Warum Christ werden? Genügt es nicht, ein guter Mensch zu sein?

Ehe ich versuche, darauf zu antworten, muß ich etwas vorwegnehmen. Die Frage klingt, als wäre sie von jemandem gestellt worden, der zu sich selbst sagte: „Es ist mir gleichgültig, ob das Christentum wahr ist oder nicht. Was soll ich mir darüber den Kopf zerbrechen, ob es besser ist als andere Weltanschauungen? Aber eines möchte ich wissen: Wie kann ich ein guter Mensch sein? Mein Glaube muß nicht unbedingt wahr sein; aber ich stelle mir vor, er könnte mir nützlich sein – darum beschäftige ich mich mit dieser Frage.“
Offen gestanden: Es fällt mir schwer, für eine solche Haltung Sympathie aufzubringen. Eine der Eigenschaften, durch die sich der Mensch von den Tieren unterscheidet, ist doch seine Wißbegierde: Er will den Dingen auf den Grund kommen, er will die Wirklichkeit erforschen – einfach um der Erkenntnis willen. Ich finde, ein Mensch ist kein Mensch mehr, wenn dieses Verlangen in ihm völlig erloschen ist. Dabei glaube ich nicht etwa, dass irgend jemandem unter Ihnen dieser Wunsch wirklich ganz abhanden gekommen ist. Eher vermute ich, daß alberne Prediger Ihnen die Ohren vollgeschwatzt haben, wie sehr das Christentum Ihnen helfen würde und wie gut es für die menschliche Gesellschaft sei. Und so haben Sie sich zu der Vorstellung verleiten lassen, das Christentum sei ein Patentrezept.
Die christliche Botschaft selbst hingegen erhebt den Anspruch, ein Tatsachenbericht zu sein. Sie will Ihnen über die Wirklichkeit Auskunft geben. Vielleicht sind ihre Aussagen wahr, vielleicht auch nicht. Da Sie nun aber einmal vor diese Frage gestellt sind, muss Ihre natürliche Wissbegierde Sie doch dazu treiben, die Antwort zu suchen. Wenn das Christentum nicht wahr ist, dann wird kein aufrichtiger Mensch daran glauben wollen, auch wenn es noch so nützlich wäre. Ist es aber wahr, dann wird jeder aufrichtige Mensch daran glauben wollen, selbst wenn es ihm überhaupt nichts nützen sollte.
Wenn das klargeworden ist, so folgt daraus gleich ein zweites: Nehmen wir einmal an, das Christentum ist wirklich wahr; der eine kennt diese Wahrheit, der andere nicht. Dann ist es aber doch ganz und gar unmöglich, daß beide gleich gut ausgerüstet sind, um gute Menschen zu sein. Denn das, was wir über die Wirklichkeit wissen, hat einen Einfluss auf unser Tun. Ein Christ und ein Nichtchrist möchten vielleicht beide ihren Mitmenschen Gutes tun. Der eine glaubt, daß die Menschen ewig leben, daß sie von Gott erschaffen sind und darum ihrem Wesen nach wahres und bleibendes Glück nur in der Gemeinschaft mit Gott finden können, dass sie sich jedoch arg verrannt haben und dass gehorsamer Glaube an Jesus Christus der einzige Weg zurück ist. Der andere glaubt, dass die Menschheit ein Zufallsprodukt blind waltender Materie ist, dass sie von den Tieren abstammt und eine mehr oder weniger stetige Aufwärtsentwicklung durchgemacht hat, dass der Mensch etwa siebzig Jahre alt wird, daß gute soziale Einrichtungen und politische Organisationen sein Glück voll gewährleisten und daß alles andere (z. B. Vivisektion, Geburtenkontrolle, Gesetzgebung, Erziehung) einfach als „gut“ oder „schlecht“ zu taxieren ist, insofern es diese Art von Glück fördert oder hindert.
Natürlich können diese beiden Männer in ihrem Dienst am Mitmenschen über viele Dinge gleicher Meinung sein. Beide werden gewiss eine ausreichende Kanalisation, gute Krankenhäuser und eine gesunde Ernährung gutheißen. Aber früher oder später müssen ihre Glaubensunterschiede auch zu Meinungsunterschieden in praktischen Fragen führen. Vielleicht setzen sich beide leidenschaftlich für das Erziehungswesen ein. Aber ihre Vorstellungen über die Art von Erziehung, die sie den Leuten vermitteln wollen, sind offensichtlich sehr verschieden. Oder: Zur Beurteilung irgendeines Vorschlags wird der Materialist einfach fragen: „Kann seine Verwirklichung die Mehrheit glücklicher machen?“, während der Christ vielleicht sagen muß: „Selbst wenn die Mehrheit dadurch glücklicher würde, können wir es nicht tun. Es wäre ungerecht.“
