Nur noch Sozialarbeiter

„Wir werden bald Priester haben, die auf die Rolle der Sozialarbeiter reduziert sind und die Botschaft des Glaubens auf eine politische Vision reduziert wird. Alles wird verloren erscheinen, aber zum richtigen Zeitpunkt, genau in der dramatischsten Phase der Krise, wird die Kirche wiedergeboren werden. Sie wird kleiner, ärmer sein, fast in Katakomba, aber auch heiliger. Weil es nicht mehr die Kirche derer sein wird, die die Welt gefallen wollen, sondern die Kirche der Gott treuen und sein ewiges Gesetz. Die Wiedergeburt wird das Werk eines kleinen Überbleibs sein, scheinbar unbedeutend, aber unbeugbar, der einen Reinigungsprozess durchführt. Weil Gott so arbeitet. Gegen das Böse hält eine kleine Herde aus. Joseph Ratzinger (1970) #BenediktXVI

Lehrer im Gefängnis, weil er Transgender-Ideologie nicht mitträgt

Dürfen Lehrer gezwungen werden, Kinder so anzusprechen, wie diese es wünschen? Eine irische Schule sagt Ja und hat einen Lehrer suspendiert, der es nicht tun will. Dieser beruft sich auf seinen Glauben. Obwohl die Schule der Anglikanischen Kirche gehört, sitzt der Lehrer Enoch Burke nun im Gefängnis. 

Die NZZ berichtet: 

Burke begründet seine Weigerung mit seiner religiösen Überzeugung und beruft sich aufdie Glaubensfreiheit. Er ist evangelikaler Christ und macht geltend, es laufe seinenÜberzeugungen zuwider, einen Jungen nicht als Jungen anzusprechen. Gott habe dieMenschen als Mann und Frau geschaffen. «Transgenderismus ist mit meinemchristlichen Glauben nicht vereinbar», sagt Burke: «Er widerspricht der Bibel, dem Ethosder Church of Ireland und den moralischen Grundsätzen meiner Schule.»
Der letzte Punkt ist insofern bemerkenswert, als die Wilson’s Hospital School von deranglikanischen Church of Ireland betrieben wird. Die Kirche hat sich zur Frage noch nichtgeäussert. Äussern müssen wird sich hingegen das Gericht, der High Court in Dublin.Und zwar bald, denn Enoch Burke sitzt weiterhin in Haft. Er wäre vor ein paar Tagenfreigelassen worden, wenn er bereit gewesen wäre, sich an die gerichtliche Verfügung zuhalten.

Stellt sich die Frage: Was sollen Lehrer tun, wenn ein Schüler gern wie eine Katze angesprochen und behandelt werden möchte?

Mehr: https://www.nzz.ch/feuilleton/irischer-lehrer-im-gefaengnis-weil-er-nicht-they-sagen-will-ld.1701984
https://theoblog.de/lehrer-im-gefaengnis-weil-er-transgender-ideologie-nicht-mittraegt/38524/

Kulturelle Aneignung!?

