Interview mit Peter Hahne über die Wahl in Deutschland.

Peter Hahne (Berlin) ist das „Urgestein des Nachrichtenjournalismus“ (so MDR-„Riverboat“), die „deutsche Nachrichtenlegende“ (Johannes B. Kerner), war über Jahrzehnte einer der wichtigsten Beobachter der Politik. Seine Zeit als Moderator der ZDF-Sendungen „heute“ und „heute journal“ sowie unzähliger „Sommerinterviews“ mit den deutschen Spitzenpolitikern hat Generationen von Zuschauern geprägt.  kath.net sprach mit Peter Hahne über die Deutsche Wahl vom Sonntag:

R. Noe: Deutschland hat gewählt. Was waren Ihre ersten Gedanken nach dem Ergebnis?

Peter Hahne: Es kam wie vorausgesagt. Also keine Überraschung. Traurig: Die Lobby für das Leben wird immer kleiner. Das Thema Abtreibung hat nur noch bei der dezimierten AfD Platz. Hunderttausende haben ihre wertvollen Stimmen an sinnlose Splitterparteien verschenkt. Gerade im „frommen“ Lager herrscht eine erschütternde Naivität.

R. Noet:  Wer wird neuer Kanzler: Scholz oder Laschet?

Peter Hahne: In der Wahlnacht habe ich auf Scholz gewettet. Das dann aber wieder mit Argumenten  „zurückgenommen“, siehe mein Artikel bei  TichysEinblick .Doch heute muß ich sagen: gegenüber der Selbstzerstörung der Union ist die sonst permanent zerstrittene SPD geradezu eine disziplinierte Garde mit dem Willen zur Macht. Scholz gelingt es bis zur Stunde, all diese Wirrköpfe von Saskia bis Kevin zum Schwiegen zu bringen, das hätte ich nie gedacht.

R. Noe: Kann man die CDU nach dem Debakel überhaupt noch erneuern oder müsste man die Partei nicht völlig neu gründen? Denn für Außenstehende war ja nicht mehr viel Unterschied zwischen CDU, SPD oder auch den Grünen feststellbar. Was wäre Ihr Ratschlag?

Peter Hahne: Ihre Analyse stimmt. Die Union ist reinster Etikettenschwindel, das „C“ nur noch eine Mogelpackung. Der Vorwurf „Sozialdemokratisierung“ war ein Euphemismus. In Wahrheit sind CDU und CSU in Lichtgeschwindigkeit „grün“ geworden. Merkel brauchte dazu 16 Jahre, Söder schaffte das in 16 Monaten. Ob Corona-Wahn, Gender-Gaga, Ehe für alle oder die neue Klima-Religion: CDU und CSU sind inzwischen die Antreiber und Vorreiter. Stramm auf Linkskurs. Wir bekämen also jetzt, wenn die Union in die Opposition müßte, eine ehrliche linke Politik ohne den Etikettenschwindel eines bigotten „C“. Wo waren denn die Unions-Herrschaften beim „Marsch für das Leben“ am Sonntag vor der Wahl?! Entweder die Union kehrt zu ihren Wurzeln zurück, oder sie erleidet das Schicksal der italienischen Demokrazia Christiana. Eine x-te linke Grünen-Partei braucht Deutschland nicht.

R.Noe: Im Vorfeld der Wahl wurden die Grünen medial massiv gepushed, andere wie AFD, die immerhin in Sachsen und Thüringen die Nr. 1 wurde, massiv ausgegrenzt oder als Nazipartei diffamiert. Wie sehr beeinflussen Medien eine Wahl?

Peter Hahne: Es waren ja nicht (nur) die Medien. Viel schlimmer waren Haßprediger wie Söder und Laschet. Für sie waren Querdenker, Impfgegner oder AfD-Wähler ein größeres Sicherheitsrisiko als der importierte Antisemitismus oder der grassierende kriminelle Islamismus. Über die zentralen Fragen von illegaler Einwanderung und alltäglicher Gewalt im Namen Allahs wurde im Wahlkampf mit keiner Silbe gesprochen. Der sensible und Diktatur-erfahrene Osten hat darauf überdeutlich reagiert. Wenn der Spitzenkandidat der sächsischen CDU seinen eigenen Landsleuten „ein Demokratiedefizit“ attestiert, braucht man sich über die Wahlergebnisse nicht zu wundern. Und nebenbei: wo waren denn die Kirchen, um die verhaßten Stigmatisierten und die verteufelten Diffamierten zu schützen?!

R. Noe: Bei der Wahl hatte man das Gefühl, dass nur mehr eine überzogene Klimahysterie das Thema ist. Viele andere wichtigen Themen wurden ignoriert und auch von Journalisten kaum angesprochen. Was sagen Sie dazu?

Peter Hahne: Leider wahr. Erst heute, drei Tage nach der Wahl, berichtet z.B. die FAZ halbseitig, dass die Flutkatastrophe wenig bis nichts mit dem viel beschworenen Klimawandel zu tun hatte. Die schlimmsten Hochwasser gab es, als Autos, Flugzeuge oder Industrieanlagen noch so etwas wie Sciencefiction waren. Oder: man hat 1910 statt der dringend nötigen Sperranlagen an der Ahr lieber den Nürburgring gebaut. Das dumme Volk wurde jetzt aber von Merkel, Söder und Genossen belehrt, man müsse nur die „Altparteien“ wählen, Kurzstreckenflüge und Benzin-Autos abschaffen, die Strompreise unbezahlbar machen und alles wird gut. Nicht anders ist es bei Corona oder dem leidigen Impfthema. Doch als Christen wissen wir aus der Bibel: Nur die Wahrheit macht frei. Wir werden uns also noch wundern, welchen Märchen wir aufgesessen sind. Die wirrsten Verschwörungstheorien sind längst von der Realität überholt. Doch uneinholbar ist die Verheißung von Jesus Christus: „Wer an mich glaubt, wird leben!“ Das ist mein Trost! Sonst müßte man ja glatt verzweifeln.