Und ein großer Unterschied wird sich auf jeden Fall durch all ihre Entscheidungen ziehen: Dem Materialisten müssen Einrichtungen wie Staat, Klasse, Kultur usw. wichtiger sein als der einzelne Mensch; denn das Individuum lebt nach seiner Auffassung nur etwa siebzig Jahre, während soziale Gruppierungen Jahrhunderte überdauern können. Dem Christen hingegen ist der einzelne Mensch wichtiger, denn er lebt ewig; Rassen, Zivilisationen und dergleichen sind daneben nur Eintagsfliegen. Das Weltbild des Christen ist also ganz anders als das des Materialisten. Sie können nicht beide recht haben. Derjenige aber, der unrecht hat, wird in einer Art und Weise handeln, die der Wirklichkeit einfach nicht angepasst ist. Darum wird sein „Helfen“ zur Zerstörung seiner Mitgeschöpfe beitragen, auch wenn er noch so gute Absichten hat.
„Auch wenn er noch so gute Absichten hat…“ – dann ist es aber nicht seine Schuld. Und Gott (wenn es ihn überhaupt gibt) wird doch niemanden für Fehler bestrafen, die er aus bloßer Unwissenheit begeht? Aber: War das Ihr ganzer Kummer? Wollen wir das Risiko eingehen, unser Leben lang im Dunkeln zu tappen und unermesslichen Schaden anzurichten, wenn wir nur die Versicherung haben, daß wir ungeschoren davonkommen und niemand uns bestrafen oder auch nur tadeln wird? Ich möchte nicht annehmen, daß mein Leser auf dieser Stufe steht. Aber selbst wenn er es täte, müßte ich ihm etwas dazu sagen.
Die Frage, vor die jeder von uns gestellt ist, heißt nicht: „Kann man ein guter Mensch sein, ohne dass man Christ wird?“ Sie heißt: „Kann ich es?“ Wir wissen alle, dass es gute Menschen gegeben hat, die keine Christen waren; Männer wie Sokrates und Konfuzius, die das Evangelium nie gehört haben, oder Männer wie J. S. Mill, der es einfach nicht glauben konnte. Angenommen, der christliche Glaube wäre wahr, dann lebten diese Männer in echter Unwissenheit oder aufrichtigem Irrtum. Wenn ihre Absichten so gut waren, wie ich annehme (denn natürlich kann ich ihre geheimsten Gedanken nicht lesen), dann hoffe und glaube ich, Gottes erfinderische Gnade wird den Schaden wieder gutmachen, den ihre Unwissenheit, bliebe sie sich selbst überlassen, ihnen und ihren Mitmenschen sonst zugefügt hätte.
Wenn mich aber jemand fragt: „Kann ich nicht ein guter Mensch sein, ohne dass ich Christ bin?“, dann hat er offensichtlich andere Voraussetzungen. Wenn er nichts vom Christentum wüsste, könnte er diese Frage gar nicht stellen. Wenn er davon wüsste und es ernsthaft geprüft und als unwahr verworfen hätte, dann würde er diese Frage auch nicht stellen. Einer, der so fragen kann, weiß vom Christentum und ist keineswegs sicher, ob es nicht wahr sein könnte. Seine Frage heißt in Wirklichkeit:
„Muss ich mich damit herumschlagen, das zu ergründen? Kann ich nicht ausweichen, einfach so tun, als ob, und mir Mühe geben, gut zu sein? Genügt mein guter Wille denn nicht, um mich sicher und rechtschaffen ans Ziel zu bringen, ohne daß ich an diese leidige Tür klopfe, um herauszufinden, ob jemand dahinter ist oder nicht?“
Dieser Mensch verlangt tatsächlich die Erlaubnis, mit seinem „Gutsein“ durchs Leben zu kommen, bevor er alles daran gesetzt hat zu erfahren, was überhaupt „gut“ heißt; diese Antwort sollte genügen.
Aber etwas muss dazu noch gesagt sein: Wir müssen gar nicht untersuchen, ob Gott ihn für seine Feigheit und Faulheit bestrafen wird; solche Leute bestrafen sich selbst. Dieser Mann drückt sich. Er versucht absichtlich, nicht zu wissen, ob der christliche Glaube wahr oder unwahr ist, denn er befürchtet unabsehbare Schwierigkeiten, falls er sich als wahr erweist. Dieser Mensch ist wie einer, der absichtlich „vergisst“, einen Blick aufs Anschlagbrett zu werfen, weil er befürchtet, er könnte dort seinen Namen entdecken und irgendeine unangenehme Arbeit verrichten müssen. Er ist wie einer, der sein Bankkonto lieber nicht anschaut, weil er Angst hat zu erfahren, was darin steht. Er ist wie einer, der nicht zum Arzt geht, wenn er einen verdächtigen Schmerz zu spüren beginnt, weil er Angst hat vor der ärztlichen Diagnose. Wer aus solchen Gründen ungläubig bleibt, ist nicht in einem Zustand aufrichtigen Irrtums.
