Die Bibel allein lehrt alles, was zur Rettung von Sünde nötig ist

“Wir bekräftigen aufs Neue die unfehlbare Schrift als die einzige Quelle schriftlicher göttlicher Offenbarung, die als einzige das Gewissen binden kann. Die Bibel allein lehrt alles, was zur Rettung von Sünde nötig ist und ist der Standard, an dem alles christliche Verhalten gemessen werden muss. Wir bestreiten, dass irgendein anderes Bekenntnis, ein Rat oder eine Einzelperson das Gewissen eines Christen binden darf, dass der Heilige Geist unabhängig von oder gegensätzlich zu den Inhalten der Bibel spricht, oder das persönliche geistliche Erfahrung jemals ein Mittel der Offenbarung sein kann.”Quelle: Camebridge Erklärung[/quote]

Wo fängt man am besten an, die Bibel zu lesen?

Welches Bibelbuch ist für einen Neuling oder “Schnupperer” im Glauben besonders geeignet? In unserem Kulturkreis ist es häufig üblich mit dem Johannesevangelium anzufangen (z.B. bietet VdHS das Johannesevangelium als Bibelteil zum Verteilen an). Das scheint naheliegend aufgrund der Zentralität Christi, die hier gezeigt wird (Jesus als Weg, Tür, Wahrheit usw…) Ich muss aber rückblickend sagen, dass es mir als Neuling im Glauben ziemlich schwerfiel mit den Themen des Johannesevangeliums klarzukommen. Die langen Dialoge dort haben mich lange ziemlich verwirrt. Mit den theologischen Konzepten konnte ich auch weniger anfangen. In vielen Biographien von Missionaren habe ich gelesen, das man mit dem Markus-Evangelium anfingt. Es ist das kürzeste und kompakteste Evangelium und es scheint mir bis heute ein weiser Anfang zu sein, wobei ich mir für unseren westlichen Kulturkreis auch die Kombination Lukas-Apostelgeschichte vorstellen kann. Markus als einfach zu bezeichnen ist natürlich auch gefährlich, weil man so die Schönheit und Eleganz dieses kurzen Evangeliums übersehen kann.
Aber um ehrlich zu sein führt ziemlich schnell kein Weg am 1 Buch Mose vorbei. 3 und 4 Buch Mose sind anstrengend, und deswegen wäre vielleicht die Kombination aus 2 und 5 Buch Mose hilfreich. Damit hätte man einen guten Überblick über Schöpfung, Vätergeschichten, Gesetzgebung, Bund, Bundesbruch und Bundeserneuerung. Sprüche und Psalter dürfen ebenfalls ein gutes Einstiegesmaterial darstellen, bei Studenten empfehle ich persönlich tatsächlich gerne Prediger und Hohelied. Aber auch Hiob ist natürlich ein Schmuckstück und viele der kleineren Propheten sind viel leichter zugänglich als man denkt (Ich denke an Jona, Amos, Habakuk, Haggai usw). Worauf ich hinauswill ist, dass man schon ganz früh damit anfangen sollte Altes und Neues Testament gleichzeitig oder zumindest beieinander zu lesen.
Meine Empfehlung für einen Neuling wäre in dieser Reihenfolge: Lukas- Apostelgeschichte-1. Mose – Psalmen (eine zufällige Auswahl von mindestens 30 Stück) – Petrusbriefe – Teile von Sprüche oder Prediger – 5. Mose – Ruth – Esther – Eine Auswahl aus Jesaja (z.B. Knecht-Gottes Passage Kap. 49-53) oder Amos oder Habakuk -Matthäusevangelium. Was denkt ihr? Was wäre euer Ansatz?
Auf eine gewisse Weise kann man natürlich mit jedem Bibelbuch anfangen und der Geist wirkt auf seine Weise souverän überall. Worauf ich hinauswill ist, dass ich mir mit obiger Liste einen eher einfachen Einstieg vorstellen könnte.Ich finde, um mit Paulus seinen Schriften klarzukommen, sollte man erst einmal einen Grundriss von wahrer Frömmigkeit besitzen und würde diese erst in einem zweiten Schritt lesen. Aber auf gar keinen Fall sollte man den ganzen vielen Stimmen glauben, die uns glauben machen wollen, die Bibel kann eigentlich nur ein Experte verstehen. https://www.glaubend.de/welche-bibeluebersetzung-soll-ich-lesen-und-mit-welchem-bibelbuch-soll-ich-anfangen/

Vor 500 Jahren erschien im September 1522 das Neue Testament in der Übersetzung von Martin Luther und hat die Welt verändert.

