Eine kurze Theologie des Gesichts (und der Masken)

Eine kurze Theologie des Gesichts (und der Masken)

Seit eineinhalb Jahren tragen wir im öffentlichen Leben häufig Gesichtsmasken. Nun, im Sommer, wurden die Vorschriften in vielen Staaten zwar gelockert, aber in Deutschland wie in Litauen werden wir wohl auch in den warmen Monaten vor allem in Geschäften Masken tragen müssen. Und beim Singen in Gottesdiensten sind sie – je nach Bundesland – meist immer noch Vorschrift (Stand Juli). Viele sehen in den Masken nur ein Stück Stoff vor Mund und Nase – sollten wir zu dieser geringen Einschränkung unserer Freiheit nicht gerne bereit sein, um Menschenleben zu bewahren? Muss man sich nicht ans Tragen von Masken gewöhnen wie an das Händewaschen?

Zu Masken kann man unterschiedliche Meinungen haben, und dennoch sind sie kein theologisch neutrales Thema. Denn wir bedecken damit schließlich nicht unsere Beine oder Ellbogen, sondern weite Teile des Gesichts – und vom Gesicht oder Antlitz ist in der Bibel überraschend oft die Rede. Es hat eine in vielerlei Hinsicht besondere Bedeutung.

Gott selbst hat keinen Körper aus Fleisch und Blut wie wir Menschen; schließlich ist er kein geschaffenes Wesen. Wenn in der Bibel von seinen Händen oder Augen gesprochen wird (s. z.B. 2 Mose 15,6ff), so ist dies daher auf der einen Seite nicht in falscher Weise wörtlich zu verstehen. Mit solchen und ähnlichen Ausdrücken soll uns Gottes Handeln verständlich gemacht werden. Gott ist schließlich ein Geistwesen (Joh 4,24), der Unsichtbare (Kol 1,15). Aber dies meint andererseits nicht, dass Gott in keinerlei Hinsicht sichtbar wäre bzw. sein wird. Gott hat eine Gestalt, aber wegen der Sünde können wir sie, also Gott selbst, nicht direkt sehen. Noch „sehen wir alles nur wie in einem Spiegel“, so Paulus, doch in der Ewigkeit „werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen“ (1 Kor 13,12). Wenn die Menschen bei Gott „wohnen“ werden (Off 21,3), gibt es sicher etwas zu sehen! (Es war aber auch unter den Theologen der Reformationszeit umstritten, was genau von Gott dann sichtbar sein wird.)

Es ist kein Zufall, dass bei Paulus vom Gesicht oder Antlitz Gottes die Rede ist. Mose redete mit Gott selbst, kam ihm so nah wie wohl kein anderer irdischer Mensch. Er wollte aber auch noch die „Herrlichkeit“ Gottes direkt sehen (2. Mose 33,18), was Gott dem Sünder jedoch verwehren musste: „Mein Gesicht darf niemand sehen“ (33,20; NGÜ). Gott bekräftigt also selbst, dass er so etwas wie ein Gesicht hat, und gerade in diesem zeigt sich seine Herrlichkeit, sein vollkommen heiliges Wesen.

Nach dem Sündenfall versteckten sich die ersten Menschen vor dem „Angesicht Gottes“ oder seiner „Gegenwart“; in vielen Übersetzungen von 1. Mose 3,8 heißt es auch einfach „vor dem HERRN“ oder „vor ihm“. Denn das Gesicht Gottes repräsentiert die Person Gottes selbst. Daher ist das verborgene Antlitz Gottes ein Zeichen des Gerichts (Hiob 13,24), lässt den Menschen erschrecken (Ps 30,8) und flehentlich rufen: „Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?“ (Ps 13,1). Umgekehrt ist es Ausdruck von Gnade, wenn Gott uns sein Antlitz zuwendet oder und leuchten lässt (Ps 80,20; 4. Mose 6,25). Der Gläubige sucht Gottes Angesicht, d.h. seine Gegenwart und Gemeinschaft (Ps 27,8; 105,4).

In erster Linie ist das Gesicht Repräsentant einer Person, steht für das Ganze des Individuums. Das gilt für Gott wie für den Menschen, der nach dem Bildnis Gottes geschaffen wurde. Nicht zufällig bliess Gott den Lebensatem dem ersten Menschen in die Nase, also ins Gesicht (1. Mose 2,7). Wir sind Personen wie Gott, der eine dreieinige Person ist. Gott hat uns mit Gesichtern gemacht, damit wir unser Menschsein (z.B. Gefühle und Stimmungen) ausdrücken und miteinander kommunizieren können. Schließlich sind wir wie Gott mitteilende und liebende Wesen. Ein wahrhaft menschliches Zusammenleben ohne das Sehen von Gesichtern, ohne den Austausch zwischen Gesichtern ist kaum möglich. Gesichter sind der wichtigste Spiegel unserer Seele.

Übrigens sagte der aus Litauen stammende französische Philosoph Emmanuel Levinas (1906–1995), dass das Gesicht des Anderen uns gleichsam schweigend sagt: „Du wirst nicht töten.“ Ein sehr tiefsinninger, aber gleichzeitig auch unschwer zu verstehender Gedanke. Man denke nur an das Phänomen der Abtreibung: man hat sich allseits, selbst in den Kirchen, daran gewöhnt, denn niemand muss dien getöteten Kindern in das Gesicht sehen (erste Gesichtszüge sind ab der sechsten Schwangerschaftswoche zu erkennen).

Wie wichtig das menschliche Gesicht ist, zeigt auch 2. Mose 34,29ff. Mose kehrt von der Gottesbegegnung zurück und erschreckt die Israeliten mit einem strahlenden oder glänzenden Gesicht. Die Herrlichkeit von Gottes Antlitz – wenn auch für Mose nicht völlig sichtbar – strahlte auf sein menschliches Gesicht über, nicht auf Hände, Füße oder Brust. Denn im Gesicht verdichtet sich gleichsam das Ebenbild Gottes im Menschen. Das Gesicht sind wir selbst, weshalb sich in Ausweisen ein Gesichtsabbild befindet. Das Gesicht hat geradezu etwas Heiliges, weshalb das Schlagen ins Gesicht traditionell als entehrend und demütigend gilt (s. Joh 19,3). Und aus diesen Gründen untersagte Kaiser Konstantin nach seiner Hinwendung zum christlichen Glauben die Verstümmelung des Gesichts als Strafe oder in der Folter. Wie wichtig das Gesicht in unserer Kultur ist, zeigen bis heute Redewendungen wie „sein wahres Gesicht zeigen“ oder „sein Gesicht verlieren“.