Das ist unaufrichtiger Irrtum, und diese Unaufrichtigkeit wird sein ganzes Tun und Denken prägen. Eine gewisse Verschwommenheit seiner Grundsätze, etwas Vages, Unbeständiges in seinem Wesen, eine Abstumpfung seines ganzen Urteilsvermögens wird die Folge davon sein. Er hat seine intellektuelle Keuschheit verloren. Es ist möglich, daß Sie noch nicht sicher wissen, ob Sie Christ werden sollten oder nicht. Aber eines wissen Sie sicher: daß Sie ein Mann sein sollten und nicht ein Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt.
Doch immer noch liegt mir jemand mit dieser erbärmlichen Frage in den Ohren – denn die intellektuelle Redlichkeit ist tief gesunken in unserer Zeit -: „Wird mir das Christentum etwas nützen? Wird es mich glücklich machen? Glauben Sie wirklich, es wäre besser, ich würde Christ?“ Nun gut, wenn es unbedingt sein muß, meine Antwort heißt: „Ja.“ Aber ich will im Augenblick eigentlich gar keine Antwort geben. Hier ist eine Türe und dahinter wartet, wenn manche Leute recht haben, das größte Geheimnis der Welt auf Sie. Entweder ist es wahr, oder es ist nicht wahr. Und wenn es nicht wahr ist, dann ist das, was die Türe tatsächlich verbirgt, schlicht und einfach der größte Schwindel, die ungeheuerlichste Bauernfängerei. Muss es sich da nicht jeder zur Aufgabe machen – jeder, der ein Mann ist und kein Kaninchen – herauszufinden, was wahr ist? Muss nicht jeder aufrichtige Mensch seine ganze Kraft dafür einsetzen, entweder diesem überwältigenden Geheimnis zu dienen oder diesen gigantischen Humbug aufzudecken und damit aufzuräumen? Können Sie sich wirklich angesichts einer solchen Frage damit begnügen, sich einzig und allein um Ihr gesegnetes moralisches Weiterkommen zu bekümmern?
Also denn, das Christentum wird Ihnen etwas nützen, sehr viel mehr sogar, als Sie es je gewünscht oder erwartet haben. Und die erste Portion Nutzen, die es Ihnen bringt, wird Ihnen alles andere als angenehm sein: Es wird Ihnen die Tatsache in den Kopf hämmern, dass alles, was Sie bis jetzt „gut“ genannt haben – all das Gerede von „ein guter Mensch sein“ und „ein anständiges Leben führen“ – nicht ganz so eine großartige und hochwichtige Angelegenheit ist, wie Sie meinten. Es wird Ihnen beibringen, dass Sie in Wirklichkeit aus eigener Kraft gar nicht „gut“ sein können, keine vierundzwanzig Stunden lang! Und dann wird es Ihnen aufdämmern lassen, dass Sie, selbst wenn Sie es könnten, noch immer das Ziel verfehlt hätten, auf das hin Sie geschaffen sind.
Nur nach sittlicher Vollkommenheit zu streben, ist kein Lebensziel. Sie sind für etwas völlig anderes gemacht worden. Die Leute, die bei der Frage stehenbleiben, ob sie nicht auch ohne Christus „gute Menschen“ sein könnten, wissen nicht, was Leben ist. Wenn sie es wüssten, so sähen sie auch ein, dass ein „anständiges Leben“ eine armselige Maschinerie ist im Vergleich mit dem, wozu wir Menschen wirklich geschaffen sind. Es ist unerlässlich, daß wir uns darum bemühen, gute Menschen zu sein.
Aber das göttliche Leben, das sich uns selbst schenkt und das uns dazu beruft, Gotteskinder zu sein, will etwas aus uns machen, von dem unsere eigene Rechtschaffenheit nicht einmal ein Schatten ist. So heißt es in 1.Korinther 13,10: „Wenn das Vollkommene kommt, dann wird das Stückwerk abgetan.“
Die Vorstellung, es ohne Christus zu einem Leben als „gute Menschen“ zu bringen, gründet sich auf einen doppelten Irrtum: Erstens ist es unmöglich; und zweitens haben wir den eigentlichen Sinn unseres Lebens verfehlt, wenn wir diese Art der Vollkommenheit zu unserem Endziel erheben.
Sittliche Vollkommenheit ist ein Berg, den wir aus eigener Kraft nicht erklimmen können. Und wenn wir es könnten, so würden wir doch im Eis und in der dünnen Luft auf seinem Gipfel umkommen, denn uns fehlen die Flügel, mit denen allein das letzte Wegstück zurückgelegt werden kann. Denn erst hier beginnt der eigentliche Aufstieg. Pickel und Bergseil müssen dazu „abgetan“, zurückgelassen werden. Alles Übrige ist eine Sache des Fliegens.“
Auszug aus C.S.Lewis, “Gott auf der Anklagebank”, S. 79-85