kath.net/Buchtipp: Peter Hahne: „Niemals aufgeben!“, Verlag mediaKern

Instantgesellschaft

In einer [Instantgesellschaft wie der unseren] ist es nicht schwer, einen Menschen für die Botschaft des Evangeliums zu interessieren; es ist aber immens schwierig, das Interesse aufrechtzuerhalten. Millionen von Menschen in unserer Kultur entscheiden sich für Christus, aber es gibt eine erschreckend hohe Fluktuationsrate. Viele behaupten, wiedergeboren worden zu sein, aber die Beweise für eine reife christliche Nachfolge sind dürftig. In unserer Kultur lässt sich alles gut verkaufen, sogar Neuigkeiten über Gott, wenn sie frisch verpackt werden. Aber wenn sie ihre Attraktivität verlieren, landen sie auf dem Müllhaufen. In unserer Welt gibt es einen großen Markt für religiöse Erfahrungen; es gibt jedoch wenig Begeisterung für das geduldige Erlernen von Tugenden, wenig Bereitschaft, sich für eine lange Lernphase in dem zu entscheiden, was frühere Generationen von Christen Heiligung nannten.
E.H. Peterson (A Long Obedience in the Same Direction: Discipleship in an Instant Society, 2019, S. 12)
https://theoblog.de/schule-der-heiligung/37215/

REGENBOGEN


Unsere Welt ist voller Zeichen und Symbole. Manche benutzen sie, um ihre politische Gesinnung zu bekunden. Andere zeigen, zu welchem Fußballclub sie halten. Wieder andere haben das Bedürfnis ihre sexuelle Orientierung der Öffentlichkeit mitzuteilen. Sie verwenden dazu die Farben des Regenbogens – auch als eine Art Kriegssymbol gegen diejenigen, die das nicht so gut finden. Wer sich an die Schöpfungsordnung Gottes – ein Mann und eine Frau – hält und das auch noch laut sagt, bekommt es unter Umständen mit den Regenbogen-Kampfgruppen zu tun. Evangelische „Kirchenfunktionäre“ belassen es nicht bei ihrer grellbunten Anbiederung, sondern üben mit ihrem Lieblingsthema „Homosexualität“ zunehmend Druck auf christliche Gemeinden, besonders auf Kirchenangestellte aus.
Der Erfinder hat den Regenbogen jedoch als Zeichen des Friedens an den Himmel gehängt. Der Bogen war früher eine wichtige Waffe im Krieg. Gott legte nach der Sintflut das Kriegsgerät beiseite. Auch wenn der Mensch immer wieder Krieg gegen Gott führt und den Bogen überspannt, rüstet Gott einseitig ab.
Und ich sichere euch zu: Nie wieder werde ich das Leben durch eine Wasserflut vernichten. Nie mehr wird eine Flut die Erde zerstören. Dieser Bund zwischen mir und euch gilt jeder kommenden Generation und jedem Lebewesen bei euch. Und als Zeichen dafür setze ich meinen Bogen in die Wolken. (1. Mose 9,11-13 / NeÜ)
Die Sintflut am Anfang ist ein Vorbild für das Weltgericht am Ende. Was für Noah der Regenbogen war, ist heute für die Menschheit das Kreuz von Jesus Christus. Gott hat die Strafe, die der Mensch sich redlich verdient hat, gegen sich selber gerichtet. Am Kreuz wird der Regenbogen zur Brücke über die unüberwindbare Kluft – die Sünde. Deshalb wird Jesus in der Bibel auch „Pontifex“, also Brückenbauer (Hebräer 5,1-6) genannt. Jesus hat die Brücke von Gott zu uns Menschen gebaut. Jeder Regenbogen ist eine wunderbare Erinnerung und zugleich deutliche Mahnung. Lu†z Scheufler Quelle: FB 210821

Ein Leserbrief in der FAZ zum Thema „gendern“

Ein exzellenter Leserbrief in der FAZ zum Thema „gendern“. Sehr lesenswert!“In der deutschen Sprache gibt es ein natürliches Geschlecht (Sexus) und ein grammatisches Geschlecht (Genus). Beides wird von feministischen Linguistinnen gerne verwechselt, um nicht zu sagen: wild durcheinandergeworfen. Dabei können auch sprachwissenschaftliche Laien, wenn ihr Blick nicht ideologisch getrübt ist, den Unterschied leicht erkennen.Erstens nämlich gibt es drei Genusformen (maskulin, feminin, neutrum), aber nur zwei biologische Geschlechter (männlich und weiblich). Zweitens wird das Genus auch für Objekte ohne jede erkennbare Parallele zum natürlichen Geschlecht verwendet: der Herd, die Straße oder das Buch. Auch dass der Busen maskulin, die Eichel feminin und das Glied neutrum sind, beruht ganz offensichtlich nicht auf irgendwelchen biologischen Hintergründen. Ähnlich verhält es sich z. B. mit der Leser oder der Kunde. Während der Genus übergeschlechtlich verwendet wird (der Gast, der Mensch, die Person, die Waise, das Kind, das Individuum), stellt der Sexus eine weitere Aufsplitterung in männlich und weiblich dar. Wir haben es hier mit etwas zu tun, was man in der Sprachwissenschaft „Synonymie“ nennt. Synonyme sind gleichlautende Wörter, die aber unterschiedliche Dinge meinen. Ein „Flügel“ kann beispielsweise der Teil eines Vogels sein, der Teil einer Fußballmannschaft oder ein Klavier. Manchmal sind diese Synonyme nicht so leicht auseinanderzuhalten, und da kommt es dann zu Missverständnissen wie in der feministischen Sprachwissenschaft. „Kunden“ kann nämlich ebenfalls zweierlei bedeuten: „Menschen, die einkaufen“ ebenso wie „Männer, die einkaufen“. Indem Sprachkritiker*innen behaupten, mit „Kunden“ seien nur Männer gemeint, erzeugen sie den Eindruck, Frauen würden sprachlich unterdrückt. Sie richten sich nicht danach, was Menschen meinen, wenn sie etwas sagen, sondern danach, was sie ihnen unterstellen, was sie meinen: „Sie reden ja nur von den Männern! Uns Frauen lassen Sie mal wieder unter den Tisch fallen!“ Aber das ist ebenso Nerv tötend wie falsch. Auch sorgt der Artikel im Singular mit dem grammatischen Geschlecht für den Unterschied zwischen der (frohen) Kunde und dem Kunden sowie der Leiter und dem Leiter…Aus eben den soeben erklärten Gründen sind 99 Lehrerinnen und ein Lehrer zusammen hundert Lehrer: Es wird nämlich der grammatikalische Oberbegriff verwendet, sobald eine auch nur irgendwie gemischte Gruppe besteht. Ohne einen solchen Oberbegriff, der für beide Geschlechter gilt, würden sich bestimmte Sachverhalte auch überhaupt nicht formulieren lassen (etwa „Jeder dritte Unternehmer in Österreich ist eine Frau.“ oder „Wir kennen nicht mal das Geschlecht des Verdächtigen.“) Ein „Tag“ mit seinen 24 Stunden besteht aus Tag und Nacht, genauso wie „der Kunde“ männlich oder weiblich sein kann – unabhängig von seinem grammatischen Geschlecht. Ähnlich verhält es sich mit „die Katze“: Die weibliche Form steht als Oberbegriff sowohl für das weibliche Tier als auch für das männliche, das wir, wenn wir es genauer spezifizieren möchten, als „der Kater“ bezeichnen (so wie „der Kunde“, wenn weiblich, zu „die Kundin“ wird). Zu behaupten mit „der Kunde“ seien nur Männer gemeint, allein weil „der“ davorsteht, ist grammatisch ungefähr so durchdacht wie es die Argumentation ist, mit „die Kunden“ seien offenbar nur Frauen gemeint, weil „die“ davorsteht. In Wahrheit drückt natürlich keiner der beiden Artikel den Sexus aus: „die“ bezieht sich auf die Pluralform, „der“ auf den Genus. Erst durch die konsequente Doppelbenennung in der feministischen Sprache „die Kunden und Kundinnen“ wird der Sexismus in die Sprache eingeführt, wo er vorher durch den geschlechtsunabhängigen Oberbegriff nicht vorhanden war.Im Übrigen bin ich öfter mal „die Vertretung“ für einen Kollegen. Ist kein Problem für mich. Aber ich kenne auch den Unterschied zwischen Genus und Sexus. Und ehrlich gesagt, möchte ich nicht so gerne ein Vertreter, ein Klinkenputzer sein… Aber ein Mann, der allen Frauen mit Respekt auf Augenhöhe gerne begegnet und hofft, dass alsbald keine Lohn-/Gehaltsdifferenz zwischen den Geschlechtern mehr besteht. Denn nur damit unterstützen wir die Emanzipation – nicht aber mit umständlichem Gender-Sprich-und-Schreib-Stil.“Danke für die Weiterleitung liebe Kollegin!🙏
Qulle: Facebook