Gott ist zwar bisher weitgehend unsichtbar, aber er zeigte gleichsam sein wahres Gesicht in der Person Jesu. Der Sohn Gottes ist das „vollkommene Abbild von Gottes Herrlichkeit“ (Hbr 1,3). Obwohl auch Mensch, wohnt in ihm „die ganze Fülle“ des göttlichen Wesens (Kol 1,19). Paulus schreibt in 2 Kor 4,6, dass wir „in dem Angesicht Jesu Christi“, d.h. in seiner Person die „Herrlichkeit Gottes“ erkennen.

Im dritten Kapitel dieses Briefes stellt der Apostel die Überlegenheit des neues Bundes gegenüber dem alten dar. Er greift dabei als bildlichen Vergleich das verdeckte Gesicht des Mose aus 2. Mose 34 auf: Menschen, die an Jesus glauben, ist gleichsam der Schleier vor Augen, die Decke vor dem Gesicht genommen – sie erkennen Gottes Herrlichkeit und die Wahrheit des Evangeliums. Was einst nur das Privileg des Mose war – Gott ganz nahe sein, so dass dessen Herrlichkeit abstrahlt –, genießen nun alle Christen (s. Eph 2,13). Sie leuchten sogar heller, als Moses es tat, denn vom neuen Bund und Christus strahlt noch mehr Herrlichkeit als vom alten (s. 2 Kor 3,9–11); auch in den Herzen der Gläubigen scheint es hell (2 Kor 4,6). Daher kommt Paulus zu dem Schluß: „Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider“ (2 Kor 3,18).

Gott ist  Licht und wohnt im Licht (Ps 27,1; 1 Tim 6,16); Jesus ist das Licht der Welt, das in der Finsternis scheint (Joh 8,12; 1,5); und auch die Christen sind Licht, das leuchten soll (Mt 5,14.16). Gott lässt sein Antlitz über uns leuchten; bei der Verklärung begann Jesu „Gesicht zu leuchten wie die Sonne“ (Joh 17,2); und auch das Angesicht der Christen ist ein heller Schein. Christen sind daher nicht nur ein „Wohlgeruch“ (2 Kor 2,15), nicht nur „Botschafter“ (2 Kor 5,20) oder „Brief“ Christi (2 Kor 3,3), sondern auch gleichsam das leuchtende Gesicht Gottes für die Welt.

Natürlich spricht Paulus hier in Bildern. Die Gesichter von Christen leuchten nicht physisch, und ein Dauerlächeln o.ä. ist auch nicht damit gemeint. Wir können aber sagen, dass die Gemeinde gleichsam das Gesicht Christi ist. In jedem Mitmenschen erkennen wir das Ebenbild Gottes; in den „geringsten Brüdern“ (Mt 25,40), Glaubensgeschwistern, sehen wir Jesus – wenn auch noch nicht sinnlich/physisch. In Zukunft wird aber genau dies passieren: Wir werden Jesus sehen – „so wie er wirklich ist“ (1 Joh 3,2), mit einem menschlichen Gesicht. Zu oft vergessen Christen dabei, dass Jesus nun in Ewigkeit Gott und Mensch ist. Er besitzt zwar einen verwandelten Körper, aber immer noch eine menschliche Gestalt. Bei der Himmelfahrt verwandelte er sich nicht in einen reinen Gott. Gläubige werden also dereinst tatsächlich das Gesicht Gottes sehen, das Gesicht des Gottmenschen Jesus.

Das „perfekte Zeichen gelebter Nächstenliebe“?

Was bedeutet all das nun in der aktuellen Coronazeit? Vorweg sei betont, dass es aus biblischer Sicht natürlich kein allgemeines Maskenverbot gibt. Zum Schutz der eigenen Person oder anderer Menschen werden Gesichtsmasken ja schon lange vor allem in der Arbeitswelt eingesetzt. Aber dort trägt man sie eben nur dann, wenn es wirklich nötig ist, denn Masken stören einfach. Anders als Hut oder Mütze behindern Masken die Atmung und das Sprechen. Sie erschweren außerdem die Erkennbarkeit von Menschen deutlich (was schließlich der Grund für das sog. „Vermummungsverbot“ war), schränken die Kommunikation ein. Masken sind daher ein gravierender, auf keinen Fall zu bagatellisierender Eingriff in die menschliche Persönlichkeit. Der Einsatz von Masken ist für Schutz und Hygiene natürlich nicht pauschal zu verwerfen, muss aber gut begründet werden.

Mit dieser Begründung hapert’s nun aber ordentlich. Oder anders gesagt: zwischen der Strenge der aktuellen Vorschriften und dem Nutzen der Masken besteht ein Missverhältnis. Allein schon der Vergleich von Staaten mit strengen Maskenverordnungen und denen ohne (z.B. Schweden) zeigt, dass Masken – wenn überhaupt – nur einen sehr begrenzten Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben. (Auch die in der Pandemie teilweise sehr unterschiedliche Praxis der US-Bundesstaaten bestätigt dies.) Eine wichtige dänische Studie vom November 2020 zeigt, dass es nur einen eher schwachen Schutzeffekt von Masken in Innenräumen gibt. Dass Masken die großen Lebensretter seien, ist wissenschaftlich schlicht und einfach nicht belegt.

Hinzu kommen gesundheitliche Beeinträchtigungen und Schäden durch längeres Maskentragen. Eine im April des Jahres veröffentliche Sammelstudie (Kai Kisielinski et al.; hier ein ausführliches Interview mit Kisielinski in deutscher Sprache) weist auf mitunter gravierende Nebenwirkungen hin. Das Tragen von Masken ist also keineswegs völlig risikofrei. Außerdem ist zu bedenken, dass es Alternativen gäbe. Der angesehene Hygieniker Prof. Klaus-Dieter Zastrow (übrigens gar kein Maskengegner) plädiert schon lange für eine regelmäßige Mund- und Rachendesinfektion, um die Virenlast deutlich zu reduzieren. Leider wurde seine einfache Idee von der Politik konsequent ignoriert.

Es spricht aus wissenschaftlicher Sicht also eigentlich so gut wie nichts dafür, dass man sich allgemein an die Maske wie an andere Hygienestandards gewöhnen müsste. Aber sollte man nicht, so wenden manche ein, alles tun, um auch nur ein Menschenleben zu retten? Also lieber möglichst immer die Maske aufsetzen, um nur ja niemanden zu gefährden? Im Zweifel immer für die Maske? Dies ist jedoch ein ethisch fragwürdiges Argument. Denn wir tun im Alltag nie „alles“, um andere Leben zu schützen. Wäre dies der normative Grundsatz, dürfte sich z.B. niemand mehr ans Steuer eines Autos setzen, denn von jedem fahrenden Automobil geht eine potentielle Todesgefahr aus. Im Einzelfall kann es wie etwa in Pflegeeinrichtungen geboten sein, Masken als Vorsichtmaßnahme zu tragen. Als Grundlage für allgemeine Gebote oder Verbote ist der Grundsatz „wir-müssen-alles-tun“ wenig praktikabel, ja im Grunde unsinnig.