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Menschen seltsam angesehen, wenn sie sich Rasta- Zöpfe flechten ließen, wenn sie traditionell chinesische Kleidung trugen oder afrikanische Tänze einübten. Dann galt so etwas als Zeichen großer kultureller Offenheit. Zwischenzeitlich hat sich der ideologische Wind in der Gesellschaft wieder einmal gedreht. Mit großer Empörung und massiven Unterstellungen wirft man jungen Europäern, die Reggae spielen, Rasta- Zöpfe tragen oder indianischen Schmuck herstellen, nun „kulturelle Aneignung“ vor. Dieser neu erfundene Sachverhalt mit dem man wieder einmal seine besondere Sensibilität und persönliche Gerechtigkeit gegenüber einer vorgeblich ignoranten Gesellschaft beweisen kann, geht davon aus, dass kulturelle Bräuche und Techniken legitim nur von der Gruppe praktiziert werden dürften, die sie ursprünglich erfunden hat. Wer sich nicht an diese neuen ideologischen Regeln hält, der wird schnell als verkappter Kolonialist oder Dieb fremden kulturellen Eigentums diffamiert. In diesem Zusammenhang wird selbstgerecht gerne auch angemerkt, dass Indianer sich zwar selbst als „Indianer“ bezeichnen dürften, Europäer aber, politisch korrekt, nur von „Indigenen“ oder „amerikanischen Ureinwohnern“ sprechen dürften. Gleiches gilt dann natürlich auch für Zigeuner, Eskimos, Frauen und Männer. Sofern er überhaupt weiß wer oder was er ist, darf sich der Betreffende bezeichnen wie er will. Außerstehende aber sind verpflichtet, ausschließlich die gerade gesellschaftlich gültigen Formulierungen zu verwenden.
In einer über Jahrzehnte multikulturell geprägten Welt wirken solche Vorstellungen irgendwie überraschend und deplatziert. Tatsächlich plündert der westlich- postmoderne Mensch schon lange weitgehend bedenkenlos das kulturelle Erbe anderer Völker. Häufig reißt man dabei Musik, Kleidung und religiöse Vorstellungen aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang, um sie dann besser verkonsumieren zu können. In der Esoterik beispielsweise werden hinduistische, buddhistische, jüdische und schamanische Elemente beständig aus ihrem eigentlichen Kontext gelöst und recht willkürlich neu zusammengefügt. Die ursprüngliche Bedeutung eines Begriffs oder einer Handlung wird dann gewöhnlich ignoriert. Nach eigenen Vorlieben wird alles umgedeutet, bis der Anhänger der jeweiligen Religion seine eigenen Überzeugungen selbst nicht mehr wiedererkennt. Manchmal gibt der westliche Esoteriker dann sogar noch vor, der eigentlich authentische Buddhist oder Hindu zu sein. Das ärgert den natürlich vollkommen zurecht, der ganz in der entsprechenden Kultur lebt.
Trotzdem ist der massiv erhobene Vorwurf „kultureller Aneignung“ reichlich problematisch. Zum einen könnte man sich doch auch freuen, wenn viele Menschen anderer Länder plötzlich für bestimmte Elemente der eigenen Kultur oder Weltanschauung Interesse zeigen; auch wenn sie diese dann verändern oder uminterpretieren. Immerhin hebt deren Anteilnahme die Bedeutung der eigenen Traditionen und Vorstellungen deutlich hervor. Zum anderen verrät der Vorwurf „kultureller Aneignung“ eine ziemlich seltsame Vorstellung fremder Lebensweisen. Kulturen sind gewöhnlich nicht statisch, sondern befinden sich in einer beständigen Veränderung. Kulturen, Religionen und Musikstile nehmen regelmäßig neue Gedanken auf und integrieren sie in das eigene Konzept. So ist der Islam ohne das Christentum nicht denkbar, von dem er viele Elemente übernommen und dann umgedeutet hat. Muslimen deshalb pauschal „kulturelle Aneignung“ zu unterstellen, wirkt irgendwie absurd. Natürlich können Menschen anderer Kulturen Elemente christlichen Glaubens aufnehmen und umformen, auch wenn Christen das als Verfälschung verstehen. Wenn jemand bestimmte Aspekte oder Stile einer anderen Kultur übernimmt, dann ist das weder verboten noch unmoralisch, sondern ein deutliches Zeichen für die Attraktivität dieser Kultur. Wohl jeder Musik- oder Kleidungsstil und jede Weltanschauung oder politische Idee ist schließlich irgendwann von anderen geprägt und beeinflusst worden. Diesen vollkommen normalen Austausch tabuisieren zu wollen, widerspricht der überall anzutreffenden Wirklichkeit und führt in konsequenter Anwendung zu einer ideologisch gewollten Verarmung des Lebens.
In der Konsequenz führt der Vorwurf „kultureller Aneignung“ zu gesellschaftlicher Isolation und zu steigendem Nationalismus. Denkt man dieses Konzept weiter, dann dürfen am Ende nur noch Kenianer kenianische Frisuren tragen und kenianische Musik aufführen. Im Umkehrschluss dürften natürlich auch nur noch Deutsche, Bach oder Mozart spielen und alle asiatischen Musikstudenten müssten schleunigst ausgewiesen werden, um deren „kulturelle Aneignung“ nicht zu unterstützen. Man dürfte auch kein chinesisches oder italienisches Essen mehr genießen, es sei denn es ist auch von einem Vertreter der jeweiligen Kultur gekocht worden. Unter dem Vorwurf „kultureller Aneignung“ müsste man natürlich auch die meiste Popmusik tabuisieren, weil sie zumeist Elemente afrikanischer und afroamerikanischer Kultur aufgenommen hat. Im Gegenzug müsste man Indern verbieten Krankenhäuser und Universitäten zu unterhalten, weil sie sich damit sachfremd Elemente europäischer Kultur aneignen. Ist es dann auch illegitim, wenn Chinesen über den deutschen Philosophen Immanuel Kant diskutieren oder afghanische Frauen über Feminismus, wobei beides ganz deutlich aus der europäischen Kultur stammt? Deutsche sollten wohl am besten nur noch deutsche Küche mit Sauerkraut und Kartoffeln konsumieren, um sich beim Kochen keiner „kulturellen Aneignung“ schuldig zu machen. Wobei nicht vergessen werden darf, dass auch die Kartoffeln, der Mais und der Schwarztee natürlich aus ganz anderen Kulturen stammen, also eigentlich auch tabu wären.
Manchmal fördert der Vorwurf „kultureller Aneignung“ auch den Irrationalismus und den Mystizismus. Neutrale oder sogar kritische Kommentare von außen versucht man mit dieser Behauptung bequem zurückzuweisen, weil man einfach pauschal behauptet, dass es nur noch dem Nigerianer erlaubt sei Aussagen über Nigeria zu machen und nur noch Indianer über Vorstellungen der Indianer sprechen dürfen. Dabei wird schnell unterschlagen, dass viele Indianer oder Nigerianer deutlich weniger über ihre eigene Kultur wissen als interessierte Außerstehende, denen mit dem pauschalen Vorwurf „kultureller Aneignung“ aber undifferenziert der Mund verboten wird. Nur weil jemand in einer entsprechenden Kultur oder einem entsprechenden Land geboren wird, ist er eben nicht generell qualifiziert gültige Aussagen darüber zu machen. Anderen Menschen generell Böswilligkeit und Unfähigkeit zu unterstellen ist wenig reflektiert und kann logisch kaum begründet werden.
Wendet man diese Argumentation auch nur einigermaßen konsequent an, dann müsste man biologistisch davon ausgehen, dass kulturelle Kompetenz vor allem eine Frage der Genetik ist. Einfach weil ein Mensch in einem bestimmten kulturellen Umfeld aufgewachsen ist, gilt er quasi als Eigentümer und einzig legitimer Interpret dieser Kultur. Im Kern verbergen sich hinter diesem Konzept rassistische Vorstellungen. Gerade die „völkische Ideologie“ der Nationalsozialisten argumentierte häufig ganz ähnlich. Nur die Arier könnten demnach das Germanentum richtig verstehen und interpretieren, nicht aber die Amerikaner, Russen oder Mitglieder anderer Völker, war man überzeugt So wollte man seine germanische Kultur rein halten von fremden Einflüssen. Wenn etwas wissenschaftlich nicht belegbar war, dann berief man sich einfach auf das vorgeblich spezielle Wissen germanischer Arier, was Außenstehende eben nicht nachvollziehen könnten. Wer ehrlich ist, wird allerdings schnell zugeben, dass gerade die kritischen Kommentare von Menschen anderer Prägung und Kultur absolut notwendig sind, um eigene Einseitigkeiten und Fehler erkennen zu können. Da ist es absolut hilfreich, dass Menschen sich nicht von einer vorgeblich „kulturellen Aneignung“ abschrecken lassen und europäische Vorstellungen kritisch kommentieren. Ebenso können und sollen Europäer Kulturen anderer Länder durchdenken und kritisch reflektieren.
Gerade der christliche Glaube ist international und im Kern überkulturell. Christen wollen eine „kulturelle Aneignung“ ihres Glaubens in anderen Ländern. Das nennt man dann „Inkulturation“. Menschen anderer Kulturen übernehmen den Kern christlichen Glaubens und bilden ihn dann mit ihren Instrumenten, ihrer Kunst, ihrer Sprache, ihrer Architektur usw. ab. Das ist vollkommen legitim und sogar beabsichtigt. Kulturen müssen nicht statisch erhalten bleiben wie sie zu einem willkürlich festgelegten Zeitpunkt existierten. Kulturen dürfen andere Elemente aufnehmen und nach ihrem Umfeld umprägen. Kulturen sind lebendig und prägen sich gegenseitig oder sie sterben. Christen wünschen sich, dass Menschen aus vielen Kulturen sich mit ihren Glaubensinhalten und Traditionen beschäftigen, selbst wenn am Ende manche den Kern des Glaubens missverstehen können. Andererseits aber wird dabei christliche Wahrheit beständig in neuen kulturellen Formen ausgedrückt und fester Bestandteil des Lebens fremder Völker. (von Michael Kotsch)
https://xuvu7p.podcaster.de/2022/09/01/kulturelle-aneignung/

Biologe Scherer: „Fortpflanzungsbiologen unterscheiden zwei Geschlechter – und zwar genau zwei“

Nicht erst seit einem abgesagten Vortrag von Marie-Luise Vollbrecht erhitzt eine Frage die Gemüter: Wie viele biologische Geschlechter gibt es eigentlich? Der Biologe Siegfried Scherer hat eine klare Antwort – und einen Tipp für Christen.