Ist möglicherweise ein Bild von Text

Corona-Maßnahmen

Die Maßnahmen gegen #Corona waren zu keinem Zeitpunkt alternativlos. Letztlich wurden viele Maßnahmen nur damit begründet – die Bevölkerung dadurch aber in eine tiefe Krise gestürzt. Ein psychologischer Mechanismus lässt viele Menschen noch an die Maßnahmen glauben. Noch!
5:10 nachm. · 17. Aug. 2021·Twitter for iPhoneDr. Friedrich Pürner, MPH @DrPuerner

Keine Diskriminierung von nicht Geimpften!

Bundesregierung und Ministerpräsidenten haben gravierende Einschränkungen für nicht gegen Covid-19 Geimpfte im öffentlichen Leben beschlossen. Bündnis C warnt vor Stigmatisierung und Diskriminierung einer ganzen Bevölkerungsgruppe. Nach Datenlage des israelischen Gesundheitsministeriums erkranken Geimpfte im Durchschnitt weder seltener noch weniger schwer an Covid-19. Wir fordern die Bundesregierung auf, diese Daten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und jeglichen Druck zur Impfung zu beenden. Unser Leben und unsere Gesundheit sind weder in der Hand des Virus noch einer Regierung.Lesen Sie hier unsere Stellungnahme https://buendnis-c.de/keine-diskriminierung-von-nicht…/

Angst vor Einsamkeit

Heute morgen hörte ich im Radio, dass ein fünfundfünfzig Jahre alter Mann tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Die Nachricht war traurig genug, aber sie wurde noch tragischer durch die Tatsache, dass er schon drei Jahre lang tot war. Drei Jahre! Manche von uns erinnert diese Nachricht an unsere größte Furcht – allein und vergessen zu sterben.
Die Angst hinter der Angst vor Einsamkeit
Aber obwohl der Tod am meisten Angst vor dem Alleinsein wecken kann, nimmt diese Furcht viele Formen an und ist nicht auf das vorgerückte Alter beschränkt. Sie kann viel früher anfangen. Werde ich jemanden finden, der in der Schulmensa neben mir sitzt? Werde ich jemanden haben, mit dem ich mich auf der Feier unterhalten kann? Werde ich jemals jemanden finden, mit dem ich mein Leben verbringen kann? Wen kann ich als Person angeben, der in einem Notfall benachrichtigt werden soll? Was wird mit mir geschehen, wenn meine Ehe in die Brüche geht? Wird jemand mich überhaupt besuchen, wenn ich in ein Pflegeheim kommen sollte?
„Diese Fragen und Anliegen sind echt. So schwierig es aber ist, mit ihnen für sich genommen klarzukommen, merken wir manchmal, dass sie auf noch tiefere Ängste hinweisen. Für manche steht hinter dahinter ein „Ich bin es nicht wert, dass mich jemand kennt“ oder ein „Ich bin so langweilig oder bedrückt, dass niemand in meiner Nähe sein möchte. Ich bin so ein Versager“. Für manche, die sich abgekoppelt oder isoliert fühlen, spiegelt die Angst vor Einsamkeit ihre Überzeugung wider, dass sie nirgendwo „dazugehören“. Wieder andere, die durch Trauer oder Verrat verletzt wurden, sind gefangen in der Erwartung, wieder verletzt zu werden und am Ende wieder allein zu sein.
Der allgegenwärtige Gott
Ich war mein Leben lang ledig und habe über die Jahre mit vielen dieser Fragen gerungen. Aber ich bin dankbar, dass sich mir schon in frühen Jahren etwas in meinen Sinn und mein Herz eingeprägt hat, das mir ein festes Fundament gibt. Ich kann es vor meinem inneren Auge immer noch in goldener Schrift auf der vorderen Wand der Gemeinde stehen sehen, die wir besuchten, als ich acht war: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage“ (Mt 28,20). Ich habe die Predigten in diesem Alter vielleicht nicht gut verstanden, aber diese Verheißung vier Jahre lang jede Woche zu sehen, übte einen bleibenden Einfluss auf mich aus. Es fühlte sich an, als ob Jesus persönlich zu mir redete – Ich werde bei dir sein. Manche Kinder bilden sich imaginäre Freunde ein, aber wir haben einen wirklichen Freund, der anhänglicher ist als ein Bruder (Spr 18,24). Und er ist nicht einfach irgendwer. Er ist der mächtige „Ich bin“, der Mose aussandte, um sein Volk zu befreien und der den Tod für uns erduldete, um uns zu retten. Wann auch immer ich also Angst hatte oder mich überwältigt fühlte, war er nicht nur da, sondern er half mir, mit dem umzugehen, was mir Angst bereitete. Und das gilt heute genauso wie damals.