1522-2022. Luthers Neues Testament
Das war ein unüberhörbarer Paukenschlag für ganz Europa, als am 21.September 1522 das von Martin Luther aus dem Griechischen übersetzte Neue Testament erschien. Der Wittenberger Drucker Melchior Lotter hatte das epochale Werk in einer Erstauflage von 3000 Exemplaren hergestellt, die schon sehr bald ausverkauft waren. Aufgrund seines Erscheinungsdatums sprechen Fachleute heute vom sogenannten „Septembertestament“. Diese Bibelübersetzung prägte nicht nur die hochdeutsche Sprache, sondern machte die Bibel zum wirklichen Volksbuch. Ganz im Sinn Luthers sollte jetzt jeder Interessierte selbst in der Bibel nachlesen können, was Jesus und Paulus wirklich gelehrt hatten. Die Aussagen der mittelalterlichen katholischen Kirche sollten damit überprüfbar werden. Außerdem sollte jeder durch das Lesen der Bibel selbst Gott näher kommen können und dem Reden des Heiligen Geistes. Mit der Übersetzung des Alten Testaments dauerte es dann noch einmal einige Jahre. Nach intensiven Recherchen und stellenweisen Gesprächen mit jüdischen Experten, kam Luthers Übersetzung des Alten Testaments erst 1534 heraus. Weit wichtiger war es ihm eben, den Inhalt des Evangeliums, der Predigt Jesu und der Apostel, möglichst schnell unter die Leute zu bringen.
Martin Luther war nicht der erste, der die Bibel ins Deutsche übersetzte. Bereits im 4.Jahrhundert hatte der Gotenmissionar Wulfila die Heilige Schrift in eine Art urdeutschen Dialekt übersetzt. Zahlreiche andere Theologen des Mittelalters übertrugen Teile der Bibel oder auch ihren ganzen Text ins Deutsche. Einerseits aber sahen viele Menschen keine besondere Notwendigkeit, das Wort Gottes in ihrer eigenen Sprachen zu lesen. Andererseits wurde der entsprechende Dialekt immer nur in einer bestimmten Gegend des Landes verstanden. Die Gelehrten ganz Europas lasen die Bibel gewöhnlich in Latein, das sie fließend beherrschten. Außerdem entwickelte erst Johannes Gutenberg im 15.Jahrhudnert den Buchdruck, der es ermöglichte, Bücher bezahlbarer und in größerer Zahl herzustellen. Bei Luthers Übersetzung des Neuen Testaments fielen gleich mehrere historisch günstige Faktoren zusammen. Außerdem war Luther ein genialer und sprachgewaltiger Übersetzer, dessen Formulierungen die deutsche Sprache und die Bibel für Jahrhunderte prägen sollten.
Das Septembertestament Luthers war eine notwendige Folge der vorangegangenen Ereignisse der Reformation. Als katholischer Mönch und als Professor für Theologie an der Universität von Wittenberg hatte Luther lange mit den Traditionen und Überlieferungen der mittelalterlich- katholischen Kirche gerungen. Gerade am Missbrauch des Ablasswesens wurde ihm endgültig klar, wie weit viele kirchliche Traditionen sich zwischenzeitlich von der Lehre Jesu entfernt hatten. Gegen Geldzahlungen sollten Menschen Sünden vergeben und damit die mutmaßliche Leidenszeit im Fegefeuer verkürzt werden. Davon fand Luther nichts im Wort Gottes. Auch den Anspruch der Kirche auf die Vermittlung des Heils und die allein autoritative Auslegung der Bibel konnte er weder bei Jesus noch bei Paulus finden. Nach Luthers fester Überzeugung widersprach die katholische Kirche ganz grob den Lehren ihres Gründers, obwohl sie vorgab sich genau daran zu halten. Es dauerte dann noch einige Jahre, ehe Luther den Mut aufbrachte, die Kirchenleitung offen zu kritisieren. Seine 1517 veröffentlichten 95 Thesen zum Ablasshandel und zur Vollmacht des Papstes verbreiteten sich rasend schnell in ganz Deutschland und darüber hinaus. Über Jahre hinweg führte das zu hitzigen Diskussionen; erst nur unter den Gelehrten, dann auch unter allen anderen Teilen der Bevölkerung. Gerne hätte die Kirchenleitung diese Kritik unterdrückt. Doch Drohungen und Einschüchterungen fruchteten wenig. Ganz im Gegenteil fühlte Luther sich dadurch noch mehr in seinen Bedenken bestätigt.