Wir haben also auf der einen Waagschale einen recht begrenzten Nutzen und auf der anderen durchaus bestehende gesundheitliche Risiken. Hinzu kommen dort außerdem auf Grund des oben Gesagten gewichtige theologische Argumente: Das Gesicht will gesehen werden, sichtbar sein. Wir sind von Gott dazu geschaffen, das Angesicht wann immer möglich nicht zu verhüllen. Das Schauen „von Angesicht zu Angesicht“ ist auch unter Menschen das Ideal, eben nicht maximaler Schutz. Und wenn nichts anderes als die ewige Seligkeit mit diesem Begriff umschrieben wird, dann kann lange, dauerhafte Gesichtsbedeckung in Abwehr eines nur mäßig gefährlichen Erregers keine Option sein. Das Angesicht ist nur zu bedecken, wenn es wirklich nötig und von der Situation gefordert ist. Über diese Notwendigkeit und die genaue Dauer kann und muss im Einzelfall natürlich diskutiert werden.

Das unverhüllte, offene Gesicht hat für Christen eine ungeheure Symbolkraft. Es steht für personale Gemeinschaft mit Gott und Menschen. Von Angesicht zu Angesicht das Gesicht Christi erkennen, die Gnade des leuchtenden Antlitzes Gottes erfahren und selbst das strahlende Gesicht Gottes der Welt darstellen – all dies will nicht zu einer Normalität des verhüllten menschlichen Gesichts passen. In der Gemeinde sollte die Kommunikation von Offenheit, Klarheit und Direktheit gekennzeichnet sein; in ihr darf kein Platz für Lüge, Nachrede und Heuchelei sein, ist Verstecken, Verstellen und Verbergen zu meiden – dauerhaftes Tragen von Masken passt auch zu dieser Praxis nicht. Der Preis des sich Gewöhnens an Masken z.B. in Gottesdiensten wäre also hoch, zu hoch.

Christen sind daher aufgefordert, nach Möglichkeiten zu suchen, auf Masken möglichst bald zu verzichten. Sie sollten die rechtlichen Spielräume innerhalb der staatlichen Vorgaben ausschöpfen. Masken sind ein notwendiges Übel, kein an sich zu schätzendes Gut. Es ist kein Zufall, dass in den nicht vom Christentum geprägten Ländern Asiens das Tragen von Masken viel beliebter ist – das Gesicht hat dort einfach nicht die tiefe Bedeutung wie im Westen.

Sind Masken also das „perfekte Zeichen gelebter Nächstenliebe“, wie man von manchen Christen hören kann? Ein perfektes Zeichen sind sie sicher nicht; sie können ein Zeichen der Liebe sein, wenn man eine konkrete Gefährdung reduziert. Es macht ethisch aber überhaupt keinen Sinn, jeden als potentiellen Mörder anzusehen, der sich erst mit fleißigem Tragen der Maske von diesem Makel befreit. Solch moralisierende Überhöhung hilft nicht weiter, da wir nie unsere Unschuld beweisen könnten, schließlich verbreiten wir im Alltagsleben häufig verschiedenste Krankheitserreger.

Ein letzter Gedanke: Nächstenliebe braucht Freiheit und Freiwilligkeit. Das bloße Befolgen von Vorschriften und Befehlen mag zwar auch moralisch positiv zu werten sein, aber echte Liebe ist etwas anderes. Sie ist nicht erzwingbar. Sie braucht freie Luft zum Atmen. Wenn man also das Tragen von Masken mit Nächstenliebe in Verbindung bringen will, dann sollte man dies der freien Entscheidung des Einzelnen überlassen – und Maskenpflicht möglichst abschaffen.
(Bild o.: Peter Paul Rubens, Portrait eines jungen Mannes [Ausschnitt], 1613-15)
http://lahayne.lt/2021/07/19/eine-kurze-theologie-des-gesichts-und-der-masken/

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“

Ein Beitrag von Theoblog siehe Link am Textende
Theophil Isegrim verdanke ich den Hinweis, dass unter anderem die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Nicola Beer von der FDP, für den Matić-Bericht gestimmt hat, sich also für die Frühsexualisierung der Kinder, gegen die Gewissensfreiheit der Ärzte und für ein Recht auf Abtreibung stark macht. Übrigens stimmten 51 der 96 deutschen EU-Abgeordneten für den Bericht, 39 dagegen und 2 enthielten sich. Das ist insofern interessant, als wohl besonders sozialdemokratische und grüne Politiker die Europapolitik nutzen, um Druck auf die nationale Rechtssprechung auszuüben (siehe zur Abstimmung hier).

Tatsächlich war Frau Beer kürzlich Rednerin auf dem Kongress christlicher Führungskräfte und sprach darüber, warum es besonders für Politiker wichtig sei, einen klaren Wertekompass zu haben. Ich zitiere aus dem Medienmagazin Pro

Man müsse Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen und verantwortlich fällen. Dazu brauche es Orientierung und einen klaren Wertekompass, sagte Beer.

Ihr selbst helfe dabei der christliche Glaube. „Mein Glaube hilft mir, das Beste zu geben“, sagte sie. In stressigen Momenten halte sie inne und besinne sich auf Gott. Der Glaube gebe ihr außerdem die nötige Freiheit, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Beer erklärte zudem, die ethische Basis des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen in Europa basiere auf christlich-jüdischer Tradition, insbesondere auf den Zehn Geboten. „Das sind unsere kulturellen Wurzeln.“ Es sei wichtig, dass sich alle Menschen der pluralen, europäischen Gesellschaft für ein gelingendes Zusammenleben an die Werte, die auf den Zehn Geboten basierten, hielten. „Ich verstehe, wenn Menschen an altbekannten Traditionen und Sprachen festhalten“, sagte Beer im Hinblick auf Migranten. Außerhalb der eigenen vier Wände funktioniere das Zusammenleben jedoch nur, wenn man sich an gemeinsame Werte halte.