Psalm 139 tröstet uns auf wundervolle Weise:

Wo sollte ich hingehen vor deinem Geist, und wo sollte ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Stiege ich hinauf zum Himmel, so bist du da; machte ich das Totenreich zu meinem Lager, siehe, so bist du auch da! Nähme ich Flügel der Morgenröte und ließe mich nieder am äußersten Ende des Meeres, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten!

Dieser Psalm macht deutlich, dass Gott immer bei uns ist. Wir können ihm nicht entfliehen. Egal, wo wir hingehen – zum Himmel, in die Tiefen, ans Ende des Meeres – wir werden ihn dort finden und erkennen, dass er jeden Schritt des Weges bei uns war. Ob wir wach sind oder schlafen, im Haus sind oder draußen, der Herr ist bei uns. Und was ist mit den Ängsten, die uns anfechten? Dieser Psalm macht deutlich, dass er auch jeden unserer Gedanken kennt, jedes Wort, das aus unserem Munde kommt und jeden dunklen Winkel unseres Herzens, und uns doch nicht verlässt. Vielleicht ringen wir in Matthäus 28,20 am meisten mit der Aussage, dass er „alle Tage“ bei uns ist, weil in dieser Welt nichts beständig wirkt und wir manchmal nicht fühlen, dass er bei uns ist. Aber das ändert die Tatsache nicht, dass er da ist.
Niemals allein
Als Jesus kurz vor seinem Tod mit den Jüngern redete, sagte er ihnen, dass der Vater den Heiligen Geist senden würde, der nicht nur bei ihnen bleiben, sondern in ihnen sein würde (Joh 14,17). Da der Heilige Geist in uns lebt, sind wir in Wirklichkeit niemals allein. Heißt das, dass wir uns niemals einsam fühlen? Nein. Heißt das, dass wir niemals Angst vor dem Alleinsein haben? Nein. Aber es bedeutet, dass ich nicht auf mich allein gestellt bin, wenn ich mich so fühle. Weil Jesus mit uns ist und in uns wohnt, können wir nach anderen Ausschau halten, die sich fühlen, als ob sie nicht dazu gehören oder dass sie allein sind, und auf sie zugehen. Wenn ich verletzlich bin und mich allein fühle, bin ich nicht wirklich allein. Es gibt immer noch jemanden bei mir (und bei dir), der darum weiß, der sich sorgt und hilft. Und was vielleicht den größten Trost gibt: Wenn unser letzter Tag kommt werden wir die Fülle der Worte Jesu „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage“ erfahren.

Jayne Clark leitet den Mitarbeiterstab der Christian Counseling & Education Foundation (CCEF). Sie ist Autorin der Bücher Healing Broken Relationships und Single and Lonely.

https://www.evangelium21.net/media/1958/angst-vor-einsamkeit

Es lebe das Chaos!

„Die Welt ist im Wandel.“ – Galadriel

Die hingehauchten Worte der Elbenkönigin zu Beginn des Filmes „Der Herr der Ringe“ treffen den Nagel auf den Kopf. Selten habe ich die Veränderungen unserer Welt so deutlich wahrgenommen wie in den vergangenen Monaten. Dabei ist mir klar: Neues gibt es zu allen Zeiten und Neues ist nicht einfach deswegen blöd, weil es neu ist.

Ich bin kein Traditionsfetischist. Deswegen finde ich unsere Zeit auch nicht einfach blöd, sondern beunruhigend. Sie ist für mich ein verwirrendes Spiel der Meinungen und Trends geworden, die einerseits unübersichtlich geworden sind und genau das in mir auslösen: Verwirrung. Andererseits meine ich ein Muster zu erkennen, das mich beunruhigt: Verwirrung. Das Ziel scheint hierbei die Methode zu sein. Der Effekt liegt auf der Hand. Verwirrte Menschen sind ängstliche Menschen und damit leicht zu beeinflussen. Und dabei denke ich jetzt nicht zuerst an Corona.

Ich glaube, der Schaden ist größer und das Verwirrtheits-Geschwür hat längst auf andere Gesellschaftsbereiche übergegriffen. Deswegen seien einige Punkte kurz skizziert.

I Die Verwirrung der Sprache

Es beunruhigt mich, dass ehemals klare Begriffe unscharf geworden sind. „Rechts“, „links“, „Wahrheit“, „Lüge“, „Toleranz“, „liberal“, „konservativ“…. die Liste ließe sich beliebig fortführen. Begriffe werden enggeführt oder vereinnahmt und positiv wie negativ eingefärbt. Man kann entgegnen, dass sich Sprache schon immer verändert habe. Neu ist jedoch, dass mit der Kaperung der Begriffe gleichzeitig die Dialogfähigkeit schwindet. Wer will schon mit einem Gesprächspartner kommunizieren, der bereits im Vorfeld als „konservativer Evangelikaler“ abgestempelt wurde? Dieses Framing führt dazu, dass ganzen Gruppen die Teilnahme an gesellschaftlichen Dialogen vorenthalten wird (1). Ich halte das weder für redlich noch für nützlich für unsere Gesellschaft. Stattdessen verwirrt es mich, denn natürlich frage auch ich mich:

Was darf wann und wo in welchem Kontext noch gesagt werden?