PRO: Was ist eigentlich ein Geschlecht?

Siegfried Scherer: Ich antworte als Biologe. In der Biologie zeigt das biologische Geschlecht bei sich sexuell fortpflanzenden Arten an, welche Individuen beim Fortpflanzungsprozess große Eizellen und welche Individuen kleine Samenzellen bilden. Die, die große Eizellen bilden, nennt man weiblich, und die, die kleine Samenzellen bilden, nennt man männlich. Das ist querbeet in der gesamten Biologie so.

Es gibt also auch Tierarten, die sich nicht sexuell fortpflanzen?

Es gibt viele Organismen, die sich vegetativ fortpflanzen. Die haben also keine Geschlechter, die Zellen teilen sich einfach, zum Beispiel Bakterien. Wenn wir in der Biologie von  Geschlecht sprechen, dann meinen wir sexuelle Fortpflanzung. Tatsächlich gibt es sehr selten weibliche Tiere, die keine Männchen zur Fortpflanzung benötigen, sie bilden Eizellen, die sich aber ohne Spermium zu Nachkommen entwickeln können. Das ist kein drittes Geschlecht, es handelt sich nach wie vor um Weibchen. Bei Säugetieren und beim Menschen kommt das übrigens nie vor. 

In der Biologie ist die Anzahl der Geschlechter unumstritten

In der Biologie geht es bei Geschlecht also darum, wer welche Rolle bei der Fortpflanzung spielt. 

Ja, eigentlich ganz einfach. Die, die große Eizellen machen, sind die Weibchen, und die, die kleine Samenzellen machen, sind die Männchen. Das biologische Geschlecht ist ein eindeutig definierter Begriff aus der Fortpflanzungsbiologie.

Männlich und weiblich, Eizelle oder Spermium – also kennt die Biologie nur zwei Geschlechter? 

Die Fortpflanzungsbiologen unterscheiden zwei Geschlechter – und zwar genau zwei Geschlechter, das weibliche und das männliche Geschlecht. Weitere biologische Geschlechter sind nicht bekannt, weder beim Menschen noch bei sexuell sich fortpflanzenden Tieren noch bei Pflanzen. 

Angesichts der Diskussionen über das Thema Geschlecht hört sich das sehr einfach an.

Das ist nun mal das Ergebnis der biologisch-wissenschaftlichen Forschung der letzten Jahrhunderte. Natürlich gibt es auch Aberrationen, Abweichungen und Mutationen. Das ändert aber nichts daran, dass es in der Fortpflanzungsbiologie genau zwei Geschlechter gibt.

Wie entsteht eigentlich das biologische Geschlecht? Ist es schon von Anfang an festgelegt, dass ein Mensch männlich oder weiblich wird?

Normalerweise schon. Das Geschlecht wird genetisch determiniert durch die Geschlechtschromosomen X und Y. XX ist weiblich, XY ist männlich. Im Laufe der Embryonalentwicklung wird das biologische Geschlecht auch anatomisch sichtbar. In den ersten sieben Wochen sind männliche und weibliche Embryonen nicht voneinander zu unterscheiden. Erst danach bilden sich in der Embryonalentwicklung die primären Geschlechtsorgane aus, also Hoden oder Eierstöcke, in denen die Eizellen und Samenzellen gebildet werden. 

Es gibt auch Fälle von Intersexualität, bei denen sich also beim Fötus trotz XX-Chromosom ein Penis entwickelt.

Es gibt eine ganze Menge von unterschiedlichen Ausbildungen im Bereich der Intersexualität. Diese Menschen sind Träger von sehr seltenen Mutationen, manchmal auch Chromosomen-Anomalien. Mutationen sind Fehler in der DNA-Sequenz von Genen, die für die Ausbildung der primären Geschlechtsorgane notwendig sind. Aufgrund solcher Erbgutfehler ist die embryonale Ausbildung der primären Geschlechtsorgane gestört. Dies kann mehr oder weniger drastisch ausfallen, ist aber selten, die Zahlen liegen bei etwa 0,5 bis 1 Prozent. Diese Störungen in der Sexualentwicklung führen aber nicht zu einem weiteren biologischen Geschlecht, wie das mitunter fälschlicherweise behauptet wird, sondern diese Mutationen im Erbgut stören die Ausprägung eines der beiden biologischen Geschlechter.

Das kann dramatische Folgen bis hin zu Unfruchtbarkeit und zu verschiedensten körperlichen Störungen haben. Für die betroffenen Menschen ist das notvoll, sie brauchen sexual-medizinische und psychologische Hilfe. Unsere Gesellschaft ist mit diesen Menschen leider nicht immer gut umgegangen. Da gibt es viele Versäumnisse in der Vergangenheit.

„Intersexuell“ bedeutet „zwischen den Geschlechtern. Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass es dafür eine positive, nicht ausschließende Bezeichnung geben muss. Heute ist von „divers“ in Bezug auf das Geschlecht die Rede. Ist das nicht also ein „drittes Geschlecht?
Ich habe nichts dagegen, wenn wir diese Menschen als divers bezeichnen. Dann bewegen wir uns nicht mehr im biologischen, sondern im soziologischen Bereich. Und selbstverständlich sind das nicht Menschen zweiter Klasse, sie sind vollwertige Menschen, mit einer Besonderheit. Es ist wichtig, dass wir darüber reden, wie wir auf eine gute Weise miteinander umgehen. Beim Begriff „divers“ handelt es sich biologisch gesehen nicht um ein weiteres Geschlecht, es ist ein Sammelbegriff für zahlreiche Abweichungen in der Sexualentwicklung. 

„Bis heute ist kein drittes biologisches Geschlecht im Sinne der Fortpflanzungsbiologie bei den Säugern beschrieben worden.“

Ist die Frage, wie viele Geschlechter es gibt, innerhalb der Biologie umstritten? 

Nein. Schlicht und ergreifend nein. Es gibt zwei biologische Geschlechter und es ist bis heute kein drittes biologisches Geschlecht im Sinne der Fortpflanzungsbiologie bei den Säugern beschrieben worden. 

Der Sexualwissenschaftler Heinz-Jürgen Voß hält von Zweigeschlechtlichkeit nichts. Über den viel diskutieren Vortrag von Marie-Luise Vollbrecht sagte er: „Den heutigen Fachdebatten in unserer Disziplin trägt sie gar nicht Rechnung. Wissenschaftlich wird von Variabilität und individueller Vielfalt ausgegangen.“ Ist das falsch?

