpredigt auf: www.chelegmeind.ch/predigten

Predigt in Dürrenäsch am 07.07.2019
Predigttext: „Er [= Jesus] ist das Bild des unsichtbaren Gottes.“[1]Einleitung: Persönlicher Bezug
Im Jahr 2008 machte ich ein Praktikum für zwei Monate bei der Heilsarmee in Rom, um Italienisch zu lernen und die ganze Stadt zu erkunden. Mein Bruder besuchte mich einmal und wir fuhren mit der Metro zu einer Sehenswürdigkeit. Plötzlich hob er sein T-Shirt und zeigte mir sein erstes Tattoo an seinem Bauch! Ich hätte das nie von ihm gedacht. Mein Bruder ist Laptop-Sales-Manager. Mittlerweile hat auch meine Schwester, die Ärztin ist, eine Tätowierung. Tattoos sind also in der Mitte der Gesellschaft angekommen und kein Randphänomen mehr.[2] Statistiken zeigen, dass die Hälfte aller Frauen zwischen 25 und 34 Jahren in Deutschland[3] und der Schweiz[4] tätowiert sind. Im Sommer sieht man wieder mehr Tattoos.1. Die Bedeutung einiger beliebter Tattoo-Motive
Mir ist aufgefallen, dass es einige Tattoomotive gibt, die eher Frauen ansprechen und andere, die eher Männer faszinieren. Natürlich ist jedes Symbol mehrdeutig, aber es geht mir hier um das grosse Ganze.[5]1.1 Weibliche Motive: Flügel/Engel/Vögel/Schmetterling/Feen/Elfen
Viele Frauen lassen sich Tattoos mit Flügeln tätowieren, auch Frauen in unserer Kirchgemeinde. Beflügelte Tattoos sind beispielsweise Motive eines oder zweier Flügel, Engel oder Feenwesen mit Flügeln, Vögel oder Schmetterlinge. Fliegen zu können ist ein Zeichen von Freiheit. Flügel symbolisieren auch Leichtigkeit. Eine Raupe verpuppt sich und wird dann zum Schmetterling, der fliegen kann. Ein Schmetterling steht für das Wachstum, Transformation, für einen Prozess, Veränderung (Metamorphose), Erneuerung. Der Schmetterling ist auch ein Zeichen der Auferstehung von Jesus Christus.1.2 Männliche Motive: Tod/Sensenmann/Totenkopf/Teufel/Dämon/Hölle
Eher männliche Motive sind der Tod, ein Totenkopf[6], der Sensenmann, der Teufel, Dämonen oder die Hölle. Viele Männer interessieren sich für den richtigen Weg, den sie im Leben einschlagen wollen. Für die Frage nach Gut und Böse. Wenn man Konfirmanden heutzutage ihren Konfirmationsspruch selber aussuchen lässt, dann wählen sie oftmals folgenden Satz: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten!“[7] Das beschäftigt also bereits Teenager.1.3 Tattoos, die Frauen und Männer mögen
Es gibt auch viele Tattoos, die sowohl Frauen als auch Männer ansprechen, wie z.B. Muster, sogenannte Tribals. Beliebt sind auch die Namen oder Initialen der Kinder oder Symbole wie z.B. Sternchen für die Anzahl der Kinder.[8]1.4 Persönliche Favoriten
Aus unterschiedlichen Gründen habe ich keine Tätowierung. Vielleicht bin ich einfach eine Memme, weil ich die Schmerzen nicht ertragen will 😊 Zwei Tattoomotive interessieren mich jedoch: Auf dem Rücken mit fetten Buchstaben das Wort BEHEMOT, das ist das Tier aus der Bibel, im Buch Hiob, ein Nilpferd oder ein Dinosaurier.[9] Dann auf dem rechten Oberarm mein Familienwappen: Eine Frei-Burg-Haus mit zwei Sternen und dem Mond.