Trotz des immensen politischen Drucks widerrief Luther seine Thesen auf dem Reichstag von Worms nicht. Daraufhin wurden ihm alle bürgerlichen und kirchlichen Rechte entzogen. Jeder konnte ihn künftig straffrei ausrauben und töten. Sein Landesherr, Friedrich der Weise von Sachsen (1463-1525), ließ Luther auf der Wartburg zumindest vorläufig in Sicherheit bringen. Luther wusste damals nicht, wie lange er noch zu leben hatte. Deshalb wollte er die ihm noch zur Verfügung stehende Zeit möglichst effektiv nutzen und sein wichtigstes geistliches Erbe schützen. Am meisten bedeutet ihm das Wort Gottes. Die Bibel war für Luther das Buch in dem Gott authentisch zu den Menschen sprach, die Grundlage aller Theologie, der Wissenschaft und des ganzen Lebens. Dieses Buch wollte er möglichst genau aus dem originalen griechischen Text übersetzen und jedem Christen in die Hände geben.
Zwischen Dezember 1521 und März 1522 übersetzte Luther das Neue Testament aus der Originalsprache; neun Seiten täglich. Oftmals musste er lange grübeln, um eine passende deutsche Entsprechung zu finden. Manchmal erfand er auch neue Ausdrücke, die später sprichwörtlich werden sollten. Es lag ihm am Herzen, möglichst klar und verständlich zu übersetzen. Dabei wollte Luther „den Leuten aufs Maul schauen“, wie er das bezeichnete. Ihm lag es daran, zu schreiben, wie auch tatsächlich gesprochen wurde und die Bibel nicht hinter einer Kunstsprache der Gelehrten und Schreibstuben zu verstecken. In Zweifelsfragen konsultierte Luther auch seinen Freund und Mitprofessor Melanchthon, sowie andere Griechisch- Spezialisten, eher er sich für eine Formulierung entschied. Außerdem sollte der Text möglichst gut lesbar sein und auch etwas poetisch klingen. Mehrfach überarbeitet und verbesserte Luther seine Übersetzung, bis sie schließlich in den Druck ging. Dann verfasste er auch noch kurze Einleitungen zu den biblischen Büchern, mit Angaben über den Verfasser, die Absicht und den hauptsächlichen theologischen Inhalt der entsprechenden Schrift. An den Rand des Bibeltestes stellte er kurze Erläuterungen und relevante Parallelangaben. Illustriert wurde das Buch von einigen kunstvollen Holzschnitten.
Das verlegerische Risiko des Drucks übernahmen zwei wohlhabende Wittenberger Bürger und persönliche Freunde Luthers: der Maler Lucas Cranach und der Goldschmied Christian Döring. Rechtzeitig zur Leipziger Herbstmesse ab Ende September 1522 war Luthers Übersetzung des Neuen Testaments im Handel erhältlich. Obwohl die Ausgabe nicht ganz günstig war, im Schnitt kostete sie einen Gulden – den halben Monatslohn eines Handwerkers – war Luthers Neues Testament schon sehr bald ausverkauft. Bereits im Dezember 1522 wurde in Wittenberg eine zweite Auflage gedruckt. Bis 1533 wurde Luthers Neues Testament insgesamt 85mal aufgelegt. Das Buch prägte Gestalt und Frömmigkeit des evangelischen Glaubens bis in die Gegenwart. Seine Übersetzung wurde zum Maßstab für alle weiteren deutschen Bibelausgaben und zum festen Begleiter zahlloser Christen. Luthers Septembertestament gehört heute unangefochten zum UNESCO- Weltdokumentenerbe. (von Michael Kotsch)
https://xuvu7p.podcaster.de/2022/08/26/1522-2022-luthers-neues-testament/