Ich habe den Vortrag von Frau Vollbrecht natürlich angehört. Sie hat den aktuellen Stand der Fortpflanzungsbiologie auf einem allgemeinverständlichen Lehrbuch-Niveau korrekt dargestellt. Die biologische Zweigeschlechtlichkeit wird durch genetische oder auch hormonelle Störungen nicht in Frage gestellt. Ein weiteres biologisches Geschlecht, welches für die Fortpflanzung der Lebewesen eine Rolle spielt, ist bis heute nirgends beschrieben worden. Mir erschließt es sich nicht, von welchen Fachdebatten Herr Voß spricht. Wahrscheinlich bezieht er sich auf soziologische Debatten.

Er hat Biologie studiert und dann am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Bremen mit einer Arbeit zum Thema „Geschlechter-Dekonstruktion aus biologisch medizinischer Perspektive“ promoviert. Offenbar definieren die Sozialwissenschaften Geschlecht ganz anders als Biologen. 

Ja, offenbar. In der Biologie gibt es zwei Geschlechter, das ist der wissenschaftliche Stand. Ich glaube, ich wiederhole mich. 

Tja.

Wir wissen als Biologen alle, dass es eine große biologische Variabilität gibt. Und natürlich sprengen intersexuelle Fehlbildungen die klaren Kategorien von Mann und Frau. Aber sie erzeugen keine weiteren biologischen Geschlechter, sondern sie stören oder, im Extremfall, zerstören ein fortpflanzungsbiologisches Geschlecht. Soziologen sprechen vom sozialen Geschlecht, also Gender. Mir ist nicht klar, ob es für den Begriff „soziales Geschlecht“ eine objektivierbare, wissenschaftliche Definition gibt, so wie für das biologische Geschlecht. Wenn ich höre, dass es über 100 Geschlechter geben soll, dann kommt mir persönlich die Sache doch irgendwie inflationär vor. 

Manche Menschen fühlen sich nicht wohl mit ihrem Geschlecht, obwohl es biologisch eindeutig ist.

Das gibt es, leider. Da geht es um Transsexualität. Ich glaube, dass das sehr unterschiedliche Ursachen haben kann. Es kann genetische Ursachen haben, zum Beispiel dass die Produktion von Geschlechtshormonen auf- oder abreguliert ist. Wenn bei einer Frau – also genetisch XX – die Testosteron-Produktion hochreguliert ist, hat das auf den ganzen Körper  einen Einfluss. Es kann daher sein, dass diese Frauen gewissermaßen hormonell „vermännlichen“, was man bis ins Gehirn hinein auch feststellen kann. Wenn andererseits bei Männern – also genetisch XY – zu wenig Testosteron gebildet wird, kann es sein, dass zwar die primären männlichen Geschlechtsorgane vorhanden sind, aber dass es trotzdem gewissermaßen zu einer „Verweiblichung“ kommt.  

Vorsicht bei Geschlechtsumwandlungen

Aber auch Belastungen wie bei schrecklichen Lebenserfahrungen können dazu führen, dass Menschen in ihrer geschlechtlichen Identität ins Schwimmen kommen. Das wissen Psychologen aber besser als ich. Es gibt eine große Bandbreite an Ursachen, warum ein Mensch sich nicht identifizieren kann mit seinem biologischen Geschlecht. Das muss man ernst nehmen und verantwortlich damit umgehen. Besonders liegen mir da die Teenies am Herzen. Wenn ich lese, dass der Gesetzgeber plant, dass ein Kind mit 14 Jahren ohne die Eltern entscheiden darf, ob es sich umoperieren lässt in seiner Geschlechtszugehörigkeit, dann packt mich das kalte Grausen. Das muss zum Schutz der Kinder verhindert werden. Verstehen Sie mich richtig, ich habe nichts grundsätzlich gegen Geschlechtsumwandlungen. Man muss aber sehr sorgsam abwägen, um sicher sagen zu können, in welchen Fällen das sinnvoll ist. So etwas ist irreversibel und kann ein Leben zerstören.

„Es ist wenig sinnvoll, soziologische Begriffe mit biologischen Begriffen zu verwechseln.“

In der aktuellen Version der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme – ICD-11 – ist die Transsexualität und alle damit in Zusammenhang stehenden Diagnosen entfernt worden. Es ist also nicht mehr die Rede von einer Störung.
Ich kann es voll verstehen, wenn ein betroffener Mensch sich nicht in eine pathologische Schublade stecken lassen will, weil das vielleicht gesellschaftliche Konsequenzen hat. Es geht ja hier nicht um schiefe Zähne oder ein krumme Nase, sondern hier ist die ganze Persönlichkeit und Individualiät des Menschen betroffen. Für mich bedeutet eine solche Störung keine Abwertung der Person. Die betroffenen Menschen können nichts dafür. Ich bin selbst auch betroffen. Auch in meiner individuellen Sexualentwicklung hat es eine genetische Abweichung gegeben: Ich bin unfruchtbar. Das hat mit einem weiteren Geschlecht nichts zu tun. Das ist eine Störung meiner Sexualentwicklung, eine tragische und weitreichende Störung – was denn sonst?
Aber das hat mit meinem Wert als Mensch und als Mann nichts zu tun. Wir sollten sehr feinfühlig und ohne Tabuisierung mit diesen Dingen umgehen. Es ist vermutlich nicht hilfreich, von Krankheit zu sprechen. Es kommt viel mehr darauf an, wie wir mit den Menschen umgehen, wie wir ihnen helfen und wie wir sie als Gesellschaft integrieren. Das ist die eine Seite.
Aber die andere Seite ist, dass es wenig sinnvoll ist, soziologische Begriffe mit biologischen Begriffen zu verwechseln. 
Ihre Studenten sind jung und wachsen mit einem anderen gesellschaftlichen Bild auf als noch ihre Eltern. Sind die irritiert darüber, dass die Biologie nur zwei Geschlechter kennt? Erleben Sie da eine Debatte über das Thema?
Meine Studierenden sind von der biologischen Zweigeschlechtlichkeit sicher nicht irritiert, das ist für die normal, schließlich studieren sie Biologie, aber sie finden wohl alle, dass wir mit allen Menschen auf eine gute Weise umgehen sollen, und dass wir an solchen Fragen keinerlei Wertungen vornehmen. Das hat sich auch gesellschaftlich durchgesetzt – hoffe ich jedenfalls. Und das ist positiv.
Wenn Wissenschaft in der Vergangenheit angefeindet wurde, dann oft, weil sie bestimmte Paradigmen in Frage gestellt hat. Im Fall von Marie-Luise Vollbrecht scheint es anders zu sein: Sie erlebt Anfeindungen, weil sie einen biologischen Konsens öffentlich vertritt – bis dazu, dass ihr Vortrag aus Sicherheitsgründen verlegt wurde. Fürchten Sie um die Freiheit der Forschung? Oder wäre das übertrieben?
Ich habe zunehmend den Eindruck, dass man bei kontroversen Themen mehr Prügel als früher bekommt, wenn man seine Meinung äußert. Und ich fürchte, dass an Universitäten immer stärker eine Cancel Culture um sich greift und auch die freie Meinungsäußerung an Universitäten eingeschränkt wird. Ich bin aus diesem Grund Mitglied beim Netzwerk Wissenschaftsfreiheit geworden. Darin haben sich inzwischen viele Professoren und Akademiker zusammengetan, die sehen, dass da etwas in die falsche Richtung läuft. Ich habe sehr bedauert, dass die Leitung der Humboldt-Universität den Vortrag aus Sicherheitsgründen abgesagt hat. Wenn ich Universitätspräsident wäre, dann hätte ich bei Sicherheitsbedenken die Veranstaltung eben unter Polizeischutz gestellt. Es kann nicht sein, dass wissenschaftliche Meinungen nicht mehr geäußert werden können. Wir müssen aufpassen.
In der Bibel heißt es in Genesis: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde. Zum Bilde Gottes schuf er ihn und schuf sie als Mann und Frau.“ Wie können Sie es theologisch einsortieren, dass es auch Menschen gibt, die eben nicht Mann oder Frau sind – oder sich zumindest nicht so fühlen?
Der Schöpfungsbericht bestätigt zunächst den biologischen Befund: Der Mensch ist Mann oder Frau. Die Rabbiner in der jüdischen Tradition wissen aber ganz genau, dass es auch intersexuellen Formen gibt. Das wird von der religiösen Tradition oder von der Bibel also nicht ausgeblendet. Wir leben nicht in einer perfekten Welt, sondern in einer gefallenen Schöpfung. Das sehen wir unter anderem in der Genetik in allen Bereichen unserer Gene – und eben auch in der Sexualentwicklung. Dass ich mich nicht fortpflanzen kann, das gehört nicht zur guten Schöpfung Gottes, sondern es ist eine der Konsequenzen unserer gefallenen Welt. Die Bibel ist da sehr realistisch und wir sollten es auch sein. Wenn Christen ausblenden, dass es zum Beispiel intersexuelle Menschen gibt, und wenn sie diese gar als Sünder betrachten, dann läuft da was grundfalsch. 
Vielen Dank für das Gespräch.
https://www.pro-medienmagazin.de/biologie-scherer-wie-viele-geschlechter-gibt-es/