2. Jesus ist Gottes Tattoo und deswegen die Antwort auf unsere Lebensfragen
In der Bibel gibt es einen kurzen, aber inhaltsschweren Satz des Apostels Paulus an die Kolosser: „Er [= Jesus] ist das Bild des unsichtbaren Gottes.“[10] Jesus ist Gottes Tattoo, Gottes Abbild. Gott ist unsichtbar, aber in seinem Sohn Jesus wird er für uns sichtbar. „Denn es gefiel der ganzen Fülle [Gottes], in ihm [= Jesus] zu wohnen.“[11] Jesus ist ganz Mensch und ganz Gott gleichzeitig. Jesus hat für uns gelitten und ist für uns auferstanden, weil er uns liebt. Dies hat viele unterschiedliche Auswirkungen, eine davon ist die Versöhnung mit Gott und Menschen: „…[es gefiel der ganzen Fülle Gottes,, durch ihn [= Jesus] alles mit sich zu versöhnen – indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes – durch ihn, sei es, was auf der Erde oder was in den Himmeln ist.“[12] Jesus versöhnt uns nicht nur mit Gott, sondern auch mit anderen Menschen: Stichworte Nächstenliebe, Feindesliebe und Vergebungsbereitschaft. Der Glaube an Jesus ist Seelsorge, weil Jesus sich um unsere Seele sorgt. Teilweise habe ich den Eindruck, dass Tattoos eine Form der Selbst-Seelsorge sind, weil man sich bewusst Zeit nimmt, um körperlichen Schmerz zu erleiden, weil man in der Vergangenheit einen seelischen oder geistlichen Schmerz wie z.B. eine Krankheit[13], den Zerbruch einer Beziehung oder den Verlust eines geliebten Menschen[14] ertragen musste.[15] Selber habe ich ja keine Tätowierung, aber ich frage mich, ob das Krafttraining, das viele andere und ich regelmässig betreiben, nicht auch eine Art Selbstkasteiung („Selbstbestrafung“) ist wie das Stechen von Tattoos.[16] Jesus hat die Schmerzen am Kreuz nicht erduldet, weil er Freude daran gehabt hätte, sondern um uns zu erlösen von unseren Sünden. Ebenso, um uns von uns zu erlösen und von unserem Wunsch nach Selbsterlösung. Weil Jesus von den Toten auferstanden ist und jetzt lebt, ist er die Antwort auf unsere grossen Lebensfragen. Drei greife ich heraus: Die Frage nach unserer Freiheit, unserer Hoffnung und die Frage nach dem richtigen Weg.2.1 Jesus befreit uns und stillt unsere Sehnsucht nach Freiheit
A) Jesus befreit uns!
Die Tattoomotive der Flügel stellt uns zuerst die Frage nach unserer Freiheit. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“[17] lautet die Antwort der Bibel. Jesus befreit uns. Es kann gut sein, dass Frauen sich Freiheit wünschen und sich deswegen auch Flügel tätowieren, weil sie sich vom oftmals eintönigen und anstrengenden Alltag als Hausfrau und Mutter Freiheit wünschen. Wenn Mütter in ihre Kinder Liebe, Kraft, Zeit, Geld und Herzblut investieren, dann ist dies niemals vergebens. Kinder sind die Zukunft eines Landes. „Die Hand, die die Wiege bewegt, bewegt die Welt“, lautet ein treffendes Sprichwort. Die Hand der Mutter, die die Kinder erzieht, wird grosse Auswirkungen haben, weil ihre Kinder das Verhalten der Mutter oftmals kopieren und so an andere Menschen weitergeben werden. Deswegen ist die Erziehung von Kindern ein grosser und wertvoller Dienst im Reich Gottes.[18]B) Jesus schenkt uns Hoffnung auf die Ewigkeit bei Gott!
Das Tattoomotiv des Schmetterlings stellt uns zweitens die Frage nach unserer Hoffnung über den Tod hinaus: Jesus hat den Tod besiegt durch seine Auferstehung an Ostern. Er schenkt uns Hoffnung und Trost, auch wenn wir geliebte Menschen früh verlieren.2.2 Jesus führt uns auf dem Weg des Lebens!
