Halleluja

„ Können Sie, Herr Professor, uns sagen, wie man angesichts von Auschwitz, von Bergen –Belsen, von Buchenau heute überhaupt noch an einen allmächtigen Gott glauben kann und „ Hallujah“ singen kann?“ – Es entstand eine große Stille im Audimax. Professor Thielicke räusperte sich und sagte dann entschlossen: „ Das ist eine wichtige und bedrängende Frage. Ich habe keine Antwort darauf, die meinen und Ihren Intellekt befriedigt . Aber ich kenne eine Frage, die mich noch mehr umtreibt. „ Können Sie mir sagen, wie es dazu kommen konnte, dass in den Konzentrationslagern, in Auschwitz, in Bergen-Belsen und in Buchenau immer noch Menschen waren, die selbst in den Gaskammern noch das „Halleluja“ gesungen haben?“ „ Halleluja“ das ist ja die deutsche Transkription des hebräischen „halel-Jah“, das sich aus dem Imperativ Plural von „halel“ ( preisen, loben, verherrlichen) und „Jah“, der Kurzform des biblischen Gottesnamens „ Jahwe“ zusammensetzt. Es bedeutet also: „ Preiset, lobet Jahwe!“ – „Lobet den Herrn!“ Das gebrochene Halleluja Predigt zu 2.Korinther 4, 5-12 am Sonntag, den 19. August 2012 Braunschweiger Friedenskirche- Pastor Dr. Heinrich Christian Rust

Das Ende von Auschwitz

Auschwitz steht bis heute weltweit für die Grausamkeit und Mordlust des nationalsozialistischen Regimes. Am 27. Januar 1945, heute vor 70 Jahren, wurde das Konzentrationslager von sowjetischen Truppen erobert. 1,1 Millionen Menschen sollen hier im Laufe des Zweiten Weltkriegs ermordet worden sein.
Wer den Ort heute besucht, kann sich trotz zahlreicher Original- Fotos und anderer Dokumente kaum ein Bild vom unmenschlichen Leiden jener Zeit machen. Es ist gut, diese Ereignisse nicht aus der Erinnerung zu streichen. Sie stehen symbolisch für all das, was Menschen anderen Menschen antun, wenn sie eine günstige Möglichkeit dazu bekommen. Es wäre ein Fehler, die hunderttausendfach verübten Folterungen und Tötungen lediglich einigen „wahnsinnigen“ Nationalsozialisten anzulasten. Das eigentliche Problem sitzt viel tiefer und ist deshalb auch wesentlich heikler.
Eine chronische Tendenz zu Egoismus und Rücksichtslosigkeit ist in jedem Menschen zu finden, wie es die Bibel schonungslos aufzeigt. Werden diese Anlagen und unterschwelligen Verhaltensmuster gefördert, dann kommt es immer wieder und überall zu unfassbaren Grausamkeiten. Schnell findet man eine passende Entschuldigung für die eigne Rücksichtslosigkeit und Mordlust. Gerne stellt man sich selbst als Opfer dar, das den anderen nur aus Selbstschutz angreift und gelegentlich auch ermordet. Radikale Linke fühlen sich gut dabei, wenn sie das Eigentum von „Nazis“ oder auch nur von vorgeblichen Rechten zerstören oder diese sogar körperlich angreifen. Gleiches geschieht natürlich auch unter dem gegensätzlichen politischen Vorzeichen.
Viele der nationalsozialistischen Konzentrationslager wurden nach ihrer „Befreiung“ gleich weiter genutzt, diesmal unter linker Regie und sowjetischer Flagge. Wieder wurden Hunderttausende gefoltert, gequält und getötet, wieder im Namen von „Gerechtigkeit“ und „Fortschritt“. Ebenso verlief es im russischen Gulag, in den chinesischen und kambodschanischen Todeslagern. In nur 100 Tagen wurden eine Millionen Menschen in Ruanda grausamst massakriert – mit gutem politischen Gewissen. Mit einer religiösen Entschuldigung ermorden, zerstückeln und vergewaltigen gegenwärtig IS- Terroristen zahllose Menschen im Nahen Osten.
Das wirkliche Böse ist nicht der Nationalsozialismus, Kommunismus oder Islam. Das Böse steckt in jedem Menschen und kommt zum Ausbruch, wenn die Gelegenheit günstig ist – damals wie heute. Genau das darf seit Auschwitz nicht mehr vergessen werden. Nur eine tiefgreifende Veränderung im Persönlichkeitskern des Menschen kann diese Tendenz zum Bösen verwandeln. So lautet das Angebot von Jesus Christus. Und das ist das einzige, was wirklich hilft. Michael Kotsch