In diesem Zusammenhang verteidigte Beer auch den Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes. Es gebe oft Diskussionen darüber, ob er noch zeitgemäß sei. „Der Gottesbezug ist Ausdruck der irdischen Fehlbarkeit“, sagte sie. Er zeige, dass „eine werteorientierte Gesellschaft aus mehr besteht, als aus Buchstaben in Gesetzen“. Beer verwies auf den Bibelvers aus Matthäus 7, 20, in dem es heißt: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“

Anhand solcher Beispiele lässt sich besser verstehen, dass in den Augen vieler Staatsbürger die Politik unglaubwürdig geworden ist. Eine Frau, die sich zur Ethik der Zehn Gebote bekennt, setzt sich zugleich für die Legalisierung von Tötungen ungeborener Kinder ein und will jenen Ärzten, die sich nicht an Schwangerschaftsabbrüchen beteiligen möchten, die Gewissensfreiheit stehlen. 

Da möchte ich Matthäus 7,20 im Zusammenhang zitieren: 

Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet!
https://theoblog.de/an-ihren-fruechten-sollt-ihr-sie-erkennen/36902/

Am 30.3. 1960 -ist Heinrich Bedford-Strohm (61), deutscher Theologe, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, geboren.

Protestbrief (auch an seinem 61. Geburtstag) an Herrn Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof Bayern.

Herr Professor Bedford-Strohm, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag muß heute gegen die Evangelische Kirche ebenso protestiert werden, wie damals gegen die Römische Kirche.

Die Evangelische Kirche hat sich ebenfalls von der Lehre Jesu Christi entfernt:

– Es ist abzulehnen, daß die Evangelische Kirche das Apostolische Glaubensbekenntnis für falsch erklärt.

– Es ist abzulehnen, daß die Evangelische Kirche die Prinzipien der Reformation für obsolet erklärt.

– Es ist abzulehnen, daß die Evangelische Kirche die massenhafte Tötung ungeborener Kinder fördert.

– Es ist abzulehnen, daß die Evangelische Kirche Personen traut, die keine Ehepaare sind.

– Es ist abzulehnen, daß die Evangelische Kirche den Islam fördert, der grausam Christen verfolgt.

– Es ist abzulehnen, daß die Evangelische Kirche mit Hilfe des Staates finanziert wird.

– Es ist abzulehnen, daß die Evangelische Kirche die Bestrebungen der Bundeskanzlerin unterstützt, Deutschland zu desindustrialisieren.

– Es ist abzulehnen, daß die Evangelische Kirche die Bestrebungen der Bundeskanzlerin unterstützt, Deutschland zu islamisieren.

Reformierbar war vor 500 Jahren die Römische Kirche nicht, reformierbar ist heute die Evangelische Kirche auch nicht. Trennungen sind unausweichlich. Dipl.-Chem. Dr. rer. nat. Hans Penner

2.Korinther 6,14: „Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?“

Ist etwas darum gut, weil es allgemein Beifall findet?

Nichts verwickelt uns nämlich in grössere Schwierigkeiten als unsere Neigung, sich nach dem Gerede der Leute zu richten, das heisst, immer das für das Beste zu halten, was allgemein Beifall findet und sich an die blosse Zahl der Beispiele zu halten, also unser Leben nicht nach Vernunftgründen, sondern nach verwandten Erscheinungen zu gestalten. Darum stürzt immer wieder einer über den anderen, und es kommt zu einer so gewaltigen Zusammenballung. Was sich bei einem grossen Volksauflauf alles abspielt, wenn ein einziges Menschenknäuel sich schiebt und drückt, keiner fallen kann, ohne seinen Nachbarn mitzureissen, die Vordersten den Nachfolgenden zum Verhängnis werden, dasselbe kannst du überall im Leben beobachten: Kein begeht für sich allein einen Irrtum, jeder ist gleicherweise Grund und Urheber fremden Irrtums. Es ist nun ausserordentlich schädlich, sich einfach seinen Vorgängern anzuschliessen. Weil es nämlich einem jeden lieber ist, etwas auf Glauben anzunehmen, als sich selbst ein Urteil über eine Sache zu bilden, kommt es nie zu einer Beurteilung unserer Lebensführung.
Aus: Seneca. Vom glücklichen Leben. Insel Verlag: Frankfurt am Main/Leipzig 1992.

TOLERANZ: EINFACH SCHWER

Bestseller kommentiert von Peter Strauch

Wer bei dem neuen Buch von Joachim Gauck ein reines Sachbuch zum Thema „Toleranz“ erwartet, wird enttäuscht. Enttäuscht wird aber auch, wer sich so etwas wie die Fortsetzung Gaucks lesenswerter Autobiografie erhofft. Eigentlich ist es ein Mix aus beidem, eine gute und kluge Sachinformation, verknüpft mit persönlichen Lebenserfahrungen des Autors.

INTOLERANZ NICHT TOLERIEREN

Über Toleranz nachzudenken, sei für ihn in jungen Jahren kein Thema gewesen, schreibt Gauck. „Sie kam wie von selbst in mich hinein, denn sie gehörte zur gebotenen Lebensform eines Christenmenschen.“ Aufgewachsen in der DDR sei für ihn aber auch schon früh klar gewesen, die Intoleranz des kommunistischen Systems nicht tolerieren zu dürfen. Wer eine andere Meinung, als die herrschende Partei vertrat, durfte in der Regel nicht studieren, ja nicht einmal Abitur machen, konnte unter Umständen sogar im Gefängnis landen. Was ihn aber noch mehr geschmerzt habe, sei die Intoleranz vieler Mitbürger gewesen: des Nachbarn, der argwöhnisch verfolgte und meldete, ob die Studentin im Parterre Westbesuch bekam, oder des Arbeitskollegen, der ohne jemals dazu beauftragt worden zu sein, weitergab, dass der Lehrling im Wohnheim eine Bibel auf dem Regal stehen hatte.

Joachim Gauck war 10 Jahre Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen (Gauck-Behörde) und weiß, wovon er schreibt. Er hat sich die schmerzhaften Beispiele von Intoleranz nicht ausgedacht. Über 100 000 IM („Inoffizielle Mitarbeiter“ der Stasi) soll es in der DDR gegeben haben. Manche schätzen ihre Zahl weitaus höher ein.

TOLERANZ MUSS GELERNT WERDEN

Aber dieses Buch spricht vor allem von der Gegenwart. Neben einer kurzen Geschichte der Toleranz, angefangen im 16. und 17. Jahrhundert, schreibt der Autor über die inzwischen selbstverständliche Trennung von Religion und Staat, von privaten Lebensentwürfen und dem, was in einem Rechtsstaat für alle zu gelten hat. In diesem Spannungsfeld sieht er die aktuelle Herausforderung zur Toleranz. Er wirbt in seinem Buch, das es in wenigen Wochen auf die Spiegel-Bestseller-Liste brachte (Rang 4), um Verständnis für jene, denen es schwerfällt, fremdartige Ansichten und Entwicklungen auf Anhieb zu to- lerieren. Gauck ist überzeugt: Toleranzfähigkeit fällt uns nicht einfach zu, sie muss gelernt werden.