Brief aus der Heimat

Das Bähnlein rattert durch die Nacht in die Berge hinein. In fürchterlichem Gedränge sitze ich neben meiner Mutter und überlege mir, ob ich ihr wohl sagen soll, was mich bedrückt. Sie hat mich in Tübingen abgeholt, wo ich Theologie studiere. Und nun fahren wir zusammen in Richtung Schwäbische Alb.
Schließlich fasse ich mir ein Herz. »Weißt du, Mama, ich habe gar keine rechte Freude mehr an der Bibel. Ich finde da so viele unverständliche und schwere Dinge. Es sind so viele Widersprüche und Unbegreiflichkeiten, die das Buch für einen doch reichlich ungenießbar machen.«
Meine Mutter lacht hell auf. »Das liegt daran, dass du die Bibel ganz verkehrt liest.«
Etwas beleidigt fahre ich auf, sodass ein Mann neben uns erstaunt die Zeitung sinken lässt. »Ja, wie soll ich sie denn lesen? Ich lese sie im hebräischen und griechischen Urtext. Ich lese Kommentare. Ich höre Vorlesungen …«
Die Mutter legt mir beschwichtigend die Hand auf den Arm. »Ich will dir mal ein Beispiel erzählen. Weißt du noch, wie du im Krieg fast zwei Jahre ununterbrochen im Felde warst, ohne dass du Urlaub bekamst? Ich schrieb dir damals regelmäßig von den Ereignissen zu Hause. Und dann kam eines Tages ein Brief von dir, den ich nicht vergessen habe.
Du schriebst: ›Ich höre in euren Briefen von Lebensmittelkarten, von Hamstern, von Schlangestehen. Ich verstehe das alles nicht. Hat sich denn bei euch alles so verändert?‹ Und dann kam der Satz, der mich so sehr bewegt hat: ›Wie lange und wie weit bin ich von euch weg, dass ich die Briefe aus der Heimat gar nicht mehr verstehen kann!‹«
Ich nicke. »Ja, ja, ich kann mich erinnern. Aber was hat das mit der Bibel zu tun?«
»Siehst du«, fährt die Mutter fort, »du hast damals nicht gesagt: ›Die Briefe meiner Mutter sind für mich modernen Menschen ungenießbar.‹ Du hast auch nicht gesagt: ›In den Briefen meiner Mutter stehen Widersprüche und unsinnige Dinge.‹ Du hast nur einfach gesagt: ›Wie lange und wie weit bin ich von zu Hause weg, dass ich die Briefe aus der Heimat nicht mehr verstehen kann!‹«
Ich beginne zu begreifen. Aufmerksam höre ich der Mutter zu. »Die Bibel ist auch ein Brief, mein Sohn.
Sie ist ein Brief des lebendigen Gottes aus der ewigen Heimat – an dich geschrieben. Wenn du diesen Brief nicht mehr verstehen kannst, darfst du die Schuld nicht bei dem Brief suchen. Es liegt an dir selbst. Du musst sagen: ›Wie entsetzlich weit bin ich von meinem himmlischen Vater weggekommen, dass ich seinen Brief nicht mehr verstehen kann! Jetzt will ich mich erst recht hinein vertiefen und den Heiligen Geist bitten, damit ich den Brief aus der Heimat verstehen lerne.‹«
Von da ab war es zwischen uns sehr still, bis das Bähnlein in Urach hielt. Aber den Rat der Mutter habe ich nie mehr vergessen. Er hat mir den Weg in die Bibel hinein gezeigt. Wilhelm Busch
http://www.schneid9.de/temp/zs_2022_2.pdf?fbclid=IwAR0qiR9upki4bnELi7dnV8VljC1zmw6BovInIS5zQ-NXUQ7DC0zT7tV28qU