Gender Mainstreaming: Emanzipation oder Tyrannei?

Das Wort „Gender Mainstreaming“ ist den meisten Bürgern unseres Landes nicht bekannt. Es ist ihnen daher auch nicht bekannt, dass sie seit Jahren von Seiten der Regierungen, der europäischen Autoritäten und einem Teil der Medien einem Umerziehungsprogramm unterworfen sind, das bei den Insidern diesen Namen trägt. Was durch Re-Education aus den Köpfen eliminiert werden soll, ist eine jahrtausendealte Gewohnheit der Menschheit: die Gewohnheit, Männer und Frauen zu unterscheiden; die gegenseitige sexuelle Anziehungskraft beider Geschlechter, auf der die Existenz und Fortexistenz der Menschheit beruht, zu unterscheiden von allen anderen Formen der Triebbefriedigung, sie diesen gegenüber durch Institutionalisierung zu privilegieren und sie bestimmten humanisierenden Regeln zu unterwerfen. Die Umerziehung betrifft letzten Endes die Beseitigung der im Unvordenklichen gründenden schönen Gewohnheit, die wir Menschsein und menschliche Natur nennen. Emanzipieren sollen wir uns erklärtermaßen von unserer Natur.
Das Wort „Emanzipation“ meinte einmal so etwas wie Befreiung. Emanzipation von unserer Natur kann nur heißen: Befreiung von uns selbst. Der Begriff der politischen Freiheit wurde im alten Griechenland geprägt und meinte anfänglich: auf gewohnte Weise leben dürfen. Der Tyrann war der, der die Menschen daran hindert, der sie umerziehen will. Von solcher Tyrannei handelt dieses Buch. Es ist ein Aufklärungsbuch. Es klärt uns auf über das, was zur Zeit mit uns geschieht, mit welchen Mitteln die Umerzieher arbeiten, und mit welchen Repressalien diejenigen zu rechnen haben, die sich diesem Projekt widersetzen. Und zwar nicht nur diejenigen, die in der zur Diskussion stehenden Sache Partei ergreifen, sondern […] alle, die in diesem Zusammenhang irgendwann einmal eingetreten sind für die Freiheit, seine Meinung zu äußern in einer offenen Diskussion.
Seit Jahren ist in unserem Land und europaweit eine wachsende Diskussionsverweigerung im Namen der „politischen Korrektheit“ zu beobachten. Dem vom Mainstream Abweichenden wird nicht mit Argumenten erklärt, inwiefern er irrt, sondern es wird ihm gesagt: „Das hättest du nicht sagen dürfen.“ Ich erinnere hier nur an den Fall Sarrazin. Er wird nicht widerlegt, sondern geächtet. Was dahinter steht, ist der sich ausbreitende Wahrheitsrelativismus. Wahrheit beanspruchen gilt als Intoleranz. Dabei ist das Gegenteil richtig. Wahrheitsansprüche erheben heißt, eine Meinung der diskursiven Prüfung aussetzen. Wenn es Wahrheit nicht gibt, dann kann es eine solche Prüfung gar nicht geben, dann sind Diskurse nur verschleierte Machtkämpfe, eine Meinung ist dann nicht wahr oder falsch, sondern herrschend oder abweichend und im letzteren Fall der Ächtung ausgesetzt. Natürlich entspringt das Wahre nicht erst dem Diskurs. Es wird durch ihn nur geprüft. Es ist auch vor dieser Prüfung wahr und intuitiv überzeugend. Wenn wir erfahren, dass in Londoner Kindergärten und in schwedischen, die als besonders fortschrittlich gelten, der Gebrauch der Worte „Vater“ und „Mutter“ durch die Betreuer verboten ist und durch geschlechtsneutrale Worte ersetzt wird – aus österreichischen Amtsstuben wird Ähnliches berichtet –, dann schwanken in der Regel die Gefühle zwischen Kopfschütteln und Empörung, vor allem weil das Volk seine Vertreter niemals dazu legitimiert hat, von ihnen umerzogen zu werden.
Was ist das Motiv dieser Absurditäten? Man spricht es klar aus. Kinder, denen man zuerst die Adoption durch ein gleichgeschlechtliches Elternpaar zugemutet hat, sollen nun nicht das Gefühl haben, dass andere etwas haben, was ihnen fehlt. Damit es keine Anomalität mehr gibt, wird der Begriff des Normalen tabuisiert und unter Ideologieverdacht gestellt. Dabei ist Normalität für alles Lebendige konstitutiv. Im Bereich der unbelebten Natur, also im Bereich der Physik, gibt es keine Normalität, sondern nur strenge Gesetzmäßigkeit. Überall dagegen, wo es Leben gibt, gibt es so etwas wie ein artspezifisches „Aus-Sein-auf-etwas“. Und dieses, worauf die Natur aus ist, kann auch durch eben dieselbe Natur verfehlt werden. Es gibt, wie Aristoteles schreibt, „Fehler der Natur“. Der Instinkt, den jungen Löwen das Jagen beizubringen, gehört zur Natur der Löwenmutter, ohne ihn werden die Jungen nicht lebensfähig, und ohne ihn gäbe es gar keine Löwen. Das Fehlen dieses Instinkts ist daher eine Anomalie.
Der Begriff einer normativen Normalität ist unverzichtbar, wenn es um den Umgang mit Lebensvorgängen geht. Irrtümer auf diesem Feld sind lebensgefährlich für die Menschheitsfamilie. Dass Gabriele Kuby den Mut hat, die Bedrohung unserer Freiheit durch eine antihumanistische Ideologie beim Namen zu nennen, bringt ihr möglicherweise Feindseligkeit, ja sogar Hetze ein. Sie hat stattdessen für ihre Aufklärungsarbeit unser aller Dank verdient. Möglichst viele Menschen sollten dieses Buch lesen, um aufmerksam zu werden, was auf sie zukommt, wenn sie sich nicht wehren.
Prof. Dr. Robert Spaemann: Geleitwort, in:Gabriele Kuby: Die globale sexuelle Revolution.
www.i-daf.org.