Auch in diesem Zusammenhang erzählt er von sich, von seiner Begegnung mit Kulturen und Lebensstilen, mit denen er anfangs gefremdelt habe, weil es zwar auch in der DDR Ausländer gegeben hat, die aber abgeschottet in ihren Wohnheimen lebten. Als er 1990 nach Berlin gekommen sei,  habe  sich  die  Situation für ihn schlagartig geändert: „Der Imbiss an der Ecke wurde von einem Türkeistämmigen betrieben, die Restaurants von Menschen aus Kroatien, Italien und China. Die Apothekerin stammte aus dem Iran …“ Auch der öffentliche Auftritt von Schwulen und Lesben war für ihn ungewohnt. „Nie hatte ich in der DDR gesehen, dass Homosexuelle sich auf der Straße ihre Zuneigung zeigen.“ Konfrontiert mit dieser ethnischen, kulturellen und auch religiösen Vielfalt habe für ihn ein Lernprozess begonnen, der den Menschen nach wie vor zugestanden werden muss. Unverkennbar, dass Gaucks Herz hier besonders für solche schlägt, die, wie er, in der DDR aufgewachsen sind.

RESPEKT GEGENÜBER ANDEREN MEINUNGEN

Der frühere Bundespräsident mahnt seine Leserinnen und Leser, zwischen „rechts“ und „rechtsextrem“ zu unterscheiden. Inakzeptabel „rechts“ würden in unserer Gesellschaft oft schon jene genannt, die nichts anderes wollten, als an dem festhalten, was ihnen vertraut ist; z. B. Konservative, die Gesetze über Abtreibung und die „Ehe für alle“ am liebsten rückgängig machten und das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ablehnen. „Ja, es stimmt,“ schreibt Gauck, „diese Leute stehen rechts von der Mitte, aber sie sind damit nicht rechtsradikal, rassistisch, Nazis.“ Und persönlich setzt er hinzu: „Mögen sie für mich manchmal auch zu konservativ sein – sie bleiben ein zu respektieren- der Teil des Meinungsspektrums in einer Demokratie.“

Gauck nennt aktuelle Spannungsfelder: Migration und die Auseinandersetzung mit dem Islam, das Erstarken po- pulistischer Parteien, die drohende Klimakatastrophe, Digi- talisierung und vieles andere mehr. Für ihn steht fest: Diese Themen fördern geradezu den Extremismus und machen eine ernsthafte Debatte über Toleranz umso notwendiger.

POLITISCHE KORREKTHEIT AUF DEM PRÜFSTAND

Einen besonderen Raum nimmt in seinem Buch auch das Thema „political correctness“ ein. Geht es dabei um eine neue Aufklärung oder Gesinnungskontrolle? Mit einer gewissen Ironie äußert er sich über die politisch korrekte Sprache. Er sei gemahnt worden, nicht mehr von „Flüchtlingen“ zu reden, da die Endung „ling“ entmenschlichend und abwertend sei. Hinzu käme, dass der Begriff „Flüchtling“ sich nicht gendern lasse. Dem gegenüber seien die Bezeichnungen „Geflüchteter“ bzw. „Geflüchtete“ korrekt. Gauck hatte Gegenargumente, konnte aber seine Kritiker nicht überzeugen. „Ich fand mich einem konservativen, altmodischen Lager zugeordnet, das der weiteren Gleichberechtigung von Frauen und überhaupt aller sexuellen Minderheiten angeblich entgegensteht.“ Ihn stört dieser „vormundschaftliche Gestus“, den einige politisch Korrekte an den Tag legen, und sieht darin ein Beispiel aktueller Intoleranz.

Nach meiner Erfahrung können auch Christen ein Lied davon singen, vor allem, wenn sie im evangelikal-pietistischen Raum beheimatet sind. Auch sie haben oft die „Korrekten“ gegen sich, die sich trotz aller Unterschiede darin einig sind: Evangelikale und wohl auch Freikirchen sind extrem gefährlich – vor allem, wenn sie ihren Lebensstil mit der Bibel begründen. Für sie findet sich im politisch korrekten Verhalten kein Platz.

GEMEINSAME GRUNDWERTE ENTDECKEN

Selbstverständlich müssen aber auch sie sich (wir uns) fragen lassen: Wie sieht es mit dem Respekt vor der religiösen Meinung anderer aus? Gauck schreibt dazu: „Sich an den gewaltfreien Rahmen zu halten, setzt voraus, dass die An- hänger nicht nur in Konkurrenz zueinander stehen, sondern dass sie auch etwas eint: etwas Drittes, eine tiefere sittliche Einsicht, auf die sie sich gemeinsam beziehen.“ Und weiter: „Im konkreten Fall respektieren sie den Rechtsstaat, indem sie ihn zur Klärung ihres Problems anrufen. Sie respektieren ferner ein gemeinsames Humanum, das ihnen Gewaltanwendung verbietet. So entsteht eine Konstellation, in der jeder Gläubige an seinem Wahrheitsanspruch festhalten kann, aber darauf verzichtet, ihn um jeden Preis gegenüber dem anderen durchzusetzen.“

Es gibt in dem Buch noch weitere Textpassagen, die uns als Christen besonders betreffen, beispielsweise Gaucks Äußerung zum Thema „Mission“. Er schreibt: „Ich halte es für falsch, wenn man Menschen dafür tadelt, wenn sie das, was sie erfüllt und was sie für sich selbst als segensreich empfunden haben, weitergeben wollen, egal, ob man dies Mission nennt oder Werbung oder Einladung zu einer Suche, nach der besten Weise zu leben … Ein Problem taucht allerdings auf, wenn aus dem Werben für eine Religion oder eine neue, gute Idee Druck, Zwang oder Diskriminierung Andersdenkender hervorgehen.“ Auch darin ist Gauck rechtzugeben. Druck und Zwang bewirken oft das Gegenteil. Vor allem sind sie nicht Evangeliums gemäß.