Bibellesen mit Gewinn

Hier sind neuen Anwendungsfragen, die Sie sich stellen können, wenn Sie das Wort Gottes aufschlagen:

Gibt es ein Beispiel, dem ich nacheifern sollte?

Gibt es eine Sünde, die ich vermeiden sollte?

Gibt es eine Verheißung, die ich in Anspruch nehmen könnte?

Gibt es ein Gebet, das ich wiederholen sollte?

Gibt es eine Anweisung, der ich gehorchen sollte?

Gibt es eine Bedingung, die ich erfüllen muss?

Gibt es einen Vers, sen ich auswendig lernen sollte?

Gibt es einen Irrtum, den ich mir merken sollte?

Gibt es eine Herausforderung, der ich mich stellen muss?

Bibellesen mit Gewinn, Hendricks, Seite 317

Bibellesen

„Ich habe mir angewöhnt, die beim Lesen des Bibeltextes schnell gewonnenen Erkenntnisse nicht für die Predigt zu berücksichtigen. Was ich zuerst sehe, steht meist nicht im Text, sondern befindet sich als Vorurteil im eigenen Kopf. Wenn ich mich dem Bibelwort länger aussetze, dringe ich tiefer ein. Das Wort Gottes setzt sich gegen meine vorgefasste Meinung durch. Oft kommen unbequeme Wahrheiten zutage, häufig überrascht mich das Bibelwort. Mal sind befreiende und erfreuende, mal herausfordernde Überraschungen, auch Zumutungen.“ Ulrich Parzany, Dazu stehe ich, s. 121.

AUSLEGUNG

“Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte: Ich schüttle ihn, und was runterkommt und reif ist, das nehme ich. Das andere lasse ich noch hängen. Wenn ich eine Stelle der Bibel nicht verstehe, ziehe ich den Hut und geh vorüber.” (Martin Luther)

Sieben Regeln zum Lesen der Schrift

Franz Delizsch predigte 1852 über das Lesen der heiligen Schrift. Dabei stellte er sieben Regeln auf, wie man sie heilsam lesen soll. Eingangs hält er fest: Die Schrift ist für das geistliche Leben das, was die Sonne für das natürliche Leben ist – Grundlage, ohne die nichts wachsen kann. Als eine solche Sonne “empfängt sie ihr Licht nicht erst von der Kirche, sondern sie hat es in sich selber. Im Gegenteil empfängt die Kirche ihr Licht von der heiligen Schrift und ist nicht die rechte Kirche, wenn sie sich nicht gern in dieses Licht stellt.” Dass Delitzsch über dieses Thema predigte, und nicht etwa einen Vortrag hielt, hat einen ganz einfachen Grund: Der Glaube kommt aus dem Anhören des gepredigten Wortes (Röm 10,17). “Aber die mündliche Predigt ist doch nur ein Sonnenstrahl und die heilige Schrift ist und bleibt die Sonne.” Auch zum Lesen ist also anzuregen, und zwar am Besten, indem man darüber predigt. Möge Delitzsch in dieser Hinsicht ein Vorbild für alle PredigerInnen sein!

Aber kommen wir zur Frage: Wie soll ich die heilige Schrift lesen?

Vor allen Regeln ist festzuhalten, dass wir die Schrift nicht ohne Christus lesen können, nur in seinem Licht ist sie erkennbar. Ohne ihn ist sie nur “der Buchstabe, der uns tötet, […] nur ein Feuer des Zorns, das uns verzehrt und nicht die Sonne, die uns erleuchtet.”