Bekehrung

Wir tragen zusammen: Bekehrungsgeschichten in der Bibel: Welche kennen wir, und was ist das Besondere? (z.B.: Richter, Ninive, Kerkermeister, Finanzminister, Paulus, Petrus…)

Kennworte im Alten Testament

Schub – Jaschub – Schear Jaschub

Die Namen von Männern und Frauen in der Bibel haben oft eine wichtige Bedeutung. Sie können eine wandelnde Predigt sein, wie z.B. der Sohn des Propheten Jesaja „Schear Jaschub“, d.h. „ein Rest wird umkehren“ oder Johannes, Johanna, Johanan, d.h. „Gott ist gnädig“ – und natürlich zuallererst der Name Jesus, d.h. Gott rettet!

Jaschub (er kehrt um) war ein Sohn Issaschars. Von ihm stammen die Jaschubiten.
Haben vielleicht Großvater Jakob und Großmutter Lea diesen Namen vorgeschlagen? Hofften sie darauf, dass dieser Enkel sich einmal bekehrt, und haben sie dabei an ihre eigenen Um- und Abwege gedacht?
Jesaja geht mit seinem Sohn Schear Jaschub (s.o.) zum ängstlichen und bedrohten König Ahas und ruft: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“(7,3). Der Ruf zum Glauben ist immer auch ein Ruf zur Umkehr, zum Vertrauen auf Gott und nicht auf eigene Methoden und Waffen.