VERSTEHEN VOR BEURTEILEN

Kritiker werfen Joachim Gauck vor, in seinem Buch zu nachsichtig mit den „Intoleranten“ zu sein. Nach sorgfältigem Lesen komme ich zu einem anderen Schluss. Gauck wirbt für das, was für jede erfolgreiche Debatte gilt: Ich muss mich in die Situation des anderen versetzen, wenn ich seine Argumente verstehen will. Erst dann bin ich in der Lage, mich ihm gegenüber klar zu positionieren. Genau diesen Weg geht Gauck. Sein Fazit: „Ich bin überzeugt, dass es kein Laisserfaire geben darf gegenüber jenen, die Plurali- tät und Toleranz mit Füßen treten. Toleranz, die Nachsicht und Duldsamkeit gegenüber den Verächtern der Toleranz preist, hilft den Tätern und nicht den Opfern.“

PETER STRAUCH | FeG-Altpräses und Mitglied der FeG Witten | feg-witten.de

Angaben zum Buch

  • Joachim Gauck | Toleranz: einfach schwer
  • Verlag Herder Gebunden | 224 Seiten | 22 €
  • ISBN: 978-3451383243

Gott bewahre uns vor einer falschen Toleranz

Gott bewahre uns also vor dieser „Toleranz“, von der wir so viel hören: Gott erlöse uns von der Sünde, mit denen gemeinsame Sache zu machen, die das gesegnete Evangelium Jesu Christi leugnen oder ignorieren!
Wenn Sie sich dafür entscheiden, für Christus zu einzustehen, werden Sie kein leichtes Leben haben. Natürlich können Sie versuchen, sich dem Konflikt zu entziehen. Alle Menschen werden gut von Ihnen sprechen, wenn Sie, nachdem Sie am Sonntag ein noch so unpopuläres Evangelium gepredigt haben, am nächsten Tag in den Kirchenräten nur gegen dieses Evangelium stimmen; man wird Ihnen gnädigerweise erlauben, an das übernatürliche Christentum zu glauben, so viel Sie wollen, wenn Sie nur so tun, als würden Sie nicht daran glauben, wenn Sie nur mit seinen Gegnern gemeinsame Sache machen. Das ist das Programm, das die Gunst der Kirche gewinnen wird. Ein Mensch mag glauben, was er will, solange er nicht stark genug glaubt, um sein Leben dafür zu riskieren und dafür zu kämpfen.
Aber um Toleranz zu beten, abgesehen von den eben genannten Formen, insbesondere um Toleranz zu beten ohne sorgfältig definieren, in welchem Sinne man tolerant sein soll, heißt nur, den Zusammenbruch der christlichen Religion herbeizubeten; denn die christliche Religion ist [im Blick auf die Lehre] durch und durch intolerant. Darin liegt das ganze Ärgernis des Kreuzes – und auch die ganze Kraft des Kreuzes. Immer wäre das Evangelium von der Welt mit Wohlwollen aufgenommen worden, wenn es nur als ein Weg der Erlösung dargestellt worden wäre; der Anstoß kam, weil es als der einzige Weg dargestellt wurde und weil es allen anderen Wegen unerbittlich den Kampf angesagt hat. Gott bewahre uns also vor dieser „Toleranz“, von der wir so viel hören: Gott erlöse uns von der Sünde, mit denen gemeinsame Sache zu machen, die das gesegnete Evangelium Jesu Christi leugnen oder ignorieren! Gott bewahre uns vor der tödlichen Schuld, die Anwesenheit derer als unsere Vertreter in der Kirche zuzulassen, die Jesu Kinder in die Irre führen; Gott mache uns, was immer wir sonst sind, zu rechten und treuen Boten, die ohne Furcht und Gunst nicht unser Wort, sondern das Wort Gottes verkündigen.
Christentum und Liberalismus: Wie die liberale Theologie den Glauben zerstört von Machen, J. Gresham (Autor)

„Ihr seid alle Brüder“

„Ihr seid alle Brüder“

Was ist ein Christ? Sicher kann man hierauf verschiedene Antworten geben. Eine der klarsten und prägnantsten ist folgende: Ein Christ ist jemand, der Gott zum Vater hat; Christen sind Kinder Gottes, und Nichtchristen sind es nicht.  „‘Vater’ ist die christliche Anrede Gottes“, so  J.I. Packer (1926–2020) in Gott erkennen.

Leider liest und hört man heute meist etwas anderes. Alle Menschen seien Kinder Gottes, und man könne auch in nichtchristlichen Religionen ein Kind Gottes sein. Diverse Esoteriker und Sektierer, aber auch Katholiken wie Protestanten äußern sich heute so. Es waren leider gerade Letztere, die dieses Denken populär gemacht haben. Vor gut hundert Jahren betonten besonders die liberalen evangelischen Theologen die „allgemeine Vaterschaft Gottes“. Die Bibel lehrt jedoch: einzig ein Christ hat Gott zum Vater. Dass alle Menschen Kinder Gottes wären, ist ein Gedanke, den man in der Bibel nicht finden kann.
Gott ist der Schöpfer aller Menschen. Er will das Beste für alle seine Geschöpfe. Alle profitieren davon, dass Gott diese Welt erhält und lenkt und die alle Menschen vielfach beschenkt und segnet. Auch die Bösen, so Jesus in Matthäus 5,45, haben von Sonne und Regen Nutzen. Paulus betont in Apostelgeschichte 14,17, dass Gott den Heiden „viel Gutes“ getan hat, ja er schenkt ihnen Freude. Auch in Römer 2,4 spricht er von „Gottes Güte“ zu allen Menschen.
Gott handelt in väterlicher Weise mit allen Geschöpfen, aber Er ist nur der Vater der Gläubigen, eben „unser Vater“. Das ist der Höhepunkt der biblischen Offenbarung, denn näher kann ein Mensch Gott nicht kommen. So ist auch kein Zufall, dass fast alle Briefe im Neuen Testament im Einleitungsteil Gott, den Vater (meist „unser Vater“) erwähnen (Röm 1,7; 1 Kor 1,3; 1 Kor 1,2; Gal 1,3; Eph 1,2; Phil 1,2; Kol 1,2; 1 Thes 1,1; 2 Thes 1,2; 1 Tim 1,2; 2 Tim 1,2; Tit 1,4; Phlm 3; 1 Pt 1,2; 1 Joh 1,3; 2 Jph 3; Jud 1). Nichtgläubige dagegen sind „Kinder des Bösen“ (Mt 13,38) oder „Kinder der Welt“ (Lk 16,8).
Kinder Gottes sind nur die Glaubenden. Paulus schreibt: „Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus“ (Gal 3,26). Es ist jedoch nicht irgendein Glaube, der rettet. Nur Glaube an Jesus Christus macht zum Kind Gottes: „Niemand kommt zum Vater“, d.h. wird Kind Gottes, „denn durch mich“ (Joh 14,6). Nur wer Jesus seinen Bruder nennen kann, ist Kind Gottes (s. z.B. Hbr 2,11; Joh 20,17).