Jesus beantwortet auch die Frage, die vielen Männern unter den Nägeln brennt: Wie können wir im Dschungel des Lebens den richtigen Weg wählen? An allen Versuchungen und Anfechtungen vorbei? Jesus selbst ist der Weg, der zurück zu Gott führt. Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“[19] Wenn wir an Jesus glauben und ihm unser Leben widmen, dann können wir gewiss sein, dass Gott uns führt und leitetet und dass das Versprechen aus Psalm 16 auch uns gilt: „Du [= Gott] wirst mir kundtun den Weg des Lebens; Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten in deiner Rechten [= Hand] immerdar.“[20] Christina und ich haben einmal in Basel Traktate (christliche Schriften) verteilt und einem stämmigen Mann mit Tattoos eine Bibelkarte geschenkt mit diesem Bibelvers darauf. Er war wie ein Wikinger gekleidet und war wohl auf dem Weg zu einem Konzert. Zuerst wehrte er ab, indem er sagte, dass er heidnischer Wikinger sei. Doch dann las er den Bibelvers und sagte: „Freude ist immer gut. Und zudem sind die Wikinger ja auch Christen geworden.“ Er steckte die Karte ein und ein Lächeln zog über sein Gesicht.2.3 Jesus schenkt uns unsere Identität und unseren Wert
Wenn wir an Jesus glauben, dann wohnt der Heilige Geist in uns. Der Körper wird zum „Tempel des Heiligen Geistes.“[21] Warum? „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“[22] Dank Jesus lernen wir, unseren Körper so anzunehmen, wie er ist, egal ob mit oder ohne Tätowierungen. Falls wir uns Tattoos haben stechen lassen – quasi als Jugendsünde–, die Jesus beleidigen oder gegen ihn rebellieren, dann können wir Jesus darum bitten, uns zu vergeben. Jesus verurteilt uns nicht, sondern er ringt darum, dass wir die Vergebung unserer Sünden annehmen, unsere Identität in ihm finden und so unser ganzes Potential entfalten. Ich habe schon Berichte gehört, dass bei Erwachsenen, die sich taufen liessen, die negativen Tattoos weggewaschen wurden.Schluss: Gott wird uns tätowieren, indem er uns einen neuen Namen (Identität) gibt
In der Bibel steht auch, dass Gott uns im Himmel seinem Namen eintätowieren wird: „Wer überwindet, den werde ich im Tempel meines Gottes zu einer Säule machen, und er wird nie mehr hinausgehen; und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt von meinem Gott, und meinen neuen Namen.“[23] Der Name steht in der Bibel für die Identität, für unser innerstes Wesen, den Kern unserer Persönlichkeit. Mit unserer neuen Identität in Jesus müssen wir aber nicht warten, bis wir im Himmel sind, sondern sie beginnt jetzt schon, wenn wir es zulassen, dass Jesus an uns wirkt und unseren Charakter gemäss der Bibel und seines Heiligen Geistes formen darf. „Er [= Jesus]ist das Bild [= Tattoo] des unsichtbaren Gottes.“[24] Amen.Anmerkung: Gefahren der Tätowierungen
Im Alten Testament spricht Gott: „Und einen Einschnitt wegen eines Toten sollt ihr an eurem Fleisch nicht machen; und geätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin der HERR.“[25]In dieser Predigt ging es mir jedoch nicht um die Frage: Tattoos ja oder nein. Sondern um die Bedeutung einiger häufiger Tattoomotive und eine biblische Antwort darauf. Es gibt einige theologische[26] und gesundheitliche[27] Aspekte, die gegen das Stechen von Tattoos sprechen.[28]Fragen zum Nachdenken und Diskutieren
A) Welches Tattoomotiv interessiert dich am meisten? Warum hast du eine Tätowierung machen lassen oder eben nicht? Was bedeutet dir das Motiv/Symbol?
B) Jesus ist Gottes Tätowierung. Er wirkt in unserem Leben. In welchen Bereichen deines Lebens brauchst du Seelsorge? Wo sehnst du dich nach Versöhnung? Wo kannst du den ersten Schritt machen? „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“[29] Gott der Heilige Geist wohnt in Christusgläubigen und befähigt uns zum Dienst am Nächsten.Fussnoten
[1] Kolosserbrief 1,15a.
[2] „Die zunehmende Verbreitung von Tattoos seit den 70er Jahren hat dazu geführt, dass sich Tattoos heutzutage in allen Gesellschaftsschichten finden lassen. So hat 2014 eine Studie in Deutschland ergeben, dass rund neun Prozent der Bevölkerung Tätowierungen tragen, wobei sich kein Zusammenhang mit dem Bildungsniveau feststellen lässt“, Michael Goldberg, Glaube, der unter die Haut geht: Eine qualitative Untersuchung religiöser Expressivität bei Trägerinnen und Trägern von Tattoos mit christlicher Symbolik, Bachelorarbeit an der Universität Zürich, 06.03.2017.
[3] Wikipediaartikel Tätowierung, abgerufen am 05.07.2019.
[4] Melissa Müller, Jeder fünfte Schweizer ist tätowiert – Doch eine Kehrtwende zeichnet sich ab, Aargauer Zeitung, 12.01.2019.