Klage gegen Gendersprache-Leitfaden bei Audi gescheitert.

“Der Autobauer hatte im vergangenen Jahr die Unternehmensrichtlinie zu Gendersprache erlassen. In Anspielung auf einen bekannten Werbeslogan von Audi heißt der Leitfaden «Vorsprung beginnt im Kopf». Das Unternehmen begründete die Sprachvorgaben im März 2021 damit, dass dies ein Zeichen für Gleichberechtigung sei und die Vielfalt der Geschlechter besser abbilde. «Audi möchte gendersensible Formulierungen von nun an in der internen und externen schriftlichen Audi Kommunikation allgegenwärtig machen», hieß es. In der mündlichen Verhandlung im Juni war eine gütliche Einigung zwischen den Parteien gescheitert. Die Anwälte der Audi AG lehnten es ab, die Genderformen aus allen E-Mails an den VW-Prozessmanager und den dazugehörigen Anhängen zu entfernen. Dies sei nicht praktikabel, meinten sie. Das Gericht sah letztlich weder einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz noch eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Klägers. Die Richter prüften dies unter den Aspekten der geschlechtlichen Identität und der sprachlichen Integrität.” Klaus Kelle
Eine laute Minderheit diktiert der Welt, wo es lang geht. Das kann echt nicht sein. Es ist keine Spinnerei, das wäre ja harmlos. Es ist eine Umerziehung der Menschen. Wer nicht mitmacht, der hat Nachteile im Beruf und an den Universitäten. Hatten wir so etwas nicht schon einmal? – Wie schnell doch die (meisten) Menschen vergessen.
“Gendermainstreaming will die Gleichstellung der Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen forcieren: Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sollen verwischt und typische Geschlechterrollen beseitigt werden.Dabei geht man so weit, dass man die angeborenen biologischen Geschlechtsunterschiede als unbedeutend erklärt und die Geschlechtsidentität als frei wählbar darstellt, wobei auch medizinische Eingriffe nicht ausgeschlossen werden. Wenn z.B. ein Mann wie eine Frau empfindet (eine Form der Transsexualität), dann wurde das bisher als Geschlechtsidentitätsstörung betrachtet, während es jetzt Teil einer bunten Geschlechtervielfalt sein soll.Seit Anfang 2019 kann in Deutschland ein drittes Geschlecht im Geburtenregister eingetragen werden („Divers“). Dabei geht es zunächst um Menschen, die keine eindeutigen Geschlechtermerkmale bei der Geburt aufweisen (Intersexualität). Die Bezeichnung „Divers“ macht aber klar, dass mehr dahintersteht: Die Vielfalt bzw. das Durcheinander der Gender-Ideologie soll gefördert werden.Das Gedankengut von Gendermainstreaming verändert auch die Geschlechtspartner-Orientierung, da neben einer heterosexuellen Beziehung andere Beziehungen normalisiert oder gar idealisiert werden (wie Homosexualität und Bisexualität). Es ist klar, dass dabei die traditionelle Ehe unter die Räder kommt.Es ist in unserer Zeit besonders wichtig, Gottes Wort in dieser Sache zu befragen. Dann hat man ein sicheres Fundament. Die Bibel zeigt klar, dass es nur zwei Geschlechter gibt: „Mann und Frau schuf er sie“ (1. Mose 1,27). Die Geschlechteridentität ist damit eindeutig geklärt.[1]Die Bibel lehrt auch deutliche Unterschiede der beiden Geschlechter und zeigt eindeutige Geschlechterrollen.” Gerrid Setzer

Verschwörungstheorien

In der neuesten Ausgabe von „Evangelium und Wissenschaft“ (Zeitschrift der Karl-Heim-Gesellschaft; Jg. 43) wurde auf 14 Seiten ein Gespräch zwischen der Physikerin Barbara Drossel und dem Theologen Thorsten Dietz abgedruckt. Eines der Themen waren „Verschwörungstheorien“. Ich habe den beiden dazu Folgendes geschrieben, was vielleicht dem einen oder anderen nützlich sein kann:
„Allgemein wird meist der Eindruck erweckt, Verschwörungstheorien seien immer falsch. „Verschwörungstheoretiker“ ist bekanntlich ein Schimpfwort. Diesen Eindruck kann man auch bei Ihrem Interview bekommen. Aber die erste Frage muss m. E. lauten: Gibt es ausreichend Indizien dafür oder dagegen, dass ein als „Verschwörungstheorie“ bezeichnetes Szenario zutrifft? Oder gibt es wenigstens nachvollziehbare Verdachtsmomente dafür? Es wäre nicht rational, diese Fragen nicht zu stellen. Eine Vermutung ist nicht deshalb richtig oder falsch, weil sie als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet wird.
So ist aus heutiger Sicht zum Beispiel nicht zu bestreiten, dass sich in der sogenannten Corona-Zeit einige Vermutungen, die zunächst als Verschwörungstheorien abgetan wurden, als zutreffend herausgestellt haben. Natürlich hätten sie sich auch als falsch herausstellen können. Denken Sie nur an die Debatte über die Corona-Impfpflicht („wird es keinesfalls geben“) oder an Warnungen vor inakzeptablen Nebenwirkungen der C-Impfung. (Dazu gibt es mittlerweile eine reichhaltige Fachliteratur.) Die Qualifizierung als „Verschwörungstheorie“ erstickt eine sachliche Diskussion und soll das wohl auch tun. Dieser Begriff hat heute dieselbe Funktion wie der Begriff „Fundamentalismus“ (oder „Bibelfundamentalismus“ im christlichen Bereich) und manche andere oder auch wie die verbreitet eingesetzte Rückschrittsrhetorik („Rückfall in frühere Zeiten“ und Ähnliches): Sie sollen suggerieren, es gäbe in der Sache nichts zu diskutieren; das aber ist nichts anderes als Immunisierung gegen Kritik und Hinterfragung. Deswegen sehe ich es als problematisch an, undifferenziert und pauschal mit dem Begriff „Verschwörungstheorie“ zu hantieren. Das widerspricht auch der Wahrheitsliebe, der Christen verpflichtet sind. Dabei bedeutet „Wahrheitsliebe“ natürlich nicht, immer zu wissen, was Sache ist, sondern die innere Verpflichtung zur Orientierung an der Wahrheit. Ein vorschneller oder gar grundsätzlicher Ausschluss möglicher begründeter Antworten passt dazu nicht.
Reinhard Junker
Hat Mathematik und Biologie hier studiert: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Quelle : Facebook 23.07.22