II Die Verwirrung der Identitäten

Das Zeitalter von Social Media ist die Epoche der exhibitionistischen Darstellung der Identitäten. Wer bin ich? Was habe ich? Was mache ich? Dabei nehmen die entsprechenden Plattformen viel weniger die Rolle eines Informationsdienstleisters ein, sondern vielmehr die einer Kommunikationsmöglichkeit und eines Jahrmarktes der Eitelkeiten. Narziss goes www. Nie war die Frage deutlicher zu vernehmen: Wer bin ich eigentlich? An dieser Stelle hat die Gendertheorie in den letzten Jahren enormen Einfluss genommen und eine Antwort auf die Identitätsfrage in etwa wie folgt gegeben: Du bist, wonach du dich fühlst und dein Glück wird allein davon bestimmt, was du für dich als Glücksbringer erachtest (2). Es ist dies die Maxime eines persönlichen Freiheitsbegriffes, der das Individuum vor unbegrenzte Möglichkeiten stellt und dabei jede normative Ebene leugnet. Das Ergebnis ist der verwirrte Mensch am Ufer eines endlosen Ozeans der Möglichkeiten, dem der Kompass aus der Hand genommen wurde mit den Worten: „Den brauchst du jetzt nicht mehr.“ Die Ablehnung normativer Prinzipien im Namen der Freiheit führt jedoch in die Orientierungslosigkeit des menschlichen Selbsts. Dies ist vergleichbar mit der musikalischen Orientierungslosigkeit, wie sie der Avantgardist Arnold Schönberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach der Auflösung der Tonalität erlebte und die ihn zur Entwicklung der 12Ton- Methode aus einer „musikalischen Notwendigkeit“ (3) heraus trieb. Und selbst dieses neue Ordnungssystem blieb die Spielerei eines intellektuell anspruchsvollen Publikums.

Zurück zur Identität:

Wo der Mensch alleine entscheiden darf, findet er auch nur das: sich selbst. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr.

Die Wunde im Herzen der Menschheit zeigt jedoch, dass dies nicht ausreicht, um glücklich zu werden.

II Die Leugnung des Absoluten

Eine Gesellschaft, die sich weigert, anzuerkennen, dass es ein Richtig und ein Falsch, ein Gut und ein Böse gibt, und dass diese Werte von außen an sie herangetragen werden, stattdessen die Moraldefinition ins Belieben der Menschen stellt, ist nur scheinbar aufgeklärt und freiheitlich. Vor allem ist sie es dann nicht, wenn sie abweichende, scheinbar überkommene Meinungen als intolerant abwertet und aus dem öffentlichen Diskurs verbannt. Die letzten Monate haben gezeigt: Was nicht sein darf, darf nicht geäußert werden. Eine freiheitlich gesinnte Gesellschaft hat jedoch genau das auszuhalten: Meinungen aufgrund ihrer Argumente anzuhören und in Beziehung zueinander zu setzen. Längst hat sich das Bewusstsein aus unseren Köpfen verabschiedet, dass es so etwas wie das Absolute (oder die Norm, oder Gott) überhaupt geben könnte. Der Individualismus hat ganze Arbeit geleistet! Gut ist, was (mir) gerade passt und (mir) nützt. An das „große Ganze“ glaubt längst keiner mehr. Allenfalls an das Gute im Menschen. Der Glaube an das Absolute scheint die Beschneidung der individuellen Freiheit zur Folge zu haben. Letztlich ist dies eine anthroposophische Frage.

Mir scheint, dass wir in einer Zeit leben, die überdeutlich einmal mehr die Frage stellt: „Gibt es einen Gott?“, und gleichzeitig laut hinausschreit: „Es muss!“ Es verwirrt mich, dass die Verunsicherung mit Händen zu greifen ist und dazu im Namen des Fortschritts willkommen geheißen wird. Dabei bin ich überzeugt, dass wir Gott brauchen, um Mensch zu sein.

Ich bin überzeugt, dass wir Gott brauchen, um Mensch zu sein.

Die Lösung für ein sinnvolles, erfülltes Leben liegt nicht in menschlichen Händen, dem Individualismus, der Identitätspolitik, der Regenbogen-Agenda, sondern „unter den ewigen Armen“ (5. Mose 33, 27). Aus der Anerkennung von Gottes Absolutheit (oder was man auch Heiligkeit nennt) entwickelt sich ein leidenschaftliches Leben in der Umsetzung dessen, was man im Angesicht Gottes erkannt hat (oder was man auch Nachfolge nennt). Dies geschieht durch die Meditation der Bibel und das Gebet unter der Wirkung des Heiligen Geistes. 
Leben in verwirrenden Zeiten ist möglich. Klarheit ebenso. Doch dazu bedarf es einer Wiederentdeckung der Wahrheit.
Frank Laffin


(1) Wertvolle Hinweise über den nicht mehr stattfinden innergesellschaftlichen und wissenschaftlichen Dialog finden sich in dem Buch von Prof. Ralf B. Bergmann: Die freie Gesellschaft und ihre Feinde, Professorenforum, Stuttgart 2021

(2) Eine übersichtliche Darstellung der Geschichte und Inhalte der Gendertheorie findet sich bei Sharon James: Der. Die. Was?, CLV, Bielefeld 2021

(3) Arnold Schönberg: Stil und Gedanke, Fischer-Verlag, Frankfurt 1992

Bildrechte: https://unsplash.com/photos/XRNSn4gt8Hs?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=cre
https://glaubensschritte.com/2021/08/09/es-lebe-das-chaos/

Eine kurze Theologie des Gesichts (und der Masken)

Eine kurze Theologie des Gesichts (und der Masken)

Seit eineinhalb Jahren tragen wir im öffentlichen Leben häufig Gesichtsmasken. Nun, im Sommer, wurden die Vorschriften in vielen Staaten zwar gelockert, aber in Deutschland wie in Litauen werden wir wohl auch in den warmen Monaten vor allem in Geschäften Masken tragen müssen. Und beim Singen in Gottesdiensten sind sie – je nach Bundesland – meist immer noch Vorschrift (Stand Juli). Viele sehen in den Masken nur ein Stück Stoff vor Mund und Nase – sollten wir zu dieser geringen Einschränkung unserer Freiheit nicht gerne bereit sein, um Menschenleben zu bewahren? Muss man sich nicht ans Tragen von Masken gewöhnen wie an das Händewaschen?

Zu Masken kann man unterschiedliche Meinungen haben, und dennoch sind sie kein theologisch neutrales Thema. Denn wir bedecken damit schließlich nicht unsere Beine oder Ellbogen, sondern weite Teile des Gesichts – und vom Gesicht oder Antlitz ist in der Bibel überraschend oft die Rede. Es hat eine in vielerlei Hinsicht besondere Bedeutung.