Das hebräische Wort „schub“ heißt allgemein: umkehren, zurückbringen, wiederherstellen und kommt etwa 1050-mal im Alten Testament vor. Im Blick auf die Umkehr zu Gott kommt es 120-mal vor und meint umkehren, sich bekehren, Änderung der Lebenshaltung, Rückkehr zum lebendigen Gott. Dazu braucht es wahrhaftig einen „Schub“ von Gott! (Kla 5,21).

Die Propheten klagen über die Abkehr Israels von Gott:
Amos ruft öfter: „…dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir, spricht der HERR“ (4,6.8ff).
Jesaja stellt traurig fest: „Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen … Aber ihr wollt nicht!“(30,15) Er muss im Auftrag Gottes strafen: „Verstocke das Herz dieses Volkes …, dass sie sich nicht bekehren“ (6,10).
Jeremia weiß um das Nicht-umkehren-Wollen. Mit Appellen ist es nicht getan.
Und Jesus selbst klagt über Jerusalem: „Ihr habt nicht gewollt!“ (Mt 23,37)

Nacham – Nahum – Nehemia

Ein weiteres hebräisches Wort für Bekehrung ist in den Namen Nahum und Nehemia enthalten: Nahum, d.h.„der Tröster“ – er sieht das Ende Ninives und die Errettung Israels voraus.
Nehemia, d.h. „der Herr hat getröstet“ – er wird von Gott animiert, die Mauern Jerusalems wieder aufzubauen, was auch mit Gottes Hilfe gelingt, trotz massiver feindlicher Störmanöver. Das hebräische Wort „nacham“ meint: tief atmen, seufzen, Reue empfinden, es sich leid sein lassen. Hier ist mehr das Gefühl und Empfinden gemeint, das zu Sinnesänderung, Reue und Bedauern führt.

Sowohl „schub“ als auch „naham“ können auch für Gottes Reue und Umkehr gebraucht werden: Ps 90,15: „Kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig!“ Jona 3,10: „Da reute den Herrn das Übel … und er tat’s nicht!“ (Vgl. Joel 2,12-14; Amos 7,2ff.)
Mal 3,7: „Ihr seid von eurer Väter Zeit an abgewichen von meinen Geboten. So bekehrt euch nun zu mir, so will ich mich zu euch kehren, spricht der HERR.“ Gottes Umkehr und Hinkehr zu uns ist die Voraussetzung für unsere Umkehr und Hinkehr zu ihm! Gott ist zuverlässig, redet und hält, was er verspricht – aber er kann auch in seiner Barmherzigkeit sich umbesinnen, wenden, sich uns zuwenden, Gnade vor Recht ergehen lassen. Eine der eindrücklichsten AT-Stellen leuchtet bei Hosea 11,8f:
„Wie kann ich dich preisgeben, Ephraim, und dich ausliefern, Israel? … Mein Herz ist andern Sinnes, alle meine Barmherzigkeit ist entbrannt (wörtlich: „mein ganzes Mitleid gerät in Wallung“). Ich will nicht tun nach meinem grimmigen Zorn … denn ich bin Gott und nicht ein Mensch.“ Vgl. GL 298,4: „Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend über maßen…“ (Martin Luther).
Wenn ein Mensch sein Denken und Leben neu orientiert, so ist dies immer mit einem Urteil über die bisherige Anschauung oder das zurückliegende Verhalten verbunden.
Wichtige Bausteine zu diesem Thema sind die sieben Bußpsalmen: 6; 32; 38; 51; 102; 130; 143.