Coldplays neues Album und die Anbetung des Eros

Kurz nach der Veröffentlichung im Jahr 2014 habe ich Ghost Stories, Coldplays sechstes Studioalbum, gekauft. Ich war damals gerade 16 Jahre alt und erinnere mich, dass meine Erwartungen durch den kalten, traurig-schönen Eröffnungstrack über den Haufen geworfen wurden. Dieser versetzte mich in eine Stimmung, die Ähnlichkeiten mit dem hatte, was C.S. Lewis „das Nordische“ nennt – die bittersüße Sehnsucht nach etwas, das über das normale Leben hinausgeht. Ghost Stories, bei dem es sich angeblich um ein Trennungsalbum handelt, rief ein solches Übermaß an enttäuschter Sehnsucht und Verlangen hervor, dass ich mich fragte, ob sich diese traurigen Liebeslieder nicht unbewusst nach etwas Himmlischen ausstreckten.
Seitdem hat Coldplay das optimistische Pop-Album A Head Full of Dreams, das eklektische Everyday Life und zuletzt Music of the Spheres veröffentlicht, das im vergangenen Oktober erschienen ist. In ihrer gesamten Diskographie erinnert die Musik von Coldplay immer wieder an „das Nordische“, das ich beim Hören von Ghost Stories empfand. Es handelt sich um irdische Popmusik mit einem Blick zum Himmel. Aus diesem Grund hatte ich hohe Erwartungen, auch im Album Music of the Spheres spirituelle Aspekte vorzufinden.
Die Suche nach „höherer“ Kraft in niederen Lieben
Als ich das Album zum ersten Mal hörte, hatte ich gerade Dantes Göttliche Komödie gelesen. Meine Gedanken kreisten um die glorreichen Sphären des Paradieses, wo Dante erkennt, dass seine Liebe zu Beatrice, seiner irdischen Geliebten, lediglich ein Abglanz der göttlichen Liebe ist, die ihn in die Gemeinschaft der Dreifaltigkeit bringen soll. Ich hatte auf ein Album mit einer ähnlichen Haltung gehofft – ein Album, das in den Dingen dieser Welt die Zeichen der jenseitigen Transzendenz sieht. Ein Album, das sich um die großen Fragen des Lebens dreht: um Zeit, Tod, Liebe und Gott. Doch das erste Lied des neuen Coldplay-Albums mit dem Titel „Higher Power“, der vor spiritueller Bedeutung nur so strotzt, offenbarte schnell den enttäuschenden Charakter des Projekts.
Die „höhere Macht“ des Songs ist einfach ein romantischer Partner, der den Sänger aus seiner Niedergeschlagenheit erhebt und dazu einlädt, das Leben zu feiern. Es handelt sich um einen eingängigen und unterhaltsamen Song, aber er bestätigte meine Befürchtungen. Was eine Meditation über eine tatsächliche „höhere Macht“ hätte sein können, dreht sich am Ende doch nur um ein Mädchen. Oder christlicher ausgedrückt: Was ein emotional ehrliches Album über Agape hätte sein können, entpuppt sich als ein weiteres Album über Eros. In der christlichen Tradition ist Agape die höchste Form der Liebe, weil sie Christi selbstaufopfernde Tat am Kreuz für die Menschheit beschreibt. Sie ist das Herzstück Gottes – der Dreieinigkeit von Personen, die immerzu geben. Eros hingegen ist eine menschliche Form der Liebe, die (unerlöst durch Agape) zu einem schrecklichen, nehmenden Götzen wird.
„Es ist, als würde man von einem Teich verlangen, das Meer zu fassen. Das Menschliche soll so befriedigen, wie nur Gott es kann.“
Ich habe nichts gegen Liebeslieder, doch diese erhabenen Vorstellungen von erotischer Liebe als irgendwie göttlich, erlösend und allumfassend versprechen mehr, sie halten können. Es ist die Suche nach kosmischer Erfüllung in irdischer Romantik. Es ist, als würde man von einem Teich verlangen, das Meer zu fassen. Das Menschliche soll so befriedigen, wie nur Gott es kann.
Fehlplatzierte Transzendenz
Coldplay ist nicht allein darin, romantische Liebe als ein Mittel zur spirituellen Erfüllung und Selbstverwirklichung zu betrachten. Unsere Popkultur in allen ihren Facetten vermittelt uns ständig die Botschaft, dass der eine romantische Partner das Potenzial hat, all unsere emotionalen Bedürfnisse zu füllen, uns „ganz zu machen“ und die Sehnsüchte unserer Seele zu stillen – zumindest für den Moment. Ob in Dating-Shows wie The Bachelor oder romantische Komödien auf Netflix – romantische Liebe (Eros) wird in unserem säkularen Zeitalter zu einem Phänomen spiritueller Transzendenz erhöht. Wir hören auch, dass Gefühle und Emotionen die primären Indikatoren dafür sein sollen, dass wir den sagenumwobenen „Seelenverwandten“ gefunden haben. Aber was ist, wenn Gefühle nicht ausreichen? Oder noch schlimmer: Angenommen, wir verlieben uns in die Gefühle und nicht in die Person selbst?
„Ein Großteil der Musik in Spheres vergöttert wie so vieles in der Popkultur das berauschende Gefühl des Verliebtseins, anstatt die selbstlose, engagierte Hingabe an das Objekt unserer Liebe zu feiern.“
C.S. Lewis thematisiert dies in seinem Buch The Four Loves. Er bejaht Eros im Kontext einer Ehe zwischen Mann und Frau als einen guten Teil der göttlichen Schöpfung. Anders als manch irrender Christ verurteilt er weder die Sexualität noch den Körper. Interessanterweise warnt er auch nicht vor den Gefahren der Vergötterung eines romantischen Partners, sondern vor der Vergötterung der Romantik selbst:
„Die wirkliche Gefahr scheint mir nicht zu sein, dass die Liebenden einander vergöttern, sondern dass sie den Eros selbst vergöttern.“
Wenn die erotische Liebe über alle anderen moralischen Werte gestellt wird, tyrannisiert sie das Leben derer, die in ihrem Bann stehen. Ein Großteil der Musik in Spheres vergöttert wie so vieles in der Popkultur das berauschende Gefühl des Verliebtseins, anstatt die selbstlose, engagierte Hingabe an das Objekt unserer Liebe zu feiern. Es kommt nicht auf die Person an, sondern darauf, wie die Person mich fühlen lässt.
Größere Liebe
Aus diesem Grund, so Lewis, muss der Eros beherrscht werden: „Der Eros-Gott muss entweder sterben oder zum Dämon werden, außer er gehorcht Gott.“ Es geht nicht darum, sich dem Eros oder anderen Neigungen zu verschließen, sondern zu erkennen, dass wahre Liebe von Gott ausgeht, von ihm bestimmt wird und nur unter seiner Herrschaft wirklich das sein kann, was sie sein soll. Schließlich hat Gott Sex und romantisches Verlangen geschaffen. Eros verweist von seinem Wesen her auf Gott und befriedigt uns dann am meisten, wenn wir dadurch angespornt werden, unsere größere Befriedigung in Gott zu finden. Doch wenn die Kunst Eros als Selbstzweck zelebriert und die Schöpfung anstatt den Schöpfer anbetet (Röm 1,25), wird sie zum Götzendienst und verfehlt bedauerlicherweise das Ziel der wahren Transzendenz.
„Wenn die Kunst Eros als Selbstzweck zelebriert und die Schöpfung anstatt den Schöpfer anbetet, wird sie zum Götzendienst und verfehlt bedauerlicherweise das Ziel der wahren Transzendenz.“
Das Album von Coldplay – wie so vieles in unserer Sex-durchtränkten, aber spirituell verarmten, modernen Welt – verpasst das Objekt, das es der romantischen Liebe erlauben würde, das zu sein, was sie sein soll: ein Geschenk und ein Hinweis auf den ultimativen Liebhaber unserer Seelen.
Peter Biles ist Journalist, Essayist und Romanautor. Er ist ein Wheaton College-Absolvent und studiert zurzeit an der Seattle Pacific University.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von The Gospel Coalition.
https://www.evangelium21.net/media/3411/coldplays-neues-album-und-die-anbetung-des-eros