„Der Gerechten Gebet vermag viel…“

Christen müssen unbedingt die Privilegien begreifen, die wir als Kinder Gottes genießen. Weil ihre Sünden vergeben sind, haben Christen freien „Zugang zum Vater“; wir sind „Gottes Hausgenossen“ und können uns deshalb immer an unseren Vater wenden (Eph 2,18–19; s. auch 3,12). Auch in Hbr 10,19ff wird dieser freie Zugang zum Vater ausdrücklich betont. Wir brauchen daher auch keine Vermittler wie Maria und besondere Heilige.
Grundsätzlich gilt natürlich von Gott: „Du erhörst Gebet…“ (Ps 65,3). Aber die Bibel unterscheidet hier durchaus. „… das Gebet der Frommen ist ihm wohlgefällig“ (Spr 15,8),  „Der Gerechten Gebet vermag viel…“ (Jak 5,16). Den Gläubigen im Alten wie im Neuen Testament, die in Gerechtigkeit leben und mit Ernst beten, ist Gebetserhörung verheißen. „Bittet, so wird euch gegeben…“ (Mt 7,7) sagt Jesus. Aber dies verspricht er hier in der Bergpredigt den Jüngern, nicht jedermann, denn nur sie haben den „Vater im Himmel“ (V. 11).

Umgekehrt gilt, dass Gott Gebete von Nichtgläubigen nicht erhört. Sie verharren in Sünde und Rebellion Gott gegenüber, haben daher keinen freien Zugang zu ihm. Jesus in Joh 9,31: „Wir wissen, dass Gott die Sünder nicht erhört; sondern den, der gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den erhört er“. Jesaja 1,15 macht deutlich, dass man seine Sünden nicht mit viel Gebet zudecken kann: „… und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut.“ Sprüche 28,9 ist bsonders scharf im Ton: „Wer sein Ohr abwendet, um die Weisung nicht zu hören, dessen Gebet ist ein Greuel“ (s. auch Jes 59,2; Spr 15,29; 1,20–28; Ps 66,18).
Gott sieht das Herz an. So weiß er natürlich, wenn ein bisher ungläubiger Mensch sich ihm von ganzem Herzen zuwendet und Buße tun will. Das Gebet des Sünders, der bereit ist zur Umkehr, erhört er natürlich!
Daher sollten wir Nichtchristen folgende Ratschläge nicht geben: „Versuch‘s doch mal mit einem Gebet. Das hilft sicher! Mir hat‘s jedenfalls geholfen.“ Das ist zwar gut gemeint und klingt auch gut, ja wie ein Zeugnis, ist aber ein falscher Rat. Biblisch ist er jedenfalls nicht. Und was tun wir, wenn die Leute dann meinen, Gott habe ihr Gebet erhört?? Sie meinen dann nur allzuleicht, dass zwischen ihnen und Gott alles irgendwie in Ordnung ist. Gott heilt auch Nichtchristen, er bewahrt sie und ihre Kinder, er schenkt ihnen Erfolg bei Prüfungen usw. – aber er tut dies aus seinem freien Willen und teilt seine Gnade auch Bösen mit; er tut dies nicht, weil er der Menschen Gebet erhört hätte.

Papst 2

Brüder und Schwestern jeder religiösen Tradition

Nichtchristen sollten daher nicht wie selbstverständlich in ein Gebet mitheineingenommen werden. Dies gilt natürlich auch für das Gebet mit Anhängern anderer Religionen. Aber gerade dieser katholischen Tradition (seit Johannes Paul II) folgt Papst Franziskus regelmäßig und gerne. Seine heute zu Ende gegangene Reise in den Irak stand unter dem Motto „Ihr alle seid Brüder“. Vor einigen Tagen bat das Oberhaupt der katholischen Kirche im Gebet on Mossul „für uns alle“, „dass wir über die religiösen Bekenntnisse hinweg in Harmonie und Frieden leben können, in dem Bewusstsein, dass wir in den Augen Gottes alle Brüder und Schwestern sind“ (s. Foto ganz o.).
Drückten sich Vorgänger Benedikt XVI und andere Katholiken in dieser Frage vorsichtig oder mitunter auch mißverständlich aus, so ist für den derzeitigen Papst ganz klar: Alle Menschen sind Kinder Gottes – nicht zufällig unterstreicht auch der Titel seiner letzten Enyzklika Fratelli tutti genau diesen Gedanken. So wandte sich Franziskus auch schon in einer Videobotschaft im Vorfeld des Irak-Besuchs an Christen wie Muslime, an „Brüder und Schwestern jeder religiösen Tradition“. In der Abrahamsstadt Ur (s.o. Foto) stand dann am vergangenen Samstag eine interreligiöse Begegnung auf dem Programm. Der Papst sprach die „lieben Brüder und Schwestern“ der verschiedenen Religionen an und meinte: „Heute ehren wir – Juden, Christen und Muslime – gemeinsam mit den Brüdern und Schwestern anderer Religionen unseren Vater Abraham“.
Hier kann nur mit Kurt Hennig (1910–1992) entgegengehalten werden: „Bruder ist Bruder in Christus und sonst niemand.“ Holger Lahayne
http://lahayne.lt/2021/03/08/ihr-seid-alle-bruder/

Ulrich Kutschera freigesprochen

Das Landgericht Kassel hat den Evolutionsbiologen Prof. Ulrich Kutschera (Kassel) vom Vorwurf freigesprochen, sich in einem Interview 2017 beleidigend und volksverhetzend über Schwule und Lesben geäußert zu haben. 

Eine gute Nachricht für diejenigen, denen die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist.

Das Nachrichtenmagazin idea berichtet:

Das Gericht kam am 2. März zu dem Schluss, dass seine Aussagen von der im Grundgesetz geschützten Meinungsfreiheit gedeckt sind. Meinungen dürften auch scharf und verletzend sein. Für viele Menschen schwer erträgliche Aussagen seien nicht gleich strafbar.