Kennworte im Neuen Testament

Epistrephoo = der Wandel, und metanoeoo = das Denken, Umdenken, der Sinneswandel. Das erste Wort meint mehr konkret körperlich: Der ganze Mensch muss umkehren, äußerlich und innerlich. Das zweite Wort ist mehr auf das Denken
und Wollen angelegt.
Beide zeigen die Veränderung einer Anschauung, eines Weges, Gedankens, Lebensentwurfs an. Die allgemeine Bedeutung von epistrephoo meint: drehen, hinwenden, umwenden, d.h. eine vorwiegend zielgerichtete körperliche Bewegung des Umdrehens oder auch die geistige Bewegung des menschlichen Denkens auf eine Person oder einen Gegenstand hin.
So rufen sowohl Johannes der Täufer als auch Jesus selbst: „Tut Buße! Kehrt um!“ Johannes ruft zur Umkehr, um dem Kommenden den Weg zu bereiten. Jesus ruft zur Umkehr, weil das Reich Gottes nah und in Jesu Person da ist.
Im Alten Bund wird zur Umkehr zu Gott und seinen Geboten gerufen, im Neuen Bund zu Jesus, dem Sohn Gottes. Er selbst ruft in die Nachfolge und zum Glauben. Das ist Vertrauenssache und kindgemäß! Gleich bei seiner Antrittsrede, der Berg
predigt, beginnt Jesus: „Selig sind die geistlich Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich!“ (Mt 5,3). Das sind Menschen, die sich zu Jesus hinkehren und sich beschenken lassen. Wir sehen sie vor Jesus stehen: Zachäus und den Blinden
von Jericho, den Lahmen vom Teich Bethesda und die Frau am Jakobsbrunnen, die Frau, die Jesus salbt und den Schächer am Kreuz, den Schreiber dieser Zeilen und hoffentlich auch Sie, die Leser dieser Zeilen. Da sehen wir den heimkehrenden Sohn seinem Vater in den Armen liegen (Lk 15, Gemälde von Rembrandt) und spüren: Wie schön muss Umkehr sein – in die offenen Arme des Vaters! Da wird gefeiert – auf Erden wie im Himmel!

Umkehr ist wie Heimkehr:

  • Die Liebe des Vaters nimmt den heimkehrenden Sohn in die Arme, in den Himmel auf! (Lk 15)
  • Die Liebe des Sohnes weicht dem einsamen Betrüger das Herz auf! (Lk 19)
  • Der gekreuzigte Christus nimmt den leidenden Mörder in das Paradies auf (Lk 23).
  • Der auferstandene Jesus schließt den gefrusteten Mitarbeitern die Bibel auf (Lk 24).
  • Der erhöhte Christus macht die Tür zur weltweiten Gemeinde auf (Apg 2).

Und was wird es einmal sein, wenn Gottes erwähltes Volk Israel umkehrt und seine Abkehr beklagt, jeder Stamm für sich, Männer wie Frauen.

Dann wird Israel seiner Bestimmung gemäß zum Segen für die ganze Welt.

Richard Kuppler, Gemeinschaftsinspektor i.R., Herrenberg

Was bedeutet Bekehrung?

Was Bekehrung ist…

Die Bekehrung ist eine Kehrtwende im Leben eines Menschen um 180 Grad. Wenn sich ein Mensch bekehrt, wendet er sein ganzes Leben von der Sünde ab und wendet sich Christus zu, der ihn rettet. Vom Götzendienst zum Gottesdienst. Von Selbstgerechtigkeit zu Christi Gerechtigkeit. Von der eigenen Herrschaft zu Gottes Herrschaft.

Die Bekehrung geschieht, wenn Gott geistlich tote Menschen zum Leben erweckt, sodass sie von ihrer Sünde umkehren und an Christus glauben.

  • Wenn Jesus uns also zu Umkehr und Glauben aufruft, dann meint er damit, dass wir uns zu ihm bekehren sollen. Es geht um einen radikalen Wandel in dem, was wir glauben und wie wir leben (Markus 1,15).
  • Auch wenn Jesus uns aufruft, unser Kreuz auf uns zu nehmen und ihm nachzufolgen, meint er damit, dass wir uns zu ihm bekehren sollen (Lukas 9,23).
  • Damit wir zu Jesus umkehren können, muss uns Gott neues Leben, neue Herzen und Glauben schenken (Epheser 2,1; Römer 6,17; Kolosser 2,13; Hesekiel 36,26; Epheser 2,8; 2. Timotheus 2,15).