Gott selbst hat keinen Körper aus Fleisch und Blut wie wir Menschen; schließlich ist er kein geschaffenes Wesen. Wenn in der Bibel von seinen Händen oder Augen gesprochen wird (s. z.B. 2 Mose 15,6ff), so ist dies daher auf der einen Seite nicht in falscher Weise wörtlich zu verstehen. Mit solchen und ähnlichen Ausdrücken soll uns Gottes Handeln verständlich gemacht werden. Gott ist schließlich ein Geistwesen (Joh 4,24), der Unsichtbare (Kol 1,15). Aber dies meint andererseits nicht, dass Gott in keinerlei Hinsicht sichtbar wäre bzw. sein wird. Gott hat eine Gestalt, aber wegen der Sünde können wir sie, also Gott selbst, nicht direkt sehen. Noch „sehen wir alles nur wie in einem Spiegel“, so Paulus, doch in der Ewigkeit „werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen“ (1 Kor 13,12). Wenn die Menschen bei Gott „wohnen“ werden (Off 21,3), gibt es sicher etwas zu sehen! (Es war aber auch unter den Theologen der Reformationszeit umstritten, was genau von Gott dann sichtbar sein wird.)

Es ist kein Zufall, dass bei Paulus vom Gesicht oder Antlitz Gottes die Rede ist. Mose redete mit Gott selbst, kam ihm so nah wie wohl kein anderer irdischer Mensch. Er wollte aber auch noch die „Herrlichkeit“ Gottes direkt sehen (2. Mose 33,18), was Gott dem Sünder jedoch verwehren musste: „Mein Gesicht darf niemand sehen“ (33,20; NGÜ). Gott bekräftigt also selbst, dass er so etwas wie ein Gesicht hat, und gerade in diesem zeigt sich seine Herrlichkeit, sein vollkommen heiliges Wesen.

Nach dem Sündenfall versteckten sich die ersten Menschen vor dem „Angesicht Gottes“ oder seiner „Gegenwart“; in vielen Übersetzungen von 1. Mose 3,8 heißt es auch einfach „vor dem HERRN“ oder „vor ihm“. Denn das Gesicht Gottes repräsentiert die Person Gottes selbst. Daher ist das verborgene Antlitz Gottes ein Zeichen des Gerichts (Hiob 13,24), lässt den Menschen erschrecken (Ps 30,8) und flehentlich rufen: „Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?“ (Ps 13,1). Umgekehrt ist es Ausdruck von Gnade, wenn Gott uns sein Antlitz zuwendet oder und leuchten lässt (Ps 80,20; 4. Mose 6,25). Der Gläubige sucht Gottes Angesicht, d.h. seine Gegenwart und Gemeinschaft (Ps 27,8; 105,4).

In erster Linie ist das Gesicht Repräsentant einer Person, steht für das Ganze des Individuums. Das gilt für Gott wie für den Menschen, der nach dem Bildnis Gottes geschaffen wurde. Nicht zufällig bliess Gott den Lebensatem dem ersten Menschen in die Nase, also ins Gesicht (1. Mose 2,7). Wir sind Personen wie Gott, der eine dreieinige Person ist. Gott hat uns mit Gesichtern gemacht, damit wir unser Menschsein (z.B. Gefühle und Stimmungen) ausdrücken und miteinander kommunizieren können. Schließlich sind wir wie Gott mitteilende und liebende Wesen. Ein wahrhaft menschliches Zusammenleben ohne das Sehen von Gesichtern, ohne den Austausch zwischen Gesichtern ist kaum möglich. Gesichter sind der wichtigste Spiegel unserer Seele.

Übrigens sagte der aus Litauen stammende französische Philosoph Emmanuel Levinas (1906–1995), dass das Gesicht des Anderen uns gleichsam schweigend sagt: „Du wirst nicht töten.“ Ein sehr tiefsinninger, aber gleichzeitig auch unschwer zu verstehender Gedanke. Man denke nur an das Phänomen der Abtreibung: man hat sich allseits, selbst in den Kirchen, daran gewöhnt, denn niemand muss dien getöteten Kindern in das Gesicht sehen (erste Gesichtszüge sind ab der sechsten Schwangerschaftswoche zu erkennen).

Wie wichtig das menschliche Gesicht ist, zeigt auch 2. Mose 34,29ff. Mose kehrt von der Gottesbegegnung zurück und erschreckt die Israeliten mit einem strahlenden oder glänzenden Gesicht. Die Herrlichkeit von Gottes Antlitz – wenn auch für Mose nicht völlig sichtbar – strahlte auf sein menschliches Gesicht über, nicht auf Hände, Füße oder Brust. Denn im Gesicht verdichtet sich gleichsam das Ebenbild Gottes im Menschen. Das Gesicht sind wir selbst, weshalb sich in Ausweisen ein Gesichtsabbild befindet. Das Gesicht hat geradezu etwas Heiliges, weshalb das Schlagen ins Gesicht traditionell als entehrend und demütigend gilt (s. Joh 19,3). Und aus diesen Gründen untersagte Kaiser Konstantin nach seiner Hinwendung zum christlichen Glauben die Verstümmelung des Gesichts als Strafe oder in der Folter. Wie wichtig das Gesicht in unserer Kultur ist, zeigen bis heute Redewendungen wie „sein wahres Gesicht zeigen“ oder „sein Gesicht verlieren“.

Gott ist zwar bisher weitgehend unsichtbar, aber er zeigte gleichsam sein wahres Gesicht in der Person Jesu. Der Sohn Gottes ist das „vollkommene Abbild von Gottes Herrlichkeit“ (Hbr 1,3). Obwohl auch Mensch, wohnt in ihm „die ganze Fülle“ des göttlichen Wesens (Kol 1,19). Paulus schreibt in 2 Kor 4,6, dass wir „in dem Angesicht Jesu Christi“, d.h. in seiner Person die „Herrlichkeit Gottes“ erkennen.

Im dritten Kapitel dieses Briefes stellt der Apostel die Überlegenheit des neues Bundes gegenüber dem alten dar. Er greift dabei als bildlichen Vergleich das verdeckte Gesicht des Mose aus 2. Mose 34 auf: Menschen, die an Jesus glauben, ist gleichsam der Schleier vor Augen, die Decke vor dem Gesicht genommen – sie erkennen Gottes Herrlichkeit und die Wahrheit des Evangeliums. Was einst nur das Privileg des Mose war – Gott ganz nahe sein, so dass dessen Herrlichkeit abstrahlt –, genießen nun alle Christen (s. Eph 2,13). Sie leuchten sogar heller, als Moses es tat, denn vom neuen Bund und Christus strahlt noch mehr Herrlichkeit als vom alten (s. 2 Kor 3,9–11); auch in den Herzen der Gläubigen scheint es hell (2 Kor 4,6). Daher kommt Paulus zu dem Schluß: „Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider“ (2 Kor 3,18).