I. Regel: Forsche in der heiligen Schrift täglich, denn sie ist das Buch der Bücher!

Die Vielzahl der Verfasser, der Orte, an denen geschrieben wurde und die Zeitspannne, in der die verschiedenen biblischen Bücher entstanden sind, machen die Bibel tatsächlich zu einem universellen Buch, zu einem Buch der Bücher. Sie ist “klar genug dem Einfältigsten und unergründlich auch dem Weisesten.” Nie ist einer gewesen und wird sein, “der sie ausgelernt hätte”. Es ist Gottes Wille, dass du sie vor allen anderen Büchern liest (Jos 1,8): “Lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht”.

II. Regel: Merke demütig auf, denn sie ist das Wort deines Gottes

Mancher studiert fleißig, sucht aber eigentlich nur seine eigenen Gedanken. Er stellt sich über die Schrift, statt sich ihr zu unterwerfen, unterwirft sie seinem Urteil, statt sich unter ihrem Urteil zu beugen. Wer so selbstsüchtig und selbstweise die Schrift liest, wird an ihr zum Narren. “Denn die Schrift ist zwar von Menschen geschrieben, aber von Menschen Gottes.” Also redet in der Schrift Gott zu dir, der Allmächtige redet zum Ohnmächtigen, der Heilige zum Sündhaften, der Majestätische an den Armen.

III. Regel: Bitte um den heiligen Geist, denn sie ist das Werk des heiligen Geistes

Die heilige Schrift kann unmöglich von denen verstanden werden, welche nicht den heiligen Geist haben, denn dieser hat Gottes Wort in menschliche Rede gefasst.  Er hat in allen Verfassern gewirkt und macht aus den vielen Schriften die eine heilige Schrift. “Was aber aus dem heiligen Geiste hervorgegangen ist, das ist uns nur insoweit verständlich, als dieser uns das Verständnis öffnet.” Deshalb bete oft: “Öffne mir die Augen, dass ich die Wunder an deinem Gesetz sehe!” (Ps 119,18).

IV. Regel: Erkenne dein Sündenelend, denn die Schrift ist das Zeugnis von Christus deinem Erlöser

Die Schrift besteht aus Gesetz und Evangelium. “Das Gesetz verkündigt uns verheißend und drohend die Forderungen Gottes des Heiligen, das Evangelium bietet uns die rechtfertigende und heiligende Gnade der Erlösung an.” Wir können die Forderungen des Gesetzes nicht erfüllen, gerade das zeigt uns das Gesetz. Es weckt die Sehnsucht nach Erlösung in uns. Weil also die ganze Schrift von Christus dem Erlöser predigt, kann ein Selbstgerechter sie nicht verstehen. Wenn ihn die Drohungen des Gesetzes nicht erschrecken, rührt ihn auch die im Erlösungswerk offenbar gewordene Liebe Gottes nicht, die Tröstungen des Evangeliums erquicken ihn nicht. So folge David, wenn du in der Schrift über Gottes Gericht über die Sünder und das große Opfer der Erlösung liest, und bete bußfertig.

V. Regel: Öffne gläubig dein Herz, denn sie ist das Mitteilungsmittel aller Gnade

Die heilige Schrift ist das in menschliche Rede gefasste Wort Gottes. “In und mit dem Wort Gottes wirkt überall wo es gelesen oder gehört wird der heilige Geist; durch das Wort nahen sich dir der Vater und der Sohn; von dem Wort strömen die Kräfte der zukünftigen Welt auf dich”. Dieser Schatz wird durch den Glauben ergriffen. Deshalb bete: “Ich tue meinen Mund auf und begehre deine Gebote, denn mich verlangt danach” (Ps 119,131). Lass es wie Lydia an dir geschehen, dass der Herr dein Herz öffnet und du darauf acht hast, was gepredigt wird (Apg 16,14).