Was Bekehrung nicht ist…

Fehlvorstellungen über Bekehrung:

  1. Bekehrung als ein einmaliges Erlebnis, das keinen weiteren Einfluss auf unser Leben hat. Die Bekehrung geschieht in einem entscheidenden Moment. Sie ist ein Moment radikaler Veränderung. Unser Leben muss danach anders aussehen. Ein neuer Kampf beginnt.
  2. Bekehrung als eine Reise ohne Ziel. Für einige ist die Bekehrung das Ergebnis eines langen Prozesses. Doch in jedem Fall gehört zur Bekehrung immer die bindende Entscheidung, von der Sünde umzukehren und Christus zu vertrauen. Das ist die unmittelbare Folge davon, dass Gott einem geistlich toten Sünder neues Leben geschenkt hat.
  3. Bekehrung als eine Option unter vielen. In Apostelgeschichte 17,30 lesen wir, dass Gott alle Menschen überall zur Umkehr auffordert. Die Bekehrung kann niemals erzwungen werden. Doch sie ist absolut notwendig, damit ein Mensch errettet wird.

Fehlvorstellungen vom Ablauf einer Bekehrung:

  1. Bekehrung als ein Gespräch ohne Konfrontation. Christen haben zwar den Auftrag, in Demut das Evangelium weiterzugeben. Doch unser Ziel muss mehr sein als nur ein angenehmer Austausch mit unserem Gesprächspartner. Wir müssen jeden Menschen auffordern, von seiner Sünde umzukehren und auf Christus zu vertrauen, der allein retten kann.
  2. Bekehrung als ein formales „Übergabegebet“. Zur Bekehrung gehört natürlich ein Gebet. Doch wir sollten Menschen nicht dazu verleiten, auf einen bestimmten Wortlaut anstatt auf Christus zu vertrauen.

Bekehrung

Brad Wheeler Brad Wheeler ist Pastor der University Baptist Church in Fayetteville, Arkansas (USA).
https://www.evangelium21.net/media/1180/was-bedeutet-bekehrung

Ich erziehe mein Kind ganz bewußt nicht zu einen Christen. Es soll irgendwann einmal selbst entscheiden!“ –

  1. Irrtum ist der, daß wenn die Eltern ein Kind nicht erziehen, es andere auch nicht täten.
  2. Irrtum: Zu glauben, ein Mensch schwimme behaglich frei und neutral im Ozean des Seins und könne sich irgendwann einmal in aller Ruhe zwischen der Titanic und einem Rettungsboot entscheiden. Falsch! Das Kind wurde als Passagier der Titanic geboren und befindet sich entweder noch dort oder schon im Rettungsboot. Tertium non datur.

https://www.stmichael-online.de/nach_denken4.htm

Heinrich Heine: Meine Erleuchtung

In der Vorrede zur 2. Auflage der Geschichte der Religion und Philosophie gibt der deutsche Dichter Heinrich Heine Auskunft, wie er zu Gott zurückfand. Er wies neugierige Fragen zu seiner Bekehrung ab, gibt jedoch eine Antwort, die es in sich hat. Er schrieb 1852 in Paris (zitiert aus: W.R. Brauer, Heinrich Heines Heimkehr zur Gott, 1981, S. 32, das Zitat ist auch hier zu finden):
In der Tat, weder eine Vision, noch eine seraphitische Verzückung, noch eine Stimme vom Himmel, auch kein merkwürdiger Traum oder sonst ein Wunderspuk brachte mich auf den Weg des Heils. Ich verdanke meine Erleuchtung ganz einfach der Lektüre eines Buches. — Eines Buches? Ja, und es ist ein altes, schlichtes Buch, bescheiden wie die Natur, auch natürlich wie diese; ein Buch, das werkeltägig und anspruchslos aussieht, wie die Sonne, die segnend und gütig uns anblickt wie eine alte Großmutter, die auch täglich in dem Buche liest, mit den lieben, bebenden Lippen, und mit der Brille auf der Nase — und dieses Buch heißt auch ganz kurzweg das Buch, die Bibel. Mit Fug und Recht nennt man diese auch die Heilige Schrift; wer seinen Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buche wiederfinden, und wer ihn nie gekannt, dem weht hier entgegen der Odem des göttlichen Wortes.
https://theoblog.de/heinrich-heine-meine-erleuchtung/34048/