Gott ist  Licht und wohnt im Licht (Ps 27,1; 1 Tim 6,16); Jesus ist das Licht der Welt, das in der Finsternis scheint (Joh 8,12; 1,5); und auch die Christen sind Licht, das leuchten soll (Mt 5,14.16). Gott lässt sein Antlitz über uns leuchten; bei der Verklärung begann Jesu „Gesicht zu leuchten wie die Sonne“ (Joh 17,2); und auch das Angesicht der Christen ist ein heller Schein. Christen sind daher nicht nur ein „Wohlgeruch“ (2 Kor 2,15), nicht nur „Botschafter“ (2 Kor 5,20) oder „Brief“ Christi (2 Kor 3,3), sondern auch gleichsam das leuchtende Gesicht Gottes für die Welt.

Natürlich spricht Paulus hier in Bildern. Die Gesichter von Christen leuchten nicht physisch, und ein Dauerlächeln o.ä. ist auch nicht damit gemeint. Wir können aber sagen, dass die Gemeinde gleichsam das Gesicht Christi ist. In jedem Mitmenschen erkennen wir das Ebenbild Gottes; in den „geringsten Brüdern“ (Mt 25,40), Glaubensgeschwistern, sehen wir Jesus – wenn auch noch nicht sinnlich/physisch. In Zukunft wird aber genau dies passieren: Wir werden Jesus sehen – „so wie er wirklich ist“ (1 Joh 3,2), mit einem menschlichen Gesicht. Zu oft vergessen Christen dabei, dass Jesus nun in Ewigkeit Gott und Mensch ist. Er besitzt zwar einen verwandelten Körper, aber immer noch eine menschliche Gestalt. Bei der Himmelfahrt verwandelte er sich nicht in einen reinen Gott. Gläubige werden also dereinst tatsächlich das Gesicht Gottes sehen, das Gesicht des Gottmenschen Jesus.

Das „perfekte Zeichen gelebter Nächstenliebe“?

Was bedeutet all das nun in der aktuellen Coronazeit? Vorweg sei betont, dass es aus biblischer Sicht natürlich kein allgemeines Maskenverbot gibt. Zum Schutz der eigenen Person oder anderer Menschen werden Gesichtsmasken ja schon lange vor allem in der Arbeitswelt eingesetzt. Aber dort trägt man sie eben nur dann, wenn es wirklich nötig ist, denn Masken stören einfach. Anders als Hut oder Mütze behindern Masken die Atmung und das Sprechen. Sie erschweren außerdem die Erkennbarkeit von Menschen deutlich (was schließlich der Grund für das sog. „Vermummungsverbot“ war), schränken die Kommunikation ein. Masken sind daher ein gravierender, auf keinen Fall zu bagatellisierender Eingriff in die menschliche Persönlichkeit. Der Einsatz von Masken ist für Schutz und Hygiene natürlich nicht pauschal zu verwerfen, muss aber gut begründet werden.

Mit dieser Begründung hapert’s nun aber ordentlich. Oder anders gesagt: zwischen der Strenge der aktuellen Vorschriften und dem Nutzen der Masken besteht ein Missverhältnis. Allein schon der Vergleich von Staaten mit strengen Maskenverordnungen und denen ohne (z.B. Schweden) zeigt, dass Masken – wenn überhaupt – nur einen sehr begrenzten Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben. (Auch die in der Pandemie teilweise sehr unterschiedliche Praxis der US-Bundesstaaten bestätigt dies.) Eine wichtige dänische Studie vom November 2020 zeigt, dass es nur einen eher schwachen Schutzeffekt von Masken in Innenräumen gibt. Dass Masken die großen Lebensretter seien, ist wissenschaftlich schlicht und einfach nicht belegt.

Hinzu kommen gesundheitliche Beeinträchtigungen und Schäden durch längeres Maskentragen. Eine im April des Jahres veröffentliche Sammelstudie (Kai Kisielinski et al.; hier ein ausführliches Interview mit Kisielinski in deutscher Sprache) weist auf mitunter gravierende Nebenwirkungen hin. Das Tragen von Masken ist also keineswegs völlig risikofrei. Außerdem ist zu bedenken, dass es Alternativen gäbe. Der angesehene Hygieniker Prof. Klaus-Dieter Zastrow (übrigens gar kein Maskengegner) plädiert schon lange für eine regelmäßige Mund- und Rachendesinfektion, um die Virenlast deutlich zu reduzieren. Leider wurde seine einfache Idee von der Politik konsequent ignoriert.

Es spricht aus wissenschaftlicher Sicht also eigentlich so gut wie nichts dafür, dass man sich allgemein an die Maske wie an andere Hygienestandards gewöhnen müsste. Aber sollte man nicht, so wenden manche ein, alles tun, um auch nur ein Menschenleben zu retten? Also lieber möglichst immer die Maske aufsetzen, um nur ja niemanden zu gefährden? Im Zweifel immer für die Maske? Dies ist jedoch ein ethisch fragwürdiges Argument. Denn wir tun im Alltag nie „alles“, um andere Leben zu schützen. Wäre dies der normative Grundsatz, dürfte sich z.B. niemand mehr ans Steuer eines Autos setzen, denn von jedem fahrenden Automobil geht eine potentielle Todesgefahr aus. Im Einzelfall kann es wie etwa in Pflegeeinrichtungen geboten sein, Masken als Vorsichtmaßnahme zu tragen. Als Grundlage für allgemeine Gebote oder Verbote ist der Grundsatz „wir-müssen-alles-tun“ wenig praktikabel, ja im Grunde unsinnig.

Wir haben also auf der einen Waagschale einen recht begrenzten Nutzen und auf der anderen durchaus bestehende gesundheitliche Risiken. Hinzu kommen dort außerdem auf Grund des oben Gesagten gewichtige theologische Argumente: Das Gesicht will gesehen werden, sichtbar sein. Wir sind von Gott dazu geschaffen, das Angesicht wann immer möglich nicht zu verhüllen. Das Schauen „von Angesicht zu Angesicht“ ist auch unter Menschen das Ideal, eben nicht maximaler Schutz. Und wenn nichts anderes als die ewige Seligkeit mit diesem Begriff umschrieben wird, dann kann lange, dauerhafte Gesichtsbedeckung in Abwehr eines nur mäßig gefährlichen Erregers keine Option sein. Das Angesicht ist nur zu bedecken, wenn es wirklich nötig und von der Situation gefordert ist. Über diese Notwendigkeit und die genaue Dauer kann und muss im Einzelfall natürlich diskutiert werden.