VI. Regel: Lass die Schrift ein neues Leben in dir wirken, denn sie ist der Same der Wiedergeburt

Die Gnadengüter werden erst da genossen, wo inmitten unseres alten selbstbezogenen Lebens ein neues, göttliches Leben begonnen hat. “Christi Leben muss Saft und Kraft deines Lebenswerden und dein Leben muss mehr und mehr in Wesen und Art des Lebens Chrsti verwandelt werden, und dieser Fortgang des neuen Lebens kann nicht ohne das Wort geschehen, wie auch der Anfang desselben durch die Taufe nicht ohne das Wort in dir gewirkt worden ist.” Im Wort Gottes hast du Christus vor dir, den du durch die Taufe in dir hast. Jedes Wort Gottes ist wie ein Same, es fällt in dein Herz wenn du es aufnimmst und macht dein neues Leben immer fester.

VII. Regel: Prüfe dich täglich in der heiligen Schrift, denn nach ihr entscheidet sich deine ewige Seligkeit oder Verdammnis

Welche am Gesetz gesündigt  haben, werden durch das Gesetz verurteilt (Röm 2,12f). “Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat sich schon gerichtet (Joh 12,48). Dein ewiges Geschick entscheidet sich nach deinem Verhältnis zu dem in der heiligen Schrift verzeichneten Willen Gottes und nach deinem Verhältnis zu dem in der Schrift verzeichneten Worte Jesu Christi.” Es ist nicht möglich, sich einen eigenen Heilsweg auszudenken, nach eigener Facon selig zu werden. Nur nach dem Wort Gottes wirst du gerettet. “Darum stelle dich täglich in das Licht dieses Wortes und lasse es alle Winkel deines Inwendigen durchleuchten.”

Zusammenfassung: Lies die Schrift unablässig mit der Absicht, dass sie dich unterweise zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus (2. Tim 3,15).

Aus: Franz Delitzsch, Anweisung zu heilsamem Lesen der heiligen Schrift, Erlangen 1852
https://lutherischeslaermen.de/2020/11/28/sieben-regeln-zum-lesen-der-schrift-in-der-bankreihe-bei-delitzsch/?fbclid=IwAR1kU9SQP_jsmcrozmakK7-V4CZ_eY9XBOArNAweSKH_ceDUIqVf1RvhdtU

Die Kunst des Schriftstudiums

Es gibt ein Studium der Schrift, durch das man nicht reicher wird. Man liest alte, längst bekannte Dinge und Gedanken und erfährt durch all sein Schriftstudium nichts Neues. Die Kunst des Schriftstudiums besteht darin, daß man liest, als läse man zum erstenmal. Man muß glauben, daß es hier etwas zu lernen gibt, was uns neu ist. Wir müssen unsere eigenen Gedanken beiseitesetzen und auf den Gedanken des Textes eingehen. Wer Gottes Gedanken fassen will, muß seine eigenen Gedanken preisgeben. Wer lernen will, muß verlernen können.
Wir müssen ferner mit Fragen an die Schrift herantreten. Wer nicht fragt, erhält auch keine Antwort. Fragen aber regt unser Leben täglich und reichlich in uns an. Gegen diese Fragen, die uns das Leben stellt, darf man sich nicht abstumpfen. Man muß sie hören. Hört das Fragen auf, so hört das Wachsen auf. Wenn das Fragen in uns erlischt, so ist das nicht minder schlimm, als wenn wir das Bitten verlernen und nichts mehr zu bitten haben. Der Reichtum Gottes wäre dann für uns umsonst da. So ist auch der Reichtum Gottes an Wahrheit für uns vergeblich da, wenn wir nicht mehr fragen, sondern uns einbilden, daß es für uns nichts mehr zu fragen und zu lernen gäbe.
Mit immer neuen Fragen an die Bibel heranzutreten, das ist der sicherste Schutz vor Verarmung. Daß es immer neue Fragen für uns gibt, dafür sorgt der Gang unseres Lebens reichlich. Doch gibt uns die Welt nur Fragen und nicht auch Antworten. Antworten, solche Antworten, die gewisse Erkenntnis geben, kann nur Gott geben. Mit dem Verlangen nach immer neuem Licht, immer reicherer Erkenntnis, immer mehr Wahrheit, müssen wir daher an die Schrift herantreten.

Wilhelm Lütgert 1905 Andacht in der Zeitschrift Die Studierstube