[5] Vgl. Vera Rüttimann, Gott auf nackter Haut – Religiöse Tattoo-Motive sind beliebt, kath.ch, 26.09.2018.
[6] „Totenköpfe sieht man ebenfalls sehr oft. ‚Ein Totenschädel auf dem Oberarm kann ein Zeichen für Gewaltbereitschaft sein, aber auch an die Endlichkeit des Lebens gemahnen und daran erinnern, sein Leben nicht untätig zu verschwenden‘, sagt Psychologe Erich Kasten“, Müller, tätowiert, AZ.
[7] Römerbrief 12,21.
[8] oder die Anzahl der Kinder, die man gerne gehabt hätte.
[9]https://www.derbibelvertrauen.de/der-bibel-vertrauen/bibellesen-aber-wie/289-bibel-lesen-und-die-welt-verstehen/1162-045-hiob-und-der-behemot.html
[10] Kolosserbrief 1,15a.
[11] Kolosserbrief 1,19.
[12] Kolosserbrief 1,20.
[13] „Tätowierungen können nach den Erkenntnissen des Theologen aber auch dabei helfen, nicht nur Angst, sondern auch Leid und Unrecht zu bewältigen. So werden damit häufig Gewalterfahrungen, psychische oder seelische Verletzungen kompensiert. ‚Die betroffene Person holt sich durch eine Tätowierung die Macht über den eigenen Körper, der vorher missbraucht wurde, wieder zurück und verarbeitet dadurch diese Unrechtserfahrung.‘ Zudem stehen Tätowierungen laut Dzambo oft im Zusammenhang mit Krankheiten, die den Menschen in eine Ohnmacht drängen und am Aufstehen hindern. Das Stechen mit dem brennenden Schmerz gebe den Betroffenen das Gefühl: ‚Hier bin ich derjenige, der aktiv Macht über meinen Körper ausübt. Und so hole ich mir die Handlungsfähigkeit in irgendeiner Form wieder‘“, Melanie Pies, Glaube, der unter die Haut geht, katholisch.de, 25.03.2016.
[14] „Michael Goldberg analysierte in seiner Masterarbeit «Glaube, der unter die Haut geht» für die Universität Luzern aus dem Jahr 2017 ebenfalls die Beweggründe, warum sich Leute tätowieren lassen. Er fand heraus: Das Tattoo erinnert Menschen an besonders einschneidende Ereignisse in ihrer Lebensgeschichte wie Tod eines Angehörigen, Geburt eines Kindes oder Heirat. Die Körperbemalung kann auch für die Überwindung von Krisen stehen“, Rüttimann, Tattoo-Motive, kath.ch.
[15] „Nicht selten würden Frustrationen mit einer schönen Tätowierung kompensiert“, Müller, tätowiert, AZ.
[16] „Psychologen sehen das Phänomen auch als Teil des Körperkults, den viele mit fast religiösem Eifer betreiben. Mit Ernährung, Fitness und eben auch Tattoos modelliert und schmückt man seinen Körper. Und man ist froh, in Zeiten des Umbruchs und der Ungewissheit wenigstens in diesem Lebensbereich alles unter Kontrolle zu haben“, Müller, tätowiert, AZ.
[17] Galaterbrief 5,1a in der Lutherübersetzung.
[18] In der Bibel gibt es nicht nur die leibliche Elternschaft, sondern auch die geistliche Elternschaft, wenn jemand für andere Menschen Verantwortung übernimmt.
[19] Johannesevangelium 14,6.
[20] Psalm 16,11.
[21] 1.Korintherbrief 6,19.
[22] Kolosserbrief 1,27b.
[23] Offenbarung 3,12.
[24] Kolosserbrief 1,15a.
[25] 3. Mose 19,28.
[26] Vgl. John Piper, 6 Reasons to Skip Tattoos, desiringgod.org, 20.12.2013; Hans-Werner Deppe, Christ und Tattoos – Passt das zusammen?, betanien.de, 11.06.2018.
[27] Vgl. Tattoos können gefährlich sein, NZZ, 26.03.2015.
[28]Eine treffende Zusammenfassung der Geschichte der Tätowierungen bietet Martin Helg, NZZ am Sonntag, https://nzzas.nzz.ch/gesellschaft/warum-wir-uns-mit-taetowierung-freiwillig-fuers-leben-zeichnen-ld.1401002, 07.07.2019, abgerufen am 05.07.2019.
[29] Kolosserbrief 1,27b.