„Ich teile die Werte des Christentums!“

Wenn Sie sehen, wie Jesus sich den Armen zuwendet, seinen Feinden ohne jede Bitterkeit vergibt, sein Leben für andere opfert und ein vollkommen liebevolles und sündloses Leben führt, dann sagen Sie: „Das kann ich nicht.“ Und Sie können es wirklich nicht. Wenn Jesus Christus nur Ihr großes Vorbild ist, wird Sie das kaputt machen; so leben, das schaffen Sie nie. Aber Jesus Christus als das Lamm Gottes wird Sie retten.
Keller, Timothy. Jesus: Seine Geschichte – unsere Geschichte (German Edition) (S.184). Brunnen Verlag Gießen. Kindle-Version.
Der grüne Parteichef Robert Habeck bezeichnete sich vor einiger Zeit in einem Interview als „säkularen Christen“. Er glaube nicht an Gott, teile aber die Werte des Christentums: „Bewahrung der Schöpfung, Barmherzigkeit gegenüber Mensch und Tier.“ Letzteres sei für ihn die wichtigste Errungenschaft des Christentums.
Was Habeck zum Ausdruck bringt, ist die Einstellung vieler Menschen in unserem Land. So braucht man sich die Frage nach der Existenz Gottes gar nicht stellen, denn es spielt gar keine Rolle, ob es Gott gibt oder nicht. Nur die Werte zählen, allerdings nur diejenigen, die man im 21. Jahrhundert noch für zeitgemäß hält. Auch ist es nicht nötig, andere Menschen zu missionieren. Die Religionen und Nicht-Religionen können sich gegenseitig tolerieren und miteinander koexistieren, denn es geht ja nur um Werte, nicht um Glaubensinhalte. Hört sich gut und nett an, oder?
Nur ist es eben nicht das Christentum. Geht man zurück zu den frühesten Dokumenten, findet man die Kernbotschaft der Christen zusammengefasst im Evangelium von Jesus Christus, der als Gottes Sohn in unsere Welt kam, für unsere Sünden starb und auferstand. Jesus selbst stellt einen unerhörten Absolutheitsanspruch an seine Jünger: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Johannes 14,6)
Die Werte des Christentums sind die Folge dieser Versöhnung mit Gott. Versucht man sie voneinander zu trennen, wie es der studierte Philosoph Robert Habeck unternimmt, wird man letztendlich nicht genügend Gründe haben, für diese Werte einzustehen. Wer sagt denn, dass diese Werte die richtigen sind und warum sollte man sich an sie halten?
https://derconrad.wordpress.com/2019/07/31/ich-teile-die-werte-des-christentums/

Ukraine: Das Ende aller Gewissheiten?

„Krieg ist das Ende aller Gewissheiten“ schrieb der Tagesspiegel am 9. März 2022. Menschen in der Ukraine verlieren ihre Häuser, ihre Grundversorgung, ihre Heimat und vieles mehr. Daniel Knoll ermutigt uns in einem Artikel, den er für Evangelium21 geschrieben hat, angesichts dieser Entwicklungen den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern in Wort und Tat Zeugen des Evangeliums zu sein. Wie im Artikel deutlich wird, sind uns darin viele Geschwister in der Ukraine Vorbilder:

Als Christen und Gemeinden tun wir gut daran, die historischen Ereignisse dieser Tage auch aus dieser Perspektive zu betrachten – und entsprechend zu handeln. Wir können das Zeugnis ukrainischer Christen im Land finanziell unterstützen, solange es möglich ist. Wir können Glaubensgeschwister aufnehmen, die ihre Heimat verlassen mussten. Vor allem aber können wir gezielt und andauernd beten, dass Gott sich inmitten der Leiden dieses Krieges verherrlicht und seine Gemeinde – dort und hier – in der Überzeugung bestärkt: Krieg ist nicht das Ende aller Gewissheiten.

Mehr: https://www.evangelium21.net/media/3232/das-ende-aller-gewissheiten
https://theoblog.de/ukraine-das-ende-aller-gewissheiten/37817/