Das unverhüllte, offene Gesicht hat für Christen eine ungeheure Symbolkraft. Es steht für personale Gemeinschaft mit Gott und Menschen. Von Angesicht zu Angesicht das Gesicht Christi erkennen, die Gnade des leuchtenden Antlitzes Gottes erfahren und selbst das strahlende Gesicht Gottes der Welt darstellen – all dies will nicht zu einer Normalität des verhüllten menschlichen Gesichts passen. In der Gemeinde sollte die Kommunikation von Offenheit, Klarheit und Direktheit gekennzeichnet sein; in ihr darf kein Platz für Lüge, Nachrede und Heuchelei sein, ist Verstecken, Verstellen und Verbergen zu meiden – dauerhaftes Tragen von Masken passt auch zu dieser Praxis nicht. Der Preis des sich Gewöhnens an Masken z.B. in Gottesdiensten wäre also hoch, zu hoch.

Christen sind daher aufgefordert, nach Möglichkeiten zu suchen, auf Masken möglichst bald zu verzichten. Sie sollten die rechtlichen Spielräume innerhalb der staatlichen Vorgaben ausschöpfen. Masken sind ein notwendiges Übel, kein an sich zu schätzendes Gut. Es ist kein Zufall, dass in den nicht vom Christentum geprägten Ländern Asiens das Tragen von Masken viel beliebter ist – das Gesicht hat dort einfach nicht die tiefe Bedeutung wie im Westen.

Sind Masken also das „perfekte Zeichen gelebter Nächstenliebe“, wie man von manchen Christen hören kann? Ein perfektes Zeichen sind sie sicher nicht; sie können ein Zeichen der Liebe sein, wenn man eine konkrete Gefährdung reduziert. Es macht ethisch aber überhaupt keinen Sinn, jeden als potentiellen Mörder anzusehen, der sich erst mit fleißigem Tragen der Maske von diesem Makel befreit. Solch moralisierende Überhöhung hilft nicht weiter, da wir nie unsere Unschuld beweisen könnten, schließlich verbreiten wir im Alltagsleben häufig verschiedenste Krankheitserreger.

Ein letzter Gedanke: Nächstenliebe braucht Freiheit und Freiwilligkeit. Das bloße Befolgen von Vorschriften und Befehlen mag zwar auch moralisch positiv zu werten sein, aber echte Liebe ist etwas anderes. Sie ist nicht erzwingbar. Sie braucht freie Luft zum Atmen. Wenn man also das Tragen von Masken mit Nächstenliebe in Verbindung bringen will, dann sollte man dies der freien Entscheidung des Einzelnen überlassen – und Maskenpflicht möglichst abschaffen.
(Bild o.: Peter Paul Rubens, Portrait eines jungen Mannes [Ausschnitt], 1613-15)
http://lahayne.lt/2021/07/19/eine-kurze-theologie-des-gesichts-und-der-masken/

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“

Ein Beitrag von Theoblog siehe Link am Textende
Theophil Isegrim verdanke ich den Hinweis, dass unter anderem die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Nicola Beer von der FDP, für den Matić-Bericht gestimmt hat, sich also für die Frühsexualisierung der Kinder, gegen die Gewissensfreiheit der Ärzte und für ein Recht auf Abtreibung stark macht. Übrigens stimmten 51 der 96 deutschen EU-Abgeordneten für den Bericht, 39 dagegen und 2 enthielten sich. Das ist insofern interessant, als wohl besonders sozialdemokratische und grüne Politiker die Europapolitik nutzen, um Druck auf die nationale Rechtssprechung auszuüben (siehe zur Abstimmung hier).

Tatsächlich war Frau Beer kürzlich Rednerin auf dem Kongress christlicher Führungskräfte und sprach darüber, warum es besonders für Politiker wichtig sei, einen klaren Wertekompass zu haben. Ich zitiere aus dem Medienmagazin Pro

Man müsse Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen und verantwortlich fällen. Dazu brauche es Orientierung und einen klaren Wertekompass, sagte Beer.

Ihr selbst helfe dabei der christliche Glaube. „Mein Glaube hilft mir, das Beste zu geben“, sagte sie. In stressigen Momenten halte sie inne und besinne sich auf Gott. Der Glaube gebe ihr außerdem die nötige Freiheit, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Beer erklärte zudem, die ethische Basis des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen in Europa basiere auf christlich-jüdischer Tradition, insbesondere auf den Zehn Geboten. „Das sind unsere kulturellen Wurzeln.“ Es sei wichtig, dass sich alle Menschen der pluralen, europäischen Gesellschaft für ein gelingendes Zusammenleben an die Werte, die auf den Zehn Geboten basierten, hielten. „Ich verstehe, wenn Menschen an altbekannten Traditionen und Sprachen festhalten“, sagte Beer im Hinblick auf Migranten. Außerhalb der eigenen vier Wände funktioniere das Zusammenleben jedoch nur, wenn man sich an gemeinsame Werte halte.

In diesem Zusammenhang verteidigte Beer auch den Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes. Es gebe oft Diskussionen darüber, ob er noch zeitgemäß sei. „Der Gottesbezug ist Ausdruck der irdischen Fehlbarkeit“, sagte sie. Er zeige, dass „eine werteorientierte Gesellschaft aus mehr besteht, als aus Buchstaben in Gesetzen“. Beer verwies auf den Bibelvers aus Matthäus 7, 20, in dem es heißt: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“

Anhand solcher Beispiele lässt sich besser verstehen, dass in den Augen vieler Staatsbürger die Politik unglaubwürdig geworden ist. Eine Frau, die sich zur Ethik der Zehn Gebote bekennt, setzt sich zugleich für die Legalisierung von Tötungen ungeborener Kinder ein und will jenen Ärzten, die sich nicht an Schwangerschaftsabbrüchen beteiligen möchten, die Gewissensfreiheit stehlen. 

Da möchte ich Matthäus 7,20 im Zusammenhang zitieren: 

Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet!
https://theoblog.de/an-ihren-fruechten-sollt-ihr-sie-erkennen/36902/