Damit hob das Landgericht das vorherige Urteil des Amtsgerichts Kassel vom August 2020 auf. Es hatte den heute 66-jährigen Wissenschaftler wegen beleidigender Äußerungen über Homosexuelle zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt worden.
Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte Kutschera zum Urteil: „Nach so viel negativer Berichterstattung und einer klaren Vorverurteilung war ich über den Freispruch erstaunt.“
Der Richter am Landgericht Kassel habe seine Äußerungen im Rahmen der grundgesetzlich verankerten Meinungsfreiheit verortet: „Leider haben die Mainstream-Medien wieder einseitig berichtet.“ An allen drei Verhandlungstagen vor dem Landgericht habe er dargelegt, dass seine Aussagen im kath.net-Interview zur „Ehe für alle“ sachlich korrekt gewesen seien: „Darüber schweigen die Leitmedien, was ich bedauere.“

Wie unsachlich die Mainstream-Medien berichtet, ist gelegentlich schon an den Überschriften abzulesen.
Die FAZ titelte: „Freispruch für Professor nach homophoben Äußerungen“.
Mehr: https://www.idea.de/spektrum/urteil-evolutionsbiologe-hat-homosexuelle-nicht-beleidigt
https://theoblog.de/ulrich-kutschera-freigesprochen/36332/#comments

Heilige Sexualität: Lust, Sex und Beziehungen im Licht des Evangeliums gestalten

Christopher Yuan - Heilige Sexualität

“Im Jahr 1993 eröffnete ich meinen Eltern, dass ich schwul bin.
Das führte zu einem großen Bruch in unserer Familie, um es
milde auszudrücken. Letzten Endes war diese Situation jedoch
der Auslöser dafür, dass jeder von uns, einer nach dem anderen,
zum Glauben an den Herrn kam.
Zunächst reagierte meine damals ungläubige Mutter mit großer Ablehnung. Aber nachdem sie Christin wurde, begriff sie, dass ihr nichts anderes übrig blieb, als ihren homosexuellen Sohn so zu lieben, wie Gott sie liebte. Ihr Verhalten entsprach nicht dem stereotypen Bild, das mancher von Christen haben mag.
Als die Katze jedoch aus dem Sack war, hinderte mich nichts mehr daran, „das, was ich war“, in jeder Form auszuleben. Diese neue Form der Freiheit führte mich sehr schnell auf einen Pfad der Selbstzerstörung, der von sexueller Freizügigkeit und Drogenmissbrauch gekennzeichnet war.

Selbstverständlich schlagen nicht alle Homosexuellen diesen Weg ein, aber bei mir war es so.
Es kam so weit, dass ich von der Universität in Louisville flog, wo
ich Zahnmedizin studierte. Ich zog nach Atlanta und wurde zum
Zulieferer für Drogendealer in über einem Dutzend amerikanischer Bundesstaaten.
Während dieser Zeit wirkte Gott in seiner Gnade im Leben meines Vaters und meiner Mutter, und beide vertrauten Christus als ihrem Retter. MeinenEltern waren die Ausmaße meiner Rebellion nicht bewusst, aber im Licht ihres neu gefundenen Glaubens begriffen sie, dass meine größte Sünde nicht mein gleichgeschlechtliches Sexualverhalten war – meine größte Sünde war mein Unglaube. Mehr als alles andere brauchte ich diesen Glauben an Jesus, um ihm durch Gottes Geschenk der Gnade zu vertrauen und nachzufolgen.
Meine Mutter fing an, mutig zu beten: „Bitte, Herr, tue, was auch immer nötig ist, um diesen verlorenen Sohn zurückzubringen.“ Sie betete nicht primär, dass ich nach Chicago zurückkommen oder mein rebellisches Verhalten ablegen würde. Ihr oberstes Anliegen war, dass Gott mich zu sich ziehen und ich als sein Sohn in seine liebevollen Arme fallen würde, angenommen und erkauft durch das Blut Jesu.
Die Antwort auf ihre Gebete war jedoch eine völlig unerwartete: Ich wurde wegen Drogenhandels verhaftet. Im Gefängnis erlebte ich die dunkelsten Stunden meines Lebens, als ich die Nachricht erhielt, dass ich HIV-positiv war.

An jenem Abend lag ich auf meinem Zellenbett, als mir ein Gekritzel ins Auge sprang, das jemand auf die Metallunterseite der oberen Pritsche geschrieben hatte: „Wenn dir langweilig ist, lies Jeremia 29,11.“ Ich folgte
diesem Rat und war tief berührt von dem Versprechen, das dort steht: „Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.“
Ich las mehr und mehr in der Bibel. Dadurch wurde mir klar, dass ich meine Identität an falscher Stelle gesucht hatte. Unsere Kultur erklärt uns Menschen mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen, dass unsere Sexualität der Kern dessen ist, wer wir sind. Aber Gottes Wort zeichnet ein anderes Bild. In 1. Mose 1,27 steht, dass wir alle im Ebenbild Gottes geschaffen sind. Der Apostel Paulus schreibt: „Denn in ihm (Christus) leben wir und bewegen uns und sind wir“ (Apg 17,28). Also ist meine Identität nicht „homosexuell“, „ex-homosexuell“ oder „heterosexuell“.
Meine wahre Identität ist allein in Jesus Christus.

Nachdem ich aus dem Gefängnis entlassen worden war, habe ich mich entschlossen, die biblischen und theologischen Wahrheiten intensiv zu studieren und danach zu leben. Ich schrieb mich an einer Bibelschule ein und später an einem Seminar. Im Laufe der Zeit schenkte der Herr mir die Jahre zurück, die die Heuschrecken gefressen hatten (vgl. Joel 2,25). Meine Eltern und ich reisen nun um die ganze Welt. Als Zwei-Generationen-Team sprechen wir über Gottes Gnade und Wahrheit in Bezug auf biblische Sexualität.
Auf meiner Reise vom homosexuellen Agnostiker zum evangelikalen Bibellehrer ist mir Folgendes bewusst geworden: Wie Menschen auf homosexuelle und andere nichtheterosexuell-orientierte Personen reagieren, wurzelt in der Sinnfrage. Seit Anfang der Menschheitsgeschichte ist man auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Und die Antwort auf diese Frage lässt Taten folgen.” DrChristopher Yuan

Angemessener Appell

Ich bleibe dabei: Alice Schwarzer denkt ihre Ansichten konsequent zu Ende, ohne Angst vor Widerspruch aus den eigenen Reihen. Den von ihr mit initiierten Appell gegen Prostitution unterstütze ich aber nicht nur deshalb. Sondern weil das deutsche Prostitutionsgesetz von 2002 in etwa dieselben Schwierigkeiten mit sich bringt wie der in den 70er Jahren entwickelte § 218a des Deutschen Strafgesetzbuchs: Die Intention war durchaus gut. In der Praxis hat’s aber offensichtlich nicht funktioniert. Nach wie vor prostituiert sich nur ein Bruchteil von Frauen – und Männern! – aus freien Stücken. Die anderen bleiben fremdbestimmte Opfer. Fein raus sind höchstens die Zuhälter. Das muss nicht so bleiben.
http://www.daniel-renz.de/wordpress/angemessener-appell/