Fitter Körper, träger Geist


Buchbesprechung: Fitter Körper, träger Geist
Os Guinness. Fit Bodies, Fat Minds. Why Evangelicals Don’t Think and What to Do About It. Baker: Grand Rapids, 1994. 160 Seiten. Gebraucht ab 2 Euro.
Eine happige Einschätzung
„Gesundheit hat sowohl den Himmel wie auch die Ethik ersetzt. Athletik ist die neue Form der Askese. Positives Denken wird über Reflektion und Meditation geschätzt. Menschliche Erfahrung mit ihrer reichen, tragischen und ironischen Komplexität wird reduziert auf menschliches Wohlbefinden. Selbstkenntnis, Selbstbeherrschung und Selbsterfüllung werden durch Übungen und richtige Ernährung verheissen.“ (10) Dies ist das geistige Klima der Gegenwart, behauptet Guinness. Er schiebt nach: „In seiner Wurzel ist evangelikaler Anti-Intellektualismus sowohl ein Skandal als auch eine Sünde.“ (ebd.) Evangelikale haben sich auf die Rolle des Nachahmers und Adaptoren beschränkt. Sie sind nicht mehr in der Lage originär zu denken (14). Ohne ein klares Bekenntnis zu einer Vision für das gemeinsam zu schützende Gut (und wir reden hier von Inhalten, nicht nur Stil-Elementen), laufen die Evangelikalen Gefahr einfach ein „Stamm“ (tribespeople) unter vielen zu bleiben anstatt ihren Status als wahre „Bürger“ (citizen) wahrzunehmen. (Manch einer würde darauf antworten, dass uns nichts anderes verheissen sei. Doch ist dies eine eigentliche Ausrede für das eben beschriebene Problem.) Guinness will klar gestellt haben: Der Klageruf gilt nicht etwa der Zerstörung einer Elitekultur in der westlichen Welt, sondern ernsthaften Defiziten im Alltag der Nachfolge (19). Er ist sich bewusst, dass Klage auch schnell in eine Haltung der Kritik kippen kann, die das Handeln bremst oder gar stoppt.